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Stadt im Kaisertum Österreich, Königreich Böhmen
Stadt im Kaisertum Österreich, Königreich Böhmen
Karlsbad 14.637 Einwohner (1900)![]()
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Karlsbad - Alte Wiese
Karlsbad ist eine Stadt im Kaisertum Österreich, Königreich Böhmen. Sie liegt 379 Meter über dem Meer, an der Tepl unfern ihrer Mündung in die Eger, in einem engen, romantischen, von bewaldeten Bergen umschlossenen Tal, an den Linien Prag-Eger der Buschtehrader Eisenbahn, Marienbad-Karlsbad und Karlsbad-Johanngeorgenstadt der Staatsbahnen gelegen, ist einer der berühmtesten Kurorte Europas und Sitz einer Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts. Die schönste Straße ist die mit Kaufläden besetzte Alte Wiese, am linken Ufer der Tepl, oberhalb in die Puppschen Anlagen (mit dem Denkmal Goethes von Donndorf) auslaufend; ihr gegenüber am rechten Flussufer liegt die Neue Wiese. Schöne Gartenanlagen sind außerdem der Stadtpark und der Stadtgarten mit dem Denkmal Kaiser Karls IV. Die Stadt hat eine katholische, eine evangelische, eine anglikanische und eine russische Kirche sowie eine Synagoge; sie enthält ferner an bemerkenswerten Gebäuden die Mühlbrunnkolonnade, im korinthischen Stil von Zitek 1878 erbaut, die Sprudelkolonnade, einen leichten Eisenbau (1879), das Kurhaus, das Militärbadehaus, das großartige Kaiserbad (1895 eröffnet), das neue Stadttheater, das Postgebäude, die Sparkasse und das Obergymnasium. Karlsbad zählt im Jahr 1900 = 14.637 deutsche Einwohner. Die rege Gewerbetätigkeit erstreckt sich auf Sprudelsteinverarbeitung, Nadlerei, Herstellung von Likör (Karlsbader Bitter), Zuckerwaren (Karlsbader Oblaten) etc. Auch bildet Karlsbad einen Mittelpunkt der Porzellanfabrikation; in der Umgebung wird vorzügliche Kaolinerde gewonnen und bestehen 15 Porzellanfabriken. Außerdem wird in Karlsbad, namentlich während der Saison, lebhafter Handel mit Porzellan- und Glaswaren, Spitzen und Stickereien betrieben. Die Stadt hat ein Elektrizitätswerk, eine Straßenbahn und einen Pferderennplatz.
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| Karlsbad - Mühlbrunnen | Karlsbad - Stephanie-Warte | Karlsbad - Schlossbrunnen |
Die 19 Thermen von Karlsbad sind heiße alkalische
Glaubersalzquellen und brechen aus einer Spalte im Granit hervor, die sie
teilweise mit Sprudelstein ausgefüllt haben. Die älteste und wichtigste
Quelle ist der Sprudel, am rechten Ufer der Tepl, mitten in der Stadt. Er
hat eine Temperatur von 72,5°C und springt stoßweise in Mannsdicke 4 m hoch
empor; die Wassermenge, die er liefert, beträgt 25 bis 30 hl in der Minute.
Die anderen Quellen, an Temperatur wie an Ergiebigkeit geringer, sind der
Bernhardsbrunnen mit 64°C, die Franz-Josephsquelle mit 65°C, der Neubrunnen
mit 55,4°C, die Felsenquelle mit 58°C und der Schlossbrunnen auf dem Schlossberg
mit 52,4°C, der Mühlbrunnen mit 51°C, der Theresienbrunnen mit 55°C, der
Marktbrunnen mit 54°C, der Kaiserbrunnen mit 47,5°C und die Elisabethquelle
mit 40°C. Das Wasser schmeckt schwach salzig und säuerlich. Das Wasser der
Quellen setzt an der Luft unter Verlust von Kohlensäure kohlensauren Kalk
(Sprudelstein) ab, der zu allerlei Gegenständen verarbeitet wird. Die Karlsbader
Quellen werden vornehmlich zu Trinkkuren benutzt, die in manchen Fällen
durch Bäder (auch Moorbäder) unterstützt werden. Man braucht die Kurmittel
bei chronischem Magenkatarrh und Dyspepsie, Magengeschwür, chronischem Darmkatarrh,
Hämorrhoiden, Katarrh der Gallenwege, Gallensteinen, Leberhyperämie, Fettsucht,
Krampfzufällen im Bereich der Unterleibsorgane, Gicht, Rheumatismus, Diabetes,
Skrofulose, Frauenkrankheiten, Harngries. Außer den Thermalquellen sind
auch mehrere kalte Mineralquellen in der Umgebung von Karlsbad bemerkenswert,
als der Rote Säuerling bei Drahowitz, der Cambridgesäuerling bei der Cambridgesäule
links an der Tepl und der Säuerling bei der Dorotheenau (Sauerbrunn, 12,5°C)
sowie eine 1853 unweit des Einflusses der Tepl in die Eger aufgefundene
Eisenquelle von 10°C. Die Wässer sämtlich er Quellen werden seit 1843 auch
versandt (1903: 2,5 Millionen Flaschen). Man gewinnt aus dem Wasser durch
Verdampfung das Karlsbader Salz, das kristallisiert und als Pulver hergestellt
wird, ferner werden Pastillen und Seife in den Handel gebracht. Die Zahl
der Kurgäste Karlsbads betrug im Jahr 1903 = 54.000.
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| Karlsbad - Katholische Kirche | Karlsbad - Aberg | Karlsbad - Schillerstraße |
Das Klima von Karlsbad ist das von Mitteldeutschland,
vorherrschend sind Nord- und Westwinde; erstere bedingen oft plötzlichen
Temperaturwechsel, auch sind die Temperaturabfälle am Morgen und Abend erheblich.
Die relative Luftfeuchtigkeit hält sich in mittlerer Höhe, Niederschläge
sind häufig.
Die anmutige Umgebung von Karlsbad ist durch schöne Anlagen
zugänglich gemacht; schöne Aussichten bieten namentlich der Hirschensprung
(498 m), die Franz Joseph-Höhe (510 m), der Dreikreuzberg (554 m), die König
Otto-Höhe (599 m), das Ewige Leben (636 m) mit der Stephaniewarte, der Aberg
(609 m) mit Aussichtsturm. Zu den besuchtesten Punkten gehören ferner südlich
der Posthof, der Kaiserpark und Pirkenhammer (Dorf mit Porzellanfabrik und
1639 Einwohner), südwestlich Aich (Dorf mit Schloss, Porzellanfabrik, Bierbrauerei
und 1911 Einwohner) und die Hans Heiling-Felsen, südöstlich der Markt Engelhaus
mit malerischer, auf 713 m hohem Klingsteinfelsen gelegener Burgruine und
953 Einwohner, östlich Gießhübl-Sauerbrunn, nordöstlich Dallwitz. Nordwestlich
von Karlsbad liegen das Dorf Donitz mit Glas-, Porzellan- und Strickwarenfabrik,
Sägewerk und 3649 Einwohnern, dann die Stadt Fischern mit Kaolinschlämmerei,
Porzellanfabrik, Bierbrauerei und 8234 Einwohnern.
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| Karlsbad - Sprudel | Karlsbad - Marienbild im Walde | Karlsbad - Sprudel Kolonnade |
Die älteste Urkunde über Karlsbad datiert von
1325. Man kennt von ihr zwar nur den Titel: "König Johanns Privilegium
oder Breve testatum und Lehenbrief über den Tiergarten sub anno 1325";
doch stellt es sich hiernach als bloße Sage heraus, dass Karlsbad von Karl
IV. auf einer Hirschjagd 1347 entdeckt worden sei. Dagegen ließ dieser
Kaiser nach vollendeter glücklicher Heilung seiner
bei Crécy erhaltenen Wunden 1358 ein festes Schloss bei der Quelle erbauen,
und der um dasselbe bald entstehende Ort Namens Vary (Sprudel) erhielt bereits
1370 städtische Rechte. Kaiser Joseph I. erhob
Karlsbad zur königlichen Freistadt. Schon 1531 hatte Graf Albrecht Schlik
das erste Armenhospital in Karlsbad erbaut; 1711 entstand ein Kurhaus auf
der Alten Wiese; 1762 ließ Maria Theresia das Bade- und Trinkhaus am Mühlbrunnen
ausführen, und 1812 wurde aus einer Schenkung des Grafen Kinsky das Badehaus
und Hospital für arme Kurgäste am Spitalbrunnen errichtet. Bis 1520 wurde
in Karlsbad nur gebadet; um diese Zeit erst wurde das Wasser auf Anraten
eines Dr. Payer auch zu Trinkkuren verwendet. Ebenso hat dieser Arzt die
erste medizinische Abhandlung über Karlsbad 1522 drucken lassen. Unter seinen
größten Wohltätern nennt Karlsbad den schottischen Lord Jakob Ogilvi, Grafen
von Findlater, der Karlsbad mehr als 20 mal besuchte und jeden Besuch mit
Anlegung eines Gebäudes, einer Straße, eines Spazierganges etc. bezeichnete.
Johann Wolfgang von Goethe hat Karlsbad 12 mal besucht. In späterer Zeit
gründete dort der Dichter und Erzbischof Ladislaus Pyrker ein Hospital für
arme Offiziere. 1819 kam es hier auf einer Ministerkonferenz zu den reaktionären
Karlsbader Beschlüssen. In den letzten 40 Jahren erhob sich Karlsbad zum
Weltkurort ersten Ranges.
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| Karlsbad - Hirschensprung | Karlsbad - Kurhaus und Sprudelkolonnade | Karlsbad - Marktplatz mit Marktbrunnkolonnade und Dreifaltigkeitssäule |

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