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Konstanz

Stadt im Großherzogtum Baden, Hauptstadt des Kreises Konstanz

     

Konstanz

Stadt im Großherzogtum Baden, Hauptstadt des Kreises Konstanz

Konstanz 24.818 Einwohner - 1905 = 167. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Konstanz - Hafen

Konstanz - Hafen

 

 

Konstanz (früher Kostenze, Kostentz) ist eine Stadt im Großherzogtum Baden, Hauptstadt des Kreises Konstanz, in anmutiger Lage am Ausfluss des Rheins aus dem Bodensee und 405 Meter über dem Meer. Konstanz besteht außer der Altstadt noch aus dem ehemaligen Kloster, jetzt zu Kasernen umgewandelten Petershausen, den Stadtteilen Seehausen und Paradies, mit zahlreichen Gärten und Gemüsefeldern, auf dem rechten und der Kreuzlinger Vorstadt auf dem linken Rheinufer.

Konstanz
Konstanz - Münster
Konstanz Konstanz - Münster



Das hervorragendste Gebäuden der Stadt ist der Dom, eine 1052–68 erbaute romanische (das Querschiff ist gotisch) Säulenbasilika. Chor, Nebenschiffe und die beiden Westtürme sind im 15. Jahrhundert umgebaut und neuerdings das ganze Gebäude restauriert worden. Zu den Sehenswürdigkeiten des Domes gehören das Schnitzwerk der Chorstühle und Portaltüren von Nik. Lerch (1470), die Krypta, die reiche Schatzkammer, mehrere interessante Grabmäler, eine Mariensäule in Erz von 1682 etc. Die meisten Sitzungen des Konzils wurden im Dom gehalten, und noch zeigt man die Stelle, wo Jan Hus 1415 bei seiner Verurteilung gestanden haben soll. Andere kirchliche Gebäude sind, die gotische Stephanskirche, die Augustinerkirche (15. Jahrhundert), die im romanischen Stil erbaute evangelische Kirche, die altkatholische Gymnasiumskirche und die 1884 erbaute Synagoge. Das ehemalige Dominikanerkloster (1875 zum Inselhotel umgebaut), das sich mit dem Dom in die Konzilssitzungen teilte, enthält das Grab des berühmten Griechen Manuel Chrysolaras und war 89 Tage lang Jan Hus Kerker.

Konstanz - Hafenpartie mit Konziliums-Gebäude
Konstanz - Insel-Hotel
Konstanz - Hafenpartie mit Konziliums-Gebäude Konstanz - Insel-Hotel

 

Ein Wahrzeichen der Stadt ist das 1388 erbaute Kaufhaus, das während des Konzils als Konklave diente. Sein großer Saal, in dem 1417 der Papst Martin V. gewählt wurde, ist um 1900 von Fr. Pecht und Schwörer mit Fresken aus der Konstanzer Kulturgeschichte geschmückt. Das Kanzleigebäude, mit historischen Fresken an der Außenseite und in der Vorhalle geziert, enthält ein reiches Archiv. Das Wessenberg-Haus mit der Büste des 1860 hier verstorbenen Generalvikars und Stifters birgt eine Gemäldegalerie und die große städtische Bibliothek. Ferner sind bemerkenswert: das Rosgartenmuseum, ein altes Zunfthaus mit einer vortrefflichen Sammlung von Gegenständen aus der Natur und der Geschichte von Konstanz und der Umgegend; das Gasthaus Barbarossa, in dem Kaiser Friedrich 1183 den Frieden mit den lombardischen Städten schloss; das Hus-Häuschen am Schnetztor, in dem Jan Hus wohnte und gefangen genommen wurde, mit Reliefs von Hus und Hieronymus, der schöne Hafen mit Leuchtturm, das neue Reichspostgebäude, das städtische Krankenhaus und andere Neubauten. An Denkmälern besitzt die Stadt noch ein Kriegerdenkmal, eine Büste des Kaisers Wilhelm I. im Stadtgarten, eine Büste des Kaisers Friedrich III. an der Kaserne, den Vierkaiserbrunnen mit Darstellungen der Kaiser Heinrich III., Friedrich Barbarossa, Maximilian I. und Wilhelm I. und vier Sandsteinstatuen (der Bischöfe Konrad und Gebhard, der Herzoge Bertold I. von Zähringen und Leopold von Baden) auf der Rheinbrücke.

Konstanz - Schnetztor
Konstanz - Husenstein
Konstanz - Schnetztor Konstanz - Husenstein

 

Die Bevölkerung beträgt im Jahr 1900 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 114) 21.445 Seelen, die überwiegende Mehrheit sind Katholiken, 4158 sind Evangelische und 565 Juden. Die Industrie erstreckt sich auf Baumwollweberei und-Druckerei, Seidenweberei, Fabrikation wasserdichter Stoffe, von Säcken, Jutegeweben, Leinen und Segeltuch, Chemikalien, Herden, Schlössern und Kassenschränken, Steppdecken, Öfen, Zement- und Tonwaren, Seife, Lichten, Tapeten, Weißwaren, Briefkuverts, Mineralwasser, Möbeln, Zigarren und Falzziegeln, auf Eisengießerei, Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen, Holzverkohlung etc. Der lebhafte Handel wird unterstützt durch eine Handelskammer, eine Nebenstelle der Reichsbank, eine Filiale der Rheinischen Kreditbank und andere Geldinstitute sowie durch die lebhafte Dampfschifffahrt. Für den Eisenbahnverkehr ist Konstanz Knotenpunkt der Badischen Staatsbahnlinie Mannheim-Konstanz und der Linien Konstanz-Romanshorn und Konstanz-Winterthur der Schweizerischen Bundesbahn. An höheren Schulen und andern Anstalten hat Konstanz ein Gymnasium, eine Oberrealschule, Gewerbeschule, Handelsschule, ein Knabenkonvikt; ferner ein Rettungshaus, eine Nerven- und eine Augenheilanstalt, ein Asyl für Gemütsleidende und Irre etc. Konstanz ist Sitz eines Landeskommissars für die Kreise Konstanz, Villingen und Waldshut, eines Bezirksamtes, eines Landgerichts, einer Oberpostdirektion, eines Forstamtes, eines Hauptsteueramtes und einer Handwerkskammer. Die städtische Verwaltung zählt 2 Bürgermeister, 14 Magistratsmitglieder und 96 Stadtverordnete. Zum Landgerichtsbezirk Konstanz gehören die 9 Amtsgerichte zu Donaueschingen, Engen, Konstanz, Meßkirch, Pfullendorf, Radolfzell, Stockach, Überlingen und Villingen. Die nähere Umgebung von Konstanz ist mit schönen Anlagen versehen, südwestlich angrenzend liegt das schweizerische Kreuzlingen, weiter im Untersee die Insel Reichenau und an demselben auf einer Anhöhe das Schloss Arenenberg und im Überlinger See die Insel Mainau.

Konstanz - Bahnhof
Konstanz - Hohenzollernhaus "Zum Hohen Hafen"
Konstanz - Rathaus
Konstanz - Bahnhof Konstanz - Hohenzollernhaus "Zum Hohen Hafen" Konstanz - Rathaus


Den Untergrund des ältesten Stadtteils bildet ein Molassefels, der trotz seiner geringen Erhebung dem Austritt des Rheins aus dem Bodensee den Weg wies und die Bildung der Konstanzer Bucht bedingte; in letzterer sind Pfahlbausiedelungen seit der Jüngern Steinzeit nachgewiesen. Die Erhebung diente den Römern bei der Befestigung der Rheinlinie als Platz für ein Kastell und als Brückenkopf für den Rheinübergang; nach der Überlieferung geschah dies Ende des 3. Jahrhunderts unter Constantius Chlorus, auf den auch der Name der Bucht zurückgeführt wird (vielleicht hieß Konstanz vorher keltisch Vitudurum). Die civitas Constantia wird zuerst in der Cosmographia des Anonymus Ravennas (5. Jahrhundert) erwähnt. Die Zukunft des Platzes entschied die wohl noch im 6. Jahrhundert erfolgte Verlegung des Bischofssitzes aus der römischen civitas Vindonissa (Windisch im Aargau) nach Konstanz, wodurch sich die Frankenkönige in dem unterworfenen und zum Teil von den Ostgoten erworbenen Alemannenland einen Stützpunkt schaffen wollten. An der Stelle des Römerkastells entstand nun die Kathedrale mit Bischofspfalz, Domschule und Klerikerhaus. Über dieser ummauerten Bischofsburg dehnte sich nördlich eine kleine Laiensiedelung (Niederburg, suburbium) aus. Die Entstehung des Kerns der heutigen Stadt hängt jedoch erst mit der Marktgründung (Anfang des 10. Jahrhunderts) zusammen. Reichsstadt wurde Konstanz 1192. Der Leinwandhandel nahm hohen Aufschwung (Tela di Constanza); die Stadt erwarb von den verschuldeten Bischöfen wichtige Hoheitsrechte und entfaltete als angesehenstes Glied des schwäbischen Städtebundes im 14. Jahrhundert eine bedeutsame Macht in Süddeutschland. Ein Aufstand von 1342 führte zur Anerkennung der Zünfte, der von 1370 zur Verdoppelung des Rats durch Aufnahme der Zunftmeister. Der Aufstand von 1389 stürzte den bestehenden Rat wegen der Niederlage des Schwäbischen Städtebundes. Aber bei der Erhebung von 1429–30 unterlagen die Zünfte; die wirtschaftlich wichtigsten von ihnen, Leinweber und Ledergerber, wurden unterdrückt und König Siegmund nötigte Konstanz 1430 eine neue Verfassung auf. Seit dem Konzil ging der Handel allmählich zurück. Vollends veranlasste der Zunftkrieg von 1429–30 angesehene Häuser, die Städte Ravensburg und St. Gallen zum Mittelpunkt des oberdeutschen Leinenhandels zu machen. Der Versuch, aus der von Siegmund der Stadt Konstanz verpfändeten Landgrafschaft Thurgau ein wirtschaftlich abhängiges Hinterland zu schaffen, scheiterte an dem Vordringen der Schweizer Eidgenossenschaft, die im Schwabenkrieg (1499) den Thurgau völlig an sich riss und mit der Loslösung der Schweiz vom Reich die Landesgrenze unmittelbar vor den Stadtmauern aufrichtete.

Konstanz vom Münster aus mit Säntis
Konstanz - Am Hafen
Konstanz vom Münster aus mit Säntis Konstanz - Am Hafen

 

Unter Führung des Brüderpaares Ambrosius und Thomas Blarer schloss sich Konstanz der Reformation an, zunächst Luther zugeneigt; bald geriet jedoch die Bewegung in Abhängigkeit von Zürich und Zwingli. Wegen des schroffen Vorgehens des Rates verließen 1527 Bischof und Klerus die Stadt; ein mit Beschlagnahme alles geistlichen Vermögens verbundener Bildersturm brachte Konstanz in scharfen Gegensatz zu den katholischen Reichsständen Schwabens und vor allem zu Österreich, das schon seit 1502 eine Schutztruppe in Konstanz unterhielt. Die von den Konstanzer Reformierten erstrebte Aufnahme in den schweizerischen Bund scheiterte am Widerstande der katholischen fünf Orte. Auf dem Reichstag zu Augsburg reichte Konstanz mit Lindau, Memmingen und Straßburg am 9. Juli 1530 die Confessio tetrapolitana ein und trat 1531 dem Schmalkaldischen Bunde bei; die Kosten für das Bundesheer ruinierten aber die städtischen Finanzen völlig. Während sich nach Auflösung des Bundes 1546 die andern Städte dem Kaiser unterwarfen, verharrte Konstanz noch 2 Jahre im Kriegszustand, verfiel am 6. August 1548 zu Augsburg in die Acht und verteidigte sich am selben Tage erfolgreich gegen die Kaiserlichen, die es von der Rheinbrücke aus im Sturm zu nehmen suchten ("Überfall der Spanier"). Von Zürich im Stich gelassen, konnte sich Konstanz nicht lange halten; Karls V. Bruder, Ferdinand, besetzte es am 14. Oktober 1548 mit österreichischen Truppen. Seitdem war Konstanz eine kleine, wirtschaftlich tief gesunkene österreichische Landstadt. Die angesehensten Anhänger der Reformation wanderten aus, der Klerus kehrte zurück, und die Gegenreformation brachte die Stadt wieder völlig zum Katholizismus. Ruhmvoll war die Abwehr der Belagerung durch den schwedischen General Horn 1633. Der Versuch Josephs II., die wirtschaftlich daniederliegende Stadt durch Zuführung einer Genfer Kolonie industriell zu heben, war ohne nachhaltige Wirkung. Im Preßburger Frieden (1805) fiel Konstanz an das Großherzogtum Baden. Am 8. Juli 1838 wurde in Konstanz der Luftschiffpionier Ferdinand Graf Zeppelin geboren. In den Revolutionsjahren 1848/49 war Konstanz geistiger Mittelpunkt der Bewegung in Südwestdeutschland. Die Aufhebung des Bistums Konstanz 1821 nahm der Stadt die durch 13 Jahrhunderte behauptete Stellung als kirchlicher Mittelpunkt Alemanniens. Der edel denkende Generalvikar und letzte Bistumsverweser von Wessenberg starb in Konstanz 1860. Der Ausbau des oberbadischen Eisenbahnnetzes (seit 1865) und die steigende Zunahme des Fremdenverkehrs verhalfen im Verein mit der allgemeinen Hebung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands seit 1870 auch Konstanz zu neuem Aufschwung.

Konstanz - Sanatorium Konstanzerhof
Konstanz - Ober-Realschule
Konstanz - Sanatorium Konstanzerhof Konstanz - Ober-Realschule

 

 

Jan Hus (* um 1369 in Husinetz; † 6. Juli 1415 in Konstanz)

Hus (tschechisch, d.i. Gans) oder Huß, Johannes, war böhmischer Reformator, geboren um 1369 in Husinetz, seit 1398 Professor, seit 1402 zugleich Prediger an der Bethlehemskapelle zu Prag, eiferte, durch die Schriften Wiclifs angeregt, gegen die Verderbnis der Kirche, ohne jedoch ihre Lehre anzugreifen und blieb daher geschützt durch die Gunst des Königs Wenzel sowie den Erzbischof Sbynko und die sogenannte böhmische Nation an der Universität. Er verschaffte der "böhmischen Nation" im Streit über die Rechtgläubigkeit Wiclifs als Urheber des Dekrets vom 18. Januar 1409 so großes Übergewicht, dass an 5000 deutsche Studenten und Professoren auswanderten. Infolge einer Beschwerde der Geistlichen wurde Hus nach Rom vorgeladen und, da er nicht erschien, 1410 mit dem Bann belegt. In seiner Schrift "De ecclesia" (1413) berief er sich auf die Bibel und ein allgemeines Konzil, begab sich 1414 mit freiem Geleit des Kaisers Sigismund nach Konstanz, wurde dort 28. November verhaftet und, da er sich dem Konzil nicht unterwerfen wollte, am 6. Juli 1415 als Erzketzer verbrannt.

 

Konstanz (Baden-Württemberg)


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