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1790 - 1918
Haupt- und Residenzstadt Greiz

Fahne - Landesfarben Fürstentum Reuß ältere Linie
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| Thüringische Staaten | Fürstentum Reuß ältere Linie | Wappen Fürstentum Reuß ältere Linie | Thüringische Staaten - Karte 1914 | Thüringische Staaten - Detailkarte 1914 |
Geschichte
Ahnherr des Hauses Reuß ist Erkenbert, Herr von Weida (um 1122). Der deutsche Kaiser Heinrich VI., nach dem die männlichen Nachkommen angeblich den Namen Heinrich führen, verlieh dem Hause die Reichsvogteien Plauen (1569 an Kursachsen), Weida (1411 an Meißen) und Gera. Heinrich, Vogt von Plauen (gestorben vor 1296), erhielt infolge seiner Heirat mit der Tochter einer russischen Fürstin den Beinamen "Reuß" (deutsches Wort für Russe), der seinen Nachkommen blieb
Die Vorfahren des reußischen Fürstenhauses waren im 12. Jahrhundert kaiserliche Vögte im Sorbenland (Vogtland) und wurden allmählich selbstständig. Ihr Gebiet war einst erheblich größer und umfasste auch Plauen und Hof mit. 1564 teilten die Reußen ihr Herrschaftsgebiet in die Linien Obergreiz - mittlere Linie Reuß, in Untergreiz - ältere Linie Reuß und in Gera - jüngere Linie. Im Jahre 1616 starb die mittlere Linie Reuß aus und deren Gebiet wurde auf die beiden anderen Linien aufgeteilt.1778 erfolgte die Ernennung zum Reichsfürsten für Reuß ältere Linie und 1790 bzw. 1806 für die Vertreter von Reuß jüngerer Linie. Alle Fürsten und Prinzen des Hauses Reuß führen den Namen Heinrich, wobei die ältere Linie alle hintereinander bis hundert, die jüngere bis zum Ende eines Jahrhunderts fortzählt und dann von vorne anfängt. Im Aussterben der einen Linie fällt das Land an die andere. 1802 legte ein verheerender Brand die Stadt Greiz in Schutt und Asche. Fürst Heinrich XXII. stand bis 1867 unter Vormundschaft seiner Mutter Caroline von Hessen. Sie war streng konservativ gesinnt und entschied sich im Deutschen Krieg von 1866 gegen Preußen. Preußen okkupierte daraufhin das kleine Fürstentum und erst am 26. September 1866 schloss Caroline Frieden mit Preußen. Das Land musste 100 000 Taler Kriegsstrafe zahlen und dem Norddeutschen Bund beitreten. Heinrich XXII. führte bei seinem Regierungsantritt eine neue ständische Volksvertretung mit allerdings wenig weitgreifender Mitwirkung bei der Finanzverwaltung und Gesetzgebung ein. Am 1. Juli 1867 ging die Militärhoheit im Fürstentum an Preußen über, 1871 wurde Reuß ältere Linie Bundesstaat des Deutschen Reiches. Nichtsdestoweniger trug der Fürst seine Abneigung gegen Preußen und das neue Reich offen zur Schau und brachte dies auch in seinen Handlungen, wo er nur konnte, zum Ausdruck. Da sein Sohn und rechtmäßiger Thronerbe Heinrich XXIV. (geb. 1878) infolge eines Unfalls im Kindesalter behindert ist und somit zur Regierung nicht fähig, wurde 1902 eine Regentschaft eingesetzt, zu deren Führung der regierende Fürst von Reuß jüngere Linie, Heinrich XIV., als nächster volljähriger Verwandter des fürstlichen Gesamthauses berufen war. Der Regent stellte mit Ablauf des Jahres 1902 das Erscheinen der reichsfeindlichen "Landeszeitung für das Fürstentum Reuß ältere Linie" ein und hob ein Verbot aus dem Jahr 1855, welches die Bildung politischer Vereine vollständig verbot, auf. Der gemeinschaftliche stellvertretende Bevollmächtigte der thüringischen Staaten beim Bundesrat in der Reichshauptstadt Berlin wurde auch vom Regenten für Reuß ältere Linie für dieses Fürstentum bevollmächtigt. 1905 wurde ein Lotterievertrag mit Preußen geschlossen, zuvor gehörte das Fürstentum dem hessisch-thüringischen Lotterieverband an. Dem seit 11. Juli 1867 regierenden Fürsten Heinrich XIV. Reuß jüngere Linie folgte am 29. März 1913 sein Sohn Heinrich XXVII. Reuß jüngere Linie als letzter reußischer Fürst.
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Greiz im Vogtland - Oberes Schloss
Daten
Bundesrat: 1 Stimme
Reichstag: 1 Wahlkreis und 1 Abgeordneter
Landesparlament: 12 Abgeordnete, von denen 3 vom Landesherren ernannt, die übrigen als Vertreter des Großgrundbesitzes (2) direkt, der Städte (3) und Landgemeinden (4) indirekt auf sechs Jahre gewählt werden.
Haupt- und Residenzstadt: Greiz - 23 114 Einwohner (1905) - 191. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs. Die Stadt Greiz entstand als deutsche Burg im slawischen Umland.
Größe: 316,7 km²
Gerichtsorganisation (1881): Für Thüringen besteht ein gemeinsames Oberlandesgericht in Jena. Das Fürstentum hat ein Landesgericht in Greiz und Amtsgerichte in Burgk, Greiz und Zeulenroda.
Einwohner:
Klima: Mild
Gewässer: Von der Elster durchflossen.
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Greiz - Ansicht
Bewohner: Ursprünglich slawische Sorben, spätere Einwanderung von thüringischen und fränkischen Siedlern.
Bevölkerungsdichte: 222,9/km²
Religionen:
| Angaben 1871 für alle Thüringischen Staaten | Angaben 1885 nur für Reuß ä.L. | Angaben 1905 für beide reußischen Fürstentümer |
1 047 841 Evangelisch 13 041 Römisch-katholisch (Meiningen und Eisenach) 503 sonstige Christen 3 309 Juden 2 637 Sonstige (Meiningen) | 55 273 Evangelisch 582 Römisch-katholisch 49 Juden | 209 189 Evangelisch 4 011 Römisch-katholisch 1 613 sonstige Christen 344 Juden 30 andere Bekenntnisse In Ebersdorf besteht eine Herrnhutergemeinde von 150 Seelen |
Militär
Wirtschaft: Die reußischen Fürstentümer gehören zu den industriereichsten Gebieten Deutschland - Strumpfwirkindustrie, Tischlerhandwerk und Gummi- und Strickwarenfabrik. Obgleich die reußischen Lande wegen ihrer gebirgigen Beschaffenheit die Landwirtschaft nicht zu begünstigen scheinen, so wird diese doch mit großer Sorgfalt betrieben.
Postwesen und Briefmarken
Gemäß der Aufstellung der Generalverordnung vom 30. Dezember 1861 besorgte die Thurn und Taxissche Post auf Grund von Beschlüssen des Wiener Kongresses (1815) den Postdienst bis zum 30. Juni 1867 im Fürstentum Reuß ältere Linie. Ab 01. Juli 1867 übernahm die preußische Post den Postdienst. Das gesamte preußische Postwesen ging am 01. Januar 1868 auf den Norddeutschen Bund (Norddeutscher Postbezirk) über. Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 bestimmte u.a. dass die unmittelbare Posthoheit, mit Ausnahme des inneren Verkehrs im Königreich Bayern und im Königreich Württemberg, dem Deutschen Reich zusteht.
| bis 1867 | 1868 - 1871 | ab 1871 | ab 1875 |
| Thurn und Taxis mit Währung Taler | Norddeutscher Postbezirk mit Währung Taler | Deutsche Reichspost mit Währung Taler | Deutsche Reichspost mit Währung Mark |
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| 1/4 Silbergroschen | 1/3 Groschen | 1 Groschen | 20 Pfennig |
Währungen und Münzen
| bis 1875 | ab 1875 |
| 1 Taler = 30 Groschen = 360 Pfennige | 1 Mark = 100 Pfennig |
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| Fürstentum Reuß ä. L. - 1 Pfennig, 1864 | Heinrich XXII. ä. L. Fürst Reuß - 2 Mark, 1901 |
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| Heinrich XXIV. Fürst Reuß ä. L. - 3 Mark, 1909 | |
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| Heinrich XXII. ä. L. Fürst Reuß - 1 Taler, 1868 | Heinrich XXII. ä. L. Fürst Reuß - 20 Mark, 1875 |
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Regenten
Fürsten von Reuß ältere Linie 1790 - 1918
regierendes Fürstenhaus: Ahnherr Erkenbert von Weida (um 1120), Stammvater Heinrich (geb. 1506)
| Regentschaft | Name | Lebensdaten | |||||||||
| 1743 - 1800 | Fürst Heinrich XI. | 1722 - 1800 | |||||||||
| 1800 - 1817 | Fürst Heinrich XIII. | 1747 - 1817 | |||||||||
| 1817 - 1836 | Fürst Heinrich XIX. | 1790 - 1836 | |||||||||
| 1836 - 1859 | Fürst Heinrich XX. | 1794 - 1859 | |||||||||
| 1859 - 1902 |
| 1846 - 1902 | |||||||||
| 1902 - 1918 |
| 1878 - 1927 | |||||||||
Heinrich XXII. Fürst zu Reuß ältere Linie galt unter den deutschen Bundesfürsten als größter Kritiker und Widersacher Kaisers Wilhelms II. Als besondere Ironie der Geschichte wurde ausgerechnet seine Tochter Hermine 1922 die zweite Ehefrau Wilhelms.
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| Heinrich XXII. Fürst zu Reuß ältere Linie | Heinrich XIV. Fürst von Reuß jüngere Linie (ab 1902 Regent) |
Administrative Gliederung
Das Fürstentum Reuß ältere Linie hat ein Landratsamt für das gesamte Land und zwei Stadtverwaltungen.
Das Fürstentum Reuß ältere Linie, 316,7 km² groß, besteht aus 2 Städten, 2 Marktflecken und 71 Dörfern: |
Stadt Greiz und Stadt Zeulenroda, sowie die Gemeinden Altgernsdorf, Altgommla, Arnsgrün, Bernsgrün, Brückla, Büna, Burgk, Caselwitz, Cossengrün, Crispendorf, Daßlitz, Dobia, Dölau (Döhlau), Dörflas, Erbengrün, Eubenberg, Fraureuth, Friesau, Fröbersgrün, Frotschau, Gablau, Görschnitz (nur teilweise zu Reuß älterer Linie, der andere Teil gehört zum Königreich Sachsen), Gottesgrün, Grochwitz, Hain, Hainsberg, Herrmannsgrün, Hohenölsen (nur teilweise zu Reuß älterer Linie, der andere Teil gehört zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach), Hohndorf, Irchwitz, Kahmer, Kauern, Kleinreinsdorf, Kühdorf, Kurtschau, Leiningen, Lunzig, Mehla, Mohlsdorf, Mönchgrün, Möschlitz, Moschwitz, Naitschau, Neudörfel, Neugernsdorf, Neugommla, Neundorf, Nitschareuth, Obergrochlitz, Pahnstangen, Plothen (nur teilweise zu Reuß älterer Linie, der andere Teil gehört zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach) , Pohlitz, Pöllwitz (nur teilweise zu Reuß älterer Linie, der andere Teil gehört zum Fürstentum Reuß jüngerer Linie), Raasdorf, Rauschengesees, Reinsdorf, Remptendorf, Reudnitz, Röppisch, Rothenthal, Sachswitz, Schönbach, Schönbrunn, Schönfeld, Sorge (nur teilweise zu Reuß älterer Linie, der andere Teil gehört zum Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach), Tschirma, Untergrochlitz, Waltersdorf, Wellsdorf, Wildetaube, Wolfshain, Zoghaus, Zoppoten |
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Greiz, Parksee
Reuß ä.L. nach 1918

Briefmarke Deutsches Reich 1926 aus der Serie Deutsche Nothilfe Wappenzeichnungen, das Wappen Thüringens
| 1918 | Am 10. November 1918 verzichtet Fürst Heinrich XXVII. auf den Thron. Am 21. Dezember 1918 kommt zur Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft zwischen Reuß älterer und jüngerer Linie. |
| 1919 | Die beiden reußischen Fürstentümer vereinigen sich am 4. April 1919 zum "Volksstaat Reuß" |
| 1920 | 1. Mai 1920 - Vereinigung der ehemaligen Monarchien Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Herzogtum Sachsen-Meiningen, Herzogtum Sachsen-Altenburg, Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha (ohne Coburg), Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen, Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, Fürstentum Reuß ältere Linie, Fürstentum Reuß jüngere Linie zum Land Thüringen mit Weimar als Hauptstadt. |
| 1944 | Der preußische Regierungsbezirk Erfurt und der hessisch-nassauische Kreis Schmalkalden werden dem Gau Thüringen zugeordnet. |
| 1945 | Thüringen wird von US-Truppen erobert, aber kurz darauf sowjetischen Truppen übergeben und somit Teil der sowjetischen Besatzungszone. Die thüringische Exklave Ostheim wird von den US-Amerikanern der bayrischen Verwaltung unterstellt, die Exklave Allstedt fällt an das neugebildete Land Sachsen-Anhalt. Im Rahmen des Wanfrieder Abkommen vom 17. September 1945 kamen die hessischen Dörfer Sickenberg, Asbach, Vatterode und Weidenbach/Hennigerode zum Landkreis Heiligenstadt und die thüringischen Dörfer Neuseesen und Werleshausen zum Landkreis Witzenhausen in Hessen. Als Austausch für den den östlichen Teil des Kreises Blankenburg im Harz wurden die Gemeinden Bad Sachsa und Tettenborn aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Erfurt dem Landkreis Osterode (Niedersachsen) eingegliedert. Außerdem kam Besenhausen bei Kirchgandern zu dem Landkreis Göttingen (Niedersachsen). |
| 1949 | Das Land Thüringen ist ein Land der Deutschen Demokratischen Republik |
| 1952 | Auf Beschluss der Volkskammer mussten die Länder eine Neugliederung ihrer Gebiete in Bezirke und Kreise vorzunehmen. "Das noch vom kaiserlichen Deutschland stammende System der administrativen Gliederung in Länder mit eigenen Landesregierungen sowie in große Kreise gewährleistet nicht die Lösung der neuen Aufgaben unseres Staates." (Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Länder in der Deutschen Demokratischen Republik" vom 23. Juli 1952). Die Länderkammer existiert bis 1956 weiter. |
| 1990 | Wiedergründung des Freistaat Thüringen mit Erfurt als Landeshauptstadt. |
| 1994 | Trotz Montagsdemos, Autokennzeichenkrieg und unzähligen Protestbriefen wird im Freistaat die Kreisreform durchgesetzt. Die Stadt Greiz ist die Kreisstadt des Landkreises Greiz. |
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Der Freistaat Thüringen aktuell:
Der heutige Freistaat Thüringen mit der Landeshauptstadt Erfurt besteht aus
| Freistaat Thüringen Landeshauptstadt Erfurt 16 172 km² 2 355 000 Einwohner (2004) |

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