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Provinzhauptstadt Posen
Provinz Posen - Stadt Posen - S.M.S. Posen
Das Königreich Preußen mit seinen Provinzen: Brandenburg - Hannover - Hessen-Nassau - Ostpreußen - Pommern - Posen - Rheinland - Sachsen - Schlesien - Schleswig-Holstein - Westfalen - Westpreußen

Fahne - Landesfarben der preußischen Provinz Posen
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| Provinz Posen, Lage im Deutschen Reich | Wappen der preußischen Provinz Posen | Provinz Posen, Landkarte 1914 |
Kaiser Wilhelm II. ließ das 1910 eingeweihte Schloss im romanischen Stil errichten. Die Residenz soll die Verbundenheit des Kaisers mit der Provinz zum Ausdruck bringen. Die Schlosskapelle ist eine Nachbildung der Capella Palatina in Palermo, die der Kaiser aus eigenen Mitteln finanzierte.
Geschichte
Das Gebiet der Warthe war lange Zeit Siedlungsgebiet verschiedener ostgermanischer Völker. Im 4./5. Jahrhundert wandern westslawische Lechen in das Gebiet ein. Die Polen traten erst im 10. Jahrhundert in die Geschichte ein. Erster Fürst war Mieszko I. aus dem Geschlecht der Piasten, der um 963 sein Land vom deutschen Kaiser Otto I. zu Lehen nahm und 966 das Christentum einführte. Eigentlicher Gründer des Reiches war sein Sohn Boleslaw I., der Schlesien, Pommern und Kleinpolen unterwarf, Gnesen gründete und sich den Königstitel zulegte. Doch führten spätere Fürsten wieder den Herzogstitel; auch wurde das Reich durch Teilung geschwächt. Das ehemalige Bistum Posen (Wartheland), im 10. Jahrhundert gestiftet, fiel 968 an das Erzbistum Magdeburg und wurde Ende des 12. Jahrhundert Gnesen unterstellt. Neben der alten polnischen Stadt entstand 1256 eine deutsche Stadt Posen, mit magdeburgischem Recht, die bis Mitte des 16. Jahrhunderts ein wichtiger Handelsplatz war. Der Netzedistrikt kam 1772, Südpreußen 1793 an Preußen.
Daten
Verwaltungshauptstadt: Posen 136.808 Einwohner - 1905 = 34. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.
Reichstag: 15 Abgeordnete
Preußisches Abgeordnetenhaus: 29 Mitglieder
Größe: 28.970,4 km²
Gerichtsbezirke: Für die Provinz umfasst den Bezirk des Königlichen Oberlandesgerichts Posen. Zu diesem gehören 7 Landgerichte und 61 Amtsgerichte:
Einwohner: Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 2.099.831 Einwohner:
| 1816 | 1871 | 1875 | 1880 | 1890 | 1900 | 1905 | 1910 |
| 820.176 | 1.583.843 | 1.606.084 | 1.703.397 | 1.751.642 | 1.887.275 | 1.986.637 | 2.099.831 |
Natürliche Gebiete: Die Provinz liegt im Norddeutschen Tiefland, zwischen den beiden Landrücken desselben; der Norddeutsche Landrücken tritt mit ziemlich hohem Abfall von Norden her an das Netzetal heran (Eichberge bei Wirsitz 124 m hoch), während der Märkisch-Schlesische Landrücken aus Schlesien einige Höhenzüge nach Posen hineinsendet, unter denen der in der südöstlichen Spitze in der Ostra gora bis 247 m ansteigt. Der innere Teil der Provinz ist eine Platte von durchschnittlich 80–120 m Höhe, durch welche die Warthe in einem breiten Tal zieht, und in der das Obrabruch, 40 km lang, 8 km breit, nach früheren vergeblichen Versuchen 1850–60 entwässert, eine tiefe Einsenkung bildet. Ferner durchziehen diese Platte in Tälern die Obra und die Netze, und nennenswerte Brücher sind noch das Konczabruch im Kreis Obornik und das Parchaniebruch im Kreis Hohensalza. Von höchster Bedeutung ist die 6–8 km breite Einsenkung, die den nördlichen Teil der Provinz von Osten nach Westen durchzieht, und in der gegenwärtig durch den Bromberger oder Netzekanal eine Verbindung zwischen Netze und Brahe (Oder und Weichsel) besteht.
Gewässer: Die Hauptflüsse sind die Warthe, Netze und als Grenzfluss gegen Westpreußen die Weichsel mit der Brahe. Die Netze, die außerhalb der Provinz in die Warthe mündet, empfängt hier die Küddow und auf der brandenburgischen Grenze die Drage. Die Warthe erhält rechts die Welna und links die Prosna (auf der polnischen Grenze) und die Obra. Die Landseen sind zahlreich; die größten derselben (der Goplo-, Skorzenciner und Powidzer See) liegen an der oberen Netze.
Klima verhältnismäßig rau und kalt, lange Winter.
Bewohner:
Die Zahl der Einwohner belief sich 1905 auf 1.986.637 Seelen (68/km²), darunter 605.312 Evangelische, 1.347.958 Katholiken und 30.433 Juden, (1900) 1.156.866 Personen (61 %) mit polnischer Muttersprache. Im Regierungsbezirk Posen entfielen 1900 auf die polnische Bevölkerung 67 %, im Regierungsbezirk Bromberg 51 % der Bewohner. Dort betrug sie mehr als 80 % in den Kreisen Adelnau, Schildberg, Kosten, Schroda, Gostyn, Posen-West, Pleschen, Kempen, Wreschen, Jarotschin, Koschmin, Schmiegel u. Schrimm; im Regierungsbezirk Bromberg nur in den Kreisen Witkowo und Strelno; dagegen 20 % und darunter im Regierungsbezirk Posen nur in den Kreisen Meseritz (20 %) und Schwerin a. W. (5 %), im Regierungsbezirk Bromberg im Kreise Kolmar (18 %) und dem Stadtkreis Bromberg (16 %). Die größeren Städte haben eine überwiegend deutsche Bevölkerung. Die Evangelischen sind überwiegend in den nördlichen und westlichen Grenzkreisen, am wenigsten zahlreich in den Kreisen an der oberen Warthe. Um das deutsche Element auf dem Lande zu mehren, ist durch Gesetz vom 28. April 1886 eine Ansiedelungskommission in der Stadt Posen errichtet, welche die Aufgabe hat, Güter von polnischen Besitzern anzukaufen, zu parzellieren und an deutsche Kolonisten zu veräußern.
Volkszählung 1905:
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Sprachgebiete in der Provinz Posen
grün = mehr als 50 % polnischer Bevölkerungsanteil, rot = mehr als 50 % deutscher Bevölkerungsanteil
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| Krotoschin - Ring mit Rathaus | Schwerin a. W. - Poststraße |
Bevölkerungsdichte: 68,5/km²
Religion: An der Spitze der evangelischen Kirchenangelegenheiten steht das Konsistorium zu Posen, an der Spitze der katholischen Geistlichkeit der Erzbischof von Gnesen und Posen; in Bromberg besteht eine Generalkommission für Gemeinheitsteilungssachen.
| 1871 | 1905 |
Militär: 1881 - Die Provinz ist Ersatzbezirk für einen Teil des V. Armeekorps (19. und 20. Brigade) und des II. Armeekorps (6. Brigade teilweise). In der Provinz garnisoniert ein Teil des V. Armeekorps (General-Kommando Posen, 10. Division) und des II. Armeekorps (4. Division Bromberg). Eine Festung befindet sich in Posen.
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| Bromberg - Bismarckturm | Posen - Aufziehen der Hauptwache | Bromberg - Denkmal Kaiser Wilhelm I. |
Wirtschaft:
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| Posen - Kaffeehaus Hohenzollern | Posen, Ostdeutsche Ausstellung 1911 |
Postwesen und Briefmarken im Königreich Preußen
Das Königreich Preußen verfügte vom 18.01.1701 bis 31.12.1867 über eine eigene Posthoheit. Die erste preußische Briefmarke wurde 1857 ausgegeben. Ab 1866 gehörte Preußen zum Norddeutschen Postgebiet, ab 01.01.1871 zum Gebiet der Reichspost.
| 1857 | 1867 | 1868 - 1871 | ab 1871 | ab 1875 |
| Erste Preußische Freimarke von 1857 | Letzte Preußische Freimarke von 1867 | Norddeutscher Postbezirk mit Währung Taler | Deutsche Reichspost mit Währung Taler | Deutsche Reichspost mit Währung Mark |
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| 6 Pfennige | 9 Kreuzer | 1/2 Groschen | 1 Groschen | 20 Pfennig |
Preußische Maße:
Währungen und Münzen im Königreich Preußen
| 1868 - 1875 | ab 1875 |
| 1 Taler = 30 Silbergroschen = 360 Pfennige | 1 Mark = 100 Pfennig |
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| Königreich Preußen - 1 Pfennig, 1870 | Deutsches Reich - 5 Mark, 1901 |
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| Königreich Preußen - 2 1/2 Silbergroschen, 1869 | Deutsches Reich - 10 Mark, 1888 |
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Königreich Preußen - 1 Taler, 1860 |
Deutsches Reich - 20 Mark, 1888 |
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| Deutsch-Russische Grenze | Gruß aus der Festung Posen |
Oberpräsidenten 1816 - 1918
Stadthalter in Posen (1815 - 1831) war Fürst Anton Radziwill (13. Juni 1775 in Wilna - 7. April 1833 in Berlin)
| Dienstzeit | Name | Lebensdaten |
| 1815 - 1824 | Joseph Zerboni de Sposetti | 1760 - 1831 |
| 1825 - 1830 | Johann Friedrich Theodor von Baumann | 1768 - 1830 |
| 1830 - 1840 | Eduard Heinrich Flottwell | 1786 - 1865 |
| 1840 - 1842 | Adolf Heinrich Graf von Arnim-Boitzenburg | 1803 - 1868 |
| 1843 - 1850 | Carl Moritz von Beurmann | 1802 - 1870 |
| 1850 - 1851 | Gustav Carl Gisbert Heinrich Wilhelm Gebhard von Bonin (1. Amtszeit) | 1797 - 1878 |
| 1851 - 1860 | Eugen von Puttkamer | 1800 - 1874 |
| 1860 - 1862 | Gustav Carl Gisbert Heinrich Wilhelm Gebhard von Bonin (2. Amtszeit) | 1797 - 1878 |
| 1862 - 1869 | Carl Wilhelm Heinrich Georg von Horn | 1807 - 1889 |
| 1869 - 1873 | Otto Graf von Königsmarck | 1815 - 1889 |
| 1873 - 1886 | William Barstow von Guenther | 1815 - 1892 |
| 1886 - 1890 | Robert Graf von Zedtlitz-Trützschler | 1837 - 1914 |
| 1890 - 1899 | Hugo Theodor Wichardt Freiherr von Wilamowitz-Moellendorff | 1840 - 1905 |
| 1899 - 1903 | Karl Julius Rudolf von Bitter | 1846 - 1914 |
| 1903 - 1911 | Wilhelm August Hans von Waldow-Reitzenstein | 1856 - 1937 |
| 1911 - 1914 | Philipp Schwartzkopf | ? |
| 1914 - 1918 | Johann Karl Friedrich Moritz Ferdinand von Eisenhart-Rothe | 1862 - 1942 |
Administrative Einteilung
Die oberste Verwaltung der Provinz wird von dem Königlichen Oberpräsidium in Posen ausgeübt, welches dem preußischem Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist. Die Provinz Posen gliedert sich in zwei Regierungsbezirke, Posen und Bromberg. Die Zahl aller Städte der Provinz beträgt 131, davon entfallen auf den Regierungsbezirk Posen 85, auf den Regierungsbezirk Bromberg 46.
| 1. Regierungsbezirk Posen mit einer Fläche von 17.518,60 km² und 1.198.252 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 1 Stadtkreis und 27 Landkreise (272 Standesamtsbezirke): |
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Stadtkreis Posen und die Landkreise Adelnau, Birnbaum, Bomst, Fraustadt, Gostyn, Grätz, Jarotschin, Kempen in Posen, Koschmin, Kosten, Krotoschin, Lissa, Meseritz, Neutomischel, Obornik, Ostrowo, Pleschen, Posen-Ost, Posen-West, Rawitsch, Samter, Schildberg, Schmiegel, Schrimm, Schroda, Schwerin a. d. Warthe, Wreschen |
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| Posen - Gesamtansicht | Posen - Parkwirtschaft Solatsch | Schwerin a.W. - Post-Strasse |
Rawitsch - Seminar und Kriegerdenkmal |
Lissa in Posen - Rathaus |
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| Posen - Wilhelmplatz, Berliner Straße | Schwerin (Warthe) - Warthebrücke | Krotoschin - Zdunyer-Straße am Schloß-Park | ||
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Posen - Stadtbild am Königliches Schloß, Wilhelmsplatz |
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Schwerin a.W. Präparanden-Anstalt |
Schildberg |
| 2. Regierungsbezirk Bromberg mit einer Fläche von 11.451,81 km² und 689.023 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 1 Stadtkreise und 13 Landkreise (169 Standesamtsbezirke): |
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Stadtkreis Bromberg und die Landkreise Bromberg, Czarnikau, Filehne, Gnesen, Hohensalza (Inowrazlaw), Kolmar in Posen, Mogilno, Schubin, Strelno, Wirsitz, Witkowo, Wongrowitz, Znin |
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| Bromberg - Bahnhofstraße | Bromberg - Blick auf die Brahe | Hohensalza - Friedrichstrasse | Gnesen - Friedrichstrasse | Bentschen - Obrapartie |
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Bromberg - Blick auf das Theater |
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Schneidemühl - Bahnhof |
Posen nach 1918

Germania-Briefmarken aus Posen mit Aufdruck "Poczta Ploska" (Polnische Post)
| 1918 | Im Dezember 1918 übernahmen deutsch-polnische Soldatenräte die Macht in Posen. |
| 1919 | Bis Mitte Januar 1919 besetzten nationalpolnischen Militäreinheiten fast die gesamte Provinz Posen. Deutschland wurde durch Drohungen der Alliierten an einer wirksamen Verteidigung seiner Ostprovinz gehindert. |
| 1919/20 | Die Provinz Posen musste durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages ohne Volksbefragung bzw. Abstimmung zu 90% an Polen abgetreten werden. Von den fast 29.000 km² verlor Deutschland 27.000 km², von 2,1 Millionen Einwohner annähernd 2 Millionen. Von diesen 2 Millionen waren fast die Hälfte Deutsche. Die deutsch gebliebenen Teile wurden mit den Resten der ehemaligen Provinz Westpreußen links der Weichsel zu einer Provinz "Grenzmark Posen-Westpreußen" zusammengefasst. |

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