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Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Rheinland, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks
Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Rheinland, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks
Aachen 144.110 Einwohner - 1905 = 32. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.![]()
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Aachen - Markt mit Kaiser Karl-Denkmal
Aachen (franz. Aix-la-Chapelle, lat. Aquae, meist unflektiert Aquis, Aquisgranum) ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Rheinland, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks, die uralte Krönungsstadt der deutschen Könige, 162 Meter über dem Meer, liegt in einem Kesseltal, das von der Wurm bewässert und von den Vorhöhen des Hohen Venn umgrenzt wird. Aachen besteht aus der inneren alten und der äußern neuen Stadt, wozu noch neue Stadtteile außerhalb der ehemaligen Ringmauer und die 1897 eingemeindete Nachbarstadt Burtscheid kommen. Die meisten Straßen erinnern mit ihrer breiten Flucht und modernen Gebäuden nur selten an das Mittelalter. Als die schönsten sind die Wilhelms-, Hoch-, Theater-, Bahnhofs-, Komphaus- und Großkölnstraße und die sogenannten Gräben (Templer-, Alexianergraben etc.), welche die Mittelstadt von den ehemaligen Vorstädten trennen, anzuführen. Neue schöne Straßen sind die Lousbergstraße, die Ludwigs-, Monheims- und Heinrichsallee, der Adalbertstein weg, der Boxgraben etc. Von den Plätzen sind zu nennen der Große Markt mit der Bronzestatue Karls des Großen, der Friedrich-Wilhelmsplatz, der Theaterplatz mit dem Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. (modelliert von Schaper), der Münsterplatz, der Bahnhofsplatz mit dem Kriegerdenkmal von Fr. Drake, der Kaiserplatz mit monumentalem Springbrunnen, der Hansemannplatz mit dem Denkmal David Hansemanns von H. Hoffmeister etc. Von den ehemaligen Toren der Stadt stehen nur noch das Ponttor im Nordwesten und das Marschiertor im Süden, zwischen Aachen und dem Stadtteil Burtscheid.
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| Aachen - Marschiertor | Aachen - Ponttor |
Unter den kirchlichen Bauwerken ist zunächst
das Münster zu nennen, ein architektonisches Konglomerat aus den verschiedensten
Perioden christlicher Baukunst. Der älteste Teil ist die byzantinische Pfalzkapelle
Karls des Großen, ein achteckiger, 32 m hoher Bau mit Kuppel. Dieses Oktogon,
das eigentliche Schiff der Kirche, wurde 796 nach byzantinischen Mustern
begonnen, von Meister Udo von Metz vollendet und
805 durch Papst Leo III. eingeweiht. Die Mosaikbilder, welche die Kuppelwölbung
bedeckten, gingen verloren; nur eins derselben, die Majestas Domini mit
den 24 Ältesten der Apokalypse, ist wiederhergestellt worden. Westlich von
dem Oktogon steht ein Glockenturm, flankiert von zwei runden (karolingischen)
Treppentürmen, die nach der im Mittelalter entstandenen gotischen Reliquienkammer
führen. Das 34,5 m hohe, 25 m lange und 12,5 m breite Chor, der zweitälteste
Teil des Münsters, 1353–1413 im gotischen Stil ausgeführt, schließt sich
an die Ostseite des Oktogons und interessiert besonders durch seine 26,7
m hohen, 5 m breiten Fenster, die mit prachtvollen modernen Glasmalereien
geschmückt sind. Mehrere reichdekorierte, gotische Kapellen, im Innern restauriert,
darunter die Karlskapelle und die Annakapelle, flankieren beide Seiten des
Achtecks und Chors. Die Entfernung von Teilen einer dritten Bauperiode (18.
Jahrhundert), die das damals schon planlos erweiterte Gebäude verunzierten,
so der im Zopfstil wieder aufgeführten Ungarischen Kapelle, die jetzt den
Domschatz birgt, sowie geschmackloser Stuckaturen und Übermalungen im Innern
und die Wiederherstellung der Kirche in ihrer ursprünglichen Gestalt hat
sich der 1849 gegründete Karlsverein zur Aufgabe gemacht. In der Mitte des
Oktogons bezeichnet eine Steinplatte fälschlich die Stelle, an der Kaiser
Karl bestattet ist. Die Grabstätte ist indessen noch nicht gefunden. Seit
1215 ruhen seine Gebeine im schönen Karlsschrein. Über der vermeintlichen
Gruft hängt ein großer Kronleuchter aus vergoldetem Kupfer, eine kunstvolle
Arbeit des Aachener Meisters Wibert und vom Kaiser
Friedrich I. geschenkt. Außer Karl der Großen wurde auch Otto III. im Münster
bestattet. Reich sind die Schätze, die das Münster birgt, an Reliquien und
kostbaren Altertümern, unter letzteren das angebliche Hifthorn Karls des
Großen, der weißmarmorne, später mit Gold plattierte Kaiserstuhl, die prachtvolle,
mit Gold überzogene und mit Gemmen und Elfenbeinreliefs verzierte Evangelienkanzel,
ein Geschenk Heinrichs II., etc. Die Reliquien werden alle sieben Jahre
in der Zeit vom 10.–24. Juli (zuletzt 1902) dem Volke gezeigt.
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| Aachen - Gesamtansicht | Aachen - Münster vom Fischmarkt | Aachen - Dom, Nordseite |
Außer dem Münster besitzt Aachen noch 41 Gotteshäuser,
darunter 10 katholische Pfarrkirchen, 3 evangelische Kirchen und eine Synagoge
im maurischen Stil. Nur vier dieser Kirchen sind mittelalterlichen Ursprungs,
die St. Foillans-Pfarrkirche (aus dem 15. Jahrhundert), die spätgotische
Kirche zu St. Paul (mit einer Himmelfahrt von Schadow), die Adalbertskirche
und die Nikolauskirche. Unter den übrigen sind die gotische Marienkirche
und die im romanischen Stil erbaute Redemptoristenkirche als moderne Bauwerke
sowie die Michaeliskirche (1628 geweiht) wegen ihres Altarbildes (einer
Pieta von Honthorst) und die neue Jakobskirche im romanischen Stil hervorzuheben.Das
historisch wichtigste profane Bauwerk Aachens ist das an der Stelle der
karolingischen Kaiserpfalz im 14. Jahrhundert erbaute gotische Rathaus.
An beiden Seiten der Nordfront erheben sich nach Vernichtung ihres Dachwerks
durch die Feuersbrunst von 1883 zwei jetzt wiederhergestellte Türme, von
denen der eine (östliche), der gewaltige Granusturm, zum größten Teil noch
der alten Pfalz angehört. Im oberen Geschoß enthält das Rathaus den schönen,
fast 45 m langen und 19 m breiten Kaisersaal, der einst zur Abhaltung der
Krönungsfeierlichkeiten diente und mit Wandgemälden von Rethel und Kehren
geschmückt ist. Eine durchgreifende Restauration des ganzen Baues ist jetzt
vollendet. Von den übrigen öffentlichen Gebäuden sind zu nennen, das Kurhaus
mit großem Konzertsaal, das Suermondt-Museum, der in griechischem Stil nach
Schinkels Plänen 1822–24 ausgeführte Elisenbrunnen, das Theater, das Regierungsgebäude,
das gotische Karlshaus, das städtische Verwaltungsgebäude, das städtische
Archiv- und Bibliotheksgebäude etc.
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| Aachen - Rathaus | Aachen - Rathaus (Seitenansicht) | Aachen - Rathaus mit Verwaltungsgebäude |
Die Zahl der Einwohner, die 1799 = 23.699, 1867
= 67.923 betrug, belief sich im Jahr 1900 mit der Garnison (ein Füsilierregiment
Nr. 40) auf 135.245 Seelen, die überwiegende Mehrheit sind Katholiken, 9354
sind Evangelische und 1580 Juden. In der Industrie ist besonders die Textilbranche
von hervorragender Bedeutung. 1900 bestanden dort 159 Fabriken mit 13.152
Arbeitern, die Spinnerei, Weberei, Tuchfabrikation (78 mit 10.365 Arbeitern)
und Färberei betrieben. Hauptprodukt sind namentlich Herren- und Damentuche.
Demnächst nimmt die Nadelfabrikation einen hervorragenden Rang ein (1900
= 29 Fabriken mit 4022 Arbeitern), desgleichen die Herstellung von Kratzen,
Maschinen und Dampfkesseln, Wagen und Waggons, Möbeln und Zigarren sowie
die Buchdruckerei. Sonst sind noch vorhanden: Fabriken für Samt-, Leinen-
und Posamentierwaren, Farben, Handschuhe, Messer, Regenschirme, feuerfeste
Steine, Ton- und Steingutwaren, Zement, optische und physikalische Instrumente,
Knöpfe, Glocken, Tapeten, Feuerspritzen, Eisengießereien, große Brauereien
und Brennereien etc. Aachen ist mit vier Bahnhöfen Knotenpunkt der Staatsbahnlinie
Köln-Herbesthal und zahlreicher andrer Linien. Eine
elektrische Straßenbahn von 83 km Betriebslänge sowie ein ausgedehntes Fernsprechnetz
(1710 Sprechstellen) erleichtern den Verkehr. Aachen ist ein wichtiger Stapelplatz
des preußischen Handels. Außer den Erzeugnissen der Textil- und Nadelfabrikation,
mit starker überseeischer Ausfuhr, sind namentlich Wolle, Getreide und Wein,
Steinkohlen, Leder, Holz etc. wichtige Handelsartikel. Zugleich ist Aachen
Sitz der Aachen-Münchener Feuerversicherungsgesellschaft (gegr. 1825 von
Hansemann), der Rückversicherungsgesellschaft, der Aachen-Höngener Bergwerksgesellschaft
und der Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg
und in Westfalen. Den Geldverkehr vermitteln
die Reichsbankstelle (Umsatz 1901: 1153,5 Millionen Mark), die Filiale der
Bergisch-Märkischen Bank, die Aachener Diskontogesellschaft, die Bank für
Handel und Gewerbe etc. Ferner ist Aachen Sitz einer amtlichen Konditionieranstalt
sowie Verwaltungsstelle einer Reihe berufsgenossenschaftlicher Organe und
Sitz namhafter gewerblicher Vereinigungen (z. B. des Berg- und Hüttenmännischen
Vereins im Aachener Bezirk, des Vereins deutscher Nadelfabrikanten, des
Tuchfabrikantenvereins etc.).
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| Aachen - Markt mit Kaiser Karl-Denkmal | Aachen - Denkmal Kaiser Karl d. Großen | Aachen - Markt |
An Bildungsanstalten besitzt Aachen eine technische
Hochschule (1900 = 421 Studierende), 2 Gymnasien, ein Realgymnasium, eine
Oberrealschule, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine höhere Fachschule
für Textilindustrie, eine gewerbliche Zeichen- und Kunstschule, eine Baugewerkschule,
eine höhere Maschinenbauschule, eine Fachschule für Heizer und Maschinenwärter,
eine Taubstummenbildungsanstalt etc. Daneben bestehen mehrere öffentliche
Bibliotheken und zahlreiche Kunst- und naturhistorische Privatsammlungen,
darunter namentlich die Stadtbibliothek mit über 80.000 Bänden, das Stadtarchiv,
das Suermondt-Museum (für Altertümer, Gemälde und Kupferstiche), das Stadttheater,
zahlreiche wissenschaftliche Vereine etc. Von Wohltätigkeitsanstalten sind
zu nennen, das Mariahilfspital (unter Leitung von Elisabethinerinnen), die
Alexianer-Irrenanstalt, das Vincenzspital für Unheilbare, die Mariannen-Entbindungsanstalt,
die Annunziatenanstalt für weibliche Irre (Mariabrunn und Mariaberg), das
Luisenhospital, die Augenheilanstalt für den Regierungsbezirk Aachen, das
Arbeiterinnenhospiz, ein Armen- und Waisenhaus etc. Aachen ist Sitz der
Regierung, eines Landratsamts (für den Landkreis Aachen), eines Landgerichts,
einer Oberpostdirektion, eines königlichen Polizeipräsidiums, eines Hauptzollamts,
des Stabes der 29. Infanteriebrigade sowie einer Handelskammer. Die städtischen
Behörden zählen 7 Magistratsmitglieder und 30 Stadtverordnete. Die städtische
Jahresrechnung umfasste 1901 = 8.144.000 Mark in Einnahme und Ausgabe; die
Schuld belief sich auf 17,7 Millionen Mark. Der Landgerichtsbezirk umfasst
die 16 Amtsgerichte zu Aachen, Aldenhoven, Blankenheim,
Düren, Erkelenz, Eschweiler,
Eupen, Geilenkirchen, Gemünd, Heinsberg, Jülich,
Malmedy, Montjoie, St. Vith, Stolberg und Wegberg. Die Stadtfarben sind
Schwarz und Gelb.
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| Aachen - Elisenbrunnen | Aachen - Kaiser Friedrich-Denkmal | Aachen - Kapuzinergraben mit Hauptpost |
Die Aachener Mineralquellen (schon von den Römern
benutzt) gehören zur Klasse der warmen Schwefelquellen. Man unterscheidet
drei Quellgruppen, die am Abhang der das Rathaus tragenden Höhe auf der
Hof- und Büchelstraße (obere Gruppe) und der Komphausbadstraße (untere Gruppe)
hervorbrechen, sowie die Quellen im Stadtteil Burtscheid. In der oberen
Gruppe ist die mächtigste und heißeste (55°) die Kaiserquelle im Gebäude
des Kaiserbades, die außer den eignen Bädern und dem Elisenbrunnen auch
das Bad Zur Königin von Ungarn und das Neubad speist; bei dem Neubau des
ersteren in der Edelstraße wurden die Fundamente eines von der 6. römischen
Legion zwischen 71 und 91 n. Chr. in der Nähe der Kaiserquelle errichteten
Badegebäudes ausgegraben. In Verbindung mit dem Kaiserbad steht ein Inhalationssaal.
Zu der oberen Quellgruppe zählt auch die Quirinusquelle (50°), die das gleichnamige
Bad versieht. Zu der unteren Quellgruppe auf der Komphausbadstraße gehört
die von allen Thermen Aachens wasserreichste, das Rosenbad und das für Unbemittelte
bestimmte Komphausbad versehende Rosenquelle (47,5°); sehr wasserreich ist
auch die Corneliusquelle (45,7°), die das Cornelius- und Karlsbad speist.
Im Stadtteil Burtscheid befinden sich 25 Thermen (Kochsalzquellen), die
mehr oder minder nach Schwefelwasserstoffgas riechen, und von denen 9 zu
Heilzwecken benutzt werden, darunter die Schwertbadquelle (74,6°), die heißeste
Quelle von Mitteleuropa, der Viktoriabrunnen (60°), der gewöhnlich zum Trinken
benutzt wird, der Kochbrunnen (72,5°). Übrigens befindet sich dort auch
eine kalte Eisenquelle. Die Thermen werden zu Bädern benutzt, auch getrunken
und zerstäubt eingeatmet. Sie wirken besonders auf das Pfortadersystem und
die Schleimhäute und werden angewendet gegen Gicht, Hautkrankheiten, Rheumatismus,
Unterleibsbeschwerden, Syphilis, Neuralgien, Lähmungen, Folgezustände von
Verletzungen und Entzündungen, Metallvergiftungen, Rückenmarksschwindsucht,
Skrofulose. Aus dem Thermalwasser wird auch ein Tafelwasser hergestellt
(Versand jährlich 3,8 Millionen Flaschen). Zahl der Kurgäste jährlich über
40.000.
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| Aachen - Gelbe Kaserne | Aachen - Elisenbrunnen |
Rings um die Stadt sind vortreffliche Promenaden
angelegt (Stadtgarten in Verbindung mit einem botanischen Garten). Der nahe
Lousberg, ein 250 m hoher Hügel nördlich von der Stadt, bietet herrliche
Aussicht. Vom Lousberg, zugleich einem ergiebigen Fundort für Petrefakten
der Kreideformation, durch einen Einschnitt getrennt, erhebt sich der Salvatorberg,
mit romanischer Kapelle, 1883 bis 1884 in der früheren Gestalt neu aufgebaut.
Weiterhin bildet der über 1000 Hektar große Aachener Wald (mit Aussichtsturm)
schöne Partien. Ein neues, im Bau befindliches Stadtviertel, überwiegend
auf Burtscheider Gebiet, umgrenzt die Frankenburg, den sagenhaften Lieblingsaufenthalt
Karls des Großen und Fastradas, in parkartiger Umgebung.
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| Aachen - Theaterstraße | Aachen - Theater und Kaiser Wilhelm-Denkmal |
Aachen ist in der Römerzeit entstanden; seine
mittelalterliche Bezeichnung Aquisgrani (Aquisgranum) weist auf den Kult
des Apollo Granus hin, den die Römer bei Thermen verehrten. Schon unter
König Pippin bestand daselbst um 765 eine königliche Pfalz, an deren Stelle
Karl der Große 777–786 einen prächtigen Neubau ausführen ließ, in dem er
und seine Nachfolger häufig Hof hielten. Erst 1172 bis 1176 wurde der Ort
(die jetzige Altstadt) auf Geheiß Kaiser Friedrichs
I. mit einer Mauer umgeben und dadurch Stadt. Um 1300 entstand der äußere
Mauerring. Schon 1166 gewährte Friedrich I. und 1215 Friedrich II. A. wichtige
Privilegien. Wilhelm von Holland erteilte 1250 den vom Rate beschlossenen
Statuten seine Zustimmung; doch bestanden als königliche Beamte Vogt und
Schultheiß fort. Aachen hieß "des heiligen römischen Reiches freie
Stadt" und spielte im Landfriedensbund zwischen Maas und Rhein (1351–87)
eine hervorragende Rolle. Von Ludwig dem Frommen bis auf Ferdinand I. (813–1531)
wurden hier 32 Kaiser und deutsche Könige gekrönt. 1450 erzwangen die Zünfte
durch einen Aufstand Anteil am Stadtregiment. Die Reformation fand schon
früh Eingang, ja 1580 wurde der katholische Magistrat verdrängt, worauf
1598 die Reichsacht über Aachen ausgesprochen und von dem Kölner Kurfürsten
Ernst von Bayern vollstreckt wurde. Als während des jülichschen Erbfolgestreites
die Protestanten abermals die Oberhand gewannen, wurden spanische Truppen
unter Spinola 1614 aus den Niederlanden herbeigerufen und durch sie das
im Jahre vorher erlassene Restitutionsmandat Kaiser Matthias vollzogen.
Die Verlegung der Krönungen nach Frankfurt
a. M., die Religionsstreitigkeiten und eine große Feuersbrunst 1656 führten
Aachens Verfall herbei. 1801 wurde es durch den Lüneviller Frieden französisch
und Hauptstadt des Roerdepartements. 1815 fiel es an das
Königreich Preußen. Das Bistum Aachen,
1802 gegründet, wurde 1821 aufgehoben und bei dem Münster wiederum ein Kollegiatstift
eingerichtet. Von Aachen führen zwei Friedensschlüsse den Namen. Der erste
Friede von Aachen beendete am 2. Mai 1668 den sogen. Devolutionskrieg Ludwigs
XIV. gegen Spanien. Ludwig XIV. musste sich mit einigen Städten Flanderns,
wie Charleroi, Douai, Tournai und Lille, begnügen, wogegen Spanien die Franche-Comté
zurückerhielt. Der zweite Friede von Aachen , am 18. Okt. 1748 zwischen
Österreich, England, den Niederlanden und Sardinien einerseits und Frankreich
und Spanien anderseits abgeschlossen, beendigte den Österreichischen Erbfolgekrieg.
Österreich trat die italienischen Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla
an den spanischen Infanten Philipp ab; dafür erkannten Frankreich und Spanien
die Pragmatische Sanktion Kaiser Karls VI. an. Auf dem Aachener Kongress
(1. Oktober bis 14. November 1818), zu dem die Monarchen von Österreich,
Russland und Preußen persönlich erschienen,
trat Frankreich der Heiligen Allianz bei, worauf es am 9. Oktober die sofortige
Räumung seines Gebietes durch die verbündeten Truppen und die Festsetzung
der noch zu zahlenden Kriegskosten auf 265 Millionen Franc zugestanden erhielt.
Ferner erklärte der Kongress das Großherzogtum
Baden, von dem Österreich einen Teil an
Bayern versprochen hatte, für unteilbar
und gestand den Grafen von Hochberg das Recht der Nachfolge in Baden zu.
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| Aachen - Bahnhofplatz mit Kriegerdenkmal | Aachen - Bahnhof |
Der Regierungsbezirk Aachen umfasst 4155 km²
(75,46 Quadratmeilen) mit im Jahr 1900 = 614.964 Einwohner (148/km²), darunter
24.763 Evangelische, 585.717 Katholiken und 4325 Juden und besteht aus den
11 Kreisen: Stadtkreis Aachen und die Landkreise Aachen,
Düren, Erkelenz, Eupen,
Geilenkirchen, Heinsberg, Jülich, Malmedy, Montjoie, Schleiden.

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