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Kongoakte

Internationale Afrikakonferenz von 1884-85

Kongokonferenz

Congo - Inspection de la Force publique à trebu

Congo - Inspection de la Force publique à trebu

 

Kongoakte

Die Kongokonferenz ist eine auf Anregung des Fürsten Bismarck von den Regierungen Deutschlands und Frankreichs berufene und vom 15. November 1884 bis 26. Februar 1885 in Berlin abgehaltene Konferenz der Bevollmächtigten der genannten beiden Staaten sowie von Österreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Spanien, den Vereinigten Staaten von Amerika, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Portugal, Russland, Schweden-Norwegen und der Türkei, nahm eine Generalakte (sogen. Kongoakte) an, in der allen Nationen völlige Freiheit des Handels und der Schifffahrt auf vorläufig 20 Jahre gesichert wird in einem Gebiete, dessen Grenzen bilden sollten: im N. der 2.° 30' südl. Br. bis 12° östl. L., dann die Wasserscheide zwischen dem Becken des Kongo und denen des Ogowe, Schari und Nil bis 28° östl. L., sodann der 5.° südl. Br. bis zum Indischen Ozean, der von da ab südwärts bis zur Mündung des Sambesi die Ostgrenze sein sollte. Die Südgrenze zieht den Sambesi aufwärts bis über die Mündung des Schire hinaus, dann auf der Wasserscheide zwischen diesem und dem Koanza einerseits und dem Kongo anderseits und folgt darauf dem Loje von seiner Quelle bis zur Mündung, von wo ab nordwärts bis 2°30' der Atlantische Ozean als Westgrenze eintritt. Das so begrenzte Gebiet wurde für neutral erklärt und der Sklavenhandel in demselben durchaus verboten, so dass es weder als Markt noch als Durchgangsstraße benutzt werden sollte. Ebenso sollte keine der Mächte, die Souveränitätsrechte in diesem Gebiet ausüben, Monopole oder Privilegien verleihen dürfen. Als Abgaben sollen nur solche zulässig sein, die den Charakter eines Entgelts tragen, wie Hafen- und Lotsengebühren, zur Bestreitung oder Erhaltung von Leuchttürmen und Baken u. dgl. Doch hat man dem Kongostaat seit Mai 1893 gestattet, Einfuhrzölle zu erheben, nachdem demselben schon gleich zu Anfang eine mäßige Gebühr von den ausgeführten Waren entrichtet worden war. Eine der wichtigsten Folgen der Kongoakte war die Anerkennung und Begrenzung des neu ins Leben getretenen Kongostaates. In ihr werden die Neutralisierung des Kongobeckens verfügt, Handels- und Schifffahrtsfreiheit vereinbart, der Sklavenhandel verboten, der unabhängige Kongostaat unter der Souveränität des belgischen Königs Leopold II. anerkannt und Kongo (Brazzaville) als französischer Besitz bestätigt. Die Konferenz beendete die internationale Krise um das Kongobecken. Es wurden allgemeine Richtlinien und Spielregeln für den Erwerb von Kolonien aufgestellt. Weiterhin sind nach Inbesitznahme eines Gebietes die anderen Kolonialmächte zu unterrichten und auch ihnen freien Handel zu gewähren. Bismarck erreichte für das Deutsche Reich die Aufnahme in den Kreis der Kolonialmächte. Die Konferenz löste einen regelrechten Wettlauf um koloniale Besitzungen aus. 1876 waren ca. 10% Afrikas in europäischer Hand. Innerhalb von 25 Jahren änderte sich die Situation dramatisch. 1902 hatten sich die Kolonialmächte 90% des Territoriums Afrikas untereinander aufgeteilt. Teilnehmerstaaten der Konferenz sind Belgien, Dänemark, Deutsches Reich, England, Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich-Ungarn, Portugal, Russland, Schweden, Spanien, Osmanisches Reich und USA.

Die Kongo-Akte hält die Ergebnisse der Konferenz in 6 Kapiteln fest:

- Kapitel I: Einführung der Handelsfreiheit im Kongo-Becken.
- Kapitel II: Bestimmungen über den Sklavenhandel und dessen Bekämpfung.
- Kapitel III: Neutralisierung des sogenannten Bassin conventionnel du Congo, d.h. der in Kapitel I fixierten Freihandelszone.
- Kapitel IV: Regelung der Schifffahrt auf dem Kongo.
- Kapitel V: Regelung der Schifffahrt auf dem Niger.
- Kapitel VI: Festlegung der Prozedur, nach der die Inbesitznahme neuer Territorien an den afrikanischen Künsten Afrika durch die Kolonialmächte und die Errichtung von Protektoraten zu erfolgen habe.

 

Afrikakonferenz in Berlin aus "Gartenlaube" von 1885

Afrikakonferenz in Berlin aus "Gartenlaube" von 1885

 

Die "Gartenlaube" schrieb 1885 über die Konferenz: "Es gab eine Zeit, und sie liegt kaum ein paar Jahre hinter uns, in welcher eifrige Patrioten warnend ihre Stimme erhoben und von einer "Lebensgefahr der deutschen Nationalität" sprachen, die in der zunehmenden Ausbreitung der englischen Kolonialmacht zu suchen wäre. Die Politiker der alten Schule schüttelten ihre Häupter ob dieser sonderbaren Warnung, den sie konnten nicht begreifen, daß der wachsende überseeische Einfluß Englands und seine Alleinherrschaft auf dem Meere den deutschen Volke jemals gefährlich werden könnte. Es erhob sich auch bald ein heftiger Streit, und lange Reden für oder wider deutschen Kolonien wurden gehalten und dicke Bücher über die Frage geschrieben. Aber diesmal sollte die neue Strömung nicht spurlos verrinnen, rasch folgte dem Worte die Tat, und über alle Erwartungen schnell war Deutschland in die Reihe der kolonialen Mächte eingetreten. Und die Sache war nicht so schlimm, wie man befürchtete. Die Entfaltung der deutschen Fahne in überseeischen Ländern rief keinen Krieg hervor. Im Gegenteil, am deutschen Herde sammeln sich heute die Völker, um friedlich über die Lösungen schwebender kolonialer Fragen zu beraten; und nur wenige folgten widerwillig dem Rufe des deutschen Kaisers, als Freunde sind die meisten gekommen, selbst der gallische Erbfeind ist als Bundesgenosse erschienen, und sogar in erster Reihe, denn er war es, in dessen Gemeinschaft Deutschland die ersten Schritte für die Konferenz unternahm. Im Hause des deutschen Reichskanzlers, wo vor fünf Jahren die Diplomaten über den Frieden des Orients entschieden, wird heute über das Schicksal Afrikas beraten, und denkwürdig für lange, lange Zeiten wird der 15. November d.J. bleiben, an welchem Fürst Bismarck in Berlin die westafrikanische Konferenz eröffnete. Das schlichte Bild, welches den Anfang unseres Artikels schmückt, spiegelt in der Tat einen Vorgang wieder, der als Verkörperung einer großen geschichtlichen Wendung gelten muß, einer Wendung, die nicht allein für Deutschland, sondern für die ganze Welt von unberechenbarer Tragweite ist. Den die Konferenz, an welcher außer europäischen Mächten auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika teilnehmen, hat eine weltumspannende Bedeutung; von ihren Beschlüssen wird in Zukunft das Schick eines ganzen Weltteils abhängen, uns sie ist berufen, ein neues Recht auf einem Gebiete zu schaffen, auf dem bis jetzt zumeist Willkür und Waffengewalt herrschten. Ein solches Ereignis fordert unwillkürlich zu geschichtlichen Betrachtungen heraus, wenn man dann die Vergangenheit kennt und dadurch klar in die Zukunft schaut..."

Wild-Afrika

Aus Wild-Afrika - Engländer und Portugiese streiten sich:

"Armer Neger! Wenn sie nicht dem Sklavenhändler verfallen, werden sie von der Zivilisation zerrissen."

Humoristische Blätter Nr. 3 - Wien 19. Jänner 1890

 

Ein neuer Staat

Der Congostaat ist fertig nun,
Die Grenzen sind bestimmt;
Nun frägt sich's was zuerst zu thun,
Und wie man sich benimmt?

Ein Dutzend Klöster rasch erbaut,
Und diese auf der Stell'
Den Jesuiten anvertraut,
Das andere geht dann schnell

Schnell Congo-Rente emittiert,
Million auf Million,
Die Congo-Zeitung confiscirt,
Die erste Nummer schon.

Und schnell die Steuerschraube her
Drauf losgepresst geschwind,
Bis auch die Weißen kreuz und quer
Hübsch schwarz geworden sind.

aus "Humoristische Blätter" Wien, 8. März 1885

 

Congostaat 1887 - 5 Francs   Wappen - Unabhängiger Congo Staat Congostaat 1887 - 10 Francs 
Congostaat 1887 - 5 Francs   Wappen - Unabhängiger Congo Staat Congostaat 1887 - 10 Francs 

 

Das riesige Kongogebiet (die heutige Demokratische Republik Kongo, von 1971 bis 1997 nannte sich das Land Zaire) wurde zunächst das Privateigentum von Leopold II., von 1865 bis 1909 König von Belgien. Die Belgier errichteten im Kongo ein Kolonialregime und beutete das Land skrupellos aus. Der Begriff "Kongogräuel" wurde in jener Zeit geprägt. Die Profitgier kostete 5 bis 8 Millionen Kongolesen das Leben. Auf internationalen Druck hin verkaufte Leopold  den "Kongo-Freistaat" 1908 an den belgischen Staat.
Noch heute gehören der belgischen Königsfamilie große Ländereinen in der Demokratischen Republik Kongo.

 

Landkarte Afrika 1918


 

 

 

 


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