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Boxeraufstand

Der Boxeraufstand (Krieg in China) 1900/01

in zeitgenössischen Postkarten und Texten.

Vorgeschichte Panoramakarte Expeditionskorps unter Admiral Seymour Eroberung der Taku-Forts Tod des Freiherrn Klemens von Ketteler Belagerung des Gesandtschaftsviertels in Peking Hunnenrede Zusammenfassung

Boxeraufstand - Der Krieg in China 1900-01

 

Boxeraufstand

Geheimbund der "Starken Faust" 1900: "Fremde Teufel sind gekommen und haben durch ihre Lehre viele zu ihrem römischen oder protestantischen Glauben verleitet. Ihre Kirchen stehen außerhalb menschlicher Beziehungen; sie haben sich indessen mit viel Bosheit Ehrgeizige und Begierige zugeführt. Sie haben ohne Grenzen ihre Macht missbraucht, bis alle guten Beamten verdorben und ihre Diener geworden waren aus Begierde nach fremden Reichtum. Der Telegraph und die Eisenbahn sind eingerichtet worden, man hat Gewehr- und Geschützfabriken angelegt, und diese Anstalten verursachen den fremden Teufeln eine Freude der Bosheit voll; ebenso ist es mit den Lokomotiven, den Ballons und den elektrischen Lampen. Erfindungen, die diese fremden Teufel für vorzüglich halten. Obwohl ihr Rang ihnen dies Recht nicht gibt, lassen sie sich in Sänften tragen; China aber betrachtet sie doch als Barbaren, die Gott verdammen wolle."

Boxeraufstand

"John Bull, sie theilen. Du musst dich beeilen.
Denn siehe sie schnappen - Nach guten Happen"

Diese Postkarte mit freundlicher Genehmigung von www.altepostkarten.de (Seite nicht mehr aktiv)

 

Die schwerste Verwickelung, welche das Deutsche Reich bis zum Ersten Weilkrieg auszufechten hatte, verursachte der Boxeraufstand in China, in dessen Verlauf der deutsche Gesandte, Freiherr von Ketteler, am 16. Juni 1900 ermordet wurde. Nachdem zuerst bis 28. Juni 46 Offiziere und 1500 Mann des deutschen Geschwaders in Taku gelandet waren, wurde vom 3. Juli ab die Entsendung eines besonderen Expeditionskorps vorbereitet, dessen Starke schließlich 582 Offiziere, 18.712 Mann, 5579 Pferde, 120 Sanitätsoffiziere und 188 Beamte betrug. General Emil von Lessel (1847–1927), führte den Oberbefehl. Am 30. September 1900 bot China eine Sühne der Ermordung durch Trankopfer an, Kaiser Wilhelm II. wies dies zurück, stellte vielmehr im Verein mit den übrigen Mächten seine Bedingungen. Seitens der chinesischen Regierung wurden Prinz Tsching und Li-Hung-Tschang mit Führung der Friedensverhandlungen betraut, schon im Januar 1901 wurde bekannt, dass Prinz Tschun als Führer einer Sühnegesandtschaft nach Deutschland gehen werde. Am 20. Juli 1901 reiste er in Schanghai auf dem Dampfer Bayern ab, kam am 26. August in Basel an und wurde am 4. September  in feierlicher Weise vom Kaiser empfangen. Noch während der Prinz in Deutschland war, fand die Unterzeichnung des Schlussprotokolls am 7. September in Peking statt, das am 16. Oktober im "Reichsanzeiger" veröffentlicht wurde. Die deutschen Truppen kehrten im Laufe des September und Oktober in die Heimat zurück. Die gesamte Kriegsentschädigung, die China in 39 Jahren mit 4 % Zinsen abzahlen sollte, beträgt 450 Millionen Taels ( = 1.374.750.000 Mark), wovon 240 Millionen Mark auf Deutschland entfallen sollten. Die Kosten der Expedition betrugen 1900 und 1901 zusammen 276 Millionen Mark, im Etat für 1902 waren 20,54 Millionen und für 1903 noch 9,3 Millionen eingestellt. Die auch nach der Rückkehr des Expeditionskorps in China verbleibende Besatzungsbrigade bestand 1902 aus 219 Offizieren, 4422 Mann und 1964 Pferden und verminderte sich 1903 auf 111 Offiziere, 2377 Mann und 1348 Pferde. Da eine Regelung der Pensionen für Expeditionsteilnehmer und ihre Hinterbliebenen notwendig wurde, aber ihre Besserstellung gegenüber den Invaliden und Veteranen von 1866 und 1870/71 allgemein als unzulässig empfunden wurde, legte die Regierung am 19. März 1901 einen Gesetzentwurf bezüglich Versorgung der Kriegsinvaliden und der Kriegshinterbliebenen vor, dem der Reichstag am 4. Mai 1901 zustimmte. Jedoch das vom Reichstag wiederholt geforderte allgemeine Militärpensionsgesetz kam noch immer nicht zustande. Dagegen stieg die im Etat für Versorgung der Veteranen vorgesehene Summe von 5,2 Millionen (1901) auf 7,5 Millionen (1902) und 9 Millionen (1903).

The Germans to the front

"The Germans to the front" - Deutsche Soldaten in China 1900

 

Boxeraufstand

Historische Pressestimmen:

Berliner Morgenpost vom 16. Juni 1900: "Der Aufruhr der Boxer ist in den letzten Tagen immer mehr zu einer Gesamterhebung Chinas gegen die fremden Mächte geworden, er hat sich mit ungeahnter Raschheit über alle Teile des gar nicht so himmlischen Reiches verbreitet. Vor allem aber ist die Gefahr für die in Peking befindlichen Ausländer eine so furchtbare geworden, dass sie in nächster Stunde zum schrecklichen Ereignis zu werden droht."

Berliner Morgenpost vom 17. Juni 1900: "Der Aufruhr in China" - "Ermordung des deutschen Gesandten in Peking?" - "Die Londoner Abendblätter veröffentlichen eine von der Exchange Telegraph Company mitgeteilte Depesche der Agentur Lassan aus Hongkong vom 16. d.M., nach welcher ein Telegramm aus Tientsin berichte, dass alle Gesandtschaften in Peking zerstört seien und dass der deutsche Gesandte getötet sei."

Das offiziöse Wolffsche Telegraphenbüro: "Wir müssen es Ihnen überlassen, ob Sie die Agentur Lassan für zuverlässig genug halten, der Meldung Glauben beizumessen."

Die Morgenpost am 30. Juni 1900 zitiert ein Kabel des Vizeadmirals v. Bendemann: "Brief von Gesandtschaft in Peking erhalten, dass dieselbe belagert ist, dass Vorräte ausgehen und die Lage verzweifelt ist. Vom Überbringer des Briefes habe ich erfahren, dass der deutsche Gesandte am 16. Juni ... durch chinesische Truppen angegriffen, viermal verwundet und im Regierungsgebäude verstorben sei."

Kaiser Wilhelm II. erklärt, wie die Morgenpost am 4. Juli 1900 aus Wilhelmshaven berichtet: "Die deutsche Fahne ist beleidigt und dem Deutschen Reiche Hohn gesprochen worden. Das verlangt exemplarische Bestrafung und Rache."

Die Berliner Morgenpost kommentiert durch ihren Pariser Korrespondenten Conrad Alberti: "Seltsam sticht mit der beinahe nordischen Kühle, mit der man hier die Ereignisse in China behandelt, der Feuereifer ab, mit dem man sich in Deutschland in das gelbe Abenteuer stürzt ... Vielleicht täten wir gut, mit unserem immer reichlich vorhandenen Kapital von sittlicher Entrüstung ein wenig haushälterisch umzugehen."

Press-Telegramme des Ostasiatischen Lloyd an die Kaiserliche Gesandtschaft vom 6. Januar 1901: "Die Buren gehen erfolgreich vor. Lage in der Kapkolonie sehr ernst; britische Truppen räumen zwei weitere Plätze im Orangestaat. - Präsident Krueger ist erkrankt."

Press-Telegramme des Ostasiatischen Lloyd an die Kaiserliche Gesandtschaft vom 10. Januar 1901: "Preußischer Landtag eröffnet. Thronrede verlas Graf Bülow, betonend, es sei Pflicht der staatserhaltende Parteien für Kanalprojekte der Regierung einzutreten. Landwirtschaft , Industrie und Exporthandel müssten in Zukunft zusammenarbeiten. Etat, Preußens Überschuss 176 Millionen Mark. Dem Bundesrat ist die Gesetzvorlage für die Hinterbliebenen der Chinaexpedition zugegangen. Fürsorge ebenso wie bei Schutztruppen. Ablösungsmannschaften für Kreuzergeschwader haben Wilhelmshaven verlassen. Rollmann stellvertretender Gouverneur von Kiautschou an Stelle von Jaescheke."

Press-Telegramme des Ostasiatischen Lloyd an die Kaiserliche Gesandtschaft vom 1. Juni 1901: "Kwangsue zeichnet Edikt betreffs Entschädigung von 450 Millionen. Der Reichsanzeiger veröffentlicht die Auflösung des Oberkommandos und die Reduzierung des Expeditionskorps auf gemischte Brigadestärke an. Seine Majestät der Kaiser hat gestern bei einem Essen nach Inspektion der Garde-Infanterie in einem Trinkspruch anerkennend der Verdienste des Zaren in der Chinafrage gedacht. Seine Majestät dankte darin voll anerkennend dem Grafen Waldersee für die würdevolle Führung der schweren und undankbaren Aufgabe. Schließlich begrüßte er den anwesenden französischen General Bonnal, gedenkend der deutsch-französischen Waffenbrüderschaft und Kameradschaft im Kampfe gegen den gemeinsamen Feind. Frankreichs Armee hoch! General Bonnal dankte dann in einem Trinkspruch auf den Soldatenkaiser und die deutsche Armee. - Königin Wilhelmina (der Niederlande) heute in Berlin großartigen Empfang. Frühjahrsparade. - Graf Wilhelm von Bismarck (der zweite Sohn Otto von Bismarck) ist gestorben."

Press-Telegramme des Ostasiatischen Lloyd an die Kaiserliche Gesandtschaft vom 6. Juni 1901: "Der Chinesischen Gesandtschaft in Berlin ist die Freiheit des Depeschenverkehrs wiedergegeben. Englische Presse beglückwünscht Waldersees Rückkehr. Beweis weitsichtigen Verhaltens. Die Finanzminister der Bundesstaaten sind zur Beratung des Zolltarifs in Berlin zusammengetreten. Saatenstand ungünstig. Regierung trifft Vorkehrungen."

 

Zur Erinnerung an meine Dienstzeit Japan 1897, China - Boxeraufstand 1900 - S.M.S. Kaiserin Augusta

Zur Erinnerung an meine Dienstzeit Japan 1897, China - Boxeraufstand 1900 - S.M.S. Kaiserin Augusta

 

Boxeraufstand

Quellen:

  • Kiautschou - Deutschlands Erwerbung in Ostasien, Verein der Bücherfreunde - Leipzig 1901
  • Fritz Vogelsangs Kriegsabenteuer in China 1900, Paul Lindenberg - Berlin 1901
  • Die Wirren in China, (Boxeraufstand) Alfred von Müller - Berlin 1902
  • Meine Kriegs-Erlebnisse in China, Korvetten-Kapitän Schlieper - Minden in Westfalen 1902
  • Der Krieg in China (Boxeraufstand), J. Scheibert, Verlag Weller - Berlin 1909
  • Die Eroberung der Welt, Verlag Ullstein & Co Berlin und Wien 1912
  • Unsere Kolonien und Schutztruppen, Kyffhäuser Verlag - Berlin 1934
  • Zeitgenössische Postkarten, Briefmarken und Landkarten zum Boxeraufstand

 

  Vorgeschichte

 

 

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