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Heilbronn

Oberamtsstadt im Königreich Württemberg, Neckarkreis

     

Heilbronn

Oberamtsstadt im Königreich Württemberg, Neckarkreis

Heilbronn 37.891 Einwohner - 1905 = 99. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.


Heilbronn am Neckar

Heilbronn am Neckar

 

 

Heilbronn ist eine Oberamtsstadt im Königreich Württemberg, Neckarkreis, einst berühmte Reichsstadt, am Neckar und am Fuß des Wartbergs und liegt 160 Meter über dem Meer. Die Stadt hat im Innern noch immer einen ganz mittelalterlichen Charakter, während außerhalb neue und elegante Stadtteile entstanden sind.

Heilbronn - Kiliansplatz mit Hafenmarktsturm
Heilbronn - Wartberg
Heilbronn - Kiliansplatz mit Hafenmarktsturm Heilbronn - Wartberg



In Heilbronn stehen 3 evangelische Kirchen, eine katholische Kirche und eine Synagoge. Unter diesen gottesdienstlichen Gebäuden sind besonders bemerkenswert die an kunstvollen Steinarbeiten reiche, restaurierte St. Kilians- oder Stadtkirche, ein spätgotischer Bau des 15. Jahrhunderts mit späteren Renaissancezusätzen und einem 62 Meter hohen, zierlichen Turm, schönem Chor, hervorragendem Schnitzaltar (1493), Glasmalereien und der Quelle, die, unter dem Hauptaltar hervorsprudelnd, von der Kirche in den Siebenrohrbrunnen (das Wahrzeichen von Heilbronn) strömt, nach dem Karl der Große die Stadt benannte; die katholische Josephskirche (ehemalige Deutschordenskirche) und die neue, im maurischen Stil ausgeführte Synagoge.

Heilbronn - Kilianskirche mit Mayerdenkmal
Heilbronn - Kirchbrunnen
Heilbronn - Kilianskirche mit Mayerdenkmal Heilbronn - Kirchbrunnen

 

Ebenfalls hervorzuheben sind das restaurierte Rathaus am Markt (von 1540), mit einer kunstvollen Uhr und interessanten Urkunden, das Deutschordenshaus, in dem Oxenstierna 1633 den Heilbronner Vertrag abschloss, der Diebs- oder Götzenturm am Neckar, in dem Götz von Berlichingen einst gefangen saß. Denkmäler besitzt die Stadt für Kaiser Wilhelm I. auf der Promenade, für Kaiser Friedrich I. auf dem Kaiser Friedrichs-Platz, für Bismarck an der Neckarbrücke, für den Naturforscher Robert von Mayer auf dem Marktplatz.

Heilbronn - Rathaus
Heilbronn - Rathausuhr
Heilbronn - Bismarckdenkmal und Hauptpostamt
Heilbronn - Rathaus Heilbronn - Rathausuhr Heilbronn - Bismarckdenkmal und Hauptpostamt


Die Einwohnerzahl beträgt (1900) mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 122) 37.891, die Mehrzahl sind Evangelisch, 5152 sind Katholiken und 813 Juden. Die Industrie ist bedeutend. Heilbronn hat eine Fabrik für silberne Tafelgeräte und Bestecke, 3 Maschinenfabriken, Eisen- und Metallgießerei, 2 große Papierfabriken, Leim- und Düngerfabriken, eine große Zuckerfabrik, ein Salzwerk mit einer jährlichen Produktion von 450.000 Zentner Stein- und 250.000 Zentner Siedesalz. Außerdem findet man in Heilbronn Fabrikation von Feigenkaffee und Zichorie, Konserven, Briefumschlägen, Tabak, Messerschmiedewaren, Kölnischem Wasser, Pianinos, Seife, Stearin, Öl und Zement, Bleiweiß, Essig, ferner Bleichen, Färbereien, Gerbereien, Bierbrauereien etc.; auch der Weinbau ist sehr bedeutend. Der Handel, unterstützt durch eine Handels- und Gewerbekammer, eine Nebenstelle Reichsbank und die Württembergische Transportversicherungsgesellschaft sowie durch die lebhafte Kettenschleppschifffahrt von Mannheim nach Heilbronn, ist besonders lebhaft in Kolonialwaren, Salz, Landesprodukten, Holz und Kohlen.

Heilbronn - Wartberg - Partie am Neckar
Heilbronn - Kaserne
Heilbronn - Wartberg - Partie am Neckar Heilbronn - Kaserne


Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Bietigheim-Jagstfeld, Heilbronn-Marbach a. N., Heilbronn-Crailsheim und Heilbronn-Eppingen. Den Verkehr in der Stadt vermittelt eine elektrische Straßenbahn. Heilbronn hat ein Gymnasium, Oberrealschule, landwirtschaftliche Winterschule, Handelsschule etc., Theater, Zellengefängnis und ist Sitz eines Generalsuperintendenten, eines Landgerichts (für die 9 Amtsgerichte zu Backnang, Besigheim, Brackenheim, Heilbronn, Marbach, Maulbronn, Neckarsulm, Vaihingen und Weinsberg), eines Forstamts und eines Hauptsteueramts. Der städtische Gemeinderat und der Bürgerausschuss bestehen je aus 19 Mitgliedern. Den schönsten Blick auf Stadt und Umgebung gewährt der Wartberg mit dem Wartturm.

Heilbronn - Blick in die Kaiserstraße
Heilbronn - Blick vom Bollwerkturm
Heilbronn - Blick in die Kaiserstraße Heilbronn - Blick vom Bollwerkturm

 

Heilbronn, unter den Karolingern eine königliche Pfalz, wird 741 zuerst erwähnt und war 1073 bereits ein ansehnlicher Ort, der von Kaiser Heinrich IV. Stadtrechte erhielt. Heilbronn dem Bischof von Würzburg übertragen, der es 1225 den Hohenstaufen überließ. Rudolf von Habsburg verlieh der Stadt ausgedehnte Freiheiten, doch wurde diese erst 1360 nach Erwerbung des Schultheißenamtes Reichsstadt. Heilbronn trat 1331 dem Schwäbischen Städtebund und später dem Schwäbischen Bund bei, der 1519 hier Götz von Berlichingen gefangen hielt. Die Reformation fand 1525 Eingang in Heilbronn. Im Bauernkrieg fiel die Stadt infolge innerer Zwistigkeiten in die Hände der Bauern, die dort im Mai 1525 einen Konvent abhielten, auf dem eine Reform des Reiches beraten wurde. Später trat Heilbronn dem Schmalkaldischen Bund bei und musste für ihre Teilnahme am Schmalkaldischen Kriege dem Kaiser 1547 hohe Geldbuße zahlen. 1633 fand hier ein Konvent zwischen Oxenstierna, den Ständen des schwäbischen, fränkischen, ober- und niederrheinischen Kreises und den französischen, englischen und holländischen Botschaftern statt, infolgedessen 23. April der Heilbronner Vertrag zur Fortsetzung des Krieges zustande kam. 1802 kam Heilbronn zu Württemberg.

 

 

Kätchen aus Heilbronn

Heilbronn und sein Kätchen
Kätchenhaus und Kätchen aus Heilbronn
Heilbronn und sein Kätchen Kätchenhaus und Kätchen aus Heilbronn

 

Das Kätchen aus Heilbronn (1807–08) ist eine Figur aus dem Schauspielstück von Heinrich von Kleist (1777–1811). Es wurde am 17. März 1810 in Wien am Theater an der Wien uraufgeführt. Das Stück erfreute sich einer großen Popularität. Das Käthchenhaus in Heilbronn, ein spätmittelalterliches, steinernes Gebäude am Marktplatz, erhielt seine Bezeichnung erst nach Veröffentlichung des Schauspiels und bildet keinen geschichtlichen Hintergrund für Kleists Werk.

 

 


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