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Sarajevo

Stadt in Österreich-Ungarn, Hauptstadt von Bosnien

     

Sarajevo (Sarajewo)

Stadt in Österreich-Ungarn, Hauptstadt von Bosnien

Sarajevo 41.543 Einwohner (1895)

Sarajevo - Quai-Partie

Sarajevo - Quai-Partie

 

 

Sarajevo (türkisch Bosna Saraj) ist die Hauptstadt Bosniens. Sie liegt 15 km von der Mündung der Miljačka in die Bosna sowie an der Bosnabahn (Bosnisch-Brod-Sarajevo) und den Staatsbahnlinien Sarajevo-Mostar-Gravosa und Sarajevo-Uvac (mit 99 Tunnels), malerisch in einer von hohen, zerklüfteten Bergen eingeschlossenen, gegen Westen offenen Mulde gelegen, 450 Meter über dem Meer. Sarajevo ist teilweise befestigt und eine der schönsten und reichsten türkischen Städte. Der christliche Stadtteil in der Ebene besteht aus einer dichten Häusermasse mit geraden Straßen, wogegen die mohammedanischen Bezirke an der Berglehne mit ihren steilen, krummen Gassen und zwischen Gärten zerstreuten Häusergruppen ein treues Bild orientalischer Bauart bieten.

Sarajevo - Ausblick vom Rathaus
Sarajevo
Sarajevo - Rathaus
Sarajevo - Ausblick vom Rathaus Sarajevo Sarajevo - Rathaus


Sarajevo hat 4 katholische, eine evangelische (sämtlich erst nach 1878 erbaut) und 2 griechisch-orientalische Kirchen (darunter die katholische Domkirche in romanisch-gotischem Stil, die Herz-Jesukirche mit schöner Kuppel und die griechisch-orientalische Metropolitankirche), 3 katholische Klöster, 80 Moscheen (von denen die "Kaisermoschee" [Careva Džamia] und die Begova Džamia mit 45 m hohem Minarett die größten, die übrigen unansehnlich sind), 6 mohammedanische Klöster und 3 Synagogen (darunter eine der "sephardischen" Juden). Nennenswerte Bauwerke sind die seit neuester Zeit renovierte alte Feste (mit 3 niedrigen Toren, auf über der Stadt sich erhebendem Felsen), der ehemalige Konak des Gouverneurs, das Palais der Landesregierung, Postdirektionsgebäude, Militärkasino, die neuen Schulgebäude, der Justizpalast, das Rathaus im maurischen Stil, die Landesbank, die erzbischöfliche Residenz, die großen Kasernen, zahlreiche private Neubauten und 10 Brücken. Eine Anzahl neuerbauter Forts umgeben die Stadt. Die Stadt besitzt Wasserleitung, elektrische Beleuchtung und Straßenbahn.

Sarajevo - Franz-Josef-Strasse
Sarajevo - Alifakovacansicht
Sarajevo - Militär-Lager
Sarajevo - Franz-Josef-Straße Sarajevo - Alifakovacansicht Sarajevo - Militär-Lager


Sarajevo hat im Jahr 1895 = 41.543 Einwohner (darunter 17.158 Moslems, 10.672 römische Katholiken, 5858 griechisch-orientalische Christen und 4058 Juden) und mehr als 3000 Mann Militär, lebhaften Handel und eine große Tabakfabrik und erzeugt insbesondere wollene Tücher, Leder, Eisen- und Kupfergeräte, Feuerwaffen, Messerschmiedearbeiten, Säbel etc. Der moderne Geschäftsverkehr konzentriert sich in der großstädtisch angelegten Franz Josephs- und Rudolfsgasse, das öffentliche Leben der Mohammedaner in der aus bunt durcheinander laufenden Gassen bestehenden Caršia (Tscharschia, Markt mit feuersichern Basaren, Werkstätten etc.). Sarajevo ist Sitz der Landesregierung, des 15. Korpskommandos, eines katholischen Erzbischofs, eines griechisch-orientalischen Metropoliten, des Reis ül Ulema sowie der Konsuln aller Großmächte, hat eine Landesbank, ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, eine Handels- und mehrere höhere Mädchenschulen, mehrere geistliche Seminare, ein Militär-Knabenpensionat, 11 Volksschulen, darunter 2 deutsche, 2 Regierungsateliers für Kunstgewerbe und Teppichweberei, ein Handelsmuseum, ein neues großes Landes- und ein Militärspital, ein Theater und einen Stadtpark. In nächster Nähe die kühne, alttürkische Ziegenbrücke (Kozija čupria) über die Miljačka, weiterhin der auf einem Reitweg zu erreichende Gipfel des Trebević (1630 m), mit Touristenhaus, ferner das Bad Ilidže. Ein meteorologisches Observatorium, das einzige auf der Balkanhalbinsel, steht auf der 2067 m hohen Bjelasnica, 29 km (Luftlinie) von Sarajevo.

Sarajevo - Carsija Markt
Sarajevo - Kirche
Sarajevo - Türkinnen auf der Straße
Sarajevo - Carsija Markt Sarajevo - Kirche Sarajevo - Türkinnen auf der Straße


Zur Römerzeit soll hier eine Militärstation gewesen sein; furchtbare Brände (1480, 1644, 1656, 1687 und 1879) haben viel urkundliches Material auch über die spätere Stadtgeschichte vernichtet. Der Türke Kurai Khan, der 1463 Sarajevo eroberte, erbaute auf den Trümmern der Burgfeste Bosnavár (Brhbosna, Barbossame) 1465 eine neue Felsenburg; Moscheen, Bäder, eine Wasserleitung etc. schlossen sich an. Der neue Palast (Seraj) rührt vom ersten Wesir Bosniens, Ghazi Husref Beg (1501–39), her. Die 415 Jahre dauernde Türkenherrschaft wurde im September 1697 durch Eugen von Savoyen nur auf wenige Stunden unterbrochen; erst am 18. August 1878 wurde die Stadt durch den österreichischen Feldzeugmeister Baron Philippovich zurückgewonnen. Von jeher Sitz des bosnischen Grundadels (Beys), war Sarajevo 1850–78 auch Sitz der türkischen Walis (Statthalter). Nach Beendigung der Okkupation und dem Brande von 1879 wurden zufolge des neuen Regulierungsplans massive Steinbauten ausgeführt.

Sarajevo - K. u. k. Militärpost
Sarajevo - Baščaršija
Sarajevo - Kaisermoschee
Sarajevo - K. u. k. Militärpost Sarajevo - Baščaršija Sarajevo - Kaisermoschee

 

 

Sarajevo (Bosnien und Herzegowina)


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