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Reichsunmittelbare Stadt im Kaisertum Österreich, Küstenland
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Reichsunmittelbare Stadt im Kaisertum Österreich, Küstenland
Triest 134.143 Einwohner (1900)![]()
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Trieste - Panorama della Lanterna
Triest (italienisch Trieste, slowenisch Trst), reichsunmittelbare Stadt im österreichisch-illyrischen Küstenland. Sie ist wichtigster Hafen- und Seehandelsplatz in Österreichs, liegt unter 45°38' nördlicher Breite und 13°46' östlicher Länge in reizender Lage terrassenförmig am Fuße des Karstes am nördlichsten Becken des Adriatischen Meeres, dem Golf von Triest, hat mit ihrem Gebiet eine Fläche von 95,23 km² (1,7 Quadratmeilen) und bildet ein selbständiges österreichisches Kronland. Triest besteht aus der Altstadt, die sich von dem mit einem alten Kastell (von 1508 bis 1650) gekrönten, aussichtsreichen Schlossberg westlich bis zum alten Hafen hinzieht und meist unregelmäßige und enge Gassen enthält und der nördlich davon gelegenen Neustadt mit breiten, regelmäßigen Straßen. In die Neustadt tritt der 372 m lange, 28 m breite, 4 m tiefe "große Kanal" ein, über den drei Drehbrücken führen. An die Altstadt schließen sich südwestlich die Josephstadt und weiter die Stadtteile St. Andrea und Chiarbola inferiore, südlich San Giacomo an. Mehrere Vororte, wie Chiarbola superiore (im Südosten), Rozzol und Chiadino (im Osten), Guardiella, Scorcola und Rojano (im Norden), stehen mit der eigentlichen Stadt in unmittelbarem Zusammenhang. Durch Ausführung eines Tunnels unter dem Hügel della Fornace ist eine neue Verbindung der inneren Stadt mit den südlichen und südöstlichen Stadtteilen geschaffen worden. Unter den öffentlichen Plätzen sind hervorzuheben der Große Platz (Piazza Grande) mit der Marmorstatue Karls VI. und dem Maria-Theresiabrunnen (1751), durch eine öffentliche Anlage vom Meere getrennt; der Börsenplatz mit einer Neptunsgruppe aus Marmor und dem 1660 errichteten Standbild Leopolds I.; der Josephsplatz (Piazza Giuseppina) mit dem Monument des Erzherzogs Maximilian, Kaisers von Mexiko (von Schilling, 1875); der Bahnhofsplatz mit Gartenanlage und dem Denkmal der 500jährigen Zugehörigkeit Triests zu Österreich (1888); der Postplatz, die Piazza Goldoni, der mit einem Square besetzte Leipziger Platz, die Piazza San Giovanni mit dem Denkmal Verdis (1906) etc.
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| Trieste - Plazza della Borsa e Restaurant Dreher | Trieste - Panorama - Colle di S. Giusto |
Von den Straßen sind der Corso, der die Altstadt von der Neustadt trennt, die Via Carducci und Via dell' Acquedotto (mit schöner Allee, besuchter Spaziergang), die zum Giardino pubblico führende Via Stadion mit dem Denkmal Rossettis sowie die Kais am belebtesten und schönsten. Unter den Kirchen ist die hervorragendste der Dom San Giusto, der sich südwestlich vom Kastell erhebt und 1385 durch Vereinigung dreier Bauwerke aus dem 5. und 6. Jahrhundert, einer altchristlichen Basilika, eines Baptisteriums und einer kleinen byzantinischen Kuppelkirche, hergestellt wurde. Er ist im Innern fünfschiffig, hat Säulen mit romanischen Kapitellen, eine moderne Chorapsis, ein Mosaikbild aus dem 13. Jahrhundert, am Portal römische Reliefbüsten und am Glockenturm römische Säulen. Erwähnenswerte gottesdienstliche Gebäude sind ferner die 1627 erbaute Jesuitenkirche Santa Maria Maggiore, mit Fresken von Sante, die 1830 von Nobile im griechischen Stil erbaute Kirche Sant Antonio Nuovo am Ende des Großen Kanals, die im Innern reich ausgestattete griechische Kirche San Niccolo (1782), die neue serbische Kirche, die evangelische Kirche (1875) im gotischen Stil, die englische Kapelle und zwei größere Synagogen. Unter den weltlichen Gebäuden sind hervorzuheben das im italienischen Renaissancestil erbaute Rathaus (1874), das Tergesteum (1840), im Innern mit Glasgalerie, Versammlungsort der Börse; das alte Börsengebäude im dorischen Stil (1802), jetzt Sitz der Handels- und Gewerbekammer, der 1883 nach Ferstels Plänen erbaute Palast des Österreichischen Lloyd und das gegenüberliegende neue Statthaltereigebäude, das Gebäude der nautischen Akademie, das neue Postgebäude, der Palast Revoltella (jetzt der Stadt gehörig), der Palast Carciotti, das Stadttheater, das große Politeama Rossetti etc.
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| Trieste - Piazza Giuseppina col monumento all' Imperatore Massimiliano | Trieste - Municipio |
Von Altertümern sind zu erwähnen, die Überreste eines römischen Amphitheaters und einer römischen Wasserleitung (Arco di Riccardo, aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.). Die Zahl der Einwohner beträgt im Jahr 1900 mit dem Militär (1953 Mann) 134.143, mit den 13 Vororten und den zum Gebiet von Triest gehörigen 11 Dörfern 178.599, die überwiegend der italienischen Nationalität (24.679 Slowenen, 8880 Deutsche) und der katholischen Religion angehören (1792 Evangelische, 1378 Griechisch-Orientalische, 4954 Israeliten). Die Industrie umfasst an größeren Fabriken das ausgedehnte Arsenal des Österreichischen Lloyd, die Schiffbauanstalt des Stabilimento tecnico Triestino (auch für Kriegsschiffe), eine Hochofenanlage (Servola), mehrere Maschinen- und Metallwarenfabriken, zwei Reisschälfabriken, eine Fabrik chemischer Produkte, eine Mineralölraffinerie, mehrere Fabriken vegetabilischer Öle, eine Kaffeeschälfabrik, eine Spielkarten-, eine Zigarettenpapier-, eine Linoleum-, eine Jute-, eine Kork-, eine Seilfabrik, 2 Bierbrauereien, mehrere Fabriken für Farben, Zeresin, Seifen und Kerzen, Spiritus, Fischkonserven, Teigwaren, Kanditen und Schokolade, Papierwaren, Kunsteis, Briketts, Asphalt-, Zement- und Steinwaren, ein Elektrizitätswerk und eine Gasanstalt. Die Umgebung von Triest produziert vorzüglichen Wein, Obst, Getreide, Öl und Steine. Seine eigentliche Bedeutung verdankt Triest aber dem Handel.
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| Trieste - Canal grande | Trieste - Molo Audace |
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| Trieste - S. Glusto | Trieste - Leuchtturm |
An Eisenbahnverbindungen besitzt Triest die Südbahnlinie, die sich in Nabresina in die Linie nach Wien, anderseits in die Linie über Cormons nach Italien teilt, ferner die neue Staatsbahnlinie Triest-Aßling, welche die kürzeste Verbindung mit dem Innern Österreichs und Süddeutschlands bildet, schlussendlich die Staatsbahnlinien Triest-Pola und Triest-Parenzo. Unter den zahlreichen Handels- und Verkehrsinstituten behauptet den ersten Platz der 1836 errichtete Österreichische Lloyd, der über eine aktive Handelsflotte von 69 Dampfern mit 200.000 Tonnen Gehalt und 146.800 Pferdekräften verfügt. Die wichtigsten Kreditanstalten sind die Triester Kommerzialbank, die Volksbank, die städtische Sparkasse, dann die Filialen der Österreichisch-Ungarischen Bank, der Kreditanstalt, der Unionbank, der Anglo-Österreichischen Bank u. a. Auch ist Triest der Sitz mehrerer Versicherungsanstalten, darunter die Assicurazioni generali und Riunione Adriatica di sicurtà, sowie einer Arbeiterunfallversicherungsanstalt. Ferner besitzt Triest eine Handels- und Gewerbekammer und eine Börse. Von Wohltätigkeitsanstalten sind hervorzuheben ein großes städtisches Krankenhaus und ein Infektionsspital, ein Militärspital, eine Gebäranstalt, eine neue Irrenanstalt (mit 29 Gebäuden für 480 Kranke), ein Armeninstitut, 2 Waisenhäuser, 2 Versorgungsanstalten u. a. Das Seelazarett befindet sich in dem südlich bei Muggia gelegenen Valle San Bartolommeo. An Unterrichtsanstalten besitzt die Stadt eine Handels- und nautische Akademie und eine Handelshochschule (Stiftung Revoltella), 2 Obergymnasien und 2 Oberrealschulen (je eine staatliche deutsche und eine städtische italienische Anstalt), eine Staatsgewerbeschule, eine Hebammenlehranstalt, ein städtisches Mädchenlyzeum, schlussendlich 8 Bürger- und 44 öffentliche und 12 private Volksschulen.
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| Trieste - Interno della Galleria di Montuzza | Trieste - Piazza Carlo Goldoni e Galleria di Montuzza |
An Museen und anderen Sammlungen befinden sich in Triest ein städtisches Altertumsmuseum, insbesondere mit Funden aus Aquileja; das Museo lapidario, gleichfalls mit römischen Antiquitäten und dem 1823 errichteten Marmordenkmal Winckelmanns; ein städtisches Kunstmuseum im Palast Revoltella mit Gemälden und Skulpturen; ein städtisches naturhistorisches Museum, das unter anderem eine Fauna des Adriatischen Meeres enthält; ein Aquarium mit zoologischer Station (in St. Andrea); ein astronomisches und meteorologisches Observatorium; eine städtische Bibliothek mit 100.000 Bänden; ein hydrographisches Institut der Kriegsmarine mit Sternwarte. In Triest erscheinen 53 meist italienische Zeitungen. Die Stadt ist Sitz der Statthalterei des Küstenlandes, einer Polizeidirektion, des Stadtmagistrats, der Seebehörde, eines Hafen- und Seesanitätskapitanats, des Oberlandes- und Landesgerichts, des Handels- und Seegerichts, der Finanz-, der Post- und Telegraphendirektion, einer Staatsbahndirektion, ferner eines Bischofs, eines Brigade- und eines Seebezirkskommandos sowie zahlreicher Konsulate fremder Staaten (darunter auch eines deutschen). Der Bürgermeister von Triest führt den Titel Podesta und ist zugleich Präsident des Landtags (Landeshauptmann); der Triester Stadtrat (54 Mitglieder) fungiert zugleich als Landtag. Triest besitzt 5 Theater, mehrere Seebadeanstalten, eine Trinkwasserleitung, ein Schlachthaus und eine elektrische Stadtbahn (16,2 km Länge).
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| Trieste - Piazza del Ponterosso | Trieste - Opcina - Obolisco |
Die Umgebung der Stadt enthält zahlreiche schöne Landhäuser. Über dem beliebten Vergnügungsort Boschetto befinden sich die aussichtsreichen Villen Ferdinandeo und Revoltella; hoch über Triest an der Eisenbahnlinie Triest-Aßling, mit der Stadt durch eine 6,2 km lange elektrische Bahn (davon 0,8 km Zahnstangen strecke) verbunden, liegt das Dorf Opcina (354 Meter über dem Meer mit 1605 Einwohnern) mit Aussichtswarte, Hotel und herrlichem Überblick über Stadt und Meer; östlich das k. k. Hofgestüt Lipizza. Am nördlichen Meeresstrand liegen der Küstenort Barcola an der elektrischen Straßenbahn mit Seebadeanstalt und 2060 Einwohner und das Schloss Miramar, südlich (gleichfalls durch elektrische Bahn mit Triest verbunden) Servola mit Industrieetablissements und 3634 Einwohnern.
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| Trieste - Miramar | Trieste - Castello Miramare |
Triest (Tergeste) entstand als römische Kolonialstadt
etwa im 2. Jahrhundert v. Chr., wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. von Japyden
verwüstet und erst von Octavian Augustus neu befestigt. Frühzeitig drang
hier das Christentum ein; mit Frugifer beginnt im 6. Jahrhundert die Reihe
der sicher überlieferten Bischöfe; im 10. Jahrhundert wurden die Bischöfe
die Herren von Triest und Gebiet. Erst am Ende des 13. Jahrhunderts gelang
es der Kommune, dem Bischof die wichtigsten Hoheitsrechte teils abzuringen,
teils abzulösen. Doch befand sie sich, im wechselnden Kampf um ihre Selbständigkeit
Venedig gegenüber, in einer schwankenden Stellung zum Patriarchen von
Aquileja als "Markgrafen von Istrien"
und zu dessen Vögten, den Grafen von Görz. als "Grafen
von Istrien". Nach dem großen venezianischen Krieg von 1379–81 unterwarf
es sich freiwillig 1382 dem Herzog Leopold III. von Österreich und blieb
fortan unter dessen Herrschaft, mit Ausnahme der Zeit von 1797–1805, in
der es die Franzosen besetzt hielten, und von 1809–13, in der es zu der
illyrischen Provinz Frankreichs gehörte. Die Stadt wurde nun bald die glückliche
Rivalin Venedigs und, besonders seitdem Kaiser
Karl VI. sie 1719 zum Freihafen erklärt, die Beherrscherin des Adriatischen
Meeres. 1818 wurde Triest dem deutschen Bundesgebiet (Deutscher
Bund) einverleibt. Durch kaiserliches Dekret vom 2. Oktober 1849 wurde
die Stadt nebst Gebiet zur reichsunmittelbaren Stadt erhoben. Nach der Dezemberverfassung
von 1867 bildet Triest samt Territorium ein eignes
Kronland. In neuester Zeit entstand seiner
kommerziellen Bedeutung in dem nahen Fiume ein
gefährlicher Rivale. Im Juli 1891 wurde der Freihafen aufgehoben und die
Stadt in das österreichisch-ungarische Zollgebiet einbezogen.

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