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1806 - 1918
Landeshauptstadt München

Fahne - Landesfarben
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| Königreich Bayern - Lage im Deutschen Reich | Wappen Königreich Bayern | Königreich Bayern mit Pfalz - Karte von 1914 |
Geschichte
Das Gebiet des heutigen Bayerns war ursprünglich von keltischen Bojern besiedelt. Im Jahr 15 vor Christus wurde das Land von den Römern unterworfen, die die Kolonien Augusta Vindelicorum (Augsburg), Regina Castra (Regensburg) und Castra Batava (Passau) gründeten. Das Land wurde Teil der Provinz Rätia und hieß im 4. und 5. Jahrhundert Raetia secunda. Römische Kultur und Sprache wurden heimisch. Während der Völkerwanderung besetzten die germanischen Markomannen und Quaden, die von ihrem bisherigen Wohnsitz, dem alten Bojerland Boihaemum (Böhmen), den Namen Bojovarii oder Baiwaren angenommen hatten, während der Teil westlich vom Lech in die Gewalt der Alemannen geriet. Die Baiwaren wohnten vom Fichtelgebirge bis an die Hochalpen, vom Lech bis nach Kärnten und Steiermark und unterstanden Herrschern die bald vom Fränkischen Reich abhängig wurden. 788 wurde das Land unter Tassilo III. dem Fränkischen Reich einverleibt. 1180 belehnte Kaiser Friedrich I. den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach mit dem Herzogtum. 1214 erwarb das Haus die Rheinpfalz. Herzog Albrecht IV. vereinigte die bayrischen Lande und führte 1506 die Unteilbarkeit ein. Seit dem 16. Jahrhundert stand Bayern an der Spitze der katholischen Liga im Reich und dem Kaiserhaus sehr nahe. Maximilian I. (1597-1651) erwarb während des Dreißigjährigem Krieg von der pfälzischen Linie die Oberpfalz und die Kurwürde. Dessen Enkel Maximilian II. Emanuel (1679-1726) schloss sich im Spanischen Erbfolgekrieg an Frankreich an und stürzte sein Land dadurch ins Elend. Sein Sohn Karl Albrecht (1726-45), als Karl VII. 1742 zum Deutschen Kaiser gewählt, führte von Friedrich dem Großen unterstützt, seit 1740 Krieg gegen Österreich. Sein Sohn Maximilian III. Joseph (1745-77) schloss am 22. April 1745 mit Österreich den Frieden zu Füssen, reformierte die Gesetzgebung und löste 1773 den Jesuitenorden auf. Mit ihm erlosch die wittelsbach-bayrische Linie und Bayern kam an den Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz. Die von Österreich geltend gemachten Ansprüche führten zum Bayrischen Erbfolgekrieg zwischen Österreich und Preußen1778-79. 1799 starb Karl Theodor, ihm folgte Herzog Maximilian IV. Joseph von Zweibrücken. Für die 1801 im Luneviller Frieden an Frankreich abgetretenen linksrheinischen Besitzungen erhielt Bayern durch den Reichsdeputationshauptschluß 1803 reichen Ersatz in säkularisierten Bistümern und Abteien sowie Reichsstädten. Als Lohn für die Unterstützung Napoleons I. vergrößerte sich der Zuwachs Bayerns durch die Markgrafschaft Ansbach und Bayreuth, die Gefürstete Grafschaft Tirol und das Land Vorarlberg. Bayern reichte nun vom Thüringer Wald bis zum Gardasee und von Vorarlberg bis Salzburg.
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Garmisch - Frühlingsstraße gegen Alp- und Zugspitze
1806 erhielt der Kurfürst durch Napoleon I. die Souveränität und den Königstitel (König Maximilian I. Joseph) und trat am 12. Juli 1806 dem französisch kontrollierten Rheinbund bei. Nach den Siegen der Alliierten 1813 wechselte Bayern durch den Vertrag von Ried am 8. Oktober 1813 die Seiten und erhielt in den Pariser und Wiener Verträgen gegen die Rückgabe von Tirol, Vorarlberg, Salzburg und des Innviertels an Österreich die Rheinpfalz wieder. Bayern wurde Mitglied im Deutschen Bund. 1833 trat Bayern dem Deutschen Zollverein bei. König Ludwig I. förderte insbesondere die Kunst und Wissenschaft und machte München zur Hauptstadt der modernen deutschen Kunst. Dennoch wurde seine Politik immer reaktionärer. Prozesse wegen Majestätsbeleidigung und Hochverrats wurden eingeleitet und erregten durch die Strenge allgemeinen Unwillen. Der Landtag missbillige u.a. auch die Entsendung von bayrischen Truppen nach Griechenland zur Unterstützung des jungen Königs Otto und die Bewilligung von bayrischen Staatsgeldern für eine griechische Anleihe. Evangelische Christen wurden allgemein benachteiligt, protestantische Soldaten mussten durch die Verordnung vom 14. August 1838 dem katholischen Militärgottesdienst beiwohnen und vor der Monstranz in die Knie gehen. 1844 wurde sogar der evangelische Gustav-Adolf-Verein verboten. Die Affäre König Ludwigs I. mit der Tänzerin Lola Montez brachte das Fass zum Überlaufen und die daraus entstandenen Tumulte erhielten durch die Februarrevolution von 1848 einen politischen Charakter. Am 20. März 1848 legte Ludwig die Krone nieder. Ihm folgte sein Sohn Maximilian II. Die revolutionäre Bewegung in der Rheinpfalz im Mai 1849 wurde mit Hilfe preußischer Truppen unterdrückt. In der deutschen Politik schloss sich Bayern immer mehr Österreich an, besiegelte den Bund durch das Bündnis zu Bregenz und die Übernahme der Bundesexekution in Kurhessen 1850. In der Innenpolitik wurde unter dem Ministerium von der Pfordten die Polizeiwillkür immer beherrschender. 1864 wurde Maximilians II. Sohn als König Ludwig II. Regent von Bayern. 1866 nahm Bayern an der Seite Österreichs und andreren deutschen Mittelmächten am Deutschen Krieg teil. Nach der Niederlage musste es dafür durch Vertrag vom 22. August 1866 ein Gebiet (Enklave Kaulsdorf, das Bezirksamt Gersfeld und das Landgericht Orb) von 551 km² an Preußen abtreten. Zugleich ging Bayern ein Schutz- und Trutzbündnis mit dem Königreich Preußen ein. Im Dezember 1866 übernahm der liberale Fürst Hohenlohe-Schillingfürst das Ministerium des Auswärtigen und schloss am 8. Juli 1867 die neuen Zollverträge ab, wurde aber 1869 durch die Klerikalen zum Rücktritt genötigt. 1870 erfolgte durch die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen der Bündnisfall auch für Bayern. Im nun folgenden Deutsch-Französischen Krieg siegten die vereinigten deutschen Armeen 1871 mit der Einnahme von Paris. Mit dem Vertrag (Norddeutscher Bund) vom 23. November 1870 - Ratifizierung am 29. Januar 1871 in Berlin und unter Wahrung von Sonderrechten wurde Bayern ein Bundesstaat im Deutschen Reich. Otto von Bismarck unterstützte König Ludwig II. mit großen Geldsummen, der durch seine Bausucht Bayern in den finanziellen Ruin trieb, um die liberale bayrische Regierung Lutz, die reichsfreundlich war, an der Macht zu halten. 1886 führte die Verschwendungssucht des geistig überreizten Königs zu Konflikten, die schließlich zur Einsetzung einer Regentschaft und Überwachung Ludwigs II. führten. Am 13. Juni 1886 soll sich König Ludwig II. im Starnberger See das Leben genommen haben. Da Ludwig II. keine Kinder hatte, wurde sein Bruder Otto König von Bayern. Dieser war jedoch geisteskrank und so übernahm Prinz Luitpold, zweiter Sohn König Ludwigs I. die Regentschaft. Prinzregent Luitpold herrschte bis 1912 im Königreich Bayern. Nach dessen Tod folgte ihm sein Sohn als Prinzregent Ludwig, der aber König Otto 1913 entmachtete und sich selbst zum König ernannte. Am 7. November 1918 wurde der 73jährige bayerische König Ludwig III. infolge der Novemberrevolution entmachtet, floh zunächst nach Salzburg und starb am 18. September 1921 auf Schloss Sarvar in Ungarn.
Das Königreich Bayern besteht aus 2 zusammenhängenden Landesgebieten , dem rechtsrheinischen Bayern mit 7 Regierungsbezirken und dem linksrheinischen Bayern mit einem Regierungsbezirk Pfalz.
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München - Königliche Residenz und Hofgarten
Daten
Bundesrat: 6 Stimmen
Reichstag: 48 Abgeordnete
Landesparlament: Bayern eine konstitutionelle Monarchie, der König ist das Oberhaupt des Staats. Der Landtag Bayerns besteht aus zwei Kammern, den Reichsräten und den Abgeordneten. Beide Kammern können nur vereint über die Gegenstände ihres Wirkens einen gültigen Beschluss fassen; die Verhandlungen derselben sind öffentlich. Jede Kammer wählt ihren Präsidenten und zwar die Kammer der Reichsräte ihren zweiten, die Kammer der Abgeordneten ihre beiden Präsidenten; für die Reichsratskammer ernennt der König den ersten Präsidenten für je eine Sitzungsperiode. Ohne Zustimmung des Landtags kann kein neues Gesetz in betreff der Freiheit der Personen oder des Eigentums der Staatsangehörigen erlassen, abgeändert, authentisch erklärt oder aufgehoben werden.
Hauptstadt: München = 509 067 Einwohner (1905) = viertgrößte Stadt des Deutschen Reichs hinter Berlin, Hamburg und Dresden.
Größe: 75 870 km² = 1377,9 Quadratmeilen
Einwohner: Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 6.887.291 Einwohner:
Bevölkerungsentwicklung:
| 1818 | 1846 | 1864 | 1875 | 1880 | 1900 | 1905 | 1910 |
| 3.707.966 | 4.504.874 | 4.807.440 | 5.022.390 | 5.284.778 | 6.176.057 | 6.524.372 | 6.887.291 |
Klima: die Hochebene rau, das Maintal mild, ebenso die Gegend am Bodensee. Am mildesten ist die Oberrheinische Tiefebene in der Rheinfalz.
Gewässer: wichtigster Fluss ist die Donau. ( Iller, Isar, Lech und Inn fließen rechts zur Donau hin. Altmühl, Wörnitz, Naab und Regen fließen links dagegen.)
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Gruß vom Münchener Oktoberfest
Die Hochzeit des Kronprinzen Ludwig von Bayern mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen (liegt im heutigen Freistaat Thüringen) wurde im Oktober des Jahres 1810 mit einem mehrtägigen Volksfest gefeiert. Seit dieser Zeit wird das alljährliche Münchener Oktoberfest gefeiert. Die Theresienwiese erhielt ihren Namen zu Ehren der Braut Prinzessin Therese.
Bewohner: In ethnografischer Hinsicht gehört die Bevölkerung Bayerns verschiedenen Stämmen an: außer einigen germanisierten Slawen (Wenden) in Oberfranken bewohnen Franken die drei fränkischen Regierungsbezirke, Schwaben (Alemannen) den Südwesten des Landes, eigentliche Bayern (Altbayern) die Regierungsbezirke Ober- u. Niederbayern und die Oberpfalz. Die Bevölkerung der Rheinpfalz ist vorwiegend fränkisch (westfränkisch). Der Altbayer ist durchschnittlich von mittlerer Statur, kräftig, zuverlässig, natürlich, offen und anspruchslos, aber im ganzen schwer beweglich, Neuerungen wenig zugänglich und streitsüchtig. Charakteristisch ist ihm die rauhe bayerische Mundart sowie in Beziehung auf seine Nahrungsweise die fast ausschließliche Herrschaft von Mehl-, Milch- und Schmalzspeisen mit einem Zusatz von Gemüsen und die Beschränkung des Genusses von Fleischspeisen auf die höchsten Festtage des Jahrs: Fastnacht, Ostern, Kirchweih und Weihnachten, sowie eine reichliche Fülle von Bier. Trotz des zunehmenden Einflusses der Mode bewahrt der altbayrische Bauer im allgemeinen seine ihm eigentümliche Tracht: er trägt gewöhnlich, insbesondere in der Umgebung von München, einen breitrandigen Hut, Tuchspenzer oder langen Flügelrock, einen schweren Mantel und Kniestiefel mit Lederhosen. Die Frau erscheint gewöhnlich mit hoch und dick ausgestopften Ärmeln. Die Schwaben oder Alemannen sind einfache, genügsame Menschen, dabei geistig beweglicher und geselliger als ihre östlichen Nachbarn. Die ihnen eigentümliche Tracht (dreigespitzter Hut, im Winter kleine, spitz zulaufende Mütze, Tuchweste, langer Oberrock mit Stehkragen, Kniehosen mit Schnallenschuhen, Strümpfe aus weißer Leinwand oder Wolle) wird durch die Nachahmung der städtischen Mode immer mehr verdrängt. Eigentümlich ist dem Schwaben sein Dialekt. In den drei fränkischen Regierungsbezirken haben die Bewohner des sogenannten Bayreuther und Ansbacher Landes, des Bamberger und Würzburger Landes etc. noch ihre Eigentümlichkeiten. Im allgemeinen ist der Franke heitereren und helleren Geistes, Neuerungen im Vergleich zu dem Altbayer zugänglicher und der Industrialisierung aufgeschlossen. Die Bevölkerung der Pfalz ist im ganzen von kräftigem und schlankem Körper. Sie zeichnet sich durch Rührigkeit und Unternehmungsgeist aus und ist vor andern Volksstämmen wanderlustig. (nach Mayers Konversationslexikon)
Die genaue Herkunft des Stamms der Bayern ("die Findelkinder der Völkerwanderung") liegt im Dunkeln. Nach einer verbreiteten Theorie entstanden sie aus im Land gebliebenen Römern, keltischer Urbevölkerung (Bojern) und zugewanderten Germanen (Langobarden, Thüringern, Alemannen und Rudiern). Um das Jahr 568 n. Chr. wanderten aus Baias (Böhmen) Germanen (Bajuwarier) ein und diese (obwohl in der Minderheit) gaben der Bevölkerung ihren Namen. Die Bayern bewohnen den Süden des Königreich Bayerns, den Südwesten Böhmens, den Norden und Süden Mährens, ganz Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg, Kärnten, den Norden der Steiermark, den größten Teil Tirols, den Westen und verschiedene Sprachinseln im Süden Ungarns.
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Nürnberg - Panorama
Bevölkerungsdichte: 86/km²
Gerichtsbezirke: Für die Justizverwaltung besteht als höchste Königlich Bayerische Gerichtsinstanz das Oberste Landgericht in München. Diesem sind untergeordnet 5 Oberlandesgerichte mit 28 Landgerichten und 266 Amtsgerichten:
Religion: Dem Religionsbekenntnis nach gehört die Mehrzahl der Bewohner Bayerns zur römisch-katholischen Kirche. Für die katholische Bevölkerung bestehen 2 Erzbistümer (München-Freising und Bamberg) und 6 Bistümer (Passau, Regensburg, Augsburg, Eichstätt, Würzburg, Speyer). Für die Evangelischen besteht ein Oberkonsistorium in München und 3 Konsistorien (Ansbach, Bayreuth, Speyer). Die Juden unterstehen dem Oberrabbiner in Fürth.
| 1871 | 1880 | 1905 |
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Die Evangelischen überwiegen (5/6) in einem Landstrich, der sich vom evangelischen Württemberg über Ansbach, Nürnberg und Bayreuth zieht und beim Fichtelgebirge das evangelische Norddeutschland erreicht. Es ist das Gebiet der früheren Hohenzollerschen Fürstentümer Ansbach und Bayreuth und der freien Reichsstadt Nürnberg.
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München - Partie an der Isar. Blick gegen die Maximilianskirche
Militär - Angaben 1881: Nach dem am 23. November 1870 geschlossenen Vertrag über den Eintritt Bayerns in das Deutsche Reich, behält Bayern verschiedene "Reservatrechte" und bildet das bayrische Heer, einen in sich geschlossenen Bestandteil des deutschen Reichsheeres mit selbstständiger Verwaltung (Kriegsministerium, Kriegsakademie usw.) unter der Militärhoheit des Königs von Bayern, jedoch im Kriege unter dem Oberbefehl des Kaisers. Bayern hat 2 Armeekorps (München und Würzburg) zu je 2 Divisionen (München und Augsburg sowie Nürnberg und Würzburg). Die aktiven Truppen und Landwehrtruppen haben Regimentsnummern außerhalb der deutschen Armee. Weitere Garnisonsstädte sind:
Festungen befinden sich in Ingolstadt, Neu-Ulm, Germersheim. Ein Teil des 2. bayr. Armeecorps (4. und 8. Inf.-Reg., 5. Chevauxleger-Reg. und Bat. des 2. Fuss-Art.-Regts) ist in Lothringen garnisoniert.
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| 19. Bayerische Infanterie-Regiment Erlangen - Neue Infanterie-Kaserne | Gruß aus der Garnison Neuburg/D | Gruß aus der Garnison Erlangen |
Wirtschaft: Nach der Reichsverfassung ist jeder, der das bayrische Indigenat besitzt, dessen Erwerbung und Verlust sich nach dem Reichsgesetz vom 1. Juni 1870 bemessen, Bundesangehöriger. Als solcher genießt er das Recht der Freizügigkeit nach dem Gesetz vom 1. Nov. 1867, das Recht des Gewerbebetriebs in ganz Deutschland nach der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869, den Anspruch auf Rechtsschutz sowohl im Reich selbst als gegenüber fremden Staaten, das Recht der Auswanderung nach den reichsgesetzlichen Bestimmungen, das Recht, mit Petitionen und Beschwerden sich an den Reichstag zu wenden. Für das Pressewesen ist zunächst das "Reichspreßgesetz" vom 7. Mai 1874 maßgebend; das Versammlungs- und Vereinsrecht bestimmt sich nach dem einschlägigen Landesgesetz vom 26. Febr. 1850. Über Pressevergehen und Verbrechen entscheiden Schwurgerichte (Ausführungsgesetz vom 23. Febr. 1879 zum Reichsgerichtsverfassungsgesetz, Art. 35).
1878:
1895 waren tätig,
Gruß vom Salvator
Postwesen und Briefmarken
Das Königreich Bayern besaß eine eigene Posthoheit. Die Reichsverfassung vom 16. April 1871 bestimmte u.a. dass die unmittelbare Posthoheit, mit Ausnahme des inneren Verkehrs im Königreich Bayern und im Königreich Württemberg, dem Deutschen Reich zusteht. Am 1. April 1920 gab Bayern für 620 Millionen Mark sein Postregal zugunsten der Reichspost auf.
| 1849 - 1875 | 1876 - 1918 | 1919 | 1920 |
| Königreich Bayern mit Währung Gulden | Königreich Bayern mit Währung Mark | Republik Bayern mit Aufdruck "Volksstaat Bayern" | Abschiedsserie |
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| 1 Kreuzer | 5 Pfennig | 30 Pfennig | 15 Pfennig |
Währungen und Münzen
| bis 31. Dezember 1875 | ab 1. Januar 1876 |
| 1 Gulden = 60 Kreuzer | 1 Mark = 100 Pfennig |
35 Kreuzer = 1 Mark
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| K. Bay. Scheidemünze - 1 Kreuzer, 1871 | Ludwig II König von Bayern - 5 Mark, 1876 |
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| Ludwig II. König von Bayern - 1/2 Gulden, 1871 | Otto König von Bayern - 10 (Gold) Mark, 1903 |
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| Ludwig I. König von Bayern - 1 Gulden, 1840 | Ludwig II König von Bayern - 20 (Gold) Mark, 1872 |
Bayerische Banknote - 100 Mark vom 1. Januar 1900
Regenten
Bayerische Könige (Wittelsbacher) 1806 - 1918
regierendes Fürstenhaus: Wittelsbach, Ahnherr Markgraf Luitpold († 907)
Bayern eine konstitutionelle Monarchie, der König ist das Oberhaupt des Staats. Die Krone ist erblich im Mannesstamm nach dem Rechte der Erstgeburt und der agnatischen Linearerbfolge, mit Ausschluss der weiblichen Nachkommen, solange noch ein successionsfähiger Agnat aus ebenbürtiger, mit Bewilligung des Königs geschlossener Ehe oder ein durch Erbverbrüderung zur Thronfolge berechtigter Prinz vorhanden ist. Beim Erlöschen des Mannesstamms und bei Mangel einer Erbverbrüderung mit einem andern deutschen Fürstenhaus geht die Thronfolge nach der für den Mannesstamm festgesetzten Ordnung auf die weibliche Nachkommenschaft über, in welcher wieder der männliche Teil vor dem weiblichen den Vorzug hat. Der König bekennt sich zur katholischen Konfession. Die Zivilliste beträgt 4 231 044 Mark.
Regentschaft
Name Lebensdaten 1805 - 1825
König Maximilian I. Joseph 1. Ehe: Hochzeit 1785 mit Auguste Wilhelmine Maria von Hessen-Darmstadt (1765-1796) 2. Ehe: Hochzeit 1797 mit Karoline von Baden (1776-1841) 27.05.1756 - 13.10.1825 1825 - 1848
König Ludwig I. (Abdankung 1848) 1810 Hochzeit mit Therese von Sachsen-Hildburghausen (1792-1854) 25.08.1786 - 29.02.1868 1848 - 1864
König Maximilian II. Joseph Hochzeit 1842 mit Marie von Preußen (1825-1889) 28.11.1811 - 10.03.1864 1864 - 1886 König Ludwig II. (1886 Entmündigung) 25.08.1845 - 13.06.1886 1886
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1913
König Otto I. (Entmündigung wegen Geisteskrankheit, 1913 abgesetzt) 1886 - 1912 Prinzregent Luitpold Hochzeit 1844 mit Auguste Erzherzogin von Österreich, Prinzessin von Toskana (1825-1864) 1912 - 1913 Prinzregent Ludwig siehe König Ludwig III.
27.04.1848 - 11.10.1916 12.03.1821 - 12.12.1912 siehe König Ludwig III. 1913 - 1918
König Ludwig III. (Abdankung 1918) Hochzeit 1868 mit Erzherzogin Marie Theresa von Modena (1849-1919) 07.01.1845 - 18.10.1921
Organisation der Verwaltungsbehörden
Die obersten Staatsbehörden sind das Gesamtstaatsministerium und der Staatsrat.
Das Gesamtstaatsministerium besteht (1910) aus:
Präsidenten des bayerischen Ministerrates
Amtszeit | Name | Lebensdaten |
| 02.02. 1817 - ??.10.1825 | Heinrich Aloys Graf von Reigersberg | 1770 - 1865 |
| ??.10. 1825 - 02.01. 1832 | Georg Friedrich Freiherr von Zentner | 1752 - 1835 |
| 02.01. 1832 - 01.11. 1837 | Friedrich August Koch | 1783 - 1860 |
| 01.11. 1837 - 17.09. 1847 | Karl von Abel | 1788 - 1860 |
| 17.09. 1847 - 01.12. 1847 | Friedrich August Karl Maria Philipp Joseph Freiherr von zu Rhein | 1802 - 1870 |
| 01.12. 1847 - 14.03. 1848 | Ludwig Fürst von Öttingen-Wallerstein | 1791 - 1870 |
| 14.03. 1848 - 29.04. 1848 | Klemens August Graf von Waldkirch (provisorisch) | 1806 -1858 |
| 29.04. 1848 - 18.04 1849 | Otto Camillus Hugo Graf von Bray-Steinburg | 1807 - 1899 |
Vorsitzende im bayerischen Ministerrat
Amtszeit | Name | Lebensdaten |
| 18.04. 1849 - 01.05. 1859 | Karl Ludwig Heinrich Freiherr von der Pfordten (1. Amtszeit) | 1811 - 1880 |
| 01.05. 1859 - 04.10. 1864 | Karl Freiherr von Schrenck | 1806 - 1884 |
| 04.10. 1864 - 04.12. 1864 | Max von Neumayr (provisorisch) | 1810 - 1881 |
| 04.12. 1864 - 31.12. 1866 | Karl Ludwig Heinrich Freiherr von der Pfordten (2. Amtszeit) | siehe oben |
| 31.12. 1866 - 08.03. 1870 | Chlodwig Fürst von Hohenlohe-Schillingsfürst | 1819 - 1901 |
| 08.03. 1870 - 21.08. 1871 | Otto Camillus Hugo Graf von Bray-Steinburg | 1807 - 1899 |
| 21.08. 1871 - 02.06. 1872 | Friedrich Adam Justus Freiherr von Hegnenberg-Dux | 1810 - 1872 |
| 01.10. 1872 - 04.03.1880 | Adolf von Pfretzschner | 1820 - 1901 |
| 04.03.1880 - 01.06. 1890 | Johann von Lutz (ab 1884 Freiherr) | 1826 - 1890 |
| 01.06. 1890 - 01.03. 1903 | Krafft Freiherr von Crailsheim | 1841 - 1926 |
| 01.03. 1903 - 09.02. 1912 | Klemens Freiherr von Podewils-Dürnitz (ab 1911 Graf) | 1850 - 1922 |
| 10.02. 1912 - 11.11. 1917 | Georg Freiherr von Hertling (ab 1914 Graf) | 1843 - 1919 |
| 11.11.1917 - 08.11. 1918 | Otto Ritter von Dandl | 1868 - 1942 |
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Bayern und Pfalz - Gott erhalt's!
Das Königreich Bayern gliedert sich seit 1837 in 8 Regierungsbezirke:
Königreich Bayern - Administrative Gliederung bis 1918
1972 gab es in Bayern eine Gebietsreform, daher sind die hier aufgeführten Regierungsbezirke nicht mit den heutigen Regierungsbezirken identisch. So kam z.B. die bis dato zu Mittelfranken gehörende Stadt Eichstätt zum Regierungsbezirk Oberbayern.
Für die innere Verwaltung ist das Land in 8 Regierungsbezirke eingeteilt, welche sich wiederum in insgesamt 163 Bezirksämter und 44 kreisunmittelbare Städte gliedern. (Petzolds "Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches" 1911)
| 1. Regierungsbezirk Oberbayern mit einer Fläche von 16 725 km² und 1 323 888 Einwohnern (Jahr 1900): |
Sitz der Kreisregierung und Bezirkshauptstadt ist München mit den unmittelbaren Städten München, Freising, Ingolstadt, Landsberg, Rosenheim, Traunstein sowie den Bezirksämter Aibling, Aichach, Altötting, Berchtesgaden, Bruck, Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Friedberg, Garmisch, Ingolstadt, Landsberg, Laufen, Miesbach, Mühldorf, München I, München II, Pfaffenhofen, Rosenheim, Schongau, Schrobenhausen, Starnberg, Tölz, Traunstein, Wasserburg, Weilheim, Wolfratshausen. |
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| 2. Regierungsbezirk Niederbayern mit einer Fläche von 10 757 km² und 678 192 Einwohnern (Jahr 1900): |
Sitz der Kreisregierung und Bezirkshauptstadt ist Landshut mit den 4 unmittelbaren Städten Deggendorf, Landshut, Passau, Straubing) und 21 Bezirksämtern Bogen, Deggendorf, Dingolfing, Eggenfelden, Grafenau, Griesbach, Kelheim, Kötzting, Landau an der Isar, Landshut, Mainburg, Mallersdorf, Passau, Pfarrkirchen, Regen, Rottenburg, Straubing, Viechtach, Vilsbiburg, Vilshofen, Wegscheid, Wolfstein. |
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| Straubing - Dreifaltigkeitssäule und Stadtturm | Landshut - Altstadt | Kehlheim - Kloster Weltenburg | ||
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| 3. Regierungsbezirk Pfalz mit einer Fläche von 5 928 km² und 831 678Einwohnern (Jahr 1900): |
Sitz der Kreisregierung und Bezirkshauptstadt ist Speyer mit der unmittelbaren Stadt Landau und 13 Bezirksämtern Bergzabern, Dürkheim, Frankenthal, Germersheim, Homburg, Kaiserslautern, Kirchheimbolanden, Kusel, Landau, Ludwigshafen, Neustadt (Haardt), Pirmasens, Rockenhausen, Sankt Ingbert, Speyer, Zweibrücken. |
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| 4. Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg mit einer Fläche von 9 652 km² und 553 841 Einwohnern (Jahr 1900): |
Sitz der Kreisregierung und Bezirkshauptstadt ist Regensburg mit den unmittelbaren Städten Amberg, Neumarkt, Regensburg und 18 Bezirksämtern Amberg, Beilngries, Burglengenfeld, Cham, Eschenbach, Kemnath, Nabburg, Neumarkt, Neunburg vorm Wald, Neustadt an der Waldnaab, Oberviechtach, Parsberg, Regensburg, Riedenburg, Roding, Stadtamhof, Sulzbach, Tirschenreuth, Vohenstrauß, Waldmünchen. |
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| Regensburg, Moltkeplatz 1910 | Walhalla bei Regensburg | Amberg - Ziegeltor | ||
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| 5. Regierungsbezirk Oberfranken mit einer Fläche von 6 998 km² und 608 116 Einwohnern (Jahr 1900): |
Sitz der Kreisregierung und Bezirkshauptstadt ist Bayreuth mit den unmittelbaren Städten Bamberg, Bayreuth, Forchheim, Hof, Kulmbach und 19 Bezirksämtern Bamberg I, Bamberg II, Bayreuth, Berneck, Ebermannstadt, Forchheim, Höchstadt an der Aisch, Hof, Kronach, Kulmbach, Lichtenfels, Münchberg, Naila, Pegnitz, Rehau, Stadtsteinach, Staffelstein, Teuschnitz, Wunsiedel |
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| Bamberg - Rathaus | Bayreuth, Festspielhaus, Luitpoldplatz | Kulmbach - Marktplatz | Wunsiedel | Pottenstein |
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| Bamberg - Klein-Venedig | Bayreuth - R. Wagner-Theater | Erstes Kulmbacher Brauerei |
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| 6. Regierungsbezirk Mittelfranken mit einer Fläche von 7 583 km² und 815 895 Einwohnern (Jahr 1900): |
Sitz der Kreisregierung und Bezirkshauptstadt ist Ansbach mit den unmittelbaren Städten Ansbach, Dinkelsbühl, Eichstätt, Erlangen, Fürth, Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber, Schwabach, Weißenburg und 16 Bezirksämtern Ansbach, Dinkelsbühl, Eichstätt, Erlangen, Feuchtwangen, Fürth, Gunzenhausen, Hersbruck, Hilpoltstein, Lauf, Neustadt an der Aisch, Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber, Scheinfeld, Schwabach, Uffenheim, Weißenburg. |
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| 7. Regierungsbezirk Unterfranken mit einer Fläche von 8 401 km² und 650 766 Einwohnern (Jahr 1900): |
Sitz der Kreisregierung und Bezirkshauptstadt ist Würzburg mit den unmittelbaren Städten Aschaffenburg, Bad Kissingen, Kitzingen, Schweinfurt, Würzburg und 20 Bezirksämtern Alzenau, Aschaffenburg, Brückenau, Ebern, Gemünden, Gerolzhofen, Hammelburg, Haßfurt, Hofheim, Karlstadt, Kissingen, Kitzingen, Königshofen, Lohr, Marktheidenfeld, Mellrichstadt, Miltenberg, Neustadt an der Saale, Obernburg, Ochsenfurt, Schweinfurt, Würzburg. |
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| 8. Regierungsbezirk Schwaben und Neuburg mit einer Fläche von 16 725 km² und 1 323 888 Einwohnern (Jahr 1900): |
Sitz der Kreisregierung und Bezirkshauptstadt ist Augsburg mit den unmittelbaren Städten Augsburg, Dillingen, Donauwörth, Günzburg, Kaufbeuren, Kempten, Lindau, Memmingen, Neuburg an der Donau, Neu-Ulm, Nördlingen und 19 Bezirksämtern Augsburg, Dillingen, Donauwörth, Füssen, Günzburg, Illertissen, Kaufbeuren, Kempten, Krumbach, Lindau, Memmingen, Mindelheim, Neuburg an der Donau, Neu-Ulm, Nördlingen, Oberdorf, Schwabmünchen, Sonthofen, Wertingen, Zusmarshausen. |
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Schiffe der Kaiserlichen Marine
Im Königreich Bayern wurde die Hymne "Heil unserm König, Heil!" gesungen, eine Nachbildung der Habsburger Kaiserhymne "Heil Kaiser Josef, Heil" mit der Melodie "God save the king!". Konrad Max Kunz komponierte 1861 nach einem Gedicht von 1852 des Lehrers Michael Öchsner die Melodie. Erst nach dem II. Weltkrieg werden Begriffe wie "deutsche Erde", "Deutschlands Bruderstämme" und "Bayernkönig" ersetzt.
Bayernhymne (ursprüngliche Version) Text: Michael Öchsner (1816 - 1893) Melodie: Konrad Max Kunz (1812-1875)
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| Bavaria | Befreiungshalle | Walhalla |
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Bayern und Pfalz nach 1918:
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| Briefmarke Bayern, König Ludwig III. mit Aufdruck "Volksstaat Bayern", 1919 | Briefmarke Deutsches Reich 1926 aus der Serie Deutsche Nothilfe Wappenzeichnungen, das Wappen Bayerns | Rheinland-Pfalz 1948, 5 Pfennig, Karl Marx |
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| 1918/19 | Anfang November 1918 war die Lage in Bayern unhaltbar geworden. Schon am 2. November verkündete der Vorsitzende des Arbeiter- und Soldatenrates Kurt Eisner in einer Volksversammlung im Münchener Löwenbräukeller: "Es kommt gar nicht mehr zur Reichstagswahl. Vor dem 17. November kommt die Revolution." Danach forderte die Versammlung der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) in München den Rücktritt des Kaisers. Am anderen Tage, während die ersten Toten in Kiel zu betrauern waren, versammelten sich meuternde Soldaten und revolutionäre Arbeiter auf der Münchener Theresienwiese, und die Unruhe griff immer weiter um sich. In Stadelheim, dem Münchener Hauptgefängnis, erzwangen Demonstranten mit Gewalt die Haftentlassung der politischen Gefangenen. Während aber in Berlin die beiden konkurrierenden marxistischen Parteien, die Unabhängige Sozialdemokratische Partei und mehrheitssozialistische SPD, sich voll Misstrauen gegenüberstanden, bahnte sich zwischen den radikalen Unabhängigen und den Mehrheitssozialisten in München schon am 4. November eine rote Einheitsfront an. Tags darauf verkündete Kurt Eisner in einer nächtlichen Massenkundgebung unter der Bavaria den Sieg der Kieler Matrosen. In München verschärfte sich die Lage von Stunde zu Stunde. Soldaten, von meuternten Unteroffizieren und unabhängigen Arbeitern angeführt, stürmten am 7. November den Autopark auf der Theresienwiese und fuhren mit den Wagen von Kaserne zu Kaserne. "Der Kaiser muss abdanken!", "Fort mit den Wittelsbachern!" war ihr Schlachtruf. In der Kaserne König Max II. konnten die Aufrührer keinen Anhang gewinnen. Doch die Stadtkommandantur hatte ausdrücklich Befehl erlassen: "Keinen Kampf." So wurde das Bayerische Kriegsministerium von Meuterern, die Maschinengewehre mit sich führten, besetzt, und mit roten Fahnen zogen Demonstranten gegen die Residenzwache. Wie alltäglich ging auch am 7. November der 73jährige bayerische König Ludwig III. nachmittags im Englischen Garten spazieren, während sich auf der Theresienwiese wiederum die von den Vereinigten Sozialdemokratischen Parteien aufgerufenen Massen versammelten. Diesmal waren es bereits an die 50 000 Menschen, welche die Forderung nach Thronverzicht des Kaisers und Kronprinzen sowie nach sofortiger Herbeiführung eines Friedens erhoben. Ein Unbekannter sprach entsetzt den König an und warnte ihn. Verwirrt kehrte Ludwig III. ins Schloss zurück, in dem er sich schon fast allein befand. Nur General von Kessel war noch da, alle königlichen Adjutanten waren verschwunden. Während die Massen mit den Posten vor der Residenz verhandelten, verließ der König mit seiner Familie heimlich und unbemerkt seine Hauptstadt. Er verließ Bayern und fuhr nach Salzburg, wo er im Schloss Anif vorerst Zuflucht fand. Am 7. November 1918 wurde in München der "Freistaat Bayern" ausgerufen. Bei den Wahlen erhielt Eisners Partei aber nur 3 von 180 Mandaten, am 21.Februar 1919 wurde er auf dem Weg in den Landtag von Graf Arco erschossen. Die Sozialdemokraten bildeten die neue Regierung. Eine Gruppe linker Revolutionäre putschte sich an die Macht und proklamierte am 7. April 1919 die "Räterepublik Bayern". Die Berufsrevolutionäre Levien und Leviné aus Russland übernahmen alsbald die Macht und stellten sogar eine "Rote Armee" auf. Die von der rechtmäßigen sozialdemokratischen Regierung zu Hilfe gerufenen Reichstruppen und Freikorps wurden zunächst bei Dachau zurückgeschlagen. In München ermordeten die Revolutionäre 10 Geiseln. Daraufhin stürmten die Reichstruppen und Freikorps München und richteten unter den Revolutionären ein Blutbad mit rund 600 Toten an. Durch die Weimarer Reichsverfassung verlor Bayern fast alle Sonderechte. |
| 1920 | Coburg, südlicher Teil des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha schließt sich per Volksabstimmung Bayern an. |
| 1920 | Am 31. März 1920 endet die eigene Posthoheit, eine Verwendung der Bayern-Marken war bis 30. Juni 1920 möglich. |
| 1923 | Hitlers Putsch der "nationalen Revolution" wird bei der Feldherrenhalle in München niedergeschlagen. |
| 1940 | Bayern verliert im Zuge der Neugliederung des Deutschen Reichs die Pfalz. Die Pfalz wird mit Lothringen zum Reichsgau Westmark vereinigt. |
| 1945 | Die thüringische Exklave Ostheim wird von den US-Amerikanern der bayrischen Verwaltung unterstellt. |
| 1945 | Bayern ist Teil der amerikanischen Besatzungszone. Die Pfalz ist Teil der französischen Besatzungszone. |
| 1946 | Die französische Militärregierung legt am 30. August 1946 durch Verordnung Nr. 57 die Schaffung des Landes Rheinland-Pfalz fest. |
| 1949 | Am 19./20. Mai 1949 lehnt der Bayerische Landtag das Grundgesetz ab, erkennt aber seine Rechtsverbindlichkeit an, da ihm mehr als zwei Drittel der Landtage Westdeutschlands zustimmten. Mit Inkrafttreten des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 wird Bayern ein Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. |
Der Freistaat Bayern aktuell:
Der heutige Freistaat Bayern mit der Landeshauptstadt München besteht aus
| Freistaat Bayern Landeshauptstadt München 70 549,19 km² (19,76% Deutschlands) 12 469 000 Einwohner (2004) |
Rheinland-Pfalz aktuell:
Das Land Rheinland-Pfalz mit der Landeshauptstadt Mainz wurde 1946 durch Verordnung Nr. 57 der französischen Militärregierung geschaffen und besteht aus:
| Rheinland-Pfalz Landeshauptstadt Mainz 19 853,36 km² Einwohner: 4 068 179 (2006) |

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