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Österreichisch Schlesien

Herzogtum Schlesien

Landeshauptstadt Troppau

Österreichisch Schlesien - Provinz Schlesien

Fahne - Landesfarben Österreichisch Schlesien

Fahne - Landesfarben Österreichisch Schlesien

Herzogtum Schlesien

Österreichisch Schlesien - Lage in der Donaumonarchie Wappen Herzogtum Schlesien Österreichisch Schlesien  - Karte 1914
Österreichisch Schlesien - Lage in der Donaumonarchie Wappen Herzogtum Schlesien Österreichisch Schlesien  - Karte 1914

 

Österreichisch Schlesien

Österreichisch-Schlesien ist ein Herzogtum und österreichisches Kronland und umfasst denjenigen Teil Schlesiens, der im Breslauer Frieden von 1742 Österreich verblieben ist. Es grenzt im Norden und Westen an Preußisch-Schlesien, im Süden an Mähren und Ungarn und im Osten an Galizien, hat eine Fläche von 5147 km" (93,49 Quadratmeilen) und besteht aus zwei durch mährisches Gebiet getrennten Teilen (dem ehemaligen Troppauer und Teschener Kreis). Das Land ist an der Grenze gegen Mähren und Ungarn gebirgig; es enthält im Westen das Reichensteiner Gebirge, das Altvatergebirge (1490 m) und das Gesenke, Teile der Sudeten, im Osten die zu den Karpathen gehörigen Beskiden (Lissa Hora 1325 m). Bewässert wird es hauptsächlich von der Oder und deren Zuflüssen Oppa (mit der Mohra), Ostrawitza und Olsa, im Osten von der Weichsel und ihren kleinen Zuflüssen. Der gegen Nordosten offenen Lage entspricht ein etwas raues Klima (mittlere Temperatur 8°C). Der Niederschlag hält sich im jährlichen Durchschnitt von 60 cm (Troppau) bis 71 cm (Teschen). Von den Mineralquellen ist der Säuerling in Karlsbrunn der bedeutendste. Bekannt ist auch die Wasserheilanstalt in Gräfenberg. Die Bevölkerung betrug im Jahr 1900 = 680.422 Seelen und hat seit 1890 um 74.773 Bewohner oder 12,35 % zugenommen. Österreichisch-Schlesien ist mit 132 Einwohner/km² nächst Niederösterreich das am dichtesten bevölkerte Land Österreichs. Die Einwohner sind mit 44,7 % Deutsche, mit 55,3 % Slawen (Polen 33,2 %, Tschechen 22,1 %) und bekennen sich, bis auf 91.741 Protestanten (lutherischer Konfession) und 11.988 Juden, zur katholischen Kirche, die hier (abgesehen von dem zur Erzdiözese von Olmütz gehörigen Troppauer Archipresbyterat) unter Leitung eines vom Fürstbischof von Breslau ernannten und vom Kaiser von Österreich bestätigten Generalvikars steht.

Troppau - Oberring mit Schmetterhaus

Troppau - Oberring mit Schmetterhaus

 

 

Österreichisch Schlesien

Geschichte

Ursprünglich war Schlesien von den ostgermanischen Stämmen der Silinger und Lugier bewohnt. Von den wandalischen Silingern leitet sich der heutige Landesname "Schlesien" ab. In der Zeit der Völkerwanderung wanderten die Ostgermanen nach Süden und es siedelten sich in der zweiten Hälfte des 5 Jahrhunderts Slawen in Schlesien an. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts nahmen sie an der Bildung des polnischen Reiches unter Mscislaw I. teil. Der deutsche Kaiser Otto III. gründete im Jahre 1000 das bis 1821 existierende Erzbistums Gnesen. Im 12. Jahrhundert bildete sich aus dem Haus der Piasten eine eigenständige schlesische Herzogs-Herrschaftslinie heraus. Seit sich Herzog Heinrich I. dem Bärtigen (1208-38) gegen Polen stellte, wurde die gezielte Ansiedlung von deutschen Bauern, Handwerkern, Bergleuten und Kaufleuten, die vorrangig aus fränkischen, thüringischen und obersächsischen Gebieten kamen, gefördert. Nachfolgend wurden 1300 - 1500 deutsche Dörfer begründet. 1241 stellte sich, unter Führung des schlesischen Herzogs Heinrich des Frommen, ein deutsch-polnisches Heer aus Rittern und Bauern bei Liegnitz (Schlacht bei Liegnitz) einem eingedrungenen Mongolenheer entgegen und wurde dabei vollständig aufgerieben. Nach 1241 wurde die Gründung von Städten in Angriff genommen, die mit Magdeburgischem Recht ausgestattet wurden. Durch dynastische Aufteilungen gab es 1320 zehn niederschlesische und sieben oberschlesische Fürstentümer, die sich stark nach Böhmen hin orientierten. 1327 erkannten die Piasten  die böhmische Lehnshoheit an. Trotz der Verwüstungen der Hussitenkriege stiegt die wirtschaftliche Bedeutung Schlesien stetig an. Früh schloss sich das Land der Reformation an und behauptete sich auch, nachdem es 1526 für über 200 Jahre mit dem Königreich Böhmen unter Habsburger Herrschaft gekommen war. 1675 nach dem Tode des letzten Piasten wurde Schlesien eine österreichische Provinz. Nach dem ersten Schlesischen Krieg musste Kaiserin Maria Theresia im Frieden von Breslau (1742) Schlesien an König Friedrich II. von Preußen abtreten. Es folgten der zweite und der dritte schlesische Krieg, der 1763 mit dem Frieden von Hubertusburg (bei Leipzig) endete. Schlesien blieb als Provinz bei Preußen, nur ein kleines Gebiet um Troppau und Teschen verbliebt als Herzogtum Schlesien bei Österreich. Nach der Reichsverfassung vom 4. März 1849 wurden die früheren Kreise Troppau und Teschen Mährens zu einem eigenen Kronland erhoben.

Das Herzogtum Schlesien besteht aus zwei getrennten Landesteilen, West-Schlesien und Ost-Schlesien. Es ist das kleinste Kronland. Neben dem Herzogtum Schlesien gab es auch die preußische Provinz Schlesien im Deutschen Kaiserreich.

Troppau - Oberring
Troppau - Schulring
Troppau - Kaiser Josefspark
Troppau - Oberring Troppau - Schulring Troppau - Kaiser Josefspark

 

Österreichisch Schlesien

Daten

Größe: 5.147 km²

Gerichtsbarkeit: Die oberste Instanz der Gerichtsbarkeit ist das Oberlandesgericht in Brünn (Mähren); ihm untersteht das Landesgericht in Troppau und das Kreisgericht in Teschen, diesen wieder 25 Bezirksgerichte.

Einwohner:

1895  1900 1910
634.324 680.422 756.949

 

Gewässer: Mohra, Weichsel, Olsa

Bewohner:

  • Deutsche        325.523
  • Polen              235.224
  • Tschechen      180.348

Bevölkerungsdichte: 147 Einwohner/km² (Volkszählung von 1910)

Bielitz - Stadtberg
Bielitz - Theater-Platz, Kaiser Franz Josef-Straße, Schloßbazar mit Tunnel
Bielitz gegen Süden mit Klimczockgebirge
Bielitz - Stadtberg Bielitz - Theater-Platz, Kaiser Franz Josef-Straße, Schloßbazar mit Tunnel Bielitz gegen Süden mit Klimczockgebirge

 

Religion:

  • römisch Katholisch                641.435
  • Evangelisch A.B./ H.B.          102.072
  • Jüdisch                                    13.442

Die geistliche Organisation umfasst zwei Diözesen: Olmütz und Breslau. Der Fürstbischof von Breslau ernennt einen vom Kaiser zu bestätigenden Generalvikar.

Wirtschaft: Die Landwirtschaft steht auf guter Entwickelungsstufe, bietet aber infolge des rauen Klimas geringeren Ertrag. Von der Bodenfläche kommen 49,4 % auf Ackerland, 7,1 % auf Wiesen und Gärten, 6,2 % auf Hutweiden und 34,2 % auf Waldungen. Hauptfrüchte sind: Getreide (1905: 133.243 metrische  Zentner Weizen, 654.608 metrische Zentner Roggen, 295.980 metrische Zentner Gerste und 572.324 metrische Zentner Hafer), ferner Hülsenfrüchte (49.964 hl), Kartoffeln (4.974.170 metrische Zentner), Zuckerrüben (459.470 metrische Zentner), Futterrüben (600.300 metrische Zentner), Flachs (9989 metrische Zentner), Kraut (41.625 metrische Zentner) und Klee (1.515.407 metrische Zentner). Die Viehzucht steht auf befriedigender Stufe; 1900 wurden 29.609 Pferde, 203.788 Rinder, 9640 Schafe, 25.539 Ziegen, 107.420 Schweine sowie 19.929 Bienenstöcke gezählt. An Käse und Butter werden jährlich ca. 52.000 metrische Zentner erzeugt. Der Bergbau liefert vor allem ausgezeichnete Steinkohlen (1905 im Ostrau-Karwiner Becken 52.05 Millionen metrische Zentner Produktion), außerdem Braunkohlen (11.758 metrische Zentner) und Eisenerz (1981 metrische Zentner); der Hüttenbetrieb ergab 749.703 metrische Zentner Roheisen. Die Zahl der Berg- und Hüttenarbeiter belief sich auf 29.158, der Gesamtwert der Bergbau- und Hüttenproduktion auf 50,4 Millionen Kronen. Von hoher Bedeutung ist die Industrie, die sich durch Umfang und Vielseitigkeit auszeichnet. Nach der gewerblichen Betriebszählung von 1902 gibt es in Österreichisch-Schlesien 1444 Motorenbetriebe mit 77.276 beschäftigten Personen und 92.625 PS. Dem Verkehr dienen 3806 km Landstraßen, 27 km Wasserstraßen und 592 km Eisenbahnen.

Bildungsanstalten sind 7 Obergymnasien, 4 Oberrealschulen, 3 Lehrer- und 2 Lehrerinnenbildungsanstalten, 10 Handelsschulen, eine Staatsgewerbeschule, 6 gewerbliche Fach- und 26 Fortbildungsschulen, 6 landwirtschaftliche Lehranstalten, eine theologische Lehranstalt, 21 Bürgerschulen, 538 öffentliche und 48 private Volksschulen.

Teschen - Schlossgasse
Teschen - Kaiser Franz Josefbrücke mit den Kaseren
Teschen - Kaiser Franz Josef Brücke
Teschen - Schlossgasse Teschen - Kaiser Franz Josefbrücke mit den Kaseren Teschen - Kaiser Franz Josef Brücke

 

Österreichisch Schlesien

Politische Verwaltung und Einteilung

Hauptstadt, Sitz der Landesregierung, des Landtags und Landesausschusses ist Troppau. Das Wappen zeigt in Gold einen gekrönten, goldbewehrten schwarzen Adler mit einem silbernen bekreuzten Kleeblattmond auf der Brust. Die Landesfarben sind Gelb und Schwarz. An der Spitze der Landesregierung steht der Landespräsident. Ihm unterstehen die Bezirkshauptmannschaften und autonomen Gemeinden. Für die autonome Verwaltung besteht der Landtag, bzw. der Landesausschuss mit dem Landeshauptmann an der Spitze. Mitglieder des Landtages sind:

  • der Fürstbischof von Breslau
  •    9 Abgeordnete des Großgrundbesitzes
  • 10 Städtevertreter
  •    2 Abgeordnete der Handelskammer
  •    9 Landgemeindevertreter.

Autonome Städte:

Name Einwohner
Troppau 30.762
Bielitz 18.568
Friedek 9.879

 

Troppau - Goetheplatz

Troppau - Goetheplatz

Troppau - Rathaus

Troppau - Rathaus

Bielitz - Theaterplatz und Fürstliches Schloss

Bielitz - Theaterplatz und Fürstliches Schloss

Troppau - Schlesisches Landesmuseum

Troppau - Schlesisches Landesmuseum

Troppau - Bahnring und Berggasse

Troppau - Bahnring und Berggasse

Bielitz - Hauptstrasse

Bielitz - Hauptstrasse


Bezirkshauptmannschaften:

Name Einwohner
Bielitz Land 82.835
Freistadt Ö.-S. 122.030
Freiwaldau 68.823
Freudental 49.306
Jägerndorf 98.957
Teschen 60.785
Troppau 102.552
Wagstadt 66.990
Friedek 45.462

 

 Freiwaldau - Österreichisch-Schleien

Freiwaldau - Österreichisch Schlesien

Bielitz (Österreichisch Schlesien) - Ringplatz

Bielitz (Österreichisch Schlesien) - Ringplatz
Wagstadt - Ringplatz

Wagstadt - Ringplatz

Jägerndorf - Pfarrkirche und Schwedenmauer

Jägerndorf - Pfarrkirche und Schwedenmauer

  Teschen 1898

Teschen 1898

 

Freiwaldau - Fürstliches Schloss
Freiwaldau - Goldkoppenwarte
Freiwaldau
Freiwaldau - Fürstliches Schloss Freiwaldau - Goldkoppenwarte Freiwaldau

 

Schlesiermarsch

Schlesiermarsch

"A Dir, mei Schles, do hängt mei Herz, denn jede Fräd un jeden Schmerz,

die telst Du treulich a met mir vom erschten Kenderschret bis om

Wag zur Kirchhoftür (G. Willscher, Schlesiermarsch)"

 

Troppau


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