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1. Marokkokrise

Die Marokkokrise von 1905 - Die Konferenz von Algeciras 1906

Marokkokrise 1. Marokkokrise 2. Marokkokrise Der Panthersprung nach Agadir GB/F Vertrag 1904 GB/F Geheimabkommen 1904 D/F Marokkoabkommen 1909 Artikel des Versailler Vertrages betreffs Marokko, 1919

Besuch Kaiser Wilhelm II. in Marokko 1905

Besuch Kaiser Wilhelm II. in Marokko 1905

 

"Ich bin Ihnen zuliebe, und weil es das Vaterland erheischte, gelandet [...] auf ein fremdes Pferd trotz meiner durch den verkrüppelten linken Arm behinderten Reitfähigkeit gestiegen, und das Pferd hätte mich um ein Haar ums Leben gebracht [...] Ich ritt mitten zwischen den spanischen Anarchisten durch, zwischen Gaunern und Abenteurern, weil Sie es wollten, und Ihre Politik davon profitierte sollte" warf Kaiser Wilhelm II. später seinem Kanzler Fürst von Bülow vor. Tatsächlich hat das Deutsche Reich von dieser Landung keineswegs profitiert, im Gegenteil, es erschien damals wie heute allen als Provokateur und Friedensstörer. Dabei war das Recht auf seiner Seite! Frankreich hatte sich in Geheimabsprachen und somit völlig vertragswidrig bei Spanien, England und Italien freie Hand zur "friedlichen Durchdringung" in Marokko gesichert. Ein "Reformprogramm" für den Staat des Sultans Abdel Azis verschaffte ihm den Zugang. Deutschland sah sich ausgegrenzt und seine Interessen und diese "sind erheblich" (von Bülow ) verletzt. Interessant, da entscheidend für das weitere Schicksal Deutschlands, ist der allmähliche Weg in diese Krise:

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1905 in Tanger

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1905 in Tanger

 

Vorgeschichte

Am 03.07. 1880 regelte in Madrid eine Konvention des Sultans von Marokko mit den Staaten Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, Niederlande und USA die Unabhängigkeit und den Besitzstand seines Landes sowie die dortigen Rechte der Ausländer. Zur gleichen Zeit schlossen Deutschland und Marokko ein Handelsabkommen.

Zu unruhiger Zeit in Marokko

Zu unruhiger Zeit in Marokko

 

Die Annäherungsbestrebungen zwischen England und Frankreich fielen in ihren Anfängen mit einer anderen für Deutschland verhängnisvollen Entwicklung zusammen. 1892 hatte sich der britische Premierminister von dem Mittelmeerabkommen mit Italien und Österreich-Ungarn, losgesagt. Dadurch wurde Italien mit dem Rivalen Frankreich alleingelassen und verlor ihm gegenüber den nötigen Rückhalt. Nun gewannen die Bemühungen Frankreichs, dem lateinischen Nebenbuhler durch alle erdenklichen Schikanen das Leben schwer zu machen, allmählich Erfolg. Italien musste, zumal es im Mittelmeergebiet seinerseits auf Eroberungen ausging, mit dem stärkeren Nachbarn eine Verständigung suchen. Schon 1900 begann dieser Prozess Früchte zu tragen und zwar im Anschluss an das englisch-französische Abkommen von 1899. Als dann zu Beginn des Jahres 1902 der Dreibund erneuert werden sollte verlangte der italienische Minister Prinetti die Einfügung einer neuen Bestimmung, aus der hervorgehen sollte, "dass Italien keine Verpflichtungen übernommen habe, die Frankreich gefährlich werden könnten". Daneben wollte er von Deutschland noch das Versprechen einer Aufrechterhaltung des bestehenden Zustandes im nahen Orient erwirken. In Berlin und Wien lehnte man jedoch jede Änderung des Vertragstextes ab, und es gelang, Rom zum Nachgeben zu bringen und die Verlängerung des Dreibundes in der bisherigen Form am 28. Juli 1902 durchzusetzen. Kaum war dies geschehen, teilte Prinetti den Franzosen mit, dass sein Land keinerlei gegen Frankreich gerichtete Abmachungen getroffen habe. Und wenige Monate nachher, am 1. November 1902 fand zwischen Rom und Paris ein Notenwechsel statt, auf Grund dessen Italien in Tripolis und der Cyrenaika (östliches Libyen) und Frankreich in Marokko das Recht haben sollten, "ihre Einflusssphären" "im geeigneten Augenblick" frei auszudehnen. Die Folgen dieser Abmachung zum Zwecke ungehinderter gegenseitiger Ausdehnung im Mittelmeergebiet waren zweifacher Art. Einmal wurde Italien von jetzt ab ein höchst unsicheres Mitglied im Lager, des Dreibundes, was natürlich noch zunahm, als England sich Frankreich näherte. Auf der anderen Seite hatte Frankreich einen großen Vorteil zu verzeichnen. Es war ihm gelungen, eine zweite Bresche in das Bollwerk Bismarcks zu schlagen und auch im Süden die Mauer der eigenen Isolierung zu durchbrechen. Paris fasste den Vertrag als ein italienisches Neutralitätsversprechen für den Fall eines deutsch-französischen Krieges auf.

Briefmarke der Reichspost in Marokko

Briefmarke der Reichspost in Marokko

 

Die Einigung über Marokko war seit 1901 langsam fortgeschritten. Am 10. Mai 1903 hatte, Freiherr von Eckardtstein in einem Bericht an Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow die Ansicht ausgesprochen, "dass die früheren englisch-französischen Verhandlungen behufs Ausgleichs schwebender Differenzen wieder aufgenommen worden sind und dieses Mal große Aussicht auf Erfolg haben." Kurz zuvor war der englische König Eduard VII. bei einem Besuch in Paris äußerst freundlich empfangen worden. Im Herbst des gleichen Jahres verlautete aus London, Delcassé habe den Engländern einen Vorschlag zu einer kolonialen Verständigung unterbreiten lassen, habe aber von Lord Lansdowne eine ablehnende Antwort erhaltenen.

Am 8. April 1904 war die Einigung vollzogen. An diesem Tage wurden von Frankreich und England Verträge unterzeichnet, die sämtliche Streitfragen bereinigten, die zwischen beiden Ländern bisher in fremden Erdteilen bestanden hatten. Die gegenseitigen Ansprüche in Neufundland, Madagaskar, den Neu-Hebriden und Siam wurden in Übereinstimmung gebracht. Vor allem aber kam es zu einem Abkommen über die Einflussgebiete in Nordafrika. Frankreich gestand dem Inselreich freie Hand in Ägypten zu, und Großbritannien bewilligte Frankreich das gleiche im Hinblick auf Marokko, indem es ihr zuerkannte, dort selbst "über die Ruhe zu wachen" und "bei allen Verwaltungs-, Wirtschafts-, Finanz- und Militärreformen Beistand zu leisten". Diese Vereinbarungen wurden alsbald veröffentlicht. Zur selben Zeit war aber noch eine geheime Abmachung getroffen worden, die erst im Jahre 1911 bekannt gegeben wurde und noch viel weiter ging. Danach hatte die britische Regierung das Recht, zum Zweck der Befestigung ihrer Herrschaft in Ägypten bestimmte Reformen durchzuführen, während andererseits die französische Regierung Vorschläge vorlegen konnte, die für sie den gleichen Zweck in Marokko verfolgten. Außerdem sollte Spanien ein Teil von Marokko angeboten werden.

VIVE L'ENTENTE

VIVE L'ENTENTE

 

Die hier kurz wiedergegebenen Abmachungen bedeuteten nicht bloß eine vollständige Beseitigung aller zwischen England und Frankreich bisher bestehenden Reibungsflächen, sondern darüber hinaus einen engen Zusammenschluss für die Zukunft. Die zwei Staaten sagten sich diplomatische Unterstützung für ihre Absichten in Ägypten und Marokko zu und wollten somit ihre Interessen gemeinsam gegen etwaige Einmischungen fremder Mächte wahren. Ein allgemeines Bündnis lag nicht vor, wohl aber das, was man eine "entente cordiale", ein herzliches Einvernehmen, nannte. Die politische Lage hatte sich dadurch mit einem Schlage verändert. Die beiden westlichen Mächte Europas hatten sich die Hand gereicht und der für Deutschlands Sicherung immer besonders günstige Umstand des englisch-französischen Gegensatzes war verschwunden. Vor allem für Frankreich war das ein neuer überaus großer Gewinn, und Delcassé, ein eifriger Anhänger des Gedankens einer Revanche am deutschen Nachbarn, musste mit seinem Erfolg wahrhaft zufrieden sein. Er hat schon damals die Gründung des Dreiverbandes angestrebt, indem er vorschlug das "herzliche Einvernehmen" auch auf Russland auszudehnen. Darauf konnte man in London, schon aus Rücksicht auf Japan, das mit dem Zarenreich im Kriege lag, noch nicht eingehen. Sehr bald gelang es Delcassé aber, dem Zusammengehen mit England eine, immer schärfere Spitze gegen Deutschland zu verleihen.

In Berlin versuchte man nun das Abschwenken Großbritanniens durch einen Gegenschachzug unschädlich zu machen. Die Stellung Russlands in Ostasien war von Monat zu Monat immer schwieriger geworden. Das Waffenglück war den Japanern hold. Als es dann infolge der irrtümlichen Beschießung englischer Fischerboote bei der Doggerbank durch russische Kriegsschiffe im Oktober 1904 zu einem erregten Zwischenfall zwischen London und Petersburg kam, benutzte Kaiser Wilhelm II. den Augenblick, um dem Zaren Nikolaus II. in einem vom Auswärtigen Amt gebilligten Telegramm vom 27. Oktober 1904 die schon früher vertretene Idee eines Zusammenschlusses der drei Kontinentalmächte Deutschland, Russland und Frankreich näher zu bringen. Der Zar stimmte in umgehender Antwort zu, und bat ihn, die Grundlinien für eine solche Abmachung zu übersenden. Dies geschah dann auch durch einen Brief des deutschen Monarchen, der den Entwurf zu einem Defensivvertrag zwischen Deutschland und Russland enthielt. Im Anschluss hieran erfolgte ein ziemlich ausführlicher Schriftwechsel. Dabei stellte es sich heraus, dass der in Aussicht genommene Beitritt Frankreichs zu dem Übereinkommen der wunde Punkt bei dem ganzen Plane war. Am 23. November verlangte Nikolaus II., man solle den Vertrag vor der Unterzeichnung erst Paris mitteilen Dies aber wurde deutscherseits mit Recht als gefährlich abgelehnt, und somit verliefen die Bemühungen im Sande. Der russische Außenminister, Graf Lamsdorff, hatte zu diesem negativen Ergebnis zweifellos beigetragen.

 

Die erste Marokkokrise von 1905

Französische Truppen in Algier bei der Einschiffung nach Marokko - 1904

Französische Truppen in Algier bei der Einschiffung nach Marokko - 1904

 

Inzwischen begannen die Franzosen ihrer Abmachungen mit den Engländern durchzusetzen. Sie gingen allmählich dazu über, sich in Marokko auszubreiten und jene Politik der stillen Aneignung durchzuführen, der man den schönen Namen der "friedlichen Durchdringung" beilegte. Am 3. Oktober 1904 erreichten sie eine Vereinbarung mit Spanien, dem der Hauptsache nach der Küstenstreifen im Norden Marokkos mit Ausnahme von Fez zugesprochen wurde. Das gesamte Vorgehen stand ebenso wie der Geheimvertrag zwischen London und Paris im direkten Widerspruch zu den früheren in Madrid getroffenen Abmachungen der Mächte über das einschlägige nordafrikanische Gebiet, durch die festgesetzt worden war, dass kein einzelnes Land ohne die Zustimmung der übrigen die internationalen Verträge durchbrechen dürfe. Als nun klar wurde, dass die Französische Republik, gestützt auf Großbritannien, eigenmächtig verfuhr und ihren Einfluss nach Belieben ausdehnte, während Deutschland einfach übergangen wurde, entschloss, man sich in Berlin im Frühjahr 1905 zu einer weithin sichtbaren Geste des Protestes. Kaiser Wilhelm II. wurde trotz seiner eigenen, sehr starken Abneigung gegen diesen Schritt dazu überredet, anlässlich einer Reise ins Mittelmeer in Tanger zu landen und den deutschen Wunsch nach Unabhängigkeit des Sultans von Marokko zum Ausdruck zu bringen. Am 31. März traf Wilhelm II. mit dem Dampfer "Hamburg" in Tanger ein. Der Empfang war würdevoll, und der Kaiser sagte mit deutlicher Spitze gegen Frankreich, er hoffe, dass unter der Herrschaft des Sultans "ein freies, souveränes Marokko der friedlichen Konkurrenz aller Mächte geöffnet wird". Dann ritt er durch fahnengeschmückte Straßen zur deutschen Gesandtschaft. Vor einer versammelten Menge brachte er den Wunsch nach "Handel auf dem Boden der Gleichberechtigung" zum Ausdruck.

Einzug Seiner Majestät des deutschen Kaisers in Tanger, Frühling 1905

Einzug Seiner Majestät des deutschen Kaisers in Tanger, Frühling 1905

 

Die Leiter. der deutschen Politik bezweckten mit diesem geräuschvollen Auftritt lediglich, die Welt darauf aufmerksam zu machen, dass ihr Land seinerseits berechtigt sei, mitzureden und gewisse Ansprüche zu erheben. Auf der Gegenseite aber wurde das plötzliche und theatralische Hervorkehren dieses wohlbegründeten Wunsches dahin gedeutet, dass Deutschland ernstlich beabsichtige Frankreich in den Weg zu treten, und die englische, wie auch die französische Presse erhob ein lautes Geschrei der Entrüstung.

Delcassé der geistige Vater der Pariser Marokkopolitik, benutzte sofort die Gelegenheit, um von England wichtige Zugeständnisse für eine etwaige kriegerische Unterstützung zu gewinnen. Tatsächlich bewilligte ihm die englische Regierung unmittelbare Besprechungen zwischen dem französischen Marineattaché in London und dem Leiter der britischen Admiralität, Lord Fisher, sowie Besprechungen durch einen Mittelsmann zwischen dem französischen Militärattaché in London und dem britischen Kriegsamte. Was bei diesen Besprechungen ausgemacht wurde, weiß man bis heute nicht mit Sicherheit, denn die Angaben darüber sind verschieden. Wahrscheinlich wurde bereits zu jener Zeit für den Fall des bewaffneten Zusammenstoßes zwischen Frankreich und Deutschland die Landung englischer Truppen auf dem Kontinent in Aussicht gestellt.

In Berlin, wo man weit davon entfernt war, das Schwert zu ziehen, beharrte man bei der einmal eingenommenen Haltung und erreichte schließlich durch nachhaltigen Druck, dass Delcassé, der die Mehrheit der Kammer nicht mehr hinter sich hatte, Anfang Juni 1905 zurücktreten musste. Das war unstreitig ein Erfolg, denn so verschwand in Paris ein geschickter und entschlossener Gegner. Man ging aber nunmehr nicht dazu über, sich mit den Franzosen, die bei dem Streite eine diplomatische Niederlage erlitten hatten, unter Verwertung der dadurch ausgelösten Neigung zum Nachgeben in direkten Verhandlungen zu einigen, sondern versteifte sich unter Berufung auf den Grundsatz, dass in Marokko allen Nationen die wirtschaftliche Gleichberechtigung zustehe, auf den Vorschlag einer internationalen Konferenz, bei der eben auch alle zu Worte kommen sollten.

Gegen Ende des Jahres 1905 wurde das konservative Ministerium in England, das bisher am Ruder war, gestürzt und ein liberales trat unter der Führung Campbell-Bannermans an seine Stelle. Der neue Sir E. Grey, hatte kaum sein Amt angetreten, als ihm der französische Botschafter in London, Paul Cambon, im Auftrage seiner Regierung die Frage vorlegte, inwieweit Großbritannien bereit sei, Frankreich "bewaffnete Unterstützung zu gewähren", falls es auf der demnächst beginnenden Konferenz in Algeciras zum Bruch zwischen Paris und Berlin und infolgedessen zu einem Kriege mit Deutschland komme. Grey, der nach seinen Angaben die Lage noch nicht übersah, antwortete etwas vage, vermied eine bestimmte Zusage, äußerte aber als seine "persönliche Anschauung"', "dass die öffentliche Meinung Englands sich sehr zugunsten Frankreich regen würde, wenn Deutschland Frankreich im Gefolge einer Frage angriffe", die aus dem englisch-französischen Übereinkommen über Ägypten und Marokko entstände. Was geschehen werde, müsse von den Umständen abhängen. Zum Schluss, erklärte er es "für ratsam", wenn in der Zwischenzeit ein inoffizieller Gedankenaustausch zwischen der englischen Admiralität und dem englischen Kriegsministerium einerseits und den französischen Marine- und Militärattachés andererseits stattfände, um zu beraten, was Vorteilhafterweise zu geschehen hätte, wenn die beiden Länder in einem Krieg gegen Deutschland verbündet wären. Das war natürlich ein weitgehendes Entgegenkommen gegenüber den französischen Wünschen. Grey knüpfte an die bereits von Lansdowne bewilligten Bestrebungen an und räumte, über den früheren Zustand hinausgehend, auch auf militärischem Gebiet die direkte Verständigung ein, die bisher nur zwischen den beiderseitigen Admiralstäben stattgefunden hatte. Campbell-Bannerman hegte, als er von der Sache erfuhr, die Befürchtung, dass derartige Besprechungen für Großbritannien eine "Verpflichtung Frankreich gegenüber oder mindestens eine Art stillen Einverständnisses schaffen könnten". Und Grey selbst gibt ihm später insofern recht, als er eingesteht, er hätte, "bei größerer Erfahrung" wohl diese Besorgnis geteilt. War es nun wirklich die Unerfahrenheit des neuen Außenministers oder ein Ausfluss seiner eigenen, gleichfalls offen eingestandenen Überzeugung, dass England Frankreich "zu Hilfe kommen musste", wenn Deutschland letzteres zum Kriege zwang, jedenfalls führte der Schritt Greys zu dem für Deutschland verhängnisvollen Ergebnis, dass die Beratungen zwischen den englischen und französischen General- und Marinestäben sehr bald fest umrissene und genau ausgearbeitete Vereinbarungen über Aktionen zu Land und zur See zeitigten, die gemeinsam bei einem bewaffneten Zusammenstoß mit Deutschland unternommen werden sollten.

 

Algeciras-Konferenz

 Marokko am 16. Januar 1906

Ankunft der Delegationen in Algeciras (Spanien)

Ankunft der Delegationen in Algeciras (Spanien)

Sitzung der Konferenz von Algeciras 1906

Sitzung der Konferenz von Algeciras 1906

 

Als die Algeciras-Konferenz über Marokko am 16.Januar 1906 eröffnet wurde, zeigte es sich mit erschreckender Klarheit, dass Deutschland in diplomatischer Hinsicht nur auf die Unterstützung Österreich-Ungarns rechnen konnte. Die übrigen Staaten hielten zu Frankreich: Russland und England, weil sie mehr oder weniger enge Verbündete waren, Spanien, weil es vor allem nichts gegen Großbritannien wagte, und Italien, weil es an seine Interessen in Tripolis dachte. So stieß, der von Berlin aus verfochtene Standpunkt einer möglichst weitgehenden Gleichberechtigung der Staaten nur auf leere Befürwortung, und die Wünsche der Gegenseite gewannen die Oberhand. Wohl wurden die Unabhängigkeit des Sultans von Marokko und der Grundsatz der offenen Tür in wirtschaftlicher Beziehung der Form nach anerkannt. Aber die polizeiliche Überwachung der Häfen Marokkos ging an Frankreich und Spanien über, und auch auf finanziellem Gebiete erreichte die Republik Frankreich wichtige Zugeständnisse. Der Leiter der Wilhelmstraße, Herr von Holstein, der während der Verhandlungen erkennen musste, in welch ungünstige Stellung Deutschland hineingeraten war, trat in seinem Unwillen über diese betrübliche Tatsache, an deren Zustandekommen seine eigene Politik keinen geringen Anteil hatte, dafür ein, Deutschland solle die Konferenz zum Scheitern bringen. Als dieser Gedanke abgelehnt wurde, bat er um seinen Abschied, der ihm am 8. April 1906 wohl sehr gegen sein Erwarten auch bewilligt wurde. So schied er aus seiner langjährigen Tätigkeit aus und starb einige Jahre darauf in schwerer Verbitterung und fast völliger Einsamkeit. Zum Unglück erfolgte sein Rücktritt erst zu einer Zeit, wo die verhängnisvollen Fehler, die er begangen hatte, gar nicht mehr wieder gut gemacht werden konnten, Deutschland war nun weitgehend politisch isoliert und diese Isolierung nahm beängstigende Formen an. In Frankreich kam Clemenceau ans Ruder: chauvinistisch und antideutsch vertrat er die Meinung, es gebe 20 Millionen Deutsche zu viel auf der Welt. (Der Spiegel, 1/1995, S. 71) Der neue russische Außenminister, Iswolski, war nach England orientiert. Italien praktisch vom Dreibund abgefallen und als Partner wertlos. England hatte sich vorbehaltlos hinter Frankreich gestellt, und die Entente gefestigt wie nie zuvor. Die Generalstäbe beider Länder trafen sich von nun an regelmäßig und planten ihr gemeinsames Vorgehen.

1906 lief der erste britische Dreadnought (Furchtlose) vom Stapel; ein Schlachtschiff neuen Types, das Wettrüsten zur See hatte begonnen.

1907 erfolgten weitere militärische Maßnahmen Frankreichs in Marokko.

 

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