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Provinz Schlesien

(Herzogtum Schlesien, Preußisch-Schlesien)

Provinzhauptstadt Breslau

Provinz Schlesien - Österreichisch Schlesien

Das Königreich Preußen mit seinen Provinzen: Brandenburg - Hannover - Hessen-Nassau - Ostpreußen - Pommern - Posen - Rheinland - Sachsen - Schlesien - Schleswig-Holstein - Westfalen - Westpreußen

 

Provinz Schlesien - Fahne, Flagge

Fahne - Landesfarben der Provinz Schlesien

Provinz Schlesien

Schlesien - Lage im Deutschen Reich Provinz Schlesien Wappen Landkarte Provinz Schlesien 1914 
Lage der Provinz Schlesien im Deutschen Reich Wappen der Provinz Schlesien Landkarte Provinz Schlesien 1914

 

Schlesien

Schneekoppe
Rübezahl
Die Häuser auf dem Gipfel der Schneekoppe.
Schneekoppe
Linie Friedrichshafen - Schneekoppe - Memel
Es grüßt Euch viel tausendmal
Der Herr der Berge, Rübezahl!
Die Häuser auf dem Gipfel der Schneekoppe.
1600 Meter über dem Meer


Geschichte

Ursprünglich war Schlesien von den ostgermanischen Stämmen der Silinger und Lugier bewohnt. Von den wandalischen Silingern leitet sich der heutige Landesname "Schlesien" ab. In der Zeit der Völkerwanderung wanderten die Ostgermanen nach Süden und es siedelten sich in der zweiten Hälfte des 5 Jahrhunderts Slawen in Schlesien an. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts nahmen sie an der Bildung des polnischen Reiches unter Mscislaw I. teil. Der deutsche Kaiser Otto III. gründete im Jahre 1000 das bis 1821 existierende Erzbistums Gnesen. Im 12. Jahrhundert bildete sich aus dem Haus der Piasten eine eigenständige schlesische Herzogs-Herrschaftslinie heraus. Seit sich Herzog Heinrich I. dem Bärtigen (1208-38) gegen Polen stellte, wurde die gezielte Ansiedlung von deutschen Bauern, Handwerkern, Bergleuten und Kaufleuten, die vorrangig aus fränkischen, thüringischen und obersächsischen Gebieten kamen, gefördert. Nachfolgend wurden 1300 - 1500 deutsche Dörfer begründet. 1241 stellte sich, unter Führung des schlesischen Herzogs Heinrich des Frommen, ein deutsch-polnisches Heer aus Rittern und Bauern bei Liegnitz (Schlacht bei Liegnitz) einem eingedrungenen Mongolenheer entgegen und wurde dabei vollständig aufgerieben. Nach 1241 wurde die Gründung von Städten in Angriff genommen, die mit Magdeburgischem Recht ausgestattet wurden. Durch dynastische Aufteilungen gab es 1320 zehn niederschlesische und sieben oberschlesische Fürstentümer, die sich stark nach Böhmen hin orientierten. 1327 erkannten die Piasten  die böhmische Lehnshoheit an. Trotz der Verwüstungen durch die Hussitenkriege stiegt die wirtschaftliche Bedeutung Schlesiens stetig an. Früh schloss sich das Land der Reformation an und behauptete sich auch, nachdem es 1526 für über 200 Jahre mit dem Königreich Böhmen unter Habsburger Herrschaft gekommen war. 1675 nach dem Tode des letzten Piasten wurde Schlesien eine österreichische Provinz. Nach dem ersten Schlesischen Krieg musste Kaiserin Maria Theresia im Frieden von Breslau (1742) Schlesien an König Friedrich II. von Preußen abtreten. Es folgten der zweite und der dritte schlesische Krieg, der 1763 mit dem Frieden von Hubertusburg (bei Leipzig) endete. Schlesien blieb als Provinz bei Preußen, nur ein kleines Gebiet um Troppau und Teschen verbliebt als Herzogtum Schlesien bei Österreich. Am 1. Januar 1825 wurde der bisher zum Regierungsbezirk Frankfurt (Oder) gehörige Kreis Spremberg-Hoyerswerda geteilt und davon der neu gebildete Kreis Hoyerswerda zum Regierungsbezirk Liegnitz verlegt. Die Provinz Schlesien umfasst das alte Oberschlesien (mit Ausnahme der Fürstentümer Troppau, Jägerndorf, Teschen, Bielitz etc.), das gesamte Niederschlesien nebst der Grafschaft Glatz (mit Ausschluss des Kreises Schwiebus), den durch Vertrag vom 18. Mai 1815 von Sachsen abgetretenen Teil der Markgrafschaft Oberlausitz, die am 9. Juni 1815 abgetretenen böhmischen Enklaven und die Stadt Rothenburg vom Kreis Krossen der Neumark. Den südöstlichen Teil Schlesiens nennt man Oberschlesien, den nordwestlichen Teil, der sich der Tiefebene zuwendet, Niederschlesien.

Neben der preußischen Provinz Schlesien existiert auch Österreichisch Schlesien (Herzogtum Schlesien) in Österreich-Ungarn.

Breslau - Rathaus
Breslau - Königliche Regierung und Lessingbrücke
Breslau - Rathaus Breslau - Königliche Regierung und Lessingbrücke

 

Provinz Schlesien

Daten

Verwaltungshauptstadt: Breslau 470 751 Einwohner - 1905 = 6. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Reichstag: 35 Abgeordnete

Preußisches Abgeordnetenhaus: 65 Mitglieder

Größe: 40.324,85 km²

Gerichtsbezirke: Die Provinz Schlesien bildet den Bezirk des Königlichen Oberlandesgerichts Breslau, zu diesem gehören 14 Landgerichte mit 130 Amtsgerichten

  1. Landgericht Beuthen (ObSchles.) mit den Amtsgerichten: Beuthen (ObSchles.), Kattowitz, Königshütte, Myslowitz, und Tarnowitz.
  2. Landgericht Breslau mit den Amtsgerichten: Breslau, Canth, Neumarkt (Schles.), Winzig und Wohlau.
  3. Landgericht Brieg mit den Amtsgerichten: Brieg, Grottkau, Löwen, Ohlau, Strehlen und Wansen.
  4. Landgericht Glatz mit den Amtsgerichten: Frankenstein, Glatz, Habelschwerdt, Landeck, Lewin, Mittelwalde, Münsterberg, Neurode, Reichenstein, Reinerz und Wünschelburg.
  5. Landgericht Gleiwitz mit den Amtsgerichten: Gleiwitz, Nicolai, Peiskretscham, Pleß, Tost und Zabrze.
  6. Landgericht Glogau mit den Amtsgerichten: Beuthen (Oder), Carolath, Freystadt (NdSchles.), Glogau, Grünberg (Schles.), Guhrau, Halbau, Herrnstadt, Kontopp, Neusalz, Polkwitz, Priebus, Sagan, Sprottau und Steinau (Oder).
  7. Landgericht Görlitz mit den Amtsgerichten: Görlitz, Hoyerswerda, Lauban, Marklissa, Muskau, Niesky, Reichenbach (ObLaus.), Rothenburg (Ob.Laus.), Ruhland und Seidenberg.
  8. Landgericht Hirschberg mit den Amtsgerichten: Bolkenhain, Friedeberg (Queis), Greiffenberg (Schles.), Hermsdorf (Kynast), Hirschberg (Schles.), Lähn, Landeshut, Liebau, Löwenberg, Schmiedeberg (Riesengeb.) Schömberg und Schönau (Katzbach).
  9. Landgericht Liegnitz mit den Amtsgerichten: Bunzlau, Goldberg (Schles.), Haynau, Jauer, Liegnitz, Lüben, Naumburg (Queis) und Parchwitz.
  10. Landgericht Neisse mit den Amtsgerichten: Falkenberg (Schles.), Friedland (Bz. Oppeln), Neisse, Neustadt (ObSchles.), Oberglogau, Ottmachau, Patschkau und Ziegenhals.
  11. Landgericht Oels mit den Amtsgerichten: Bernstadt (schles.), Festenberg, Großwartenberg, Militsch, Namslau, Neumittelwalde, Oels, Prausnitz, Trachenberg und Trebnitz.
  12. Landgericht Oppeln mit den Amtsgerichten: Carlsruhe (Schles.), Großstrehlitz, Guttentag, Konstadt, Krappitz, Kreuzburg (Ob.Schles.), Kupp, LAndsberg (ObSchles.), Leschnitz, Lublinitz, Oppeln, Pitschen, Rosenberg (ObSchles.) und Ujest.
  13. Landgericht Ratibor mit den Amtsgerichten: Bauerwitz, Cosel, Gnabenfeld, Hultschin, Katscher, Leobschütz, Loslau, Ratibor, Rybnik und Sohrau (ObSchles.).
  14. Landgericht Schweidnitz mit den Amtsgerichten: Freiburg (Schles.), Friedland (Bz. Breslau), Gottesberg, Niederwüstegiersdorf, Nimptsch, Reichenbach (Schles.), Schweidnitz, Striegau, Waldenburg (Schles.) und Zobten.

 

Brieg - Piastenstraße und Bismarckdenkmal
Brieg - Königliches Lehrerseminar
Brieg - Piastenstraße und Bismarckdenkmal Brieg - Königliches Lehrerseminar

 

Einwohner: Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 = 5.225.962 Einwohner:

  • 2.512.713 männlich
  • 2.713.249 weiblich

Bevölkerungsentwicklung:

1816 1875 1880 1890 1900 1905 1910
1.942.063 3.843.699 4.007.965 4.224.502 4.668.901 4.942.725 5.225.962

Natürliche Gebiete:

1. Die Tieflandsbucht
2. Die Sudeten (Riesengebirge mit Isergebirge) und Glatzer Gebirge.
3. Der südliche Höhenzug

Liegnitz - Königliches Schloss
Liegnitz - Neues Rathaus
Liegnitz - Königliches Schloss Liegnitz - Neues Rathaus

 

Gewässer: Oder und ihre Nebenflüsse, Klodnitz-Kanal.

Klima: Die Mitte zwischen der Rheinprovinz und den nordöstlichen Provinzen.

Schlesien Sprachgebiete

Sprachgebiete in Schlesien

rot = überwiegend Deutsche, grün = überwiegend Polen

Bewohner: Schlesier, dieser deutsche Neustamm entstand aus Vermischung von Thüringern, Franken und Slawen.

In der Wesensart der Ostmitteldeutschen klingen die liebenswürdigen und lebenslustigen Saiten des Thüringers und Franken stark an. Die Unterwerfung und Durchdringung der Slawen mit deutscher Art hatte hier nichts von jener Härte und Gewaltsamkeit an sich, die im Norden sich geltend machte, und so hat die Wesensart des Stammens etwas Weicheres und Fröhlicheres bekommen. Am reinsten zeigt sich die Art im Schlesier, den Gustav Freytag aus eigner Abstammung heraus folgendermaßen schildert: "Sie sind ein lebhaftes Volk von gutmütiger Art, heiterem Sinn, genügsam, höflich und gastfrei, eifrig und unternehmungslustig, arbeitsam wie alle Deutschen, aber nicht vorzugsweise dauerhaft und nicht vorzugsweise sorgfältig; von einer unübertrefflichen Elastizität, aber ohne gewichtigen Ernst, behende und reichlich in Worten, aber nicht ebenso eilig in der Tat, mit einem weichen Gemüt, sehr geneigt, Fremdes auf sich wirken zu lassen, und doch mit nüchternem Urteil, welches ihnen die Gefahr verringerte, das eigene Wesen aufzuopfern; beim Genuß heiterer, ja poetischer als die anderen Stämme, aber auch seinem idealen Leben vielleicht ohne die Größe massiverer Volksnaturen. Wie das Volk ist auch sein Dialekt; breit, behaglich, sorglos fallen die Worte von den Lippen; er ist reich an liebkosenden Verkleinerungswörtern und abgeleiteten Verben, welche gemütliche Nuancen und Zustände oder Handlungen bezeichnen, er bewahrt manchen altertümlichen Namen und nicht wenig umgeformte Slawenwörter und bezeugt noch jetzt durch die vielen Besonderheiten, welche einzelne Teile der Provinz, ja einzelne Orte haben, daß das Land durch Kolonisten aus verschiedenen Gegenden der großen Heimat germanisiert wurde."
Gustav Freytag über seine Landsleuten: Wer erkennt nicht in der heiteren freundlichen Art der Bewohner den Thüringer, in der Lebens- und Unternehmungslust den Franken, in der geringeren Arbeitsausdauer und in der Behendigkeit den slawischen Einschlag, die alle zusammen die Wesensart des Neustammes bedingt haben? Selbst einzelne Besonderheiten des Thüringers, seine religiöse Grübelei und sein musikalischer Sinn lassen sich unschwer bei dem Ostmitteldeutschen nachweisen. "Die deutschen Stämme und ihr Anteil am Leben der Nation" Th. Lenschau - 1923

  • Zirka 4 Millionen Deutsche, entstand aus altgermanischen Stammesresten vermischt mit slawischen Bevölkerungsgruppen, jedoch hauptsächlich  durch gezielte Ansiedlung von deutschen Bauern, Handwerkern, Bergleuten und Kaufleuten im 12. Jahrhundert, die vorrangig aus den thüringisch-obersächsischen und fränkischen Gebieten kamen. Die Thüringer haben ihren Dialekt auch hierher getragen, so dass obersächsische und schlesische Mundart als Form der thüringischen erscheint. "Harms Vaterländische Erdkunde" 1906
  • Zirka 1 Million Polen leben hauptsächlich im östlichen ländlichen Teil der Provinz.
  • 60.000 Mähren im südlichen Landesteil.
  • 24.000 Wenden (slawische Sorben) in der Oberlausitz.

 

Oppeln - Schlossbrücke und Evangelische Kirche
Oppeln - Moltkestraße
Oppeln - Schlossbrücke und Evangelische Kirche Oppeln - Moltkestraße

 

Bevölkerungsdichte: 122,4/km²

Religion:  Das Konsistorium und ein Generalsuperintendent in Breslau stehen an der Spitze der protestantischen Bevölkerung, während die Katholiken in Kirchensachen dem Fürstbischof von Breslau untergeordnet sind. Hiervon ausgenommen sind jedoch die Kreise Neurode, Glatz und Habelschwerdt, die zum Erzstift Prag, und der Kreis Leobschütz nebst einem Teil des Kreises Ratibor, der zum Erzstift Olmütz gehört.

1871

  • 1.761.661 Evangelisch (vorwiegend im Regierungsbezirk Liegnitz)
  • 1.895.321 Römisch-katholisch (vorwiegend im Regierungsbezirk Oppeln und in den Kreisen Glatz und Habelschwerdt)
  •        3.464 sonstige Christen
  •      49.619 Juden (vorwiegend in und bei Breslau, Liegnitz, Königshütte und Gleiwitz)
  •           102 Sonstige

Kattowitz - Bahnhofstraße
Kattowitz - Grundmannstraße
Kattowitz - Bahnhofstraße Kattowitz - Grundmannstraße

 

Militär: 1881 - In der Provinz garnisoniert das ganze VI. und ein Teil des V. Armeekorps- In Salau sind die Ulanen 1,5 stationiert. Die Regierungsbezirke Breslau und Oppeln bilden die Ersatzbezirke für das VI. Armeekorps (21. - 24. Brigade), der Regierungsbezirk Liegnitz für einen Teil des V. Armeekorps (17. und 18. Brigade). Festungen befinden sich in Glatz, Glogau und Neisse.

Wirtschaft:

  • Landwirtschaft: Die Provinz ist ausgezeichnet durch einen hoch entwickelten Ackerbau. Seine Grundlage bilden die Lößböden. Mittelschlesien von Oppeln bis Liegnitz ist die schlesische Kornkammer, erzeugt aber nicht bloß Getreide, sondern auch Flachs, Tabak und Zichorien dazu große Mengen Zuckerrüben. Der Weinbau bei Grünberg ist der nördlichste der Erde. Schlesien steht mit seinem Großgrundbesitz an dritter Stelle in Preußen (Pommern 64 %, Posen 58 %, Schlesien 51 %). Es ist die Provinz mit den größten Besitzungen, von denen manche größer sind als einige deutsche Kleinstaaten.
  • Bergbau: Die Provinz ist ungewöhnlich reich an Steinkohlen und Erzen (Oberschlesische Platte und Waldenburger Bergland), ebenfalls finden sich Braunkohlevorkommen. Zahlreich sind auch die Kalkstein-, Marmor-, Granit und Basaltsteinbrüche. Im Hügelland finden sich mehrfach Töpfertone und Porzellanerde, sowie Quarz- und Quarzlande für die Glaserzeugung.
  • Industrie ist hervorragend. In erster Linie die Webe-Industrie. durch Flachsanbau am Gebirgsrand und Schafzucht in der niederschlesischen Heide. Dementsprechend ist die Weberindustrie des Gebirgsvorlandes überwiegend Leinenindustrie (Hauptsitze Reichenbach, Langenbielau, Schweidnitz, Striegau, Waldenburg, Landshut, Hirschberg, Lauban, diejenige Niederschlesiens Tuchweberei (Grünberg, Sprottau, Sagan und das Oberlausitzsche Görlitz. Der Hauptsitz der Metallindustrie ist die Oberschlesische Platte, aber auch Breslau, Görlitz u.a. Städte haben bedeutende Eisenindustrie. Die Zahl der Zuckerfabriken wird nur von der Provinz Sachsen übertroffen. Durch Tonfabriken ist Bunzlau berühmt. Glasfabriken hat allein der Kreis Liegnitz über 20. Zahlreiche Mineralquellen, am bekanntesten sind Warmbrunn, Salzbrunn, Reinerz und Landeck.
  • Handel war seit jeher hervorragend. Die Hauptplätze sind Breslau, Liegnitz und Görlitz.

 

Myslowitz - Drei-Kaiserreich-Ecke (Deutschland-Österreich-Rußland)
Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz (Deutschland-Österreich-Rußland)
Myslowitz - Drei-Kaiserreich-Ecke (Deutschland-Österreich-Rußland) Dreikaiserreichsecke bei Myslowitz (Deutschland-Österreich-Rußland)

 

Provinz Schlesien

Postwesen und Briefmarken im Königreich Preußen

Das Königreich Preußen verfügte vom 18.01.1701 bis 31.12.1867 über eine eigene Posthoheit. Die erste preußische Briefmarke wurde 1857 ausgegeben. Ab 1866 gehörte Preußen zum Norddeutschen Postgebiet, ab 01.01.1871 zum Gebiet der Reichspost.

1857 1867 1868 - 1871 ab 1871 ab 1875
Erste Preußische Freimarke von 1857 Letzte Preußische Freimarke von 1867 Norddeutscher Postbezirk mit Währung Taler Deutsche Reichspost mit Währung Taler Deutsche Reichspost mit Währung Mark
Erste Preußische Freimarke von 1857 Letzte Preußische Freimarke von 1867 Norddeutscher Postbezirk mit Währung Taler Deutsche Reichspost mit Währung Taler Deutsche Reichspost mit Währung Mark
6 Pfennige 9 Kreuzer 1/2 Groschen 1 Groschen 20 Pfennig

 

Preußische Maße:

  • 1 Zoll-Pfund = 30 Lot = 500 Gramm (ab 1.1.1861)
  • 1 Fuß = 12 Zoll = 144 Linien = 139,13 par. Linien = 0,313853 m
  • 1 Elle = 25 1/2 Zoll = rd. 2/3 m, 1 Lachter = 80 Zoll = 2,09236 m
  • 1 Rute = 32 Fuß = 3,76624 m; 1 preußische Meile = 24000 Fuß = 7532,5 m
  • 1 Morgen = 180 Quadrat-Ruten = 25920 Quadrat-Fuß = 0,2553 ha
  • 1 Quart = 64 Kubik-Zoll = 1/27 Kubik-Fuß = 1,14503 l
  • 1 Oxhoft = 1 1/2 Ohm =3 Eimer = 6 Anker = 180 Quart = 2,0611 hl
  • 1 Scheffel = 16 Metzen = 48 Quart = 16/9 Kubik-Fuß = 0,54961 hl
  • 1 Wispel = 24 Scheffel = 13,191 hl
  • 1 Tonne = 4 Scheffel = 2,19846 hl
  • 1 Klafter = 108 Kubik-Fuß = 3,3389 cbm
  • 1 Schachtrute = 144 Kubik-Fuß = 4,4519 cbm
  • 1 Pfund = 30 Lot (zu 4 Quentchen zu 10 Zent zu 10 Korn) = 500 g
  • 1 Zentner = 100 Pfund, 1 Schiffslast = 40 Zentner
  • 1 Karat = 4 Grän = 64 Teile = 205,537 mg

 

Görlitz - Kaisertrutz
Görlitz - Denkmal Prinz Friedrich Carl mit Blockhaus
Görlitz - Kaisertrutz Görlitz - Denkmal Prinz Friedrich Carl mit Blockhaus


Provinz Schlesien

Währungen und Münzen im Königreich Preußen

1868 - 1875 ab 1875
  1 Taler = 30 Silbergroschen = 360 Pfennige 1 Mark = 100 Pfennig

 

Königreich Preußen - 1 Pfennig, 1870

Deutsches Reich - 5 Mark, 1901

Königreich Preußen - 1 Pfennig, 1870 Deutsches Reich - 5 Mark,  1901
Wilhelm König von Preußen - 2 1/2 Silbergroschen, 1869 Deutsches Reich - 10 Mark, 1888
Königreich Preußen - 2 1/2 Silbergroschen, 1869 Deutsches Reich - 10 Mark, 1888
Deutsches Reich - 20 Mark, 1888

Königreich Preußen - 1 Taler, 1860

Deutsches Reich - 20 Mark, 1888


Provinz Schlesien

Organisation der Verwaltungsbehörden

Die oberste Verwaltung der Provinz wird von dem Königlichen Oberpräsidium in Breslau ausgeübt, welches dem preußischen Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist.

Oberpräsidenten 1816 - 1918:

Regierungszeit Name Lebensdaten
 1816 - 1820

Friedrich Theodor Merckel (1. Amtszeit)

1775 - 1846
1820 - 1824 ? -
1824 - 1825 Moritz Haubold Freiherr von Schönberg 1770 - 1860
1825 - 1825 Ludwig Friedrich Viktor Hans Graf von Bülow 1774 - 1825
1825 - 1845 Friedrich Theodor von Merckel (2. Amtszeit) 1775 - 1846
1845 - 1848 Wilhelm Felix Heinrich Magnus von Wedell 1801 - 1866
30.03.1848 - 20.11.1848  Julius Hermann Pinder 1805 - 1867
1848 Hans Ludwig David Julius Theodor Florian Graf Yorck von Wartenburg 1805 - 1865
1848 - 1869 Johann Eduard Christoph Freiherr von Schleinitz 1798 - 1869
1869 - 1872 Eberhard Graf zu Stolberg-Wernigerode 1810 - 1872
1873 - 1874 Ferdinand Otto Freiherr von Nordenflycht 1816 - 1901
1874 - 1877 Adolf Graf von Arnim-Boitzenburg 1832 - 1887
1877 - 1879 Robert Victor von Puttkamer 1828 - 1900
1879 - 1894 Otto Theodor von Seydewitz 1818 - 1898
1894 - 1903 Hermann Fürst von Hatzfeldt-Trachenberg 1848 - 1933
1903 - 1909 Robert Graf von Zedlitz-Trützschler 1837 - 1914
1910 Johann Nikolaus Michael Louis von Dallwitz 1855 - 1919
1910 - 1919 Hans Lauchlan von Guenther 1864 - 1934

 

Provinz Schlesien

Administrative Gliederung

Die oberste Verwaltung der Provinz Schlesien wird von dem Königlichen Oberpräsidium in Breslau ausgeübt, welches dem preußischen Staatsministerium unmittelbar unterstellt ist. Die Provinz wird eingeteilt in 3 Regierungsbezirke und  70 Kreise, 1567 Amts- und 1743 Standesamtsbezirke:

1. Regierungsbezirk Breslau (die Mitte Schlesiens) mit einer Fläche von 13.483,63 km² und 1.697.719 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in zwei Stadtkreise und 23 Landkreise:

Stadtkreis Breslau, Stadtkreis Schweidnitz, sowie die Landkreise Breslau, Brieg, Frankenstein, Glatz, Groß Wartenberg, Guhrau, Habelschwerdt, Militsch, Münsterberg, Namslau, Neumarkt, Neurode, Nimptsch, Oels, Ohlau, Reichenbach, Schweidnitz, Steinau, Strehlen, Striegau, Trebnitz, Waldenburg und Wohlau. 1907 kam es zur Bildung des Stadtkreises Brieg.

Breslau - Blick vom Elisabeth-Turm Breslau - Königliche Bergwerkschule Striegau - Kasernen Oels in Schlesien Salzbrunn - Neues Kurhaus (Grand Hotel)
Breslau - Blick vom Elisabeth-Turm Breslau - Königliche Bergwerkschule Striegau - Kasernen Oels in Schlesien Salzbrunn - Neues Kurhaus (Grand Hotel)
Breslau - Stadttheater Breslau - Jahrhunderthalle Glatz in Schlesien Oels in Schlesien - Bahnhof Salzbrunn
Breslau - Stadttheater Breslau - Jahrhunderthalle Glatz in Schlesien Oels in Schlesien - Bahnhof Salzbrunn
Breslau - Kaiser-Wilhelm-Denkmal Schweidnitz - Bahnhof Oberstadt Waldenburg in Schlesien    
Breslau - Kaiser-Wilhelm-Denkmal Schweidnitz - Bahnhof Oberstadt Waldenburg in Schlesien    
Breslau - Kaiserbrücke 1916 Brieg - Ring mit Milchstraße Langenbielau    
Breslau - Kaiserbrücke 1916 Brieg - Ring mit Milchstraße Langenbielau    

 

2. Regierungsbezirk Liegnitz (der Westen Schlesiens) mit einer Fläche von 13.610,20 km² und 1.102.992 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in zwei Stadtkreise und 19 Landkreise:

Stadtkreis Görlitz, Stadtkreis Liegnitz, sowie die Landkreise Bolkenhain, Bunzlau, Freystadt, Glogau, Goldberg-Haynau, Görlitz, Grünberg, Hirschberg, Hoyerswerda, Jauer, Landeshut, Lauban, Liegnitz, Löwenberg, Lüben, Rothenburg (Oberlausitz), Sagan, Schönau und Sprottau

Görlitz - Obermarkt (1907)

Liegnitz - Königliches Schloss

Bunzlau - Gesamtansicht

Sagan - Keplerplatz mit altlutherischer Kapelle

Warmbrunn - Schlossplatz

Görlitz - Obermarkt (1907) Liegnitz - Königliches Schloss Bunzlau - Gesamtansicht Sagan - Keplerplatz mit altlutherischer Kapelle Warmbrunn - Schlossplatz

Görlitz - Landeskrone

Glogau - Markt und Katholische Kirche

Hirschberg in Schlesien - Warmbrunner Platz

Jauer - Ring mit Rathaus

Warmbrunn - Heinrichstrasse

Görlitz - Landeskrone Glogau - Markt und Katholische Kirche Hirschberg in Schlesien - Warmbrunner Platz Jauer - Ring mit Rathaus Warmbrunn - Heinrichstrasse

Liegnitz - Bahnhofstrasse

Grünberg in Schlesien - Grünbergshöhe - Bild aus der Weinlese

Herzog und Herzogin von Sagan

Schreiberhau - Marienthal mit Haus Sunem und Kapelle

Reichenbach - O/L.

Liegnitz - Bahnhofstrasse Grünberg in Schlesien - Grünbergshöhe - Bild aus der Weinlese Herzog und Herzogin von Sagan Schreiberhau - Marienthal mit Haus Sunem und Kapelle Reichenbach - O/L.

 

3. Regierungsbezirk Oppeln (der Osten Schlesiens) mit einer Fläche von 13.225,36 km² und 1.868146 Einwohnern (Jahr 1900), gliedert sich in 5 Stadtkreise und 19 Landkreise:

Stadtkreis Beuthen (OS), Stadtkreis Gleiwitz, Stadtkreis Kattowitz, Stadtkreis Königshütte, Stadtkreis Oppeln, sowie die Landkreise Beuthen (OS), Cosel, Falkenberg, Groß Strehlitz, Grottkau, Kattowitz, Kreuzburg, Leobschütz, Lublinitz, Neisse, Neustadt (OS), Oppeln, Pleß, Ratibor, Rosenberg (OS), Rybnik, Tarnowitz, Tost-Gleiwitz und Zabrze

Königshütte - Bahnhof

Neiße - Garnisonskirche

Gleiwitz - Wilhelmstraße

Ratibor - Große Vorstadtstraße

Kattowitz - Grundmannstraße

Königshütte - Bahnhof Neisse - Garnisonskirche Gleiwitz - Wilhelmstraße Ratibor - Große Vorstadtstraße Kattowitz - Grundmannstraße

Beuthen, Kaiserplatz

Oppeln

Leobschütz - Kreisverwaltungsgebäude

Myslowitz, Dreikaisereck

Kattowitz - Hauptbahnhof

Beuthen, Kaiserplatz Oppeln Leobschütz -  Kreisverwaltungsgebäude Dreikaisereck bei Myslowitz Kattowitz - Hauptbahnhof

 

 

Provinz Schlesien

Hymne

Riesengebirglers Heimatlied

Grünberg in Schlesien, Augusthöhe
Riesengebirge - Melzergrund
Grünberg in Schlesien, Augusthöhe Riesengebirge - Melzergrund

 

Riesengebirgslied

Text: Othmar Fiebiger

Melodie: Vinzenz Hampel

Riesengebirgslied Melodie

"Riesengebirgslied"

 
1. Blaue Berge, grüne Täler,
Mitten drin ein Häuschen klein,
Herrlich ist dies Stückchen Erde,
Und ich bin ja dort daheim.
Als ich einst ins Land gezogen,
Ham' die Berg' mir nachgeseh'n.
Mit der Kindheit, mit der Jugend,
Wußt selbst nicht wie mir gescheh'n.

Oh, mein liebes Riesengebirge,
Wo die Elbe so heimlich rinnt,
Wo der Rübezahl mit seinen Zwergen
Heut' noch Sagen und Märchen spinnt.
Riesengebirge, deutsches Gebirge,
Meine liebe Heimat du!
3. Heil'ge Heimat, Vater, Mutter;
Und ich lieg an ihrer Brust,
Wie dereinst in Kindheitstagen,
Da von Leid ich nichts gewußt.
Wieder läuten hell die Glocken,
Wieder streichelt ihre Hand,
Und die Uhr im alten Stübchen
Tickt wie grüßend von der Wand.

Du mein liebes Riesengebirge,
Wo die Elbe so heimlich rinnt,
Wo der Rübezahl mit seinen Zwergen
Heut' noch Sagen und Märchen spinnt.
Riesengebirge, deutsches Gebirge,
Meine liebe Heimat du!
2. Ist mir gut und schlecht gegangen,
Hab' gesungen und gelacht,
Doch in manchen bangen bangen
Stunden hat mein Herz ganz still gepocht.
Und mich zog's nach Jahr und Stunden
Wieder heim ins Elternhaus.
Hielt's nicht mehr vor lauter Sehnsucht
Bei den fremden Menschen aus.

Du mein liebes Riesengebirge,
Wo die Elbe so heimlich rinnt,
Wo der Rübezahl mit seinen Zwergen
Heut' noch Sagen und Märchen spinnt.
Riesengebirge, deutsches Gebirge,
Meine liebe Heimat du!
4. Und kommt's einstens zum Begraben,
Mögt ihr euren Willen tun,
Nur das eine, ja das eine,
Laßt mich in der Heimat ruh'n.
Wird der Herrgott mich dann fragen
Droben nach dem Heimatschein,
Zieh' ich stolz und frei und freudig
Flugs ins Himmelreich hinein.

Bin aus dem Riesengebirge,
Wo die Elbe so heimlich rinnt,
Wo der Rübezahl mit seinen Zwergen
Heut' noch Sagen und Märchen spinnt.
Riesengebirge, deutsches Gebirge,
Meine liebe Heimat du!

 

 

Provinz Schlesien

Schiffe der Kaiserlichen Marine

S.M.S. Schlesien
S.M.S. Breslau

 

Schlesien nach 1918:

  

1919 Die Wiederherstellung Polens war zu einem der Kriegsziele der Entente-Mächte im Ersten Weltkrieg geworden, und so wurde im Versailler Vertrag bestimmt, dass ganz Oberschlesien an Polen abzutreten sei. Aufgrund britischen Einspruchs wurde jedoch 1920 eine Volksabstimmung angeordnet. Französische, britische und italienische Truppen rückten in die Abstimmungsgebiete ein, um die "Interalliierte Regierungs- und Plebiszitkommission" zu unterstützen. Polnische Gruppen hatten seit 1919 versucht, durch zwei Aufstände vollendete Tatsachen zu schaffen. Am 21.03.1921 fand in Oberschlesien in Erfüllung der Festlegungen im Versailler Vertrages eine Volksabstimmung statt. Circa 61 % stimmen für den Verbleib in Deutschland. Über ein Drittel der Bevölkerung mit polnischer Muttersprache hatte für das Deutsche Reich gestimmt. Das für Deutschland günstige Abstimmungsergebnis, versucht der polnische Abstimmungskommissar Wojciech Korfanty zu unterlaufen. Er ruft seine Landsleute zum offenen Kampf für ein polnisches Oberschlesien auf (Korfanty-Aufstand). Seine Freikorps stoßen auf erbitterte Abwehr deutscher Selbstschutzverbände unter General Höfer. Nach dem Aufmarsch britischer Truppen im Juni 1921 ziehen sich die siegreichen deutschen Verbände und die geschlagenen Polen in ihre Ausgangsstellungen zurück. Im Oktober 1921 erfolgt auf Empfehlung des tschechoslowakischen Staatspräsidenten die Aufteilung Oberschlesiens. Städte mit deutscher Mehrheit wie Kattowitz 57% und Königshütte 75 %, sowie 75 % Steinkohleförderung und 80 % der Blei- und Zinkerzeugung gehen dem Deutschen Reich verloren. 120.000 Deutsche flüchten ins Reichsgebiet, 400.000 - 500.000 deutsche Schlesier leben unter polnischer Herrschaft.
1920 Ohne Volksabstimmung und unter Protest seiner Bevölkerung wurde 1920 das wegen seiner Steinkohlevorkommen wirtschaftlich bedeutende 286 km² große Hultschiner Ländchen der Provinz Schlesien an die Tschechoslowakei abgetreten. Das Gebiet wird 2 unterschiedlichen Verwaltungsgebieten zugeteilt, bis auf 2 Schulen werden alle deutschen Schulen geschlossen.
1939 Nach der Niederlage Polens im Herbst 1939 werden die abgetrennten Gebiete Oberschlesien dem Deutschen Reich wieder angegliedert.
1945 1945 fiel mit Einmarsch der sowjetischen "Roten Armee" der allergrößte Teil Schlesiens unter polnische Verwaltung. Der deutsche Osten wurde Opfer der stalinschen Westverschiebung Polens. Die in Schlesien ansässigen Deutschen (3 - 4 Millionen) flohen, wurden vertrieben und fielen letztendlich einer gründlichen "ethnischen Säuberung" zum Opfer; ca. 387.000 Deutsche gelten als "Nachkriegsverluste", also als ermordet, in Lagern verhungert, in der sowjetischen Verschleppung umgekommen oder vermisst (Statistisches Bundesamt 1958). Selbst die Stadt Görlitz wurde 1945 geteilt, der östliche Stadtteil  bildet heute die eigenständige polnische Stadt Zgorzelec. Nur in Oberschlesien lebt heute noch eine kleine deutsche Minderheit.

Die westlich der Görlitzer Neiße gelegen Teile Schlesiens gehören heute zum Freistaat Sachsen und damit zu Deutschland. Somit gehört auch heute noch ein kleiner Teil der ehemaligen Provinz Schlesien zu Deutschland.

 

       

 

   


 

 

 

 

 


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