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Reinhard Scheer

Deutscher Admiral

Reinhard Scheer

Reinhard Scheer

* 30. September 1863 in Obernkirchen

† 26. November 1928 in Marktredwitz, beigesetzt in Weimar

Reinhard Scheer

Lebenslauf

Reinhard Scheer trat am 22. April 1879 als Kadett in die Kaiserliche Marine ein, ab 15. Juni 1880 war er Seekadett. Am 16. November 1882 Beförderung zum Unterleutnant zur See (Patent vom 13. November 1883 mit Rangdienstalter vom 16. November 1882). Am 15. Dezember 1885 Beförderung zum Leutnant zur See und am 10. April 1893 zum Kapitänleutnant. Die Ernennung zum Korvettenkapitän bzw. Fregattenkapitän folgte mit dem 9. April 1900 bzw. 27. Januar 1904. Kapitän zur See wurde er am 21. März 1905. Die Beförderungsdaten als Flaggoffizier waren: 27. Januar 1910 Konteradmiral, 9. Dezember 1913 Vizeadmiral und schließlich am 5. Juni 1916 Admiral. Am 17. Dezember 1918 nahm er seinen Abschied. Wechselnde Ausbildung an Bord und Land, später mehrfache Verwendung bei Landkommandos und auf schwimmenden Einheiten wie Segelfregatte Niobe, Artillerieschulschiff Renown, Panzerfregatte Friedrich Carl, Gedeckte Korvette Hertha, Artillerieschulschiff Mars, Marineschulen, II. Matrosendivision. Als Offizier bekleidete er Posten auf dem Panzerschiff Bayern, der Gedeckten Korvette Bismarck, dem Torpedoschulschiff Blücher, der Glattdeckskorvette Sophie, dem Aviso Greif, dem Panzerschiff Sachsen, dem Kreuzer Prinzess Wilhelm, dem Panzerschiff Kurfürst Friedrich Wilhelm, aber auch bei der II. Matrosendivision und der Marine Akademie. Ab 1900 folgten bereits Kommandanten- und Kommandeurstellungen wie I. Torpedoabteilung/1. Torpedoflottille, Kleiner Kreuzer Niobe, Linienschiff Elsass, aber auch verantwortliche Verwendung im Reichsmarineamt. Schließlich wurde er Chef des Stabes bei der Hochseeflotte, ab 24. Januar 1916 deren Führer. Ab August 1918 wurde er Chef des Admiralstabes der Marine und nach Umwandlung dieses Stabes Chef der Seekriegsleitung. Am 5. Juni 1916 erhielt er den Orden "Pour le merite", am 1. Februar 1918 das dazugehörige Eichenlaub.

Zur siegreichen Seeschlacht am Skagerrak am 31. Mai 1916

Zur siegreichen Seeschlacht am Skagerrak am 31. Mai 1916

 

Der Lebensweg des Admirals ist geprägt von Fleiß, Vielseitigkeit und Zielstrebigkeit. Der verstorbene erste Inspekteur der Bundesmarine, Vizeadmiral Ruge, schreibt: "Scheers Persönlichkeit strahlte Kraft und Vertrauen aus, er löste in der Marine das feudale durch das technische Zeitalter ab. Mit Übernahme der Führung der Hochseeflotte war er von Beginn an bestrebt, sie operativ einzusetzen, und wenn möglich, den Gegner, die Grand Fleet, zur Schlacht zu zwingen. Als es im Verlauf des 31. Mai 1916 vor dem Skagerrak schließlich zu diesem ersehnten Treffen kam, entbrannte eine heftige Seeschlacht, die für die Royal Navy verlustreicher verlief als für die deutsche Flotte. Scheer erwies sich als geschickter Taktiker, als er die sich entwickelnde britische Schlachtordnung durch mehrmalige Gefechtskehrtwendungen der gesamten Hochseeflotte durcheinander brachte und so einer drohenden und sich anbahnenden Umklammerung entzog. Die Skagerrakschlacht war zwar ein taktischer Sieg, dieser konnte aber nicht genutzt werden, denn es gelang kein zweites Mal, den Gegner zu stellen." Beide Flotten zogen sich für die weitere Kriegsdauer in ihre Schlupfwinkel zurück; abgesehen von gelegentlichen Vorstößen, tat sich nichts. Der Nachteil für die deutschen Schiffe lag dabei klar auf der Hand. Sie blieben für ihre Operationen entweder auf das kleine "Nasse Dreieck", die Deutsche Bucht, oder die engen Gewässer der Ostsee angewiesen. Nach der Skagerrakschlacht war die Stellung Scheers in der Marine stark geworden, und so war es kein Wunder, dass er dem Kaiser und anderen in alten Kategorien denkenden Herren überzeugend klarmachen konnte, dass sich die Hochseeflotte keine zweite Schlacht wie vor dem Skagerrak leisten könne. Dafür machte er sich stark für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Als Chef der Seekriegsleitung entwickelte er mit der Industrie das so genannte "Scheer-Programm", das den monatlichen Bau von 36 U-Booten vorsah. Es kam nicht mehr zum Tragen: Inzwischen hatten die so genannten "Friedenspunkte" des amerikanischen Präsidenten Wilson Wurzeln geschlagen, das deutsche Volk war kriegsmüde, Unruhen machten sich breit, fehlgeleitete Propaganda trug das ihre dazu bei. Scheer vermochte sich schließlich mit der Absicht, mit der gesamten Hochseeflotte eine letzte alles entscheidende Schlacht zu suchen, nicht durchzusetzen, die ausbrechende Meuterei auf zahlreichen Einheiten der Flotte und die daraus resultierende Revolution machten allem ein Ende. Ob zu diesem Zeitpunkt - es wurde ja deutscherseits schon der vom US-Präsidenten Wilson "geworfene Ball der 14 Punkte" aufgenommen, die ersten Sondierungen liefen - eine "letzte, alles entscheidende Schlacht" überhaupt noch sinnvoll, ja überhaupt noch durchführbar gewesen wäre, das ist sehr zu bezweifeln. Über den wahren inneren Zustand - besonders auf den "Dickschiffen" der Hochseeflotte - gab sich die oberste deutsche Marineführung offensichtlich falschen Vorstellungen hin. Wusste man überhaupt, was unter Deck vor sich ging? Als Flottenchef hatte er im August 1917 gegen einzelne Meuterer mit aller Härte durchgegriffen, im Oktober 1918 war auch dieses nicht mehr möglich. Es gab nur wenige Offiziere, die "zur Fahne standen". Die Revolution mit allen ihren Begleiterscheinungen hat ihn menschlich schwer getroffen. Dass auch sein persönlicher Aufklärer ihn jahrelang bespitzelt und hintergangen hat, Dienstgeheimnisse weitergab und anderes mehr, hat ihn ebenfalls tief verletzt.

Nach der Verabschiedung lebte er zurückgezogen in Weimar, wo das Schicksal nochmals zuschlug: Am 9. Oktober 1920 drang ein Raubmörder in sein Haus ein, ermordete das Dienstmädchen im Keller, seine Frau im Vorraum des Kellers, die 18jährige Tochter fand man im Flur. Der Täter, ein Maler, verübte im Nebenkeller Selbstmord. Am 26. November 1928 starb Reinhard Scheer in Marktredwitz, beigesetzt wurde er in Weimar/Thüringen. Sein Grab ist noch heute auf dem Hauptfriedhof in Weimar zu finden.

Reinhard Scheers Grab in Weimar

Reinhard Scheers Grab in Weimar

Foto © www.deutsche-schutzgebiete.de, 2003

 

 

 


 

 


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