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Königsberg i. P.

Hauptstadt der preußischen Provinz Ostpreußen

Provinz Ostpreußens - Landkarten - Königsberg - S.M.S. Königsberg (1) - S.M.S. Königsberg (2)

Stadtkarte Königsberg in Ostpreußen 1918

Königsberg in Ostpreußen - Wappen

Ostpreußen Landarte von 1914
Königsberg in Ostpreußen, Stadtkarte 1918 Königsberg in Ostpreußen, Wappen Provinz Ostpreußen, Landkarte 1914

Königsberg in Preußen

Hauptstadt der preußischen Provinz Ostpreußen und dritte Residenz der preußischen Monarchie.

Königsberg in Preußen 220.212 Einwohner - 1905 = 18. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

 

Königsberg - Schlossplatz

Königsberg i. Pr. - Schlossplatz

 

 

Neben der Stadt Königsberg in Preußen gibt es

2. Königsberg in der Neumark, eine Kreisstadt in der preußischen Provinz Brandenburg, Regierungsbezirk Frankfurt mit 5932 Einwohnern (1900).

3. Königsberg in Franken, einem Ort im Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha, Enklave im Königreich Bayern, Regierungsbezirk Unterfranken mit 854 Einwohnern (1900).

4. Königsberg (Böhmen), eine Stadt in Österreich-Ungarn, Königreich Böhmen, Bezirkshauptmannschaft Falkenau mit 4537 deutschen Einwohnern (1900).

5. Königsberg (Österreichisch-Schlesien), (tschechisch Klimkovice), eine Stadt in Österreich-Ungarn, Herzogtum Schlesien, Bezirkshauptmannschaft Wagstadt mit 2381 meist tschechischen Einwohnern (1900).

6. Königsberg (Ungarn), (ungarisch Ujbánya), eine Bergstadt in Österreich-Ungarn, Königreich Ungarn mit geordnetem Magistrat im ungarischen Komitat Bars mit meist 4603 slowakischen Einwohnern (1900).

 

 

Königsberg in Preußen

Königsberg i. Pr. - Münzplatz
Königsberg i. Pr. - Hafen
Königsberg i. Pr. - Münzplatz Königsberg i. Pr. - Hafen
 
 

Königsberg in Preußen ist die befestigte Hauptstadt der preußischen Provinz Ostpreußen und des Regierungsbezirks gleichen Namens, Krönungs- und dritte Residenzstadt der Monarchie. Die Stadt liegt 4,8 Meter über dem Meer, zu beiden Seiten des Pregels, 7,5 km vor seiner Mündung in das Frische Haff. Königsberg ist Eisenbahn-Knotenpunkt der Linien Seepothen-Eydtkuhnen, Königsberg-Kranz und Königsberg-Labiau der Preußischen Staats- und Pillau-Prostken der Ostpreußischen Südbahn. Es liegt auf hügeligem Boden und besteht aus den drei Hauptteilen: Altstadt (um die alte Burg im 13. Jahrh. entstanden), Löbenicht und Kneiphof (Insel). Zu jedem dieser Teile gehören Vorstädte (die ältesten im Norden: Steindamm, altes Fischerdorf, wo die älteste Kirche, St. Niklas, steht, und Tragheim; auf dem Südufer: St. Anton oder Vordere Vorstadt, St. Georg oder Hintere Vorstadt, Haberberg etc.). Das Ganze hat jetzt einen Umfang von etwa 15 km. Der Pregel durchströmt die Stadt von Ost nach West in zwei Armen (Alter und Neuer Pregel), welche unterhalb der Grünen Brücke sich vereinigen. Wo er in die Stadt eintritt, liegt der sogenannte Litauer, wo er aus derselben austritt, der sogenannte Holländer Baum, die ehemaligen städtischen Zollgrenzen. Seine größte Breite innerhalb der Stadt beträgt 82-85 m. Die Stadt trägt einen modernen Charakter. Das Mittelalterliche ist bis auf einen Flügel des Schlosses, einen Turm der Altstadt und die Kathedrale der ehemaligen Bischöfe des Samlandes gänzlich geschwunden. Unter den Distrikten, in welche Königsberg geteilt ist, sind die auf dem rechten Pregelufer die vornehmsten. Sie bestehen aus den ältesten Stadtteilen, welche mit den auf dem linken Flussufer gelegenen und mit der Kneiphofinsel durch sieben Fahrbrücken und die neue Eisenbahnbrücke (eiserne Gitterbrücke) verbunden sind. Die Altstadt zeigt trotz der engen Bauart eine regelmäßige Anlage: eine Langgasse mit ihren Parallelen, von Querstraßen durchschnitten. Geräumiger und stattlicher zeigt sich in gleicher Anlage der Kneiphof, dessen Langgasse sich bis vor kurzem noch als Sitz des einstigen Großbürgertums oder der reichen Kauf- und Handelsherren der vorigen Jahrhunderte darstellte. Die Löbenichtsche Langgasse, einst Sitz der reichen Großbürger der Malzbrauerzunft, besteht jetzt fast nur aus Wohngebäuden. Das einstige Rathaus am Altstädtischen Markt ist noch als ein der Stadt gehöriges Gebäude vorhanden und wird zu verschiedenen öffentlichen und privaten Zwecken benutzt. Das früher Löbenichtsche Rathaus ist schon längst in Privatbesitz übergegangen und umgebaut. Das Kneiphofsche Rathaus in der Brotbänkenstraße (1695 umgebaut), ist jetzt Amtslokal des Magistrats, in dem danebenliegenden Kneiphöfschen Junkerhof befindet sich der Sitzungssaal der Stadtverordneten. Der Altstädtische Junkerhof wurde 1875 zu Läden umgebaut. Von den mittelalterlichen "Artushöfen" hat sich keine Spur erhalten. Unter den sieben Marktplätzen hat einzig der Markt der Altstadt noch altertümliches Aussehen.

Königsberg i. Pr. -Königliches Schloss
Königsberg i. Pr. - Das Blutgericht
Königsberg i. Pr. - Königliches Schloss Königsberg i. Pr. - Das Blutgericht


Das markanteste Gebäude der Altstadt ist das königliche Schloss, ein längliches Viereck, 104 Meter lang und 66,8 Meter breit, 1255 im Bau begonnen, später Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens und seit 1525 Residenz der Herzöge von Preußen. Die Nordseite rührt noch aus der Ordenszeit her, das übrige ist im 16. und 18. Jahrhundert angebaut. Auf dem Westflügel befinden sich die Schlosskirche (1592 erbaut), in welcher sich Friedrich I. 1701 und König Wilhelm I. (18. Oktober 1861) die Königskrone aufsetzten, und der mächtige, zu allen großen Festen benutzte sogenannte Moskowitersaal (83 Meter lang, 17,9 Meter breit und 6 Meter hoch), auf den dieser Name wahrscheinlich von einem Gemach übertragen ist, in welchem die moskowitischen Gesandten aufgenommen wurden, die sich 1516 hier befanden, als der Hochmeister Markgraf Albrecht ein Bündnis mit dem Großfürsten Wasilij gegen den König von Polen einging. Unter Friedrich I. erhielt das Schloss den prächtigen, von Schlüter 1708-12 erbauten Pavillon, vor dem die Statue des genannten Königs (ebenfalls von Schlüter) steht. Auf dem Ostflügel ist das große Schlosstor und am Ende der Südseite erhebt sich der 84,5 m hohe Schlossturm, von dessen Galerie man die ganze Stadt und Umgebung und das Frische Haff übersieht.

Königsberg - Denkmal Friedrich Wilhelm III.
Königsberg - Dom
Königsberg - Schlossterrasse
Königsberg i. Pr.- Denkmal Friedrich Wilhelm III. Königsberg i. Pr. - Dom Königsberg i. Pr. - Schlossterrasse

 

Außer dem Dom und der neuen, in gotischem Ziegelbau errichteten Altstädtischen Kirche mit einem von massenhaften Pfeilern getragenen Schiff wird unter den 15 Kirchen der Stadt ein architektonisch interessantes oder altes Gebäude vergebens gesucht. Der Dom, jetzt die Kneiphofsche Stadtkirche, wurde 1333 vom Hochmeister Luderus von Braunschweig im gotischen Stil gegründet und 1856 einer durchgreifenden Restauration unterworfen. Er ist 92,3 Meter lang und 25,7 Meter breit. Der schlanke, 50 Meter hohe Turm und die schönen drei Schiffe machen einen majestätischen Eindruck; letztere enthalten einen figurenreichen Altar und manche interessante Grabdenkmäler, darunter das des Markgrafen Georg Friedrich und das prächtige Marmormonument des Kanzlers von Kospoth. An der Nordseite des Doms befindet sich ein offener Bogengang, die sogenannte Stoa Kantiana, und daran ein dem Andenken Kants gewidmeter und mit dessen Büste geschmückter kapellenartiger Raum, unter dessen Steinboden die Gebeine des großen Philosophen ruhen. Ein Denkmal Kants (Nachbildung der am Denkmal Friedrichs II. in Berlin befindlichen Statue von Rauch) wurde 1864 in der Nähe des Schlosses errichtet, sein mit einer Marmortafel geziertes kleines ehemaliges Wohnhaus befindet sich wenige Schritte davon in der Prinzessinstraße. Auf die genannten ältesten Stadtteile beschränkt sich noch heute der Handel, daher die Handels- und Verkehrseinrichtungen meistens hier zu finden sind.

Religionen in Königsberg:

1888 1900
  • 139.795 Evangelische
  •      6174 Katholiken
  •      4155 Juden
  • 177.043 Evangelische
  •       8465 Katholiken
  •       3975 Juden


 
Königsberg i. Pr. - Schlossterrasse vom Kaiser-Wilhelm-Platz 
Königsberg - Synagoge 
Königsberg i. Pr. - Schlossterrasse vom Kaiser-Wilhelm-Platz Königsberg i. Pr. - Lindenmarkt mit Synagoge
 

 

Die neue Börse, nach Plänen von H. Müllers in Bremen im italienischen Renaissancestil mit einem Aufwand von 1,75 Millionen Mark erbaut und 1875 vollendet, das imposanteste Gebäude der Neuzeit und zugleich Sitz des Vorsteheramtes der Kaufmannschaft, steht auf dem südlichen Pregelufer. In der Nähe liegen die Bahnhöfe. Die neuesten Stadtteile sind die nördlich vom Schloss gelegenen, die, in der herzoglichen Zeit gar nicht oder spärlich bebaut, den meisten Raum für die Erweiterung bei zunehmender Bevölkerung darboten. Hinter dem Schloss bis an den Steindamm und die Vorstadt Tragheim dehnte sich der fürstliche Tiergarten, jetzt Paradeplatz, aus; nach Osten erstreckt sich, 9,35 Hektar groß, der Schlossteich, dessen Ufer mit reichem Baumwuchs in wohl gepflegten Gärten bestanden sind. Eine durchgreifende Änderung in der Bauart ging von der Königsstraße (ehedem "Neue Sorge") aus, besonders seit Friedrich Wilhelm I. sich 1731 hier ein Palais erbaut hatte. Letzteres ist seit 1810 der Universitätsbibliothek eingeräumt und der ebenfalls in der Königsstraße gelegene Jägerhof 1843 der durch Theodor von Schöns Einfluss gestifteten Malerakademie gewichen. Das moderne Königsberg zeigt fortgesetzt das Bestreben, diese höher gelegenen und darum gesünderen Stadtteile immer dichter zu bebauen. Das schöne, durch einen 1885 begonnenen Umbau erheblich erweiterte Bussesche Postgebäude, die oben erwähnte neue Kirche der Altstadt, das neue Universitätspalais, zu dem 1844 beim 300jährigen Jubelfest der Universität der Grundstein gelegt wurde (nach Stülers Plänen 1865 vollendet), das Stadttheater (von Val. Müller), die drei neuen Gerichtsgebäude auf dem Theaterplatz, die Halle des Börsengartens am Schlossteich gehören zu den nennenswertesten Bauten des heutigen Königsbergs. Sie liegen alle in der Nähe des größten und schönsten Platzes der Stadt, des Parade- oder Universitätsplatzes, den seit 1852 das 5m hohe bronzene Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III. (von Kiß) schmückt, und als dessen Avenue die elegante Tragheimer Pulvergasse angesehen werden kann. In der Mitteltragheimer Straße ist in den letzten Jahren ein neues Regierungsgebäude, zugleich als Sitz des Oberpräsidiums für Ostpreußen, entstanden, während das stattliche Landeshaus der Provinzialverwaltung in der Königsstraße errichtet ist. Die früheren schönen Spaziergänge der Königsberger: der Philosophendamm, wo Kant einst lustwandelte, und das bepflanzte Glacis zwischen dem Roßgärter und dem Königstor werden kaum mehr benutzt, seitdem die erstere zum Eisenbahnviertel gezogen und vor das genannte Tor die Mehrzahl der Kirchhöfe verlegt ist. Die Hufen vor dem Steindammer Tor bilden den Hauptvergnügungsplatz für das Königsberger Publikum.

Königsberg i. Pr. - Universität 
Königsberg i. Pr. - Grüne Brücke mit Börse
Königsberg i. Pr. - Universität Königsberg i. Pr. - Grüne Brücke mit Börse

 

Der Bau der Festungswerke, welche die Stadt jetzt einschließen, begann erst 1843 unter Friedrich Wilhelm IV. Sie stehen in Verbindung mit einer großen Kette von Außenwerken, welche die ehedem so ländlich angenehme Umgebung der Stadt gänzlich verändert haben, und eine Linie von absonderten Forts, die zum größten Teil jetzt schon vollendet sind, trägt solche Veränderungen noch auf Meilenweite hinaus. Den zum Teil geschmackvoll ausgeführten neuen Festungstoren, unter denen neben dem Königs- und dem Friedländer Tor das Steindammer Tor am beachtenswertesten ist, haben sämtliche Stadttore der früheren Enceinte weichen müssen, wie die alten inneren Stadttore dem immer weiter sich ausdehnenden Straßenverkehr. Die riesigen Werke der Ostseite dienen der Garnison als Kasernen; eine Kavalleriekaserne samt Reitplatz ist auf der Nordseite neben den Festungswerken geschaffen worden.

Garnisonen in Königsberg:

  • Grenadierregiment Nr. 1, 2
  • Füsilierbataillon Nr. 33
  • Infanteriebataillon Nr. 41, 2
  • Infanteriebataillon Nr. 43
  • Kürassierregiment Nr. 3
  • Feldartillerieregiment Nr. 1
  • Fußartillerieregiment Nr. 1
  • Trainbataillon Nr. 1

Die Zahl der Einwohner belief sich mit Militärangehörigen:

1813 1885 1871 1905 1920 1925 1939
50.000 151.151 112.123 220.212  188.000 287.000 372.000


Königsberg i. Pr. - Kaserne Infanterie-Regt. Herzog Carl von Mecklenburg-Strelitz
Königsberg i. Pr. - Polizeipräsidium 
Königsberg i. Pr. - Kaserne Infanterie-Regt. Herzog Carl von Mecklenburg-Strelitz Königsberg i. Pr. - Polizeipräsidium


Industrie und Handel sind in Königsberg sehr bedeutend. Als besonders hervorragend kann namentlich die Eisenindustrie (Guss- und Maschinenbau) bezeichnet werden. Sonstige Erwerbszweige sind: Garn- und Zwirnspinnerei, Fabrikation von Manufakturwaren, Tuch, Konfektionsgegenständen, Leinwand, Shoddy, Tabak und Zigarren, Dachpappe, Tapeten, Chemikalien, Knochenmehl, Mineralwasser, Essig, Spiritus, Pianinos, Marzipan etc., Dampf- und Ölmüllerei, Bierbrauerei, Weißgerberei, Kalkbrennerei, Buchdruckerei. Kennzeichnend ist für Königsberg neben Danzig die Bernsteinindustrie. Für Gewinnung des Materials waren 1885 im ganzen 1650 Personen tätig. Der Ertrag stellte sich durch Dampfbaggerei (Schwarzort) auf 670, durch Bergwerksbetrieb (Palmnicken und Kraxtepellen) auf 1030, durch Taucherei, Stechen, Schöpfen und Lesen auf 85 Doppelzentner.

Der Handel, begünstigt durch Eisenbahnverbindungen, namentlich aber durch die Lage Königsbergs an einem schiffbaren Fluss, dessen Mündung durch das Frische Haff vor den Meeresfluten gesichert ist, hat der Stadt eine bedeutende Stelle unter den Handelsplätzen des Nordens verschafft. Der äußere Hafen von Königsberg befindet sich in Pillau. Viele Schiffe müssen hier leichtern, da das Haff nur durch Baggerungen Tiefgang erhält, viele werden in Pillau selbst umgeladen. Eine Besserung dieser den Verkehr erschwerenden Lage steht durch Anlage einer 6 m tiefen Haffrinne in Aussicht. Es sind nicht allein die Erzeugnisse des Landes: Getreide, Hülsenfrüchte, Flachs, Hanf, Holz, Holzwaren, Pferde, Vieh, Chemikalien, Artikel der Textilindustrie etc., sondern auch eingeführte Produkte, die eine in stetem Steigen begriffene Handelsprosperität nachweisen. Namentlich ist Königsberg Hauptumschlagplatz des gesamten kontinentalen Teehandels. Für den Handel mit Getreide zählt es zu den größten Exportplätzen. Es betrug der Wert der Einfuhr 1886: 179 Millionen Mark., darunter an über See bezogenen Waren 69,5 Millionen Mark. Der Wert der Ausfuhr betrug 150,5 Millionen Mark., davon für über See ausgeführte Artikel 62,8 Millionen Mark. 1885 belief sich der gesamte Seeverkehr auf 3412 Schiffe. Es kamen an: mit Ladung 1180 Schiffe zu 300.764 Registertonnen, in Ballast oder leer 485 Schiffe zu 115.357 Registertonnen. Es gingen ab: mit Ladung 1709 Schiffe zu 427.453 Registertonnen, in Ballast oder leer 38 Schiffe zu 13.490 Registertonnen. An Handels- und Verkehrsanstalten besitzt Königsberg eine Hauptstelle der Reichsbank (Umsatz 1886: 1014 Millionen Mark.), die Königsberger Vereinsbank (Umsatz 1886: 512 Millionen Mark.), eine Ostpreußische landschaftliche Darlehnskasse (Umsatz 1886: 327 Millionen Mark.), eine Ländliche Genossenschaftsbank, eine Genossenschaftliche Grundkreditbank, eine Rentenbank, eine Provinzialfeuersozietät etc., ein Vorsteheramt der Kaufmannschaft, eine Börse, einen Gewerberat, eine Reedereigesellschaft, eine Dampfschifffahrtsgesellschaft und eine Schiffswerft. Den Verkehr in der Stadt gewährleistet eine Pferdeeisenbahn.

Königsberg i. Pr. - Am Schlossteich
Königsberg i. Pr. - Grüne Brücke mit Norddeutscher Kreditbank 
Königsberg i. Pr. - Am Schlossteich Königsberg i. Pr. - Grüne Brücke mit Norddeutscher Kreditbank

 

Unter den Bildungsanstalten nimmt die Universität (Collegium Albertinum) die erste Stelle ein. Diese wurde vom Herzog Albrecht I. von Preußen als eine "echtlutherische" 1544 gegründet und erfreut sich mit den Anstalten, die zu ihr gehören, der 1811 von Bessel errichteten Sternwarte, dem 1819 von Karl von Baer gegründeten zoologischen Museum und dem 1809 von Schweigger angelegten botanischen Garten, 9 Kliniken, die jetzt als Muster dastehen, Laboratorien und Seminaren sowie zum Teil bedeutenden Sammlungen, besonders der über 220.000 Bände zählenden Bibliothek (neben welcher die Stadtbibliothek nur für Spezialitäten in Betracht kommt), einer immer gediegener sich gestaltenden Ausstattung. In der Aula befinden sich Fresken von Rosenfelder, Gräf, Piotrowski u. a. Die Zahl der Studierenden betrug im Wintersemester 1886/87: 815. An andern Schulanstalten hat Königsberg 4 Gymnasien, ein Progymnasium, 2 Realgymnasien, eine höhere Bürgerschule, 2 Taubstummen- und eine Blindenanstalt. Hierzu kommen für besondere Bildungszwecke eine Anzahl von Instituten, darunter die Handelsschule, die Provinzialkunstschule und die Malerakademie mit dem Stadtmuseum (etwa 270 Gemälde der neuern und neuesten Zeit enthaltend), eine Musikschule, die archäologische Sammlung der Prussia, die geologischen der Physikalisch-Ökonomischen Gesellschaft etc. An Wohltätigkeitsanstalten sind besonders zu nennen: das große städtische Krankenhaus, das von einem Verein geleitete Krankenhaus der Barmherzigkeit, das königliche Waisenhaus (1701 gestiftet), das große königliche Hospital und eine sehr große Zahl von Wohltätigkeitsvereinen aller Art. Königsberg zählt 20 Magistratsmitglieder und 102 Stadtverordnete und ist Sitz des Oberpräsidiums der Provinz Ostpreußen, des Konsistoriums, eines Generalsuperintendenten, des Provinzialschul- und Medizinalkollegiums, des Provinzialarchivs, der Provinzialsteuerdirektion, einer Oberpostdirektion, der Landesdirektion für Ostpreußen, eines Oberlandes- und eines Landgerichts, einer Regierung, eines Landratsamtes, verschiedener Konsulate etc. Von militärischen Behörden befinden sich hier: das Kommando und der Stab des 1. Armeekorps, der 1. Infanterie- und 1. Kavalleriedivision, der 1. und 2. Infanterie-, 1. Kavallerie- und 1. Feldartilleriebrigade.

Die drei in Königsberg erscheinenden Zeitungen sind die "Hartungsche Zeitung", die "Ostpreußische Zeitung" und die "Königsberger Allgemeine Zeitung". Zum Landgerichtsbezirk Königsberg zählen die acht Amtsgerichte zu Allenburg, Fischhausen, K., Labiau, Mehlauken, Pillau, Tapiau und Wehlau.

Königsberg (Altstadt) dessen Burg vom Deutschen Orden 1255 zum Schutz gegen die heidnischen Samländer und zwar auf den Rat des böhmischen Königs Ottokar erbaut ist, wurde 1256 in der Gegend des heutigen Steindammes angelegt, nach der Zerstörung durch die Preußen 1263 in dem Tal unterhalb des Schlossbergs bis an den Pregel wieder aufgebaut und erhielt 1286 Stadtrecht. Der Stadtteil Löbenicht wurde 1300, die Insel Kneiphof 1327 das Stadtrecht verliehen. Von 1457 an war Königsberg die Residenz der Hochmeister, 1525 - 1618 der Herzöge Preußens; deshalb führt es auch noch den Titel "Haupt- und Residenzstadt". Von 1626 datiert die Befestigung der Stadt durch Wälle und Gräben; 1843 wurde Königsberg zu einer Festung ersten Ranges umgeschaffen. In Königsberg wurde am 16. Januar 1656 ein Vertrag zwischen Schweden und Brandenburg geschlossen, durch welchen dieses für Preußen die schwedische Lehnshoheit statt der polnischen anerkannte und Ermeland zu Lehen erhielt. 1758 wurde Königsberg von den Russen, 1807 von den Franzosen besetzt. König Friedrich Wilhelm I. vereinigte 1724 die drei Städte zu einer - Königsberg und fortan gab es nur einen Magistrat und ein Stadtgericht.

Königsberg i. Pr. - Eingang zum Tiergarten 
Königsberg i. Pr. - Der Bogenspanner 
Königsberg i. Pr. - Eingang zum Tiergarten Königsberg i. Pr. - Der Bogenspanner

 

Königsberg i. P.

Schiffe der Kaiserlichen Marine

S.M.S. Königsberg

 

S.M.S. Königsberg - Kleiner Kreuzer (1)

S.M.S. Königsberg - Kleiner Kreuzer (2)

 

Ende August 1944 wurde Königsberg durch zwei verheerende britische Luftangriffe, bei den zwischen 4000 und 10.000 Königsberger starben, weitgehend zerstört. Anfang 1945 wurde das Königsberger Gebiet durch die Rote Armee eingeschlossen, nach 3 Monaten ergab sich die Stadt, noch immer waren über 20.000 Einwohner in der Stadt geblieben. Es kam zu zahlreichen Grausamkeiten gegenüber der Zivilbevölkerung, von den das Massaker von Metgethen traurige Berühmtheit erlangten.

Auf der Potsdamer Konferenz beschlossen die Siegermächte das nördliche Ostpreußen unter die Verwaltung der Sowjetunion zu stellen, 1946 wurde Königsberg in Kaliningrad umbenannt. 1947 wurden die letzten Deutschen aus ihrer Heimatstadt vertrieben. Die Russen nennen die Stadt nun Kaliningrad.

Die russische Exklave Oblast Kaliningrad (der nördliche Teil Ostpreußens) liegt zwischen Litauen und Polen. Die Fläche beträgt 215,7 km², die Einwohner: 423.651 (1. Januar 2006), die Bevölkerungsdichte: 1.964 Einwohner je km²

 

Königsberg/Preussen (Zschokkesches Damenstift), Bundespost 1966

Königsberg/Preussen (Zschokkesches Damenstift), Bundespost 1966

 

 

Königsberg i. P. (Kaliningrad, Russland)


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