Köln
Stadt im Königreich Preußen,
Provinz Rheinland und Hauptstadt des
gleichnamigen Regierungsbezirks
Köln - S.M.S. Cöln (1) -
S.M.S. Cöln (2)
Köln am Rhein
Stadt im Königreich Preußen,
Provinz Rheinland und Hauptstadt des
gleichnamigen Regierungsbezirks
Köln 428.503 Einwohner - 1905 = 7. Platz der
größten Städte des
Deutschen Reichs.

Köln - Rheinpanorama
Köln (Cöln, Köln am Rhein, franz. u. engl. Cologne),
ist eine Stadt im Königreich Preußen,
Provinz Rheinland und Hauptstadt des
gleichnamigen Regierungsbezirks und größte Stadt der preußischen
Rheinprovinz, bedeutende Festung, ehemals
mächtige freie Reichs- und Hansestadt, jetzt einer der blühendsten Industrie-
und Handelsplätze des Deutschen Reiches, liegt
an beiden Ufern des Rheins 35,935 m ü. M. Der rechtsrheinische kleinere
Stadtteil bildete unter dem Namen Deutz bis zu der 1888 erfolgten Eingemeindung
in Köln eine selbständige Gemeinde und führt seitdem den Namen "Köln-Deutz".
Der linksrheinische Teil der Stadt, das eigentliche Köln, dehnt sich in
Form eines ungeheuren Halbkreises an dem hier wenig malerischen und flachen,
aber ungemein fruchtbaren Rheinufer aus.
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| Köln - Rheinpanorama mit
Hängebrücke |
Köln am Rhein |
Bis 1882 war Köln von einer aus dem 13. Jahrhundert
herrührenden Festungsmauer mit acht Toren eingeschlossen, wodurch die Ausdehnung
der Stadt wesentlich behindert wurde. Nachdem indes durch Anlegung zahlreicher
detachierter Forts die alte Befestigung Kölns überflüssig geworden war,
kaufte die Stadt vom Militärfiskus des Deutschen
Reiches das alte Festungsterrain gegen eine Summe von 12 Millionen Mark.
Im Laufe der letzten 20 Jahre entstand dann auf dem ehemaligen Festungsgelände
unter der Leitung des königlichen Baurats Stübben die imposante Neustadt,
die vornehmlich mit ihrer prächtigen, 6 km langen Ringstraße die äußere
Peripherie der Stadt Köln bildet. Seit 1888 erfolgte dann die Eingemeindung
der Gemeinden Deutz, Bayenthal, Lindenthal, Ehrenfeld, Nippes. Das linksrheinische
Köln und das rechtsrheinische Köln-Deutz sind durch eine Pontonbrücke und
eine eiserne Brücke miteinander verbunden; letztere, 418,50 m lang, wurde
1855–59 auf Grund der Vorentwürfe Wallbaums durch den Oberbaurat Lohse mit
einem Kostenaufwand von ungefähr 10 Millionen Mark. erbaut. Die ganze Brücke
hat eine Breite von 16 m, wovon 8,5 m auf die Chaussee- und Fußgängerbrücke
und 7,5 m auf die Eisenbahnbrücke entfallen. An der Deutzer Rampe befindet
sich die Reiterstatue Kaiser Wilhelms I.
von Drake, an der Kölner Rampe die Reiterstatue
König Friedrich Wilhelms IV. von Bläser.
Mit dem Bau von zwei weitern Eisenbrücken, die eine für den Eisenbahn-,
die andere für den Personenverkehr als Ersatz für die eingehende Pontonbrücke,
wurde im Jahr 1905 begonnen. Die Kölner Altstadt ist trotz ihrer engen Bauart
ziemlich reich an öffentlichen Gartenanlagen und Plätzen, während die Straßen,
sowohl die engen der Altstadt als die breiten der Neustadt, das Bild eines
großstädtischen Lebens gewähren. Unter den öffentlichen Gartenanlagen steht
obenan der in Lindenthal gelegene Stadtwald, der im Südwesten der Stadt
gelegene Volksgarten, ferner der Stadtgarten im westlichen Teile der Neustadt.
Unter den ca. 30 öffentlichen Plätzen stehen der Domhof, der Neumarkt (Paradeplatz),
der Alte Markt mit dem von Werth-Brunnen, der Heumarkt mit dem Denkmal Friedrich
Wilhelms III., der Königsplatz, der Deutsche Ring und der Hansaplatz obenan.
Als die schönsten Straßen gelten neben der Ringstraße namentlich die Villenstraßen
am Volksgarten, die 10 km lange Rheinuferstraße und die Straße Unter-Sachsenhausen
mit zahlreichen palastartigen Bauten, während als die vornehmsten Geschäftsstraßen
die Hohestraße, Schildergasse, Obenmarspforten und die Breitestraße gelten
können.
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| Köln - Westportal der Hohenzollernbrücke |
Köln - Hohenzollernbrücke |
Köln ist an prächtigen romanischen Kirchen reicher
als jede andere Stadt der Welt. Von ihnen sind folgende hervorzuheben, die
Sankt Maria im Kapitol, 1049 vom Papst Leo IX. eingeweiht, eine Pfeilerbasilika,
verbunden mit einem weitgedehnten Chorbau und einer interessanten Krypta.
Die alte Kirche von St. Gereon, angeblich von der heiligen Helena im 4.
Jahrhundert gegründet, erfuhr einen völligen Umbau durch den Erzbischof
Anno. Das alte Dekagon wurde im 13. Jahrhundert niedergelegt und durch das
jetzige Schiff, ein längliches Zehneck, ersetzt; Spuren des römischen Baues
sind noch an den untern Teilen des Dekagons zu sehen. Dieser prächtige Kuppelbau,
16,9 m breit und 18,2 m lang, wurde 1219 begonnen und 1227 vollendet. Die
St. Pantaleonskirche (jetzt Garnisonkirche) datiert mit ihren Fundamenten
von 964. Im Jahr 980 geweiht, wurde sie im Anfang des 13. Jahrhunderts umgebaut.
Im 17. Jahrhundert wurde das Mittelschiff neu eingewölbt und das Chor in
spätgotischem Stil umgebaut; der flache Turm, der zu Anfang des 19. Jahrhunderts
als Station des optischen Telegraphen diente, wurde 1893 abgerissen und
durch ein neues, stilgerechtes Turmpaar ersetzt. St. Martin, früher auf
einer Rheininsel gelegen, wurde 1172 vom Erzbischof Philipp eingeweiht und
hat im Innern unter allen Kölner Kirchen die sorgfältigste stilgerechte
Ausstattung (nach den Plänen Essenweins) erhalten. Der gewaltige Ostbau
mit dem majestätischen Turm wurde erst im Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet.
St. Andreas zeigt in seinen einzelnen Bauteilen eine Zusammenstellung der
verschiedenen Stilarten, welche die Hauptperioden der kirchlichen Baukunst
charakterisieren. St. Severin wurde unter Erzbischof Bruno I. begonnen,
im 11. Jahrhundert aber gänzlich umgestaltet. Einen neuen Umbau nahm man
im 13. Jahrhundert vor; der Turm wurde von 1393–1411 errichtet. St. Kunibert,
1247 durch Erzbischof Konrad unter Assistenz Alberts d. Gr. eingeweiht,
ist eine gewölbte Basilika mit zwei Querschiffen. Die Apostelkirche wurde
von Erzbischof Heribert 1021 begonnen und von Pilgrim gegen 1030 vollendet.
Nach wiederholtem Brand fand gegen Ende des 12. Jahrhunderts ein Neubau
statt. Die Kirche St. Ursula wurde nach der normannischen Invasion neu aufgebaut;
bedeutende Umgestaltungen erfuhr sie im 12. Jahrhundert, die Wölbung stammt
aus gotischer Zeit.
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| Köln - Kirche St. Gereon |
Köln - Apostelkirche |
Köln - St. Martinskirche mit Stapelhaus |
Von den Kirchen der gotischen Zeit ist vor allen
anderen der Dom zu nennen. Schon Engelbert der Heilige hatte den Plan gefasst,
an der Stelle der alten romanischen Kathedrale einen Neubau auszuführen.
Dieser Gedanke sollte unter Konrad von Hochstaden zur Ausführung gebracht
werden. Der Grundstein wurde am 14. August 1248 gelegt. Als der geniale
Schöpfer dieses großartigen Wunderwerkes gotischer Baukunst wird vielleicht
der Dombaumeister Gerhard von Rile angesehen werden dürfen. Nur langsam
schritt der Bau des Chores fort; Kollektengelder, Opfer, Zinsen, Vermächtnisse,
die Einkünfte suspendierter Benefiziaten boten die Mittel zum Bau des gewaltigen
Werkes. Die Bausteine wurden vom Drachenfels bezogen. 1297 konnte Gottesdienst
in den Kapellen um das Hochchor gehalten werden, während man noch mit dem
Bau des Chores selbst beschäftigt war. 1322 waren die Seitenkapellen vollendet,
die feierliche Einweihung fand am 27. September durch den Erzbischof Heinrich
von Virneburg statt. Die Baumeister, die beim Dombau tätig gewesen, sind
Gerhard von Rile, Meister Arnold, dann dessen Sohn Johann, der 1330 starb,
nach diesem Meister Rütger, nach ihm Meister Michael; darauf Meister Andreas
von Everdingen, der noch 1412 als "Werkmeister in dem Doyme" erscheint,
Nikolaus von Büren († 1446), Meister Konrad Kuyn und schlussendlich
Johann von Frankenberg. Gleich nach der Einweihung des Chores schritt man
zur Fundamentierung des nördlichen Kreuzschiffes, 1325 zu der des südlichen.
Die alte Kirche wurde in ihren einzelnen Teilen nach Maßgabe des Fortschreitens
des Neubaues niedergelegt. 1447 war der südliche Turm so hoch ausgeführt,
dass er die Glocken, von denen die größte 112 Doppelzentner wog, aufnehmen
konnte. (Neben diesen alten Glocken ist neuerlich die aus eroberten französischen
Kanonen [Deutsch-Französischen
Krieg] gegossene neue "Kaiserglocke" im Gewicht von 262 Doppelzentner
aufgehängt und am 30. Juni 1887 kirchlich geweiht worden.) Vom Hauptbau
des eigentlichen Kirchenschiffs war 1388 ein Teil so weit vorgeschritten,
dass derselbe mit Altären versehen und für den Gottesdienst eingerichtet
werden konnte; der Weiterbau wurde aber mit immer schwächeren Kräften betrieben.
Am Ende des 15. Jahrhundert gab man jede Hoffnung auf, die Kirche nach dem
ursprünglichen Plan vollenden zu können; Langschiff und Seitenhallen wurden
durch ein provisorisches Dach geschlossen. 1796 wurde der Dom von den Franzosen
zu einem Frucht- und Furagemagazin erniedrigt; das Gebäude geriet immer
mehr in Verfall und drohte völligen Einsturz. Da gelang es Sulpice Boisserée
und Joseph von Görres, den Kronprinzen von
Preußen, späteren
König Friedrich Wilhelm IV. und das
deutsche Volk für den Plan einer Restauration
des Domes zu begeistern.
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| Köln - Dom, Inneres |
Köln - Dom mit Kaiserglocke |
Auf Betreiben des Kronprinzen beauftragte König Friedrich
Wilhelm III. von Preußen den Oberbaurat Schinkel, den baulichen Zustand
des Doms zu untersuchen und auf Grund von dessen Gutachten befahl der König,
dass "das Vorhandene erhalten werden solle".
Aber erst 1823 wurden die Restaurationsarbeiten unter Leitung des Bauinspektors
Ahlert begonnen. Nach Ahlerts Tod wurde 1833 der Landbaumeister Zwirner
mit der Leitung der Domarbeiten betraut. Es gelang ihm, eine Bauhütte zu
gründen, die sich bald des besten Rufes erfreute und in der Kräfte ausgebildet
wurden, die, wie V. Statz, Fr. Schmidt und Fr. Schmitz, zu den gefeierten
Meistern der gotischen Baukunst gehören. Zwirner schwang sich zuerst zu
dem Gedanken auf, den Dom ganz auszubauen. In Köln wurde 1840 der Gedanke
angeregt, durch Gründung eines Dombauvereins der allgemeinen Begeisterung
für die große Sache einen kräftigen Halt zu geben und am 8. Dezember 1841
wurde das Statut dieses Vereins von König
Friedrich Wilhelm IV. von Preußen genehmigt. Am 4. September 1842 wurde
der Grundstein zum Weiterbau gelegt und nun jährlich eine Summe von etwa
300.000 Mark auf denselben verwendet. Reichlichere Mittel verschaffte seit
1863 die wiederholt erneuerte Dombaulotterie. Im Jahr 1862 starb Zwirner,
und seinem Nachfolger Voigtel war es vergönnt, den Bau glücklich zu Ende
zu führen. Schon im Herbst 1863 konnten Schiff und Chor miteinander vereinigt
werden, und der Bau der beiden Türme wurde so beschleunigt, dass am 15.
Oktober 1880 in Gegenwart des Kaisers Wilhelm
und aller deutschen Fürsten die Vollendung des großen Werkes mit außergewöhnlichem
Glanz begangen werden konnte. Die seit Wiederaufnahme der Arbeiten (1823)
aufgewandten Mittel belaufen sich auf 22 Millionen Mark. Die äußere Länge
des Domes misst 135 m, die Breite 61 m, das ganze Gebäude bedeckt einen
Flächenraum von 6166 m². Der First des Daches hat eine Höhe von 61 m über
dem Erdboden, die Türme eine Höhe von 157 m über dem Bodenbelag oder 160
m über der Straße. Die Grundform des Domes ist die des Kreuzes. Die Langkirche
hat fünf Schiffe, das Querhaus drei. Von den Schiffen des Langhauses finden
die beiden äußersten beim Beginn des Chorhauptes ihr Ende; statt ihrer Fortsetzung
zieht sich um dieses Chorhaupt ein Kranz von sieben polygonalen Kapellen,
während die beiden mittleren Seitenschiffe sich als Umgang um das Hauptchor
fortsetzen. Die Hauptfront wird durch die beiden westlich sich an die Seitenschiffe
anlehnenden kolossalen viereckigen, vom vierten Stockwerk an achteckigen
Türme mit dem zwischen ihnen sich entwickelnden Hauptportal und dem darüber
aufsteigenden Mittelfenster gebildet. Das südliche Turmportal ist schon
seit dem 15. Jahrhundert mit einem Teil seiner Skulpturen versehen. Diese
Figuren, in edlem Stil gehalten, verraten, was Gedanken wie Ausführung betrifft,
eine hohe künstlerische Bildung ihres Meisters; wahrscheinlich sind sie
ein Werk des Meisters Konrad Kuyn.
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| Köln - St. Gereonskirche |
Köln - Dom 1836 |
Ein anderer hervorragender gotischer Bau ist
die Minoritenkirche, eine Basilika mit schmalen Seitenschiffen und einem
einschiffigen Chor ohne Querschiffe. Erwähnung verdienen auch die Ratskapelle,
ein kleiner gotischer Bau von 1426, mit einem äußerst zierlichen, bleigedeckten
Dachreiter und einer 1474 angebauten, durch das freistehend gearbeitete
Maßwerk ihres schönen Gewölbes ausgezeichneten Sakristei; die Mauritiuskirche,
die 1861–65 nach dem Plan von V. Statz ausgeführt wurde; die St. Peterskirche,
spätgotisch, wo Rubens getauft wurde; von des Meisters Hand gemalt die Kreuzigung
Petri als Altarbild. Die Jesuitenkirche, ein vortreffliches Muster der gotisierenden
Jesuitenrenaissance, wurde 1618 begonnen und 1629 vollendet. Das prächtige
Gewölbe, die kühne Bogenspannung des Mittelschiffs und die mächtigen Säulen
machen einen überwältigenden Eindruck. Erwähnung verdienen noch von neuern
Kirchen die katholische Herz Jesu-Kirche, das letzte Werk des Wiener Dombaumeisters
von Schmidt, die katholische Michaelskirche, die katholische Agneskirche,
alle drei in der Neustadt, und die neue katholische Kirche in Köln-Deutz,
ein imposanter romanischer Bau nach Plänen des Architekten Pickel. Fast
alle diese Kirchen sind, obgleich in den Stürmen der Revolutionszeit vieles
verloren gegangen ist, noch jetzt außerordentlich reich an Kunstschätzen.
Der Dom birgt die romanische Prachttumba der heiligen drei Könige, ein Meisterwerk
kölnischer Goldschmiedearbeit des 12. Jahrhunderts, den Sarkophag des heiligen
Engelbert, das berühmte Gemälde: die Anbetung der heiligen drei Könige von
Meister Stephan Lochner, prächtige Vortragekreuze und Monstranzen. Beachtenswert
sind dort auch die Bischofsgräber im Chor. Sehr reich ist die Schatzkammer
von St. Ursula, in St. Andreas befindet sich der Sarkophag Alberts des Großen.
Vieles aus untergegangenen Kirchen ist in das Museum Wallraf-Richartz und
in das erzbischöfliche Museum gerettet worden. Die Evangelischen besitzen
4 Kirchen, die Antoniterkirche, ehemals Klosterkirche, die 1857–59 neuerbaute
Trinitatiskirche im Basilikastil, die prächtige Christuskirche im gotischen
Stil (nach Plänen von Hartel und Wiethase) und die der Vollendung entgegengehende
Lutherkirche am Wormser Platz. Schlussendlich verdient noch die Synagoge
in der Glockengasse, ein von Zwirner 1859–61 ausgeführter Bau in maurischem
Stil, sowie die in der Neustadt am Königsplatz gelegene Synagoge nach dem
Entwurfe der Baumeister Below und Schreiterer erwähnt zu werden.
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| Köln - Am Hof mit Stollwerkhaus |
Köln - Neumarkt mit Apostelkirche |
Von hervorragenden alten Profanbauten sind zu
nennen, das Tempelhaus, der Familiensitz der Overstolzen in der Rheingasse,
jetzt Handelskammer, ein prächtiger Bau aus dem 12. oder 13. Jahrhundert,
der 1836 von der Stadt erworben und restauriert wurde, und das Stapelhaus,
in gotischem Stil, am Rhein gelegen und zu einem besuchten Wirtschaftsetablissement
umgebaut. Aus romanischer Zeit stammen die beim Abbruch der mittelalterlichen
Befestigungen erhaltenen, vom Baurat Stübben restaurierten Stadttore Eigelstein-,
Hahnen- und Severinstor. Von den gotischen Profanbauten nimmt den ersten
Platz das Rathaus ein. Sein ältester Teil, der hinter dem Portal gelegene
Mittelbau mit dem schön restaurierten Hansasaal, stammt aus dem Anfang des
15. Jahrhunderts. Der nördlich vom Hansasaal liegende prächtige fünfstöckige
Turm wurde 1107–14 erbaut; 1540 wurde der südöstlich an den Turm anstoßende
Löwenhof vom Steinmetzmeister Lorenz in dem eben aus Italien nach Deutschland
gekommenen Stil der Renaissance "auf antik" ausgeführt. Der nach
dem Alten Markt hin gelegene Teil wurde 1549–50 erbaut. Der Hauptteil dieses
Marktbaues mit dem "Muschelsaal" ist ein Werk von 1761. Die Gobelins,
womit der Saal geschmückt ist, sind nach Zeichnungen von Wouwerman durch
D. Vos ausgeführt und wurden vom Rat aus dem Nachlass des Kurfürsten Klemens
August angekauft. Die Fassade des Marktbaues wurde 1591 vollständig umgebaut
und in der Weise ausgeführt, wie sich dieselbe bis zu ihrer Abtragung 1870
erhalten hat. Die neue, im Stil der alten gehaltene Fassade ist von Jul.
Raschdorff entworfen. Der zierlichste Bauteil des Rathauses ist das Renaissanceportal,
durch den Bildhauer Wilhelm Vernickel 1569–71 ausgeführt. Dem Rathausturm
gegenüber liegt der 1887 wiederhergestellte sogenannte Spanische Bau, ein
Werk des 17. Jahrhunderts, mit schöner Halle und kühnem Giebel. Der Bau
des Gürzenich wurde 1441 begonnen, um als Festsaal zu dienen; der untere
Raum wurde zu einem öffentlichen Kauf- und Lagerhaus hergerichtet und das
erste großartige Fest daselbst 1475 zu Ehren des Kaisers
Friedrich III. gefeiert. Im 17. und 18. Jahrhundert geriet der große Saal
in Verfall, und erst in neuerer Zeit wurde er seiner ursprünglichen Bestimmung
zurückgegeben. In den Jahren 1855–57 baute ihn Jul. Raschdorff völlig um.
Der Hauptsaal hat 54,61 m Länge und 23,85 m Breite und ist auf der nördlichen
Langwand geschmückt mit Darstellungen aus dem historischen Festzug bei Vollendung
des Domes. Das unter dem Hauptsaal liegende Lagerhaus wurde 1875 zu einer
prachtvollen Börsenhalle umgebaut. Das an der Wollküche gelegene alte Patrizierhaus
Wolkenburg stammt aus dem 15. Jahrhundert und zeichnet sich durch seine
schöne Gotik aus; es wurde 1874 stilgerecht restauriert und ist jetzt Eigentum
des weithin bekannten Kölner Männergesangvereins.
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| Köln - Eigelsteiner Tor |
Köln - Das alte Hahnentor |
Zu diesen hervorragenden Gebäuden aus älterer Zeit gesellt
sich eine Reihe erst in unseren Tagen entstandener palastähnlicher Wohn-
und Geschäftshäuser, von denen wir folgende anführen, das Haus des Freiherrn
Ed. von Oppenheim, das Geschäftshaus der Colonia, der Schaaffhausensche
Bankverein, das Gebäude der Rheinischen Diskontogesellschaft, alle unter
Sachsenhausen, das Scheebensche Haus gegenüber dem Domportal, das Deichmannsche
Haus in der Trankgasse, die Häuser der Herren von Mevissen und Königs in
der Zeughausstraße, das von Mummsche Haus und das Haus von Statz auf der
Apernstraße, das Mülhenssche und das Liebmannsche Haus in der Glockengasse,
das Steinmannsche Haus auf dem Neumarkt, das 1893 eröffnete Domhotel (am
Südportal des Domes), die Häuser von Grüneberg, Leyendecker, Guilleaume,
Prill am Sachsenring, Oelbermann am Hohenstaufenring, vom Rath, Andreä,
Meuser, Leyendecker am Kaiser Wilhelm-Ring, Pfeifer und Schnitzler am Deutschen
Ring, von Stollwerck, Oppenheim in der Volksgartenstraße, zahlreiche palastähnliche
Bauten an der Rheinuferstraße von Heyer, Kayser u. a. Von öffentlichen Bauten
sind neben einer Reihe von geräumigen, lustigen Schulhäusern entstanden,
das Regierungsgebäude, das Justizgebäude, ein ausgedehnter Renaissancebau
mit sehenswertem Treppenhaus, 1893 eröffnet, das Reichsbankgebäude im gotischen
Stil, das Hauptpostamt im gotischen Stil (1893 vollendet), der Hauptbahnhof,
im Renaissancestil 1889–94 nach Plänen des Professors Frentzen erbaut, mit
30.000 m² großer, bedeckter Bahnsteighalle und 40,7 m hohem Uhrturm, die
Handelshochschule (ein neues Hochschulgebäude am Agrippina-Ufer, nach Plänen
von Professor Vetterlein, wurde 1905 begonnen), die Maschinenbaufachschule;
ferner verdienen Erwähnung die Hospitäler, das Museum Wallraf-Richartz und
das Kunstgewerbemuseum, die Verwaltungsgebäude der ehemaligen Rheinischen
und Köln-Mindener Eisenbahn, das alte Stadttheater, von Raschdorff 1869–72
erbaut, und das neue Stadttheater (Opernhaus) in der Neustadt, 1900–03 von
Moritz mit einem Kostenaufwand von 4 Millionen Mark. erbaut. Beide Theater
sind Eigentum der Stadt Köln; ferner sind zu erwähnen das neue Archiv- und
Bibliotheksgebäude am Gereonskloster und das 1885 eröffnete Hohenstaufenbad.
Im Nordwesten der Stadt zwischen den Stadtteilen Ehrenfeld und Nippes ist
ein großer Schlacht- und Viehhof erbaut und im Süden die neuen Hafenanlagen,
die auch im rechtsrheinischen Köln-Deutz ihrer Vollendung entgegengehen.
Von öffentlichen Denkmälern sind zu nennen außer den beiden schon oben genannten
auf den Rampen der Rheinbrücke, das Denkmal König Friedrich Wilhelms III.
auf dem Heumarkt (von Bläser), aus freiwilligen Beiträgen der Rheinländer
1865–78 errichtet, die Bismarckstatue auf dem
Augustinerplatz (am 1. April 1879 enthüllt), die
Moltkestatue auf dem Laurenzplatz (seit
1881), der Jan von Werth-Brunnen (seit 1884), der Heinzelmännchenbrunnen
(von Renard) am Hof; das Denkmal Kaiser Wilhelms
I. (von Anders 1897) auf dem Kaiser Wilhelm-Ring; das
Kaiser Friedrich-Denkmal von Professor
Breuer am Rheinufer, das Kaiserin Augusta-Denkmal
am Kaiser Wilhelm-Ring, die Denkmäler von Wallraf und Richartz und von Kolping
im Museumsgarten und der Bismarckturm am südlichen Ende der Rheinuferstraße.
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| Köln - Hauptpost |
Köln - Justizgebäude und Reichenspergerplatz |
Der Flächenraum der Stadt Köln umfasst 107,48
km²; die Bevölkerung, die 1817 erst 49.145 Einwohner zählte, betrug am 1.
Dezember 1890 = 281,681, am 2. Dezember 1895 = 321.564, am 1. Dezember 1900
= 372.529 Seelen und war am 31. Dezember 1904 bis auf 419.849 gestiegen.
Zur eigentlichen Stadt gehörten 1900 = 243.193, zu den seit 1888 eingemeindeten
Vororten 129.336 Einwohner. Hinsichtlich der Konfession ergab die Volkszählung
von 1900 = 80 % Katholiken, 18 % Protestanten und 2 % Juden. Auch besteht
in Köln eine altkatholische Gemeinde.
Kölns Hauptbedeutung liegt
auf dem Gebiete des Handels und der Industrie. Die Kölner Großindustrie
besteht in der Fabrikation von Zucker, Schokolade, Tabak und Zigarren, Leim,
Mineralwasser, Kölnischem Wasser, Teppichen, Möbelstoffen, Möbeln, Tapeten,
Seife, Lichten, Farben, Firnis, Glas, Samt, Seide, Woll- und Baumwollwaren,
Gummi- und Guttaperchawaren, Trikotwaren, Maschinen, Dampfkesseln, Pferde-
und Eisenbahnwagen, Telegraphendrähten, Draht- und Hanfseilen, Wappen, Pumpen,
Spritzen, hydraulischen Pressen, Blechwaren, Marmorwaren etc. Von industriellen
Aktiengesellschaften verdienen Erwähnung: Chemische Fabrik Weilerter Meer,
Gasmotorenfabrik Deutz, Maschinenbau-Aktiengesellschaft (Bayenthal), Gebr.
Stollwerck (Schokolade), Vereinigte Ultramarinfabriken, Rheinische Glashüttenfabrik
(Ehrenfeld), Vereinigte Köln-Rottweiler Pulverfabriken, Kölnische Baumwollspinnerei,
Waggonfabrik Ehrenfeld, Kölner Verlagsanstalt und Druckerei, Land- und Seekabelwerke,
Vereinigte Stahlwerke van der Zypen-Wissen. Von Köln aus erstrecken sich
die Linien der ehemaligen, jetzt verstaatlichten Rheinischen, Köln-Mindener
und Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaften und zwar die linksrheinischen
Linien Köln-Aachen (-Herbesthal), Köln-Krefeld
(-Zevenaar), Köln-Trier, Köln-Koblenz-Bingerbrück
und Köln-Grevenbroich-Gladbach, die rechtsrheinischen
Linien Köln-Gießen, Köln-Niederlahnstein, Köln-Elberfeld-Hagen,
Köln-Hamm-Hannover, Köln-Emmerich
(-Holland), Köln-Osnabrück-Hamburg,
sodann die Sekundärbahn Deutz-Bensberg. Außerdem führt eine Kleinbahn nach
Frechen, zwei Kleinbahnlinien nach Bonn, die eine
dem Vorgebirge, die andere dem Rheinufer entlang, eine Kleinbahn über Rath
zum Königsforst und eine über Bergisch-Gladbach nach Bensberg. Den Personen-
und Güterverkehr auf dem Rhein vermitteln die Köln-Düsseldorfer Gesellschaft,
die Niederländische Dampfschiffsreederei, beide rheinaufwärts bis
Mannheim, rheinabwärts bis Rotterdam; ferner
die Mülheimer Lokaldampfschifffahrt zwischen Köln und
Mülheim. Den Güterverkehr vermitteln
die Rhein- und Seeschifffahrtsgesellschaft und die Kölnische Dampfschleppschifffahrt.
An sonstigen Transport- und Verkehrsanstalten sind noch zu nennen: Westdeutsche
Eisenbahn-Gesellschaft, Moselbahn-Aktien-Gesellschaft, Brohlthal-Aktien-Gesellschaft,
Deutsche Seetelegraphengesellschaft und Deutsch-Atlantische Telegraphengesellschaft.
Die Artikel, die hauptsächlich dem Kölner Handel seine Bedeutung geben,
sind Getreide, Kaffee, Rohtabak, Häute, Schiefer, Kohlen, Metalle, Baumaterialien,
Farb- und Materialwaren, deutsche und ausländische Arzneien, Parfümerien,
Leinen, Weißwaren, Plüsche, Seidenstoffe, Bänder und Spitzen. Der Hafenverkehr
stellte sich im Jahr 1903 auf rund 1 Million Tonnen, der Eisenbahngüterverkehr
auf 4,5 Millionen Tonnen, 80.000 Stück Großvieh und 300.000 Stück Kleinvieh.
Der Eisenbahnpersonenverkehr bezifferte sich auf 4.300.000 Personen. Der
Post- und Telegraphenverkehr weist für das Etatjahr 1903/04 folgende Ziffern
auf: Aufgegebene Briefsendungen 80 Millionen Stück, eingegangene Briefsendungen
73 Millionen Stück, eingegangene Pakete 3 Millionen, aufgegebene Pakete
3,5 Millionen, aufgegebene Wertsendungen 191.000 Stück mit einem Gesamtwerte
von 311 Millionen Mark, eingegangene Wertsendungen 225.800 Stück mit einem
Wert von 519 Millionen Mark, die eingezahlten Postanweisungen lauteten auf
einen Betrag von 132 Millionen Mark, die eingegangenen Postanweisungen auf
205 Millionen Mark. Das städtische Fernsprechamt hat 8400 Anschlüsse. An
Telegrammen gingen ein 858.428 Stück, während 751.209 aufgegeben wurden.
Die Einnahmen im Post- und Telegraphenverkehr stellten sich auf 8.453.500
Mark. Die Stadt ist Sitz einer Reichsbankhauptstelle (Umsatz 1903: 6508
Millionen Mark); die anderen bedeutendsten Geldinstitute sind der Schaaffhausensche
Bankverein, die Rheinische Diskontogesellschaft, die Kölner Gewerbebank,
die Rheinisch-Westfälische Bodenkreditbank, die Rheinische Volksbank, die
Westdeutsche Bodenkreditbank. Von Versicherungsanstalten sind zu nennen,
Concordia (Lebensversicherung), Colonia (Feuerversicherung), Agrippina (Transportversicherung),
Rhenania (Transport- und Unfallversicherung), Kölnische Unfallversicherungs-,
Kölnische Rückversicherungs-, Kölnische Hagelversicherungs-, Kölnische Glasversicherungsgesellschaft
(Minerva, Retrozessionsgesellschaft) und Rheinische Viehversicherungsgesellschaft.
Die Verwaltung der Handelsangelegenheiten liegt in der Hand der Handelskammer.
Die Handelsbörse, 1820 eröffnet, befindet sich seit dem 1. Oktober 1875
in den untern Räumen des Gürzenich. Die Länge der elektrischen Straßenbahn
(städtisches Eigentum) beträgt 175 km. Personenbeförderung 1904: 52 Millionen;
Bruttoeinnahme 5,3 Millionen Mark.
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| Köln - Hauptbahnhof |
Köln-Deutz - Hauptbahnhof |
In Köln bestehen eine Akademie für praktische
Medizin, eine Handelshochschule, eine königliche Maschinenbauschule, ein
katholische Priesterseminar, 4 königliche Gymnasien (3 katholische und ein
simultanes), ein städtisches Realgymnasium, eine städtische Oberrealschule
und eine Realschule. Auch die zur Vorbildung junger Techniker bestimmte
gewerbliche Fachschule nebst Fortbildungsschule ist eine städtische Anstalt,
ebenso die Zeichenschule für Kunsthandwerker und eine höhere Töchterschule;
dagegen ist die Taubstummenlehranstalt ein Privatunternehmen, das von der
Provinz Rheinland unterstützt wird.
Auch befindet sich in Köln ein Mädchengymnasium. Für das Elementarschulwesen
sorgt die Stadt in einer großen Zahl meist in der Neuzeit hergestellter
stattlicher Neubauten. Der musikalischen Bildung dienen ein Konservatorium,
die Gürzenichkonzerte und viele Gesangvereine, darunter der berühmte Männergesangverein.
In Köln erscheinen ca. 50 Zeitungen und Zeitschriften, darunter die "Kölnische
Zeitung" (im Verlag von Du Monk-Schauberg), die "Kölnische Volkszeitung"
und das "Kölner Tageblatt". Ausschließlich der Kunst gewidmet
ist das Museum Wallraf-Richartz in der Nähe des Domes. Es enthält eine äußerst
reichhaltige Sammlung von Bildern (über 400) aus der altkölnischen Schule,
meist herrührend aus dem Vermächtnis des Kanonikus F. Wallraf (†
1824), sowie hervorragende Werke der mittelalterlichen und neuern Kunstepoche.
Der Kölnische Kunstverein veranstaltet seine Ausstellung moderner Gemälde
in einem Flügel des untern Stockwerkes. Auch des erzbischöflichen Diözesanmuseums
am Domhof, das hauptsächlich kirchliche Kunstgegenstände enthält, des 1888
eröffneten Kunstgewerbemuseums, des historischen Museums in der alten Hahnentorburg,
des naturgeschichtlichen Museums im Stapelhaus ist hier zu gedenken. Ein
ethnographisches Museum, eine Stiftung des verstorbenen Afrikareisenden
Joest und der Familie Rautenstrauch, ist nahezu vollendet. Die städtische
Bibliothek umfasst 185.000 Bände. Zahlreiche Volksbibliotheken bestehen
in allen Stadtteilen. Bemerkenswert sind der 1860 eröffnete Zoologische
Garten, einer der größten in Deutschland, in dessen Nähe die großartigen
Anlagen der Aktiengartenbaugesellschaft Flora, nach Lennés Plänen 1863 angelegt,
und der etwa 2 km von der Stadt entfernt gelegene, 1810 eröffnete Friedhof
Melaten, der allmählich bis zu mehr als 34 Hektar erweitert worden ist und
eine große Zahl künstlerisch ausgeführter Denkmäler aufweist. Daneben entstanden
der Nord- und der Südfriedhof in den Vororten Merheim und Zollstock. Wohltätigkeitszwecken
dienen nachgenannte Anstalten, das städtische Bürgerhospital, das städtische
Augustahospital, das evangelische Krankenhaus in Sülz, das Vinzenzhospital,
die Provinzial-Hebammenanstalt, das Wöchnerinnenasyl, eine städtische Volksheilanstalt
für unbemittelte Lungenkranke in Roßbach, das städtische Hospital in Köln-Deutz,
das städtische Invalidenhaus, das städtische Krankenhaus Lindenburg, das
Versorgungshaus für Invaliden (Stiftung de Noel), das städtische Waisenhaus,
das Kinderhospital (Stiftung der Freifrau Abraham von Oppenheim), das Marienhospital
für Unheilbare, das Asyl für arme Mädchen, das protestantische Klara-Elisenstift
(errichtet von den Eheleuten Karl Joest), das israelitische Asyl für Kranke
und Altersschwache, die Augenheilanstalt für Arme, die spezialärztliche
Poliklinik, der Kölner Wohltätigkeitsverein, die Kölner Krippe, der Verein
für Volkswohl, der Zweigverein vom Roten Kreuz, der deutsche Samariterverein
u. a.
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| Köln - Handelsschule |
Köln - Stadthaus mit Gürzenichstraße |
Staatliche Behörden sind in Köln, die königliche
Regierung, die königliche Provinzial-Steuerdirektion, das Polizeipräsidium,
die Oberpostdirektion (mit 35 Postämtern und 4 Bahnpostämtern), das Oberlandesgericht,
das Landgericht mit 7 Zivilkammern, 5 Strafkammern und 4 Kammern für Handelssachen,
das Amtsgericht mit 53 Abteilungen, die königliche Eisenbahndirektion und
eine Wasserbauinspektion. An Militärbehörden haben hier ihren Sitz, ein
Gouvernement, die Stäbe der 15. Division, der 27. Infanterie- und der 15.
Kavalleriebrigade, der 15. Feldartilleriebrigade, der 7. Festungsinspektion,
der 2. Fußartillerieinspektion, ein Artilleriedepot und eine Linienkommission.
Die Garnison, wozu auch Kalk und
Mülheim gehören, besteht aus 3 Infanterieregimentern
(Nr. 16, 53, 65), dem rheinischen Kürassierregiment Graf Geßler Nr. 8, dem
bergischen Feldartillerieregiment Nr. 59, dem Fußartillerieregiment Nr.
7, dem 1. Bataillon des Fußartillerieregiments Nr. 9 und dem Pionierbataillon
Nr. 7. An der Spitze der katholischen Kirchenangelegenheiten steht der Erzbischof
und das erzbischöfliche Generalvikariat. An der Spitze der Gemeindeverwaltung
steht das Bürgermeisteramt (ein Oberbürgermeister und 11 Beigeordnete);
das Stadtverordnetenkollegium zählt 47 Mitglieder, aus denen eine Anzahl
von Deputationen zur Verwaltung der Gas- und Wasserwerke, des Schulwesens,
des Armenwesens, der Straßenbahnen etc. gebildet ist. Der Gesamtetat der
Kommunalverwaltung für 1904/05 ist auf 26.765.000 Mark. festgesetzt (Kommunalsteuer
125 Prozent, Überschuss im Etatsjahr 1903/04: 519.295 Mark). In Köln bestehen
24 Konsulate fremder Staaten. Zum Oberlandesgericht Köln gehören die neun
Landgerichte: Aachen, Bonn,
Düsseldorf, Elberfeld,
Kleve, Koblenz, Köln,
Saarbrücken und Trier
(die Landgerichte Düsseldorf,
Elberfeld und Kleve gehen indes im Herbst 1906
an das neugebildete Oberlandesgericht Düsseldorf
über); zum Landgericht Köln gehören die neun Amtsgerichte: Bensberg, Bergheim,
Gummersbach, Kerpen, Köln, Lindlar, Mülheim
am Rhein, Wiehl und Wipperfürth. Die Festungswerke Kölns bestehen aus einer
neuen Umwallung, deren Schleifung indes in naher Aussicht steht, und vielen
detachierten größeren und kleineren Forts und Lünetten, die in ihrer Kehle
von kreisförmigen Reduits geschlossen werden; sie sind meist 7–8 km vom
Dom gelegen. Das Wappen der Stadt Köln zeigt einen zweigeteilten Schild,
oben rot und unten weiß; im oberen Felde befinden sich drei goldene Kronen,
im untern elf schwarze Flocken oder Flammen. Als Schildhalter hat das Wappen
jetzt einen Löwen und einen Greis.
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| Köln - Ulrichkaserne |
Köln - Artillerie-Kaserne |
Ein um den Beginn unserer Zeitrechnung
entstandenes römisches Lager, das Hauptquartier von zwei Legionen, ist der
Keim der Stadt Köln; vielleicht hatten schon die Ubier bei ihrer Übersiedelung
auf das linke Rheinufer an derselben Stelle ein Fischer- oder Schifferdorf
angelegt. Hier stand seit dem Sommer des Jahres 9 n. Chr. die Ara Ubiorum,
nach der der Ort bis zum Ende des 2. Jahrhunderts benannt wurde. Das römische
Lager wich im Jahr 50 einer befestigten Stadt, einer Gründung der Agrippina
, die, im Lager geboren, der in der neuen Stadt angesiedelten Veteranenkolonie
ihren Namen beilegte. Eine starke Mauer umgab die weitläufige Stadt; von
ihren zahlreichen Türmen ist der "Römer- oder Klarenturm" an der
Zeughausstraße noch erhalten. In der mit ins Italicum ausgestatteten Provinzialhauptstadt
wurde 69 n. Chr. Vitellius zum Imperator ausgerufen; Trajanus erhielt 98
hier die Berufung zur Kaiserwürde; der Franko-Römer Silvanus wurde hier
355 ermordet. Unter Konstantin d. Gr. verband die Stadt eine feste Brücke
mit dem rechten Rheinufer, die im Mittelalter verfiel. Unblutig ging im
5. Jahrhundert die Herrschaft über Köln von den Römern dauernd auf die
Franken über, von denen die Stadt, wenn
auch schon in römischer Zeit Bischofssitz und in der fränkischen der Hauptort
Ripuariens, nur als ländliches Gemeinwesen behandelt wurde. Zur Zeit Karls
des Großen wird Hildebold als der erste Erzbischof, zugleich Metropolit
mehrerer benachbarten Bistümer, genannt. Damals lag innerhalb der Mauern
außer dem Dom nur die später "auf dem Kapitol" genannte Marienkirche,
eine Stiftung der in Köln residierenden Plektrudis, der Witwe Pippins von
Heristal. Vor den Mauern umgürtete die Stadt ein Kranz von Kirchen, unter
denen die Märtyrerkirchen St. Gereon und St. Ursula sowie die Kirchen St.
Severin und St. Kunibert hervorragten. 881 erfuhr Köln die Gräuel der normannischen
Zerstörung. Dann trat aber der Aufschwung ein, durch den es infolge des
seit der Zeit der Ottonen gewaltig anschwellenden Handelsverkehrs zur größten
Stadt Deutschlands im späteren Mittelalter heranwuchs. Verdienste um Köln
erwarb sich Erzbischof Bruno (953–965), Kaiser
Ottos I. Bruder, der mit der geistlichen Würde die weltliche Herzogsgewalt
vereinigte; seitdem waren die geistlichen Hirten auch die politischen Beherrscher
des aufblühenden Gemeinwesens. Mit dem wachsenden Reichtum der Bürgerschaft
ging jedoch ihr Streben nach politischer Selbständigkeit Hand in Hand. Schon
unter Anno II. kam es 1074 zum Aufstande; 1112 folgte die coniuratio pro
libertate, wodurch die in zahlreichen Sondergemeinden wahrscheinlich unter
Führung der Richerzeche (d. h. "Gesellschaft der Reichen", der
Kaufleute) organisierten Bürger den Grundstein für die in langen Kämpfen
mit den Erzbischöfen zu erringende Selbständigkeit legten. Kurz vorher war
die Stadt durch die Eingemeindung von drei Vorstädten, Oversburg im Süden,
Niederich im Norden und St. Aposteln im Westen, die ein gemeinsamer, 1106
bei einer drohenden Belagerung aufgeworfener Wall mit Graben schützte, beträchtlich
vergrößert worden; 1180 folgte eine letzte Umwallung, die im 13. Jahrhundert
durch gewaltige Mauern und Tore verstärkt wurde. Diesen Festungsgürtel hat
erst die neue Stadterweiterung nach genau 700 Jahren gesprengt.
Dem Drang der Bürgerschaft nach politischer Freiheit
gaben die Erzbischöfe nur mit starkem Widerstreben Raum. Von Philipp von
Heinsberg (1167–91) bis auf Siegfried von Westerburg (1274–97) rückte die
Bürgerschaft Schritt für Schritt ihrem Ziele näher, bis die Schlacht bei
Worringen 1288 der Stadt die ersehnte Selbständigkeit brachte; seitdem nahmen
die Erzbischöfe ihre Residenz außerhalb der Stadt auf den benachbarten Schlössern.
Nur die hohe Gerichtsbarkeit haben die Kölner dem Erzbischof niemals entreißen
können. Die Regierung der Stadt ruhte seit dem 13. Jahrhundert in den Händen
des Rates, an dessen Spitze zwei der Richerzeche entnommene Bürgermeister
die oberste Gewalt ausübten. Ein enger, rein patrizischer Rat aus den "Geschlechtern"
besaß im 14. Jahrhundert die Macht. Da aber die herrschenden Geschlechter
durch die Kämpfe zweier Parteien, der "Freunde" und der "Greifen",
gespalten waren und das gemeine Wohl hierdurch erheblich litt, so erhoben
sich, nachdem sich schon 1370 die Weber vorübergehend des Regiments bemächtigt,
1396 die Zünfte und begründeten eine neue demokratische Verfassung, deren
Urkunde, der "Verbundbrief", in einzelnen Punkten verbessert durch
den Transfixbrief von 1513, bis zur französischen Okkupation in Geltung
geblieben ist, wenn auch in den Jahren 1481–82,1512–13, in den 1680er Jahren
(durch den "Gülichschen Aufstand") und in den 1780er Jahren (durch
die bürgerliche Deputatschaft) Änderungen im Regiment angestrebt und zum
Teil auch für kürzere Zeit durchgesetzt wurden. Die Grundlage des Wohlstandes
und der politischen Macht Kölns war der Handel, der die Kaufleute bereits
im 11. Jahrhundert nach England führte, wo der Londoner Stahlhof ursprünglich
nur eine Niederlassung der Kölner Händler war. Wein und Heringe bildeten
die Massenartikel des Handels, daneben die Tuche, welche die in Köln seit
alters heimische Webindustrie erzeugte; auch Kölns Waffen- und Goldschmiede
genossen Weltruf. Als sich Köln der Hanse anschloss, bedingte seine überragende
Stellung im Westen von vornherein, dass es Vorort eines Drittels wurde;
der Umstand, dass Kölns Sonderinteressen den allgemeinen hansischen Interessen
häufig zuwiderliefen, trübte allerdings das Verhältnis der Stadt zum Bund.
Eifrig wachte der Rat über das der Stadt 1259 verliehene Stapelrecht, das
ursprünglich für den Handelsverkehr von größtem Nutzen, unter späteren Verhältnissen
sogar direkt den Niedergang des Kölner Handels mitverschuldete, da die umliegenden
Fürstentümer Gegenmaßregeln ergriffen.
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| Köln - Heumarkt |
Köln - Leystapel |
Die Kölner Bevölkerung war von jeher kirchlich
gerichtet; die große Zahl der gottesdienstlichen Gebäude hat Köln den Namen
des "deutschen Rom" eingetragen, wie es sich selbst in der Umschrift
des Stadtsiegels "der römischen Kirche getreue Tochter" nennt.
Noch heute zeugt eine große Zahl stattlicher Kirchen aus allen Jahrhunderten
des Mittelalters von der Opferwilligkeit des Volkes; doch blieb infolge
des späteren materiellen Niederganges der Ausbau des weltberühmten Domes
dem 19. Jahrhundert vorbehalten. Hervorragende weltliche Gebäude aus der
alten Zeit sind Rathaus und Gürzenich, ein herrliches Privathaus ist das
Overstolzenhaus in der Rheingasse. Kirchlich war dem Geiste des Mittelalters
entsprechend auch durchweg die Kunst, die im 14. und 15. Jahrhundert eine
besondere Malerschule pflegte; ihre besten Schöpfungen werden mit dem Namen "Meister
Wilhelm" in Verbindung gebracht. Als Vertreter der Wissenschaft lebten
im mittelalterlichen Köln die Mathematiker Ragimbold und Franko, die Theologen
Rupert von Deutz, Duns Scotus und vor allem Albertus Magnus, der gerade
in Köln eine umfassende Wirksamkeit entfaltet hat. Aus eigner Kraft schuf
sich die Stadt ihre Universität, die, 1389 eröffnet, rasch einen großen
Aufschwung nahm und im 15. Jahrhundert eine erhebliche Fernwirkung, namentlich
auch nach Schottland und den skandinavischen Ländern hin ausübte; weit über
1000 Studenten gab es in dieser Zeit zugleich in Köln. Auch dem Humanismus
verschloss sich die Hochschule von vornherein nicht grundsätzlich; doch
schädigte ihre Stellungnahme im Reuchlinschen Streit und der diesem folgende
Spott der "Dunkelmännerbriefe" ihr Ansehen. Reißend ging dann
die Besuchsziffer herunter, als Universität und Bürgerschaft der Reformation
den Eingang wehrten. Im Bunde mit dem Domkapitel vereitelten beide den Reformationsversuch
des Erzbischofs Hermann von Wied. Indem die Universität gleichzeitig die
Jesuiten zuließ, denen die Stadt ein Gymnasium einräumte, hob sich durch
deren Bemühungen allmählich die Zahl der Studenten wieder; aber das Rekrutierungsgebiet
der Hochschule war fortab eng begrenzt, wissenschaftliche Bedeutung erlangten
nur wenige ihrer Professoren. Im Gegensatze zu der einseitigen Richtung
der städtischen Universität schritt der aufgeklärte Erzbischof Max Friedrich
1777 zur Gründung der Bonner Akademie. Bald darauf, 1798, ist die Kölner
Hochschule in den Wirren, welche die französische Okkupation mit sich brachte,
klanglos untergegangen. An ihre Stelle setzten die Franzosen eine Zentralschule.
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| Köln - Deutscher Ring |
Köln - Barbarossaplatz mit Hohenstaufenring |
Auch die Stadt verlor durch ihre Anhänglichkeit
an Rom zahlreiche strebsame Bürger. Nach einer kürzeren Zeit milder Praxis
gegen Andersgläubige knüpfte der Rat seit Ende des 16. Jahrhunderts auf
Drängen der Jesuiten den Erwerb des Bürgerrechts an den Nachweis strengkatholischer
Gesinnung und Religionsübung. Protestanten wurden nur unter drückenden Beschränkungen
als Beisassen unter Verweigerung jedes Gottesdienstes geduldet. Juden gab
es seit der Austreibung von 1424, die einer zeitweisen Unterdrückung 1349–72
gefolgt war, bis zum angehenden 19. Jahrhundert in Köln überhaupt nicht.
Hand in Hand mit der religiösen Unduldsamkeit ging der wirtschaftliche Niedergang,
zu dem mancherlei beitrug. Der Handel schlug andere Wege ein, die Verknöcherung
der Zünfte lähmte das Handwerk; die Folgen der niederländischen Wirren,
des truchsessischen und Dreißigjährigen Krieges, der französischen Raubzüge
und der beiden Erbfolgekriege kamen hinzu. Fiel die Stadt auch nie in feindliche
Hände, so vernichtete doch die Aussaugung des umliegenden Landes zugleich
die Wurzel des ehemaligen Wohlstandes. Das Einrücken der Franzosen 1794
bereitete eine neue Zeit vor. Köln zählte damals 1400 Häuser und überschritt
die für die Mitte des 16. Jahrhundert berechnete Einwohnerzahl von 37.000
nur wenig (1798: 38.844); dass die Zahl, wie behauptet wird, im Mittelalter
je 120.000 betragen haben kann, ist völlig ausgeschlossen. Der Sturz des
Alten brachte nicht sofort eine neue Blüte; Köln wurde nur Arrondissementsstadt,
Aachen aber Hauptort des Departements und Bischofssitz.
Die Aufhebung der Klöster 1802 und die folgende Mobilisierung des kirchlichen
Gutes legten eine Bresche in den bisherigen Beharrungszustand ebenso wie
die Religionsfreiheit, die fortan die Bürger genossen. Als Köln 1815 der
Krone Preußen zufiel, blieben zwar
viele Wunsche der Bürgerschaft unerfüllt (die Universität kam endgültig
an die Rivalin Bonn, eine Reihe Provinzialbehörden
wurden in andere Städte gelegt), aber Köln erhielt doch den Appellhof (seit
1879 Oberlandesgericht), die Provinzialsteuerdirektion, eine Oberpostdirektion
und wurde Sitz eines Regierungspräsidenten sowie nach der Reorganisation
der katholischen Kirche in Preußen
eines Erzbischofs. Die im 19. Jahrhundert einsetzende neue Blüte der Stadt
entsprang vor allem der Tatkraft ihrer Bürger: sie machte Köln zum Mittelpunkte
des rheinischen Großhandels und als die Eisenbahnen den Verkehr in neue
Bahnen lenkten, zu einem ihrer wichtigsten Knotenpunkte. Der alte Festungsgürtel
wurde 1881 weiter hinausgeschoben, eine rasch aufblühende Neustadt vermehrte
mit den 1888 eingemeindeten links- und rechtsrheinischen Vororten überaus
schnell die Zahl der Einwohner, die jetzt auf über 400.000 gestiegen ist.
Das 20. Jahrhundert sieht die Stadt im Besitze neuer Hochschulen: der Handelshochschule,
dank des Vermächtnisses Mevissens 1901 errichtet, und der Akademie für praktische
Medizin, 1904 gegründet.
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| Köln - Frankenwerft |
Köln - Habsburgerring und Opernhaus |
Der Regierungsbezirk Köln umfasst 3977 km² (72,23 Quadratmeilen)
mit im Jahr 1900 = 1.021.878 Einwohner (257/km²), davon 173.594 Evangelische,
830.618 Katholiken und 14.950 Juden und besteht aus den 13 Kreisen: Stadtkreis
Köln, Stadtkreis
Bonn, Stadtkreis
Mülheim am Rhein, und die Landkreise
Bergheim,
Bonn, Euskirchen, Gummersbach, Köln,
Mülheim am Rhein, Rheinbach, Siegkreis,
Waldbröl, Wipperfürth.
Köln
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