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Unterseebootkrieg

1914-1918

Deutsches Unterseeboot

Deutsches Unterseeboot

 

 

Keine Waffe hat im Seekrieg so erstaunliche militärische Erfolge erzielt, keine hat so viele Linienschiffe, Panzerkreuzer, Kreuzer und Zerstörer zur Strecke gebracht wie das Unterseeboot, dessen Leistungsfähigkeit in der Vorkriegszeit selbst von der kühnsten Fantasie kaum in bescheidenen Umrissen erkannt wurde. Als der 1. Weltkrieg ausbrach, verzeichneten die Flottenlisten 75 englische Unterseeboote, 74 französische und 27 deutsche Boote. Niemand ahnte, dass die kleine deutsche Unterseebootflotte besondere Bedeutung für die Kriegführung erlangen würde!

U21 vernichtet den englischen Kreuzer Pathfinder
S.M. Unterseeboot 14
U21 vernichtet den englischen Kreuzer Pathfinder S.M. Unterseeboot 14

 

Bereits im September 1914 drang ein deutsches U-Boot in den stark gesicherten Hauptliegeplatz der englischen Flotte, Scapa Flow, ein. Im gleichen Monat sank zum ersten Male in der Geschichte ein größeres Kriegsschiff, der englische Kreuzer Pathfinder, durch einen U-Boot-Torpedo. Kurz darauf, am 22. September 1914, fielen in weniger als zwei Stunden drei englische Panzerkreuzer den Torpedos eines alten und unmodernen deutschen Unterseeboots zum Opfer, des von Weddigen geführten Bootes U 9. Im weiteren Verlauf des Krieges wurde eine große Zahl anderer Kriegsschiffe von deutschen Unterseebooten vernichtet, als letztes das englische Linienschiff Britannia am 9. November 1918 bei Gibraltar. Auf ihren Fahrten griffen die deutschen Unterseeboote in der verschiedensten Weise in die Kriegführung ein. Sie stellten die Verbindung mit den aufständischen Arabern in Tripolis her und richteten laufende Militär- und Materialtransporte nach Nordafrika ein. Sie transportierten die für die Dardanellenverteidigung unentbehrlichen Geschosse und Zünder, für die es bis zur Niederkämpfung Serbiens keine sichere Transportmöglichkeit über Land gab. Sie schützten die Seeflanke bei dem türkischen Vormarsch zum Suezkanal. Sie beförderten den Führer der irischen Revolution, Sir Roger Casement, nach Irland und politische Agenten nach der Kaukasusküste. Sie schossen sich mit Küstenbefestigungen und bewaffneten Dampfern herum und drangen in befestigte und bewachte feindliche Häfen ein. Sie zerschnitten feindliche Telegrafenkabel auf hoher See, beschossen Fabriken auf dem britischen Festland und landeten dort Personal zur Zerstörung von Eisenbahnen. Einmal wurde sogar von einem deutschen Unterseeboot zur Aufbesserung der Verpflegung auf einer kleinen schottischen Insel eine Treibjagd veranstaltet, bei der vier Hammel erlegt wurden.

U9 vernichtet 3 englische Panzerkreuzer
Ein Schluck aus der Pulle
U9 vernichtet 3 englische Panzerkreuzer "Ein Schluck aus der Pulle" - Propagandakarte 1914

 

Die U-Boote bedeuteten für die russische Material- und Munitionszufuhr durch das Weiße Meer ein gefährliches Hindernis, das nur unter schweren Verlusten zu passieren war. Im Schwarzen Meer verteidigten sie die bulgarische Küste und die türkischen Kohlen- und Truppentransporte gegen die russische Flotte. Das Handels-U-Boot Deutschland beförderte lebenswichtige Frachten von Nordamerika durch die feindliche Blockade nach der Heimat. Als im April 1915 die Lage der Dardanellen kritisch wurde, erhielt U 21 den Auftrag, zur Entlastung der Verteidiger nach der Türkei zu gehen. Eine Fahrt von derartiger Länge war bisher von keinem Unterseeboot ausgeführt worden. Nach eingehenden Berechnungen konnte das Boot, wenn keinerlei Zwischenfall eintrat, die verbündeten Stützpunkte in der Adria ohne Fahrtunterbrechung mit dem eigenen Brennstoffvorrat gerade erreichen. U 21 lief am 25. April 1915 aus, umschiffte die Nordspitze Schottlands und sollte an der spanischen Küste Brennstoff ergänzen. Dies glückte; aber der Brennstoff war für die Motoren des Bootes nicht brauchbar. Kurz entschlossen setzte Kapitänleutnant Hersing die Fahrt ins Mittelmeer fort. Mit der letzten Tonne Öl erreichte er tatsächlich am 13. Mai den österreichischen Hafen Cattaro. Nach wenigen Tagen wohlverdienter Ruhe ging Hersing nach den Dardanellen und nahm die Suche nach feindlichen Linienschiffen auf.

Otto Weddigen

Kapitänleutnant Otto Weddigen † 1915

 

Am 25. Mai sichtete er das englische Linienschiff Triumph, das vor Gallipoli mit ausgebrachten Schutznetzen zu Anker lag und dauernd von einem Zerstörer in hoher Fahrt umkreist wurde. Auf den Nocken der Netzspieren saßen Ausguckposten als U-Boot-Sicherung. Aus 300 Meter Abstand wurde ein Torpedo mit Netzschere gefeuert. Zuerst ertönte ein leiser metallischer Schlag vom Zerreißen des Netzes, dann die dumpfe, krachende Explosion des Torpedos. Nach zwei Tagen, am 27. Mai, kam U 21 noch einmal zum Schuss. An der Südspitze von Gallipoli lag das englische Linienschiff Majestic, umgeben von zahlreichen Hilfsschiffen und Zerstörern. Nach vorsichtigem Manövrieren gelang es, einen Torpedo zwischen zwei Dampfern hindurch zuschießen, dem das Schiff zum Opfer fiel. Als das Boot kurz darauf in die Dardanellen einlief, waren alle feindlichen Kriegsschiffe zurückgezogen. Ein Erfolg "in zwölfter Stunde" nach den Worten Enver Paschas.

U21 vernichtet das englische Linienschiff Triumph
Unterseeboot der Kaiserlichen Marine in voller Fahrt
U21 vernichtet das englische Linienschiff Triumph Unterseeboot der Kaiserlichen Marine in voller Fahrt

 

Am 7. Mai 1915 torpedierte U 20 unter Kommandant Schwieger den britischen Cunarddampfer Lusitania innerhalb des zum Kriegsgebiet erklärten Meeresabschnitts. Die Lusitania, mit Tonnen von Kriegsmaterial beladen, sinkt innerhalb von 18 Minuten. 1198 Passagiere und Besatzungsmitglieder, darunter 124 US-Amerikaner gehen mit dem Schiff unter, 761 Menschen werden von Fischern aus dem nahe gelegenen Queenstown gerettet. Die Versenkung der Lusitania sollte schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, da nun in den USA immer mehr Stimmen in die Öffentlichkeit für einen Kriegseintritt gegen das Deutsche Reich aussprachen. Bis zum heutigen Tag hält der Streit um die wahren Hintergründe und die geschichtlichen Beurteilung der Versenkung der Lusitania  an. Bald nach Beginn des Krieges kam man auf den Gedanken, Unterseeboote zu bauen, die zum Minenlegen unter Wasser imstande seien. Im März 1915 war das erste Minen-U-Boot UB 12 fertig, im April bis Juli folgten die Boote UC 1 - 15. Sie hatten 4 bis 6 Minen-Ausstoßrohre und einen Minenvorrat von 8 bis 12 Minen. Später ergänzte man die Ausrüstung der Minen-U-Boote durch Torpedorohre, um sie auch zu Unterwasserangriffen auf geeignete Objekte zu befähigen, und gab den großen Unterseebooten Minenvorräte bis zu 48 Stück zur gelegentlichen Verwendung mit. Derartigen U-Boot-Minen ist am 3. Juni 1916 der britische Kriegsminister  Feldmarschall Lord Kitchener zum Opfer gefallen. Er befand sich an Bord des Kreuzers Hampshire auf dem Wege nach Russland. Bereits am Tage des Auslaufens geriet der Kreuzer bei den Orkney-Inseln auf eine Minensperre, die kurz zuvor von U 75 dort gelegt worden war.

England verleugnet seine Flagge
Lusitania torpediert und gesunken
England verleugnet seine Flagge Lusitania torpediert und gesunken

 

Besonders gefährlich waren für die deutschen Unterseeboote die englischen U-Boot-Fallen, die unter Tarnung als neutraler Handelsschiffe oder Fischerfahrzeuge den U-Booten auflauerten. Die Artillerie- und Torpedoarmierung dieser Fahrzeuge war sorgfältig verdeckt und selbst bei genauer Sehrohrprüfung nicht zu erkennen. Tauchte das U-Boot dann auf, um das Fahrzeug zu untersuchen und aus der Nähe mit Geschützfeuer zu versenken, dann wurde es plötzlich mit einem rasenden Schnellfeuer überfallen, das nicht selten seinen Untergang herbeiführte. Erst nach Eröffnung des uneingeschränkten Unterseebootkrieges hörten die U-Boot-Verluste durch U-Boot-Fallen auf. Als der 1. Weltkrieg sich im Jahre 1917 immer mehr verschärfte und ein Kampf auf Leben und Tod wurde, gab man den U-Booten als letztes und einziges Mittel, England auf die Knie zu zwingen, die Erlaubnis zur uneingeschränkten Handelskriegführung, d.h. sie durften von nun an in einem fest umgrenzten Seegebiet, das die Britischen Inseln und die Azoren umschloss und sich über das östliche Mittelmeer und das Weiße Meer erstreckte, jedes Schiff warnungslos versenken. Nach Ansicht der deutschen Admiralität erforderte das Wesen des U-Boot-Krieges derartige Maßnahme. Und tatsächlich haben die deutschen U-Boote England im uneingeschränkten U-Boot-Krieg schwer zu schaffen gemacht. Der britische Admiral Jellicoe bezeichnete sie als "die tödlichste Gefahr, die England jemals bedrohte". Im Frühjahr 1917 gab er zu, dass die englische Admiralität nur ein Viertel bis ein Drittel der tatsächlichen Schiffsverluste zu veröffentlichen wagte, dass die Nachrichten der englischen Presse über zahlreiche U-Boot-Verluste und U-Boot-Kapitulationen manipuliert seien, dass man mit dem Zusammenbruch Britanniens zum 1. November 1917 rechnen müsse. Damals prüfte man in England jede Möglichkeit, Handelsschifftonnage zu sparen, und beschränkte die Verwendung von Handelsschiffen ausschließlich auf die lebenswichtigsten Aufgaben der Kriegsversorgung und Landesernährung.

Unterseeboot U65 (Querschnitt) greift einen Geleitzug an
S.M.S. Vulcan - Dockschiff für U-Boote
Unterseeboot U65 (Querschnitt) greift einen Geleitzug an S.M.S. Vulcan - Dockschiff für U-Boote

 

Die erschreckenden Schiffsverluste nötigten die britische Regierung zu den einschneidendsten Maßnahmen, zumal Admiral Jellicoe noch im Frühjahr 1917 auf eine Frage des Ministerpräsidenten Lloyd George nur zu antworten wusste, dass er keinen aussichtsreichen Plan gegen die deutsche U-Boot-Gefahr auf dem freien Meer wisse. Die Aufgabe des Saloniki-Unternehmens, dessen Unterhaltung und Versorgung 400000 Tonnen Schiffsraum ständig benötigte, wurde mit äußerster Dringlichkeit von Admiral Jellicoe gefordert, vom Kriegsrat beschlossen und nur hinausgeschoben, weil inzwischen ein anderer Vorschlag vorgebracht wurde, der die gleiche Menge Schiffsraum freimachte. Zu diesem Zeitpunkt begann das Geleitzugsystem sich durchzusetzen, das die Tätigkeit der Unterseeboote außerordentlich erschwerte. Es wurde zu einem großen Schlag gegen den deutschen U-Boot-Krieg, da die langsamen U-Boote chancenlos gegen die schnellen Zerstörer waren. Ohne us-amerikanische Hilfe hätten die Geleitzüge von England allerdings nicht durchgeführt werden können.

Die kleinen deutschen U-Boote haben mehr Schiffe versenkt als die gewaltige Hochseeflotte der Kaiserlichen Marine, die Gewässer der Nordsee, das gesamte Seegebiet um die britischen Inseln, die Azoren und die westafrikanische Küste, um Frankreich, Spanien und Skandinavien, das Mittelmeer, das Nördliche Eismeer und das Schwarze Meer: nirgends ein Platz, wo die deutschen U-Boote nicht gefürchtet gewesen wären.

Ungewöhnlich schwer waren die Verluste der deutschen Unterseeboote, am schwersten diejenigen der U-Flottille Flandern. Von 94 in Flandern verwendeten U-Booten sind 73 nicht zurückgekehrt und 10 interniert, gesprengt oder verunglückt. Nur 11 Flandern-U-Boote kehrten in die Heimat zurück. 178 deutsche Unterseeboote sanken auf allen Kriegsschauplätzen und 5132 deutsche U-Boot-Leute, das ist mehr als die Hälfte aller U-Boot-Besatzungen, starben im im 1. Weltkrieg.

Marine-Ehrenmal in Laboe, Turmhöhe 85 Meter ü.d.M.

Marine-Ehrenmal in Laboe, Turmhöhe 85 Meter ü.d.M.

Entwurf G.A. Munzer, Düsseldorf. Erbaut: Deutscher-Marine-Bund

 

Am 8. August 1927 legte Admiral Scheer unter dem Leitspruch "Für deutsche Seemannsehr, für Deutschlands schwimmende Wehr, für beider Wiederkehr" den Grundstein für das Marine-Ehrenmal in Laboe. Der 85 Meter hohe Turm nach einem Entwurf Professor G. A. Munzers erinnert an den Steven eines Germanenschiffes. Das Monument wurde am 31. Mai 1936 feierlich eingeweiht und ist heute den 35 000 im Ersten Weltkrieg und den 120 000 im Zweiten Weltkrieg gefallenen deutschen Seeleuten gewidmet.

 


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