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Freiburg

Stadt im Großherzogtum Baden und Hauptstadt des Kreises Freiburg

     

Freiburg im Breisgau

Stadt im Großherzogtum Baden und Hauptstadt des Kreises Freiburg

Freiburg 76.285 Einwohner - 1905 = 54. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Freiburg i. B. - Kaiserstraße mit Martinstor

Freiburg i. B. - Kaiserstraße mit Martinstor

 

 

Neben der Stadt Freiburg im Breisgau existieren:

2) Freiburg in Schlesien, eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Schlesien, Regierungsbezirk Breslau, Kreis Schweidnitz, an der Polsnitz und der Staatsbahnlinie Breslau-Halbstadt, 279 Meter über dem Meer. Die Stadt hat eine evangelische und eine katholische Kirche, eine Oberrealschule, eine Provinzialpflegeanstalt für Irr- und Schwachsinnige etc., Amtsgericht, Aktiengesellschaft für schlesische Leinenindustrie, Stärkefabrik, Uhrenfabriken und im Jahr 1900 = 9917 Einwohner, davon 2827 Katholiken und 48 Juden. Freiburg i. S. erhielt 1291 Stadtrecht. In der Nähe liegen die 1840 zur freien Standesherrschaft Fürstenstein erhobenen Majoratsherrschaften Fürstenstein, Waldenburg und Friedland.

3) Freiburg an der Elbe, Flecken und Kreisort im Königreich Preußen, Provinz Hannover, Regierungsbezirk Stade, Kreis Kehdingen, in fruchtbarer Marschgegend unweit der Elbe, zu der ein schiffbarer Kanal führt, und an der Kleinbahn Stade-Itzwörden, hat eine evangelische Kirche, Amtsgericht, Ziegelbrennerei, Elektrizitätswerk, Getreide- und Viehhandel, Schifffahrt, Fischerei und im Jahr 1900 = 2237 Einwohner.

4) Freyburg an der Unstrut, eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg, mit im Jahr 1900 = 3296 Einwohner, Amtsgericht, Bergschloß (Neuenburg); Champagnerfabrik, Weinbau. Hier starb am 15. Oktober 1852 Friedrich Ludwig Jahn.

5) Neu-Freiburg,  (Nova Friburgo) eine deutsche (Siedlungs-)Kolonie in Brasilien, Rio de Janeiro, an der Bahn Nictheroy-Areas, in einem von nackten Felien (Morros Queimados) eingeschlossenen Kessel, 1819 von katholischen Schweizern gegründet, denen sich später Deutsche und auch brasilianische Pflanzer mit Sklaven zugesellten, erzeugt namentlich Kaffee sowie Gemüse für die Reichshauptstadt.

6) Freiburg im Üchtland, Hauptstadt des Kantons Freiburg, in der westlichen Schweiz, mit im Jahr 1900 = 15.739 Einwohner.

 

Freiburg im Breisgau ist eine Stadt im Großherzogtum Baden und Hauptstadt des Kreises Freiburg, der im Jahr 1900 auf 2193 km² (39,83 Quadratmeilen) 234.717 Einwohner zählt, sowie des gleichnamigen Amtsbezirks, liegt in schöner und fruchtbarer Gegend, 298 Meter über dem Meer, am Westfuß des Schwarzwaldes, dessen malerisch gruppierte Vorberge die Stadt im Osten, Süden und Südwesten umschließen, zu beiden Seiten der von hier ab kanalisierten Dreisam, über die sechs Brücken führen.
Die Stadt besteht aus der Altstadt, die vielfach noch mittelalterlichen Charakter trägt und zum Teil enge, krumme, von klaren Bächlein durchflossene Straßen hat, aus den Vorstädten Wiehre und dem eleganten Herdern, dem Stadtteil Stühlinger und den Vororten Güntersthal und Haslach. Von den alten Stadttoren sind noch das 1901 stilgerecht renovierte Martins- und das Schwabentor vorhanden.

Freiburg im Breisgau
Freiburg i. B. - Partie an der Dreisam
Freiburg im Breisgau Freiburg i. B. - Partie an der Dreisam

 

Unter den kirchlichen Gebäuden (4 evangelische, 8 katholische, eine altkatholische, eine englische Kirche und eine Synagoge) nimmt das Münster, jetzt erzbischöfliche Kathedrale, den ersten Rang ein. Dieses ist ein Meisterwerk gotischer Baukunst, wenn auch seine einzelnen Teile verschiedenen Zeiten angehören. Das Querschiff und die beiden Hahnentürme sind Überreste einer romanischen Kirche. Das dreischiffige Langhaus mit seinem schönen Turm, der um 1287 vollendet wurde, ist im frühgotischen Stil erbaut. Der Bau des Chors, den ein Umgang mit einer Sakristei und zwölf Kapellen umschließt, die sämtlich mit Altären, wertvollen Altarbildern (darunter ein Altarbild von Hans Holbein d. j.) und Glasmalereien geschmückt sind, ist 1354 begonnen und 1513 vollendet. Der ganze Bau besteht aus rotem Sandstein und hat die Form eines Kreuzes. Das Mittelschiff des Langhauses ist 52,5 m lang, 27 m hoch und 11, am breit. Die Seitenschiffe haben eine Breite von 9,8 m; die ganze Länge der Kirche beträgt 125 m. Das untere Drittel des 115 m hohen Turmes bildet ein Viereck, in dem sich das mit Bildwerk reich ausgestattete Portal befindet. Darauf erhebt sich ein Achteck und auf schmalen Pfeilern zwischen Spitzbogen die ebenfalls achteckige, kühn durchbrochene Pyramide. Der prächtige, von Franz Glänz in Holz geschnitzte Hochaltar ist mit Bildern von Hans Baldung verziert; schöne Glasmalereien bedecken die Fenster. Bemerkenswert sind im Chor die Reliefbilder mehrerer Herzoge von Zähringen, wie auch an der Südseite des Langhauses das Standbild Bertolds V., des letzten Zähringers († 1218), sowie in einer Kapelle der nördlichen Langseite das Grabmal des Markgrafen Otto von Hochberg, gefallen 1386 in der Schlacht bei Sempach.

Freiburg i. B. - Münster
Freiburg i. B. - Münster
Freiburg i. B. - Münster
Freiburg i. B. - Münster Freiburg i. B. - Münster Freiburg i. B. - Münster

 

Unter den übrigen Kirchen ragt die im Rundbogenstil 1829–38 erbaute evangelische Ludwigskirche hervor, eine frühromanische Basilika mit drei Schiffen. Die katholische gotische St. Martinskirche aus dem 13. Jahrhundert, mit zierlichem Seitenturm, ist 1880–81 restauriert worden. Zwei neue katholische Kirchen, beide im Übergangsstil und mit je zwei Türmen, die eine im Stühlinger, die andere in der Wiehre, wurden 1898 und 1899 erbaut. Von weltlichen Gebäuden sind zu nennen das Kaufhaus, aus dem 16. Jahrhundert, dessen von zwei malerischen Ecktürmchen flankierte Fassade mit den Standbildern Max I., Karls V., Philipps des Schönen und Ferdinands I. geschmückt ist, das Kornhaus mit schönem Festsaal, das Gebäude des Bezirksamts (Basler Domstift) mit Skulpturen und schöner, bemalter Fassade, das alte Rathaus, aus dem 16. Jahrhundert, und das neue Rathaus, ein 1901 vollendeter Bau im Renaissancestil, ferner das großherzogliche Palais, die ehemalige Deutschordenskomturei, jetzt Hauptsteueramt, die Kunst- und Festhalle mit Stadtgarten u. a.

Freiburg i. B. - Rathaus
Freiburg i. B. - Münsterplatz mit Kaufhaus
Freiburg i. B. - Rathaus Freiburg i. B. - Münsterplatz mit Kaufhaus

 

Unter den Denkmälern ragt das zur Erinnerung an die Kämpfe um Belfort 1871, während des Deutsch-Französischen Krieges, zu Ehren des 14. Armeekorps errichtete Siegesdenkmal (seit 1876) hervor. Ansonsten befinden sich noch in Freiburg vier neue Brücken mit schönen Statuen, ein Denkmal des Geschichtsschreibers Rotteck, ein Denkmal des städtischen Geschichtsschreibers Schreiber sowie zahlreiche Brunnen mit Denkmälern, von denen die mit dem Standbild Bertolds III. von Zähringen, mit dem Standbild Albrechts VI. von Österreich sowie der mit der Statue des Dominikanermönchs Bertold Schwarz, des Erfinders des Schießpulvers, besonders hervorzuheben sind. Die Zahl der Einwohner beläuft sich im Jahr 1900 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 113 und ein Feldartillerieregiment Nr. 76) auf 61.504 Seelen, die überwiegende Mehrheit sind Katholiken, 16.697 sind Evangelische und 1013 Juden. Die Industrie beschäftigt sich mit der Herstellung von Nähseide, Porzellanknöpfen, künstlichen Perlen, Papier, Musikwerken, Schaumwein, Feuerspritzen, Eisengußwaren, Kunstmöbeln, Parkettböden, Zementröhren etc. Der Handel, unterstützt durch eine Reichsbankstelle (Umsatz 1902: 639,7 Millionen Mark), eine Filiale der Rheinischen Kreditbank und der Oberrheinischen Bank und eine Handelskammer, ist besonders bedeutend in Wein und Holz. Freiburg ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Mannheim-Konstanz, Freiburg-Breisach und Freiburg-Donaueschingen. Freiburg hat elektrische Straßenbahnen, auch nach den Orten Güntersthal und Haslach. Unter den Bildungsanstalten nimmt die Universität, die, von dem Erzherzog Albrecht VI. von Österreich 1457 gestiftet, 1460 eröffnet wurde und zu Ehren des Großherzogs Ludwig I. den Namen Albert Ludwig-Hochschule führt, den ersten Rang ein. Zu ihr gehören eine Bibliothek mit 250.000 Bänden und 600 Handschriften, ein reichhaltiges Naturalienkabinett, ethnographische und andere Sammlungen, ein botanischer Garten, ein klinisches Spital und andre Hilfsanstalten. Die Zahl der Dozenten belief sich 1903 auf 125, die der Studierenden im Sommer 1903 auf 1962.

Freiburg i. B. - Oberlinden mit Schwabentor
Freiburg i. B. - Martinstor
Freiburg i. B. - Siegesdenkmal
Freiburg i. B. - Oberlinden mit Schwabentor Freiburg i. B. - Martinstor Freiburg i. B. - Siegesdenkmal

 

An andern Bildungsanstalten besitzt Freiburg 2 Gymnasien, 2 Oberrealschulen, eine Gewerbe-, eine Handels- und eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Theater; ferner eine naturforschende, eine anthropologische und eine Gesellschaft für Geschichtskunde, einen kirchlich-historischen Verein, einen Kunstverein und eine städtische Gemälde- und Schwarzwald-Sammlung. An Wohltätigkeits- und andern Anstalten befinden sich dort ein Knaben- und ein Mädchenwaisenhaus, das reich dotierte Heiligegeisthospital (mit Pfründnerhaus), Blindenversorgungsanstalt, Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern, Landesgefängnis für Männer etc. Von Behörden haben in Freiburg ihren Sitz: ein Landeskommissariat, Kreis- und Bezirksamt, Landgericht, Amtsgericht, drei Bezirksforsteien (zwei staatliche und eine städtische), Hauptsteueramt, ein katholischer Erzbischof für die oberrheinische Kirchenprovinz (Baden, Württemberg, Hohenzollern, Hessen und Hessen-Nassau) nebst Domkapitel und theologischem Seminar sowie der Stab der 29. Division, der 57. Infanterie- und der 29. Feldartilleriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 2 Bürgermeister, 18 Stadträte und 96 Stadtverordnete. In der schönen Umgebung gewähren namentlich der Schloßberg (455 m) und der Loretohügel sowie weiter der Schauinsland (1286 m) reiche Aussicht. Weiterhin bietet das von einer Eisenbahn durchzogene Höllental lohnende Ausflüge aller Art. Zum Landgerichtsbezirk Freiburg gehören die zehn Amtsgerichte zu Altbreisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg, Kenzingen, Lörrach, Müllheim, Neustadt im Schwarzwald, Schönau im Wiesental und Waldkirch.

Freiburg i. B. - Kaiserstraße mit Bertoldsbrunnen und Martinstor
Freiburg i. B. - Kaiserstraße mit gotischem Brunnen
Freiburg i. B. - Kaiserstraße mit Bertoldsbrunnen und Martinstor Freiburg i. B. - Kaiserstraße mit gotischem Brunnen



Die Anfänge der Stadt Freiburg lassen sich nur bis zum Jahr 1120 verfolgen, in dem Herzog Konrad von Zähringen dem Orte Stadtrecht und eine der kölnischen nachgebildete Verfassung gab. Nach dem Aussterben der Zähringer mit Bertold V. (1218) fielen ihre Besitzungen an die Grafen von Urach, von denen ein Zweig sich "von Freiburg" nannte. Ihnen ist jedenfalls die Erbauung des Münsters zuzuschreiben. 1368 kaufte sich die Stadt vom Grafen los und begab sich unter die Herrschaft Österreichs. Als Herzog Friedrich mit der leeren Tasche 1415 dem Papst Johann XXIII. zur Flucht hierher verhalf und deshalb in die Reichsacht kam, fiel die Stadt auf zwölf Jahre aus Reich, huldigte aber 1427 ihrem alten Herrn wieder. Erzherzog Albrecht errichtete mit Zustimmung des Papstes Calixtus III. in Freiburg die Universität, deren Stiftungsurkunde vom 21. September 1457 datiert. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt 1632 und öfter von den Schweden besetzt, aber 1644 von den Bayern unter Mercy genommen und 1648 Sitz der Regierung von Vorderösterreich. 1677 musste sich die Stadt den Franzosen unter dem Marschall Créqui ergeben und wurde durch den Frieden von Nimwegen 1678 an Frankreich abgetreten. Ludwig XIV. ließ die Vorstädte Neuburg und Adelhausen niederreißen und befestigte die Stadt. Durch den Ryswyker Frieden kam Freiburg 1697 wieder unter die österreichische Herrschaft. Am 17. November 1713 abermals von den Franzosen unter Villars durch Kapitulation genommen, fiel es 1714 infolge des Rastatter Friedens an Österreich zurück. 1744 wurde die Stadt wiederum von den Franzosen erobert und die Festung geschleift; in diesem Zustand wurde sie im Aachener Frieden (1748) an Österreich zurückgegeben. Durch den Frieden von Campo Formio (1798) fiel Freiburg an Herkules III. von Este, Herzog von Modena, als Entschädigung, nach dessen Tod 1803 an den Erzherzog Ferdinand, 1806 aber an Baden. 1821 wurde der erzbischöfliche Stuhl von Konstanz nach Freiburg verlegt. Am 23. April 1848 wurden hier die badischen Aufständischen von den deutschen Bundestruppen besiegt, die am 24. April die Stadt einnahmen. Ende Juni nahm die "provisorische Regentschaft" ihren Sitz in Freiburg, doch wurde dieses am 7. Juli von den Preußen besetzt und erst 1851 wieder geräumt. Seit Anfang der 1860er Jahre hat Freiburg einen erheblichen Aufschwung genommen.

Freiburg i. B. - Neues Stadttheater
Freiburg i. B. - Kaiserbrücke
Freiburg i. B. - Neues Stadttheater Freiburg i. B. - Kaiserbrücke





Freiburg i. B. (Baden-Württemberg)


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