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Fürstentum Liechtenstein

Grafschaft Schellenberg und Herrschaft Vaduz mit der Landeshauptstadt Vaduz

 in zeitgenössischen Postkarten und Texten um das Jahr 1900

 Fürstentum Liechtenstein - Lagekarte 1914  Landesfarben - Fahne Fürstentum Liechtenstein (1852-1921)  Fürstentum Liechtenstein - Landkarte 1914
Fürstentum Liechtenstein - Lagekarte 1914 Landesfarben - Fahne Fürstentum Liechtenstein (1852-1921) Fürstentum Liechtenstein - Landkarte 1914

Vaduz (Liechtenstein)

Vaduz (Liechtenstein)

 

Wappen: Geviert mit unten eingepfropfter Spitze und Herzschild. Herzschild: von Gold über Rot quergeteilt (Liechtenstein).

1) In Gold ein schwarzer gekrönter Adler mit einem silbernen, mit einem Kreuze besetzten Halbmond auf der Brust (Schlesien).

2) Von Gold und Schwarz achtfach quergestreift, mit grünem Rautenkranz schräg überlegt (Khuenring).

3) Von Rot und Silber gespalten (Herzogtum Troppau).

4) In Gold ein gekrönter schwarzer Jungfernadler (Ostfriesland).

5) (In der Spitze.) In Blau ein goldenes Jagdhorn (Jägerndorf).

 

Landesfarben: Blau, Rot.

 

Fürstentum Liechtenstein

Liechtenstein ist ein souveränes Fürstentum, nach Monaco und San Marino der kleinste Staat Europas. Es liegt zwischen 47°3´ und 47°14´ nördlicher Breite und zwischen 9°29´ und 9°38´ östlicher Länge, umfasst den westlichen Abhang des Rätikon zum Oberlauf des Rhein, wird von Vorarlberg im Osten und Norden, von den Schweizer Kantonen Graubünden im Süden und St. Gallen im Westen begrenzt und hat eine Fläche von 159 km (2,9 Quadratmeilen). Die höchste Erhebung ist der Naafkopf (2573 m) an der Südgrenze. Das Land wird vom Rhein (Grenzfluss zur Schweiz) und der Samina (Nebenfluss der Ill) bewässert und hat ein mildes Klima.  Bis 1866 ein Glied des Deutschen Bundes, ist Liechtenstein seitdem selbständig, steht aber in mehrfacher Beziehung unter österreichischem Einfluss.

 

Hauptort Vaduz

Vaduz ist Marktflecken und Hauptort des Fürstentums Liechtenstein. Er liegt 460 Meter über dem Meer, nahe dem rechten Ufer des Rheins, 4 km südlich von der Station Schaan-Vaduz der österreichischen Staatsbahnlinie Feldkirch-Buchs. Der Ort ist Sitz der fürstlichen Regierung und des Landtags, hat eine gotische Kirche, ein neues Amtsgebäude, eine Realschule, ein Landgericht, Weinbau, Baumwollspinnerei und Weberei, Elektrizitätswerk, Armenanstalt und 1200 katholische Einwohner. Oberhalb Vaduzs auf vorspringender Felsterrasse liegt das Schloss Vaduz (Hohen-Liechtenstein), ferner der schön gelegene Höhenkurort Gaflei (1500 m ü. M.), von wo der Fürstenweg zu der aussichtsreichen Kuhgratspitze (2124 m) und zu den Drei Schwestern (2097 m) führt.

Vaduz - Regierungsgebäude
Liechtensteins letzter Soldat im Alter von 95 Jahren
Schloss Vaduz (nordöstlich) Liechtenstein
Vaduz - Regierungsgebäude Liechtensteins letzter Soldat im Alter von 95 Jahren Schloss Vaduz (nordöstlich) Liechtenstein

 

Geschichte des Fürstentums Liechtenstein

Das fürstliche, vormals gräfliche Haus Liechtenstein, eins der ältesten Geschlechter Österreichs, ist schon um 1130 urkundlich nachweisbar und teilte sich im 13. Jahrhundert in zwei Linien, die steirische, Liechtenstein-Murau, und die mährische, Liechtenstein-Nikolsburg. Die erstere, welcher der Minnesinger Ulrich von Liechtenstein (1200–1275) angehörte, starb 1619 aus. Von der Linie Liechtenstein-Nikolsburg stifteten Hartmanns IV. Söhne Karl und Gundakar, von denen der erste 1618, der zweite 1623 in den Fürstenstand erhoben wurde, zwei nach ihnen benannte Linien. Karl erwarb 1614 das Fürstentum Troppau und 1623 Jägerndorf (Österreichisch-Schlesien). Sein Enkel Johann Adam Andreas erkaufte 1699 von den Grafen von Hohenems die reichsunmittelbare Herrschaft Vaduz und Schellenberg und erhielt für ein dem Kaiser gemachtes unverzinsliches Darlehen von 250.000 Gulden eine Stimme auf der Fürstenbank des schwäbischen Kreises. Mit ihm erlosch 1712 die ältere Karlsche Linie im Mannesstamm, worauf Vaduz und Schellenberg an den Fürsten Joseph Wenzel Lorenz von der Gundakarschen Linie kam. Diesem kaufte seines Vaters Bruder, Anton Florian, 1718 Vaduz und Schellenberg ab, und Kaiser Karl VI. erhob diese Herrschaften 1719 unter dem Namen Liechtenstein zu einem unmittelbaren Reichsfürstentum, daher sein Sohn Johann Joseph Adam 1723 für sich und seine männlichen Nachkommen auch auf dem Reichstag Sitz und Stimme erhielt. Als sein Sohn Johann Nepomuk Karl 1748 ohne männliche Erben starb, erbte Fürst Joseph Wenzel das Majorat und die Güter des Hauses. Nach dessen kinderlosem Ableben fielen 1772 seine Besitzungen an die Söhne seines Bruders Emanuel, Franz Joseph und Karl Borromeus, welche die beiden jetzt blühenden Linien des Hauses Liechtenstein stifteten. Die ältere besitzt das Fürstentum Liechtenstein nebst dem größten Teil der Güter in Österreich und Schlesien, die jüngere, Kromauer Linie ist im Besitz des Karlschen Majorats als Sekundogenitur. Fürst Johann Joseph (1760-1836) zeichnete sich 1788 im Türkenkrieg und als österreichischer Feldmarschall in den Kriegen gegen Napoleon I. aus. Letztmalig Krieg herrsche im Jahr 1799, als die Franzosen das vorarlbergische Feldkirch belagerten. Auf Franz Joseph († 1781) folgte Alois Joseph bis 1805, dann Johann Joseph, diesem am 20. April 1836 sein Sohn Alois (* 26. Mai 1796, † 12. November 1858) und diesem sein Sohn Johann II., geboren am 5. Oktober 1840. Im Besitz der Sekundogenitur war Prinz Karl, geboren 23. Oktober 1790, Obersthofmeister des Kaisers von Österreich und General der Kavallerie, † 7. April 1865, dann Prinz Karl Rudolf, geboren am 19. April 1827, k. k. Kämmerer und Oberstleutnant, † 16. Januar 1899; sein Erbe wurde sein einziger Bruder, Fürst Rudolf (* 18. April 1838). Von 1806-15 war Liechtenstein im Rheinbund, 1815 bis 1866 Mitglied im Deutschen Bund. Seit 1866 ist das Fürstentum ein souveränes Staat, bildete von 1876 bis 1918 mit Vorarlberg ein gemeinsames Zoll- und Steuergebiet und war politisch eng mit der österreichisch-ungarischen Monarchie verbunden. Die Verfassung von 1862 ist eine konstitutionell monarchische; der Landtag besteht aus 15 Mitgliedern, 3 wurden durch den Fürsten ernannt, die übrigen gingen aus indirekten Wahlen hervor.

 

Vaduz (Liechtenstein)
Schloss Vaduz (Liechtenstein)
Vaduz (Liechtenstein)
Vaduz (Liechtenstein) Schloss Vaduz (Liechtenstein) Vaduz (Liechtenstein)

 

Fürstentum Liechtenstein

Daten

Hauptstadt: Vaduz (1876: 921 Einwohner)

Größe: 160 km² (Nord-Süd-Ausdehnung 25 km, West-Ost-Ausdehnung 12 km), höchster Berg ist der Vorder-Grauspitz mit 2599 m.

Einwohner: Die Bevölkerung belief sich 1901 auf 9477 deutsche, katholische Einwohner (4587 männliche, 4890 weibliche), so dass 59 auf 1 km² kommen.

1876 1901 1916
 8.664 9.477 11.110

 

Vaduz (Liechtenstein)
Liechtensteinisches Landeswappen
Schloß Vaduz (Liechtenstein) mit den Schweizer Bergen
Vaduz (Liechtenstein) Liechtensteinisches Landeswappen Schloß Vaduz (Liechtenstein) mit den Schweizer Bergen


Gerichtswesen: Bis 1921 ist die höchste Justizbehörde das Oberlandesgericht in Innsbruck (Tirol).

Militär: Das Militär wurde 1868 aufgelöst und die Bevölkerung von der Wehrpflicht entbunden.

Nationalfeiertag ist der 23. Januar (Jahr 1719 - Unabhängigkeitstag).

Wirtschaft:  Die Haupterwerbsquelle ist die Landwirtschaft. Der Viehstand beläuft sich (1876) auf 350 Pferde, 5300 Rinder, 1100 Schafe, 2000 Ziegen und 1700 Schweine. Als Alpenland besitzt Liechtenstein vorzügliche Weiden und große Wälder. Etwas Weinbau am Rhein. An Unterrichtsanstalten bestehen 33 Volksschulen und eine Unterrealschule (in Vaduz). Die Erwerbsquellen sind namentlich Viehzucht, ferner Getreide-, Obst- u. Weinbau. Die Berge sind mit Wäldern (4700 Hektar) bedeckt. Die Industrie umfasst Holzbearbeitung, Baumwollspinnerei und -Weberei, Maschinenstickerei und Bierbrauerei.

 

Fürstentum Liechtenstein

Währungen und Münzen

bis 1923 ab 1924
1 Österreichische Krone = 100 Heller 1 Schweizer Franken = 100 Rappen
Liechtenstein 20 Kronen (1893) Liechtenstein 10 Franken (1930)
Liechtenstein 20 Kronen (1893) Liechtenstein 10 Franken (1930)

 

Fürstentum Liechtenstein

Postwesen und Briefmarken

Seit 1850 wurden im Fürstentum die Briefmarken Österreichs verwendet. Am 1. Februar 1912 erschienen die ersten liechtensteinischen Briefmarken der k. k. österreichischen Post. Die österreichische Posthoheit endete am 1. März 1920. Am 1. Februar 1921 trat das Postabkommen mit der Schweiz in Kraft. Der Schweizer Franken (= 100 Rappen) ersetzte die österreichische Währung (Krone/Heller).

5, 10, und 25 Heller K. K. Österr. Post im Fürstentum Liechtenstein
Fürstlich Liechtensteinische Post (1920)
Fürstentum Liechtenstein - Neue Währung Franken
5, 10, und 25 Heller K. K. Österr. Post im Fürstentum Liechtenstein Fürstlich Liechtensteinische Post (1920) Ab 1.2.21 neue Währung: 1 Franken = 100 Rappen

 

Fürstentum Liechtenstein

Regenten

Regentschaft Name Lebensdaten
1608 - 1627  Fürst Karl I. 1608 - 1627
1627 - 1684 Fürst Karl Eusebius 1611 - 1684
1699 - 1712 Fürst Hans-Adam I. 1657 - 1712
1712 - 1718
1732 - 1745
1748 - 1772
Fürst Josef Wenzel 1696 - 1772
1718 - 1721 Fürst Anton Florian  1656 - 1721
1721 - 1732 Fürst Josef Johann Adam 1690 - 1732
1732 - 1748 Fürst Johann Nepomuk Karl 1724 - 1748
1772 - 1781 Fürst Franz Josef I. 1726 - 1781
1781 - 1805 Fürst Alois I. 1759 - 1805
1805 - 1836 Fürst Johann I. 1760 - 1836
1836 - 1858 Fürst Alois II. 1796 - 1858
1858 - 1929 Fürst Johann II. 1840 - 1929
1929 - 1938 Fürst Franz I. 1853 - 1938
1938 - 1989 Fürst Franz Josef II. 1906 - 1991
1989 Fürst Hans-Adam II. 1945


 

Garsellen-Kopf - Liechtenstein
Fürstensteig - Liechtenstein
Garsellen-Kopf - Liechtenstein Fürstensteig - Liechtenstein

 

Fürstentum Liechtenstein 

Politische Verwaltung und Einteilung:

Die Verfassung des Fürstentums ist konstitutionell-monarchisch und beruht auf der Verfassungsurkunde vom 26. Sept. 1862, die 1878, 1895 und 1901 teilweise abgeändert ist. Der Fürst, dessen Thron im Mannesstamm (Primogenitur) des fürstlich Liechtensteinschen Hauses erblich ist, übt die gesetzgebende Gewalt unter der Mitwirkung des Landtags aus. Dieser  besteht aus 15 Mitgliedern, wovon 3 vom Fürsten ernannt, 12 durch indirekte Wahl nebst 5 Ersatzmännern auf 4 Jahre gewählt werden. Zur Wahlberechtigung und Wählbarkeit ist das zurückgelegte 24. Lebensjahr erforderlich. Der Landtag wird vom Fürsten jährlich einmal in Vaduz einberufen. Als Verwaltungsbehörde fungiert die fürstliche Regierung in Vaduz mit dem Landesverweser als Chef und die politische Rekursinstanz in Wien; außerdem besteht ein Landesschulrat und eine fürstliche Domänenverwaltung. 1903 beliefen sich die Einnahmen auf 835.629 Kronen, die Ausgaben auf 820.810 Kronen. Eine Staatsschuld fehlt. Die Rechtspflege wird vom Landgericht in Vaduz ausgeübt; als zweite Instanz fungiert das fürstliche Appellationsgericht in Wien, als dritte Instanz das k. k. Oberlandesgericht in Innsbruck. In kirchlicher Beziehung gehört Liechtenstein zur Diözese Chur. Bezüglich der Zölle, der Verzehrungssteuer und des Tabakmonopols bildet Liechtenstein seit dem 1852 mit Österreich abgeschlossenen Zollvertrag ein gemeinsames Zoll- und Steuergebiet mit Vorarlberg. Das Postregal wird gleichfalls von Österreich ausgeübt. Maße und Gewichte sind die metrischen, Landeswährung ist die Kronenwährung. Das Landeswappen enthält fünf Felder und einen Mittelschild; die Landesfarben sind Blau und Rot. Hauptort des Fürstentums ist Vaduz.

Das Fürstentum besteht aus der Grafschaft Schellenberg im Norden und der Herrschaft Vaduz im Süden.
Gemeinden: Balzers, Eschen, Gampril, Mauren, Planken, Ruggell, Schaan, Schellenberg, Triesen, Triesenberg, Vaduz 


Das Fürstentum Liechtenstein nach 1918:

1919 Kündigung des Zollvertrages mit Österreich.
1921 Einführung einer neuen Landesverfassung (konstitutionelle Monarchie mit demokratisch-parlamentarischer Regierungsform). Staatsoberhaupt ist der regierende Fürst. Die 25 Abgeordneten des Landtags (Parlament) werden auf 4 Jahre gewählt.
1923/24 Zoll- und Währungsunion mit der Schweiz.
Herbst 1927 Das Rheinhochwasser im Herbst 1927 überschwemmte mehr als die Hälfte des Fürstentums.
1938 Fürst Franz Josef II siedelt von Wien nach Vaduz über.
1939 Der Putsch der "Volksdeutschen Bewegung in Liechtenstein" scheitert.
1939-45 Während des II. Weltkrieges verhält sich Liechtenstein strikt neutral.
1986 Einführung des Frauenwahlrechts.
1990 UN-Mitgliedschaft
 

Landesflagge Fürstentum Liechtenstein seit 1982

Landesflagge Fürstentum Liechtenstein seit 1982

Portal des Fürstentums Liechtenstein

 

Fürstentum Liechtenstein


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Fürstentum Liechtenstein

Wappen

(Darstellung des großen Staatswappens auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung der Regierungskanzlei der Liechtensteinischen Landesverwaltung.)

 

 

 



 


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