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Hauptstadt der preußischen Provinz Hessen-Nassau
Hauptstadt der Provinz Hessen-Nassau, Königreich Preußen
Kassel 120.488 Einwohner - 1905 = 36. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.
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Kassel - Königsplatz und Hauptpost
Kassel (Cassel) ist die Hauptstadt der preußischen Provinz Hessen-Nassau (bis 1866 des ehemaligen Kurfürstentums Hessen) sowie des gleichnamigen Regierungsbezirks, des Stadt- und Landkreises Kassel. Die Stadt liegt an der Fulda in einem Talbecken mit verschiedenen Hügeln, auf und zwischen denen sich die Häuser der Stadt malerisch gruppieren und 164 Meter über dem Meer.
Folgende Behörden befinden sich in Kassel: das Oberpräsidium
für Hessen-Nassau mit Provinzialschul- und Medizinalkollegium, die landständische
Verwaltung, eine Disziplinarkammer, Regierung und Konsistorium des Regierungsbezirks
und Landratsamt des Landkreises Kassel, ein Oberlandes- und Landgericht, Provinzialsteuer-,
Eisenbahn- und Oberpostdirektion, Hauptsteueramt, Generalkommission, Landwirtschaftskammer,
Handwerkerkammer, Landesversicherungsanstalt für Hessen-Nassau, Bergrevier,
meteorologische Anstalt, Landesrabbinat etc. Außerdem haben dort ihren Sitz
das Generalkommando des 11. Armeekorps, der Stab der 22. Division, der 43. und
44. Infanterie-, 22. Kavallerie- und 22. Feldartilleriebrigade.
Die städtischen
Behörden zählen 21 Magistratsmitglieder und 48 Stadtverordnete. Die städtischen
Einnahmen betrugen im Etatsjahr 1902: 21.587.234 Mark, die Ausgaben 21.162.445
Mark, die Stadtschuld belief sich 1904 auf 20.626.778 Mark. Zum Oberlandesgerichtsbezirk
Kassel gehören die 3 Landgerichte in Kassel,
Hanau und
Marburg. Zum Landgerichtsbezirk die 34 Amtsgerichte zu Abterode, Allendorf,
Arolsen, Bischhausen, Eschwege, Felsberg, Friedewald, Fritzlar, Grebenstein,
Großalmerode, Gudensberg, Hersfeld, Hofgeismar, Karlshafen, Kassel, Korbach,
Lichtenau, Melsungen, Naumburg i. H., Nentershausen, Netra, Niederaula, Niederwildungen,
Oberkaufungen, Rotenburg, Schenklengsfeld, Sontra, Spangenberg, Veckerhagen,
Volkmarsen, Wanfried, Witzenhausen, Wolfhagen und Zierenberg.
Die Oberneustadt,
der höchstgelegene Teil Kassels, wurde von französischen Emigranten angelegt
und ist der Länge nach durch vier Parallelstraßen, Obere Königs-, Karls- und
Frankfurter Straße und Schöne Aussicht durchschnitten. Letztere liegt unmittelbar
über der schönen Karlsaue, auf dem steilen Südostrand des sogenannten Weinbergs.
Nordöstlich schließt sich an die Oberneustadt die sogenannte Freiheit, die sich
von Süden gegen Norden ausdehnt, ziemlich regelmäßig gebaut ist und gegen Osten
an die eigentliche, am Fulda-Ufer sich hinziehende Altstadt stößt. Die dreibogige
Wilhelmsbrücke (89 Meter lang, 14 Meter breit, 1788–1804 erbaut) führt zur Unterneustadt
auf dem rechten Ufer der Fulda, dem tiefst gelegenen Stadtteil. Der neueste
Teil Kassels, das Hohenzollernviertel, liegt im Westen, zwischen dem Bahnhof
und der Wilhelmshöhe, steigt aufwärts und gibt der Stadt durch seine schönen
Neubauten ein imponierendes Aussehen.
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| Kassel - Herkules | Kassel - Löwenburg |
Unter den Straßen der inneren Stadt nimmt die 1600 Meter lange und 19
Meter breite Königsstraße den ersten Rang ein. Von den zahlreichen Plätzen sind
zu nennen der Friedrichsplatz, 324 Meter lang und 151 Meter breit. Seine Mitte
ziert das Standbild des Landgrafen Friedrich II., von Nahl in karrarischem Marmor
ausgeführt. Nach Südosten wird der Platz abgeschlossen durch das von Bromeis
in Gestalt eines römischen Triumphbogens erbaute Auetor, mit dem nach dem Kriege
von 1870/71 das Siegesdenkmal (von Siemering) vereinigt wurde; der Karlsplatz,
vor der Oberneustädter Kirche, mit dem Denkmal des Landgrafen Karl; der Friedrich
Wilhelms-Platz, mit schönen Anlagen und einem Brunnen, an dem in vier weiblichen
Figuren die Hauptflüsse der Provinz: Fulda, Werra, Eder und Lahn, symbolisch
dargestellt sind; der Ständeplatz, mit vier Reihen schöner Linden bepflanzt,
als südwestliche Fortsetzung des vorgenannten; der zirkelrunde, in der Mitte
der Stadt zwischen der Obern und Untern Königsstraße liegende, 131 Meter im
Durchmesser haltende Königsplatz mit dem bekannten sechsfachen Echo; der Meßplatz
mit dem Bronzebrustbilde des um die Stadt hochverdienten Bürgermeisters Schomburg;
der Opernplatz am Theater in der Obern Königsstraße mit dem Bronzestandbilde
des Komponisten Spohr (von Hartzer) und einem Brunnen mit Entenmännchen (von
Gebhardt); der Martinsplatz mit dem Denkmal des Landgrafen Philipp des Großmütigen
etc.
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| Kassel - Rathaus mit Königstraße | Kassel - Wilhelmshöhe Schloss |
Kassel hat 8 evangelische, 3 katholische und eine englische Kirche, eine lutherische Kapelle und eine Synagoge. Der Neubau einer neunten evangelischen Kirche sowie einer zweiten Synagoge ist 1905 in Vorbereitung. Die größte Kirche ist die St. Martinskirche mit dem Grabmal Philipps des Großmütigen und zwei 1888–90 restaurierten Türmen. In der alten lutherischen Kirche befinden sich zwei Gemälde von Tischbein. Unter den übrigen Gebäuden der Stadt ist zunächst das ehemalige Residenzschloss am Friedrichsplatze zu nennen, das aus zwei Teilen besteht: einem älteren, 1769 erbauten und dem sogenannten Roten Palais, das 1821 aus Sandsteinquadern ausgeführt wurde. Die Stammburg der hessischen Landgrafen, 1277 erbaut, stand in der Aue; sie brannte 1811, während König Jérôme von Westfalen Hof darin hielt, fast ganz ab. An ihrer Stelle ließ Kurfürst Wilhelm I. von 1816 an den großartigen, 173 Meter langen, 126 Meter breiten Neubau der Katlenburg in Angriff nehmen, der aber nie über das Erdgeschoß fortgesetzt wurde. Die Ruine wurde 1874 abgetragen und an derselben Stelle und mit demselben Material der großartige Justiz- und Regierungspalast errichtet, dessen Treppenhaus mit Freskogemälden von Kolitz, Knackfuß u. a. geschmückt ist. Neben dem ehemaligen kurfürstlichen Palais steht das 1769–79 erbaute, an der Fassade 95 Meter lange Museum Fridericianum, dessen Frontispiz auf sechs hohen römisch-ionischen Säulen ruht und mit den Bildsäulen der Philosophie, Astronomie, Geschichte, Architektur, Malerei und Bildhauerkunst geziert ist. Das Gebäude enthält eine Sammlung von Gipsabgüssen, eine Münzensammlung, mittelalterliche und antike Kunstgegenstände etc. sowie die Landesbibliothek (230.000 Bände und über 4000 Handschriften, darunter das "Hildebrandslied" und sehr wertvolle Miniaturen). Hier waren Jakob und Wilhelm Grimm 1814–29 als Bibliothekare angestellt. Neben dem Museum erhebt sich der Zwehrenerturm, früher Sternwarte, ihm gegenüber, an der Ecke der Obersten Gasse und des Steinwegs, das St. Elisabethhospital. Von hervorragend schöner Lage ist die Bildergalerie am westlichen Ende der Schönen Aussicht, 1878–80 errichtet. Die Sammlung enthält ca. 1000 Gemälde (darunter Rembrandt, Rubens, van Dyck, Franz Hals, Jordaens, Dürer, Tizian, Guido Reni, Ruisdael u. a.) und stellt sich den Sammlungen von Dresden und München würdig zur Seite, übertrifft diese aber hinsichtlich ihres Reichtums an Werken der alten niederländischen Meister, obwohl die wertvollsten davon 1815 nach Petersburg entführt wurden. Das Erdgeschoß enthält eine Sammlung von Kunstwerken des Mittelalters und der neuern Zeit, Majoliken etc. Vor der Bildergalerie ist die Marmorbüste des verstorbenen Oberpräsidenten von Möller aufgestellt. In unmittelbarer Nähe, im ehemaligen Bellevueschloss befindet sich die königliche Akademie bildender Künste, auf dem an den Friedrichsplatz anstoßenden Opernplatz das königliche Hoftheater. Die Mittel für ein neues Theater, das an Stelle des Auetors errichtet werden soll, sind bereits bewilligt. Das vor dem Königstor gelegene Bose-Museum enthält eine Sammlung von Gemälden und Altertümern von spezifisch hessischer Herkunft, die städtische Murhardbibliothek (118.000 Bände), für die zurzeit im ehemals fürstlich Hanauschen Park ein großer Neubau errichtet wird, birgt Partituren, Bilder, Briefe, musikalische Instrumente etc. aus dem Nachlass des in Kassel verstorbenen Komponisten Ludwig Spohr. Erwähnung verdienen noch das Ständehaus, das Kunsthaus mit permanenter Ausstellung von Gemälden des Kasseler Kunstvereins, das Landkrankenhaus auf dem Möncheberg, der Stadtpark mit seinem großartigen Saalbau, das Gebäude der Handelskammer, der Landesversicherungsanstalt, des Polizeipräsidiums etc. Ein neues schönes Rathaus ist 1905 noch im Bau. Auf dem inmitten der Stadt gelegenen "alten Totenhof", jetzt Lutherplatz mit der stattlichen,-im frühgotischen Stil erbauten Lutherkirche, befindet sich das Grabmal des letzten hessischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. sowie das Grab des Geschichtsschreibers Johannes von Müller, das König Ludwig I. von Bayern mit einem Marmordenkmal geziert hat. Unter den modernen Privatbauten ist die im Akazienwege gelegene, von Parkanlagen umgebene "Glitzerburg" wegen der in ihr enthaltenen Böcklinschen Wandgemälde erwähnenswert. Im Park wird 1905 der Neubau des Oberpostdirektionsgebäudes errichtet, in dessen Bereich auch die Glitzerburg mit herangezogen wird.
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| Kassel - Friedenskirche | Kassel - Regierungsgebäude und Theater |
Die Bevölkerung beläuft sich im Jahr 1900 mit der
Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 167,2 Bataillone Infanterie Nr. 83, ein
Husarenregiment Nr. 14,2 Abteilungen Feldartillerie Nr. 11 und ein Trainbataillon
Nr. 11) auf 106.034 Seelen, davon 93.359 Evangelische, 9210 Katholiken und 2445
Juden. Obwohl Kassel vorzugsweise Beamtenstadt ist und von pensionierten Offizieren
als Wohnort gern gewählt wird, so sind Industrie und Handel doch bedeutend.
Kassel hat Eisengießereien, Maschinenfabriken (darunter die Henschelsche Lokomotivenfabrik
mit etwa 4000 Arbeitern), 2 Eisenbahn-Waggonfabriken, Fabrikation von Maßen
und optischen Instrumenten, Pianofortes, Tonwaren, Tabak und Zigarren, Federstahl,
Metallwaren, Papier und Buntpapier, Gelatine, Leim, Faßwaren, Glacéhandschuhen,
Wichse etc., Jutespinnerei und-Weberei, Kartonnagenfabriken, lithographische
Kunstanstalten, Bierbrauerei etc.
Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1903: 1662,5 Millionen Mark) und andere Geldinstitute, erstreckt sich auf Getreide, Kleesaat, Mühlenfabrikate, Wolle, Kolonialwaren, Baumaterialien, Eisenwaren, Felle, Leder, Lumpen etc. Alljährlich finden in Kassel 2 Messen und ein Wollmarkt statt. Die Stadt ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Kassel-Niederwalgern, Kassel-Waldkappel, Kassel-Bebra und Fröndenberg-Kassel sowie der Kleinbahn Kassel-Naumburg i. H. Den Verkehr in der Stadt und mit der Umgebung, besonders mit Wilhelmshöhe, vermitteln eine Pferdebahn und eine elektrische Bahn. Lebhaft ist auch der Schiffsverkehr, da die Fulda bis Kassel kanalisiert und 1900 dort ein geräumiger Hafen angelegt ist.
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| Kassel - Henschel & Sohn, Lokomotive | Kassel - Königliches Hoftheater |
Kassel hat 2 Gymnasien, Realgymnasium, Oberrealschule,
Realschule, Privatpädagogium, Baugewerk- und Kunstgewerbeschule, Handelsschule,
israelitisches Lehrerseminar, Lehrerinnenseminar, Kriegsschule, Schauspiel-
und Redekunstschule, einen Verein für hessische Geschichte und Landeskunde,
Gartenbauverein etc., ferner: ein Diakonissenhaus, Kinderhospital, eine Kaiserin
Augusta-Stiftung (zur Ausbildung von Schwestern vom Roten Kreuz), Irrenpflegeanstalt,
Landkrankenhaus mit Blindenanstalt, Entbindungsanstalt u. a.
In der
landschaftlich außergewöhnlich schönen Umgebung ist von besonderem Reiz die
Karlsaue, ein an herrlichen Baumgruppen reicher Park, der den südwestlichen,
hochgelegenen Teil der Stadt in der Tiefe begrenzt und sich eine weite Strecke
längs der Fulda hinzieht. An seinem Eingang vom Auetor aus befindet sich das
Hessendenkmal (von Kaupert), ein sterbender Löwe in weißem Marmor, zum Gedächtnis
der während der westfälisch-französischen Fremdherrschaft erschossenen hessischen
Patrioten. Der Park wurde unter dem Landgrafen Karl von dem Versailler Gartenkünstler
Lenôtre angelegt und enthält das schön restaurierte, im echten Rokokostil erbaute
Orangerieschloss und in einem der beiden später hinzugefügten Seitenpavillons
das sogenannten Marmorbad mit Skulpturen von Monnot. Entfernter liegen das Schloss
Wilhelmshöhe und das von dem Landgrafen Wilhelm VIII. 1753 erbaute Schloss Wilhelmsthal
mit schöner Porzellansammlung, Gemälden und Holzschnitzereien und einem durch
Wasserkünste verzierten Park. Der früher in unmittelbarer Nähe der Stadt auf
der Höhe des Weinberges gelegene und wegen seiner prachtvollen Aussicht berühmte
Eisengartensche Felsenkeller ist jetzt Eigentum des Großindustriellen Henschel,
der hier einen schönen Palast erbauen ließ.
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| Kassel - Orangerieschloss | Kassel - Auetor |
Kassel wird 913 zuerst als Cassala erwähnt, wurde
im Anfang des 13. Jahrhundert von den Landgrafen von Thüringen zur Stadt erhoben
und kam nach dem Erlöschen des thüringischen Hauses an die Landgrafen von Hessen.
Schon Landgraf Heinrich I. (gest. 1308) legte am jenseitigen Ufer eine Neustadt
an. Heinrich II. gründete 1328 auf der linken Seite der Fulda die sogen. Freiheit
und erbaute hier die St. Martinskirche, mit der er 1364 ein Chorherrenstift
verband. Seit dem 15. Jahrhundert war Kassel eine vielbesuchte Residenz des
Landgrafen von Hessen. 1527 nahm die Stadt die Reformation an. Nachdem die Befestigungen
infolge der Halleschen Kapitulation (1547) auf kaiserlichen Befehl geschleift
worden waren, wurden sie nach der Befreiung des Landgrafen Philipp aus der kaiserlichen
Gefangenschaft wiederhergestellt, indes erst durch seinen Sohn Wilhelm IV. vollendet.
Dieser verschönerte die Stadt durch größere Bauten, und Landgraf Moritz suchte
deren Wohlstand durch die Aufnahme vertriebener Niederländer zu heben (1615).
Der Anfang des Aufschwunges der Stadt fällt in die Regierungszeit des Landgrafen
Karl, unter dem die Aue, das Orangerieschloss, die großartigen Anlagen am Habichtswald
und durch die Aufnahme vieler aus Frankreich vertriebener Hugenotten (1688)
die prächtige Oberneustadt entstanden. Im Siebenjährigen Kriege wurde Kassel
von 1757–60 mehrmals von den Franzosen besetzt, im März 1761 vom Grafen Wilhelm
von Bückeburg vergeblich belagert, aber am 7. November 1762 vom Prinzen Friedrich
von Braunschweig eingenommen. Bald darauf wurden die Festungswerke abgetragen
und durch Landgraf Friedrich II. (gest. 1785) das neue Kassel geschaffen. Am
1. November 1806 wurde Kassel durch ein französisches Heer besetzt und zur Hauptstadt
des neuen Königreichs Westfalen erhoben. Schon am 28. September 1813 gelangte
der russische General Tschernitschew vor Kassel an, vertrieb, während König
Jérôme eiligst nach Koblenz entfloh, die westfälischen Truppen vor der Stadt
und zwang am 30. September den General Alix zur Kapitulation. Am 1. Oktober
hielt Tschernitschew unter dem Jubel der Bevölkerung seinen Einzug, verließ
Kassel aber schon zwei Tage danach und bereits am 7. waren die Truppen von Alix
wieder da. Die Ausführung der strengen Strafdekrete, die dieser über die rebellische
Stadt verhängte, verhinderte Jérôme, der am 16. Oktober zurückkehrte, doch nur,
um die Stadt am 26. für immer zu verlassen. Am 28. Oktober abends erschienen
die ersten Truppen der Verbündeten, worauf am 21. November auch der Kurfürst
wieder in seine Residenz einzog. 1830, 1831 und 1848 war Kassel der Schauplatz
von Unruhen. Während der Verfassungskrise und der Spannung zwischen
Königreich Preußen und dem
Deutschen Bund wurde Kassel 2. November 1850
von preußischen sowie am 22. Dezember auch von bayrischen und österreichischen
Truppen besetzt, die bis Juli 1851 blieben. Am 18. Juni 1866, während des
Deutschen Krieges,
rückte die preußische Division Beyer ohne Widerstand in Kassel ein. 1867 wurde
Kassel Hauptstadt der neugebildeten preußischen
Provinz Hessen-Nassau und des Regierungsbezirks
Kassel. Der Regierungsbezirk umfasst 10.077 km² (183,02 Quadratmeilen) mit im
Jahr 1900 = 890.142 Einwohnern (88 auf 1 km²), davon 723.277 Evangelische, 145.488
Katholiken und 17.483 Juden und aus 24 Kreisen bestehend.

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