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S.M.S. Undine

(1902)

Kleiner Kreuzer

S.M.S. Undine

S.M.S. Undine

 

S.M.S. Undine

Daten

Name: Seiner Majestät Schiff Undine
Namensherkunft: Undine, weiblicher Wassergeist des Mittelalters
Stapellauf: 11.12.1902 in Kiel
Schiffsklasse: Gazelle-Klasse
Schwesterschiffe: S.M.S. Amazone, S.M.S. Arkona, S.M.S. Ariadne, S.M.S. Frauenlob, S.M.S. Gazelle, S.M.S. Medusa, S.M.S. Niobe, S.M.S. Nymphe, S.M.S. Thetis, S.M.S. Undine
Besatzung: ca. 281 Mann
Maße: Länge 104,4 m Breite 12,3 m Tiefgang: 5,0 m
Wasserverdrängung: 2700 Tonnen
Maximale Geschwindigkeit: 21,5 kn
Bewaffnung:

10 Schnellfeuerkanonen Kaliber 10,5 cm,  14 Maschinenkanonen Kaliber 3,7 cm,  Torpedos

Ende: 07.11.1915 durch das englische Unterseeboot E 19 torpediert und versunken

 

S.M.S. Undine

Geschichte

Die 10 Kreuzer der Gazelle-Klasse erwiesen sich als ausgezeichnete Kriegsschiffe für den Aufklärungs- und Auslandsdienst.

S.M.S. Undine

S.M.S. Undine

 

 

S.M.S. Undine

7. November 1915

Durch das englische U-Boot E 19 torpediert und versunken.

25 Tote

 


Geschrieben von Reinhard Öser

www.kampfschwimmer-vm.de



Der Deutschen Reichsmarine gehörten im Dreikaiserjahr 1888 insgesamt 15.480 Personen an, darunter 534 Seeoffiziere. Der Schiffsbestand umfasste 13 zum größten Teil veraltete Panzerschiffe, acht im Auslands- und Schuldienst eingesetzte Kreuzerfregatten, 19 Kreuzerkorvetten,14 kleine Küstenpanzerfahrzeuge, je fünf Kreuzer und Kanonenboote, zehn Schulschiffe sowie einige weitere kleine Fahrzeuge. Das Reich besaß jedoch kein den Anforderungen der Neuzeit vollkommen entsprechendes Schiff, hieß es in einer Denkschrift. Die Schlachtflotte bestand demnach in der Masse aus noch brauchbaren, aber nicht mehr zeitgemäßen Schiffen, deren Minderwertigkeit in demselben Maße zunahm, wie andere Nationen auf dem Gebiet des Baus von Schlachtschiffen fortschritten. Damit stand die deutsche Flotte ihrer zahlenmäßigen Größe nach an sechster Stelle in der Welt.
Doch es gab eine Reihe von positiven Veränderungen in Deutschland die als recht aussichtsreich betrachtet wurden, wie z. B. ein flottenbegeisterter Kaiser, eine expandierende Wirtschaft und eine gewisse Klärung der technisch-schiffbaulichen Tendenzen. Mit dem Ausscheiden von General Georg Leo Graf von Caprivi de Caprera de Montecuccoli, dem bisherigen Chef der Admiralität, ergab sich in der anschließenden, marinepolitisch etwas konzeptionslosen Übergangszeit die Chance für den in der Gunst des Kaisers stehenden Stabschef der Marinestation Ostsee, Kapitän zur See Alfred Tirpitz.

 

Alfred Tirpitz als Konteradmiral


Er verbesserte die Gefechtsausbildung der Flotte. In dieser Zeit wurde auch die militärische Seite in der strategisch-taktischen Admiralsstabsarbeit planmäßig weiterentwickelt. Damit ergab sich die Chance für eine Überlegenheit der Deutschen Reichsmarine über andere Marinen. Voraussetzung war jedoch, dass man bei der militärischen Entwicklung der eigenen Marine den richtigen Weg einschlug.
In einer von Tirpitz niedergelegten Denkschrift vom April 1891 wurde noch mal unterstrichen, dass die strategische Zielstellung der Flotte nur darin bestehen könne, eine gegnerische Seemacht unter Aufbietung des gesamten vorhandenen Schiffsmaterials in offener Seeschlacht zu schlagen. Dementsprechend sollte ein Teil der Schlachtflotte mit aktivem Personal besetzt und in Dienst gehalten, der Rest als Reservedivision formiert werden. Diese Reservedivision sollte im Falle einer Mobilmachung den aktiven Geschwadern angegliedert werden. Vorerst standen Tirpitz` Forderungen und Empfehlungen zur gründlichen militärischen Entwicklung der Flotte nur auf dem Papier. Um das auf die gesamte Flotte zugeschnittene Programm zu realisieren, bedurfte es vor allem der Gunst des Kaisers.

 

Kaiser Wilhelm II in Marineuniform


Die rasche wirtschaftliche und industrielle Entwicklung, der damit verbundene Drang nach neuen Rohstoff- und Absatzmärkten, sowie ein anhaltender Bevölkerungszuwachs bewirkte den Ausbau wie auch eine Erweiterung der Kolonialpolitik und der damit einhergehenden Schutzinteressen. Für Deutschland bedeutete das in Folge nicht nur ein koloniales Expansionsbestreben. Die Kolonien mussten gegen potenzielle Störer der deutschen Kolonialinteressen auch mit militärischen Machtmitteln in Schach gehalten werden können. Hiermit begründete Tirpitz auch die Flottenrüstungspläne. Denn so Tirpitz wörtlich: "Ein Staat, der Seeinteressen oder was hierfür gleichbedeutend ist, Weltinteressen hat, muss sie vertreten und durch seine Macht über seine Territorialgewässer hinaus fühlbar machen können."
Nationaler Welthandel, Weltindustrie, Hochseefischerei, Weltverkehr und Kolonien waren in diesem Sinne also nur möglich wenn Deutschland auch eine offensive Flotte besäße, die im Frieden als Druck- und Drohmittel fungieren könnte, im Krieg gegnerischen Seemächte hindern könnte, gegen Interessen des Reiches vorzugehen.
Mit der Annahme des ersten Flottengesetzes am 28. März 1898 durch den Reichstag wurden die aus der Feder von Tirpitz stammenden Grundsätze und Richtlinien umgesetzt. Neben einem Flottenflaggschiff,18 Linienschiffen, acht Küstenpanzerschiffen und zwölf Großen Kreuzern sollte das Gros der neuen Marine aus 30 neuen Kleinen Kreuzern bestehen. Neu- und Ersatzbauten von Kriegsschiffen wurden also forciert. Ein fliegendes Geschwader konnte somit dorthin entsandt werden, wo deutsche Interessen einen Schwerpunkt bildeten, oder aber bedrohliche transatlantische Verwicklungen unmittelbar bevorstanden. Nun bereits zum Staatssekretär im Reichsmarineamt ernannt, bezog der außerdem zum Konteradmiral beförderte Alfred Tirpitz England in den Mittelpunkt seiner flottenpolitischen Überlegungen mit ein. Der weitere Ausbau der Flotte geht in der Annahme von der schwierigsten Kriegslage aus. Diese bestünde nunmehr nicht in einem Seekrieg gegen Frankreich oder Russland, sondern aus einem Seekrieg gegen England -dem zur Zeit gefährlichsten Gegner zur See. Somit wurde der Ausbau der Kreuzerflotte strategisch noch wichtiger. Darin waren der Kaiser und sein Admiral sich einig.

 

Links Kaiser Wilhelm II, in der Mitte Großadmiral von Tirpitz


Doch bisher konnte man sich unter dem Begriff eines Kreuzers noch wenig vorstellen. Bisher waren die Schiffe dieser Klasse noch Zwitterwesen. Schiffe eben, die noch Segel am Mast führten, aber auch mit einer Dampfmaschine angetrieben wurden. Die ersten Kriegsschiffklassen, die späteren Kreuzern ähnlich sein sollten, waren die Avisos der Wacht- und Meteor-Klasse bzw. der Gefion- und Hela-Klasse. Diese Experimentalschiffe waren zwar erst seit einigen wenigen Jahren bei der Flotte, konnten aber als unmittelbare Vorläufer der damaligen Kreuzer angesehen werden. Die erste regelrecht als Kreuzer geplante und gebaute Kriegsschiffklasse in der Deutschen Reichsmarine war die Gazelle-Klasse.
Etwas altmodisch wurden Schiffe dieser Klasse als "Kreuzer IV. Classe" bzw. auch als "Kleine Geschützte Kreuzer" bezeichnet. Sie beruhten auf den Amtsentwürfen von 1895-1896 sowie 1897-1900 und waren Quer- bzw. Längsspant-Stahlbauten. Das "Geschützt" in der Bezeichnung "Kleine Geschützte Kreuzer" deutete schon an, dass diese Kriegsschiffe im Vergleich zu anderen gepanzert waren. Die Panzerung bestand aus zwei Lagen Stahl und einer Lage "Krupp". Deck, Sülle, Kommandoturm und Geschützschilde wiesen denn auch zwischen 20 und 80mm Dicke auf.

 


Eines der Schiffe dieser Klasse war der Kreuzerneubau "J". Mit diesem 105m langen und 12,4m breiten Projekt erhielt die Howaldts-Werft in Kiel den ersten Auftrag der Kaiserlichen Marine für ein modernes Kriegsschiff. Der 2.152 BRT große Bau mit der Nummer 390 wurde am 28. September 1901 auf Kiel gelegt. Im Laufe der Zeit nahm er Gestalt an und verschlang allerlei technische Installationen. Eine davon war die Maschinenanlage mit ihren zwei stehenden Vierzylinder- Dreifachexpansionsdampfmaschinen. Diese bezogen ihren Dampf aus neun Marinekesseln der AG "Germania" aus Berlin-Tegel. Die in zwei Kesselräumen entfesselte Kraft von 8.696 PSi wurde auf zwei dreiblättrige Schrauben mit jeweils einem Durchmesser von 3,5m übertragen und ermöglichte
eine Maximalgeschwindigkeit von 21,5 Knoten bzw. bei Verbrauch des maximalen Kohlevorrates von 700t eine Reichweite von 4.400 Seemeilen bei 12 Knoten Fahrt.
Die an Bord installierte Bewaffnung umfasste zehn 10,5cm L/40 Schnellfeuerkanonen, die eine Reichweite von 12,2 km hatten und denen jeweils ein Vorrat von 1.500 Schuss Granatpatronen beigegeben waren. Die Anfangs noch an Bord befindlichen vierzehn 3,7cm-Maschinenkanonen wurden später entfernt. Die Torpedobewaffnung in Form zweier jeweils einzeln Backbord wie Steuerbord installierter Unterwasser- Breitseitentorpedorohre blieb jedoch mitsamt ihres Vorrats von fünf 45cm-Torpedos an Bord.
Nach Beendigung der Werftarbeiten erfolgte am 11. Dezember 1902 der Stapellauf. Mit Genehmigung des Kaisers übernahm der Deutsche Flottenverein die Patenschaft über das bei diesem Anlass nach einem weiblichen Wassergeist des Mittelalters auf den Namen SMS Undine getaufte Schiff. Nach dem weiteren Ausbau und der Ausrüstung des Schiffs wurde es schließlich am 5. Januar 1904 unter dem Kommando von Korvettenkapitän Karl Schaumann zu Probefahrten Indienstgestellt. Zehn Seeoffiziere, zwei Marine-Ingenieure, jeweils ein Sanitäts-Offizier, ein Zahlmeister und zwölf Deckoffiziere sowie 249 Unteroffiziere und Mannschaften übernahmen das 4.653.000 Reichsmark teure Schiff und gingen mit ihm bis zum 23. März in See um es auf Herz und Nieren zu testen.


Auf diesen Probefahrten wurden erstmals auf einem Schiff Erprobungen mit dem neuen Kreiselkompass der Firma Anschütz-Kämpfe vorgenommen. Während das Schiff in See stand, stellte man auch die ihm anhaftenden Seeeigenschaften fest. SMS Undine war rank, stark schlingernd und gegensee nass. Trotzdem manövrierte und drehte der neue Kleine Kreuzer sehr gut.
Bei Abschluss der Testphase wurde es nach Wilhelmshaven überführt, dort am 30. März außer Dienst gestellt und bis zum 5. Januar 1905 in Reserve gehalten. Da die alte Kreuzerkorvette SMS Carola den Anforderungen an ein modernes Artillerie-Schulschiff nicht mehr erfüllte, wurde nun SMS Undine für diese Aufgabe aktiviert, erprobt und am 4. Februar nach Kiel verlegt. Nach diversen Übungen und Manövern kam es bei einer Nachtübung im Hochseeschießen in der Zeit vom 08. bis zum 12. Oktober vor Bülk zu einer Kollision mit dem Führerboot der IV. Torpedobootsdivision der Schulflottille SMS S 126. Dabei wurde SMS S 126 auf der Höhe des vorderen Heizraumes von dem Bug der abgeblendet fahrenden SMS Undine in zwei Teile geschnitten. Die 33-köpfige Besatzung des Torpedobootes ertrank. Das bei dieser Havarie ebenfalls beschädigte SMS S 127 konnte von SMS Undine in den nächsten Hafen eingeschleppt werden. Die Folgejahre des Leichten Kreuzers sind angefüllt mit einigen, wenigen Aufenthalten in der Wilhelmshavener Werft zu Reparatur- bzw. Überholungsarbeiten. Ansonsten läuft der Dienst auf dem Artillerie-Schulschiff reibungslos. Im Jahre 1909 macht es einen Auslandsbesuch im norwegischen Larvik und wird für die Herbstmanöver der Hochseeflotte in der Ostsee der III. Aufklärungsgruppe zugeteilt.

 



Und so vergehen die Jahre mit ihren großen und kleinen Aufgaben für dieses Schiff. Am 12. Juli 1912 wird das mittlerweile über acht Jahre in Dienst stehende Schiff in Danzig außer Dienst gestellt und nach einer Grundreparatur in die Reserve der II. Bereitschaft eingestellt. Aus diesem Dornröschenschlaf wird es erst wieder bei Ausbruch des 1. Weltkrieges geweckt. Nun braucht man jedes Schiff, auch die älteren. Am 4. August 1914 wird die SMS Undine wieder in Dienst gestellt und tritt zur Küstenschutzdivision der Ostsee. Hier übernimmt sie zunächst Sicherungsaufgaben in der westlichen Ostsee. Dann wurde sie dem Detachierten Admiral in der östlichen Ostsee, Konteradmiral Behring unterstellt und sicherte auf der Linie Moen-Dornbusch. Bei dem Vorstoß des Oberbefehlshabers der Ostseestreitkräfte Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen zum Finnischen Meerbusen kommt es am 8. September zu einer Maschinenhavarie, die in Danzig und Kiel beseitigt wurde. Am 18. Oktober war der Kleine Kreuzer wieder einsatzbereit und übernahm den Sicherungsdienst auf der Linie Trelleborg-Saßnitz. In der Zeit vom 14. bis 17. April 1915 beschoss die SMS Undine im Unterstellungsverhältnis zum oe. Detachierten Admiral russische Stellungen bei Buddendiekshof und Memel. Ab dem 19. April nahm es wieder Sicherungsaufgaben in der westlichen Ostsee wahr. Am 7. November begleitete das deutsche Kriegsschiff die Eisenbahnfähre SS Preussen von Saßnitz nach Trelleborg. Dies war auch dringend notwendig. Denn vor einigen Monaten waren britische U-Boote in die Ostsee eingedrungen um in diesem Seegebiet auf der Seite Rußlands U-Bootkrieg gegen das Deutsche Kaiserreich zu führen. Im Gegensatz zu den russischen U-Booten waren die bei Dvina nahe der estnischen Stadt Reval in der Balten-Flottille zusammengefassten britischen U-Boote sehr effektiv in der Bekämpfung des für das Kaiserreich kriegswichtigen Erzverkehrs zur See von Schweden nach Deutschland. Und so verwundert es nicht, daß eines jener U-Boote zur selben Zeit in See stand wie die SMS Undine. Am 7. November sichtete das erst am 12. Juli unter dem Kommando von Lieutenant-Commander Francis Newton Allan Cromie in Dienst gestellte HM S/M E 19 ein von zwei Zerstörern begleitetes Kriegsschiff. Zwar setzte Cromie zum Angriff an, jedoch brachte eine Kursänderung des Verbands diesen außer Reichweite. Enttäuscht mußte man auf HM S/M E 19 den Angriff abbrechen. Doch Cromie hatte schon einiges an Erfahrung in der Ostsee gesammelt und dort immerhin schon sieben Frachter versenkt, weshalb man ihn erst kürzlich zum Commander befördert hatte. Er wußte, daß er sich nur in Geduld zu üben brauchte. Früher oder später würde ihm wieder ein lohnendes Ziel vor die Flinte laufen. Nur drei Stunden später und 18 Seemeilen nordnordöstlich vor Arkona stieß das U-Boot auf halbem Weg zwischen Stubbenkammer und Trelleborg dann auf -so berichten britische Quellen- einen Leichten Kreuzer und einen Begleitzerstörer. Gemeint sein können nur SMS Undine und SS Preussen. Schnell tauchte HM S/M E 19 und startete seinen Angriff. Um 13.20 Uhr löste Commander Cromie auf eine Entfernung von 1.100 yards aus dem Steuerbord-Torpedorohr einen seiner 45cm-Torpedos. Dieser traf den Kreuzer im Bugbereich. Dieser lief aus dem Ruder und beschrieb qualmend einen weiten Kreis bevor er stoppte. Unter dem Heck des torpedierten Schiffes hindurchtauchend setzte Commander Cromie zu einem zweiten Angriff an und feuerte wiederum einen Torpedo ab. Auch dieser traf -und ließ das Munitionsmagazin in die Luft fliegen. Anderen Darstellungen zufolge traf der erste Torpedo mittschiffs und ließ die Maschinenanlage ausfallen. Die Blasenbahn des zweiten Torpedos soll von Besatzungsmitgliedern des zu Rettungszwecken bei SMS Undine längsseits gegangenen Torpedobootes SMS V 154 rechtzeitig erkannt worden sein, so daß das Torpedoboot so eben noch von SMS Undine ablegen konnte bevor der Torpedo in den Bug des Leichten Kreuzers einschlug. Wie auch immer. Commander Cromie beobachtete durch das Periskop, wie rotglühende Sprengstücke vom Wrack nur 200 yards vor seinem Sehrohr in das Wasser schlugen und tauchte weg. Innerhalb von drei Minuten sank die SMS Undine über den Bug. Hierbei stürzten der vordere Mast und Schornstein nach Backbord und erschlugen die dort im Wasser schwimmenden Schiffbrüchigen. Noch einmal kam das Heck des Leichten Kreuzers aus dem Wasser, ragte steil auf und versank nach einigen Minuten wieder. Und so mußte die SMS Undine auf die Verlustliste der Kaiserlichen Marine gesetzt werden.

 

Das Torpedoboot SMS V 154 sowie die Eisenbahnfähre SS Preussen konnten fast alle schiffbrüchigen Besatzungsmitglieder des Leichten Kreuzers retten.

 

Schwesterboot SMS V 151 unter Levensauer Hochbrücke, Fährschiff SS Preussen

 

In einem geheimen Funkspruch des Admiralstabes der Marine Berlin an den Chef des Marinekabinetts im Großen Hauptquartier Ost wurde Seiner Majestät dem Kaiser gemeldet:
"Sechs Seeleute tot , fünf verwundet und acht vermißt. Durch SMS V 154 und Fährschiff SS Preussen großer Teil der Mannschaft geborgen. Sind auf dem Marsch nach Kiel. SMS Undine war Patrouillien-Kreuzer für Sund-Stellung und für die Strecke Saßnitz-Trelleborg."
Für seine Erfolge in der Ostsee wurde Commander Cromie vom russischen Zaren mit dem St. Vladimir-Orden sowie dem St. Anne-Orden dekoriert und zu einem Diner eingeladen. Erst im Frühling des nächsten Jahres belohnte ihn dann auch die eigene Truppe: er wurde mit dem Distinguished Service Order ausgezeichnet und zum kommissarischen Befehlshaber der Balten-Flottille ernannt. Mit Fortschreiten des Krieges wurde die Lage immer aussichtsloser für die Kriegspartei Rußland, da sie dabei war den Krieg zu verlieren. Aus diesem Grund mußte Commander Cromie am 8. April 1917 die verbliebenen U-Boote seiner Flottille, dies waren HM S/M E1, HM S/M E 8, HM S/M E 9, HM S/M E 19, HM S/M C 26, HM S/M C 27 und HM S/M C 35, vor Helsinki selbst versenken. Die Besatzungen kehrten zwar nach Großbritannien zurück, Cromie wechselte aber als Marineattache im Range eines Captain in den Diplomatischen Dienst. Er starb am 31. August 1918 auf den Stufen der Britischen Botschaft in Petrograd als sie von den Revolutionären gestürmt wurde.
Es wurde ruhig um die SMS Undine.....
Erst 84 Jahre später wurde sie wiedergefunden. 1999 führten Taucher der schwedischen Kriegsmarine ein Manöver über der SMS Undine durch und fanden dabei das Wrack dieses Schiffes durch Zufall wieder.
Deutscherseits schien man die SMS Undine vergessen zu haben. Bis sich einige Ostsee-Spezialisten der Sache annahmen. Und so wurde in der Zeit vom 15.-18. Mai 2003 im Seegebiet der zentralen Ostsee eine Suchexpedition nach dem Kleinen Kreuzer SMS Undine gestartet.
Die Gesamtorganisation wurde von der Marinekameradschaft der Kampfschwimmer Ost e.V. aus Kühlungsborn sowie mit Beteiligung des Landesamtes für Bodendenkmalpflege Mecklenburg- Vorpommern, der Forschungsgesellschaft für Schiffsarchologie e.V. und der fahrenden Tauchbasis MS Artur Becker aus Greifswald durchgeführt. Bei der Teilnehmerauswahl wurden die Maßstäbe hoch angesetzt, da die geplanten Tauchgänge deutlich jenseits der Grenzen für Sporttaucher lagen. Gut ausgebildete Mischgastaucher und ehemalige Kampfschwimmer fanden hier ihr El Dorado.
Als bedeutsam wäre zu erwähnen, daß die Expeditionsteilnehmer an Bord der MS Artur Becker die ersten deutschen Taucher waren, die nach der Versenkung 1915 die SMS Undine betauchten.

© 2003 Michael Lemke


Über zwei Jahre umfangreiche Recherchen in Akten von nationalen und internationalen Militärarchiven zur Geschichte der Kaiserlichen Marine und des Kriegsschauplatzes Ostsee im ersten Weltkrieg ergaben, daß hier bei der "Tauchexpedition Undine" ein weiteres Puzzelstück zum Gesamtbild militärisch geführter Auseinandersetzungen in der Ostsee gefunden wurde, so daß einige bisherige historische Darstellungen ergänzt oder berichtigt werden müssen.
Die SMS Undine liegt mit dem zur Insel Rügen weisenden Bug in einer Tiefe 48 Metern. Das Wrack liegt im weiteren mit einer Neigung von umgefähr 50° auf seiner Backbordseite. Die Bordwand an der Steuerbordseite liegt auf ca. 40m Tiefe. Man kann im Strömungsschatten an ihr entlangtauchen und noch das ein oder andere interessante Detail an ihr entdecken wzB. dieses Bullauge.

© 2003 Rüdiger Becker

 

Die Besonderheit an diesem Wrack -die auch Tauchgänge erschwert- ist, daß der Kleine Kreuzer in der Kadett-Rinne liegt. Dies ist stark befahrenes Nadelöhr in der Ostsee-Schifffahrt. Aufgrund der geologischen Situation herrscht außerdem fast immer eine starke Strömung am Wrack. Damit ist dieser Tauchplatz nichts für Anfänger oder "Fortgeschrittene" ! Zieht man die Tiefe hinzu und das Erfordernis mit Mischgas zu tauchen, ist dies ein Wrack ausschließlich für erfahrene Taucher! Beginnt man den Tauchgang, so ist der Abstieg entlang einer Shotline erforderlich.
Mittschiffs am Wrack angekommen, stößt man auf die Stelle an der der britische Torpedo getroffen hat. Hier befindet man sich zwischen dem Stau- und dem Panzerdeck unterhalb der Wasserlinie, etwa in Höhe des ersten Kesselraumes. Durch die Explosion des Torpedos auf der Steuerbordseite wurde ein ca. zwei Meter großes Leck in den Kreuzer gerissen. Dieses geht bis zur Schiffsmitte und verursachte auch auf Deck ein Aufwerfen der Beplankung bis zur Kommandobrücke. Durch das vom Torpedo gerissene Loch in der Bordwand kann man hindurchtauchen. Vorsicht jedoch. Diese Penetrationstauchgänge erfordern Erfahrung und eine entsprechende Ausbildung! Bleibt man an der Steuerbordseite, fallen einem als markantes Merkmal die steil nach oben ragenden 10,5cm- Kasemattgeschütze auf.

 

© 2003 Rüdiger Becker


Da am Wrack alle 10,5cm-Geschütze querab nach Steuerbord zeigen, wird vermutet, dass es Artillerieabwehr in Richtung HM S/M E 19 gegeben haben muß.

 

© 1999 Henrik Manley


Deutlich sind die nach Backbord abgeknickten Masten und Hauptdampfrohre (Schornsteine) zu sehen. Durch sie erstreckt sich das Wrackfeld nach Backbord auf ca.25 bis 30 Meter. Hier liegen auch einige Teile, die früher mal die Aufbauten des Schiffes dargestellt haben wzB. diese Seitenwand eines Deckshauses.

 

© 1999 Henrik Manley


Das Trümmerfeld neben dem Wrack bietet dem Auge reichhaltige Kurzweil und läßt einen manchmal länger,manchmal kürzer herumrätseln was da vor einem so rumliegt.

 


Links unbestimmbar, rechts Ventilationsgebläse
© 1999 Henrik Manley


Nicht weit von diesen Trümmern entfernt liegen auch Überreste von Rettungsbooten sowie die Dampfpinasse des Kleinen Kreuzers. Die Brücke ist nicht in Trümmer gegangen, sondern ist, genauso wie der wohl stabileren Decksaufbauten, nach wie vor gut erhalten. Von hier aus tauchte ich in Richtung Heck. Dort angekommen habe ich mir natürlich auch die Ruderanlage sowie die imposante Schraube angeschaut. Am Heck unmittelbar unter Deckshöhe habe ich dann auch die Heckzier unter die Lupe genommen. Diese habe ich zunächst vorsichtig mit einer Bürste von Muscheln und Schlamm befreit, so daß man eindeutig das in der Farben Schwarz und Weiß gehaltene Wappen mit dem Großen Buchstaben "W" für das kaiserliche "Wilhelm" gut erkennen kann. Auch ansonsten ist das Wrack in einem gutem Zustand. Auf den Festmachern ist sogar noch die mit einem Sternmuster geschmückte Verzierung erhalten.

 

© 1999 Henrik Manley

In einem einzigen Tauchgang ist es jedoch kaum vollständig zu erkunden,so daß einem schon bald nichts anderes mehr übrig bleibt, als aufzutauchen.

 

© 2003 Rüdiger Becker


Weitere Forschungen und Untersuchungen werden in der nächsten Zeit durch Unterwasserdenkmalpfleger erfolgen. Hier gilt es, ein erhaltenswertes technisches Unterwasserdenkmal für Interessierte zu bewahren!
Fazit:
Die Expedition war ein absoluter Volltreffer für alle Beteiligten. Diese Art von Forschungsreisen mit dem Gespür für das Außergewöhnliche sollten unbedingt im Jahr 2004 unter Federführung unserer Marinekameradschaft weitergeführt werden.

 

Das Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung Unterwasserarchologie, hat bereits ein reges Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns signalisiert. Vielleicht gibt es ja noch den einen oder anderen Kameraden aus unseren Reihen, der im nächsten Jahr mit uns wieder auf eine Expeditionsreise der besonderen Art gehen möchte. Von einem neuen Projekt wird Ende diesen Jahres zu hören sein.
Die Redaktion des Taucher.Net bedankt sich herzlich bei Reinhard Öser von der Marinekameradschaft der Kampfschwimmer Ost e.V. in Kühlungsborn für das großzügige Zurverfügungstellen seines Textes und bei Rüdiger Becker sowie Henrik Manley und Michael Lemke für die freundliche Spende des Unter- wie Überwasserbildmaterials von der Expedition und dem Wrack!

 

© 2003 Reinhard Öser

 

 

 

 


 

 


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