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Magdeburg

Hauptstadt der preußischen Provinz Sachsen

Provinz Sachsen - Magdeburg - S.M.S. Magdeburg (1) - S.M.S. Magdeburg (2)

Magdeburg, Stadtkarte 1918

Magdeburg, Stadtkarte 1918

Magdeburg

Hauptstadt der Provinz Sachsen, Königreich Preußen

Magdeburg 240.661 Einwohner - 1905 = 14. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Magdeburg - Breiteweg

Magdeburg - Breiteweg

 

 

Magdeburg ist die Hauptstadt der preußischen Provinz Sachsen sowie des gleichnamigen Regierungsbezirks, Stadtkreis und Festung. Die Stadt liegt am Nordende der fruchtbaren Magdeburger Börde und an der Elbe, die sich hier in drei Arme, die Strom-, Zoll- und Alte Elbe, teilt, 54 Meter über dem Meer. Es besteht aus der Altstadt, der Wilhelmstadt, der Sudenburg und den früher selbständigen, seit 1886 und 1887 mit dem Stadtgebiet vereinigten Städten Neustadt und Buckau am linken Elbufer sowie der Zitadelle und dem Werder auf den Inseln in der Flussteilung und der, von König Friedrich Wilhelm I. 1731 gegründeten Friedrichstadt am rechten Ufer der Alten Elbe.
An Behörden befinden sich in Magdeburg das Oberpräsidium, der Provinzialrat, ein Konsistorium mit 2 Generalsuperintendenten, das Provinzialschul- und Medizinalkollegium, die Provinzialsteuerdirektion, das Landesmeliorationsbauamt, die Eichungsinspektion für die Provinz Sachsen, eine königliche Regierung, ein Hauptsteueramt, eine Oberpostdirektion, eine Eisenbahndirektion, Forstinspektionen, die Elbstrombauverwaltung, Handelskammer, Handwerkskammer, ein königliches Polizeipräsidium, ein Landgericht etc.; ferner das Generalkommando des 4. Armeekorps, die Stäbe der 7. Division, der 13. Infanterie-, der 7. Kavallerie-, der 7. Feldartillerie- und der 4. Gendarmeriebrigade. Die städtischen Behörden bestehen aus 26 Magistratsmitgliedern und 72 Stadtverordneten. Die ordentlichen Ausgaben der Stadtverwaltung beliefen sich 1903/04 auf 11.345.146 Mark, die städtischen Schulden auf 48,1 Millionen Mark.

Magdeburg
Magdeburg - Breiteweg
Magdeburg Magdeburg - Breiteweg

 

Durch die Abtragung der bei der nach 1866 erfolgten Erweiterung der Festung von der Stadtgemeinde angekauften alten Festungswerke ist im Süden und Westen ein Raum gewonnen worden, der ungefähr der Hälfte des ganzen alten bebauten Terrains der Altstadt gleichkommt. Auf diesem ist ein neuer Stadtteil entstanden, der vorzüglich an der breiten und vornehmen Kaiserstraße und Augustastrasse mit sehr eleganten Bauten besetzt ist. Ein Teil der alten Festungswerke und Glacis ist in Promenaden und parkartige Anlagen umgewandelt worden, von denen besonders der Friedrich Wilhelms-Garten, an der Stelle des 968 gegründeten, 1809 aufgehobenen, 1813 von den Franzosen geschleiften Klosters Berge gelegen, der neugeschaffene Luisengarten mit dem Denkmal der Königin Luise, die ehemalige Bastion Kleve mit dem schönen Kriegerdenkmal sowie dem 1892 errichteten Friesendenkmal und der Fürstenwall sich auszeichnen. Eine weitere Entwickelung der Stadt ist dadurch ermöglicht, dass 1888 die ausgedehnten Festungswerke im Norden (die Nordfront) aufgegeben und ein weites Baugelände an die Stadt verkauft ist. Die ehemaligen Festungstore sind jetzt alle beseitigt. Der früher wenig angenehme Eindruck der alten Stadtanlage mit allen ihren winkligen und engen Gassen, die auch nach dem Brand von 1631 beibehalten wurde, ist durch Verbreiterung der Straßen und Anlage neuer Straßenzüge wesentlich gebessert.


Magdeburg - Artillerie-Denkmal in der Friedrichstadt
Magdeburg - Kaiser-Otto-Denkmal
Magdeburg - Denkmal Otto von Guericke
Magdeburg - Artillerie-Denkmal in der Friedrichstadt Magdeburg - Kaiser-Otto-Denkmal Magdeburg - Denkmal Otto von Guericke


Hauptverkehrsader ist der Breite Weg mit seinen leider immer mehr verschwindenden, prächtigen Giebelhäusern. Von Plätzen sind hervorzuheben der Neue Markt oder Domplatz, der Alte Markt, der Hasselbachplatz und der Kaiser Wilhelms-Platz. Auf dem an den Alten Markt stoßenden kleinen Platz vor der Hauptwache steht die 1857 errichtete Bronzestatue des früheren Oberbürgermeisters Franke; den Alten Markt selbst ziert das merkwürdige Reiterstandbild Kaiser Ottos I. Den Hasselbachplatz ziert ein schöner, zu Ehren des Oberbürgermeisters Hasselbach 1890 errichteter Monumentalbrunnen (von Hundrieser und Bergmeier), auf dem Kaiser Wilhelms-Platz erhebt sich seit 1897 das Reiterstandbild des Kaisers Wilhelm I. (von Siemering). Außer den bereits genannten Denkmälern sind noch vorhanden das Denkmal Otto von Bismarcks auf dem Bismarckplatz, das Kriegerdenkmal in der Neustadt, das Artilleriedenkmal "Bombardier von Magdeburg" für die im Deutschen Krieg 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 Gefallenen (von Bauer) in der Friedrichstadt, das Basedowdenkmal im Hofe des Hospitals St. Annen, das Gutenbergdenkmal in der Nordfront, das Immermanndenkmal beim Stadttheater und das Koszlowskidenkmal bei der Strombrücke. Vor dem neuen Museumsgebäude steht ein Reiterstandbild Kaiser Friedrichs III. und auf dem Platze vor der ehemaligen Hauptwache ein Denkmal Ottos von Guerickes.

Magdeburg - Bismarckdenkmal
Magdeburg - Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Magdeburg - Bismarckdenkmal Magdeburg - Kaiser-Wilhelm-Denkmal



Die zahlreichen Kirchen, 1905 insgesamt 16 evangelische und 4 katholische Kirchen, außerdem eine Synagoge, überragt sämtlich der erhabene Dom, ein Bauwerk gotischen Stils, aber noch erfüllt von romanischen Bildungen. Das jetzige Gebäude wurde nach dem Brand des von Otto dem Großen erbauten Doms 1207 auf derselben Stelle begonnen; der älteste Teil, das hohe Chor, enthält noch antike Säulen aus dem früheren Dom. Traditionell wird als Baumeister Bonensack genannt. 1363 erfolgte die Einweihung durch Erzbischof Dietrich, aber erst 1520 waren auch die Türme vollendet. Der Grundriss des Gebäudes zeigt das von Westen nach Osten gerichtete lateinische Kreuz; die ganze Länge beträgt 120 Meter, die innere Länge 114,8 Meter. Mit den beiden je 9,4 Meter breiten-Nebenschiffen beträgt die ganze lichte Breite 31,4 M, ebenso viel wie die Höhe des Hauptschiffes, das von zwölf gewaltigen Pfeilern getragen wird und den erhabensten Eindruck von der Kapelle unter den Türmen aus gewährt. Die beiden westlichen Haupttürme haben eine Höhe von 104,6 Meter; der südliche entbehrt noch der 1540 vom Blitz herab geworfenen, die Spitze bildenden steinernen Kreuzblume. Im Chor deckt eine Marmorplatte den Sarg Ottos des Großen, ein steinernes Grabdenkmal des 15. Jahrhundert bezeichnet die Ruhestätte seiner Gemahlin Editha; eine Hauptzierde der Kirche ist das Grabmal des Erzbischofs Ernst (gest. 1513), dessen Seitenwände die Gestalten der zwölf Apostel schmücken, eins der Meisterwerke Peter Vischers, von ihm noch bei Lebzeiten Ernsts in dessen Auftrag gegossen. Die übrigen protestantischen Kirchen, die Johanniskirche (älteste Pfarrkirche, davor das 1886 errichtete Standbild Luthers), die Ulrichskirche etc., bieten baulich nichts vergleichbaren. Sehr schöne Verhältnisse weist die Liebfrauen- (Marien-) Kirche auf; sie gehört zum Kloster gleiches Namens, dessen Räume 1905 ein Gymnasium beherbergen; von hier ist auch der schöne romanische Kreuzgang zugänglich. 1129 in ein Prämonstratenserkloster umgewandelt, hatte das Kloster neben dem Mutterkloster Prémontré den höchsten Rang unter allen Stiftungen dieses Ordens. Die Nikolaistiftskirche dient jetzt als Zeughaus, die Sebastiansstiftskirche ist der katholischen Gemeinde eingeräumt worden. Von andern Kirchenbauten sind zu erwähnen die Ambrosiikirche in der Sudenburg, die Kirche der Wilhelmstadt und die deutsch-reformierte Kirche in der Nordfront. Von sonstigen öffentlichen Gebäuden verdienen Erwähnung das 1691 erbaute Rathaus auf dem Alten Markt, das Regierungsgebäude, daran die Gangolphististskirche, die Börse, der Zentralbahnhof, das geschmackvoll eingerichtete Stadttheater sowie die Neubauten des Generalkommandos in der Augustastrasse, des Konsistoriums (am Dom), der Provinzialsteuerdirektion, das neue Geschäftshaus des Magistrats (am Rathaus), der neue Justizpalast in Sudenburg, das neue Museumsgebäude (Kaiser-Friedrich-Museum) auf dem Heydeckplatz, der Neubau der Handelskammer, das König Wilhelms-Gymnasium u. a.

Magdeburg - Alter Markt mit Rathaus
Magdeburg - Dom
Magdeburg - Alter Markt mit Rathaus Magdeburg - Dom


Die Zahl der Einwohner beläuft sich im Jahr 1900 mit der Garnison, 2 Infanterieregimenter Nr. 26 und 66. ein Feldartillerieregiment Nr. 4, ein Fußartillerieregiment Nr. 4, ein Pionierbataillon Nr. 4 und ein Trainbataillon Nr. 4, auf 229.667 Seelen, darunter 211.159 Evangelische, 13.359 Katholiken und 1925 Juden.
Die Industrie Magdeburgs ist sehr bedeutend. Die Stadt besitzt viele Eisengießereien, Maschinen- und Metallröhrenfabriken, darunter das Krupp-Grusonwerk in Buckau, das sich eines Weltrufs erfreut. Dieses produziert Gusswaren, darunter Hartguss-Panzerplatten und -Geschosse, Stahlgussgeschosse und Stahlformgussstücke verschiedener Art, ferner Revolverkanonen, Panzerlaffeten, Unterbauten zu Panzertürmen, Kräne, hydraulische Hebezeuge, Drehscheiben, Exzelsiormühlen etc. Von großer Bedeutung sind ferner die Spiritus- und Branntweinbrennerei, die Fabrikation von künstlichem Dünger, Zement, Zucker, Schokolade, Zichorie, Tabak und Zigarren, Lackfirnis, verschiedenen Chemikalien und Tonwaren (besonders Majolika- und Schamotteösen). Ferner sind nennenswert Baumwollspinnerei, Handschuhfabrikation, Holzbildhauerei, Fabrikation von Seiden- und Baumwollband, Geldschränken, Harmoniken, Harmoniums und Pianofortes, Seife, Leder, Metallwaren und Armaturgegenständen, Fettwaren etc., die Zuckerraffinerie und Bierbrauerei sowie der Garten-, Obst- und Gemüsebau.
Der bedeutende Handel wird durch eine Handelskammer, eine Börse, eine Reichsbankhauptstelle (Umsatz 1904: 2649,5 Millionen Mark) und durch eine sehr große Zahl von Bankinstituten, Versicherungsanstalten etc. unterstützt. Für Zucker ist Magdeburg der Hauptplatz des ganzen Deutschen Reichs (mit besonderer Börse im Gebäude der Handelskammer). Außerdem ist der Handel vorzugsweise aktiv in Vieh, besonders Schweinen, Getreide, Kolonialwaren, Zichorie, Kohlen, Eisenwaren, Sauerkohl, Fettwaren, Tuch, Holz etc. Nennenswert ist auch der Buchhandel. Zudem hat die Stadt besuchte Märkte, Pferdemärkte und eine 14tägige Messe im September.
Magdeburg ist Knotenpunkt der Eisenbahnlinien Halle-Wittenberge, Berlin-Magdeburg, Magdeburg-Öbisfelde, Magdeburg-Jerxheim-Börßum und Magdeburg-Halberstadt. Sehr bedeutend ist der Verkehr auf der Elbe. 1903 kamen an zu Berg: 5489 beladene Schiffe mit 1.038.000 Tonnen Ladung, zu Tal: 1202 beladene Schiffe mit 390.000 Tonnen Ladung. Gefördert wird der Elbeverkehr durch den von der Stadt in der Neustadt angelegten großen Hafen mit umfangreichen Speichern und Umschlagsplätzen; im Winter finden die Schiffe hier und im Hafen am Werder Schutz.
Dem Verkehr in der Stadt dient eine elektrische Straßenbahn.

Magdeburg-Buckau - Inspektion einer Dampfmaschine
Magdeburg - Blick von der Königsbrücke auf die Stromelbe
Magdeburg-Buckau - Inspektion einer Dampfmaschine Magdeburg - Blick von der Königsbrücke auf die Stromelbe

 

An Bildungseinrichtungen und ähnlichen Instituten besitzt Magdeburg ein pädagogisches Seminar, 3 Gymnasien, ein Realgymnasium, eine Oberrealschule mit Reformrealgymnasium, eine Realschule, eine Kunstgewerbe- und Handwerkerschule, eine Baugewerk- und eine Maschinenbauschule, 2 Konservatorien der Musik, mehrere wissenschaftliche Vereine, ein Reichswaisenhaus (errichtet aus Sammlungen des Reichsfechtvereins), viele milde Stiftungen, ein Stadttheater, 2 große Krankenhäuser, eine Hebammenlehranstalt, ein orthopädisch-chirurgisches Institut, ein kunstgewerbliches und naturwissenschaftliches Museum, eine Stadtbibliothek, ein Staatsarchiv der Provinz Sachsen, dessen großer Urkundenschatz bis in das 10. Jahrhundert zurückreicht, wissenschaftliche Vereine, eine Wetterwarte, einen großen Vieh- und Schlachthof etc.
Unter den politischen und Fachblättern ist die nationalliberale "Magdeburgische Zeitung" am weitesten verbreitet. Das Wappen der Stadt zeigt ein geöffnetes Festungstor, darüber rechts und links je einen Turm und zwischen diesen, auf einer Mauer, eine Jungfrau mit hoch gehobenem Lorbeerkranz. Zu den umfangreichen Festungswerken gehören die Zitadelle und 13 Forts im weiten Umkreis um die Stadt. Die Umgebung ist wenig reizvoll, doch sind in neuerer Zeit schöner Anlagen entstanden. Die Hauptvergnügungsorte der Magdeburger bilden der Park Herrenkrug, rechts an der Elbe unterhalb der Friedrichstadt und mit dieser durch eine Straßenbahn verbunden, der großartig angelegte Rotehornpark, der Stadtpark Vogelsang und der Friedrich Wilhelms-Garten.
Zum Landgerichtsbezirk Magdeburg gehören die 18 Amtsgerichte zu Aken, Barby, Burg, Erxleben, Genthin, Gommern, Großsalze, Hötensleben, Kalbe a. S., Loburg, Magdeburg, Neuhaldensleben, Schönebeck, Seehausen (Kreis Wanzleben), Staßfurt, Wanzleben, Wolmirstedt und Ziesar.

Magdeburg - Luisengarten
Magdeburg - Herrenkrug
Magdeburg - Luisengarten Magdeburg - Herrenkrug

 

Magdeburg wird erstmalig 805 als einer von den Handelsplätzen genannt, an denen die nach den Slawenländern handelnden Kaufleute mit Vertretern jener zusammentrafen. 923 und 924 wurde Magdeburg bei einem Einfall der mit den Ungarn vereinigten Wenden und Slawen fast völlig zerstört, aber von der Königin Editha, Gemahlin Ottos dem Großen, wieder aufgebaut und mit Wällen und Mauern umgeben. Das von Otto dem Großen 936 hier gegründete Moritzkloster wurde 968 der Sitz eines Erzbistums. Nach dem großen Brand von 1188 erholte sich die Stadt bald, gewann als Handelsstadt Bedeutung, trat der Hansa bei und erwarb im 14. Jahrhundert das Stapelrecht für die Elbschifffahrt. Gegen Ende des 15. Jahrhundert erscheint Magdeburg fast unabhängig von den Erzbischöfen, die meist auswärts (meist in Halle) residierten; doch befreite es sich nie völlig von deren Landeshoheit und war nie Reichsstadt. Der schon frühzeitig errichtete Schöppenstuhl stand im Mittelalter in großem Ansehen, und das Magdeburger Recht, das Weichbildrecht, eine Mischung von altsächsischem Gewohnheits- und Magdeburger Lokalrechten, gewann in den Städten des Ostens weite Verbreitung. Die höchste Blüte der Stadt vor dem Dreißigjährigen Krieg fällt in den Anfang des 16. Jahrhunderts, wo sie zirka 40.000 Einwohner zählte. Seit 1524 fand in Magdeburg die Reformation besonders durch Amsdorfs Bemühungen Eingang. Magdeburg trat 1531 dem Schmalkaldischen Bunde bei, sagte sich vom Erzbischof und dem Kapitel los und unterwarf sich auch dem Kaiser nicht, als derselbe im Schmalkaldischen Kriege 1547 ganz Sachsen erobert hatte. 1548 deshalb geächtet, verweigerte es die Annahme des Interims und wurde Zufluchtsort aller durch die Religionsverfolgung vertriebenen Glaubensgenossen. Im Auftrage des Kaisers vollzog Kurfürst Moritz von Sachsen die Acht, begann 4. Oktober 1550 die eigentliche Belagerung und eroberte schon 28. November die Neustadt, doch die Bürgerschaft verteidigte zunächst die Altstadt mit Erfolg. Erst als Moritz Gnade und Religionsfreiheit anbot, nahm Magdeburg sächsische Besatzung auf und huldigte Moritz als Burggrafen  (9. Nov. 1551). Im Dreißigjährigen Kriege wurde es 1629 von Wallenstein 28 Wochen lang vergebens eingeschlossen und 1630, weil es den geächteten, mit Schweden verbündeten früheren Administrator des Erzstifts Christian Wilhelm aufgenommen hatte, von neuem durch Pappenheim belagert. In der Hoffnung auf Entsatz durch Gustav Adolf leisteten zwar die Bürger mit Hilfe einer kleinen schwedischen Besatzung unter Falkenberg mannhaften Widerstand. Aber als sich im März 1631 Tilly mit Pappenheim vereinigte und nun 25.000 Mann die nur von 2000 Mann verteidigte Stadt belagerten, ließen sich die Außenwerke gegen die Übermacht nicht behaupten; die Vorstädte wurden in Brand gesteckt und die Verteidigung auf die eigentliche Stadt beschränkt. Als sich die vom Nachtdienst ermüdeten Posten am Morgen des 10. (20.) Mai 1631 eben in ihre Häuser begeben hatten, begann um 9 Uhr der Sturm auf zwei Seiten. Die Kaiserlichen drangen unter Pappenheim am Krökentor zuerst in die Stadt ein; im Straßenkampf fiel Falkenberg. Währenddessen brach an mehreren Stellen zu gleicher Zeit eine Feuersbrunst aus, die wahrscheinlich nur durch einen unglücklichen Zufall hervorgerufen war und sich schnell über die ganze Stadt verbreitete. Die Kaiserlichen rächten sich für die Zerstörung der gehofften Beute durch maßlose Grausamkeiten. Nur der Dom, der sofort für den katholischen Gottesdienst neu geweiht wurde, das Liebfrauenkloster und einige elende Fischerhütten blieben vom Feuer verschont. Von sämtlichen 36.000 Einwohner entgingen nur wenige Tausende dem Tode. Nachdem 1632 die Kaiserlichen wieder abgezogen waren, besetzten die Schweden die Stadt; sie wurde aber 1636 schon wieder von den Kaiserlichen und Sachsen belagert und durch Kapitulation genommen. Im Westfälischen Frieden (1648) wurde Magdeburg nebst dem Erzstift dem Hause Kurbrandenburg für den Fall des Todes des damaligen Administrators August von Sachsen, der aber erst 1680 erfolgte, abgetreten. Lange sträubte sich Magdeburg, dem Kurfürsten von Brandenburg zu huldigen, musste aber schließlich im Vergleich zu Klosterberge 6. Juni 1666 doch einwilligen. In der Folge ließen sich in Magdeburg viele der aus Frankreich vertriebenen Reformierten nieder. Friedrich der Große förderte das materielle Wohl der Stadt, namentlich mit Hinblick auf die Konkurrenz mit Leipzig, auf jede Weise; während des Siebenjährigen Krieges war die Stadt mehrere Jahre hin durch die letzte Zufluchtsstätte des Hofes. Im Kriege Preußens mit Frankreich 1806 übergab der Kommandant von Kleist Magdeburg am 11. Novemer des Jahres an die Franzosen unter Ney. Im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich abgetreten und sodann zum Königreich Westfalen geschlagen, kam Magdeburg durch den Pariser Frieden wieder an Preußen, nachdem es 1813–14 bloß von einem Korps unter Tauenzien eingeschlossen worden war. Durch die Beseitigung der alten Umwallung, die seit 1869 durch neue Festungswerke ersetzt wurde und durch die Eingemeindung der drei Nachbarstädte Sudenburg, Neustadt und Buckau hat die Stadt eine bedeutende Erweiterung erfahren.

Magdeburg - Generalkommando
Magdeburg - Hasselbachplatz
Magdeburg - Generalkommando Magdeburg - Hasselbachplatz

 

Der Regierungsbezirk Magdeburg umfasst 11.512 km² (209,08 Quadratmeilen), hat (1900) 1.176.372 Einwohner, darunter 1.101.944 Evangelische, 65.274 Katholiken und 3999 Juden, 102 Einwohner auf 1 km² und besteht aus 17 Kreisen.

 

 

 

Schiffe der Kaiserlichen Marine

S.M.S. Magdeburg (1)   -   S.M.S. Magdeburg (2)

S.M.S. Magdeburg

 S.M.S. Magdeburg

 

 


Magdeburg (Sachsen-Anhalt)


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