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Das Expeditionskorps unter Admiral Seymour
Vorgeschichte
Panoramakarte
Expeditionskorps unter Admiral Seymour
Eroberung der Taku-Forts
Tod des Freiherrn Klemens von Ketteler
Belagerung des Gesandtschaftsviertels in Peking
Hunnenrede
Zusammenfassung
Um die Mandschu-Dynastie und ihre eigenen Machtpositionen zu erhalten, sind dies Kreise um die Kaiserwitwe Cixis gewillt, die Boxer (Yihetuan) für ihre Interessen auszunutzen. Obwohl Cixi die Ausländer weiter hofiert, sieht sie auch sie Gefahr, die sich für das Regime ergibt, weil diese "wie gefräßige Tiger die Blicke auf China werfen". Deshalb hatte sie in einem geheimen Edikt vom 11. November 1899 die Vizekönige in den Provinzen davor gewarnt, Frieden mit den Ausländern zu schließen. Gegenüber den Boxern betreibt sie ein hinterhältiges Doppelspiel. Einerseits ordnet sie deren Unterdrückung an, andererseits versucht sie, sich ihrer zu bedienen. In Edikten vom 11. Januar und vom 21. April 1900 unterschied sie zwischen regimefeindlichen Geheimgesellschaften und "loyalen bäuerlichen Selbstschutzverbänden". Auf Betreiben der an einer Ausnutzung der Boxer interessierten Kräfte, angeführt von Prinz Duan - einem Neffen Cixis und Vater des von ihr auserwählten Thronnachfolgers Pujun, wird auf einer geheimen Beratung des Hofes am 6. Juni 1900 beschlossen, von weiteren Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Boxer abzusehen und mit ihnen Verhandlungen aufzunehmen. Der Kanzler Gang Yi führt in der Nähe der Hauptstadt Gespräche mit Führern der Boxer. Er veranlasst den Abzug von Regierungstruppen aus dem Gebiet von Zhuozhou und fordert die Boxer auf, ihrerseits von zerstörerischen Handlungen abzusehen und sich als "Kinder der Dynastie" und "treue, aufrechte Kämpfer" für den Ernstfall bereitzuhalten. Nachdem die Yihetuan in Peking eingezogen sind, wo sie ausländische Waren vernichten, Läden anzünden, Häuser zerstören und alle verfolgen, von denen sie annehmen, dass sie mit den Ausländern paktieren, ist die Meinung am Hofe über die Aufständischen geteilt. Führende Beamte und vor allem die Vizekönige aus dem Süden fordern weiterhin ihre Niederwerfung.
Um Russland und Japan bei den bevorstehenden militärischen Operationen zuvorzukommen, sind in diesen Tagen die um ihren Einfluss fürchtenden Engländer, die die meisten Soldaten in Taku stationiert haben, besonders aktiv. Schon am 6. Juni teilt der englische Vizeadmiral Seymour den Kommandanten der in Taku liegenden ausländischen Schiffe seine Absicht mit, umgehend ein Expeditionskorps nach Peking zu entsenden. Daraufhin beeilen sich die Vertreter der anderen Mächte, Truppen anzulanden, um ihrerseits das Korps der Engländer zu verstärken.
![]() | Edward Hobart Seymour * 30.04.1840 † 02.03.1929 britischer Admiral |
Das Expeditionskorps unter Admiral Seymour setzte sich zunächst aus 300 Engländern, 112 Amerikanern, 26 Österreichern und 40 Italienern zusammen. Diese Abteilung wurden noch während der Nacht ausgeschifft und mit der Bahn ohne sonderliche Zwischenfälle nach Tientsin befördert. Von Tientsin nach Peking sind es aber noch ca. 116 Kilometer, erst innerhalb dieser Entfernungen sollten die eigentlichen Schwierigkeiten ihren Anfang nehmen.
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Inneres eines chinesischen Eisenbahnwagens auf der Strecke Tientsin.Peking während der Kriegszeit
Da die Eisenbahnstrecke nach Peking zerstört worden war, kam das Seymoursche Korps nur bis Lofa. Dort stießen im Laufe des Nachmittags des 10. Juni auch die russischen, französischen und deutschen Abteilungen unter Kapitän zur See Usedom zu. Damit verfügte Seymour über 1800 Mann und glaubte sich damit den Weg nach Peking freikämpfen zu können. (Die Zahlenangaben widersprechen sich teilweise - Der Krieg in China, Verlag Weller Berlin 1909 schreibt von "2044 Mann unter ihnen 350 Deutsche", andere Quellen sprechen von "915 Engländer, 509 Deutsche, 312 Russen, 150 Franzosen, 112 Amerikaner, 40 Italiener, 54 Japaner und 25 Österreicher bzw. Ungarn").
Am Abend des 11. Juni kam es bei Tschöngkotschwang zum ersten Gefecht mit den "Boxern". Der Widerstand wurde aber relativ schnell gebrochen, da die "Boxer" in der Hauptsache nur mit Lanzen und Schwertern bewaffnet gegen das Schützen und Maschinengewehrfeuer anliefen. Sie erlitten einen Verlust von 35 Toten und wurden weiter von den alliierten Truppen verfolgt.
Am 12 Juni wurde die Station Langfang erreicht. Die deutsche "Gefion" - Kompanie (S.M.S. Gefion) wurde für die dauerhaften Besetzung der Station bestimmt.
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Leutnant Pohland erobert die erste Boxerfahne (zeitgenössische Postkarte)
Am 14. Juni erfolgten bei Langfang wiederum mehrfache Angriffe der "Boxer", die Anzeichen mehrten sich, dass ein Vorstoß auf Peking mit weit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Leichtsinnigerweise waren morgens Mannschaften der der Züge I und II ohne Waffen in ein nahe gelegenes Dorf gegangen, um Wasser und Proviant zu holen. Sie wurden von den "Boxern" überfallen und retteten sich nur mühsam nach der Station zurück.
Angesichts dieser für das Mandschu-Regime höchst bedrohlichen Situation beruft die Kaiserinwitwe Cixi ein hohes Konzil ein. Prunkvoll gekleidet, finden sich dazu alle Mitglieder des Kaiserhauses und der Regierung am 16. Juni ein, um über die nächsten Schritte zu beraten. Prinz Duan, der am 10. Juni anstelle des ausländerfreundlichen Prinzen Qing zum Chef des Tsungli-Yamen ernannt wurde und die "Boxer" gegen die Ausländer mobilisieren will, zunächst noch nicht durchsetzen. Die Kaiserinwitwe, obwohl sie inzwischen an die Unverwundbarkeit der "Boxer" glaubt, ihre Zauberformeln rezitiert und auf eine Rettung durch die von ihnen beschworenen Geister hofft, verhält sich zu dieser Stunde noch schwankend.
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Deutsche Seesoldaten mit russischer Infanterie am Bahndamm von Tongku
Bei den Angriffen am 18. Juni nahmen das erste Mal auch reguläre chinesische Truppen teil, das Expeditionskorps hatte 7 Tote und 45 Verletzte zu beklagen. Auch die deutsche Abteilung hatte einen Toten und 17 Verwundete, unter den Verletzten Kapitän Usedom und und Korvettenkapitän Buchholz, Führer der "Kaiserin-Augusta" - Kompanie. Der Versuch, auf dem Kanal mit Booten nach Tongzhou und von dort nach Peking vorzustoßen, misslang - an ein weiteres Vordringen nach Peking war damit nicht zu denken.
Noch in der Nacht zum 19. Juni wurde der Rückmarsch auf Yangtsun angetreten. Dort beschloss man gemeinsam den Rückmarsch nach Tientsin.
Am 21. Juni hatte das Expeditionskorps schwere Kämpfe zu bestehen. Von allen Seiten griffen die Chinesen an und trieben Admiral Seymours Truppen in eine regelrechte Mausefalle, sogar chinesische Artillerie begann gegen das Arsenal zu feuern.
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"The Germans to the front" - Deutsche Soldaten in China 1900 (zeitgenössische Postkarte)
Am 22. Juni erteilt Admiral Seymour dem Führer des aus vier Kompanien bestehenden deutschen Kontingents, Kapitän zur See von Usedom, den Befehl. "The Germans to the front!" Diese militärtaktische Weisung wird später als Anerkennung deutschen Soldatentums gedeutet und in einem Gemälde glorifizierend dargestellt.
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Befestigungen von Tientsin nach der Eroberung
Endlich konnten am 25. Juni größere Truppenabteilungen unter dem russischen General Stößel und dem deutsche Major Christ das Expeditionskorps aus seiner misslichen Lage befreien, am 26. Juni 1900 erreichte man völlig erschöpft Tientsin.
Seymour-Expedition - gefallene Deutsche
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| Seymoursches Korps | Tote | Verwundete |
Gesamt | 2 Offiziere, 63 Mann | 20 Offiziere und 210 Mann |
Deutsche | 1 Offizier, 15 Mann | 6 Offiziere und 56 Mann |
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Eroberung der Taku-Forts

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