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Helgoland

und

Helgoland-Sansibar-Vertrag

Helgoland - S.M.S. Helgoland

Helgoland

Helgoland

 

 

Helgoland

Landgemeinde im Königreich Preußen, Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Süderdithmarschen

Helgoland ist eine deutsche Insel mit vielbesuchtem Seebad in der Nordsee, nordwestlich von den Mündungen der Elbe und der Weser, 44,5 km vom Festland entfernt, gehört seit 1891 als Landgemeinde zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Süderdithmarschen, ist 1700 Meter lang, 600 Meter breit, hat etwa 4000 m Umfang, 0,55 km² (0,01 Quadratmeilen) Flächeninhalt und besteht aus dem Oberland und dem im Südosten vorgelagerten Unterland. Das Oberland ist ein bis 63 Meter hoher roter Tonsteinfelsen, der wie eine Mauer aus dem Meer emporsteigt und eine kleine Stadt sowie einen schönen Leuchtturm trägt. Auf dem Oberland sind an Stelle der früheren englischen Batterien feste Panzertürme und Mörserbatterien errichtet worden; von einer an der Südostseite des Unterlandes gelegenen Mole führt ein Tunnel hinaus. Das Unterland ist ein flaches, sandiges Vorland von geringer Ausdehnung, mit dem Oberland durch eine Treppe und einen Auszug in Verbindung stehend. Hier befindet sich ein Badehaus für warme Seebäder und das neue Konversationshaus. Etwa 1200 Meter östlich von diesem Vorland liegt die Düne, eine Sandinsel von 2000 Meter Länge und 300 Meter Breite. Ihr fester und seiner Sandgrund bietet den herrlichsten Badestrand dar, zu dem man auf kleinen Fahrzeugen übersetzt. Das 1826 gegründete Seebad nimmt den ersten Rang unter allen deutschen Nordseebädern ein; es ist das einzige, dessen insulare Lage eine stets reine Seeluft bedingt. Die Badezeit beginnt Anfang Juni und dauert bis Ende Oktober.

Helgoland - Der neue Hafen
Helgoland - Unterland
Helgoland - Der neue Hafen Helgoland - Unterland


Die Zahl der Badegäste beträgt jährlich ca. 21.000; mehr als 20.000 Touristen besuchen die Insel vorübergehend. Die Meeresbrandung hat an der ehemals viel größeren Insel arg gearbeitet und besonders an der Westseite fortwährend zerstörend eingewirkt. Um 1900 werden an den am meisten gefährdeten Stellen Mauern aus großen Granitquadern errichtet, wodurch den Uferwänden ein fester Halt gegeben wird. Die Düne wurde am 31. Dezember 1720 von der Insel losgetrennt. An der Westseite Helgolands zeigt sich zur Ebbe ein 100 Meter breiter Felsgrund, und die Uferwände bieten hier das großartigste Bild von hohen Felstoren, riesigen Felskegeln und tiefen Grotten dar. Aus der Farbenzusammenstellung, die das Landschaftsbild der Insel darbietet, entstand die grün-rot-weiße Flagge der Helgoländer. Die Reede (Nord- und Südhafen genannt) liegt zwischen Helgoland und der Düne.

Helgoland - Kaiserstraße
Helgoland - Aquarium mit Nordstrand
Helgoland - Kaiserstraße Helgoland - Aquarium mit Nordstrand



Die Insel hat eine evangelische Kirche, einen Leuchtturm (1901 neu erbaut), ein neues Rathaus, ein Denkmal des Dichters Hoffmann von Fallersleben, der hier das Lied Deutschlandlied dichtete, ein Nordseemuseum (mit berühmter Vogelsammlung), ein Aquarium, eine Vogelwarte, eine biologische Station zur Erforschung der Fauna der Nordsee. Helgoland hat im Jahr 1900 mit der Garnison (Matrosenartillerie) 2307 evangelische Bewohner, die teils im Unterland, teils im Oberland wohnen und Fischerei, Austern- und Hummernfang, Schifffahrt und Lotsendienst sowie Bewirtung und Beherbergung der Touristen und Badegäste betreiben. Die Helgoländer sind vorwiegend friesischen Stammes und sprechen einen friesischen Dialekt, während die deutsche Sprache Kirchen- und Schulsprache ist. Mit Hamburg, Cuxhaven und Geestemünde besteht regelmäßige Dampfschifffahrt, mit der deutschen Küste submarine Telegraphenverbindung. Auf verschiedenen Feldern der Naturwissenschaften bietet Helgoland die interessantesten Erscheinungen dar, z. B. seine geologische Formation. Dann ist die Zahl der Helgoland während der Zugperioden besuchenden Vögel aller Länder der ganzen nördlichen Hemisphäre geradezu beispiellos. Unter den Lepidopteren ist eine höchst interessante Art, Spilosana Zatime, fast ausschließlich helgoländisch zu nennen, und unter der Flora sind einheimisch die hochnordische Cochlearia danica sowie die südliche Lobularia maritima.

Helgoland - Falm-Oberland
Helgoland - Denkmal Hoffmann von Fallersleben
Helgoland - Falm-Oberland Helgoland - Denkmal Hoffmann von Fallersleben


Helgoland ist das alte Fositesland und war nach der Sage eine umfangreiche, stark bevölkerte Insel. Seit dem 14. Jahrhundert gehörte sie den Herzögen von Schleswig-Holstein-Gottorp, wurde im Kampf der königlichen Linie gegen die herzogliche 1714 von den Dänen erobert und kam 1807, während der napoleonischen Feldzüge in den Besitz der Engländer. Während der Kontinentalsperre war Helgoland ein Hauptplatz für den Schmuggelhandel. Nach der Niederlage Napoleon I. 1814 behielten diese Helgoland. Am 9. Mai 1864 fand während des Deutsch-Dänischen Krieges in der Nähe ein Seegefecht zwischen Österreichern und Dänen statt. 1890 kommt die Insel im Tausch gegen afrikanische Gebiete (u.a. Deutsch-Witu) zum Deutschen Reich.

Hoffmann von Fallersleben
Helgoland - Villa Hoffmann von Fallersleben
Hoffmann von Fallersleben - Deutschlandlied Helgoland - Villa Hoffmann von Fallersleben



Helgoland Briefmarken


Zwischen 1867 und 1890 wurden für Helgoland unter der Bezeichnung "Heligoland" eigene Briefmarken ausgegeben. Die Marken erschienen zeitweise in einer doppelter Nennwertangabe, in englischer und deutscher Währung und zeigen u.a. das Portrait der englischen Königin Victoria.

Helgoland, 2 Schilling Helgoland, 1 Pfennig Helgoland, 3 Pfennig Helgoland, 20 Pfennig Helgoland, 1 Mark  Helgoland, 5 Mark 
Helgoland, 2 Schilling Helgoland, 1 Pfennig Helgoland, 3 Pfennig Helgoland, 20 Pfennig Helgoland, 1 Mark Helgoland, 5 Mark


 Deutsches Reich 1940, 6 + 94 Pfennig, Helgoland 50 Jahre deutsch 
Deutsches Reich 1940, 6 + 94 Pfennig, Helgoland 50 Jahre deutsch 



Helgoland (Schleswig-Holstein)


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Helgoland-Sansibar-Vertrag

Am 1. Juli 1890 schließen Deutschland und Großbritannien den Helgoland-Sansibar-Vertrag durch den Kolonialstreitigkeiten beider Länder in Ostafrika, Südwestafrika sowie Togo bereinigt werden. In diesem Abkommen

Besitzergreifung von Helgoland in Gegenwart Kaiser Wilhelms II. am 8. September 1890

Besitzergreifung von Helgoland in Gegenwart Kaiser Wilhelms II. am 8. September 1890

 

Bereits 1889 war vom damaligen Reichskanzler Bismarck der Ausgleich mit England initiiert worden. Caprivi, sein Nachfolger in diesem Amt, drängte auf einen schnellen Vertragsschluss, da ansonsten vor dem strategisch wichtigen, sich damals noch im Bau befindlichen Kaiser-Wilhelm-Kanal (Nord-Ostsee-Kanal) ein englischer Brückenkopf bestanden hätte.

Helgoland Deutsch bist du

10. August 1890 - 1915
Helgoland Deutsch bist du
Englisch warst du
Deutsch sollst du ewig bleiben!

 

Helgoland-Sansibar-Vertrag

Vertrag zwischen Deutschland und England

über die Kolonien und Helgoland vom 1. Juli 1890

Das Staatsarchiv, Sammlung der offiziellen Aktenstücke zur Geschichte der Gegenwart, 51.Bd, Leipzig, Verlag von Duncker & Humblot 1891, S.151

Die Unterzeichneten:

                der Reichskanzler, General der Infanterie von Caprivi,

                der geheime Legationsrat im Auswärtigen Amt Dr. Krauel,

                der außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter Ihrer britannischen Majestät Sir Edward Baldwin      Malet,

                der Vorsteher der afrikanischen Abteilung Ihrer Majestät Auswärtigen Amtes, Sir Henry Percy      Anderson

 

haben nach Berathung verschiedener, die Kolonialinteressen Deutschlands und Großbritanniens betreffender Fragen namens ihrer Regierungen folgendes Abkommen getroffen:

 

Artikel I.

 

In Ostafrika wird das Gebiet, welches Deutschland zur Geltendmachung seines Einflusses vorbehalten wird begrenzt:

1. Im Norden durch eine Linie, welche an der Küste vom Nordufer der Mündung des Umbeflusses ihren Ausgang nimmt und darauf in gerader Richtung zum Jipe-See läuft. Dem Ostufer des Sees entlang und um das Nordufer desselben herumführend, überschreitet die Linie darauf den Fluß Lumi, um die Landschaften Taveta und Dschagga in der Mitte zu durchschneiden und dann, entlang an dem nördlichen Abhang der Bergkette des Kilima-Ndscharo, in gerader Linie weiter geführt zu werden bis zu demjenigen Punkte am Ostufer des Victoria-Nyanza-Sees, welcher von dem ersten Grad südlicher Breite getroffen wird. Von hier den See auf dem genannten Breitengrade überschreitend, folgt sie dem letzteren bis zur Grenze des Congostaates, wo sie ihr Ende findet. Es ist indessen Einverständnis darüber vorhanden, daß die deutsche Interessensphäre auf der Westseite des genannten Sees nicht den Mfumbrio-Berg umfaßt. Falls sich ergeben sollte, daß dieser Berg südlich des genannten Breitengrades liegt, so soll die Grenzlinie in der Weise gezogen werden, daß sie den Berg von der deutschen Interessenspähre ausschließt, gleichwohl aber zu dem vorher bezeichneten Endpunkte zurückkehrt.

2. Im Süden durch eine Linie, welche, an der Küste von der Nordgrenze der Provinz Mozambique ausgehend, dem Laufe des Flusses Rovuma bis zu dem Punkte folgt, wo der M`sinjefluß in den Rovuma mündet, und von dort nach Westen weiter auf dem Breitenparallel bis zu dem Ufer des Nyassa-Sees läuft. Dann sich nordwärts wendend, setzt sie sich längs den Ost-, Nord- und Westufern des Sees bis zum nördlichen Ufer der Mündung des Songweflusses fort. Sie geht darauf diesen Fluß bis zu seinem Schnittpunkte mit dem 33. Grad östlicher Länge hinauf und folgt ihm weiter bis zu demjenigen Punkte, wo er der Grenze des in dem ersten Artikel der Berliner Konferenz beschriebenen geographischen Congobeckens, wie dieselbe auf der dem 9. Protokoll der Konferenz beigefügten Karte gezeichnet ist, am nächsten kommt. Von hier geht sie in gerader Linie auf die vorher gedachte Grenze zu und führt an derselben entlang bis zu deren Schnittpunkte mit dem 32. Grad östlicher Länge; sie wendet sich dann in gerader Richtung zu dem Vereinigungspunkte des Nord- und Südarmes des Kilamboflusses, welchem sie dann bis zu seiner Mündung in den Tanganika-See folgt.

Der Lauf der vorgedachten Grenze ist im allgemeinen nach Maßgabe einer Karte des Nyassa-Tanganika-Plateaus angegeben, welche im Jahre 1889 amtlich für die britische Regierung angefertigt wurde.

3. Im Westen durch eine Linie, welche von der Mündung des Flusses Kilambo bis zum 1.Grade südlicher Breite mit der Grenze des Congostaates zusammenfällt.

 

Das Großbritannien zur Geltendmachung seines Einflusses vorbehaltene Gebiet wird begrenzt:

1. Im Süden durch die vorher erwähnte Linie von der Mündung des Umbeflusses zu dem Punkte der Grenze des Congofreistaates, welcher von dem 1. Grad südlicher Breite getroffen wird. Der Berg Mfumbrio ist in dieses Gebiet eingeschlossen.

2. Im Norden durch eine Linie, welche an der Küste am Nordufer des Jubaflusses beginnt, dem genannten Ufer entlangläuft und mit der Grenze desjenigen Gebiets zusammenfällt, welches dem Einflusse Italiens im Gallalande und in Abyssinien bis zu den Grenzen Ägyptens vorbehalten ist.

3. Im Westen durch den Congofreistaat und durch dir westliche Wasserscheide des oberen Nilbeckens.

 

Artikel II.

 

Um die in dem vorstehenden Artikel bezeichnete Abgrenzung zur Ausführung zu bringen, zieht Deutschland seine Schutzherrschaft über Witu zugunsten von Großbritannien zurück. Großbritannien verpflichtet sich, die Souveränität des Sultans von Witu über das Gebiet anzuerkennen, welches sich von Kipini bis zu dem im Jahre 1887 als Grenze festgesetzten Punkt gegenüber der Insel von Kweihu erstreckt.

Deutschland verzichtet ferner auf seine Schutzherrschaft über die an Witu grenzende Küste bis nach Kismaju und auf seine Ansprüche auf Gebiete des Festlandes nördlich vom Tanaflusse und auf die Inseln Patta und Manda.

 

Artikel III.

 

 

In Südwestafrika wird das Gebiet, welches Deutschland zur Geltendmachung seines Einflusses vorbehalten wird, begrenzt:

1. Im Süden durch eine Linie, welche an der Mündung des Oranjeflusses beginnt und an dem Nordufer des Flusses bis zu dem Punkte hinaufgeht, wo derselbe vom 20. Grad östlicher Länge getroffen wird.

2. Im Osten durch eine Linie, welche von dem vorher genannten Punkte ausgeht und dem 20.Grad östlicher Länge bis zu seinem Schnittpunkte mit dem 22. Grade südlicher Breite folgt. Die Linie läuft sodann diesem Breitengrade nach Osten entlang bis zu dem Punkte, wo er von dem 21. Grad östlicher Länge getroffen wird; sie führt darauf in nördlicher Richtung den genannten Längengrad bis zu seinem Zusammentreffen mit dem 18. Grad südliche Breite hinauf, läuft dann in östlicher Richtung diesen Breitengrade entlang, bis er den Tschobefluß erreicht, und setzt sich dann im Thalweg des Hauptlaufes dieses Flusses bis zu dessen Mündung in den Zambese fort, wo sie ihr Ende findet.

Es ist Einverständnis darüber vorhanden, daß Deutschland durch diese Bestimmung von seinem Schutzgebiet aus freien Zugang zum Zambese mittels eines Landstreifens erhalten soll, welcher an keiner Stelle weniger als 20 englische Meilen breit ist.

Das Großbritannien zur Geltendmachung seines Einflusses vorbehaltene Gebiet wird im Westen und Nordwesten durch die vorher bezeichnete Linie begrenzt. Der N`Gami-See ist in dasselbe eingeschlossen.

Der Lauf der vorgedachten Grenze ist im allgemeinen nach Maßgabe einer Karte wiedergegeben, welche im Jahre 1889 amtlich für die britische Regierung angefertigt wurde.

Die Festsetzung der Südgrenze des britischen Walfischbaygebietes wird der Entscheidung durch einen Schiedsspruch vorbehalten, falls nicht innerhalb zweier Jahre von der Unterzeichnung dieses Übereinkommens an eine Vereinbarung der Mächte über die Grenze getroffen ist. Beide Mächte sind darüber einverstanden, daß, solange die Erledigung der Grenzfrage schwebt, der Durchmarsch und die Durchfuhr von Gütern durch das streitige Gebiet für die beiderseitigen Unterthanen frei, und daß die Behandlung der letzteren in dem Gebiete in jeder Hinsicht eine gleiche sein soll. Von Durchgangsgütern wird kein Zoll erhoben, und bis zur Ordnung der Angelegenheit soll das Gebiet als neutrales betrachtet werden.

 

Artikel IV.

 

In Westafrika:

1. Die Grenze zwischen dem deutschen Schutzgebiete von Togo und der britischen Goldküstenkolonie geht an der Küste von den bei den Verhandlungen der beiderseitigen Kommisare vom 14. Und 28. Juli 1886 gesetzten Grenzzeichen und erstreckt sich in nördlicher Richtung bis zu dem Parallelkreis 6° 10` nördlicher Breite. Von hier aus geht sie westlich dem genannten Breitengrade entlang bis zum linken Ufer des Akaflusses und steigt hier auf den Thalweg des letzteren bis zu dem Breitenparallel 6° 20`nördlicher Breite hinauf. Sie läuft sodann auf diesem Breitengrade in westlicher Richtung weiter bis zu dem rechten Ufer des Dschawe- oder Shavoeflusses, folgt diesem Ufer dieses Flusses bis zu demBreitenparallel, welcher durch den Punkt der Einmündung des Deineflusses in den Volta bestimmt wird, um dann nach Westen auf dem gedachten Breitengrade bis zum Volta fortgeführt zu werden. Von diesem Punkte an geht sie am linken Ufer des Volta hinauf, bis sie die in dem Abkommen von 1888 vereinbarte neutrale Zone erreicht, welche bei der Einmündung des Dakkaflusses in den Volta ihren Anfang nimmt.

 

Jede der beiden Mächte verpflichtet sich, unmittelbar nach dem Abschluß dieses Abkommens alle ihre Beamten und Angestellten aus demjenigen Gebiet zurückziehen, welches durch die obige Grenzfestsetzung der anderen Macht zugetheilt ist.

 

2. Nachdem für beide Regierungen glaubhaft nachgewiesen ist, daß sich am Golf von Guinea kein Fluß befindet, welcher dem auf den Karten angegebenen und in dem Abkommen von 1885 erwähnten Rio del Rey entspricht, so ist als vorläufige Grenze zwischen dem deutschen Gebiet von Kamerun und dem angrenzenden britischen Gebiete eine Linie vereinbart worden, die von dem oberen Ende des Rio del Rey-Kreeks ausgehend in gerader Richtung zu dem etwa 9° 8`östlicher Länge gelegenen Punkt läuft, welcher auf der Karte der britischen Admiralität mit "Rapids" bezeichnet ist.

 

Artikel V.

 

Es wird vereinbart, daß durch Verträge und Abkommen, welche von oder zugunsten einer der beiden Mächte in den Gegenden nördlich vom Benue getroffen werden, das Recht der anderen macht, im freien Durchgangsverkehr und ohne Zahlung von Durchgangszöllen nach und von den Ufern des Tschad-Sees Handel zu treiben, nicht beeinträchtigt werden soll. Von allen Verträgen, welche in dem zwischen dem Benue und Tschad-See belegenen Gebiete geschlossen werden, soll die eine Macht der anderen Anzeige erstatten.

 

Artikel VI.

 

Bei allen in den Artikeln I bis IV bezeichneten Abgrenzungslinien können Berichtigungen, welche mit Rücksicht auf örtliche Verhältnisse nothwendig erscheinen, durch Vereinbarung der beiden Mächte getroffen werden.

 

Insbesondere ist Einverständnis darüber vorhanden, daß bezüglich der im Artikel IV bezeichneten Grenzen sobald als möglich Kommissare behufs Herbeiführung einer solchen Berichtigung zusammentreten sollen.

 

Artikel VII.

 

Jede der beiden Mächte übernimmt die Verpflichtung, sich jeglicher Einmischung in diejenige Interessensphäre zu enthalten, welche der anderen durch Artikel I bis IV des gegenwärtigen Übereinkommens zuerkannt ist. Keine Macht wird in der Interessensphäre der anderen Erwerbungen machen, Verträge abschließen, Souveränitätsrechte oder Protektorate übernehmen oder die Ausdehnung des Einflusses der anderen hindern.

Es besteht Einverständnis darüber, daß Gesellschaften oder Privatpersonen, welche der einen Macht angehören, die Ausübung von Souveränitätsrechten innerhalb der Interessensphäre der anderen Macht, außer mit Zustimmung der letzteren, nicht zu gestatten ist.

 

Artikel VIII.

 

Die beiden Mächte verpflichten sich, in allen denjenigen Theilen ihrer Gebiete innerhalb der in der Akte der Berliner Konferenz von 1885 bezeichneten Freihandelszone, auf welche die fünf ersten Artikel der genannten Akte am Tage des gegenwärtigen Abkommens anwendbar sind, die Bestimmungen dieser Artikel in Anwendung zu bringen. Hiernach genießt der Handel vollständige Freiheit; die Schiffahrt auf den Seen, Flüssen und Kanälen und den daran gelegenen Häfen ist frei für beide Flaggen; keine ungleiche Behandlung mit Bezug auf den Transport oder Küstenhandel ist gestattet; Waaren jeder Herkunft sollen keine anderen Abgaben zu entrichten haben, als solche welche unter Ausschluß ungleicher Behandlung, für die zum Nutzen des Handels gemachten Ausgaben erhoben werden mögen; Durchgangszölle dürfen nicht erhoben und keine Monopole oder Handelsbegünstigungen gewährt werden.

Den Angehörigen beider Mächte ist die freie Niederlassung in den beiderseitigen Gebieten, soweit dieselben in der Freihandelszone gelegen sind, gestattet.

Insbesondere herrscht Einverständnis darüber daß in Gemäßheit dieser Bestimmungen von jedem Hemmnis und jedem Durchgangszoll frei sein soll der beiderseitige Güterverkehr zwischen dem Nyassa-See und dem Congostaat zwischen dem Nyassa- und Tanganika-See, auf dem Tanganika-See und zwischen diesem See und der nördlichen Grenze der beiden Sphären.

 

Artikel IX.

 

Handels- und Bergwerks-Konzessionen, sowie Rechte an Grund und Boden, welche Gesellschaften oder Privatpersonen der einen Macht innerhalb der Interessensphäre der anderen Macht erworben haben, sollen von der letzteren anerkannt werden, sofern die Gültigkeit derselben genügend dargethan ist. Es herrscht Einverständnis darüber, daß die Konzessionen in Gemäßheit der an Ort und Stelle gültigen Gesetze und Verordnungen ausgeübt werden müssen.

 

Artikel X.

 

In allen gebieten Afrikas, welche einer der beiden Mächte gehören oder unter ihrem Einfluß stehen, sollen Missionare beider Länder vollen Schutz genießen; religiöse Duldung und Freiheit für alle Formen des Gottesdienstes und für geistlichen Unterricht werden zugesichert.

 

Artikel XI.

 

Großbritannien wird seinen ganzen Einfluß aufbieten, um ein freundschaftliches Übereinkommen zu erleichtern, wodurch der Sultan von Zanzibar seine auf dem Festland gelegenen und in den vorhandenen Konzessionen der deutsch-ostafrikanischen-Gesellschaft erwähnten Besitzungen nebst Dependenzen, sowie die Insel Mafia an Deutschland ohne Vorbehalt abtritt. Es herrscht Einverständnis darüber, daß Se.Hoheit gleichzeitig für den aus dieser Abtretung entstehenden Verlust an Einnahmen eine billige Entschädigung erhalten soll.

Deutschland verpflichtet sich, die Schutzherrschaft Großbritanniens anzuerkennen über die verbleibenden Besitzungen des Sultans von Zanzibar mit Einschluß der Insel Zanzibar und Pemba, sowie über die Besitzungen des Sultans von Witu und das benachbarte Gebiet bis Kismaju, von wo die deutsche Schutzherrschaft zurückgezogen wird. Es herrscht Einverständnis darüber, daß Ihrer Majestät Regierung, falls die Abtretung der deutschen Küste nicht vor der Übernahme der Schutzherrschaft über Zanzibar durch Großbritannien stattgefunden hat, bei der Übernahme jener Schutzherrschaft die Verpflichtung übernehmen wird, allen ihren Einfluß anzuwenden, um den Sultan zu veranlassen, jene Abtretung gegen Gewährung einer billigen Entschädigung sobald als möglich vorzunehmen.

 

Artikel XII.

 

1. Vorbehaltlich der Zustimmung des britischen Parlaments wird die Souveränität über die Insel Helgoland nebst der Zubehörungen von Ihrer britischen Majestät an Se. Majestät den Deutschen Kaiser abgetreten.

2. Die deutsche Regierung wird den aus dem abgetretenen Gebiet herstammenden Personen die Befugnis gewähren, vermöge einer vor dem 1. Januar 1892 von ihnen selbst oder bei minderjährigen Kindern von deren Eltern oder Vormündern abzugebenden Erklärung die britische Staatsangehörigkeit zu wählen.

3. Die aus dem abgetretenen Gebiet herstammenden Personen und ihre vor dem Tage der Unterzeichnung dieser Übereinkunft geborenen Kinder bleiben von der Erfüllung der Wehrpflicht im Kriegsheer und in der Flotte in Deutschland befreit.

4. Die zur Zeit bestehenden heimischen Gesetze und Gewohnheiten bleiben soweit es möglich ist, unverändert fortbestehen.

5. Die deutsche Regierung verpflichtet sich, bis zum 1. Januar 1910 den zur Zeit auf dem abgetretenen Gebiet in Geltung befindlichen Zolltarif nicht zu erhöhen.

6. Alle Vermögensrechte, welche Privatpersonen oder bestehende Korporationen der britischen Regierung gegenüber in Helgoland erworben haben, bleiben aufrechterhalten; die ihnen entsprechenden Verpflichtungen gehen auf Se. Majestät de Deutschen Kaiser über. Unter dem Ausdruck "Vermögensrechte" ist das Signalrecht des Lloyd inbegriffen.

7. Die Rechte der britischen Fischer, bei jeder Witterung zu ankern, Lebensmittel und Wasser einzunehmen, Reparaturen zu machen, die Waren von einem Schiff auf das andere zu laden, Fische zu verkaufen, zu landen und Netze zu trocknen, bleiben unberührt.

 

Berlin, den 1. Juli 1890.

 

von Caprivi

R. Krauel

Edward B. Malet

H. Percy Anderson

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Die Rechtschreibung entspricht dem damaligen Stand (1890)

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Manfred Hartmann vielen Dank für den Vertragstext!

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