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Fraktur

Schwabacher-Judenlettern und Deutsche Schrift

Fraktur - Sütterlin

Die Verwendung der Frakturschrift ist an eine Reihe von Regeln gebunden, was etwa die Verwendung von Sonderzeichen, Ligaturen und verschiedenen s-Formen betrifft. Ausführliche Rechtschreibregeln u.a. für die verschiedenen S-Varianten: PDF-File Wissen HS_4S-Dist (mit freundlicher Genehmigung vom Bund für deutsche Schrift und Sprache).

Fraktur

ABC

Die Fraktur (Bruchschrift) ist eine im 15. Jahrhundert entstandene Schriftgattung, oft wird sie auch als gotische oder deutsche Schrift bezeichnet. Gutenberg, der Erfinder der Buchdruckerkunst, druckte noch in den Schriftarten der damals verwendeten Handschriften, also vor allem in der gotischen Schrift. Diese Schrift musste aber gegen Ende des 15. Jahrhunderts unter dem Einfluss der Renaissance einer neuen Schrift weichen, der so genannten "Schwabacher Schrift", die wohl zuerst von Johannes Bämler in einem Augsburger Wiegendruck vom Jahre 1472 verwendet worden ist. Um das Jahr 1490 erreicht die Schwabacher ihre Vollendung u.a. in der bekannten Schedelschen Weltchronik, gedruckt von Anton Koberger (1493), und in der Dürerschen Apokalypse (1498). Sie wird dann auch von zahlreichen anderen deutschen Druckern übernommen.

5 Mark Darlehnskassenschein 1917

Frakturschrift auf einem Darlehnskassenschein (Geldscheine Kaiserreich)

 

Auch heute begegnet man der Frakturschrift überall: Auf alten oder vermeintlich historischen Schildern, Überschriften, Urkunden, auf den D-Markscheinen und auch immer wieder auf Plakaten der Aktion "Gegen Rechts". Während die Schrift für die einen eine harmlose nostalgische Zierte ist, kommt es bei vielen, auch unpolitischen Menschen automatisch zu Assoziationen zum Nationalsozialismus. Dieser gedankenlose Umgang mit unserem kulturellem Erbe zeugt leider eher für mangelhafte Geschichtskenntnisse, denn der Vorwurf die Fraktur seine eine "Nazischrift" ist falsch!

Die Gotische bzw. Frakturschrift wurde nach einem Erlass vom am 3. Januar 1941 von den Nationalsozialisten als "Schwabacher Judenlettern" sogar verboten (siehe Bundesarchiv Koblenz "NS 6/334" Rundschreiben vom 3.1.1941 M. Bormann):

 

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
Der Stellvertreter des Führers

(Sinnigerweise ist der originale Briefkopf in Frakturschrift!)





 

Stabsleiter München 33,
z.Z. Obersalzberg den 3.1.1941


Rundschreiben (nicht zur Veröffentlichung)


Zu allgemeiner Beachtung teile ich im Auftrag des Führers mit:
Die so genannte gotische Schrift als eine deutsche Schrift anzusehen und zu bezeichnen ist falsch. In Wirklichkeit besteht die so genannte gotische Schrift aus Schwabacher-Judenlettern. Genauso wie sie sich später in den Besitz der Zeitungen setzten, setzten sich die in Deutschland ansässigen Juden bei der Einführung des Buchdrucks in den Besitz der Buchdruckereien, und dadurch kam es in Deutschland zu der starken Einführung der Schwabacher-Judenlettern.

Am heutigen Tage hat der Führer in einer Besprechung mit Herrn Reichsleiter Amann und Herrn Buchdruckereibesitzer Adolf Müller entschieden, daß die Antiqua-Schrift künftig als Normalschrift zu bezeichnen sei. Nach und nach sollen sämtliche Druckerzeugnisse auf diese Normalschrift umgestellt werden. Sobald dies schulbuchmäßig möglich ist wird in den Dorfschulen und Volksschulen nur mehr die Normalschrift gelehrt werden.

Die Verwendung der Schwabacher-Judenlettern durch die Behörden wird künftig unterbleiben; Ernennungsurkunden für Beamte, Straßenschilder u. dergl. werden künftig nur mehr in Normalschrift gefertigt werden.

Im Auftrage des Führers wird Herr Reichsleiter Amann zunächst jene Zeitungen und Zeitschriften, die bereits eine Auslandsverbreitung haben, oder deren Auslandsverbreitung erwünscht ist, auf Normalschrift umstellen.



gez. Bormann

 

Fraktur

Das die Schrift von Schwabacher Juden geschaffen wurde ist allerdings eher unwahrscheinlich, denn erstens gab es in Schwabach damals weder eine Buchdruckerei noch eine Schriftgießerei und zweitens war den Juden der Erwerb von Druckereien und das Arbeiten in einer Druckerei nach den strengen Zunftgesetzen der damaligen Zeit verboten. Nur Christen, die das Bürgerrecht besaßen, durften in einer Druckerei tätig sein. Auch die weitere Behauptung des Erlasses, dass "die in Deutschland ansässigen Juden bei der Einführung des Buchdrucks sich in den Besitz der Druckereien setzten und dass es dadurch zu der starken Einführung der Schwabacher Judenlettern gekommen sei", ist falsch. Tatsächlich gab es aber im 15. Jahrhundert und noch lange Zeit danach in Deutschland nicht eine einzige in jüdischem Besitz befindliche Druckerei. Die starke Verbreitung der Schwabacher ist vielmehr auf den durch die Reformation veranlassten Druck zahlreicher religiöser Bücher und Streitschriften zurückzuführen. Gebraucht wurde der Name zum ersten Mal von dem Nürnberger Schreibmeister Wolfgang Fugger im Jahre 1553, also fast ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung. Es ist anzunehmen, dass ein aus Schwabach stammender, aber in einer auswärtigen Druckerei (Nürnberg, Augsburg, Ulm) arbeitender Schrift- und Formenschneider die Type geschaffen hat und dass dann die Bezeichnung "Schwabacher" auf diese neue Schrift übertragen wurde. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts verlor sie aber allmählich an Bedeutung, bis sie mehr und mehr von der "Fraktur" verdrängt wurde. Nur als Auszeichnungsschrift wurde sie wegen ihrer kräftigen Wirkung weiter in Frakturdrucken verwendet. Erst im 19. Jahrhundert wurde sie wieder zu neuem Leben erweckt, besonders durch die Schriftgießerei Genzsch & Heyse, die im Jahre 1835 die "Alte Schwabacher" in den Originalmatern herausbrachte und 1876 die "Neue Schwabacher" entwarf. Die Schriftgießerei Gebr. Klingspor folgte 1900 mit der "Offenbacher Schwabacher", welche sich großer Beliebtheit erfreute. Auch die Schriftkünstler Ehmcke (1916) und Schneidler (1918) haben neue Formen geschaffen. So hat sich die Schwabacher Schrift durch ihre gute Lesbarkeit und ausdrucksvolle Schönheit als lebenskräftig erwiesen und bis zum heutigen Tage erhalten.

Die häufig geäußerte Vermutung, dass das Verbot der Frakturschrift mit deren Unlesbarkeit in den besetzten Gebieten zusammenhing, klingt ebenfalls wenig glaubhaft. Auch den Nazis war es seinerzeit klar, dass Flugblätter, Plakate und Aufrufe, um verstanden zu werden, in der jeweiligen Landessprache mit entsprechenden einheimischen Schriftzeichen verfasst sein mussten.

Die Fraktur ist eine sehr schöne Schrift, die gleich den alten Volksmärchen, Sagen, Gedichten und Liedern zur deutschen Geschichte gehört.

Fraktur

 Ausführliche Rechtschreibregeln

(Bund für deutsche Schrift und Sprache)

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