Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Anhalt
Dessau 54.898 Einwohner (1905) = 76. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.
Dessau (anfangs Dissouwe, dann Deßo) wurde wahrscheinlich unter Albrecht dem Bären in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhundert durch eingewanderte Flamen (aus dem heutigen Belgien) erbaut; als Stadt wird es urkundlich zuerst 1213 erwähnt. Schon vor 1313 bestand hier eine von dem Klerus unabhängige Schule, die älteste in Anhalt. Nach der Überlieferung soll 19. Aug. 1467 die ganze Stadt, mit Ausnahme der Marienkirche, ein Raub der Flammen geworden sein. 1525 wurde hier zwischen dem Kurfürsten von Mainz und den Herzögen Georg von Sachsen und Heinrich von Braunschweig ein Bund zur Aufrechthaltung der römisch-katholischen Kirche geschlossen.
Seit der letzten Teilung Anhalts im Jahr 1603 ist Dessau die Residenz des Fürsten von Anhalt-Dessau. Der Dreißigjährigen Krieg stürzte die Stadt in tiefe Not, die schon vorher durch die Pest sehr gelitten hatte, besonders während der Kämpfe Ernsts von Mansfeld mit Wallenstein um die Dessauer Brücke am 25. April 1626. Unter Fürst Leopold I. erholte sich die Stadt, jetzt wurden die Wasserstadt, die Fürsten-, die Kavalier- und die Leipziger Straße anlegte. Fürst Leopold Maximilian erbaute das Schloss, sein Sohn Leopold Friedrich Franz legte die Fortsetzung der Kavalierstraße, die sogenannten Franzstraße, an. Von Bedeutung war die am Ende des 18. Jahrhunderts von Basedow in Dessau begründete Erziehungsanstalt, das Philanthropinum, wodurch die Jugend im Geiste der damaligen Aufklärung herangebildet werden sollte; doch war die Gründung nicht von langer Dauer. Der Neumarkt und die Neustadt haben erst seit 1825 ihre jetzige Gestalt erhalten.
![]() |
Dessau, Herzogliches Schloss
Dessau ist Sitz des Staatsministeriums, der Regierung, eines Landgerichts, des Konsistoriums und eines Hauptsteueramts. Die städtischen Behörden zählen 4 Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete. In der freundlichen Umgebung der Stadt liegen die herzoglichen Gärten und Schlösser Georgium, Luisium, Kühnau und Haideburg. Etwa 18 km entfernt liegt Wörlitz mit berühmtem Park. In Dessau wurde der Philosoph Mendelssohn geboren; der Griechenliederdichter Wilhelm Müller, die Komponisten Fr. Schneider und Klughardt lebten und wirkten in der Stadt.
|
| ||
| Dessau - Kleiner Markt | Dessau - Zerbster Straße |
Außer dem ältesten Stadtteil an der Mulde enthält Dessau breite und regelmäßig angelegte Straßen und schöne Plätze, darunter den Großen Markt mit dem Standbild des "Alten Dessauers", den Neumarkt mit dem des Herzogs Leopold Friedrich Franz (modelliert von Kiß), den Kleinen Markt mit dem Brunnendenkmal der Wiedervereinigung Anhalts, den Funkplatz mit dem Funkbrunnen, den Friedrichsgarten mit dem von Professor Lessing entworfenen, zum 25jährigen Regierungsjubiläum des Herzogs Friedrich 1896 errichteten Obelisken, den Kaiser- und den Albrechtsplatz mit schönen Anlagen. Außerdem besitzt die Stadt noch ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., des Komponisten Friedrich Schneider, des Dichters Wilhelm Müller sowie des Philosophen Moses Mendelssohn und ein Kriegerdenkmal.
|
| ||
| Dessau - Herzog Friedrich Denkmal | Dessau - Kaiser Wilhelm Denkmal |
Das herzogliche Schloss, 1748 erbaut und 1875 mit einem Vorbau im mittleren Renaissancestil geschmückt, enthält das herzogliche Archiv, eine Gemäldegalerie und Sammlungen von Kostbarkeiten, Kupferstichen, Münzen etc. Hervorzuheben sind ferner das 1856 nach Entwürfen von Langhans neu ausgebaute Schauspielhaus, das 1901 eingeweihte Rathaus, die Kunsthalle , das herzogliche Mausoleum im Mausoleumspark und unter den sechs Kirchen die Schloss- u. Stadtkirche zu St. Marien, mit der fürstlichen Gruft sowie einigen Bildern von Cranach, die Petruskirche und die katholische Kirche.
|
| ||
| Dessau - Georgium, Herzogliches Mausoleum | Dessau - Synagoge |
Die Juden haben eine 1861 im orientalischen Stil restaurierte Synagoge, in der bereits 1808 (vielleicht zuerst in Deutschland) deutsche Vorträge gehalten wurden.
Die Einwohnerzahl beträgt (1900) mit der Garnison (2 Infanteriebataillone Nr. 93) 50.849 Einwohner, davon sind 1677 Katholiken und 454 Juden.
Dessau betreibt eine große Zuckerraffinerie, Wollwarenfabrikation, Maschinenbau und Eisengießerei, Tapetenfabrikation, Kunstgärtnerei und Bierbrauerei. Der Handel, durch eine Reichsbanknebenstelle und die Anhalt-Dessauer Landesbank unterstützt, ist besonders in Getreidehandel sehr aktiv.
|
| ||
| Dessau - Herzogliche Mühle | Dessau - Bahnhof |
Die Stadt ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Zerbst-Bitterfeld, Dessau-Köthen und anderer Linien. Einen Elbhafen, Wallwitzhafen, besitzt die Stadt seit 1860.
|
| ||
| Dessau - Die Hauptwache | Dessau - Denkmal Fürst Leopold (Der alte Dessauer) |
An Bildungsanstalten bestehen in Dessau ein Gymnasium, ein Realgymnasium nebst Realschule, ein Lehrerinnenseminar, eine Kunstgewerbeschule, Landesfrauenarbeitsschule etc., außerdem ein herzogliches Hoftheater und eine herzogliche Bibliothek von über 30.000 Bänden. Zahlreich sind die milden Stiftungen, darunter das Versorgungshaus Leopoldsdank, das 1766–70 errichtete Armen- und Arbeitshaus, das gut eingerichtete Krankenhaus, das neuerbaute Armenstift und die Armenversorgungsanstalt Amalienstift.
Zum Landgerichtsbezirk Dessau gehören die 11 Amtsgerichte zu Ballenstedt, Bernburg, Dessau, Harzgerode, Jeßnitz, Koswig, Köthen, Oranienbaum, Roßlau, Sandersleben und Zerbst.
| Empfohlener Verweis (Link) auf diese Seite: Dessau in zeitgenössischen Postkarten und Texten, URL: http://www.deutsche-schutzgebiete.de/dessau.htm |

![]()
| Senden | Speichern |
Diese Seite ist Teil der Internetprojekte:
-[ Deutscher Krieg 1866]- -[ Deutsch-Französischer Krieg 1870/71]- -[ Deutsches Kaiserreich]- -[ Deutsche Kolonien ]- -[ Kaiserliche Marine]-
-[ Donaumonarchie Österreich-Ungarn]- -[ Liechtenstein]- -[ Schweizer Eidgenossenschaft ]-
-[ Briefmarken 1871-1918]- -[ Boxeraufstand 1900/01]- -[ Marokkokrise 1905/11]-
Copyright © 2000 www.deutsche-schutzgebiete.de
Besucher