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Potsdam

Hauptstadt der preußischen Provinz Brandenburg

Provinz Brandenburg - Potsdam - S.M.S. Brandenburg

Potsdam

Hauptstadt der preußischen Provinz Brandenburg

Potsdam 61.373 Einwohner - 1905 = 62. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Potsdam - Blick von Wackermannshöhe

Potsdam - Blick von Wackermannshöhe

 

 

Potsdam ist die Hauptstadt der Provinz Brandenburg im Königreich Preußen sowie des gleichnamigen Regierungsbezirks, Stadtkreis und zweite Residenz des deutschen Kaisers und Königs von Preußen. Die Stadt liegt rechts an der Havel, in die hier die Nuthe einmündet, auf dem Potsdamer Werder, einer Insel, die durch die Havel, einen Kanal und verschiedene Seen gebildet wird und 34 Mete rüber dem Meer. Die Stadt ist Sitz des Oberpräsidiums der Provinz Brandenburg, einer königlichen Regierung, der preußischen Oberrechnungskammer, des Rechnungshofs für das Deutsche Reich, einer Oberpostdirektion, eines Hauptsteueramts, eines Landgerichts, einer königlichen Polizeidirektion, einer Oberförsterei etc., ferner einer Kommandantur, des Kommandos der 1. Gardeinfanterie-, der 2. und 4. Gardekavallerie- und der 2. Gardefeldartilleriebrigade.

Die städtischen Behörden zählen 18 Magistratsmitglieder und 60 Stadtverordnete. Potsdam ist Geburtsort Wilhelm von Humboldts.

Zum Landgerichtsbezirk Potsdam gehören die elf Amtsgerichte in Baruth, Beelitz, Belzig, Brandenburg a. H., Dahme, Jüterbog, Luckenwalde, Potsdam, Rathenow, Treuenbrietzen und Werder.

Potsdam - Schloss Sanssouci (Mittelbau)
Potsdam - Schloss Sanssouci mit Denkmal Friedrich des Großen
Potsdam - Schloss Sanssouci (Mittelbau) Potsdam - Schloss Sanssouci mit Denkmal Friedrich des Großen



Potsdam ist sehr regelmäßig gebaut und besteht aus der Alt- und Neustadt, zu der auch der Kiez, die Friedrichsstadt und das Holländische Revier gehören, und fünf Vorstädten, der Berliner, Nauener, Brandenburger, Jäger- und Teltower Vorstadt, wobei letztere, auf dem linken Havelufer gelegen, mit der übrigen Stadt durch die 196 Meter lange Lange Brücke verbunden ist, auf der das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. aufgestellt ist. Hauptplätze sind der Wilhelmsplatz mit dem von Kiß entworfenen Denkmal Friedrich Wilhelms III., der Bassinplatz mit der katholischen und französischen Kirche, die Plantage mit dem Denkmal König Friedrichs II., der Alte Markt mit einem 24 Meter hohen Obelisk von Marmor und der Luisenplatz vor dem Brandenburger Tor mit dem Denkmal Kaiser Friedrichs III. Der Lustgarten, aus Paradeplatz und Park bestehend, ist mit 14 Büsten berühmter preußischer Feldherren aus dem Befreiungskrieg, 12 Marmorstatuen und 8 Kanonen aus verschiedenen Zeitaltern geziert.

Potsdam - Denkmal Kaiser Wilhelm I.
Potsdam - Historische Mühle
Potsdam - Denkmal Kaiser Wilhelm I. Potsdam - Historische Mühle

 

An gottesdienstlichen Gebäuden Potsdam 6 evangelische, eine römisch- und eine griechisch-katholische Kirche sowie eine Synagoge. Darunter sind besonders bemerkenswert die Garnisonkirche (1730–36 erbaut) mit einem 88 Meter hohem Turm und der Gruft Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II., die von Schinkel und Persius 1830–37 erbaute Nikolaikirche mit einer Kuppel, die Heiligegeistkirche (1728 erbaut) mit einem 90 Meter hohem Turm, die französisch-reformierte Kirche die nach dem Vorbild des Pantheons in Rom erbaut, die Friedenskirche (1845–50 im Stil einer altchristlichen Basilika erbaut) mit der Grabstätte König Friedrich Wilhelms IV., daneben das Mausoleum Kaiser Friedrichs III. und seiner Gemahlin (1890 von Raschdorff erbaut) und die römisch-katholischen Kirche.

Potsdam - Königliches Stadtschloss und Palast-Hotel
Potsdam - Brandenburger Tor 
Potsdam - Königliches Stadtschloss und Palast-Hotel Potsdam - Brandenburger Tor


An sonstigen Bauwerken sind hervorzuheben das königliche Schloss (1667–1701 erbaut) mit Park, worin sich die Standbilder König Friedrich Wilhelms I., des Kaisers Alexander I. von Russland, der Generale Blücher, Gneisenau, Kleist und Tauentzien befinden; das Rathaus (1753 nach dem Muster des Amsterdamer erbaut); das Exerzierhaus mit schönem Portal; das Militärwaisenhaus, ein kolossales Gebäude mit 130 m langer Front und 48 m hohem Turm mit Kuppel; das 1770 nach dem Muster des Trajanschen Triumphbogens in Rom erbaute Brandenburger Tor; das Kasinogebäude, von Schinkel in altgriechischem Stil ausgeführt; das Schauspielhaus, die Hauptwache etc. Die Zahl der Einwohner belief sich 1905 mit der Garnison (1. Garderegiment zu Fuß, das Gardejägerbataillon, das Lehrinfanteriebataillon, das Regiment Gardedukorps, das Leibgardehusarenregiment, zwei Gardeulanenregimenter, Nr. 1 und 3, zwei Gardefeldartillerieregimenter, Nr. 2 und 4, eine Gardemaschinengewehrabteilung Nr. 1 und die Leibgendarmerie) auf 61.414 Seelen, davon 55.235 Evangelische, 5427 Katholiken und 407 Juden.

Potsdam - Stadtschloss, Fortuna-Portal und Nicolaikirche
Potsdam - Fortuna-Portal Alter Markt
Potsdam - Stadtschloss, Fortuna-Portal und Nicolaikirche Potsdam - Fortuna-Portal Alter Markt

 

Die Industrie ist 1905 nicht sehr bedeutsam. Potsdam hat Bronzewaren-, Möbel-, Konserven- und Motorfahrzeugfabrikation, 2 Dachpappenfabriken, eine Wachstuch- und eine Salmiakgeistfabrik, ferner Fabrikation von Seidenzeugen, Chemikalien, optischen Instrumenten, Zinngussgegenständen, Sätteln und Geschirren, Dampfmahl- und -Sägemühlen, Spritfabriken, Bierbrauerei etc. Auch werden Schifffahrt und Fischerei sowie Gärtnerei und Blumenzucht in ausgedehnter Weise betrieben.

Der Handel, unterstützt durch eine Nebenstelle der Reichsbank und andere Geldinstitute, ist nur von Belang in Zucker, Mehl, Getreide, Holz etc., auch ist Potsdam Sitz der Deutschen Lebens-, Pensions- und Rentenversicherungsanstalt auf Gegenseitigkeit.

Dem Verkehr in der Stadt dient eine Straßenbahn. Dem Eisenbahnverkehr dienen die Staatsbahnlinien Berlin-Potsdam (Wannseebahn) und Berlin-Magdeburg.

An Bildungseinrichtungen und ähnlichen Instituten hat Potsdam ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Realschule, eine Kriegsschule, eine Unteroffizierschule, ein Kadettenhaus, eine Haushaltungs-, Handels- und Gewerbeschule, eine Handelslehranstalt, ein Technikum, eine Präparandenanstalt, ein Militär- und ein Zivilwaisenhaus, eine Idiotenanstalt, eine Heilanstalt für Epileptische etc.

Potsdam - Neues Palais
Potsdam - Neues Palais Muschelsaal 
Potsdam - Neues Palais Potsdam - Neues Palais Muschelsaal



Die Umgebung von Potsdam gehört zu den lieblichsten Gegenden der Norddeutschen Tiefebene. 4 km nordöstlich liegt in der Havel, die sich dort seeartig erweitert und verzweigt, die gegen 2000 Schritt lange und 500 Schritt breite Pfaueninsel (sonst Kaninchenwerder) mit einem königlichen Lustschloss nebst Gartenanlagen. Näher bei Potsdam liegt das Lustschloss Sanssouci und unweit davon das 1763–69 ausgeführte Neue Palais, die Sommerresidenz Kaiser Wilhelms II. Das 215 Meter lange Hauptgebäude hat einen mit einem Fronton gezierten Vorsprung, worüber sich eine antike Kuppel mit drei kolossalen, eine Krone emporhaltenden Grazien erhebt, ist mit korinthischen Pilastern, Statuen und Gruppen geziert und enthält an 200 Zimmer (darunter ein 33 Meter langer, 20 Meter breiter und 13 Meter hoher Marmorsaal). Hinter dem Schloss liegt ein 15 km im Umfang haltender Wildpark, vor dem der Antikentempel, ein Gebäude mit dem zweiten Exemplar der Rauchschen Statue der Königin Luise; 1 km von beiden entfernt liegt, durch parkähnliche Anlagen mit dem Garten von Sanssouci und dem vom Neuen Palais verbunden, das Schloss Charlottenhof, das Friedrich Wilhelm IV. sich 1826 als Kronprinz einrichtete, mit einer Villa in römischem Stil nach Modellen aus Pompeji. Aus dem Nauener Tor Potsdams gelangt man zum Marmorpalais im Neuen Garten, am Heiligen See, mit schönem Park und Orangerie, maurischem Tempel, Eremitage, Grotten etc. Der Pfaueninsel gegenüber liegt das Dorf Sakrow, mit einer König Friedrich Wilhelm IV. erbauten schönen Kirche. In der Teltower Vorstadt bei Potsdam liegt der Brauhausberg und weiter südlich der Telegraphenberg mit dem astrophysikalischen und dem meteorologisch-magnetischen Observatorium und dem geodätischen Institut, Spaziergängen und einer Burg; 4 km von Potsdam bei Kleinglienicke Schloss Babelsberg; in Kleinglienicke selbst das Lustschloss (ehemals Sommersitz des Prinzen Karl) und das Schloss des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen und dabei die prächtige Havelbrücke. Vor der Nauener Vorstadt liegt der Pfingstberg mit zwei Aussichtstürmen und Aufenthaltsräumen für die Mitglieder des königlichen Hauses und die 1826 angelegte russische Kolonie Alexandrowka, die eine griechische Kapelle und 13 auf russische Art erbaute Wohnhäuser enthält, und in der Jägervorstadt der Ruinenberg mit Aussichtsturm und dem Wasserbassin zur Speisung der großen Fontäne in Sanssouci.

Potsdam - Königliche Orangerie mit den Pekinger astronomischen Instrumenten
Schloss Babelsberg
Potsdam - Königliche Orangerie mit den Pekinger astronomischen Instrumenten Schloss Babelsberg

 

Potsdam, ursprünglich Poztupimi (Bergabhang), war eine alte slawische Niederlassung und wird zuerst 993 bei der Überlassung an das Stift Quedlinburg urkundlich erwähnt. Unter den Askaniern entstand auf einer Havelinsel eine Burg. Potsdam erhielt im 14. Jahrhundert das Stadtrecht, blieb jedoch bis zur Zeit des Großen Kurfürsten unbedeutend. Um die Verschönerung der Stadt machten sich die Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. verdient. Durch das Potsdamer Edikt vom 8. November 1685 lud der Große Kurfürst die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten zur Ansiedelung in seinen Staaten ein. Hier wurde 3. November 1805 der geheime Allianzvertrag zwischen Russland und Preußen geschlossen, den die Schlacht von Austerlitz vereitelte.

Der Regierungsbezirk Potsdam umfasst 20.639 km² (374,85 Quadratmeilen), zählt (1905) 2.329.885 Einwohner (93 auf 1 km²), darunter 2.103.866 Evangelische, 171.825 Katholiken und 36.107 Juden, und besteht aus den 21 Kreisen: Stadtkreis Brandenburg a.d.H., Stadtkreis Charlottenburg, Stadtkreis Potsdam, Stadtkreis Rixdorf (entstanden aus den 1873/74 vereinigten beiden Dörfern Deutsch-Rixdorf und Böhmisch-Rixdorf), Stadtkreis Schöneberg, Stadtkreis Spandau, die Landkreise Angermünde, Beeskow-Storkow, Jüterbog-Luckenwalde, Niederbarnim, Oberbarnim, Osthavelland, Ostprignitz, Prenzlau, Ruppin, Teltow, Templin, Westhavelland, Westprignitz und Zauch-Belzig.

 

Potsdam (Brandenburg)


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