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Mülhausen i. E.

Kreis- und Kantonshauptstadt im Reichsland Elsaß-Lothringen, Bezirk Oberelsaß,

     

Mülhausen im Elsaß

Kreis- und Kantonshauptstadt im Reichsland Elsaß-Lothringen, Bezirk Oberelsaß,

Mülhausen 91.916 Einwohner - 1905 = 45. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Mülhausen - Rathausplatz

Mülhausen - Rathausplatz

 

 

Neben der Stadt Mülhausen im Elsaß (Mül ohne h) existieren im Deutschen Reich (Kaiserreich) 29 und Österreich-Ungarn 2 Orte mit Namen Mühlhausen:

2) Mühlhausen in Ostpreußen ist eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Ostpreußen, Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Preußisch-Holland, liegt an der Staatsbahnlinie Güldenboden-Königsberg und 45 Meter über dem Meer. Die Stadt hat hat eine evangelische und eine katholische Kirche, Amtsgericht, Bierbrauerei, Töpferei, Gerberei, Ziegelbrennerei, eine Dampfschneidemühle, Holzhandel und im Jahr 1900 = 2304 Einwohner, davon 492 Katholiken.

3) Mühlhausen (tschechisch Milevsko) Stadt in Österreich-Ungarn, Königreich Böhmen, an der Staatsbahnlinie Tabor-Pisek, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat 2 katholische Kirchen, ein Schloss des Prämonstratenserstifts Strahow in Prag, Bierbrauerei und im Jahr 1900 = 2693 Einwohner.

4) Mühlhausen, ein Dorf in Österreich-Ungarn, Königreich Böhmen, Bezirkshauptmannschaft Schlan, Gerichtsbezirk Welwarn, bei Kralup mit 495 Einwohnern.

5) Mühlhausen in Thüringen, eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, mit im Jahr 1905 = 34.359 Einwohnern.

 

 

Mülhausen (franz. Mulhouse) ist Kreis- und Kantonshauptstadt im Reichsland Elsaß-Lothringen, Bezirk Oberelsaß, liegt an der Ill sowie am Rhein-Rhonekanal und 243 Meter über dem Meer. Sie besteht aus der Altstadt, der Neustadt (seit 1826), südlich von jener am Rhein-Rhonekanal, und der im Norden gelegenen Arbeiterstadt (cité ouvrière), die 1853 von Dollfus gegründet ist und aus etwa 1200 ein- und zweistöckigen, durchweg mit Gärtchen versehenen Wohnungen besteht. Der schönste Teil der Stadt liegt am Kanal. In der Nähe desselben befindet sich auch das sogenannte neue Quartier mit seinen modernen Bauten.

Mülhausen - Neu-Quartier-Platz
Mülhausen - Junge Tor
Mülhausen - Neu-Quartier-Platz Mülhausen i/E - Junge Tor


Die Stadt hat 5 evangelische und 5 katholische Kirchen (unter jenen die neue deutsch-evangelische Stephanskirche mit einem 100 Meter hohen Turm und die französisch-reformierte Kirche, unter diesen die neue katholische Kirche, ebenfalls mit einem 100 Meter hohen Turm), eine Synagoge, ein Rathaus (von 1551) etc. Die Belforter Straße ziert ein Denkmal des in Mülhausen geborenen Mathematikers Johann Heinrich Lambert (* 26. August 1728 in Mülhausen (Elsass) - † 25. September 1777 in Berlin). Die Zahl der Einwohner beläuft sich im Jahr 1905 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 112, 2 Bataillone Infanterie Nr. 142 und ein Dragonerregiment Nr. 22) auf 91.716 Seelen, davon im Jahr 1895 = 18.137 Evangelische, 62.278 Katholiken und 2271 Juden. Mülhausen ist eine Fabrikstadt ersten Ranges. Den Grund zu der großartigen Industrie legten 1746 Samuel Köchlin, Johann Jakob Schmalzer und J. Heinrich Dollfus mit der Begründung einer Fabrik für bunte Baumwollgewebe, für die gegenwärtig in der Stadt und ihrer Umgegend zahlreiche große Fabriken und Kattundruckereien etc. tätig sind. Wichtig sind ferner bedeutende Wollspinnereien, eine Eisenbahnwerkstätte, die elsässische Maschinenbaugesellschaft, Eisen-, Kupfer- und Bleigießerei, zahlreiche Färbereien. Zeichner- und Walzenstecherateliers, Fabriken für Nähgarn, Leinwand, Tuch- und Wollwaren, chemische Produkte, Näh- und Spinnmaschinen, Maschinenöl, Farben, Fayenceöfen, Stärke, Bürsten, Zement, Senf, Seilerwaren, Herde und Kochmaschinen, endlich Dampfsägemühlen, Bierbrauerei, Ziegelbrennerei und Schiffbau.

Mülhausen - Wildemannstraße
Mülhausen - Neuquartierplatz
Mülhausen i. E. - Wildemannstraße Mülhausen i. E. - Neuquartierplatz


Der lebhafte Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Nebenstelle der Reichsbank (Umsatz 1904: 1185, 4 Millionen Mark) und mehrere Bankinstitute, befasst sich vorzugsweise mit den Erzeugnissen der dortigen Industrie; außerdem bilden Wein, Getreide, Spezereien, Holz etc. einen bedeutenden Handelsartikel. Für den Eisenbahnverkehr ist Mülhausen Knotenpunkt der Eisenbahnen Straßburg-Basel, Mülhausen-Altmünsterol, Mülhausen-Wesserling, Mülhausen-Müllheim und Lutterbach-Mülhausen sowie der Straßenbahnen Mülhausen-Ensisheim, Mülhausen-Wittenheim und Mülhausen-Pfastatt. An Bildungs- und anderen Anstalten befinden sich in der Stadt ein Gymnasium, eine Oberrealschule, ein Gemälde- und Kunstmuseum, eine Mustersammlung (Industriemuseum) von Produkten aller Länder, eine Schule für Spinnerei und Weberei, eine Chemieschule, eine Maschinenbauschule, eine Kunstgewerbeschule für Mädchen, ein Zoologischer Garten etc. Die städtischen Behörden setzen sich zusammen aus einem Bürgermeister, 3 Beigeordneten und 36 Stadträten. Ferner ist Mülhausen Sitz des Kommandos der 58. Infanterie- und der 29. Kavalleriebrigade, der Kreisdirektion, eines Landgerichts, eines Hauptsteueramtes und dreier Oberförstereien. – Zum Landgerichtsbezirk Mülhausen gehören die elf Amtsgerichte zu Altkirch, Dammerkirch, Hirsingen, Hüningen, Masmünster, Mülhausen, Pfirt, St. Amarin, Sennheim, Sierenz und Thann.

Mülhausen - Bollwerk
Mülhausen - Gesamtansicht
Mülhausen i. Els. - Bollwerk Mülhausen - Gesamtansicht

 

Mülhausen wird zuerst im Jahr 717 erwähnt, wo es Adalbert, Herzog von Elsaß, an das Stephanskloster in Straßburg verschenkte; 823 besaß es die Abtei Masmünster. Nach langem Streit mit den Hohenstaufen erwarben es die Bischöfe von Straßburg, denen es 1221 durch Schiedsspruch überwiesen wurde. Friedrich II. besaß Mülhausen zeitweise als bischöfliches Lehen, Rudolf von Habsburg nahm 1261 die Stadt in Besitz und erhob sie als König zur Reichsstadt. Das Bistum Straßburg wurde 1308 von Heinrich VII. für seine Ansprüche entschädigt. Später ist Mülhausen oft verpfändet worden, erlangte aber seine Reichsfreiheit immer wieder. Vielfach hatte es durch Kriege zu leiden, besonders 1445 bei der Belagerung durch die Armagnaken. 1466 Schloss Mülhausen ein Bündnis mit Bern und Solothurn und trat 1515 dem Schweizerbund bei. Die Reformation wurde 1528 eingeführt. Der Westfälische Friede stellte Mülhausen in die Reihe der Schweizer Orte, während die Umgebung französisch wurde. Am 29. Dezember 1674 besiegte Turenne bei Mülhausen die Kaiserlichen unter Bournonville. Die Industrie wurde 1746 begründet und hatte bereits einen hohen Aufschwung gewonnen, als Mülhausen 1797 die Einverleibung in Frankreich nachsuchte, die 1798 stattfand. Nach Vollendung des Rhein-Rhonekanals (1829) und der Anlage der Eisenbahnen nahm die Stadt bedeutenden Aufschwung, verlor durch die Einwanderung zahlreicher katholischer Arbeiter nach und nach ihren protestantischen Charakter und zeichnete sich unter französischer Herrschaft stets durch republikanische Gesinnung aus. Der Anschluss an Deutschland, nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, brachte der Stadt vorübergehenden Nachteil und die Fabrikanten gehörten daher zu den eifrigsten Protestlern.

Mülhausen - Kaiserliches Postamt mit Rhein-Rhone-Kanal
Mülhausen - Gänseplatz, Ecke Kramgasse, Protestantische Kirche
Mülhausen i. E. - Kaiserliches Postamt mit Rhein-Rhone-Kanal Mülhausen i. Els. - Gänseplatz, Ecke Kramgasse, Protestantische Kirche

 

Als Elsaß im Vertrag von Mersen 870 dem ostfränkischen Reich zufiel, wurde es dem Herzogtum Schwaben zugeteilt, dessen Herzoge bis zum Erlöschen des staufischen Hauses 1268 auch den Titel eines Herzogs von Elsaß führten. Schon im 12. Jahrhundert begann das Land zwischen Wasgau und Rhein in eine große Zahl selbständiger reichsunmittelbarer Herrschaften und Städte zu zerfallen; als Vertreter der Reichsgewalt waren Landgrafen und Reichsvögte bestellt. Die Landgrafschaft im oberen Elsaß (Sundgau) besaßen seit dem 13. Jahrhundert die Grafen von Habsburg, im untern Elsaß (Nordgau) die Grafen von Öttingen. Die Landgrafschaft verlor im 14. Jahrhundert ihre Bedeutung, und die damit verbundenen Güter und Rechte wurden an das Bistum Straßburg verkauft. Einen größeren Einfluss behaupteten die Reichsvögte, deren Amt auch meist im Besitz der Habsburger war. Solange die Reichsgewalt im Elsaß mächtig war, begünstigte sie die Reichsstädte, deren es außer Straßburg zehn gab: Hagenau, Colmar, Schlettstadt, Weißenburg, Oberehnheim, Rosheim, Mülhausen, Kaysersberg, Türkheim und Münster.

Zu Beginn des I. Weltkrieges fallen die Franzosen am 6. August im Ober-Elsaß ein und besetzen vorübergehend Mülhausen. In der Schlacht bei Mülhausen vom 19. August 1914 konnte die Offensive der französischen Armee jedoch abgewehrt und aus der Stadt wieder vertrieben werden.

Mülhausen (Els.) Baslerstraße - Durch Granaten zerstörtes Haus bei dem Gefecht am 10. August 1914
Massengrab von Dornach i. E. (bei Mülhausen)
Mülhausen (Els.) Baslerstraße
Durch Granaten zerstörtes Haus bei dem Gefecht am 10. August 1914
Massengrab von Dornach i. E. (bei Mülhausen)
Hier ruhen 56 deutsche Soldaten, gefallen im Gefecht vom 19. August 1914

 

Am 11. November 1918 diktierte der französische Marschall Ferdinand Foch der deutschen Waffenstillstandsdelegation die Bedingungen zur Beendigung der Kampfhandlungen, die einer Kapitulation gleich kamen. Das deutsche Herr musste u.a. Elsaß-Lothringen binnen 14 Tagen räumen. Schon am 10. November 1918 erklärte E. Ricklin Elsaß-Lothringen zur unabhängigen Republik. Nichtsdestotrotz besetzen französische Truppen am 17. November 1918 Mülhausen, am 18. November 1918 Metz, am 22. November 1918 Straßburg und ganz Elsaß-Lothringen. Der Versailler Vertrag verfügte 1919 die Angliederung Elsaß-Lothringens ohne Plebiszit (Volksabstimmung) an Frankreich. Die Bewohner des Gebietes werden je nach Abstammung in 4 Gruppen eingeteilt, Einwohner reichsdeutscher Abstammung müssen das Land verlassen.  Von den 1.874.014 Einwohnern sind 1.634.260 Deutsche.

Mülhausen - Einmarsch der französischen Armee am 17. November 1918
Mülhausen - Einmarsch der französischen Armee am 17. November 1918
Mülhausen - Einmarsch der französischen Armee am 17. November 1918 Mülhausen - Einmarsch der französischen Armee am 17. November 1918

 

 

Mülhausen i. E. (Frankreich)


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