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1720 - 1918
Haupt- und Residenzstadt Detmold

Fahne - Landesfarben Fürstentum Lippe
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| Fürstentum Lippe - Lage im Deutschen Reich | Wappen Fürstentum Lippe | Fürstentum Lippe Landkarte 1914 |
Geschichte
In ältester Zeit von den Cheruskern bewohnt, bildete Lippe später einen Teil des Sachsenlandes. Als Stammvater der Lippeschen Dynastie gilt Bernhard de Lippia um 1123. Bernhard VIII. führte die lutherische Kirche ein. Sein Sohn Simon VI. teilte das Land unter seine drei Söhne, wodurch die Linien Lippe (Detmold), Brake (erloschen 1709) und Bückeburg (Schaumburg-Lippe) entstanden. Lippe wurde 1720 Reichsfürstentum und 1807 durch Beitritt zum Rheinbund souverän. Nach Überwindung der französischen Fremdherrschaft gehörte es von 1815 bis 1866 dem Deutschen Bund an. Die Verfassung vom 6. Juli 1836 wurde 1848 und 1849 durch den Fürsten Leopold II. liberalisiert, aber unter seinem Nachfolger Leopold III. am 26. März 1853 wieder hergestellt, worauf sich ein langjähriger Verfassungskonflikt erhob. 1841 ist das Fürstentum Lippe dem Deutschen Zollverein beigetreten. Im Deutschen Krieg von 1866 unterstützte das Fürstentum Lippe von vornherein das Königreich Preußen. Das lippesche Bataillon war mit der Mainarmee vereinigt und kämpfte bei Kissingen an der Seite Preußens. Am 1. Oktober 1867 schloss Lippe mit Preußen eine Militärkonvention ab. Das Land trat dem Norddeutschen Bund bei und wurde so ein souveräner Bundesstaat im Deutschen Reich. Fürst Woldemar gab dem Fürstentum am 3. Juni 1876 ein neues Wahlgesetz mit direktem Wahlrecht. Als er am 20. März 1895 ohne Nachkomme starb, übernahm auf seine Verordnung Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe die Regentschaft für Woldemars geisteskranken Bruder Alexander (gestorben am 13. Januar 1905). Der danach zwischen Lippe-Biesterfeld, einem Zweig der Detmolder Linie, und Schaumburg-Lippe entstandene Streit über die Erbfolge in Lippe wurde von einem Schiedsgericht unter Vorsitz des Königs von Sachsen am 22. Juni 1897 zugunsten des Grafen Ernst zur Lippe-Biesterfeld entschieden, worauf dieser die Regentschaft antrat. Als er am 26. September 1904 starb, übernahm sein Sohn Leopold unter Protest der Linie Schaumburg-Lippe die Regentschaft und nach einer Entscheidung des Reichsgerichts zu seinen Gunsten am 25. Oktober 1905 die Regierung, die er bis zum 12. November 1918 ausübte.
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Detmold - Schloss
Daten
Bundesrat: 1 Stimme
Reichstag: 1 Wahlkreis und 1 Abgeordneter
Landesparlament: Am 3. Juni 1876 ist ein neues Wahlgesetz zustande gekommen, wonach die nach Steuerstufen in drei Klassen gegliederten Wähler in direkter, geheimer Wahl 21 Abgeordnete wählen; die Legislaturbehörde beträgt vier Jahre.
Haupt- und Residenzstadt: Detmold - 14 000 Einwohner (1905)
Größe: 1 215,2 km² (22,1 Quadratmeilen)
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Horn
Exklaven: Cappel und Lipperode mit 728 Einwohnern bei Lippstadt in Westfalen, Grevenhagen im Kreis Höxter.
Einwohner:
Gerichtsorganisation: Das Fürstentum Lippe bildet einen eigenen Landgerichtsbezirk mit dem Landgericht in Detmold. Als Oberlandesgericht fungiert kraft Staatsvertrag vom 4. Januar 1879 das preußische Oberlandesgericht in Celle. Es bestehen neun Amtsgerichte (Alverdissen, Blomberg, Detmold, Hohenhausen, Horn, Lage, Lemgo, Oerlinghausen, Salzuflen). Die Exklave Lipperode-Cappel gehört zum preußischen Amtsgericht Lippstadt.
Klima: Das Klima ist gesund und verhältnismäßig mild, im Mittel 9,8 Grad Celsius.
Bewohner: Die Bewohner gehören zum niedersächsisch-westfälischen Stamm (Sachsen). Die Landbevölkerung spricht die plattdeutsche Sprache.
Bevölkerungsdichte:
Bildung: Die Volksbildung im Fürstentum Lippe ist im Jahr 1900 hoch entwickelt. Es bestehen 2 staatliche Gymnasien in Detmold und Lemgo, von denen ersteres mit einer lateinlosen Realschule verbunden ist, eine städtische Realschule in Salzuflen, eine städtische Knabenmittelschule in Lage, 7 sogenannte Rektorschulen, 126 Elementarschulen mit über 250 Lehrern, 11 katholische und 10 israelitische (Relegions-)Schulen. Außerdem bestehen im Land ein Landesseminar, 2 höhere Töchterschulen, eine Taubstummenschule und verschiedene obligatorische Gewerbe-, Fortbildungsschulen, eine landwirtschaftliche Winterschule in Lage, eine Tischlerschule und eine Baugewerbeschule in Detmold.
Religion: Die Geistlichkeit gliedert sich in drei Klassen und untersteht einem Generalsuperintendenten und drei Superintendenten. Es gibt 46 reformierte und 5 lutherische Pfarrstellen, 10 katholische und 13 jüdische Gemeinden. Die Synodalverfassung der Landeskirche beruht auf Gesetzen vom 12. September 1877 und 19. Oktober 1882, auch die Lutheraner sind der Synode beigetreten. Die kirchlichen Verhältnisse der Katholiken sind seit 1854 durch eine besondere Verordnung geregelt und die Diözesanrechte dem Bistum Paderborn übertragen.
| 1. Dezember 1900 | 1910 |
Militär: Das Fürstentum Lippe besitzt kein eigenes Militär. Die lippeschen Wehrpflichtigen werden nach einem mit dem Königreich Preußen abgeschlossenen Vertrag von 1867 in das preußische Heer eingestellt, vorzugsweise in das 6. westfälische Infanterieregiment Nr. 55, von dem der Regimentsstab und das 3. Bataillon in Detmold in Garnison stehen.
Wirtschaft:
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Bad Salzuflen, Trinkbrunnen
Postwesen und Briefmarken
Gemäß der Aufstellung der Generalverordnung vom 30. Dezember 1861 besorgte die Thurn und Taxissche Post auf Grund von Beschlüssen des Wiener Kongresses (1815) den Postdienst bis zum 30. Juni 1867 im Fürstentum Lippe. Ab 01. Juli 1867 übernahm die preußische Post den Postdienst. Das gesamte preußische Postwesen ging am 01. Januar 1868 auf den Norddeutschen Bund (Norddeutscher Postbezirk) über. Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 bestimmte u.a. dass die unmittelbare Posthoheit, mit Ausnahme des inneren Verkehrs im Königreich Bayern und im Königreich Württemberg, dem Deutschen Reich zusteht.
| bis 1866 | 1866 - 1871 | ab 1871 | ab 1875 |
| Thurn und Taxis mit Währung Taler | Norddeutscher Postbezirk mit Währung Taler | Deutsche Reichspost mit Währung Taler | Deutsche Reichspost mit Währung Mark |
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| 1/4 Silbergroschen | 1/2 Groschen | 1 Groschen | 20 Pfennig |
Währungen und Münzen
| bis 1875 | ab 1875 |
| 1 Taler = 30 Silbergroschen = 360 Pfennige | 1 Mark = 100 Pfennig |
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| Fürstentum Lippe - 1 Pfennig, 1829 | |
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| P.F.E. Leopold Fürst z. Lippe - 1 Silbergroschen, 1860 | Leopold IV. Fürst zur Lippe - 2 Mark, 1906 |
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| Paul Friedr. Emil Leopold Fürst z. Lippe - 1 Taler, 1860 | Leopold IV. Fürst zur Lippe - 3 Mark, 1913 |
Regenten
regierendes Fürstenhaus: Lippe, Ahnherr Bernhard von der Lippe (um 1130), Stammvater der regierenden Linie Biesterfeld: Friedrich Karl August (geb. 1706)
Außer der regierenden Linie gibt es die gräflichen Nebenlinien Lippe-Biesterfeld und Lippe-Weißenfeld und die erbherrliche, in ihrem eignen Fürstentum souveräne Schaumburg-Lippesche Linie
Nach dem Tod des kinderlosen Grafen Günther Friedrich Woldemar 1895 kam es erst nach zweijähriger Auseinandersetzung zwischen dem Fürstenhaus zu Schaumburg-Lippe und der gräflichen Linie zu Lippe-Biesterfeld zu einer Einigung. Ernst zu Lippe-Biesterfeld wurde gemäß des Reichsgerichtsentscheids von 1897 als Graf-Regent für den geisteskranken Graf Alexander eingesetzt. Kaiser Wilhelm II. unterstütze seinen Schwager, den Fürsten zu Schaumburg-Lippe, um so auch eine Vereinigung der Häuser Lippe-Biesterfeld und Schaumburg-Lippe zu erreichen. Historische Brisanz liegt in dem Entscheid des Landtages, der nicht die kaiserliche Lösung wählte, sondern den Grafen zu Lippe-Biesterfeld als Regenten einsetzte und somit die hohen Einkünfte aus den zahlreichen Domänen nicht dem Fürstentum zufließen konnten.
| Regentschaft | Name | Lebensdaten | ||||||||||
| 16.12.1789 - 04.04.1802 | Fürst Leopold I. | 1767 - 1802 | ||||||||||
| 04.04.1802 - 01.01.1851 | Fürst Leopold II.
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| 01.01.1851 - 08.12.1875 | Fürst Paul Friedrich Emil Leopold III. Graf zur Lippe-Detmold | 1821 - 1875 | ||||||||||
| 08.12.1875 - 20.03.1895 | Fürst Günther Friedrich Woldemar Graf zur Lippe-Detmold | 1824 - 1895 | ||||||||||
| 20.03.1895 - 13.01.1905 | Fürst Karl Alexander Graf zu Lippe-Detmold, krank daher Regentschaften:
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| 25.10.1905 - 12.11.1918 | Fürst Leopold IV. Julius Bernhard Adalbert Otto Karl Gustav zur Lippe | 1871 - 1949 |

Staatsminister des Fürstentums Lippe
Die höchste Landesbehörde ist das Staatsministerium, dem die höheren Verwaltungs- und Justizbehörden untergeordnet sind. Die höhere Landesverwaltungsbehörde ist das Regierungskollegium.
| Amtszeit | Name |
| 1810 - 1828 | Karl Friedrich Funk von Senftenau |
| 1829 - 1832 | Friedrich Wilhelm Helwing |
| 1832 - 1848 | Wilhelm Arnold Eschenburg |
| 1848 - 1850 | Friedrich Simon Leopold |
| 1850 - 1853 | Christian Theodor von Meien |
| 1853 - 1855 | Laurenz Martin Hannibal Christian Fischer |
| 1856 - 1868 | Alexander Wilhelm Heinrich August von Oheimb |
| 1868 - 1872 | Karl Theodor Heldmann |
| 1872 - 1875 | Julius Adalbert von Flottwell |
| 1876 - 1885 | August Eschenburg |
| 1885 - 1889 | Hugo Samuel Wilhelm Egmont Freiherr von Richthofen |
| 1889 - 1895 | Friedrich Otto Hermann von Wolffgramm |
| 1895 - 1897 | Karl Friedrich von Oertzen |
| 1897 - 1899 | Karl Gustav Oskar Miesitscheck von Wischkau |
| 1900 - 1912 | Max Freiherr von Gevekot |
| 1913 - 1918 | Karl Ludwig Freiherr von Biedenweg |
Administrative Gliederung
Das Fürstentum Lippe gliedert sich 1900 in 8 Städte und 5 Verwaltungsämter, welche wiederum in 13 Ämter aufgeteilt sind:
| Städte: |
| Detmold, Barntrup, Blomberg, Horn, Lage, Lemgo, Salzuflen, Schwalenberg (Die 7 Städte haben eine eigene Verwaltung und Polizei.) |
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| Verwaltungsamt Blomberg |
| mit den Ämtern Blomberg, Schieder und Schwalenberg |
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| Schwalenberg in Lippe, Rathaus |
| Verwaltungsamt Brake |
| mit den Ämtern Brake, Hohenhausen, Sternberg-Barntrup und Varenholz |
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| Brake in Lippe, Schlossmühlen |
| Verwaltungsamt Detmold |
| mit den Ämtern Detmold, Horn und Lage |
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| Hiddesen bei Detmold |
| Verwaltungsamt Lipperode-Cappel |
| mit dem Amt Lipperode-Cappel |
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| Verwaltungsamt Schötmar |
| mit den Ämtern Schötmar und Oerlinghausen |
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Detmold - Hermannsdenkmal in der Ferne
Teutoburger Wald mit Hermannsdenkmal
Lippe Detmold Altes Soldatenlied aus den Befreiungskriegen
7. |: Als das der General erfuhr, |
Lippe nach 1918:

Briefmarke Deutsches Reich 1929 aus der Serie Deutsche Nothilfe Wappenzeichnungen, das Wappen Lippe-Detmolds
| 1918 | Fürst Leopold IV. zur Lippe dankt am 12. November 1918 infolge der Novemberrevolution ab. |
| 1919 | Wahl eines neuen Landtages in Lippe am 26. Januar 1919 |
| 1920 | Nach der Verfassung vom 21.12.1920 Art. 1 als "selbstständiger Freistaat im Verbande des Deutschen Reiches". |
| 1928 | Zusammenschluss der vorhandenen 12 Amtsgemeinden sowie des Amtes Lipperode-Cappel zu den Ämtern Detmold, Blomberg, Brake und Schötmar durch das Lippische Gemeindeverfassungsgesetz. |
| 1932 | Bildung der Kreise Detmold und Lemgo unter Einbeziehung der Städte durch Verordnung vom 14.10.1931; die vorhandenen 4 Ämter werden aufgelöst. |
| 1946 | Mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23. August 1946 "Betreffend die Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbstständige Länder", wird aus dem nördlichen Teil der preußischen Rheinprovinz und aus der Provinz Westfalen wurde das neue Land Nordrhein-Westfalen gebildet. |
| 1947 | Eingliederung des Landes Lippe in das Bundesland Nordrhein-Westfalen durch Verordnung Nr. 77 der britischen Militärregierung. Eine geplante Volksabstimmung in Lippe innerhalb von fünf Jahren unterblieb jedoch. |
| 1949 | Inkrafttreten der vom Landtag NW am 05.11.1948 verabschiedeten Gesetze über die Vereinigung des Landes Lippe mit dem Land Nordrhein-Westfalen und die Bildung des Landesverbandes Lippe. Die Gemeinden Lipperode und Cappel werden dem Kreis Lippstadt zugeordnet. |
| 1969/70 | Gemeindliche Neugliederung in den Kreisen Lemgo und Detmold. Aus ehemals 168 lippischen selbstständigen Städten und Gemeinden werden 16 Städte und Gemeinden gebildet. Die Stadt Lügde und die Gemeinden Harzberg und Kempen-Feldrom werden dem Kreis Detmold und die lippische Exklave Grevenhagen dem Kreis Höxter zugeordnet. |
| 1973 | Bildung des Kreises Lippe aus den Kreisen Detmold und Lemgo. Detmold wird Sitz der Kreisverwaltung. |
Nordrhein-Westfalen aktuell
Der heutige Land Nordrhein-Westfalen mit der Landeshauptstadt Düsseldorf besteht aus
| Nordrhein-Westfalen Landeshauptstadt Düsseldorf 34.085,27 km² Einwohner: 18.036.855 (2006) |

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