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Haupt- und Residenzstadt 1871 - 1918
Hauptstadt des Deutschen Reiches und des Königreichs Preußen
Das Königreich Preußen mit seinen Provinzen: Brandenburg - Hannover - Hessen-Nassau - Ostpreußen - Pommern - Posen - Rheinland - Sachsen - Schlesien - Schleswig-Holstein - Westfalen - Westpreußen
Deutsches Reich - Berlin - S.M.S. Deutschland (1) - S.M.S. Deutschland (2) - S.M.S. Berlin
Berlin 2.050.222 Einwohner (1905) = größte Stadt des Deutschen Reichs.
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Berlin - Brandenburger Tor
Berlin ist die Hauptstadt des Deutschen Reiches und des Königreichs Preußen, zugleich erste Residenz des deutschen Kaisers und Königs von Preußen und Sitz der höchsten Reichs- und Staatsbehörden. Seit 1. April 1881 ist Berlin aus der Provinz Brandenburg ausgeschieden und bildet einen Verwaltungsbezirk für sich. Doch sind das Oberpräsidium, das Konsistorium, das Provinzialschulkollegium und das Medizinalkollegium der Provinz Brandenburg auch für Berlin als höhere Instanz zuständig. Das Polizeipräsidium ist für Berlin die königliche, der Magistrat die städtische Behörde. Hinsichtlich militärischer Maßnahmen haben der Oberbefehlshaber in den Marken, der Gouverneur und der Kommandant von Berlin Anordnungen zu treffen. Das Polizeipräsidium untersteht direkt dem Ministerium des Innern und gilt seit 1900 als oberste Polizeibehörde in den zu einem Landespolizeibezirk vereinigten Stadtbezirken Berlin, Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf. Es hat in Berlin die eigentliche Polizei und die Aussicht über Fremden-, Paß-, Fuhrwerks-, Dienstbotenwesen, Feuerwehr und sonstige zur Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung gehörige Anstalten. Für diese Zwecke steht ihm eine bedeutende Schutzmannschaft (einschließlich der Offiziere und Kriminalbeamten ca. 6000 Mann) zu Gebote, die zum Teil beritten ist. Über Berlin verteilt sind 12 Bezirkshauptmannschaften und 102 Polizeibüros. Der Magistrat besteht aus einem Oberbürgermeister, einem Bürgermeister, 15 besoldeten (darunter 2 Syndiken, 2 Schul- und 2 Bauräte) und 17 unbesoldeten Stadträten. Die verschiedenen einzelnen Aufgaben dieser Behörde werden durch Direktionen, Deputationen, Kommissionen und Kuratorien erledigt, die aus Magistratsmitgliedern, Stadtverordneten und Bürgerdeputierten bestehen; im ganzen sind im Gemeindedienst der Stadt etwa 20.000 Personen beschäftigt, von denen der größte Teil die Ämter unentgeltlich als Ehrenämter verwaltet. Die Stadt ist in 326 Bezirke geteilt, deren jeder einen unbesoldeten Vorsteher hat; ferner schickt sie aus 4 Wahlbezirken 9 Abgeordnete in das Abgeordnetenhaus (der Oberbürgermeister ist Mitglied des Herrenhauses) und 6 Abgeordnete aus 6 Wahlkreisen in den deutschen Reichstag. Die Zahl der Stadtverordneten beträgt 141. In Berlin haben außer Bundesrat und Reichstag folgende Reichsbehörden ihren Sitz: Auswärtiges Amt, Reichsamt des Innern, Reichsmarineamt, Reichsjustizamt, Reichsschatzamt, Reichseisenbahnamt, Verwaltung des Reichsinvalidenfonds, Reichspostamt, Reichsamt für die Verwaltung der Reichseisenbahnen, Reichsbank, Reichsschuldenkommission und das Reichsmilitärgericht. Preußische Behörden sind, abgesehen von den beiden Häusern des Landtags, in Berlin: Staatsrat, die 9 preußischen Ministerien nebst den ihnen unmittelbar unterstellten Behörden (wie unter dem Staatsministerium: Gerichtshof zur Entscheidung der Kompetenzkonflikte, Disziplinarhof für nicht richterliche Beamte, königliches Oberverwaltungsgericht); sowie der evangelische Oberkirchenrat.
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| Berlin - Königliches Schloss | Berlin - Königliches Schloss |
Die historischen Stadtteile sind durch die natürlichen Wasserläufe, die jetzt aber z. T. zugeschüttet sind, voneinander geschieden und zwar Alt-Kölln, als Zentrum der Stadt mit dem königlichen Schloss auf der Spreeinsel, Alt-Berlin, von gleichem Alter, mit dem Rathaus, nördlich davon gelegen Friedrichswerder und Neu-Kölln mit dem Zeughaus und der Reichsbank, ferner die Dorotheenstadt und Friedrichstadt, die sich in der Behrenstraße scheiden, zusammen aber von der Friedrichstraße durchzogen werden. Nördlich an die Dorotheenstadt am rechten Spreeufer stößt die Friedrich-Wilhelmstadt, die durch die Verlängerung der Friedrichstraße von dem Spandauer Viertel getrennt wird. Die Fortsetzung des letzteren nach Osten bilden die Königsstadt und das Stralauer Viertel, das mit der Friedrichstadt durch die Luisenstadt am linken Spreeufer verbunden ist. Diese letzten sieben Stadtteile bilden einen zweiten konzentrischen Kreis um die drei vorher genannten, die in unmittelbarem Anschluss an den Mittelpunkt den ersten Kreis bilden. Im W., N. und S. schiebt sich sodann noch ein dritter, im O. allerdings nicht geschlossener Kreis vor, dessen Mitte von dem Tiergarten eingenommen wird. Nördlich davon liegen das sogen. Hansaviertel, Moabit, Wedding und die Oranienburger und Rosenthaler Vorstadt, südlich die Friedrichsvorstadt, das Schöneberger und Tempelhofer Revier. Mit der alten Stadtmauer sind auch die Tore verschwunden bis auf eins, das Brandenburger Tor, das von den Linden zur Chaussee nach Charlottenburg führt. Es wurde von Langhans nach dem Vorbilde der Propyläen zu Athen 1789–93 errichtet, hat eine Breite von 62,5 m bei 20 m Höhe und besteht aus einem Doppelportikus von 12 dorischen kannelierten, je 14 m hohen Säulen, die fünf Durchgänge für Wagen bilden, während für Fußgänger 1868 ein in gleichem Stil gehaltener Säulenbau hinzugefügt wurde. Die Attika trägt die in einer Quadriga stehende Siegesgöttin, 6,3 m hoch, von Schadow modelliert, von Jury und Gerike in Kupfer getrieben; diese Viktoria wurde 1807 von den Franzosen nach Paris entführt, aber 1814 zurückgebracht. Seitdem fährt sie das Viergespann (anders als vor 1807) der Stadt zu, und in die Spitze ihres adlergekrönten Stabes wurde das Eiserne Kreuz eingefügt.
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| Kaiserstadt Berlin | Berlin - Brandenburger Tor |
Die schönste Brücke Berlins ist die Schlossbrücke, 1822 bis 1824 nach Schinkels Entwürfen gebaut, 48 Meter lang und 32 Meter breit. Ihr Geländer wird von acht Marmorgruppen geziert, die das Leben eines Kriegers durch antike Figuren zur Anschauung bringen. Monumental erscheint auch die 1886–89 von der Stadt Berlin erbaute Kaiser Wilhelm-Brücke, die den Lustgarten mit der Kaiser Wilhelm-Straße verbindet. Die vom Schlossplatz zur Königstraße führende Lange oder Kurfürstenbrücke, 1692–95 erbaut, 1895 erneuert und verbreitert, ist durch das meisterhafte Standbild des Großen Kurfürsten geschmückt, von Schlüter entworfen und modelliert, von Jacobi in Erz gegossen und 12. Juli 1703 feierlich enthüllt. Die übrigen älteren Brücken sind seit ihrem Übergang in das Eigentum der Stadt (1876) neu erbaut; hervorzuheben sind die Oberbaum-, Schillings-, Michaels-, Jannowitz-, Waisen-, Friedrichs-, Weidendammer, Marschalls-, Kronprinzen-, Moltke-, Luther-, Moabiter-, Lessing-, Hansa- und Achenbachbrücke, ferner von Kanalbrücken die Belle-Alliance- und die Herkulesbrücke (jene mit allegorischen Marmorgruppen, diese mit den mythologischen Figuren der alten Herkulesbrücke), ferner die mit den Standbildern von Helmholtz, W. Siemens, Gauß und Röntgen geschmückte Potsdamer Brücke. Die über 700 Straßen der Stadt haben zusammen eine Länge von etwa 464 km. Die schönste Straße ist die vom Brandenburger Tor nach dem königlichen Schloss führende Unter den Linden, 1004 Meter lang, 60,6 Meter breit, in der Mitte mit einer dreifachen Baumreihe und einer Promenade, an der Nordseite mit einem Weg zum Reiten, auf beiden Seiten mit Fahrwegen und breiten Trottoirs für die Fußgänger versehen. Hier stehen das Palais Kaiser Wilhelms I., die alte Kunstakademie, das Kultusministerium, das Ministerium des Innern, die russische Botschaft, mehrere Hotels und eine Reihe der glänzendsten Kaufläden; sie hat nach Osten zu eine Art Fortsetzung erhalten in der durch die alten Stadtteile gelegten Kaiser-Wilhelmstraße. Von den Linden führt in einer unterbrochenen Linie nach der Ecke der Friedrich- und Behrenstraße die Passage (Kaisergalerie genannt). Die Friedrichstraße durchschneidet die Stadt von Norden nach Süden vom Oranienburger Tor bis zum Belle-Allianceplatz und ist 3 km lang. Die Wilhelmstraße enthält in ihrer ersten Hälfte von den Linden ab das Reichskanzlerpalais, Minister- und Gesandtschaftshotels. Die Leipziger Straße verbindet zwei große Plätze (Dönhofs- und Leipziger Platz). An ihr liegen das Kriegsministerium, das Reichspostamt, das Herrenhaus und zahlreiche großartige Geschäftshäuser sowie die Warenhäuser von Wertheim und Tietz. Die neuesten Straßen liegen in dem sich immer weiter hinausschiebenden Westen, zwischen der Tiergarten-, Potsdamer Straße und dem zoologischen Garten; unter ihnen zeichnen sich die Viktoria-, Bellevue-, Kurfürstenstraße und der nur zum kleinsten Teil zu Berlin gehörige Kurfürstendamm aus. Der weiter im Westen entstandene neue Stadtteil gehört schon zu Charlottenburg (Provinz Brandenburg). Berlin zählt 72 öffentliche Plätze, darunter die wichtigsten der Opernplatz am östlichen Ende der Linden, von den prachtvollsten Gebäuden (Zeughaus, Universität, Opernhaus) umgeben; der Gendarmenmarkt (in seiner Mitte, am Denkmal Schillers, Schillerplatz genannt) in der Friedrichstadt; der Schlossplatz; der Lustgarten zwischen der nördlichen Langseite des Schlosses, dem Dom und dem Museum; der Leipziger Platz; der Wilhelmsplatz in der Friedrichstadt; der Pariser Platz am Brandenburger Tor; der Königsplatz (mit dem Siegesdenkmal und dem Reichstagsgebäude) nordwestlich von letzterem; der Dönhofsplatz an der Leipziger Straße; der kreisförmige Belle-Allianceplatz am Halleschen Tor; der Lützowplatz; der Nollendorfplatz an der Grenze gegen Charlottenburg und Schöneberg (jetzt verunziert durch einen Bahnhof der Hochbahn).
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| Berlin - Schlossbrücke und Dom | Berlin - Potsdamer Brücke |
Die hervorragendste der öffentlichen Anlagen Berlins ist der Tiergarten. Er umfasst ein Areal von ungefähr 255 Hektar und erhielt unter Friedrich Wilhelm III. durch Lenné im wesentlichen seine Gestalt. Durch seinen südöstlichen Teil führt die Siegesallee mit den vom Kaiser Wilhelm II. 1898–1901 errichteten 32 Marmorgruppen von brandenburgischen und preußischen Herrschern zum Königsplatz. Von den öffentlichen Denkmälern sei zunächst das 1821 für die 1813–15 gefallenen Krieger auf dem Kreuzberg (20 m hohe, in gotischer Pyramidenform nach Schinkels Entwurf) errichtete erwähnt. Ein Seitenstück dazu bildet die am 2. September 1873 eingeweihte Siegessäule auf dem Königsplatz, die nach dem Entwurf von Strack zur Erinnerung an die drei siegreichen Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 ausgeführt wurde und mit der sie krönenden Viktoria von Drake eine Gesamthöhe von 61 m erreicht. Ihr gegenüber ist vor dem Reichstagsgebäude 1901 dem Reichskanzler Fürsten Bismarck ein Kolossaldenkmal (nach einem Entwurf von R. Begas) errichtet worden. Von älteren Denkmälern sind noch die Friedenssäule auf dem Belle-Allianceplatz mit einer Viktoria von Rauch und das Nationalkriegerdenkmal im Invalidenpark zum Andenken an die 1848 und 1849 Gefallenen (1854 errichtet) zu erwähnen. Das figurenreichste Werk monumentaler Skulptur ist aber die Reiterstatue Friedrichs d. Große, ein Meisterwerk Rauchs, von Friebel in Erguss ausgeführt, 13,5 m hoch, am Eingang der Linden, die am 31. Mai 1851 enthüllt wurde. Das umfangreichste Denkmal Berlins ist das am 22. März 1897 enthüllte Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. auf dem Platze der ehemaligen Schlossfreiheit (von R. Begas) mit einer den architektonischen Abschluss bildenden Hallenanlage (von G. Halmhuber). Andere Denkmäler sind die der Helden der Befreiungskriege auf dem Opernplatz, der des Siebenjährigen Krieges auf dem Wilhelmsplatz, der Grafen Brandenburg und Wrangel auf dem Leipziger Platz, das Reiterstandbild König Friedrich Wilhelms III. (von Wolff) im Lustgarten, 1871 enthüllt, das Reiterstandbild Friedrich Wilhelms IV. (von Calandrelli, 1886 enthüllt) auf der Freitreppe der Nationalgalerie, das Marmordenkmal der Kaiserin Augusta (von Schaper, seit 1895) vor der königlichen Bibliothek, das Lutherdenkmal auf dem Neuen Markt (1895 enthüllt, von P. Otto und V. Toberentz), sowie die Denkmäler von Schinkel, Beuth und Thaer (Rauchs letztes Werk) vor der früheren Bauakademie, von Schinkel, Rauch, Schadow, Winckelmann, K. O. Müller, D. Chodowiecki, Cornelius, v. Knobelsdorff, Carstens und Schlüter in der Vorhalle des alten Museums, die Denkmäler Wilhelms und Alexanders v. Humboldt (das erstere v. P. Otto, das zweite von R. Begas) sowie für Helmholtz (von E. Herter) vor der Universität, das von Hegel (Kolossalbüste) hinter der Universität (Hegelplatz), von Chamisso (gleichfalls Kolossalbüste) auf dem Monbijouplatz, das am 10. November 1871 enthüllte Schillerdenkmal von R. Begas auf dem Schillerplatz, das Denkmal des Freiherrn vom Stein auf dem Dönhofsplatz (seit 1875) von Schievelbein, die der Abgeordneten Waldeck (von Walger) und Schultze-Delitzsch (von H. Arnoldt), die Kolossalstatue der Berolina auf dem Alexanderplatz (von E. Hundrieser), die Bronzestandbilder der Markgrafen Waldemar und Albrecht des Bären (von M. Unger und I. Boese) auf dem Mühlendamm, die Gruppe der heil. Gertraudis (von R. Siemering); das Denkmal des Turnvaters Jahn von Encke in der Hasenheide, das Aloys Senefelders von Pohle im Norden der Stadt; das Feuerwehrdenkmal (auf dem Mariannenplatz). Die beiden großen Berliner Ärzte v. Grase und Wilms haben 1882–83 jeder ein Denkmal erhalten; auch sind den Dichtern aus den Befreiungskriegen im Viktoriapark Hermen errichtet worden. – An monumentalen Brunnen sind zu erwähnen, auf dem Schlossplatz (im Zuge der Breiten Straße) der von R. Begas 1891 geschaffene Schlossbrunnen, den die Stadt Berlin Kaiser Wilhelm II. als Huldigungsgeschenk darbrachte; auf dem Spittelmarkt der 1891 von Kyllmann und Heyden in Granit errichtete Spindlerbrunnen; schlussendlich der 1902 von Kaiser Wilhelm II. der Stadt geschenkte Rolandbrunnen mit Rolandstatue am Schlusspunkt der Siegesallee (1902 nach dem Entwurfe von O. Lessing errichtet) an Stelle des sogenannte Wrangelbrunnens.
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| Berlin - Nationaldenkmal Kaiser Wilhelm I. | Berlin - Siegesallee |
An gottesdienstlichen Gebäuden besitzt Berlin 58 evangelische Kirchen und Kapellen (in 48 Gemeinden), 8 katholische Kirchen und 10 Kapellen, 15 Kirchen und Kapellen von der Landeskirche unabhängiger Gemeinden und 9 Synagogen. Von den evangelischen Kirchen stammen vier aus dem Mittelalter, darunter aus dem 13. Jahrhundert die Marienkirche (mit dem Grabdenkmal des Feldmarschalls v. Sparr) und die Nikolaikirche, beide wiederhergestellt. Im 17. und 18. Jahrhundert sind 14 Kirchen entstanden und meist in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts renoviert, darunter die Französische und die Neue Kirche aus dem 18. Jahrhundert; die an beide angefügten Kuppeltürme ließ Friedrich II. nach dem Muster der Kirche Maria del Popolo in Rom erbauen. Unter Friedrich Wilhelm III. sind zwei von Schinkel erbaut, wie die Friedrich Werdersche Kirche im gotischen Stil, unter Friedrich Wilhelm IV. acht, meist von Stüler (wie die Matthäi-, Markus- und Bartholomäuskirche) oder von Strack (wie die Andreas- und Petrikirche), unter Kaiser Wilhelm I. zehn, darunter von Orth die Zions- und die Dankeskirche, von Otzen die gotische Heilig-Kreuzkirche. Mehr als 20 Kirchen sind unter Kaiser Wilhelm II. entstanden, und zwar die umfangreichsten und schönsten. Unter den Stilformen überwiegen dabei der gotische und romanische Stil, einige sind neuerdings im altmärkischen Baustil erbaut; die meisten dieser Kirchenbauten stammen von Orth, Spitta, Otzen und Schwechten her. Zu den schönsten neuern Kirchenbauten gehört in erster Linie der Dom am Lustgarten, seit 1894 im Stil der Hochrenaissance von J. C. Raschdorff aus schlesischem Sandstein erbaut, 114 m lang, 43 m tief, 100 m hoch; er besteht aus einer zweischiffigen Vorhalle, der dahinter liegenden Predigtkirche in Gestalt eines ungleichseitigen Achtecks, der Tauf- und Trauungskirche an der Süd- und der Denkmalskirche an der Nordseite, unter der sich die Hohenzollerngruft befindet. Sodann ist die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche am Zoologischen Garten zu erwähnen; sie ist 1891–95 von Schwechten im spätromanischen Stil aus rheinischem Tuffstein erbaut und mit Statuen und Glasmalereien reich geschmückt; ferner die Kaiser Friedrich-Gedächtniskirche an der Südseite des Hansaviertels, 1895 von Vollmer im gotischen Stil erbaut; die Gnadenkirche (zum Gedächtnis an die Kaiserin Augusta), 1892–94 im romanischen Stil von Spitta erbaut, die gotische Lutherkirche (von Otzen 1891–94), die neue Garnisonkirche an der Hasenheide, 1894–97 von Roßteuscher im gotischen Stil errichtet, etc. Die älteste der katholischen Kirchen ist die St. Hedwigskirche am Opernplatz, 1747–73 nach dem Muster des Pantheons in Rom gebaut und 1886–87 durch Hasak renoviert. Außer der St. Michaelskirche stammen die übrigen katholischen Kirchen aus dem letzten Jahrzehnt, darunter die katholische Garnisonkirche zu St. Johannes in der Gneisenaustraße (1895–97 von Mencken erbaut). Die von 1859–60 erbaute jüdische Synagoge in der Oranienburger Straße ist im maurischen Stil von Knoblauch, eine andre in der Lindenstraße 1896–98 von Cremer u. Wolffenstein erbaut.
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| Berlin - Kaiser Wilhelm-Gedächtnis-Kirche | Berlin - Spittelmarkt |
Aus dem Mittelalter stammt noch das sogenannte Lagerhaus in der Klosterstraße, Quartier der Kurfürsten vor der Erbauung des Schlosses, um 1900 Sitz des Geheimen Staatsarchivs und des Rauchmuseums. Auch das Schloss reicht in seinem ältesten Teile noch ins 15. und 16. Jahrhundert hinein, doch wurde es seit 1698 von Andreas Schlüter und nach ihm von J. F. Eosander umgebaut; Friedrich Wilhelm IV. fügte die 71 m hohe Schlosskapelle und die Terrasse am Lustgarten hinzu, und Kaiser Wilhelm II. ließ 1888–89 die nach dem Schlossplatz gelegenen Wohnräume neu herrichten und den Nordwestflügel umbauen. Das Schloss bildet ein längliches Viereck (mit einem seitlichen Vorbau nach dem Dom zu) und umschließt vier Höfe (darunter der äußere mit der Kolossalstatue des drachentötenden St. Georg); die Front am Lustgarten ist 197 m, die am Schlossplatz 168 m, die Seite nach der Schlossfreiheit 117 m lang; die Höhe des Gebäudes mit seinen vier Stockwerken beträgt 32 m. Von den fünf Portalen ist das nach der Schlossfreiheit eine Nachahmung des Septimianischen Triumphbogens. Das Hauptportal nach dem Lustgarten flankieren zwei Gruppen von Rossebändigern (Erzguß nach Modellen des Barons Clodt v. Jürgensburg), Geschenke des russischen Zaren Nikolaus. Das Schloss enthält circa 600 Zimmer, Säle etc., wovon der Ritter- oder Thronsaal, der Weiße Saal und die Bildergalerie die bemerkenswertesten sind. Im Stil des Schlosses ist die Fassade des neuen Marstallgebäudes an der Südseite des Schlossplatzes gehalten. Jenseits der Schlossbrücke erhebt sich das Palais, das Kaiser Friedrich III. als Kronprinz und vor ihm Friedrich Wilhelm III. bewohnte, und das Palais Kaiser Wilhelms I. Unter den Linden (1834–36 vom Oberbaurat Langhans erbaut); das Sterbezimmer Kaiser Wilhelms ist zu einer Gedächtniskapelle umgewandelt worden. Durch eine Galerie ist damit das ehemalige Niederländische Palais aus dem 18. Jahrhundert verbunden. Dem königlichen Schloss gegenüber erheben sich das Alte und das durch einen Bogengang mit demselben verbundene Neue Museum, ersteres eine Schöpfung Schinkels, letzteres Stülers. Das Alte Museum, 1824–28 erbaut, bildet ein längliches Viereck, 86,6 m lang, 56 m tief und mit der Kuppel 26 m hoch; eine 28,5 m breite Freitreppe führt zu einer mit Fresken geschmückten Vorhalle. Die beiden Treppenwangen sind mit Gruppen in Bronzeguss von Wolff (Löwentöter) und Kiß (Amazone), ausgestattet. Dieses Museum ist für Gemälde und Bildwerke bestimmt, während das Neue Museum, 1843–55 erbaut, Gipsabdrücke, Vasen, Terrakotten, Kupferstiche und andere Sammlungen beherbergt. Der Mittelbau umschließt das 18 m breite, 40 m hohe Treppenhaus mit sechs historischen Wandgemälden von Kaulbach. Neben dem Neuen Museum erhebt sich die Nationalgalerie, aus Sandstein (nach einem Entwurf Stülers) von Strack erbaut. An der Nordwestspitze der Museumsinsel erheben sich das Pergamonmuseum (1897–99 nach Plänen von Wolff erbaut) und das Kaiser Friedrich-Museum (von E. Ihne). Nördlich davon, jenseits der Spree, steht Schloss Monbijou (Hohenzollernmuseum, im 18. Jahrhundert von J. F. Eosander) und südwestlich vom Museum, auf dem Friedrichswerder, das Zeughaus, 1695–1706 nach Nehrings Plänen im Stil der italienischen Spätrenaissance errichtet, 1880–83 im Innern als "Ruhmeshalle" umgebaut. Unter den plastischen Dekorationen nehmen die Masken sterbender Krieger im inneren Hof und das den ruhenden Mars darstellende Relief an der Stirnseite des oberen Stockes (beides von Schlüter) die erste Stelle ein. Das Untergeschoß enthält Sammlungen von Geschützen und Festungsmodellen, das Obergeschoß eine vorzügliche Waffensammlung, die Herrscherhalle (Statuen der preußischen Regenten seit dem Großen Kurfürsten, vier Wandgemälde aus der preußischen Geschichte und allegorische Kuppelmalereien von Geselschap) und die Feldherrenhalle (Kolossalbüsten brandenburgisch-preußischer Heerführer und 13 Wandgemälde aus der brandenburgisch-preußischen und deutschen Geschichte). Westlich davon steht die Königswache, 1819 von Schinkel in der Form eines römischen Castrum erbaut; das Universitätsgebäude, ehemals Palais des Prinzen Heinrich, 1754–64 von Boumann (Vater) erbaut; das alte Akademiegebäude (1690 von Nehring erbaut, 1749 von Boumann restauriert), das bisher der Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Künste zum Sitz diente (die Hochschulen für die bildenden Künste und die Musik sind in das 1902 vollendete Gebäude in der Hardenbergstraße in Charlottenburg verlegt); am Opernplatz die königliche Bibliothek (1770–80 durch Boumann erbaut); das Opernhaus (1741–43 von Knobelsdorff erbaut, nach dem Brand von 1843 durch Langhans wiederhergestellt); am Schinkelplatz und Werderschen Markte die ehemalige Bauakademie, ein Hauptwerk Schinkels (1835 aus Backsteinen errichtet), seit 1884 als Kunstakademie dienend, und auf dem Schillerplatz das Schauspielhaus.
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| Berlin - Nationalgalerie | Berlin - Königliches Museum im Lustgarten |
Aus dem 18. Jahrhundert stammen das Hausministerium, das Auswärtige Amt, das Reichskanzlerpalais, das Kammergericht, die russische Botschaft, die Kommandantur u. a. An die oben erwähnten Bauten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schlossen sich unter der Regierung Wilhelms I. an, das Rathaus, ein Backsteinbau von 99,2 m Länge und 87,9 m Breite mit 74 m hohem Turm, von Wäsemann 1861–70 erbaut, die Börse (von Hitzig 1859–63 im Renaissancestil aus Sandstein erbaut und 1884 erweitert), die Münze (mit einem von dem alten Gebäude übernommenen Relief von Schadow), mehrere Universitätsinstitute (Kliniken, physikalisches und physiologisches Institut etc.), die Geologische Landesanstalt und Bergakademie, die Landwirtschaftliche Hochschule, das Museum für Naturkunde, das Generalstabsgebäude, die Kriegsakademie, das Hauptpostamt in der Königstraße, das Reichspostamt in der Leipziger Straße (1871–73 von Schwatlow erbaut, 1893–98 von Techow und Ahrens erweitert), das Polizeipräsidium (1885–90 von Blankenstein und Hesse erbaut), die Zentralmarkthalle, das Museum für Völkerkunde (1886) und das Kunstgewerbemuseum (1877 bis 1881 von Gropius und Schmieden erbaut), der Packhof und das Kriminalgerichtsgebäude in Moabit (1882–85 erbaut), die neuen Bahnhofsgebäude, wie der Potsdamer und der Anhaltische Bahnhof (dieser von Schwechten 1875–80 errichtet), mehrere Bahnhöfe der Stadtbahn, die Reichsbank (1869–76 von Hitzig erbaut, 1894 erweitert, zahlreiche Bauten von höheren und Gemeindeschulen etc. Noch imposanter sind manche der unter Kaiser Wilhelm II. vollendeten öffentlichen Bauten, zunächst das Reichstagsgebäude, 1884–94 von Wallot im Stil der Hochrenaissance mit einem Kostenaufwand von 22 Millionen Mark erbaut, 132 m lang, 88 m breit, bis zum Hauptgesims 27 m hoch, mit einer Kuppel (75 m) und vier Ecktürmen (46 m); sowie die beiden Häuser des Landtags zwischen der Prinz Albrecht- und der Leipziger Straße, von denen das Abgeordnetenhaus im Stil der italienischen Hochrenaissance 1893–98 von F. Schulze erbaut ist. Neubauten für mehrere Reichsämter sind um 1900 errichtet worden, wie das Reichspatentamt im Barockstil, das Reichsversicherungsamt im Renaissancestil und das Reichsgesundheitsamt (alle drei von A. Busse). Für das Land- und Amtsgericht I wird ein gewaltiger Neubau von Schmalz in der neuen Friedrichstraße errichtet (Tafel II, Fig. 3). Beträchtlich ist ferner die Zahl der Monumentalbauten, die für große Bankinstitute, Hotels, Bierhäuser, Vereinshäuser (z. B. das Künstlerhaus in der Bellevuestraße), Waren- und Geschäftshäuser errichtet sind. Auch einige Theater, wie das Lessingtheater, das Neue und das Metropoltheater, ferner der Zirkus Busch und mehrere Reitbahnen sind neu entstanden. Zahllos sind die neuern Privathäuser, die besonders in den westlichen Stadtteilen durch ihre stattlichen Fassaden und glänzende innere Einrichtung sich auszeichnen.
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| Berlin - Reichstag und Bismarckdenkmal | Berlin - Rathaus |
Die Bevölkerung Berlins hat sich im letzten Jahrhundert in fast beispielloser Weise vermehrt:
| 1816 | 1849 | 1871 | 1880 | 1890 | 1900 | 1905 | 1910 | 1919 |
| 197.717 | 431.566 | 826.341 | 1.122.330 | 1.578.794 | 1.888.848 | 2.050.222 | 2.071.257 | 1.902.509 |
Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 betrug sie 1.888.848 (darunter ca. 20.000 Mann Militär). Die jährliche Zunahme belief sich im Zeitraum 1895–1900 auf 2,37 %. Nach dem Geschlecht entfielen 1900 auf 100 männliche 109,1 weibliche Personen. Geboren wurden 1900: 26.584 Knaben, 25.086 Mädchen, worunter 1007 männliche und 832 weibliche Totgeborene. Unehelich geboren wurden 7722 (14,94 %), darunter 424 Totgeborene. 20.756 Eheschließungen fanden statt. Gestorben sind (einschl. Totgeborene) 19.712 männliche, 17.537 weibliche Personen. 1891/1900 fanden im Durchschnitt jährlich 10,1 Eheschließungen, 29,9 Geburten, 20,2 Sterbefälle auf 1000 Einwohner statt. Die Zahl sämtlicher in Berlin gelegenen bebauten Grundstücke belief sich 1900 auf 25.357, die Zahl der Wohnhäuser auf 37.733, die der Haushaltungen auf 471.534. Der Religion nach gab es 1. Dezember 1900: 1.590.115 (84,2 %) Evangelische, 188.440 (9,97 %) Römisch-Katholische, 14.209 andere Christen und 92,206 (4,88 %) Juden. Bei 1.844.600 Personen war die Muttersprache deutsch, 14.061 sprachen daneben noch eine fremde Sprache (darunter 10.628 polnisch), 30.187 ausschließlich eine fremde Sprache. In der Bevölkerung tritt das Berlinertum mehr und mehr zurück; zählte man 1880 unter 1000 Einwohner noch 434 geborene Berliner, so sind es 1900 nur noch 409. 1900 gab es in Berlin 35.026 Reichsausländer (besonders Österreicher, Russen, Ungarn und Amerikaner). Nach der Berufszählung vom 14. Juni 1895 umfasste die Bevölkerung 43,33 % Erwerbstätige im Hauptberuf, 3,78 % Dienende für häusliche Dienste, 48,85 % Angehörige ohne Hauptberuf und 4,04 % berufslose Selbständige. Infolge der ursprünglich teils wendischen (slawischen) Bevölkerung und der Einwanderung der Franzosen (Hugenotten) mischt sich in dem Berliner mit dem deutschen slawisches und romanisches Blut. Man schätzt, dass die Bevölkerung zu 35 % germanischer, zu 36 % romanischer, zu 24 % slawischer und zu 5 % jüdischer Abstammung sei und sagt wohl nicht zu Unrecht, dass sich in dem Berliner "der Fleiß des Deutschen, die Zähigkeit des Slawen, die Gewandtheit des Franzosen und die Beredsamkeit des Israeliten vereinigt" (Penck).
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| Berlin - Leipziger Platz | Berliner Leben: "Dat is jrade wat scheenes" |
Die Industrie nimmt unter den Erwerbszweigen den ersten Rang ein. 1895 waren 52,85 % aller im Hauptberuf Erwerbstätigen in der Industrie, dem Gewerbe und Bauwesen beschäftigt. Man zählte 150.170 Haupt- und 5898 Nebenbetriebe; von ersteren waren 1006 Großbetriebe (mit über 20 Gehilfen), die größten Betriebe (341 mit je über 100 Personen) entfielen auf den Maschinenbau, das Baugewerbe, die Industrie in Bekleidung und Reinigung, die Nahrungsmittel-, die Textilindustrie und die polygraphischen Gewerbe. Am umfangreichsten ist die Bekleidungsindustrie, die ihren Sitz in der Gegend des Hausvogteiplatzes hat und meist als Heimarbeit betrieben wird; ihr gehören an die Mäntelkonfektion (jährlicher Produktionswert 120–150 Millionen Mark), die Damenkleiderkonfektion, die Fabrikation von Besatzstoffen, Knöpfen, künstlichen Blumen, Hüten, die Wäschefabrikation, die Färberei, Druckerei und Appretur. Ausgedehnt ist ferner die Maschinen- und Eisenindustrie, die in den nördlichen Stadtteilen, in Moabit und im Südosten Berlins heimisch ist, für die aber um 1900 große Werke in den Vororten (Oberschöneweide, Tegel etc.) errichtet sind. Für die Metallwarenindustrie bildet die Ritterstraße den Mittelpunkt. Bedeutend ist der Bau von Eisenbahn-, Post- und gewöhnlichen Wagen, Nähmaschinen, Stahlfedern, feuerfesten Geldschränken, Chronometern, elektrischen Beleuchtungsanlagen, Motoren und Telegraphenapparaten, die Feinmechanik sowie die Bijouterie (Schmuck). Sehr bedeutend ist ferner die Herstellung von Juwelierarbeiten, die Fabrikation von Gold- und Silberwaren, Kautschuk- und Guttapercha-Artikeln, Seife, Chemikalien, Holzarbeiten, Dachpappe, Marmorwaren, wohlriechenden Wässern, Goldleisten, Schirmen, Posamentierwaren, Linoleum, Asphalt, Porzellan, Öfen und andern Tonwaren, Pianofortes und andern musikalischen Instrumenten, Möbeln, Papier, Tapeten, Handschuhen sowie die Bierbrauerei. In Berlin nebst Vororten produzierten 1900/1901: 111 Brauereien 2.793.790 hl untergäriges und 1.412.248 hl obergäriges Bier. Zahlreiche Gärtnereien pflegen Spezialitäten, namentlich Blattpflanzen, Maiblumen, Zwiebelgewächse, Alpenveilchen, Baumschulartikel etc. Außerdem gehört Berlin zu den Hauptsitzen des deutschen Buchhandels (man zählt etwa 700 Buch-, Kunst- und Musikalienhandlungen) und hat umfangreiche Buchdruckereien, lithographische Anstalten, Schriftgießereien etc. Die industriellen Aktiengesellschaften hatten Ende 1899 ein Aktienkapital von 622 Millionen Mark. Ende 1899 waren 8704 Fabriken der gesetzlichen Revision des Gewerberates unterstellt; sie beschäftigten zusammen ca. 210.000 Personen, darunter 13.300 unter 16 Jahren. Den zweiten Rang im Berliner Erwerbsleben nehmen Handel und Verkehr ein; daran sind 23,64 % aller im Hauptberuf Erwerbstätigen beteiligt. Hauptartikel des Berliner Warenhandels sind Getreide, Spiritus, Vieh, Wolle und Brennstoffe. Die Zufuhr an Cerealien belief sich 1900 auf 47.134 Tonnen Weizen, 112.314 T. Roggen, 59.325 T. Gerste, 112.577 T. Hafer und ca. 110.000 T. Mehl, wovon der größte Teil für den Konsum in Berlin verblieb. Berlin ist der Sitz einer bedeutenden Getreidespekulation, außerdem ein Zentrum des Spiritushandels. 1900 stand einer Zufuhr von über 47,5 Millionen Litern eine Ausfuhr von 13–15 Millionen Litern gegenüber. Der fünftägige Juniwollmarkt vermittelt den Hauptumsatz in Wolle (1900 wurden 24.000 Zentner zum Verkauf). An Stein- und Braunkohlen gingen 1901 zum Lager und Konsum ein 4.274.000 Tonnen; die Einfuhr von Petroleum betrug fast 81 Millionen kg, die von ausländischem Wein 16,9 Millionen kg, die von Eiern 30,2 Millionen kg. Was den Schiffsverkehr anbelangt, so kamen 1899 in Berlin an: 57.134 Schiffe mit 5.031.319 Tonnen Ladung, es gingen ab: 55.821 Schiffe mit 626.081 Tonnen Ladung. Die Börse, täglich von 4000 Personen besucht, ist im Staatspapier- und Aktienhandel Deutschlands Hauptbörse und für den europäischen Geldmarkt von Bedeutung. Außerdem ist 1902 eine Handelskammer in Berlin errichtet worden. In naher Beziehung zur Börse steht die Bank des Berliner Kassenvereins (seit 1850). Die Geldoperationen werden gefördert durch die Reichsbank (1899 hatte die Berliner Hauptbank einen Umsatz von 60.708 Millionen Mark); ferner die Deutsche Bank (150 Millionen Mark Kapital), Diskontogesellschaft und Dresdener Bank (je 130 Millionen Mark), Bank für Handel und Industrie (105 Millionen Mark), Berliner Handelsgesellschaft (90 Millionen Mark), Nationalbank für Deutschland (60 Millionen Mark), Preußische Bodenkreditbank (30 Millionen Mark), Zentralbodenkredit-Aktiengesellschaft (28,8 Millionen Mark) u. a. Zu diesen Anstalten gehört auch die Königliche Seehandlung und die 1895 errichtete Zentralgenossenschaftskasse (Kapital 50 Millionen Mark).
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| Berlin - Hochbrücke über den Anhalter Bahnhof | Berlin - Friedrichstrasse (Passage) |
Berlin ist der Mittelpunkt des norddeutschen Eisenbahnnetzes und Knotenpunkt von 12 Bahnlinien. Dem Fernverkehr dienen 5 Bahnhöfe der Stadtbahn und 5 isolierte Bahnhöfe. Die mit einem Kostenaufwand von 75 Millionen Mark erbaute Stadtbahn ist 11,26 km lang und wurde 1882 eröffnet. Sie verbindet den Schlesischen und den Charlottenburger Stadtbahnhof und im weitern Sinne Westend mit Stralau-Rummelsburg, weitere Vororte und den Grunewald. Der besonders starke Verkehr der westlichen Vororte mit Berlin hat zu dem Bau der sogenannten Wannseebahn mit zwei Bahnhöfen in Berlin (1891 eröffnet) geführt, die einen Vorortverkehr über Potsdam hinaus unterhält. Neben der Stadtbahn ist die 1871 eröffnete, später aber mehrfach erweiterte Ringbahn, die aus einem Nordring (34,5 km lang) und einem Südring (33,6 km lang) besteht, ein wichtiges Verkehrsmittel. Im Februar 1902 ist die seit 1896 erbaute Elektrische Hochbahn eröffnet, die in einer Länge von 10 km den Süden der Stadt von der Warschauer Brücke nach dem Zoologischen Garten durchquert und unterwegs eine Linie nach dem Potsdamer Platz entsendet, die hier unterirdisch mündet. Vom Nollendorfplatz ab ist sie auf Charlottenburger Terrain als Unterpflasterbahn weitergeführt.
Berlin besitzt (1901) 112 Postämter, davon 100 zugleich Telegraphenämter, 55 Rohrpostämter, 7 Fernsprechämter. An Briefsendungen (einschließlich Karten, Drucksachen etc.) gingen 1901: 427 Millionen Stück ein, 488 Millionen wurden aufgegeben; der Betrag der eingegangenen Wertsendungen belief sich auf 2560 Millionen Mark, der der ausgegebenen auf 2482 Millionen Mark; Pakete gingen 113/4 Millionen Stück ein, 22 Millionen ab; 4,3 Millionen Telegramme gingen 1909 ein, 4,4 Millionen wurden aufgegeben. Die Zahl der von den Fernsprechanstalten vermittelten Gespräche betrug 120 Millionen. An öffentlichen Fuhrwerken waren 1902 vorhanden: 6969 Droschken erster Klasse, 1140 Droschken zweiter Klasse, 148 Torwagen, 726 Omnibusse, 3386 Straßenbahnwagen (fünf Gesellschaften). Befördert wurden 1901 im Omnibus (sechs Gesellschaften) 80,5 Millionen, mit den Straßenbahnen, für die jetzt durchweg der elektrische Betrieb eingeführt ist, 330 Millionen, wovon auf die Große Straßenbahn 283 Millionen entfallen, mit Stadt- und Ringbahn 88,6 Millionen. Die die Spree befahrenden und die nächsten Vergnügungsorte (wie Treptow, Stralau, sowie Orte an der Unterspree und Havel etc.) mit Berlin verbindenden Dampfschiffe beförderten 1899: 776.933 Personen. Die 1884 gegründete Berliner Paketfahrtgesellschaft befördert Pakete innerhalb Berlins (1899: 2,3 Millionen Stück).
Folgende Militärbehörden befinden sich in Berlin: der Generalstab der Armee, die Landesverteidigungskommission, die Generalkommandos des Garde- und des 3. Armeekorps nebst den Stäben der Gardedivisionen und der Mehrzahl der Gardebrigaden, die Generalinspektionen der Artillerie, des Ingenieurkorps, des Militärerziehungswesens, die Inspektionen der Jäger und Schützen, des Trains, der Kriegsschulen u. a. Die Garnison besteht aus 3 Garderegimentern zu Fuß, 3 Gardegrenadierregimentern und dem Gardefüsilierregiment, 4 Gardekavallerieregimentern (Gardekürassiere, 1. und 2. Gardedragoner, 2. Garde-Ulanen) und 1 Eskadron der Gardedukorps, dem 2. und einer Abteilung des 3. Garde-Feldartillerieregiments, dem Gardepionier- und dem Gardetrainbataillon, 3 Eisenbahnregimentern nebst Luftschifferabteilung, dem Telegraphenbataillon und 4 Landwehr-Bezirkskommandos. Außerdem sind hervorzuheben: die Oberfeuerwerkerschule, Militärroßarztschule und Militärlehrschmiede; schlussendlich gibt es in Berlin ein Proviantamt, ein Hauptmontierungsdepot und 2 Garnisonlazarette.
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| Berlin - Unter den Linden - Aufziehen der Schlosswache | Berlin - Schlosswache |
Geschichte
Die Stadt Berlin entstanden im Jahr 1307 aus der Vereinigung der beiden ursprünglichen Fischerdörfer Kölln (auf einer Spreeinsel) und Berlin (rechts an der Spree). Im 14. Jahrhundert galt Berlin als Hauptstadt der Landschaft Barnim und Teltow, trat dem Hansebund bei und blieb seit Johann Cicero (1486-99) beständig Residenz. Besonders durch den Großen Kurfürsten wurde die Stadt sehr vergrößert und bildete sich unter Friedrich den Großen nach den Brandschatzungen im Siebenjährigen Krieg durch die Österreicher (1757) und Russen (1760) zu einem Industrie- und Handelsplatze aus. 1707 hatte Berlin bereits 55.000 Einwohner und 1800 = 172.132. Im 19. Jahrhundert wurde die Stadt durch die Bauten Schinkels und Rauchs großartig verschönert. Sehr schnell wuchs Berlin dann zur Weltstadt heran, in welcher 1878 der Berliner Kongress, 1880 die Berliner Konferenz, November 1884 bis Februar 1885 die Kongokonferenz, März 1890 die Arbeiterschutzkonferenz, 1891 die erste internationale Kunstausstellung abgehalten wurden.
Nach dem Wegfall der Zollschranken und der Reichsgründung sowie die französischen Reparationszahlungen erfasst Berlin 1871 bis 1873 ein regelrechter Gründerboom. Kredite sind günstig zu haben, fasst 500 neue Betriebe werden in dieser Zeit gegründet. Durch die Überproduktion kommt es am 28. Oktober. 1873 es zu einem Kurssturz der Wertpapiere an der Berliner Börse.
Am 2.9.1873, dem 3. Jahrestag der siegreiches Schlacht bei Sedan im Deutsch-Französischen Krieg 1870, dem "Sedanstag" - wird die Siegelsäule als Nationaldenkmal der "Einigungskriege" eingeweiht. Der Entwurf der Säule stammt von Heinrich Strack, der der Göttin von Friedrich Drake. Sie erinnert an an die siegreichen Waffengänge Preußens gegen Dänemark (1864), Österreich (Deutscher Krieg 1866) und Frankreich (Deutsch-Französischer Krieg 1870/71).
1875 wird der erste öffentliche Volkspark in Wedding eröffnet.
1876 Die Nationalgalerie auf der Museumsinsel wird eröffnet.
1877 Der 1867 begonnene Ringbahngürtel rund um Berlin ist vollendet. Der Papiergroßhändler und Berliner Stadtverordnete Leopold Ullstein gründet sein Zeitungsimperium.
31. 12. 1877 Berlin ist eine Millionenstadt.
11.05. 1878 Revolverattentat auf Kaiser Wilhelm I. durch den Gelegenheitsarbeiter Emil Max Hödel Unter den Linden. Beide Kugeln verfehlen ihr Ziel der 81 jährige Kaiser blieb unverletzt. Emil Max Hödel wird später zum Tode verurteilt und hingerichtet. Da Hödel Mitgliedsausweise für einige sozialdemokratische Vereine besitzt, nimmt Bismarck dieses Attentat zum Anlass und fordert die Sozialdemokraten zu verbieten.
02.06. Karl Eduard Nobiling verübt auf den 81jährigen Kaiser Wilhelm I. mit Schüssen aus einer Schrotflinte ein Attentat, wobei der Kaiser diesmal verletzt wird. Direkt im Anschluss an die Tat richtet Nobiling die Waffe auf sich selbst und erschießt sich.
Im Juni/Juli 1878 findet der "Berliner Kongress" der europäischen Großmächte statt, Bismarck übernimmt die Rolle des "ehrlichen Maklers". Die endgültigen Friedensbedingungen nach dem Russisch-Türkischen Krieg werden festsetzt.
31.05. 1879 Werner von Siemens präsentiert die erste elektrische Lokomotive der Welt in Berlin. In der Friedrichstraße und Unter den Linden wird die erste elektrische Straßenbeleuchtung installiert.
15.06. 1880 Das neue Gebäude des Anhalter Bahnhof wird feierlich eröffnet. Beginn des Ausbaus des Kurfürstendamms als Prachtstraße.
Berlin scheidet am 1. April. 1881 aus dem Provinzialverband mit der Provinz Brandenburg aus. Am gleichen Tag wird das Telefonnetz mit 48 Teilnehmern offiziell in Betrieb genommen.
Am 16.05. 1881 verkehrt mit einer Geschwindigkeit von 15 km/h die erste elektrische Straßenbahn in Groß-Lichterfelde .
1883 sind die Sozialdemokraten zu den Wahlen wieder zugelassen und erringen 5 Mandate in Berlin. Robert Koch, im kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin tätig, entdeckt den Choleraerreger. Die "Deutsche Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität" wird von Emil Rathenau gründet.
Am 9. Juni 1884 wird in Gegenwart Kaiser Wilhelm I. der Grundstein für das Reichstagsgebäude gelegt.
Am 9. 03 1888 stirbt im Alter von 91 Jahren Wilhelm I., ihm folgt sein 57jähriger, bereits vom Tod gezeichneter Sohn Friedrich III. Am 14.07. 1888 seit 99 Tagen im Amt, stirbt er im Alter von 57 Jahren in Potsdam an Kehlkopfkrebs. Nachfolger auf dem Thron wird sein Sohn, Wilhelm II.
Am 18. Oktober. 1889 trifft der russische Zar Alexander III. zu einem Staatsbesuch in Berlin ein.
Am 7.01.1890 stirbt Kaiserin Augusta und wird unter größter Anteilnahme der Bevölkerung im Mausoleum im Schlosspark zu Charlottenburg neben ihrem Ehemann Wilhelm I. beigesetzt.
Am 20. März. 1890 tritt Bismarck vom Amt des Reichskanzlers zurück. Nachfolger wird Leo Graf Caprivi.
1894 Am 5. Dezember weiht Kaiser Wilhelm II. das Reichstagsgebäude feierlich ein.
1895 Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche auf dem Auguste-Viktoria-Platz (heute: Breitscheidplatz) in Charlottenburg wird feierlich eingeweiht.
10. August. 1896 Im Alter von 48 Jahren fällt der Flugpionier Otto Lilienthal (1889) seinen wagemutigen Versuchen zum Opfer und stirbt in Berlin.
22. März. 1897 Aus Anlass des 100. Geburtstags des ersten deutschen Kaisers wird an der Schlossfreiheit in Berlin das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal enthüllt.
4. Mai. 1900 Der österreichische Kaiser und ungarische König Franz Joseph I. trifft zu einem Besuch in der Reichshauptstadt ein. Wilhelm II. hat aus diesem Anlass ein Triumphtor auf dem Pariser Platz errichten lassen.
18. Dezember. 1901 Als letztes von insgesamt 32 Standbildern wird an der Siegesallee im südöstlichen Tiergarten das Denkmal Kurfürst Johann Georgs feierlich enthüllt. Es ist wie alle anderen Statuen brandenburgischer Herrscher der Siegesallee 2,75 m hoch.
16. Juni 1901 Das Denkmal für den ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck wird in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. enthüllt. Das Werk ist von Reinhold Begas geschaffen worden
5. August 1901 In Berlin stirbt im Alter von 60 Jahren die ehemalige preußische Königin und deutsche Kaiserin Viktoria.
10. Dezember 1901 In Stockholm und Oslo werden zum ersten Mal Nobelpreise verliehen. Zu den Preisträgern zählen die beiden Berliner Wissenschaftler Wilhelm Conrad Röntgen und Emil von Behring.
31. Dezember 1905 In Berlin überschreitet die Einwohnerzahl die Zwei-Millionen-Grenze. In der immer hektischer werdenden Reichshauptstadt leben jetzt 2.040.148 Menschen.
27. Februar 1905 Der Neubau des Doms, der von Julius Raschdorff erbaut wurde, wird geweiht. In Anwesenheit des Kaisers Wilhelm II. bezeichnet der Architekt das Gebäude als Hauptkirche des preußischen Protestantismus in Berlin.
19. November 1905 Mit zwei erstmals verkehrenden Kraftomnibussen verfügt Berlin über ein zusätzliches Massenverkehrsmittel.
2. Juni 1906 Nach fast sechsjähriger Bauzeit wird der Teltow-Kanal, die neue Verbindung zwischen Havel und Spree, festlich eröffnet.
16. Oktober 1906 Im Rathaus von Köpenick verhaftet der arbeitslose Schuster Wilhelm Voigt, der sich als Hauptmann des I. Garderegiments ausgibt, unter anderem den Bürgermeister und den Stadtobersekretär. Die Aktion des falschen Hauptmanns von Köpenick wird als Satire auf die Autoritätsgläubigkeit der Untertanen angesehen.
1907 Im Beisein von Kaiser Wilhelm II. wird Unter den Linden das Luxushotel Adlon eröffnet. Sein Standort, der Pariser Platz, gilt als vornehmste Adresse Berlins.
Frühjahr 1907 Am Wannsee an der unteren Havel werden drei Holzschilder mit der Aufschrift "Öffentliche Badeanstalt" aufgestellt.
30. August.1909 Ferdinand Graf Zeppelin startet vom Tempelhofer Feld zum Rückflug nach Friedrichshafen/Bodensee mit seinem Luftschiff Z6. Der Besuch des Grafen in Berlin wird für ihn zum Triumph.
6. März 1910 Einem Aufruf der Sozialdemokraten folgend, versammeln sich etwa 150.000 Menschen im Berliner Tiergarten. Die Demonstration richtet sich gegen das Drei-Klassen-Wahlrecht in Preußen.
17. Dezember 1910 Die ordentliche Generalversammlung der Vereinsbrauerei Rixdorf entscheidet, ihren Namen in "Berliner Kindl Brauerei-Aktiengesellschaft" umzuändern.
18. Januar 1911 Anlässlich des 40jährigen Jubiläums der Kaiserproklamation von Versailles 1871 finden in Berlin Jubelfeiern statt. Der 90jährige Prinzregent Luitpold von Bayern, letzter noch lebender Teilnehmer der Proklamation, gratuliert Kaiser Wilhelm II.
21. Mai 1913 Auf dem Anhalter Bahnhof trifft Zar Nikolaus II. von Russland, begrüßt vom Deutschen Kaiser Wilhelm II., zu einem Staatsbesuch ein. Die "Neue Preußische Kreuz-Zeitung" berichtet: "Das Signal meldet die Ankunft des Zaren, der heute zum ersten Male in den Mauern Berlins weilt Die Ehrenkompanie präsentiert unter den Klängen der russischen Nationalhymne. Der Kaiser, in der Uniform des Petersburger Leibgarde-Grenadier-Regiments, schritt seinem hohen Gaste, der die Uniform des Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 trug, entgegen und begrüßte ihn aufs herzlichste."
31. Juli 1914 Vor dem Denkmal Friedrichs des Großen Unter den Linden verkündet ein Offizier den "Zustand der drohenden Kriegsgefahr" für das Deutsche Reich. Die Bekanntgabe der Mobilmachung versetzt die Berliner Bevölkerung in einen wahren Kriegstaumel. Die Menschenmenge zieht durch die Stadt, überall werden patriotische Ansprachen gehalten, Lieder gesungen und Hochrufe auf den Kaiser ausgebracht. Mahnende Stimmen gehen darin unter. Kreise der Sozialdemokraten versuchen, Protestdemonstrationen und Streiks zu organisieren. Sie scheitern jedoch an der Übermacht des Patriotismus.
1. April Der 35jährige Naturwissenschaftler Albert Einstein wird Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik, nachdem er die Berufung zum hauptamtlichen Mitglied an die Preußische Akademie der Wissenschaften erhalten hat.
1916 Berliner Bevölkerung leidet unter Nahrungsmangel
Das Jahr 1917 ist geprägt von wachsenden politischen Auseinandersetzungen. Immer kleiner werdende Lebensmittelrationen, steigende Preise, mangelnde Energieversorgung und das nicht abzusehende Ende des sich dahinschleppenden Krieges steigern die Unzufriedenheit unter der Bevölkerung. In den Rüstungsbetrieben kommt es schon im Februar zu Arbeitsniederlegungen. Die Proteste der Arbeiter betreffen jedoch schon bald nicht nur wirtschaftliche Fragen, immer mehr werden politische Forderungen laut. Der Burgfrieden von 1914, das Übereinkommen der politischen Parteien, die Regierung während des Krieges zu unterstützen, verliert seine Wirkung.
28. Januar 1918 Überall in Deutschland kommt es zu Arbeitsniederlegungen. Allein in Berlin streiken etwa 300.000 Metallarbeiter.
18. November 1918 In der Berliner Stadtverordnetenversammlung wird die Einführung des Achtstundentages bekannt gegeben:
9. November 1918 Am Mittag des 9. November gibt Reichskanzler Prinz Max von Baden die Abdankung Kaiser Wilhelm II. und den Thronverzicht des Kronprinzen Friedrich Wilhelm bekannt.
Am 3. Oktober 1918 ersucht Reichskanzler Max von Baden die USA um Vermittlung bei einem Waffenstillstand. Diese erklären sich nur dann bereit, wenn Deutschland von vornherein alle Forderungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten anerkennt und eine vom Volk gebildete Regierung die Monarchie ablöst. Grade der letzte Punkt, die Einmischung in die inneren Angelegenheiten war selbst für die Sozialdemokraten nicht akzeptabel. Max von Baden versuchte nun wiederholt die USA zu Friedensverhandlungen zu bewegen, aber diese blieben hart: "Wenn die Monarchie nicht abgeschafft wird (...), kann Deutschland über keinen Frieden verhandeln, sondern muss sich ergeben", erklärte Wilson am 23. Oktober 1918.
In Deutschland sprechen sich zahlreiche sozialdemokratische Zeitungen für einen Sturz des Kaisers aus. Der Kaiser verlässt am 29. Oktober 1918 Berlin und reist in das deutsche Hauptquartier nach Spa. Der preußische Kriegsminister Heinrich Scheuch fasst das Ergebnis zusammen: "Die Abdankung ist Zwang und bleibt Zwang." Einige erwägen auch den Gedanken, der Kaiser solle "an der Front den Soldatentod finden".
Anfang November beginnen die Matrosen der Hochseeflotte zu meutern. In Berlin werden Pläne bekannt, dass von der sowjetrussischen Botschaft in Zusammenarbeit mit deutschen revolutionären Gruppen ein Umsturz vorbereitet wird. Die deutsche Regierung weist den sowjetischen Botschafter Adolf Joffe aus Deutschland aus.
Am 9. November 1918 bricht in Deutschland die Revolution aus, wie ein Kartenhaus brechen jahrhundertalte Monarchien zusammen und überall bilden sich Soldaten und Arbeiterräte. Reichskanzler Max von Baden versucht Kaiser Wilhelm II. zur Abdankung zu bewegen, da er befürchtete die Revolution werde sich radikalisieren. In Spa erklären die Frontgeneräle nicht mehr für den Kaiser zu kämpfen und telegraphieren nach Berlin, dass "mit einem Thronverzicht des Kaisers zu rechnen sei." Reichskanzler Prinz Max von Baden verkündete daraufhin offiziell die Rücktrittserklärung des Kaisers, die dieser gar nicht erklärt hatte. Auch wollte Wilhelm II. ausdrücklich, wie er in einem Telegramm mitteilte, nicht auf seinen Königsthron in Preußen verzichten, aber das interessierte in Berlin schon niemanden mehr. Max von Baden trat am selben Tag zurück, der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft die erste deutsche Republik von einen Fenster des Reichtages aus. Wenige Stunden später proklamierte Karl Liebknecht (Unabhängiger Sozialist) die "Sozialistische Republik" vom Balkon des Berliner Schlosses. Friedrich Ebert (SPD) erklärt sich zum neuen Reichskanzler und verkündet der Bevölkerung: "Der heutige Tag hat die Befreiung des Volkes vollendet." Wilhelm II. verzichtete aber erst am 28.11.1918 offiziell auf den Thron.
Nun war der Wille der Alliierten erfüllt, die Monarchie beseitigt und die Waffenstillstandsverhandlungen konnten beginnen.
10. 11.: Friedrich Ebert bildet eine provisorische Regierung, die von den Arbeiter- und Soldatenräten als Rat der Volksbeauftragten bestätigt wird.
7. 12.: Bei Demonstrationen der Spartakus-Anhänger kommt es zu blutigen Zusammenstößen mit den Militärs.
16. 12.: Der Vollzugsrat wird durch den Zentralrat der Arbeiter- und Soldatenräte ersetzt.
20. 12.: Der Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte beschließt, am 19. 1. 1919 Wahlen zur Nationalversammlung durchzuführen.
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Berlin - Abgeordnetenhaus (1910)
Landkarte Berlin Zentrum 1905

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