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Geschichte und Mythen des Berliner Reichstags
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Berlin - Reichstagsgebäude
Der Reichstag steht als Symbolbau für die Geschichte Deutschlands. In seiner ersten Phase musste er sich als Parlament in einer konstitutionellen Monarchie behaupten. Am Reichstag hat der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am 9. November 1918 die erste demokratische Republik ausgerufen. Dort wurde sie 1933 verspielt und ging symbolhaft im Reichstagsbrand unter. Der zweite Weltkrieg endete für Deutschland nach der Erstürmung des Gebäudes durch sowjetische Soldaten. Lange führten Mauer und Stacheldraht, die Deutschland teilten, direkt neben dem Gebäude entlang. Die Wiedervereinigung in der Nacht auf den 3. Oktober 1990 wurde ebenfalls am Reichstag gefeiert. Heute ist das Reichstagsgebäude wieder Sitz des deutschen Parlaments - dem Deutschen Bundestag.
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Gruß aus Berlin - Reichstagsgebäude mit Bismarck-Denkmal
Reichstag 1871-1918: "Das Volk wählt als seine Vertretung auf Grund des gleichen, direkten Wahlrechts mit geheimer Abstimmung den Reichstag, der aus 397 Mitgliedern besteht und alle fünf Jahre neu gewählt wird. Preußen stellt rund 240, Bayern 50, Sachsen 25, Württemberg 20 Reichstagabgeordnete. Wählen darf jeder Deutsche (Mann), der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat. Bei Abstimmungen muss wenigstens die Hälfte der Mitglieder anwesend sein (Beschlussfähigkeit). Absolute Stimmenmehrheit der Anwesenden entscheidet. Ein Gesetz erlangt dadurch Gültigkeit, dass beide Körperschaften, Bundesrat und Reichstag, ihm zustimmen. Unter Einwilligung des Kaisers kann der Reichstag durch Beschluss des Bundesrates aufgelöst werden. Binnen 60 Tagen muss dann neu gewählt werden."
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Berlin - Reichstagsgebäude
1871 Am 3. März finden die ersten Wahlen zum Reichstag statt. Die Nationalliberalen erringen 125 Sitze, das Zentrum 61, die Deutsch-Konservative Partei 57 Sitze. Am 21. März erfolgte die Eröffnungssitzung des ersten Reichstages im Weißen Saal des Schlosses. Später trafen sich die 382 Reichstagsabgeordneten im ehemaligen Palais des Staatskanzlers Fürst von Hardenberg am Dönhoffplatz, wo sich sonst die Delegierten der zweiten Kammer des preußischen Staates versammelten. Dort beschlossen sie, dem Reichsparlament ein eigenes Sitzungsgebäude bauen zu lassen. Über Standort, Aussehen und Charakter des Bauwerkes kam es sofort zu erbitterten Auseinandersetzungen. Als Zwischenlösung diente das Herrenhaus in der Leipziger Straße 3, mit einem Erweiterungsbau auf dem ehemaligen Gelände der nach Charlottenburg verlegten Königlichen Porzellanmanufaktur.
1872 Am 10. Dezember wurden die Unterlagen zum international ausgeschriebenen Wettbewerb für ein monumentales Reichstagsgebäude verschickt. Den ersten Preis und 15 000 Goldmark erhielt Professor Bohnstedt aus Gotha. Das Parlament verweigerte allerdings die Bauausführung, weil das Gebäude "in sich unstimmig und nicht prachtvoll genug war".
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Berlin, Reichstagsgebäude mit Siegessäule
1879: Die "Kommission zum Neubau eines Reichstagsgebäudes" schreibt einen auf Deutschland und Österreich beschränkten neuen Wettbewerb aus. 189 Arbeiten wurden daraufhin eingereicht. Die Jury entschied sich für zwei erste Preise, die Sieger sind Friedrich von Thiersch und Paul Wallot, dessen Projekt mit 19:2 Stimmen zur Ausführung angenommen wurde. Die Freude des Architekten wurde aber rasch getrübt. Die von ihm geplante 19,50 m hohe und 350 t schwere Glas- und Stahlkuppel musste bescheidener ausfallen, denn der Kaiser wollte sein Schloss nicht von einem Parlamentsgebäude überragt wissen. Außerdem sollten an der Westfront eine Freitreppe und Rampen angelegt, die Osthalle erweitert und die Kuppel nicht nur reduziert, sondern auch verschoben werden.
Am 9. Juni 1884 erfolgt in Gegenwart Kaiser Wilhelm I. die Grundsteinlegung.
Am 5. Dezember 1894 nach 10jähriger Bauzeit, weiht Kaiser Wilhelm II. das Reichstagsgebäude mit den Worten ein: "Es bleibt der Bau ein Denkmal der großen Zeit, in welcher als Preis des schwer errungenen Sieges das Reich in neuer Herrlichkeit erstanden ist, eine Mahnung den künftigen Geschlechtern zu unverbrüchlicher Treue in der Pflege dessen, was die Väter mit ihrem Blute erkämpft haben."
Am 16. Juni 1901 erfolgte die feierliche Enthüllung des Bismarckdenkmals am Königsplatz (dem heutigen Platz der Republik) vor dem Reichstag, welches nach einem Entwurf von Reinhold Begas (1831 - 1911) entstand.
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Berlin Bismarck-Denkmal auf dem "Königsplatz" vor dem Reichstag
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Das Bismarck-Nationaldenkmal am Großen Stern in Berlin (Höhe 15 Meter) 1901 erbaut von Reinhold Begas (1831 - 1911).
Das Denkmal stand bis 1939 auf dem "Königsplatz" (heutiger "Platz der Republik") vor dem Reichstag.
1914 Eröffnung der Kriegstagung des Deutschen Reichstages. Karl Liebknecht stimmte im Dezember 1914 und August 1915 als einziger Abgeordneter im Reichstag gegen die Kriegskreditvorlagen.
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Eröffnung der Kriegstagung des Deutschen Reichstages
1916 Die Widmung "DEM DEUTSCHEN VOLKE" wird feierlich angebracht.
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"DEM DEUTSCHEN VOLKE"
1918 Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft am 9. November 1918 die erste deutsche Republik von einen Fenster des Reichtages aus. Wenige Stunden später proklamierte Karl Liebknecht die "Sozialistische Republik" vom Balkon des Berliner Schlosses. Die symbolische "Ausrufung" bzw. "Proklamation" hatten staatsrechtlich gesehen keine Bedeutungen, da Kaiser Wilhelm II. erst am 28. November abdankte und somit die Monarchie in Deutschland bis zu diesem Datum weiter bestand.
In Wirklichkeit eine nachgestellte Szene:
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1933 27. Februar: Der Reichstagsbrand. Nach neuesten Forschungsergebnissen wurde der Brand doch vom Holländer Marinus van der Lubbe gelegt. Er gab den Nazis den Anlass sich gegen Anarchie und Kommunismus aufzuspielen. Die am folgenden Tag erlassene Notverordnung "Zum Schutz von Volk und Staat" bestärkte die Diktatur der Nationalsozialisten. >>>Zitat Anfang: "Anders als fast die ganze Welt noch bis vor kurzem glaubte, lief das alles aber nicht nach Nazi-Drehbuch ab. Vielmehr hat die "Initialzündung" Reichstagsbrand die Nazis selber fast am meisten überrascht. Nach einstimmiger Meinung aller neutralen Historiker war der kurz nach dem Brand verhaftete Holländer Marius van der Lubbe tatsächlich ein von niemanden gelenkter Einzeltäter; van der Lubbe hatte, ohne es zu wollen, dem verhassten Hitler einen großen Dienst erwiesen." <<<Zitat Ende (Aus "Das neue Lexikon der populären Irrtümer" - Ausgabe Oktober 2000 + siehe auch "Der Spiegel" Nr.15/2001 "Flammendes Fanal").
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1938 wird das Bismarckdenkmal zusammen mit der Siegessäule, dem Moltke- und dem Roondenkmal an den nördlichen Rand des Großen Sterns umgesetzt.
1945 Zerstörung des Gebäudes durch Kriegseinflüsse, Einnahme Berlins durch die Rote Armee.
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1971 Wiederaufbau des Reichstagsgebäudes zum 100. Jahrestag des Zusammentritts des ersten Reichstages.
1991 Laut "Berlin-Beschluss" wird das Reichstagsgebäude wieder zu Parlamentssitz des vereinigten Deutschlands.
1995 14tätige Verhüllung des Reichstages durch das Künstlerpaar Christo.
Nach Entwürfen des britischen Architekten Sir Norman Foster erhält das Reichstagsgebäude eine begehbare Glaskuppel. Während des Umbaus sind historische Spuren wie die Kritzeleien russischer Soldaten auf den Wänden zutage getreten. Es war nicht unumstritten diese Zeitdokumente zu erhalten, einige Parlamentarier kritisierten, dass unverhältnismäßig viele dieser Sprüche erhalten wurden.
1999 Am 19. April wurde der umgebaute Reichstag mit der ersten Bundestagssitzung feierlich eröffnet. Der Reichstag ist nun wieder Sitz des deutschen Parlaments - dem Deutschen Bundestag.
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Reichstag in Berlin, Februar 2005

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