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unmittelbare Stadt im Königreich Bayern und Hauptstadt des Regierungsbezirks Schwaben
Stadt Augsburg - S.M.S. Augsburg
unmittelbare Stadt im Königreich Bayern und Hauptstadt des Regierungsbezirks Schwaben
Augsburg 93.882 Einwohner - 1905 = 43. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.![]()
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Augsburg - Untere Maximilianstraße
Augsburg (Augusta Vindelicorum) ist unmittelbare Stadt im Königreich Bayern und Hauptstadt des Regierungsbezirks Schwaben. Sie liegt 490 Meter über dem Meer, inmitten der schwäbisch-bayrischen Hochebene zwischen Wertach und Lech, die sich unterhalb der Stadt vereinigen. Augsburg ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Pleinfeld-Augsburg-Buchloe, Regensburg-Ingolstadt-Augsburg und Ulm-Augsburg-München, besteht aus der oberen und unteren Stadt und der Jakober Vorstadt, an die sich die neuen Stadtteile West-, Süd-, Ost- u. Nordend und die Werkach-Vorstädte anschließen. Unter den Straßen ist die Maximiliansstraße, von St. Ulrich bis zum Ludwigsplatz, die schönste; andre Hauptstraßen sind die Karolinen- und Ludwigsstraße, die St. Annastraße und die Philippine Welser-Straße mit dem Denkmal des Haus Jakob Fugger (modelliert von Brugger). Hauptplätze sind der Fronhof oder Domplatz mit dem Sieges- und Friedensdenkmal von Zumbusch, der Maximiliansplatz bei St. Ulrich, der Ludwigsplatz beim Perlach und der Prinz-Regentenplatz, auf dem das Standbild des Prinz-Regenten Luitpold errichtet wird. Eine Hauptzierde Augsburgs sind die öffentlichen, größtenteils mit metallenen Figuren geschmückten Brunnen, der Augustusbrunnen auf dem Ludwigsplatz (ein Werk des bayrischen Hofbildhauers Hubert Gerhard von 1594), der Merkur- und der Herkulesbrunnen in der Maximiliansstraße (1599 und 1602 von Adrian de Vries aus dem Haag erbaut). Unter den kirchlichen Gebäuden (6 evangelische, 17 katholische Kirchen und Kapellen und eine Synagoge) ist zunächst der zweitürmige Dom zu erwähnen, dessen ältester Teil aus den Jahren 994–1006 stammt. Er ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit westlichem Chor, die im 14. Jahrhundert gotisiert und durch zwei Nebenschiffe und ein östliches Chor erweitert wurde; ganz romanisch sind die beiden Türme und die Krypta.
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| Augsburg - Herkulesbrunnen | Augsburg - Augustusbrunnen |
An der Außenseite sind bemerkenswert neben den beiden reich mit Skulpturen geschmückten Hauptportalen die ins südliche Seitenschiff führenden Bronzetüren am Mittelportal (aus dem 11. Jahrhundert), die Szenen aus dem Alten Testament, rätselhafte und phantastische Gestalten etc. darstellen. Der ganze Dom ist 113 m lang, 39 m breit und im Mittelschiff 28,5 m hoch. Er enthält mehrere schöne Altarbilder (vier Altarblätter von H. Holbein dem älteren) und viele alte Glasmalereien, z. T. aus dem 11. Jahrhundert. Die katholische St. Ulrichs- und Afrakirche, 1474–1500 erbaut, ist ein spätgotischer Bau, der ein prächtiges, hoch gewölbtes Mittelschiff, daneben sehr niedrige Seitenschiffe enthält; der 93,5 m hohe Turm wurde erst 1594 vollendet. Die Kirche steht auf dem Platze, wo die ersten Christen der Gegend den Märtyrertod erlitten und wo man über der Gruft der heiligen Afra bereits im 6. Jahrhundert eine Kapelle errichtet hatte. Die Hauptpfarrkirche der Protestanten ist die St. Annakirche, die 1649 in den Besitz der Evangelischen kam, aber ihre gegenwärtige Gestalt erst 1747 erhielt. Eine Hauptmerkwürdigkeit der Stadt ist das Rathaus, 1615–20 im Renaissancestil von Elias Holl erbaut. Das Gebäude ist 43 m breit, auf der Westseite 44,5, auf der Ostseite 51 m hoch. Ein weites, 6,4 m hohes und 3,8 m breites Portal bildet den Eingang; über den Torflügeln halten zwei Greise das Stadtwappen. Die größte Zierde des ganzen Hauses ist der sogenannte goldene Saal, der 14,22 m hoch, 17,3 m breit und 32,65 m lang ist. Die Decke, durch ein Hängewerk getragen, prangt mit vergoldetem Schnitzwerk, und der Fußboden des Saales ist mit Marmorplatten belegt. An den Ecken des Saales befinden sich die vier sogenannte Fürstenzimmer.
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| Augsburg - Dom mit bischöflichen Ordinariat | Augsburg - Turamichele (Perlachturm und Rathaus) | Augsburg - Carolinenstraße |
Nördlich vom Rathaus erhebt sich der Perlachturm, teilweise noch aus dem 11. Jahrhundert stammt; seine Windfahne stellt "Cisa", die alte heidnische Schutzgöttin der Stadt, dar. Bemerkenswert sind auch das Zeughaus (1602–1607), das Bäckerhaus (1602) und das Metzgerhaus (1608), sämtlich von Holl erbaut. Ferner verdient die ehemalige bischöfliche Pfalz oder sogenannte Residenz am Fronhof Erwähnung, die ihre gegenwärtige Gestalt 1743 erhielt und jetzt als Sitz der königlichen Kreisregierung dient. In einem jetzt verbauten Zimmer des Gebäudes überreichten die protestantischen Fürsten am 25. Juni 1530 dem Kaiser Karl V. die "Augsburgische Konfession"; der Platz davor (Fronhof) diente ehemals zu Ritterturnieren und anderen Festlichkeiten. Beachtung verdienen noch das Maximiliansmuseum in der Philippine Welser-Straße, mit den Sammlungen des Historischen und des Naturhistorischen Vereins und das alte prächtige Fuggerhaus, seit Jahrhunderten Wohnsitz des Geschlechts der Fugger und gegenwärtig Eigentum des Fürsten Karl von Fugger-Babenhausen. Die Wandflächen des Gebäudes wurden 1860–63 von Ferdinand Wagner mit Fresken aus der Augsburger Geschichte geschmückt; das Innere enthält unter anderem die ebenfalls mit Fresken (von Anton Ponzano) gezierten Räume des Kunstvereins. Nennenswert sind schlussendlich noch das 1876–77 erbaute Theater, die Börse, die Bibliothek (1892–93 erbaut), die "Drei Mohren", einer der berühmtesten Gasthöfe Deutschlands mit interessantem Fremdenbuch etc. Die Jakober Vorstadt umschließt auch die Fuggerei, eine kleine Binnenstadt mit 3 Haupt- und 3 Nebengassen, 3 Toren, einer eignen Kirche und 53 Häusern mit 106 Wohnungen, worin arme Bürger Augsburgs für den geringen Mietzins von jährlich 3,43 Mark Wohnung finden. Diese Anstalt wurde 1519 von den Brüdern Ulrich, Georg und Jakob Fugger gestiftet.
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| Augsburg - Jakoberstraße | Augsburg - Bürgermeister Fischerstrasse | Augsburg - Fuggerhaus |
Die Zahl der Einwohner betrug im Jahr 1900 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 3,4 Eskadrons Chevau-legers Nr. 4 und ein Feldartillerieregiment Nr. 4) 89.170 Seelen, die überwiegende Mehrheit sind Katholiken, 23.995 sind Evangelische und 1171 Juden. In der gewerblichen Tätigkeit nimmt die Textilindustrie (Baumwollspinnerei und -Weberei, Zwirnerei, Nähfadenfabrikation und Kammgarnspinnerei) eine ganz hervorragende Stelle ein (1900: 16 Fabriken mit 9624 Arbeitern, 5799 Webstühlen und 514.530 Spindeln). Von Bedeutung sind ferner die Bleicherei, Färberei, Druckerei, die Appreturanstalten, Eisengießerei, Maschinen- und Zahnradfabrikation sowie die Herstellung von Papier, Buntpapier, Hutstumpen, Zündhölzern, Wichse, Bindfaden, Pergament, Uhrfedern, Laubsägen, Tapeten, Chemikalien, Wachstuch, Leder, Tabak, Gold- und Silberwaren etc. und die Bierbrauerei. Ein großer Teil des Wassers vom Lech und von der Wertach wird in Werkkanälen durch die Stadt geleitet. Die an denselben befindlichen 96 Triebwerke haben zusammen 9095 Pferdekräfte, wovon 8660 durch Privatetablissements und 435 durch die Stadtgemeinde ausgenutzt werden. Der gegen das Mittelalter zwar sehr zurückgegangene, aber immer noch bedeutende Handel wird unterstützt durch eine Börse, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1901: 766,3 Millionen Mark), Filialen der königlichen Bank, der Bayrischen Notenbank etc. Zwei "Dulten" (Messen) finden im April-Mai und Oktober, ein Wollmarkt im Juni und mehrere Schaf- und Getreidemärkte statt. Ansehnlich ist auch der Buchhandel. Außer vier Lokalblättern erscheinen in Augsburg noch die "Augsburger Abendzeitung" und die "Postzeitung", nachdem die 1798 von Cotta begründete "Allgemeine Zeitung" 1882 nach München verlegt worden ist.
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| Augsburg - Obere Maximilianstrasse | Augsburg - Bismarckdenkmal | Augsburg - Blick vom Moritzturm |
Als gemeinnützige und Wohltätigkeitsanstalten sind zu bemerken der
Landwirtschaftliche Verein des Regierungsbezirks, ein technischer, naturhistorischer,
historischer und Kunstverein, mehrere Waisenhäuser, reiche Pfründneranstalten
etc. An wissenschaftlichen Anstalten besitzt Augsburg 2 Gymnasien, ein Lyzeum,
ein Studienseminar, ein Realgymnasium, eine Sternwarte, eine Industrie-,
Kreisreal-, Kunst-, Musik-, Brauerschule, eine Handelslehranstalt, eine
landwirtschaftliche Winterschule, eine Baugewerkschule, eine Taubstummen-
und eine Blindenanstalt etc. Die Bibliothek (Staats-, Kreis- und Stadtbibliothek)
hat 200.000 Bände, zahlreiche Handschriften und eine seltene Inkunabeln-
und Bibelsammlung. Die königliche Gemäldegalerie, in den Räumen des ehemaligen
Katharinenklosters, enthält besonders Gemälde der altschwäbischen Schule
(von Hans Holbein dem älteren und Burgkmair), außerdem solche von Rubens,
Tizian, Tintoretto, Leonardo da Vinci, Rembrandt, van Dyck, Altdorfer, Dürer,
I. de Barbari, Poussin, Salv. Rosa, Ostade, Ruisdael und andern namhaften
Meistern, zusammen 800 Nummern. Augsburg ist Sitz der Regierung für Schwaben,
eines Oberlandes- und Landgerichts, eines Bezirksamts, des Kommandos der
2. bayrischen Division, der 3. Infanterie- und der 2. Kavalleriebrigade,
eines Hauptzollamts und eines Bistums mit Domkapitel. Der Magistrat besteht
aus 25, das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten aus 42 Mitgliedern. Der
Landgerichtsbezirk Augsburg umfasst die acht Amtsgerichte zu Aichach, Augsburg,
Burgau, Friedberg, Landsberg a. L., Schwabmünchen, Wertingen und Zusmarshausen.
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| Augsburg - Maximilianstrasse | Augsburg - Rotes Tor | Augsburg - Bahnhofstraße |
Augsburg wurd 15 v. Chr. nach Eroberung Vindeliziens durch die Römer
von Drusus unter dem Namen Augusta Vindelicorum angelegt. Die Kolonie wurde
bald als Handelsplatz sowie als Knotenpunkt mehrerer Straßen wichtig und
die Hauptstadt von Vindelizien oder Raetia secunda. Mit den römischen Legionen
kam das Christentum früh nach Augsburg, wie auch die Legende von der Märtyrerin
St. Afra († 304) zeigt. Bald entstand in dem mittleren Teil der alten römischen
Stadt ein Kastell, das um 536 an die Franken kam. 832 kommt zuerst der Name
Augsburg (Augustburg) vor. Kaiser Otto I. schlug
955 die Ungarn auf dem Lechfeld im Südosten von Augsburg und erweiterte
die Stadt nach der Nord- und Südseite hin. Herzog Welf von
Bayern zerstörte sie zwar 1026 in einer
Fehde mit dem Bischof, doch erstand sie bald neu. Die Bürger von Augsburg
erwirkten 1276 die Anerkennung ihres Stadtbuches und die Bestätigung Augsburgs
als freier Reichsstadt, worauf sie sich 1331 dem Schwäbischen Städtebund
anschlossen. Das Stadtregiment hatten 12 Personen, deren Vorstände Stadtpfleger
hießen. Diese Consules oder Bürgermeister wurden nur aus den eingewanderten
freien Bürgern oder Patriziern genommen. 1368 gewannen die Zünfte maßgebenden
Einfluss auf die Regierung, so dass diese wesentlich demokratisch wurde.
Kaiser Siegmund befreite 1426 die Stadt von der
Gewalt der kaiserlichen Land- und Stadtvögte.
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| Augsburg - Blick von St. Ulrich | Augsburg - St. Ulrich |
Damit begann Augsburgs Blütezeit. Augsburg war nächst Nürnberg der Mittelpunkt des Handels zwischen Italien und dem Norden und zwischen dem Orient und dem nordwestlichen Europa. Die Kaufhäuser der Fugger und Welser waren weltberühmt, die "Augsburger Pracht" sprichwörtlich. Die Verbindung mit Italien beförderte die Pflege der Künste und Wissenschaften, die Malerei wurde von Burgkmair und den beiden hier geborenen Holbein ausgeübt. Durch die Entdeckung des Seewegs nach Ostindien und Amerikas aber erhielt der Handel Augsburgs einen großen Stoß. Die Reformation fand in Augsburg früh Eingang. 1518 hatte Luther dort seine Zusammenkunft mit dem Kardinal Cajetan. Hier wurden mehrere Reichstage gehalten, die berühmtesten 1530, wo die Augsburgische Konfession übergeben, und 1547–48, wo das Interim beschlossen wurde. 1555 wurde hier der zweite Religionsfriede (Augsburger Religionsfriede) geschlossen. Luthers Lehre herrschte in Augsburg seit 1534, wofür aber die Stadt im Schmalkaldischen Kriege büßen musste. 1548 stellte Karl V. die aristokratische Regierungsform wieder her. Seitdem überwog die Zahl der Katholiken. Im Dreißigjährigen Krieg besetzten 1632 die Schweden die Stadt, 1635 musste sie sich aber den Kaiserlichen ergeben. 1646 wurde sie von Wrangel vergeblich belagert. Im Spanischen Erbfolgekrieg eroberte sie 1703 der Kurfürst von Bayern und trieb eine Kontribution von 4 Tonnen Goldes ein, räumte sie aber 1704. Auch im Österreichischen Erbfolgekrieg wurde Augsburg hart mitgenommen, hob sich aber bald durch Handel und Industrie wieder. 1803 wurde es durch den Reichsdeputationshauptschluss als Reichsstadt bestätigt, doch infolge des Friedens zu Preßburg ergriff Bayern am 26. Dezember 1805 von Augsburg Besitz und am 4. März 1806 erfolgte die Einverleibung. Seit 1837 ist Augsburg die Hauptstadt des Regierungsbezirks Schwaben und Neuburg.
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| Augsburg - Königsplatz | Augsburg - Prinz-Regentenstraße mit Prinz-Regentendenkmal |

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