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Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel
Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel
Hanau 31.637 Einwohner - 1905 = 125. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.![]()
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Hanau - Marktplatz
Hanau ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, ehemalige Hauptstadt der Grafschaft Hanau, liegt am Einfluss des Krebsbaches und der Kinzig in den Main, sowie 98 Meter über dem Meer. Sie besteht aus den durch den Paradeplatz getrennten Stadtteilen Alt- und Neustadt, von denen die letztere zu Ende des 16. Jahrhundert von vertriebenen Niederländern und Wallonen gegründet ist. Unter den zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten Gebäuden (4 evangelische und eine katholische Kirche sowie eine Synagoge) sind nennenswert, die Johanniskirche (1658–79 erbaut), die sehr alte Marienkirche (früher Kollegiatkirche), mit der Gruft der Grafen von Hanau, sowie die wallonisch-niederländische Kirche (1600 erbaut), ein eigenartiger Bau, dessen Grundfläche aus zwei ineinander gefügten Kreisen besteht.
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| Hanau - Paradeplatz | Hanau - Rathaus und Brüder Grimm-Denkmal | Hanau - Marktplatz |
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| Hanau-Kesselstadt vom Schloss Philippsruhe | Hanau - Brüder Grimm-Denkmal | Hanau - Altstädter Rathaus |
Für den Eisenbahnverkehr ist Hanau Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Frankfurt-Bebra, Friedberg-Hanau, Frankfurt-Aschaffenburg u. a. An Bildungs- und andern ähnlichen Anstalten hat Hanau ein Gymnasium (1607 als Hohe Landesschule gegründet), eine Oberrealschule, Zeichenakademie, eine naturwissenschaftliche Gesellschaft, einen Geschichtsverein, in dessen Hause die Funde der Ausgrabungen in der Umgegend und die des Totenfeldes bei dem nahen Rückingen aufgestellt sind, einen Kunst-, Kunstindustrie- und Kunstgewerbeverein, Landkrankenhaus, Diakonissenhaus, Waisenhaus etc. Von Behörden haben in Hanau ihren Sitz ein Landgericht, das Landratsamt für den Landkreis Hanau, Hauptsteueramt und eine Spezialkommission. Die städtischen Behörden setzen sich zusammen aus 14 Magistratsmitgliedern und 36 Stadtverordneten. Zum Landgerichtsbezirk Hanau gehören die 22 Amtsgerichte zu Bergen, Bieber, Birstein, Burghaun, Eiterfeld, Fulda, Gelnhausen, Großenlüder, Hanau, Hilders, Hünfeld, Langenselbold, Meerholz, Neuhof, Orb, Salmünster, Schlüchtern, Schwarzenfels, Steinau, Wächtersbach, Weyhers und Windecken. In der Nähe von Hanau befindet sich das Schloss Philippsruhe und das Wilhelmsbad mit Eisenquellen.
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| Hanau - Kinzigbrücke | Hanau - Frankfurter Tor | Hanau - Frankfurter Landstraße |
Die in der Umgebung Hanaus aufgefundenen zahlreichen
Urnen, Münzen etc. deuten darauf hin, dass der Gründung der Stadt wahrscheinlich
eine römische Ansiedelung vorherging. 1393 wurde Hanau zur Stadt erhoben,
von dem Grafen Philipp 1528 befestigt und mit einem neuen Schloss geziert.
Bedeutung erhielt die Stadt erst, als gegen Ende des 16. Jahrhundert eine
aus ihrem Vaterlande der Religion wegen vertriebene Kolonie von Niederländern
sich hier niederließ. Im Dreißigjährigen Kriege 1636 von den Kaiserlichen
unter General Lamboy belagert, wurde die Stadt am 13. Juni 1636 durch ein
schwedisches Korps unter dem Landgrafen Wilhelm V. von
Kassel entsetzt, was einem nahen Walde den Namen
Lamboywald und Veranlassung zu dem jetzt noch jeden 13. Juni gefeierten
Lamboyfest gab. Im Februar 1638 wurde Hanau von den Kaiserlichen unter dem
Grafen Wilhelm von Nassau-Dillenburg doch erstürmt, welcher der abenteuerlichen
Herrschaft, die der schwedische Befehlshaber, ein Schotte namens Ramsay,
führte, ein Ende machte.
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| Hanau - Ostbahnhof | Hanau - Theater und Johanniskirche |
In der neuern Kriegsgeschichte ist Hanau durch
die Schlacht vom 30. und 31. Oktober 1813 denkwürdig geworden. Nach dem
Abschluss des Vertrags von Ried (8. Oktober 1813) zwischen Bayern und Österreich
zog der bayrische General Wrede an der Spitze eines bayrisch-österreichischen
Heeres über Würzburg nach Hanau, um den nach der Völkerschlacht bei
Leipzig, dem Rhein zueilenden Franzosen den Rückzug
abzuschneiden, und erreichte am 28. Oktober mit seiner Vorhut Hanau. Seine
ganze Streitmacht zählte nach den Entsendungen, die er gemacht, noch etwa
40.000 Mann. Die Franzosen aber, 60.000 Mann stark, warfen am 29. Oktober,
nachdem sie den Engpass zwischen Schlüchtern und Gelnhausen ohne Hindernis
passiert, die vereinzelten Abteilungen Wredes östlich von Hanau zurück und
nahmen Langenselbold mit Sturm. Als Napoleon I. am 30. Oktober aus dem Lamboywald,
der vor Wredes Front lag, hervorbrach, wurde er zwar vom feindlichen Geschütz
mit wirksamem Feuer empfangen und erlitt große Verluste; indes Drouet brachte
Wredes Artillerie durch 50 Kanonen zum Schweigen, und ein Angriff der französischen
Kavallerie durchbrach die bayrisch-österreichische Schlachtreihe. Wrede
zog sich unter großen Verlusten über die Lamboybrücke auf das linke Ufer
der Kinzig zurück. Am Morgen des 31. Oktober nahm Napoleon I. Hanau, und
der größte Teil seiner Armee konnte auf der freien Straße nach
Frankfurt
abmarschieren. Wrede schritt nun zu einem Angriff, um die Nachhut der Franzosen
abzuschneiden. Die Verbündeten nahmen das noch von zwei französischen Regimentern
besetzte Hanau mit Sturm wieder, wobei Wrede selbst schwer verwundet wurde;
doch gelang es ihnen nicht, sich der Kinzigbrücke zu bemächtigen und dadurch
die französische Nachhut abzuschneiden. Derselbe marschierte, 14.000 Mann
stark, unter Mortier während der Nacht über die Lamboybrücke nach
Frankfurt
ab. Der Kampf der beiden Tage hatte den Verbündeten gegen 9000 Mann gekostet.
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| Hanau - Infanterie-Kaserne und Zeughaus | Hanau - Schloss Philippsruhe |

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