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Markgrafschaft Mähren

Landeshauptstadt Brünn

Fahne - Landesfarben Markgrafschaft Mähren

Fahne - Landesfarben Markgrafschaft Mähren

Markgrafschaft Mähren

 Markgrafschaft Mähren  - Lage in der Donaumonarchie Wappen  Markgrafschaft Mähren  Markgrafschaft Mähren  - Karte 1914
 Markgrafschaft Mähren  - Lage in der Donaumonarchie Wappen  Markgrafschaft Mähren  Markgrafschaft Mähren  - Karte 1914

Brünn - Bahnhof

Brünn - Bahnhof

 

 

Markgrafschaft Mähren

Mähren (tschechisch Morava) ist Markgrafschaft und Kronland des österreichischen Kaiserstaates. Es wird nördlich von Österreichisch-Schlesien und der preußischen Provinz Schlesien, östlich und südöstlich von Ungarn, südlich von Niederösterreich, westlich von Böhmen begrenzt und hat ein Areal von 22,222 km² (403,6 Quadratmeilen), nach neuerer Berechnung 22,231 km². Das Land ist im Westen, Norden und Osten von Randgebirgen eingeschlossen und umfasst vier Erhebungszonen:

1) die böhmisch-mährische Höhe (Jaborschitz 835 m, Kaiserstein 812 m, Hradisko 768 m);
2) die Sudeten im Norden, die mit dem Glatzer Gebirge (Großer oder Spieglitzer Schneeberg 1422 m) nach Mähren hinreichen, sodann von der Marchquelle bis zur Oder sich als Altvatergebirge (mit dem Altvater, 1490 m, der höchsten Erhebung des Landes) und dem mährisch-schlesischen Gesenke (821 m) hinziehen und sich gegen Südosten im Odergebirge abflachen (675 m).
3) Im Osten des Landes erheben sich die Karpaten mit dem an der ungarischen Grenze gelegenen Weißen Gebirge (Javorina 968 m) und dem Javornikgebirge (1077 m) sowie den nördlichen Seitenästen derselben (Tanečnica 912 m, Javornik Kelsky 865 m), dann den Beskiden im nordöstlichen Teil des Landes (Kněhyna 1251 m, Radhoscht 1130 m).
4) Im Süden der fruchtbaren Hanna steigt das Marsgebirge (Brdo 587 m) mit seiner westlichen Fortsetzung, dem Steinitzer Wald (442 m), auf und südlich von der Thaya erhebt sich isoliert die Gruppe der Polauer Berge bis zu 550 m.

Der Hauptfluss ist die March, die vom Spieglitzer Schneeberg kommt und an Nebenflüssen rechts die Sazawa, Hanna und Thaya, links die Betschwa und Olsawa aufnimmt. Die in Mähren entspringende Oder bildet die Grenze gegen Österreichisch-Schlesien und die preußische Provinz Schlesien und nimmt rechts die Ostrawitza auf. Seen hat Mähren keine, dagegen viele Teiche (578 mit einer Fläche von 4500 Hektar). Von den Mineralquellen sind beachtenswert die warme Schwefelquelle zu Ullersdorf im Teßtal und die Kochsalzquellen von Luhatschowitz. Außerdem ist Rožnau (mit Molkenheilanstalt) ein besuchter Kurort. Das Klima ist im allgemeinen mild, im gebirgigeren Norden jedoch rau. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in Brünn 8°C, in Datschitz 6,9°C. Die jährliche Menge des Niederschlags ist in Brünn 50, in Hochwald bei Mistek 78 cm.

Brünn - Deutsches Haus
Brünn - Rathaus
Brünn - Deutsches Haus und Lazansky-Platz
Brünn - Deutsches Haus Brünn - Rathaus Brünn - Deutsches Haus und Lazansky-Platz

 

Markgrafschaft Mähren

Geschichte

Die Spuren menschlicher Besiedelung Mährens reichen bis in die älteste Periode der vorgeschichtlichen Kultur, bis in die Diluvialepoche und ältere Steinzeit und werden erwiesen aus zahlreichen, das Zusammenleben von Mensch und diluvialen Tieren bezeugenden Funden, die aus dem Löß und den zahlreichen Höhlen erhoben wurden. Aus weitern Funden der neolithischen und Bronzeperiode wird geschlossen, dass damals an der Stelle und in der Nähe mancher bis heute erhaltenen Städte und Ortschaften vorgeschichtliche Ansiedelungen bestanden haben, und an vereinzelten Stellen des Marchgebietes haben sich auch Pfahlbauten nachweisen lassen. Der Name des Landes hängt zusammen mit jenem des Hauptflusses March (lat. Marus, althochd. Maraha, slaw. Morava), die älteste Form des Volksnamens Marvani findet sich in den "Annales Einhardi" zum Jahre 822. Mährens älteste geschichtliche Bevölkerung bildeten die Kelten, vielleicht die Volcae Tectosages, die bis in die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. hier gesessen haben dürften. Sie wurden abgelöst durch die den Markomannen stammverwandten suebischen Quaden, die erste uns bekannte germanische Bevölkerung Mährens, die auch Tacitus in dieses Gebiet verlegt. Die Zeit der Völkerwanderung scheint neue germanische Völkerschaften hierher gebracht zu haben, Heruler, Rugier und Langobarden, bis etwa im 6. Jahrhundert die Slawen wie in das benachbarte Böhmen so auch hierher einwanderten. Im 9. Jahrhundert begründeten hier Moimir, Rastislaw und Swatopluk das großmährische Reich, das seinen Mittelpunkt im östlichen Mähren und nordwestlichen Ungarn hatte, zeitweise seine Grenzen bis weit nach Böhmen, Ungarn und Polen ausdehnte. Die Versuche, sich von der fränkischen Oberhoheit zu befreien, führten zu wiederholten Kämpfen zwischen den genannten Fürsten und den deutschen Königen. Mit diesen Selbständigkeitsbestrebungen hing es auch zusammen, dass Rastislaw sich 863 vom griechischen Kaiser Geistliche zur Christianisierung des Landes erbat, die der in Mähren arbeitenden fränkisch-bayrischen Geistlichkeit entgegenwirken sollten. So kamen Methodius und Konstantin (Cyrill) ins Land, die Apostel Mährens. Nach Swatopluks Tode (894) verfiel das Reich und wurde 906 eine Beute der Ungarn. Der Untergang des großmährischen Reiches ermöglichte das Aufkommen der beiden Grenzländer Böhmen und Polen, welch letzteres um die Wende des ersten Jahrtausends Mähren eroberte, es aber bald an die Herzoge Udalrich und Břetislaw von Böhmen verlor (ca. 1029). Seitdem blieb Mähren, das damals schon seinen heutigen Umfang besaß, mit Böhmen verbunden und galt als Apanagegut der jüngeren Söhne. Es wurde in drei, zeitweilig in vier Fürstentümer geteilt, in denen aber keine regelmäßige Erbfolge galt, so dass fast das ganze im 11. und 12. Jahrhundert hindurch teils zwischen den Teilfürsten untereinander, teils zwischen diesen und dem in Böhmen regierenden premyslidischen Oberhaupt Thronfolgestreitigkeiten herrschten. In solchen Wirren errang Mähren 1182 unter Herzog Konrad Otto, der die gesamten Fürstentümer in seiner Hand vereinigte, von Kaiser Friedrich I. Reichsunmittelbarkeit und den Titel einer Markgrafschaft. Ein Vergleich zwischen den beiden Brüdern Premysl Ottokar I. von Böhmen und Wladislaw Heinrich von Mähren, am 6. Dezember 1197 geschlossen, stellte ein freundschaftliches Verhältnis her, ohne dass aber Mähren dadurch seine reichsunmittelbare Stellung tatsächlich eingebüßt hätte; da aber der mährische Markgraf keinen leiblichen Erben hinterließ, so stand Mähren im 13. und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert entweder unmittelbar unter dem Böhmenkönig oder wurde von einem seiner Söhne verwaltet.

Brünn - Neues Landhaus-Gebäude
Brünn - Jakobsplatz
Brünn - Neues Landhaus-Gebäude Brünn - Jakobsplatz

 

 Erst Kaiser Karl IV. errichtete hier 1349 eine Sekundogenitur des luxemburgischen Hauses, indem er Mähren seinem Bruder Johann abtrat. Er regierte, eine der glücklichsten Perioden in der Geschichte des Landes, bis 1375, worauf ihm seine drei Söhne Jodok (Jost), Prokop und Johann Sobieslaw folgten, von denen der älteste als eigentlicher Landesfürst galt. Mit seinem Tode (1411) starb diese jüngere Linie des Hauses Luxemburg aus, und Mähren fiel an den Böhmenkönig Wenzel, einen Vetter Jodoks. Auch Wenzel starb kinderlos († 1419), sein Erbe war sein Bruder König Siegmund von Ungarn, der 1423 Mähren seinem Schwiegersohn Herzog Albrecht von Österreich überließ. Dessen Sohne Ladislaus Posthumus huldigten die mährischen Stände, noch ehe er in Böhmen gekrönt worden war, was zu wichtigen staatsrechtlichen Erörterungen führte. In dem Frieden von 1478, der den Kampf zwischen Matthias von Ungarn und Wladislaw von Polen um den böhmischen Thron beendigte, wurde Mähren von Böhmen getrennt und mit Schlesien dem ungarischen König auf Lebenszeit abgetreten. Nach Matthias' Tode fiel es an Böhmen zurück und mit diesem Lande nach König Ludwigs von Ungarn Untergang in der Schlacht bei Mohacs 1526 an Österreich. Die Mährer anerkannten das Erbrecht der Gemahlin Erzherzog Ferdinands und nahmen, wie der offizielle Ausdruck lautete, Ferdinand und Anna zu Landesfürsten an, worauf der neue Markgraf die Rechte und Freiheiten des Landes bestätigte. Seine Regierungszeit sowie die seines Sohnes Maximilian bedeutete die Blütezeit des Protestantismus in Mähren sowohl unter dem Adel als unter der Bevölkerung der Städte und des Landes. Doch fällt schon in des Letzteren letzte Lebensjahre die Tätigkeit des Jesuitenordens, vorzüglich in Olmütz und Brünn. In Karl von Zerotin und dem Olmützer Bischof Franz von Dietrichstein hatten die beiden religiösen Parteien jener Zeit ihre Führer. Ersterer als Landeshauptmann setzte 1608 die Abtretung Mährens an Erzherzog Matthias durch, er hielt die Mährer zurück, als 1618 von Böhmen aus die Aufforderung zum Anschluss an den Aufstand erging, doch schon 1619 trat Mähren an die Seite Böhmens und hatte mit diesem in den folgenden Jahren das gleiche Schicksal der gewaltsamen katholischen Restauration zu ertragen. Furchtbare Wunden schlugen dem Lande der Dreißigjährige Krieg sowie die Türken- und Tatarenstreifzüge 1663. Die Kriege unter Maria Theresia führten wieder feindliche Heere ins Land, aber nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges erblühte auch hier Handel und Kultur. Auf mährischem Boden spielte sich die Entscheidungsschlacht von Austerlitz (2. Dezember 1805) ab; während des Deutschen Krieges von 1866 wurde es von den preußischen Heeren durchzogen, worauf in Nikolsburg die Vorverhandlungen zum Friedensschluss abgehalten wurden. Die neueste Geschichte des Landes seit 1848 wird von dem nationalen Kampfe zwischen Deutschen und Tschechen beherrscht, von denen die ersteren im Verein mit dem liberalen Großgrundbesitz die Majorität in der Landesverwaltung besitzen, die sie nur um den Preis gewisser Zusicherungen, durch die ihre Majorisierung in nationalen Fragen verhindert werden könnte, preiszugeben entschlossen sind. Verschiedene Zugeständnisse der Regierung an die mährischen Slawen, wie die Sprachenverordnungen vom 4. April 1897, das böhmische Technikum in Brünn, die unklare Haltung der Regierung gegenüber der Forderung nach einer böhmischen Universität in Brünn, gegen die sich die Deutschen mit Entschiedenheit wehren, verbittern das Verhältnis zwischen beiden Nationalitäten immer mehr. Der Lösung dieser wichtigen politischen Fragen dient der schon vor mehreren Jahren eingeführte und nach einiger Unterbrechung 1903 erneuerte permanente Ausgleichsausschuss des mährischen Landtags.

Olmütz - Parkstraße
Olmütz - Domkirche
Olmütz - Oberring
Olmütz - Parkstraße Olmütz - Domkirche Olmütz - Oberring

 

Markgrafschaft Mähren

Daten

Größe: 22.222 km²

Einwohner: Die Bevölkerung von Mähren betrug 1890: 2.276.870, 1900: 2.437.706 Einwohner und zeigt von 1890–1900 eine Vermehrung um 7,1 %. Auf 1 km² kommen 109 Bewohner.

1890 1900 1910
2.276.870 2.437.706 2.622.271

 

Gewässer: March, Thaya, Schwarzawa

Olmütz - Bahnhofstraße
Olmütz - Kunstuhr
Olmütz - Neue (Spitals)-Kaserne - K. K. Bezirkshauptmannschaft
Olmütz - Bahnhofstraße Olmütz - Kunstuhr Olmütz - Neue (Spitals)-Kaserne - K. K. Bezirkshauptmannschaft


Bewohner: Der Nationalität nach ist die Bevölkerung überwiegend (71,4 %) slawisch (Tschechen, Mährer und Slowaken), 27,9 % sind Deutsche. Diese leben an den Grenzen gegen Niederösterreich und Schlesien, sonst in verschiedenen Sprachinseln (um Iglau, Zwittau) und in allen Städten. Die Slawen unterscheidet man in Hannaken, Slowaken, Walachen, Podhoraken etc.; doch sind dies zumeist lokale Bezeichnungen. 

  • Mährisch-slowakisch (Tschechoslowaken)               71,7 %
  • Deutsche                                                                  27,6 %
  • Polnisch                                                                       0,6 %

Bevölkerungsdichte: 118 Einwohner/km² (Volkszählung von 1910)

Religion: Nach der Religion sind 95,4 % Katholiken, 2,7 % Protestanten und 1,8 % Juden.

  • römisch Katholisch               95,4 %
  • Evangelisch A.B./ H.B.          2,7 %
  • Juden                                     1,8 %

In kirchlicher Hinsicht bildet Mähren die Erzdiozöse Olmütz, der das Bistum Brünn untersteht. Die evangelischen Gemeinden A.B., deren es 18 gibt, sind der Superintendantur von Mähren und Schlesien untergeordnet; Seniorate gibt es in Brünn, Stotschau und Zauchtl. Die helvetische Kirche (meist Tschechen) hat eine Superintendenz in Ingrowitz und gliedert sich sich in 2 Seniorate und 24 Pfarrämter. In fasst allen bedeutenden Gemeinden bestehen jüdische Kultusgemeinden, zusammen 50.

Znaim - Nikolaikirche, Wenzelkapelle
Znaim
Znaim - Nikolaikirche, Wenzelkapelle Znaim


Wirtschaft: Die Landwirtschaft ist die Hauptbeschäftigung der Bewohner. Von der gesamten Bodenfläche kommen auf Ackerland 54,79 %, auf Wiesen und Gärten 8,21 %, auf Weingärten 0,55 %, auf Weiden 5,75 %, auf Waldungen 27,44 %. Der fruchtbarste Teil des Landes ist die Hanna, dann folgen das Kuhländchen, das Marchtal und die Niederungen an der Thaya. Der Ackerbau liefert hauptsächlich Getreide, und zwar 1903: Weizen 1.732.449, Roggen 3.266.291, Gerste 3.661.295, Hafer 2.529.638, Mais 181.330 metrische Zentner. Außerdem werden Hirse und Buchweizen, viel Hülsenfrüchte (431.582 hl), Raps (8908  metrische Zentner), Mohn (18.356  metrische Zentner), Anis und Fenchel, Flachs (132.556  metrische Zentner), Hanf (5579  metrische Zentner), ferner in großer Menge Kartoffeln (14.713.561  metrische Zentner), Zuckerrüben (13.580.329  metrische Zentner), Futterrüben (5.740.758  metrische Zentner), Kraut (608.759  metrische Zentner), Klee (4.383.132  metrische Zentner), andere Futterkräuter, Wiesenheu (5.001.925  metrische Zentner) gewonnen. Der Gemüsebau liefert unter anderem den berühmten Spargel von Eibenschitz, der Obstbau besonders Pflaumen zur Ausfuhr. Guter Wein wird an den Hügeln von Znaim bis zur March hin, besonders um Bisenz, gebaut (197.177 hl). Der Viehstand umfasste 1900: 134.026 Pferde, 789.552 Rinder, 37.683 Schafe, 158.726 Ziegen, 455.318 Schweine, 3.120.520 Stück Geflügel, insbesondere Hühner und Gänse, schlussendlich Bienen (91.962 Bienenstöcke). Jagd und Fischerei sind ansehnlich. Produkte des Mineralreichs sind Steinkohle (1903: 15.977.619 metrische Zentner, hauptsächlich in dem nach Schlesien hinüberreichenden Ostrauer und im Rossitzer Becken), Braunkohle (1.876.144  metrische Zentner), Eisenerz (26.796  metrische Zentner) und Roheisen (2.645.286  metrische Zentner, namentlich aus ungarischen, schwedischen und steirischen Erzen gewonnen), Graphit (99.359  metrische Zentner) und Kupfer (1603  metrische Zentner). Die Zahl der im Bergbau und in den Hüttenwerken verwendeten Arbeiter beträgt 13.209, der Wert der Jahresproduktion 27.768.110 Kronen.

Iglau - Masarykplatz mit Rathaus
Iglau - Spitalgasse
Iglau - Masarykplatz mit Rathaus Iglau - Spitalgasse



Die Industrie steht in Mähren auf einer hohen Stufe. Der wichtigste Zweig ist die Schafwollindustrie. Dieselbe umfasst die Streichgarnspinnerei, Kammgarnspinnerei, Streichgarnweberei, Erzeugung von Kammgarn- und gemischten Stoffen, Schafwollwarendruckerei, Erzeugung von Teppichen und Decken. Von den Textilindustriezweigen sind außerdem die Seidenweberei, Baumwollspinnerei und -Weberei, Flachsspinnerei und Leinweberei, Junteweberei, Baumwolldruckerei, Färberei und Appretur, Bandfabrikation, Wirkerei und Spitzenfabrikation zu nennen. Hoch entwickelt ist ferner die Rübenzuckerfabrikation, die 1902: 54 Fabriken mit 23.085 Arbeitern und einer Produktion von 2.823.682 metrische Zentner Zucker beschäftigte. Eisen- und Stahlwaren und zwar Gusswaren, Schienen, Bleche, Röhren etc. liefern insbes. die Werke in Witkowitz, Blansko, Friedland und Zöptau. Andere Erzeugnisse der Metallindustrie sind Eisengeschirr, Maschinen, Drahtstifte und Zinkblech. Wichtig sind ferner die Fabrikation von Männerkleidern und Hüten, die Gerberei und Schuhwarenfabrikation, die Branntweinbrennerei und Likörerzeugung, die Bierbrauerei (1902: 120 Etablissements mit einer Erzeugung von 1.995.504 hl) und die Malzfabrikation, der Mühlenbetrieb, die Darstellung von chemischen Produkten, die Tonwaren-, Glas- und Papierfabrikation, die Erzeugung von Möbeln aus gebogenem Holz und Wagen. Vom Staat werden 6 Tabakfabriken (mit 9681 Arbeitern) betrieben. Der Handel ist bedeutend; die Ausfuhr umfasst sowohl Rohprodukte als Fabrikate. Wichtig sind die Brünner Märkte. An Verkehrswegen besitzt Mähren 1878 km Eisenbahnen, 12.132 km Landstraßen und 264 km Wasserstraßen.

An Unterrichtsanstalten bestehen eine deutsche und eine tschechische Technische Hochschule in Brünn, 2 theologische Lehranstalten, 30 Gymnasien und Realgymnasien, 28 Realschulen, 5 Lehrer- und 6 Lehrerinnenbildungsanstalten, ferner 4 Staatsgewerbeschulen, 15 gewerbliche Fachschulen, 4 höhere Handelsschulen, 46 land- und forstwirtschaftliche Schulen, eine Bergschule, eine Militäroberrealschule (Weißkirchen) und 2647 Volksschulen.

Kremsier
Kremsier - Komenskyschule
Kremsier Kremsier - Komenskyschule

 

Markgrafschaft Mähren

Politische Verwaltung und Einteilung

An der Spitze der staatlichen Verwaltung Mährens steht die k.k. Statthalterei in Brünn, der die sämtlichen staatlichen Ämter mit Ausnahme der Gerichte in unmittelbarer oder mittelbarerer Weise unterstellt sind. Zu den wichtigsten staatlichen Zentralstellen des Landes gehören der k.k. Landesschulrat, der k.k. Sanitätsrat, die k.k. Polizeidirektion in Brünn, die k.k. Landesfinanzdirektion, die k.k. Post- und Telegraphendirektion, die k.k. Staatsbahnbetriebsdirektion, die in Olmütz ihren Sitz hat, während alle anderen Zentralämter in der Landeshauptstadt amtieren.

In Olmütz ist auch das oberste Gericht des Landes, das k.k. Oberlandesgericht für Mähren und Schlesien, dem das Landesgericht in Brünn und die Kreisgerichte in Olmütz, Iglau, Znaim, Ungarisch-Hradisch und Neutitschein unterstehen.

 

Das Organ der autonomen Landesgesetzgebung ist der mährische Landtag, der sich aus 151 Mitgliedern zusammensetzt:

Virilisten (Fürstenerzbischof von Olmütz und Bischof von Brünn) 2 Vertreter
Großgrundbesitz 30 Vertreter
40 Städte (20 deutsche, 20 tschechische) 40 Vertreter
Handels- und Gewerbekammern (Brünn, Olmütz) 6 Vertreter
Landesgemeinden (14 deutsche, 39 tschechische) 53 Vertreter
Allgemeine Kurie (6 deutsche, 14 tschechische) 20 Vertreter

Der aus der Mitte des Landtages gewählte Landesausschuss zählt 8 Mitglieder; den Vorsitz in beiden Körperschaften führt der vom Kaiser ernannte Landeshauptmann, bzw. dessen Stellvertreter.

Mähren umfasst 2 897 Ortsgemeinden, 3 291 Ortschaften.

Autonome Städte:

Name Gerichtsbezirk Einwohner Dichte
Brünn Brünn 125.737 7.396
Iglau Iglau 25.914 2.591
Kremsier Kremsier 16.528 918
Olmütz Olmütz 22.245 7.415
Ungarisch-Hradisch Ungarisch-Hradisch 5.174 2.587
Znaim Znaim 18.825 3.138

 

Brünn - Deutsches Haus mit Umgebung

Brünn - Deutsches Haus mit Umgebung

Brünn, Krautmarkt

 Brünn, Krautmarkt


Brünn - Bäckergasse

Brünn - Bäckergasse
  Brünn - St. Thomaskirche, K.K. Statthalterei, Lanzansky-Platz

Brünn - St. Thomaskirche, K.K. Statthalterei, Lanzansky-Platz
 
Iglau - Totalansicht von Iglau mit der Schwimmschule

Iglau - Totalansicht von Iglau mit der Schwimmschule
Znaim (1898)

Znaim (1898)
Olmütz - Oberring

Olmütz - Oberring

 

Politische Bezirke

Name Gerichtsbezirk Einwohner Dichte
Auspitz Auspitz, Klobouk, Seelowitz 69.768 108
Bärn Hof, Stadt Liebau 29.640 67
Boskowitz Blansko, Boskowitz, Kunstadt 90.913 109
Brünn (Land) Brünn, Eibenschütz 162.493 218
Datschitz Datschitz, Teltsch 50.259 62
Gaya Gaya, Steinitz 54.650 118
Göding Göding, Lundenburg, Straßnitz 93.634 122
Groß Meseritsch Großbittesch, Groß Meseritsch 41.199 66
Hohenstadt Hohenstadt, Müglitz, Schildberg 70.819 116
Holleschau Bystritz a.H., Holleschau, Wisowitz 77.638 96

 

Hohenstadt - Stadtansicht

Hohenstadt - Stadtansicht

Boskowitz - Schloss

Boskowitz - Schloss

 

Name Gerichtsbezirk Einwohner Dichte
Iglau (Land) Iglau 38.369 75
Kremsier Kremsier, Zdounek 48.336 108
Littau Konitz, Littau 74.850 120
Mährisch Budwitz Jamnitz, Mährisch Budwitz 72.070 60
Mährisch Kromau Hrottowitz, Mährisch Kromau 42.615 67
Mährisch Ostrau Mährisch Ostrau 111.186 1.123
Mährisch Schöberg Mährisch Altstadt, Mährisch Schönberg, Wiesenberg 80.384 100
Mährisch Trübau Genitsch, Mährisch Trübau, Zwittau 80.065 117
Mährisch Weißkirchen Leipnik, Mährisch Weißkirchen 58.647 98
Mistek Frankstadt, Mistek 56.004 121
Neustadtl Bystritz, Neustadtl, Saar 58.442 72
Neutitschein Freiberg, Fulnek, Neutitschein 85.245 170

 

Mährisch Budwitz

Mährisch Budwitz

Mährisch Weisskirchen - k. u. k. Militäranstalten

Mährisch Weisskirchen - k. u. k. Militäranstalten

Mährisch-Schönberg - Schiller-Straße

Mährisch-Schönberg - Schiller-Straße

Mährisch-Ostrau - Kaiser Franz Josef-Gymnasium

Mährisch-Ostrau - Kaiser Franz Josef-Gymnasium

 

Name Gerichtsbezirk Einwohner Dichte
Nikolsburg Nikolsburg, Pohrlitz 49.051 96
Olmütz (Land) Olmütz 81.035 162
Pereau Kojetein, Pereau 78.184 174
Proßnitz Plumenau, Proßnitz 81.473 173
Römerstadt Römerstadt 28.497 75
Sternberg Mährisch Neustadt, Sternberg 62.140 116
Tischnowitz Tischnowitz 35.406 82
Trebitsch Ramiest, Trebitsch 56.543 79
Ungarisch Brod Bojkowitz, Ungarisch Brod, Wall. Klobouk 77.189 79
Ungarisch Hradisch Rapajedl (Ungarisch Hradisch, Ungarisch Ostra 107.015 126
Wall. Meseritsch Roznau, Wall. Meseritsch 50.070 93
Wischau Austerlitz, Butschow, Wischau 97.071 112
Wsetin Wsetin 37.741 81
Znaim Frain, Joslowitz, Znaim 76.207 75

 

Olmütz - Astronomische Uhr während des Glockenspiels

Olmütz - Astronomische Uhr während des Glockenspiels

Mährisch Ostrau - Karolinenschacht

Mährisch Ostrau - Karolinenschacht

Sternberg - Breite Gasse

Sternberg - Breite Gasse

 

 


           

 

 

 


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