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Deutsch-Ostafrika

Ostafrika - deutsche Kolonie von 1885 bis 1919

Deutsch-Ostafrika 1885-1914 - Deutsch-Ostafrika 1914-1918 - Ansichtskarten - Briefmarken - Farbfotos - Geldscheine - Münzen - Schutzvertrag

 

Carl Peters' Vertrag

mit dem Sultan von Usagara vom 4. Dezember 1884

 

Muinin Sagara, den 4. Dezember 1884.

Muinin Sagara, Herr von Muinin Sagara usw., alleiniger und absoluter Herr von ganz

Usagara, und Dr. Carl Peters, als Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation,

schließen hierdurch einen ewigen Freundschaftsvertrag ab.

Sultan Muinin Sagara erhält eine Reihe von Geschenken, weitere Geschenke für die

Zukunft werden ihm versprochen, und er tritt hierdurch unter den Schutz der

Gesellschaft für deutsche Kolonisation resp. deren Vertreter.

Dafür tritt der Sultan Muinin Sagara an Herrn Dr. Carl Peters, als den Vertreter der

Gesellschaft für deutsche Kolonisation, kraft seiner absoluten und unumschränkten

Machtvollkommenheit das alleinige und ausschließliche Recht, Kolonisten nach ganz

Usagara zu bringen, ab.

Dr. Carl Peters, als Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, verspricht,

von diesem Recht Gebrauch zu machen.

Zu diesem Behufe tritt Sultan Muinin Sagara das alleinige und ausschließliche Recht

völliger und uneingeschränkter privatrechtlicher Ausnutzung von ganz Usagara an

Herrn Dr. Carl Peters, als den Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation,

hierdurch ab.

Ferner tritt der Sultan Muinin Sagara an Herrn Dr. Carl Peters, als den Vertreter der

Gesellschaft für deutsche Kolonisation, alle diejenigen Rechte ab, welche nach dem

Begriff des deutschen Staatsrechts den Inbegriff staatlicher Oberhoheit ausmachen;

unter anderem: das alleinige und uneingeschränkte Recht der Ausbeutung von

Bergwerken, Flüssen, Forsten; das Recht, Zölle aufzulegen, Steuern zu erheben,

eigene Justiz und Verwaltung einzurichten, und das Recht, eine bewaffnete Macht zu

schaffen.

Dafür bleibt der Titel Muinin Sagara erblich in der Familie des Sultans Muinin Sagara.

Der privatrechtliche Besitzstand des Sultans wird von Herrn Dr. Carl Peters, als

Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation anerkannt und garantiert, und die

Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation werden angewiesen werden,

diesen Besitzstand mit allen Kräften mehren zu helfen.

Die Gesellschaft für deutsche Kolonisation wird mit allen Kräften dahin wirken, daß

Sklaven aus dem Gebiet des Sultans Muinin Sagara nicht mehr fortgeschleppt werden

dürfen.

Dieser Vertrag ist heute, am 4. Dezember 1884, vor versammeltem Volk von Usagara

unter Zuziehung einer Reihe rechtsgültiger Zeugen von Muinin Sagara, alleinigem und

uneingeschränktem Oberherrn von ganz Usagara, und Herrn Dr. Carl Peters, als dem

Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, durch Namensunterschrift und

Namenszeichnung von beiden Seiten in durchaus rechtsverbindlicher Form vollzogen

worden.

(Handzeichen des Sultans Muinin Sagara)

(Handzeichen von Kibuana, Sohn des Sultans Muinin Sagara)

Dr. Carl Peters.

 

 

Erster Schutzbrief

für Deutsch-Ostafrika vom 27.Februar 1885

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen tun kund und

fügen hiermit zu wissen:

Nachdem die derzeitigen Vorsitzenden der »Gesellschaft für deutsche Kolonisation«

Dr. Carl Peters und Unser Kammerherr, Felix Graf Behr-Bandelin, Unseren Schutz für

die Gebietserwerbungen der Gesellschaft in Ostafrika, westlich von dem Reiche des

Sultans von Sansibar, außerhalb der Oberhoheit anderer Mächte, nachgesucht und

Uns die von besagtem Dr. Carl Peters zunächst mit den Herrschern von

Usagara;Nguru, Useguha und Ukami im November und Dezember v. J.

abgeschlossenen Verträge, durch welche ihm diese Gebiete für die deutsche

Kolonisationsgesellschaft mit den Rechten der Landeshoheit abgetreten worden sind,

mit dem Ansuchen vorgelegt haben, diese Gebiete unter Unsere Oberhoheit zu stellen,

so bestätigen Wir hiermit, daß Wir diese Oberhoheit angenommen und die

betreffenden Gebiete, vorbehaltlich Unserer Entschließungen auf Grund weiterer Uns

nachzuweisender vertragsmäßiger Erwerbungen der Gesellschaft oder ihrer

Rechtsnachfolger in jener Gegend, unter Unseren Kaiserlichen Schutz gestellt haben.

Wir verleihen der besagten Gesellschaft unter der Bedingung, daß sie eine deutsche

Gesellschaft bleibt und daß die Mitglieder des Direktoriums oder die sonst mit der

Leitung betrauten Personen Angehörige des deutschen Reiches sind, sowie den

Rechtsnachfolgern dieser Gesellschaft unter der gleichen Voraussetzung, die

Befugniszar Ausübung aller aus den Uns vorgelegten Verträgen fließenden Rechte,

einschließlich der Gerichtsbarkeit gegenüber den Eingeborenen und den in diesen

Gebieten sich niederlassenden oder zu Handels- und anderen Zwecken sich

aufhaltenden Angehörigen des Reiches und anderer Nationen, unter der Aufsicht

Unserer Regierung und vorbehaltlich weiterer von Uns zu erlassender Anordnungen

und Ergänzungen dieses Unseres Schutzbriefes.

Zu Urkund dessen haben Wir diesen Schutzbrief Höchsteigenhändig vollzogen und mit

Unserem Kaiserlichen Insiegelversehenlassen.

Gegeben Berlin, den 27.Februar1885.

(gez.) Wilhelm

(ggez.) von Bismarck,

 

 

 

             

 

 

 

 


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