Karlsruhe ist die Haupt- und Residenzstadt des Großherzogtums
Baden und liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, 8 km vom Rhein und 115 Meter
über dem Meer. Die Altstadt umgibt in einem großen Halbkreis das am Saum des
Hardtwaldes gelegene Schloss und ist in Gestalt eines Fächers angelegt. 14 Straßen
gehen radienförmig vom Bleiturm des Schlosses aus ab und werden durch die von
Ost nach West ziehende Kaiserstraße und deren Parallelstraßen geschnitten. Die
Fächerform wurde in den neuen Stadtteilen aufgegeben.
Karlsruhe ist Sitz der großherzoglichen Regierung mit zahlreichen
Staats- und Hofbehörden, der Landstände, eines Kreis- und eines Bezirksamtes,
einer Oberrechnungskammer, des Verwaltungsgerichtshofs, des evangelischen Oberkirchenrats,
eines Oberrabbinats, des Oberschulrats, einer Zoll-, Steuer-, Domänen- und Baudirektion,
eines Landesversicherungsamts, Oberbergamts, Oberlandes- und Landgerichts, einer
Generaldirektion der Staatseisenbahnen, Oberpostdirektion, Bezirksforstei u.a.m.
Die städtischen Behörden zählen 25 Magistratsmitglieder und 96 Stadtverordnete.
In Karlsruhe sind stationiert die 5. Armeeinspektion, der
Stabes des 14. Armeekorps, die 28. Division, die 55. Infanterie-, de 28. Kavallerie-
und 28. Feldartilleriebrigade.
Karlsruhe ist eine Schöpfung fürstlicher Laune. Markgraf Karl
Wilhelm, auf seine Residenz Durlach erzürnt, erbaute sich 1715 im Hardtwald
ein Jagdschloss. Nach dem Strich der Windrose wurden 32 Alleen, vom Schloss
auslaufend, durch den Wald gehauen und Aufforderungen zur Ansiedelung erlassen.
Die Hofkanzlei und die Regierung, 1724 auch das Gymnasium wurden von Durlach
dorthin verlegt. 1751 wurde vom Markgrafen Karl Friedrich an der Stelle des
Jagdschlosses das jetzige Schloss ausgeführt. Immer mehr vergrößerte sich seitdem
die Stadt, sie zählte 1812 bereits 13.727 Einwohner 1848 und 1849 war Karlsruhe
der Schauplatz erst der Volkserhebung und dann der Gegenrevolution.
Karlsruhe besitzt 6 evangelische, 4 katholische, eine altkatholische
Kirche und 2 Synagogen. Besonders zu erwähnen sind die evangelische
Stadtkirche mit der Fürstengruft, die evangelische Christuskirche, die
katholische Stadtkirche und die katholische Bernharduskirche. Unter
den Profanbauten ist zunächst hervorzuheben das 1751–76 im altfranzösischen
Stil erbaute Residenzschloss. Vor dem Schloss liegt der mit Anlagen
und dem Denkmal des Großherzogs Karl Friedrich (von Schwanthaler) geschmückte
Schlossplatz und hinter demselben dehnt sich der Schlossgarten mit dem
Denkmal des Dichters Hebel, der Steinhäuserschen Gruppe Hermann und
Dorothea, einem reichgeschmiedeten Rokokotor und verschiedenen Wasserkünsten
aus, an den sich der Wildpark und der sogen. Fasanengarten mit dem 1893–94
erbauten Mausoleum anschließt. Östlich des Schlosses liegt der Marstall,
westlich das von Hübsch erbaute Hoftheater mit dem dahinter sich ausbreitenden
botanischen Garten, dem Wintergarten, der Orangerie und der Kunsthalle.
Nach Süden wird der Schlossgarten im Bogen geschlossen durch die Gebäude
verschiedener Ministerien, das Palais der Frau Prinzessin Wilhelm und
stattliche Privatbauten. Die Kaiserstraße rechtwinklig schneidend, führt
die Karl Friedrich-Straße vom Schlossplatz über den Marktplatz zum Bahnhof,
vorüber an der dem Gründer der Stadt errichteten Pyramide, dem Standbilde
des Großherzogs Ludwig und dem "dem Gründer der Verfassung", dem Großherzog
Karl, gewidmeten Obelisken, die evangelische Stadtkirche und das markgräfliche
Palais zur linken, das Rathaus auf der rechten Seite.
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| Karlsruhe - Marktplatz |
Karlsruhe - östliche Kaiserstraße |
Ist der Marktplatz das Zentrum der Stadt und die genannte Straße
die eine Achse, so ist die Kaiserstraße die andere. Sie führt in gerader
Richtung, bei einer Länge von 2200 Meter und einer Breite von 23 Meter,
vom neu angelegten Durlachertorplatz bis zum Kaiserplatz hin, auf dem
das Kaiser Wilhelm-Denkmal (von Heer, 1897) errichtet ist. Öffentlichen
Gebäuden, die an der Kaiserstraße liegen, sind unter andern die Technische
Hochschule, das Oberpostdirektionsgebäude, während das von Durm erbaute
Palais des Prinzen Max und der Leopoldsplatz mit Monumentalbrunnen (von
Strieder) wenig seitwärts liegen. Vom Durlachertor nach Osten hat sich
ein neuer Stadtteil mit radial auslaufenden Straßen entwickelt, darunter
die Durlacher Allee, mit der Artilleriekaserne (ehemalige Benediktinerabtei
Gottesau) und der neuen, mustergültigen Vieh- und Schlachthofanlage,
sowie die Karl Wilhelm-Straße, die zum neuen Friedhof mit dem Krematorium
führt. Anderseits setzt sich die Kaiserstraße nach Westen als Kaiserallee
bis zum Stadtteil Mühlburg fort, durch den die Rheinstraße zum Rheinhafen
führt. Ihr zur Seite liegen die Oberrealschule, das Gebäude der Landes-Versicherungsanstalt
Baden, das Ludwig Wilhelm-Krankenheim und die Dragonerkaserne, sämtlich
großartige Neubauten. Parallel zur Kaiserstraße zieht sich im Nordwesten
die Moltkestraße mit der Baugewerkschule, der Kunstgewerbeschule, der
Kadettenanstalt und der neuen Infanteriekaserne hin. Zwischen der Moltke-
und Bismarckstraße hat sich ein größeres Villenviertel entwickelt, das
auch das Gebäude des Generalkommandos, das Gymnasium, die Turnhalle,
die Akademie der bildenden Künste, das Atelierhaus und den Kunstschulplatz
mit dem Scheffeldenkmal (von Volz) einschließt. Die Kriegstraße, im
Süden parallel zur Kaiserstraße laufend und mit ihr durch die elegante
Westendstraße verbunden, ist mit ihren Villen, dem erbgroßherzoglichen
Palais, dem Erbprinzengarten und der Nymphengruppe (von Weltring), dem
Drais-, Krieger- und Winterdenkmal, dem Malschbrunnen etc. eine Zierde
der Stadt. Im Innern der Stadt ziehen vom Rondelplatz nach den Enden
der Kaiserstraße die Erbprinzen- und Markgrafenstraße, die erstere über
den Friedrichsplatz am Generaldirektionsgebäude, Sammlungsbau, Staatsministerium,
Ständehaus etc. vorüber, die andere über den Lidellplatz in das sogen.
Dörfle, den Rest des früheren sogenannten Kleinkarlsruhe, führend. Die
Ettlinger Straße ist die Fortsetzung der Karl Friedrich-Straße über
die Bahnlinie. Zwischen ihr und der Rüppurrer Straße im Osten liegt
der seit 1870 entstandene Bahnhofsstadtteil (Südstadt), während anderseits
ein ähnlicher Stadtteil zwischen der Krieg-, Garten-, Kurven- und Südendstraße
um die Hirschstraßenbrücke sich gebildet hat. Der die Südstadt spaltende
Keil zwischen der Ettlinger und Beiertheimer Allee beginnt mit einem
Schmuckplatz, der vom Panorama, der Ausstellungshalle, der Festhalle
und dem städtischen Vierordtsbad umschlossen wird, und auf dem sich
das Bismarckdenkmal befindet. Hinter diesen Gebäuden liegt das Sallenwäldchen
(mit Tritonengruppe von Möst) und der reizend angelegte Stadtgarten.
Eine neue Straßenbrücke verbindet den letzteren mit dem Tiergarten und
dem als Hochreservoir künstlich aufgeführten, 42 Meter hohen, aussichtsreichen
Lauterberg mit Schwarzwaldhaus und künstlicher Ruine.
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| Karlsruhe - Kaiser-Wilhelm-Denkmal |
Karlsruhe - Festhalle mit Bismarckdenkmal |
Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1900) mit der Garnison
(ein Grenadierregiment Nr. 109, ein Dragonerregiment Nr. 20 und 2 Feldartillerieregimenter
Nr. 14 und 50) auf 97.185 Seelen, davon 50.630 Evangelische, 43.063
Katholiken und 2576 Juden.
Die Industrie ist sehr entwickelt. Karlsruhe
hat eine Munitions- und Waffenfabrik, eine Maschinenbaugesellschaft,
Nähmaschinen-, Zementwaren-, Glacéleder-, Zigarren-, Silberwaren-, Werkzeugmaschinen-,
Parfümerie-, Seifen-, Tapeten-, Kartoffelmehl-, Wagen- und Möbelfabriken,
Erz- und Eisengießerei, Steinsägerei und -Schleiferei, Färberei, eine
Gesellschaft für elektrische Industrie, Stein- und Buchdruckerei, Dampfroßhaarspinnerei,
große Bierbrauereien, eine
Münzstätte
(Münzzeichen G) etc.
Der Handel wird durch eine Handelskammer, eine
Reichsbankstelle (Umsatz 1903: 1965.6 Millionen Mark.), die Badische
Bank, die Rheinische Kreditbank, Vereinsbank, Oberrheinische Bank und
andre Geldinstitute unterstützt.
Dem Verkehr in der Stadt und mit
der Umgebung dient eine elektrische Straßenbahn, für den Verkehr auf
dem Rhein ein Hafen (1901 eröffnet). Für den Eisenbahnverkehr ist die
Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien
Mannheim-
Konstanz,
Mannheim-Wintersdorf,
Karlsruhe-Maxau und Karlsruhe-Graben-Neudorf sowie der Lokalbahnen Karlsruhe-Durmersheim,
Karlsruhe-Spöck und Karlsruhe-Herrenalb.
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| Karlsruhe - Großherzogliche Badische Staats-Eisenbahn |
1. Badisches Leib "Grenadier" Regiment No.
109 Karlsruhe |
An Bildungsanstalten und ähnlichen Instituten hat Karlsruhe
eine Technische Hochschule mit Forstakademie und Elektrotechnischem
Institut, eine Akademie der bildenden Künste, eine Malerinnenschule
(davor seit 1897 ein Denkmal von W. Lübke), eine Kunstgewerbe- und eine
Baugewerkschule, ein Konservatorium und eine allgemeine Musikbildungsanstalt,
Kadettenanstalt, Gymnasium, Mädchengymnasium, Real- und Reformgymnasium,
Oberrealschule, Realschule, ein evangelisches und ein paritätisches
Lehrer- und ein Lehrerinnenseminar, Turnlehrerbildungsanstalt, landwirtschaftliche
Winter-, Obstbau- und Wiesenbauschule, eine Kunststickerei-, eine Haushaltungs-
und Kochschule etc., ferner: ein Hoftheater, Bildergalerie und Skulpturensammlung,
Kupferstichkabinett, ethnographische und Altertümersammlung, Naturalienkabinett,
Kunstgewerbemuseum, Landesgewerbehalle, Hof- und Landesbibliothek und
General-Landesarchiv, chemische und agrikulturchemische Versuchsstation,
großes städtisches Spital mit Diakonissenanstalt, Waisenhaus sowie zahlreiche
Vereine für Kunst und Wissenschaft, Wohltätigkeit etc.
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| Karlsruhe - Großherzogliches Palais |
Karlsruhe - Hoftheater |
Unter den zahlreichen Spaziergängen der Umgebung nehmen außer
dem Stadtgarten das Sallenwäldchen und der Schlossgarten eine hervorragende
Stelle eine, an letzten schließt sich der ausgedehnte, schattenreiche
Hardtwald unmittelbar an. Andere beliebte Ausflugsorte sind Ettlingen
mit dem Hellberg und Durlach mit dem durch eine Drahtseilbahn zugänglich
gemachten Turmberg.
Zum Landgerichtsbezirk Karlsruhe gehören die
elf Amtsgerichte zu: Baden, Bretten, Bruchsal, Durlach, Eppingen, Ettlingen,
Gernsbach, Karlsruhe,
Pforzheim, Philippsburg und Rastatt.