Hannover ist die Hauptstadt der preußischen
Provinz Hannover sowie des gleichnamigen
Regierungsbezirks, königliche Haupt- und Residenzstadt (seit 1890) und Stadtkreis.
Folgende Behörden haben in Hannover ihren Sitz: das Oberpräsidium
der Provinz und die königliche Regierung des Regierungsbezirks Hannover,
ein Landeskonsistorium und ein Konsistorium, die Provinzialverwaltung, Generalkommission
(für Hannover und Schleswig-Holstein),
Provinzialsteuer-, Eisenbahn- und Oberpostdirektion,
Polizeipräsidium, Klosterkammer, Landesversicherungsanstalt, Landschaft
für die Fürstentümer Kalenberg, Göttingen und
Grubenhagen, Landgericht nebst Kammer für Handelssachen, Landratsamt für
den Landkreis Hannover etc.; ferner: die 3. Armeeinspektion, das Generalkommando
des 10. Armeekorps und die Stäbe der 19. und 20. Division, der 38. und 39.
Infanterie-, der 19. und 20. Kavallerie- und der 20. Feldartilleriebrigade.
Die städtischen Behörden zählen 17 Magistratsmitglieder
und 24 Bürgervorsteher. Die Einnahmen der Stadt betrugen 1901/02: 8.496.066
Mark, die außerordentlichen 5.271.728 Mark, die ordentlichen Ausgaben 8.646.996
Mark, die außerordentlichen 4.663.474 Mark. Die Stadt erhob 1902 an Gemeinde-Einkommensteuer
110 Prozent der Staatseinkommensteuer. Die Stadtschuld betrug 1900/01: 68,9
Millionen Mark. Das Wappen bildet eine zweigetürmte Burg mit offenem Tor;
zwischen den Torflügeln ein goldener Schild mit grünem Kleeblatt, zwischen
den Türmen ein Löwe. Hannover ist Geburtsort der Königinnen Luise von Preußen
und Friederike von Hannover sowie des Astronomen Herschel, Ifflands, der
Dichter August Wilhelm und Friedrich v. Schlegel, Leisewitz u. a. Zum Landgerichtsbezirk
Hannover gehören die 16 Amtsgerichte zu: Burgwedel,
Hameln, Hannover, Kalenberg, Koppenbrügge, Lauenstein, Münder a. D.,
Neustadt a. R., Obernkirchen, Oldendorf im Regierungsbezirk
Kassel, Polle, Pyrmont in
Waldeck, Rinteln, Rodenberg, Springe
und Wennigsen.
|
|
|
| Hannover - Leineschloss |
Hannover - Partie an der Leine (Leineinsel) |
Die Stadt liegt an der Südgrenze des niedersächsischen Heidegebiets,
an der Leine, die hier die Ihme aufnimmt und 55 Meter über dem Meer. Hannover
besteht aus der Altstadt, der 1746 angelegten Ägidien-Neustadt auf dem rechten
Leineufer, der Kahlenberger Neustadt zwischen Leine und Ihme (schon im 13.
Jahrhundert vorhanden, 1714 mit Stadtgerechtigkeit versehen und 1824 mit
der Altstadt vereinigt), der früheren Vorstadt Glocksee (1870 eingemeindet),
der seit 1845 am Bahnhof entstandenen Ernst August-Stadt und den 1891 eingemeindeten
früheren Landgemeinden List, Vahrenwald, Hainholz und Herrenhausen. Als
Enklaven sind im Stadtgebiet eingeschlossen, aber nicht zu ihm gehörig die
selbständigen Gutsbezirke "Königlicher Schloss- und Gartenbezirk Hannover"
und der Gutsbezirk Herrenhausen. Die neuen Stadtteile sind regelmäßig gebaut
und in ihren meist breiten Straßen mit prächtigen Gebäuden besetzt, die
Hannover zu einer der schönsten Städte Deutschlands machen. Von den Straßen
sind hervorzuheben die Friedrichs- und die Königsstraße, die Straße Am Schiffgraben,
die Georg-, Hohenzollern-, Langensalza-, Bennigsen-, Tiergartenstraße etc.
Unmittelbar neben modernen Straßen stehen im Innern der Stadt interessante
mittelalterliche Häuser mit hohen Giebeln und Erkern, besonders in der Schmiede-
und Marktstraße.
Von öffentlichen Plätzen sind zu nennen der Ernst August-Platz
am Bahnhof mit dem Reiterstandbild des Königs Ernst August (modelliert von
A. Wolff), der Theaterplatz mit dem Bronzestandbild des Komponisten Marschner
(modelliert von Hartzer) und den Denkmälern des königlichen hannoverschen
Generalstabsarztes Stromeyer und des Gründers der Technischen Hochschule
Karmarsch (modelliert von Hartzer), der Georgsplatz mit der Statue Schillers
(modelliert von Engelhard), der Ägidientorplatz, der Königsworther Platz,
der Waterlooplatz (auf ihm die mit einer Viktoria gekrönte, 47 Meter hohe
Waterloosäule und nahe dabei das Bronzestandbild des hannoverschen Generals
v. Alten sowie das Leibnizdenkmal), der Welfenplatz, der Friederikenplatz
etc. Außer den hierbei genannten Denkmälern hat die Stadt noch ein Lutherstandbild
und zwei schöne Monumentalbrunnen.
|
|
|
| Hannover - Georg- und Nordmannstraße |
Hannover - Ernst-August-Denkmal |
Die Stadt Hannover besitzt 1905 = 17 lutherische Kirchen, eine unierte,
eine reformierte, eine apostolische und eine Baptistenkirche, 3 katholische
Kirchen und eine Synagoge. Besondere Erwähnung finden die restaurierte Marktkirche
(aus dem 14. Jahrhundert) mit interessanten Denkmälern, schönen Glasmalereien
und Altären und 91 Meter hohem Turm (dem höchsten der Stadt); die Neustädter
Kirche mit einem zierlichen Turm und dem Grabmal des Philosophen Leibniz;
die um 1300 erbaute Kreuzkirche mit berühmtem Turmbau, alten Epitaphien
und Denkmälern, die 1864 vollendete Christuskirche, ein Geschenk des Königs
Georg V., die 1249 zuerst erwähnte Ägidienkirche sowie die in den letzten
Jahrzehnten neuerrichteten kirchlichen Bauwerke: die Garten-, Dreifaltigkeits-,
Luther-, Lukas-, Garnisonkirche, die reformierte Kirche, die katholische
Elisabethkirche und die Synagoge. Unter den hervorragendsten Profanbauten
sind zu nennen das königliche Schloss(1630–40 erbaut), ein umfangreicher,
im Innern prachtvoll eingerichteter Bau mit großartigem Portal; das ehemalige
Palais des Königs Ernst August mit dessen Privatbibliothek (32.000 Bände)
und der berühmten Graf Oeynhausenschen Sammlung niedersächsischer genealogischer
Materialien; das königliche Archivgebäude mit der 200.000 Bände und 3500
Manuskripte enthaltenden, im gemeinsamen Besitz des Staates, der Provinz
und des Herzogs von Cumberland befindlichen Königlichen und Provinzialbibliothek;
das Gebäude des Landesdirektoriums; das alte Rathaus, ein aus dem 15. und
16. Jahrhundert stammender, durch alte Skulpturen und Wahrzeichen berühmter
Backsteinbau, 1882 renoviert, im Innern mit Wandgemälden von Schaper; das
königliche Schauspielhaus (1852, von Laves), eins der größten Deutschlands;
das alte Zeughaus (später städtisches Leihhaus), in dessen Nähe ein Beghinenturm,
ein Rest der alten, 1357 angelegten Befestigungen; das 1856 von Hase im
romanischen Stil als Museum erbaute jetzige Künstlerhaus der Stadt Hannover,
das Justizgebäude, das neue Provinzialmuseum mit naturwissenschaftlichen,
vorgeschichtlichen, geschichtlichen, völkerkundlichen und Kunstsammlungen,
zum großen Teil im Besitz des Herzogs von Cumberland. Als besonders hervorragend
sind zu nennen: der Bahnhof, 1876–80 erbaut, ein Muster für alle neuern
Bahnhofsanlagen, und das Welfenschloss, vom Hofbaumeister, vom Hofbaumeister
Tramm 1859 begonnen und bis 1866 fast vollendet, ursprünglich zum Residenzschloss
des welfischen Hauses bestimmt, 1875 zur Technischen Hochschule umgebaut.
Unter den mittelalterlichen Privatgebäuden sind die Alte Kanzlei, das Leibnizhaus,
das Riessenbergsche Haus und das Haus der Väter die sehenswertesten.
|
|
|
| Hannover - Alte Kanzlei & Breitestraße |
Hannover - Altes Rathaus |
Die Zahl der Einwohner ist seit 1864 bedeutend gestiegen. 1900 belief
sich diese mit der Garnison (ein Füsilierregiment Nr. 73, ein Infanterieregiment
Nr. 74, ein Ulanenregiment Nr. 13, ein Artillerieregiment Nr. 10 und ein
Trainbataillon Nr. 10) auf 235.639 Seelen, davon 207.621 Evangelische, 21.853
Katholiken und 4540 Juden.
Hannover nimmt 1905 unter den deutschen Städten
einen hohen Rang im Bereich der Industrie ein. Hervorzuheben sind besonders
die Eisengießerei und Maschinenfabrikation, Fabriken für Leinenwaren, Pianinos,
Wagen, Schokolade, Kakes, Lampen, lackierte Waren, Strohhüte, Farben, Zündhölzer,
Tapeten, Glas, Asphalt, Parfümerien, Stearinkerzen, Watte, Bronzewaren,
Öfen, Geschäftsbücher, Kartonnagen, Gummiwaren etc., Bierbrauerei und Branntweinbrennerei.
Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, durch 13 Konsulate fremder
Staaten, eine Reichsbankhauptstelle (Umsatz 1903: 2843,7 Millionen Mark),
die Landeskreditanstalt, Bank für Handel und Industrie, Braunschweig-Hannoversche
Hypothekenbank, Kreditbank, Hannoversche Bank, Vereinsbank, Filiale der
Dresdener Bank und zahlreiche Bankhäuser, durch mehrere Versicherungsanstalten,
eine Börse und eine Getreidebörse, befasst sich vorzugsweise mit den dort
erzeugten Fabrikaten, ferner mit Eisen, Gummi- und Zuckerwaren, Schokolade,
Wein (besonders französische Rotweine), Kaffee, Reis, Häuten und Fellen,
Steinkohlen, Pferden etc. Dem Verkehr in der Stadt dient eine elektrische
Straßenbahn. Für den Eisenbahnverkehr ist H. Knotenpunkt der Staatsbahnlinien
sich vorzugsweise mit den dort erzeugten Fabrikaten, ferner mit Eisen, Gummi-
und Zuckerwaren, Schokolade, Wein (besonders französische Rotweine), Kaffee,
Reis, Häuten und Fellen, Steinkohlen, Pferden etc. Dem Verkehr in der Stadt
dient eine elektrische Straßenbahn. Für den Eisenbahnverkehr ist H. Knotenpunkt
der Staatsbahnlinien Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Wustermark-Hamm, Hannover-Visselhövede,
Hannover-Altenbeken und Hannover-Elze. Die Zahl der Wohltätigkeitsanstalten
ist ungemein groß; darunter treten besonders hervor die Henriettenstiftung
(Diakonissenanstalt mit Hospitälern, Krippen etc.), das Stift zum Heiligen
Geist, das St. Nikolaistift, das Ratskloster, das von Sodesche Kloster,
das Scholvinsche Legat (für Waisenerziehung), die Wagnersche Stiftung, das
Stephansstift.
|
|
|
| Hannover - Neues Rathaus |
Hannover - Technische Hochschule (ursprüngliches
Welfenschloss) |
Unter den Bildungseinrichtungen steht die Technische Hochschule
(Sommersemester 1903: 106 Dozenten und 1590 Hörer) an erster Stelle. Außerdem
hat Hannover eine tierärztliche Hochschule, Kriegsschule, Militärreitschule,
ein Konservatorium für Musik, 3 Gymnasien, ein Mädchengymnasium, ein Realgymnasium,
eine Oberrealschule, eine Reformschule, 3 Realschulen, ein evangelisches
Schullehrerseminar, eine israelitische Lehrerbildungsanstalt, Handwerker-
u. Kunstgewerbeschule, Dampfkesselheizer- und Maschinenwärterschule, Blindenanstalt,
Hebammenlehranstalt, Diakonissenanstalt (Henriettenstiftung) etc.; ferner
mehrere Bibliotheken (Königliche und Provinzialbibliothek, städtische und
die der Technischen Hochschule) und wissenschaftliche Sammlungen (Provinzialmuseum,
Vaterländisches Geschichtsmuseum, Kunstgewerbliche Sammlung im Leibnizhaus,
Kestnermuseum). Eines guten Rufes erfreut sich das Königliche Hoftheater;
außerdem bestehen zwei private Schauspielhäuser. Es erscheinen in Hannover
acht politische Zeitungen, darunter der "Hannoversche Kourier",
das "Hannoversche Tageblatt" und der "Hannoversche Anzeiger".
|
|
|
| Hannover - Am Kriegerdenkmal |
Hannover - Schloss Herrenhausen |
Die flache Umgebung von Hannover ist nicht ohne landschaftlichen
Reiz, teils durch die reiche Ausstattung mit öffentlichen Parken und Wäldern,
teils durch die Nähe einsamer Heiden und Moore. 2 km im Nordwesten der Stadt
liegt das jetzt eingemeindete Dorf Herrenhausen, zu dem eine berühmte Lindenallee
führt. Hier befindet sich das Lustschloss Hannovers, die Sommerresidenz
der ehemaligen Könige von H., der Marstall, die Bildergalerie und ein großer,
im französischen Geschmack gehaltener Garten mit Orangerie, Wasserwerken
etc. Auf der entgegengesetzten Seite des Schlosses liegt der Berggarten,
ein bekannter botanischer Garten mit zahlreichen Gewächshäusern und der
größten Palmensammlung Deutschlands, und in der Nähe das königliche Mausoleum
mit den Grabmälern des Königs Ernst August und seiner Gemahlin (von Rauch).
Zwischen den Herrenhäuser königlichen Gärten und der Stadt dehnt sich der
Georgenpark und im O. von dieser die von dieser die Eilenriede aus, ein
schöner Wald, der von Süden durch Osten bis zum Norden die Stadt umzieht.
Am Eingang steht das prächtige, von Volz in
Karlsruhe
entworfene Kriegerdenkmal. Hier im Osten der Stadt liegt auch der zoologische
Garten. Als Vororte sind anzusehen die Stadt
Linden
und die Landgemeinden Limmer, Ricklingen, Döhren, Wülfel, Kirchrode, Groß-
und Klein-Buchholz, Stöcken.
|
|
|
| Hannover - Bahnhof |
Hannover - Bahnhofstraße |
Geschichte: Hannover wird erstmalig 1163 urkundlich erwähnt, als
sich Heinrich der Löwe hier aufhielt; um 1169 wird es als Stadt genannt.
Von diesem erbte sie 1202 sein Sohn, Pfalzgraf Heinrich, der sie 1223 seinem
Neffen Otto dem Kinde, dem Stifter der älteren braunschweigischen Linie,
überließ. Beim Einfall des jungen Königs Heinrich in die braunschweigischen
Linie, überließ. Beim Einfall des jungen Königs Heinrich in die welfischen
Lande unterwarf sich Hannover 1227 dem Grafen Konrad von Lauenrode, wurde
aber 1241 an Otto zurückgegeben. Bei der 1267 zu
Quedlinburg vorgenommenen Teilung der welfischen
Lande fiel Hannover dem Herzog Johann und dessen Nachkommen zu. Von 1283
bis ins 14. Jahrhundert besaß der Bischof von
Hildesheim
die Lehnshoheit über Hannover 1369 kam die Stadt an Herzog Magnus von Braunschweig.
Nachdem sie Herzog Heinrich der ältere 1486 vergeblich belagert und 1490
ebenso erfolglos sich derselben mit List zu bemächtigen versucht hatte,
fiel sie 1495 bei der Länderteilung an Herzog Erich den älteren von Kalenberg.
Schon 1386 war sie dem Hansebund beigetreten, 1533 wurde die Reformation
gewaltsam eingeführt. Herzog Georg von
Celle schlug
1636 hier seine Residenz auf, zu welchem Zwecke das Barfüßerkloster zum
Residenzschloss eingerichtet ward. 1680 wurde die Altstadt mit der Neustadt
vereinigt. Als Kurfürst Georg Ludwig 1714 den englischen Thron bestieg,
verließ der Hof die Stadt, doch eingerichtet ward. 1680 wurde die Altstadt
mit der Neustadt vereinigt. Als Kurfürst Georg Ludwig 1714 den englischen
Thron bestieg, verließ der Hof die Stadt, doch blieb ein Hofstaat dort bestehen.
1747 wurde die Ägidien-Neustadt angelegt. Am 26. Aug. 1745 wurde hier der
Traktat von Hannover zwischen England und
Preußen abgeschlossen, worin England
versprach, für Preußen gegen Anerkennung des Kaisers Franz I. von Maria
Theresia den Besitz Schlesiens zu erwirken; hier kam auch 8. Febr. 1814
der Friede zwischen Russland und Dänemark zustande. 1810–13 gehörte Hannover
zum Königreich
Westfalen. Seit 1815
königliche Residenz dem Namen nach, war Hannover dies in Wirklichkeit erst
seit 1837. Im
Deutschen
Krieg von 1866 besetzten es die
Preußen
17. Juni, und durch die Annexion wurde es Hauptstadt der preußischen
Provinz Hannover. Es hat seitdem in baulicher
und wirtschaftlicher Beziehung einen bedeutenden Aufschwung genommen.
|
|
|
| Hannover - Hauptpostamt |
Hannover - Marktstraße |
Der Regierungsbezirk Hannover ist 5717 km² (103,88 Quadratmeilen)
groß, umfasst das Fürstentum Kalenberg und die Grafschaften Hoya (beide
Gebiete jedoch nicht vollständig) und Diepholz, hat (1900) 647.908 Einwohner
(113 auf 1 km²), davon 593.563 Evangelische, 45.423 Katholiken und 6575
Juden, und umfasst die 13 Kreise: Stadtkreis Hannover, Stadtkreis
Linden, die Landkreise Diepholz,
Hameln, Hannover, Hoya,
Linden,
Neustadt am Rübenberge, Nienburg, Springe, Stolzenau, Sulingen, Syke.