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1860
Wie in Japan, so war der nationale Gedanke in Deutschland
und Italien, in Serbien, Rumänien und Bulgarien ja selbst in Abessinien
erwacht. Zuerst gelang es den Italienern die Einheit zu erringen. Jedoch glückte
es nicht ohne fremde Hilfe. Das Haus Savoyen ist vor einem halben Jahrtausend
nach Piemont vorgerückt, und hat 1416 die Stadt Turin angelegt. Während der
französischen Revolution geriet Turin in die Gewalt der Franzosen, nur 1799
war es vorübergehend von Österreichern und Russen besetzt. Seit dem Wiener Kongress
kam Sardinien zu Piemont. Victor Emanuel und sein großer Minister Cavour hielten
es 1859 an der Zeit, einen Schritt weiter zu gehen, und die Österreicher, die
noch immer die Hälfte Italiens besaßen, zurückzudrängen. Zu dem Ende sollte
Louis Napoleon (Napoleon III.) helfen. Dieser war
nach der Revolution von 1848 Präsident der Republik, und am 2. Dezember 1852,
durch ein allgemeines Plebiszit, Kaiser geworden. Der Kern seiner Politik war
der, durch kriegerische und diplomatische Erfolge den Ruhm Frankreichs nach
außen hin zu mehren, und dadurch seine eigene, seine usurpierte Herrschaft zu
sichern. Daher pflegte Louis Napoleon, der ein
Großneffe des Korsen Napoleon I. war, die Freundschaft mit England, brachte
es aber fertig, allmählich selbst, anstatt der Königin Victoria (regierte 1836
bis 1901), in den Mittelpunkt zu treten. Er beteiligte sich am Krimkriege, der
durch den Frieden von Paris 1856 beendet wurde. Durch eine prächtige Weltausstellung
wurde der Friedensschluss gekrönt. Durch Erfolge in Marokko und China verstärkte
Louis Napoleon weiterhin sein Ansehen. Begierig ergriff er die frische Gelegenheit,
Lorbeeren zu ernten, die ihm Cavour bot, und ließ seine Truppen nach Oberitalien
marschieren, um den Italienern zu helfen. Bei Solferino wurden 1859 die Österreicher,
die sich zwar tapfer schlugen, aber schlecht geführt waren, besiegt. Victor
Emanuel konnte den größten Teil der Lombardei einstecken und in Florenz einziehen;
Louis Napoleon aber entriss seinem italienischem
Bundesgenossen Savoyen mit der Hauptstadt Nizza.
Nun muss man sich vorstellen,
dass seit dem Ausgang der römischen Kaiserzeit, bald 1500 Jahre, die Apenninenhalbinsel
ewig uneins und zersplittert war. Wohl wurde, aber auch dies nur ganz selten,
durch deutsche Kaiser eine vorübergehende Verwaltungseinheit hergestellt, die
nahezu ganz Italien umfasste. Allein selbst Karl der Große und Otto der Große
ließen einige Striche noch den Byzantinern sowie den Arabern. Nicht minder widerstrebte
der Kirchenstaat, der sich auf eine angebliche Schenkung Konstantins, des römischen
Kaisers, stützte. Weder Langobarden noch Normannen haben es vermocht, ganz Italien
zu beherrschen; den Langobarden fehlte Süditalien und Sizilien, den Normannen
Mittelitalien und die Lombardei. In der späteren Zeit teilten sich spanische,
bourbonische und habsburgische Herrscher mit dem Papste und Piemont in die Herrschaft
des schönen Landes. Vor der Renaissance gab es wohl über hundert souveräne Herrschaften
auf der Halbinsel; zumeist Stadtstaaten. In der Zeit von Solferino gab es noch
sieben selbstständige Gebilde. Das Großherzogtum Toskana und das Herzogtum Modena
standen unter habsburgisch lothringischen Herrschern; in Parma blühte ein Zweig
der spanischen Bourbonen, und die Romagna (südlich vom unteren Po) bildete einen
Teil des Kirchenstaates. Das Hauptstück besaß Franz II., König beider Sizilien,
womit Unteritalien mit der Hauptstadt Neapel und die Insel Sizilien bezeichnet
wurden. In den Rest teilten sich Osterreich und Piemont.
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Italien, 40 Regim to di Fanteria
Während in der Lombardei die Heere kämpften, machten die
Bevölkerungen von Toskana, Parma, Modena und der Romagna eine Revolution und
wählten Volksvertretungen, die September 1859 zusammentraten, und den Anschluss
an Piemont, oder, wie es damals hieß, Königreich Sardinien verkündeten.
Es
ist nicht ohne Reiz, hier einzuflechten, wie
Bayern mit jenen südlichen Reichen verknüpft
ist. Die frühere Herzogin von Modena, die Schwester des
Prinzregenten Luitpold, und ebenso eine
enge Verwandte von ihm, die Königin von Neapel, sie lebten später, bis zu ihrem
Tod, in Bayern. Noch weiter nach Süden
reichten bayrische Beziehungen in Griechenland. Dorthin kam der Wittelsbacher
Otto; ihm folgten 4000 Bayern, die sich in und bei Athen niederließen. Otto
wurde 1861 durch eine Revolution vertrieben; an seiner Stelle wurde ein Dänenprinz,
Georg, zum König erwählt.
Durch ein Plebiszit wurde Anfang März 1860 der
Anschluss Toskanas, Parmas, Modenas und der Romagna angenommen, und am 18. März
von Victor Emanuel bestätigt. Das neue Reich, das "Italien
der Italiener", beginnt laut königlichem Dekret am 13. April 1860.
Noch aber fehlte die Südhälfte. Zunächst dachten jedoch weder Victor Emanuel
noch sein großer Minister Cavour an die Eroberung des Königreichs beider Sizilien;
sie erstrebten im Gegenteil eine Bundesgenossenschaft. Der Piemontese bot sie
am 23. April unmittelbar Franz II. an, wobei er freilich die Notwendigkeit einer
Verfassung für Neapel betonte. Seinen Brief schloss er mit den Worten: "Wenn
Ew. Majestät einige Monate verstreichen lassen, ohne meinen freundlichen Vorschlägen
zuzustimmen, dann werden Sie erkennen, welche Bitterkeit die Worte "zu
spät" enthalten können". Franz II. wandte sich an den Papst;
dieser bestürmte ihn, abzulehnen. Nun brach Garibaldi der Freischarenführer
mit tausend Mannen auf und schiffte sich nach Sizilien ein. Das war am 11. Mai
1860. Er landete in Marsala. In überraschend schnellem Ansturm eroberte er die
ganze Insel und danach Süditalien. Die ganze Expedition dauerte vier Monate.
Franz II. betrachtete die ganze Expedition anfänglich als eine "wilde Piratenfahrt".
Er konnte nicht daran glauben, dass ein ganzes Volk hinter der roten Mütze des
großen Helden marschierte. Nach der Niederlage oktroyierte er eine Verfassung,
Freiheit und Reformen. Es war zu spät. Als Garibaldi sich der Hauptstadt näherte,
musste der König flüchten. Nur wenige harrten bis zur Flucht aus. Alle die Herzöge,
Fürsten und sonstigen Höflinge hatten den König schon bei den ersten Anzeichen
des Sturmes verlassen. Der König ging, wie zwölf Jahre früher der Papst, nach
Gaeta, dessen Verteidigung die Königin mit Geschick leitete. Am 7. September
bemächtigte sich Garibaldi Neapels, ohne auf Widerstand zu stoßen.
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Giuseppe Garibaldi
Während diese Ereignisse sich im Süden abspielten, gingen
zwei sardinische Armeekorps auf den Kirchenstaat zu. Am 18. September 1860 wurde
die päpstliche Armee unter Lamoriciere zersprengt, und am 29. September ergab
sich die Garnison von Ancona. Die Freiheitsarmee, an deren Spitze Victor Emanuel
stand, näherte sich nun dem früheren Königreich Neapel, in dessen Hauptstadt
Victor Emanuel am 2. November 1860 einzog. Der letzte Widerstand der Franz II.
treu gebliebenen Truppen fiel am 20. März 1861. Schon am 14. März hatte Victor
Emanuel den Titel: "König von Italien aus der Gnade
Gottes und dem Willen der Nation" angenommen. Am 27. März erhob
das Parlament Rom zur Hauptstadt des neuen Reiches. Das war vorläufig nur Theorie.
Die weiteren Schritte waren jedoch leicht. In der Hauptsache war die Einheit
Italiens errungen. Es bedurfte nur noch einiger Scharmützel mit den päpstlichen
Gardisten, um auch den ganzen Kirchenstaat einzustecken. Rom aber und auch Venedig
fehlte einstweilen noch als Abschluss des Ganzen.

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