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Versailler Vertrag

Der Vertrag von Versailles - Der diktierte Frieden

Now Gents, which portion am I to carve for you!

"Now Gents, which portion am I to carve for you!" - (Nun meine Herren, welches Teil darf ich Ihnen abschneiden!)

Britische Propagandakarte - Belgien, Russland, Frankreich und Britannien teilen sich das geschlachtete Schwein Deutschland auf.

 

Versailler Vertrag

Vorgeschichte

Am 18. Januar 1871 wurde, nach dem Sieg im Deutsch-Französischen Krieg, im Spiegelsaal zu Versailles der preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen. 48 Jahre später, nach Ende des 1. Weltkrieges, ging das Deutsche Kaiserreich am selben Ort unter. Ort und Datum waren nicht zufällig gewählt, man wollte den alten "Erbfeind" Deutschland demütigen. Einmalig in der bisherigen europäischen Geschichte, die Sieger und davon gibt es plötzlich sehr viele, handeln den Friedensvertrag unter sich aus und schaffen so das längste und komplizierteste Vertragswerk, mit einer Vielzahl  neuer Konfliktherde. Der französische Staatspräsident Raymond Poincare eröffnet am 18. Januar 1919 den Pariser Friedenskongress, an dem 32 Staaten unter Ausschluss Deutschlands teilnehmen. Aus den in Versailles konferierenden Staaten entstand später der "Völkerbund".

 

Am 1. August 1915 bittet die amerikanische "United Press" die kriegsführenden Mächte ihre Kriegsziele zu erläutern. Reichskanzler Bethmann Hollweg antwortet: "Der von uns erstrebte Frieden wird allen Völkern die Freiheit der Meere verschaffen und allen Nationen die Möglichkeit eröffnen, den Werken des Fortschritts und der Gesittung durch einen freien Verkehr in der ganzen Welt dienen." Der Präsident Frankreichs Raymond Poincarè fordert die Annexion Elsaß-Lothringens und die Unabhängigkeit Belgiens, was ebenfalls die britische Regierung als ihr offizielles Kriegsziel betrachtet. Zar Nikolaus beansprucht den Bosporus mit Konstantinopel. Hinter den Kulissen hofft der französische Präsident auf ein zerbrechen der Einheit Deutschlands und der französische Schriftsteller Maurice Barrès plädiert in der Zeitung "L'Echo de Paris" bereits für die Rheingrenze.

Versailler Vertrag - Französische Karte von 1915

Versailler Vertrag - Französische Karte von 1915

 "L'EUROPE FUTURE DE DEMAIN" - Französische Karte von 1915

Kriegsziele Frankreichs: Die Karte von 1915 zeigt verblüffende Ähnlichkeiten mit dem heutigen Mitteleuropa.

Deutschland ist in sechs Staaten (Hannover, Westfalen, Württemberg, Bayern, Preußen und Sachsen) aufgeteilt, die angegebene Ostgrenze entspricht der heutigen Oder-Neiße-Linie zu Polen. Das aufgeteilte Österreich-Ungarn zeigt grob die heute existierenden Staaten.

 

Konkrete Friedensbemühungen der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn gab es bereits seit 1916:

Bereits am 21. Dezember 1915 diskutierte der Reichstag auf Anfrage der Sozialdemokraten, "unter welchen Bedingungen der Reichskanzler bereit sei, in Friedensverhandlungen einzutreten". Reichskanzler von Bethmann Hollweg antwortete: "Nicht um fremde Völker zu unterjochen kämpfen wir diesen uns aufgedrängten Kampf, sondern zum Schutz unseres Lebens und unserer Freiheit. Weder im Osten noch im Westen dürfen unsere Feinde von heute über Einfallstore verfügen." Die Deutschen, in ihrer übergroßen Mehrheit, glaubten einen Verteidigungskrieg zu führen.

Am 28. September 1916 gab der britische Kriegsminister David Lloyd George die britischen Kriegsziele bekannt, demnach soll dem Deutschen Reich der "Knock-out" versetzt werden, Preußens Vorherrschaft gebrochen, das Reichland Elsass-Lothringen vom Reich abgetrennt werden und zwischen Deutschland und Russland ein polnischer Pufferstaat entstehen. Die Donaumonarchie Österreich-Ungarn soll aufgelöst werden und der deutsche Anteil am Vielvölkerstaat dem Deutschen Reich angegliedert werden.

Am 5. November 1916 proklamieren das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn das Königreich Polen, zunächst aber ohne genaue Grenzziehung.

Am 12. Dezember 1916 machten die Mittelmächte (Deutschland und Österreich-Ungarn) den Ententemächten erstmals ein Friedensangebot, was diese aber am 30. Dezember 1916 ablehnten.

Am 23. März 1917 wand sich Kaiser Karl I. von Österreich unter strenger Geheimhaltung über einen Verwandten an die Ententemächte und ließ seine Friedensbereitschaft erkennen (Sixtusaffäre). Die Franzosen sahen aber dieses Angebot als Zeichen der Schwäche und stellten Österreich-Ungarn unannehmbare Gebietsforderungen. Deutschland war schwer verärgert, zumal man infolge der Bundnistreue zu Österreich-Ungarn in den Krieg gezogen war.

Am 22. Dezember 1917 kam es zur Waffenruhe im Osten, in Brest-Litowsk verhandeln Vertreter der neuen Sowjetregierung mit Vertretern der Mittelmächte um einen Sonderfrieden.

Am 8. Januar 1918 ergriff der amerikanische Präsident in seiner Jahresbotschaft an den Kongress eine neue Friedensinitiative und legte seinen 14 Punkte Plan vor, u.a. sollte Deutschland das Reichsland Elsass-Lothringen an Frankreich und Provinzen im Osten an einen polnischen Saat abtreten. Die Völker Österreich-Ungarns und des Osmanischen Reiches sollten selbst über ihr Schicksal bestimmen dürfen.

Am 3 März 1918 schlossen die Mittelmächte in Brest-Litowsk mit der Sowjetregierung einen Sonderfrieden.

Am 20. März 1918 versuchte die österreichische Regierung in geheimen Gesprächen mit den Vereinigten Staaten einen Sonderfrieden zu erwirken, aber die Amerikaner stellten wiederum unannehmbare Bedingungen, die einer Auflösung Österreich-Ungarns gleichkamen.

Am 4. Juli 1918 nannte US-Präsident Wilson die amerikanischen Kriegsziele:
1. Die Vernichtung der autokratischen, nicht auf den Willen eines Volkes beruhende Herrschaft.
2. Die Vereinbarung aller Staaten ihre Konflikte in Zukunft am Verhandlungstisch unter Beachtung des Völkerrechts zu lösen.
3. Die Anerkennung des Völkerrechts durch alle Völker der Erde.
4. Die Einrichtung einer internationalen Friedensorganisation.

Am 27. September 1918 schlugt die österreichisch-ungarische Regierung allen kriegsführenden Mächten vor, Verhandlungen zu einem Verständigungsfrieden aufzunehmen. Die Alliierten wiesen diesen Vorschlag scharf zurück. Wilson ließ in einer Rede erkennen, dass man keine Verhandlungen mit Vertretern des kaiserlichen Deutschlands und Österreich-Ungarns führe und forderte zum Sturz der Monarchien in beiden Ländern auf.

Am 3. Oktober 1918 ersuchte Reichskanzler Max von Baden die USA um Vermittlung eines Waffenstillstandes. Diese erklären sich nur dann bereit, wenn Deutschland von vornherein alle Forderungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten anerkennen würde und eine vom Volk gebildete Regierung die Monarchie ablösen würde. Grade der letzte Punkt, die Einmischung in die inneren Angelegenheiten war selbst für die deutschen Sozialdemokraten nicht akzeptabel. Max von Baden versuchte nun wiederholt die USA zu Friedensverhandlungen zu bewegen, aber diese blieben hart: "Wenn die Monarchie nicht abgeschafft wird (...), kann Deutschland über keinen Frieden verhandeln, sondern muss sich ergeben", erklärte Wilson am 23. Oktober 1918.

In wenigen Tagen zwischen Oktober und November 1918 vollzog sich der Zusammenbruch der Donaumonarchie. Zahlreiche Länder Österreich-Ungarns erklären ihre Unabhängigkeit und bildeten eigene nationale Regierungen.

In Deutschland sprachen sich nun zahlreiche sozialdemokratische Zeitungen für einen Sturz des Kaisers aus. Der Kaiser verließ am 29. Oktober 1918 Berlin und reiste in das deutsche Hauptquartier nach Spa. Der preußische Kriegsminister Heinrich Scheuch fasste das Ergebnis zusammen: "Die Abdankung ist Zwang und bleibt Zwang." Einige erwogen auch den Gedanken, der Kaiser solle "an der Front den Soldatentod finden".

Anfang November, begannen die Matrosen der Hochseeflotte zu meutern. In Berlin wurden Pläne bekannt, dass von der sowjetrussischen Botschaft in Zusammenarbeit mit deutschen revolutionären Gruppen ein Umsturz vorbereitet wurde. Die deutsche Regierung wies den sowjetischen Botschafter Adolf Joffe umgehend aus Deutschland aus.

Am 9. November 1918 brach in Deutschland die Revolution aus, wie ein Kartenhaus brachen jahrhundertealte Monarchien zusammen und überall bildeten sich Soldaten und Arbeiterräte. Reichskanzler Max von Baden versuchte Kaiser Wilhelm II. zur Abdankung zu bewegen, da er befürchtete, die Revolution werde sich immer mehr radikalisieren. In Spa erklärten die Frontgenerale nicht mehr für den Kaiser kämpfen zu wollen und telegrafieren nach Berlin, dass "mit einem Thronverzicht des Kaisers zu rechnen sei." Reichskanzler Prinz Max von Baden verkündete daraufhin offiziell die Rücktrittserklärung des Kaisers, die dieser gar nicht erklärt hatte. Auch wollte Wilhelm II. ausdrücklich, wie er in einem Telegramm mitteilte, nicht auf seinen Königsthron in Preußen verzichten, aber das interessierte in Berlin schon niemanden mehr. Max von Baden trat am selben Tag zurück, der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann rief, von einem Fenster des Reichtages, die erste deutsche Republik aus. Wenige Stunden später proklamierte Karl Liebknecht (Unabhängiger Sozialist) die "Sozialistische Republik" vom Balkon des Berliner Schlosses. Friedrich Ebert (SPD) erklärte sich zum neuen Reichskanzler und verkündete der Bevölkerung: "Der heutige Tag hat die Befreiung des Volkes vollendet." Wilhelm II. verzichtete erst am 28.11.1918 offiziell  auf den Thron. Die symbolische "Ausrufung" bzw. "Proklamation" hatten staatsrechtlich gesehen keine Bedeutungen, da Kaiser Wilhelm II. erst am 28. November abdankte und somit die Monarchie in Deutschland bis zu diesem Datum weiter bestand.

Nun war der Wille der Alliierten erfüllt, die Monarchie beseitigt und die Waffenstillstandsverhandlungen konnten beginnen.

Die Abschaffung der Monarchie in Deutschland war von den Ententemächten keinesfalls als Wohltat für das deutsche Volk gedacht. Das britische Empire, Italien, Belgien,  Japan, Rumänien, Portugal, um nur einige der Gegner zu nennen, besaßen selbst Monarchien und dies auch über 1918 hinaus. Die deutsche Innen- und Außenpolitik wurde nicht von Kaiser Wilhelm II. gestaltet, auch wenn er immer wieder gerne in diese tief eingriff. Deutschland war von 1871 - 1918 eine parlamentarische Monarchie mit einem gleichen, direkten Wahlrecht mit geheimer Abstimmung. Die Siegermächte von 1918 kannten die integrierende Wirkung einer Monarchie grade auf große Staaten sehr wohl, auch deshalb wurde der neu geschaffene südslawische Vielvölkerstaat als "Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen" (späteres Königreich Jugoslawien) am 1.12.1918 proklamiert. Vielmehr erhoffte man sich nun ein Auseinanderfallen des ungeliebten Deutschen Reichs, damit es dann, wie vor 1871 mit sich selbst zu tun hatte. Teile und herrsche ist ein sehr altes Herrschaftsprinzip. In der Donaumonarchie Österreich Ungarn gingen die Pläne der Alliierten auf, der Vielvölkerstaat zerfiel. Das Chaos dieses Zerfalls, verbunden mit neuen Grenzen die die Völker mehr teilten als einten, ist bis in unsere heutige Zeit hinein spürbar. Zwar fiel Deutschland durch Unruhen, Umstürze und bürgerkriegsähnliche Zustände in Chaos und Anarchie (eine wirkliche und planvolle Revolution hatte es 1918 nie gegebenen) aber Bayern, Rheinländer, Sachsen, Schlesier usw. waren durch das gemeinsame Erleben des Deutschen Kaiserreichs bereits zu Deutschen verschmolzen und Separatisten aller Schattierungen hatten keine Chance. Große Verdienste um die Einheit des Reiches erwarb sich dabei der sozialdemokratische Reichskanzler Friedrich Ebert, der mit der eisernen Faust eines Gustav Noske (Sozialdemokrat, Reichswehrminister 1919/20)  das Land in jenen schweren Tagen zusammenhielten.

Am 11. November 1918 diktierte der französische Marschall Ferdinand Foch der deutschen Waffenstillstandsdelegation die Bedingungen zur Beendigung der Kampfhandlungen, die einer Kapitulation gleich kamen. Auch blieb die Blockade der deutschen Häfen bestehen und damit war die Lebensmittelblockade der Siegermächte auch nach Ende der Kampfhandlungen weiter wirksam. Selbst der Fischfang in der Ostsee wurde vom britischen Flottenkommandanten unterbunden. Die Auswirkungen der Blockade waren verheerend. In den neun Monaten nach dem Waffenstillstand hat sie den Tod von über 800 000 Menschen im Deutschen Reich bewirkt. "...die Blockade [werde] mit Nachdruck durchgesetzt. Diese Waffe des Aushungerns ist vornehmlich auf die Frauen und Kinder gerichtet, die Alten, die Kranken und die Armen..." erklärte Winston Churchill am 14. März 1919 vor dem englischen Unterhaus.

Deutscher Michel 1919

Deutscher Michel 1919
"Schwarz die Zukunft, Rot die Gegenwart, Golden die Vergangenheit"

 

Am 18. Januar 1919 begrüßte der Präsident der französischen Republik, Reymond Poincare, im Großen Saal des Quai d'Orsay Präsident Wilson und eröffnete die Friedenskonferenz, zu der siebenundzwanzig Nationen ihre Vertreter nach Paris geschickt hatten. Schon in den ersten Worten Poincares konnte man jene französische Hartnäckigkeit erkennen, die später die ganze Versailler Konferenz beherrschte und dann zu diesem katastrophalen Ergebnis führte. Poincare endete seine Begrüßung, indem er sich an Wilson wandte und prophetisch sagte: "Sie halten in Ihren Händen die Zukunft der Welt." Kaum hatte Poincare geendet, erhob sich Präsident Wilson und schlug Clemenceau als dauernden Vorsitzenden des Friedenskongresses vor. Lloyd George und der italienische Vertreter Sonnino schlossen sich ihm an. So wurde der schärfste Vertreter der französischen Revanche der wichtigste Mann der gesamten Friedenskonferenz. Man einigte sich auf die "Verantwortlichkeit der Urheber des Krieges" und "Sanktionen gegen die während des Krieges begangenen Verbrechen" als einen der ersten Tagungspunkte. Von den Reparationen wurde vorläufig noch nicht gesprochen. Doch gerade sie sollten den entscheidenden Punkt des Vertrages von Versailles bilden.
Jene Männer, die nun in Paris zusammengetreten waren, um Frieden auszuhandeln, der die Zukunft Europas garantieren sollte, waren erschreckender Weise mit der zu behandelnden Materie nicht immer ganz vertraut. Andre Tardieu, die rechte Hand Clemenceaus, verfügte wie so viele der alliierten Friedensmacher nur über unzureichende geografische und geschichtliche Kenntnisse. So schrieb er unter anderem: "Wieder einmal glaubte Deutschland, den Weg nach Paris erzwingen zu können. Sechs Monate Blutbad verschlossen den Pfad. Unser defensiver Sieg ermöglichte die italienischen Siege in Galizien und in der Bukowina." (dort kämpften die österreichisch ungarische Armee gegen die Russen).
Lloyd George wieder wandte sich in einer Besprechung ganz offen an Philipp Kerr: "Bitte helfen Sie mir aus. Ist es Ober- oder Niederschlesien, was wir abtreten wollen?"
Dieses Schlesien hatte es überhaupt in sich. Viele Politiker in Versailles verwechselten nach Angaben von J. H. Edwards Schlesien dauernd mit Zilizien (Silesia und Cilicia).
Obwohl Lloyd George wiederholt die besonderen geografischen Kenntnisse Sir Maurice Hankeys rühmte, glaubte Hankey dennoch, dass Belgrad (Serbien) die Hauptstadt von Bulgarien war, und Lloyd George selbst, von dem der amerikanische Staatssekretär Lansing sagte, "dass er (Lloyd George) eine Gebietsfrage zu erörtern wagte, ohne genau zu wissen, wo das Gebiet liege ...", gestand im Unterhaus fröhlich ein, er wisse nicht, wo Teschen liege, und er habe auch niemals von einem solchen Ort gehört. Marschall Foch hielt Köln für einen Eisenbahnknotenpunkt in der Pfalz, und Clemenceau meinte, die Eisenbahn von Köln nach Paris führe durch holländisches Gebiet. Präsident Wilson wieder scheint Lille als einen festen Platz am Rhein angesehen zu haben und sprach von Rastatt als einem Brückenkopf am Rhein. Der amerikanische Präsident erkundigte sich bei Nicholson nach der "Brunner" Grenze (Brenner), als er seine Südtiroler Entscheidung vorbereitete, von der er später zu Baker sagte: "Die Entscheidung reut mich, ich kannte die Situation nicht, als die Entscheidung getroffen wurde." Nicht alle haben diese erschütternde Tatsache eingestanden.
Mit dieser mangelhaften geografischen und völkerkundlichen Kenntnis machten hauptsächlich die Italiener, die Polen und die Tschechen das größte politische Geschäft ihres Lebens. Die Tschechen nannten alle sudetendeutschen Städte und Dörfer mit den tschechischen Namen und erweckten so den Eindruck, als lebten die Deutschen nur zufällig in tschechischen Ortschaften. Die Polen legten gar eine gefälschte Karte von 1772 vor, auf der rein deutsche Gebiete als Polnische verzeichnet waren. Alles das wurde widerspruchslos anerkannt.
Die Italiener wieder präsentierten durch ihren Außenminister Sonnino die Fantasiekarten des Ettore Tolomei, um so ihre Ansprüche an Südtirol zu beweisen.
Obgleich Ettore Tolomei österreichischer Staatsangehöriger war, betrieb er seit der Jahrhundertwende auf dem Papier eine pseudowissenschaftliche Italianisierung Südtirols, indem er völlig willkürlich teils in Übersetzungen, teils in Fantasienamen die urdeutschen Städte und Dörfer verwelschte. Er erfand für Goldrain Coldrano, für Glarns Cologna, für Abtei Badia, für Sterzing Vipiteno, für Innichen San Candido und übersetzte andere Namen, etwa Altenburg in Castel vecchio, Dreikirchen in Tre chiese, Siebeneich in Sette querce usw. So entstand schließlich beispielsweise Bolzano für Bozen und Merano für Meran. 1904 erkletterte Ettore Tolomei einen Berg, der schon in der Zeitschrift des Alpenvereins im Jahrgang 1896 Glockenkarkopf oder Klockerkarkopf genannt wurde. Das schien Signore Tolomei nicht schön genug, und er nannte den Berg Vetta d'Italia, Gipfel Italiens. Diese fantastische Spielerei wurde von der italienischen Regierung in Versailles als eine offizielle Regelung der Tiroler Landschaft ausgegeben. Es war eine glatte Fälschung. Dennoch erreichten auch die Italiener damit ihr Ziel.

Philip Snowden (britischer Parlamentarier) charakterisierte den Versailler Vertrag wie folgt: "Der Vertrag dürfte Briganten, Imperialisten und Militaristen zufrieden stellen. Er ist ein Todesstoß für alle diejenigen, die gehofft hatten, das Ende des Krieges werde den Frieden bringen. Es ist kein Friedensvertrag, sondern eine Erklärung für einen weiteren Krieg. Es ist der Verrat an der Demokratie und an den Gefallenen des Krieges. Der Vertrag bringt die wahren Ziele der Verbündeten an den Tag."

Lord Curzon (ab 1919 englischer Außenminister) erklärte, der in Versailles erreichte Vertrag sei "kein Friedensvertrag, er ist einfach eine Unterbrechung der Feindhandlungen."

Lloyd George (ab 1916 englischer Premierminister) bemerkte 1919 zum Versailler Vertrag: "Wir haben ein schriftliches Dokument, das uns Krieg in zwanzig Jahren garantiert. Wenn Sie einem Volk Bedingungen auferlegen, die es unmöglich erfüllen kann, dann zwingen Sie es dazu, entweder den Vertrag zu brechen oder Krieg zu führen. Entweder wir modifizieren diesen Vertrag und machen ihn für das deutsche Volk erträglich oder es wird, wenn die neue Generation herangewachsen ist, es wieder versuchen." Lloyd George sollte mit seiner Vorhersage sogar auf das Jahr genau Recht behalten!

Deutsche Nationalversammlung in Weimar 1919

Deutsche Nationalversammlung in Weimar 1919

 

Die am 19. Januar 1919 gewählte und am 6. Februar in Weimar eröffnete Nationalversammlung nahm am 10. Februar eine Notverfassung an, wählte am 11. Februar Friedrich Ebert zum vorläufigen Reichspräsidenten, der Scheidemann zum Reichskanzler (Reichsministerpräsident) ernannte und genehmigte am 21. Februar einstimmig den Zusammenschluss mit Deutsch-Österreich.

Deutsch-Österreich

Text oben: "Volksabstimmung im Lande Salzburg über den Anschluß an Deutschland am 29. Mai 1921"

Text unten: "Jetzt heißt es: hilf, wer helfen kann, doch Niemand will uns hören, Drum schließt Euch frisch an Deutschland an, dort, wo wir hingehören!"

Deutschösterreich - Briefmarke von 1919

 

Der Vertrag von St. Germain löste den Habsburgischen Staat völlig auf und versagte Deutsch-Österreich gegen den Willen der Mehrheit seiner Bevölkerung die Vereinigung mit dem Reich. So begreiflich auch die französische Überlegung erscheint, dass ein Block von 70 Millionen Deutschen auf die Dauer zur stärksten Macht in der Mitte Europas werden würde, bleibt die eindeutige Verletzung des Selbstbestimmungsgedankens unbestreitbar.

 

Am 7. Mai 1919 übergibt der Leiter der Konferenz, der französische Ministerpräsident Georges Clemenceau, der deutschen Delegation den von den Siegermächten fertig formulierten Vertragstext mit den Worten: "Wir sind einmütig entschlossen, sämtliche zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden, um jede uns geschuldete berechtigte Genugtuung zu erhalten." Die deutsche Delegation erhielt das fertige Vertragswerk, welches einem Diktat gleichkam, überreicht und hatte lediglich 14 Tage Zeit für eine Stellungnahme. Im Falle einer Ablehnung drohten die Alliierten sofort den Krieg weiterführen. Der Vertrag bestimmte die Annexion von 13 Prozent des Reichsgebietes durch Polen, die Tschechoslowakei, Litauen, Dänemark, Belgien und Frankreich. Das Reich verlor sechs Millionen Einwohner, davon über drei Millionen Deutschsprachige. Besonders demütigend empfanden die Deutschen den Kriegsschuldparagrafen, der sie zum alleinigen Schuldigen am Ausbruch des Krieges erklärte. Ursprünglich hatten die Sieger sogar einen Kriegsverbrecherprozess gegen Kaiser Wilhelm II. angestrengt, nahmen aber bald davon Abstand, da Holland die Auslieferung des Asylanten verweigerte. Das politische Klima in Europa war auf Jahre hinaus vergiftet. In allen Ländern hatten Radikale und Nationalisten Hochkonjunktur. Die Deutschen fühlten sich zutiefst gedemütigt und forderten Revision und Revanche. Der russische Kommunist und Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin bemerkte: "Der Keim eines neuen Krieges wird in dem ungerechten Friedensvertrag des eben zu Ende gegangenen Krieges gelegt." Als der französische Generalfeldmarschall Foch beim ersten Blick auf die von den Diplomaten in Versailles eben enthüllte politische neue politische Landkarte Europas schaute, zeigte er mit dem Finger auf die grade neue geschaffene "Freie Stadt Danzig" und sprach: "Hier beginnt der nächste Krieg!"

Graf Ulrich von Brockdorff-Rantzau, der deutsche Außenminister, verwahrte sich bei der Entgegennahme des Vertragstextes gegen die alleinige Kriegsschuld: "Wir bestreiten nachdrücklich, dass Deutschland, dessen Volk überzeugt war, einen Verteidigungskrieg zu führen, allein mit der Schuld belastet ist." Reichskanzler Philipp Scheidemann (SPD) bezeichnet den Vertrag als "ein befristetes Todesurteil für Deutschland". Am 12. Mai 1919 erklärte die deutsche Nationalversammlung einstimmig, der Vertrag ist unannehmbar. Die Regierungspresse in Frankreich und Großbritannien jubelt über das Ergebnis der Konferenz: "Frankreich hat die Maximalforderungen durchgesetzt." Die Londoner "Daily Herold" kommentiert am 9.Mai: "Die Bedingungen der Entente sind schamlos und abgeschmackt, sie sind Vorspiel neuen Rassenhasses und eines neuen Krieges."

Am 20. Juni lehnen Reichskanzler Philipp Scheidemann und sein Außenminister Graf Ulrich von Brockdorff-Rantzau die Unterzeichnung des Vertrages ab und treten zurück. Auf der Straße kommt es zu leidenschaftlichen Kundgebungen. In Berlin verbrennen Studenten alte französische Fahnen, die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erbeutet wurden und jetzt ausgeliefert werden sollten. In der Bucht von Scapa Flow befiehlt Konteradmiral Ludwig von Reuter der internierten deutschen Flotte die Selbstversenkung, da er annahm, die Kriegsschiffe werden bei einer Weiterführung des Krieges gegen Deutschland eingesetzt.

Nach dem Rücktritt Scheidemanns bildete der Sozialdemokrat Bauer am 21.Juni 1919 ein neues Ministerium. Am 22. Juni 1919 beschließt die Nationalversammlung mit den Stimmen von Sozialdemokraten, Unabhängigen Sozialdemokraten und Zentrum die Annahme des Vertrages, lehnt aber ausdrücklich die Anerkennung des Kriegsschuldparagraphen und die Auslieferung der sogenannten Kriegsverbrecher ab.

Am 31. Juli wurde die endgültige neue deutsche Verfassung (Weimarer Republik) angenommen und am 11. August veröffentlicht. Infolge eines am 13. März 1920 in Berlin unternommenen Militärputsches zum Sturze der Regierung unter Führung des Generallandschaftsdirektors Kapp kam es dort, in Leipzig und anderen Orten zu blutigen Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und den radikalen Gegendemonstranten.

Am 28. Juni 1919 wurde der Friedensvertrag in Versailles unterzeichnet und am 9. Juli von der Nationalversammlung ratifiziert.

Die  Siegermächte überreichen Österreich ultimativ die Bedingungen zum Frieden. Der Nationalversammlung in Wien bleibt nichts anderes als der Unterzeichnung des Vertrages zuzustimmen. Diese erfolgt am 10. September 1919 in St-Germain-en-Laye bei Paries. Die Siegermächte erklären Österreich und Ungarn zu selbstständigen Staaten und machen auch Österreich für den Krieg verantwortlich. Italien erhält Südtirol trotz der dort lebenden 250.000 deutschen Einwohner, außerdem Triest mit Istrien und Teile Dalmatiens.

1921 ermorden rechtsradikale  Attentäter den Vertragsunterzeichner Reichsfinanzminister Matthias Erzberger.

1939 brach genau dort, wo es Foch 20 Jahre zuvor prophezeite, in Danzig, der Krieg zwischen Polen und dem Deutschen Reich aus. 17 Tage später überfällt die Sowjetunion, in Erfüllungen eines Geheimvertrages zwischen Hitler und Stalin, Polen von Osten aus. Polen, das als Pufferstaat aus großen Teilen des Deutschen Reichs und Russlands entstanden war und sich in einem Krieg 1920 gegen die junge Sowjetunion große Territorien angeeignet hatte, wurde nun zum vierten Male aufgeteilt. Am 3.9.1939 erklären Großbritannien, Frankreich, Australien, Neuseeland und Indien dem Deutschen Reich den Krieg, in Europa beginnt der II. Weltkrieg.

 

 

 

 

Versailler Vertrag

Gebietsabtretungen

"Gedenkmarken zur Trauer für die 19 Deutschland geraubten Gebiete" Briefmarke des Abstimmungsgebiets Allenstein/Ostpreußen "Verlorenes - doch nicht vergessenes Land"

 

Versailler Vertrag

Gebietsabtretungen

 Das Deutsche Reich verliert 70 544 km², 6.545.227 Einwohner, darunter 3.617.732 Deutsche

 

Belgien Eupen und Malmedy

989 km²
60 924 Einwohner
50 387 Deutsche

Der Provinz Rheinland gehen die Städte Eupen, Malmedy und St. Vith verloren. Der Versailler Vertrag bestimmt im Artikel 34.: "Deutschland verzichtet außerdem zugunsten Belgiens auf alle Rechte und Ansprüche auf das gesamte Gebiet der Kreise Eupen und Malmedy. Während sechs Monaten nach Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrags werden von der belgischen Behörde in Eupen und Malmedy Listen ausgelegt; die Einwohner dieser Gebiete sind berechtigt, darin schriftlich den Wunsch auszudrücken, dass diese Gebiete ganz oder teilweise unter deutscher Souveränität verbleiben. Es ist Sache der belgischen Regierung, das Ergebnis dieser Äußerung der Bevölkerung zur Kenntnis des Völkerbundes zu bringen, dessen Entscheidung anzunehmen sich Belgien verpflichtet." Die Belgier drohen der Bevölkerung mit Vertreibung, Kürzung der Lebensmittelkarten und Ausschluss vom Geldumtausch. Am 24. Juli 1920 stimmen unter diesem Druck nur 270 von rund 35.000 Stimmberechtigten gegen einen Anschluss beider Kreise an Belgien, obwohl Eupen zu 100 Prozent deutschsprachig ist. Die deutsche Regierung protestiert am 9. Juli 1920 erfolglos gegen diese Manipulation. Belgien annektiert die Städte Eupen, Malmedy und St. Vith.

   Belgische Briefmarke mit Aufdruck Eupen 1921

 

Dänemark Nordschleswig

3 983 km²
166 895 Einwohner
40 428 Deutsche

Obwohl Dänemark am 1. Weltkrieg gar nicht teilgenommen hatte, bestimmte der Versailler Vertrag 1919 eine Volksabstimmung in Nordschleswig. Um Dänemark den gewünschten Gebietsgewinn sicherzustellen wurde Nordschleswig in zwei Abstimmungszonen eingeteilt. In der nördlichen Zone votieren erwartungsgemäß 74,2 % der Stimmberechtigten für Dänemark, in der südlichen 80 % für Deutschland. Städte wie Sonderburg (56 %), Tondern (77 %) und Apenrade (55,1 %), die mehrheitlich für Deutschland votiert hatten, fielen so an Dänemark. Eine Entscheidung über die Rechte der jeweiligen Minderheiten kam erst 1955 zustande.

Schleswig-Briefmarke - Slesvig Plebiscit 1. Zone

Gedenkblatt mit Schleswig-Briefmarken - Volksabstimmung Schleswig 14. März 1920

 

Frankreich Elsass-Lothringen

14 522 km²
1 874 014 Einwohner
1 634 260 Deutsche

Das Reichsland Elsass-Lothringen geht ohne Plebiszit an Frankreich. Alle nach 1870 zugewanderten Deutschen werden vertrieben. Es folgt eine radikale Unterdrückung der deutsche Sprache. Deutsch ist bis heute keine anerkannte Minderheitensprache.

   Zu Gunsten unserer vertriebenen Elsass-Lothringer

 

Tschechoslowakei

Hultschiner Ländchen

286 km²
45 396 Einwohner
6 480 Deutsche

Ohne Volksabstimmung und unter Protest seiner Bevölkerung wurde 1920 das wegen seiner Steinkohlevorkommen wirtschaftlich bedeutende Gebiet der Provinz Schlesien an die Tschechoslowakei abgetreten. Das Gebiet wird 2 unterschiedlichen Verwaltungsgebieten zugeteilt, bis auf 2 Schulen werden alle deutschen Schulen geschlossen.

  Das Unrecht am Hultschiner Ländchen

 

Polen Ost-Oberschlesien, Posen, Westpreußen

46 136 km²
3 927 000 Einwohner
1 500 000 Deutsche

Die Provinz Posen und die größten Teile der Provinz Westpreußen gehen ohne Plebiszit an Polen. In Oberschlesien stimmen 61 % der Einwohner für den Verbleib in Deutschland. Das für Deutschland günstige Abstimmungsergebnis versucht der polnische Abstimmungskommissar Wojciech Korfanty zu unterlaufen. Er ruft seine Landsleute zum offenen Kampf für ein polnisches Oberschlesien auf (Korfanty-Aufstand). Seine Freikorps stoßen auf erbitterte Abwehr deutscher Selbstschutzverbände unter General Höfer. Nach dem Aufmarsch britischer Truppen im Juni 1921 ziehen sich die siegreichen deutschen Verbände und die geschlagenen Polen in ihre Ausgangsstellungen zurück. Nachdem Genfer Schiedsspruch des Völkerbundsrates vom 12.10.1921 wird gegen den in Plebiszit eindeutig bekundeten Willen der Bevölkerung ein großer Teil Oberschlesiens von Deutschland abgetrennt. Im Oktober 1921 erfolgt auf Empfehlung des tschechoslowakischen Staatspräsidenten die Aufteilung Oberschlesiens. Städte mit deutscher Mehrheit  wie Kattowitz 57% und Königshütte 75 %, sowie 75 % Steinkohleförderung und 80 % der Blei- und Zinkerzeugung gehen dem Deutschen Reich verloren. 1,4 Millionen Deutsche lebten nun unterdrückt in Polen.

  Teilung der Provinz Westpreußen

 

Litauen Memelgebiet

2 708 km²
140 746 Einwohner
 71 156 Deutsche

Trotz überwiegend deutscher Bevölkerung wird das Memelgebiet (Memel) der Provinz Ostpreußen 1920 offiziell, unter französischer Verwaltung, dem Völkerbund unterstellt. Am 16. Februar 1923 erfolgte die gewaltsame Annexion und Angliederung an Litauen.

   Notgeld der Handelskammer des Memelgebiets - 100 Mark - 1922

 

Völkerbund

Saarland

Das Saarland, das südliche Gebiet der Provinz Rheinland, wird für 15 Jahre dem Völkerbund unterstellt. Frankreich ist in dieser Zeit Besatzungsmacht. Am 13.01.1935 votierten 90,8 % der Bevölkerung für die Rückkehr ins Deutsche Reich.

   Briefmarke des Saargebietes  mit Aufdruck Volksabstimmung 1935

 

Völkerbund

(Polen)

Danzig

1 920 km²
330 252 Einwohner
315 021 Deutsche

Die fast ausschließlich von Deutschen bewohnte Stadt Danzig (seit 1237 deutsches Stadtrecht) der Provinz Westpreußen wird am 10.1.1920 ohne Plebiszit und gegen den ausdrücklichen Wunsch der Bevölkerung zur "Freistadt Danzig" erklärt. Die Stadt steht unter dem "Schutz" des Völkerbundes in enger wirtschaftlicher Verbindung mit Polen. Polen versucht in den folgenden Jahren, die Stadt mit allen Mitteln unter seine vollständige Kontrolle zu bringen. 1921 werden Polen im Warschauer Abkommen weitgehende Rechte eingeräumt, so gestattet der Völkerbund die Errichtung eines Stützpunktes auf der strategisch wichtigen Danziger Westerplatte. Die ausgeblutete Stadt muss die Hälfte der Kosten für den Bau des polnischen Munitionslagers (3.000.000 Gulden) aufbringen. 1925 lässt Polen in der Innenstadt polnische Briefkästen aufstellen mit der Begründung, die Innenstadt gehöre zum Hafengebiet in dem Polen zuständig sei. Am 1.9.1939 beginnt durch den deutsch-polnischen Konflikt der 2. Weltkrieg.

Briefmarken Danzigs - Deutsche Briefmarke mit Aufdruck - Freie Stadt Danzig - Hafen Danzig der polnischen Post

 

Versailler Vertrag

Deutsche Kolonien

Südafrika Deutsch-Südwestafrika Am 9. September 1914 erklärt Südafrika Deutschland den Krieg und greift die deutsche Station Ramansdrift an.
Die Deutschen besetzen die britische Grenzstation Nakab und besetzen am 10. September die Walfischbucht.
Die Engländer kreuzen vor der Lüderitzbucht mit 2 Kreuzern, 4 Torpedobooten und 12 Transportschiffen und schiffen 8000 Mann aus. Im Februar 1915 rückt General Botha mit ca. 60.000 gut ausgerüsteten und ausgebildeten Mann in Deutschsüdwest ein.
Am 9. Juli 1915 kommt es zum Waffenstillstand "unter ehrenvollen Bedingungen" unterzeichnet von Dr. Seitz und General Botha. Alle deportierten Deutschen können wieder zurück, die deutschen Betriebe, Schulen und Krankenhäuser nehmen ihre Arbeit wieder auf.
1918 erklären die Briten das Waffenstillstandsabkommen zwischen Seitz und Botha für nichtig, über 6000 Deutsche (vorwiegend Beamte und Militärs) werden ausgewiesen. Im Versailler Vertrag tritt das Deutsche Reich seine Rechte entschädigungslos an Südafrika ab.
Großbritannien

Belgien

Deutsch-Ostafrika Entgegen der Verpflichtungen in der Kongoakte Artikel 11, "einen europäischen Krieg nicht auf die zentralafrikanischen Kolonien zu übertragen", eröffneten die Briten die Kampfhandlungen. Ein englisches Kriegsschiff beschoss am 5. August 1914 den Dampfer "König" und wenig später die Funkstation des Hafens von Daressalam. Der Kommandeur der Schutztruppe von Lettow-Vorbeck organisiert den deutschen Widerstand. In der Schlacht von Tanga besiegen die deutschen Truppen (200 Deutschen und 900 Askari) 8000 Engländer und Inder. Da sich die deutschen Truppen nahezu im gesamten Gebiet behaupten können, organisieren die Briten 1916 unter dem südafrikanischen General Smuts eine gewaltige Streitmacht von 300.000 Mann (Engländer, Buren, Inder, Portugiesen und Belgiern). Diese stehen 3000 Deutschen und 4700 verbündeten Askari gegenüber. 1916 übernimmt Belgien die Verwaltung in Ruanda und Burundi. Lettow-Vorbecks Truppen müssen sich  er schließlich 1918 in Abercorn auf Befehl der deutschen Regierung (Waffenstillstand in Europa) ergeben.
Frankreich

Großbritannien

Kamerun August 1914: Großbritannien verweigert die Neutralitätserklärung des Schutzgebietes und beginnt zusammen mit französischen und belgischen Truppen die Kampfhandlungen. Oberstleutnant Zimmermann übernimmt mit einer kleinen Schutzgruppe aus Deutschen und Einheimischen die Verteidigung und steht einer Übermacht von 60.000 Engländern, Franzosen und Belgiern gegenüber. Englische und französische Kriegsschiffe beschießen Duala. Durch eine Seeblockade sind die deutschen Schutztruppen von jeglichem Nachschub abgeschnitten. Im Versailler Vertrag tritt das Deutsche Reich seine Rechte entschädigungslos an England und Frankreich ab. Altkamerun wird Mandatsgebiet des Völkerbundes und zwischen England und Frankreich aufgeteilt, das 1911 erworbene Neukamerun wird der französischen Kolonie Äquatorialafrika einverleibt.
Frankreich

Großbritannien

Togo August 1914: Die vom stellvertretenden Gouverneur von Döring verfügte Neutralitätserklärung des Togogebietes wurde von den Briten abgelehnt. Englische und französische Truppen überschreiten die Grenzen und greifen an. Am 25. August finden Übergabeverhandlungen statt, von Döring erreichte die Garantie , den in Togo ansässigen deutschen Firmen ihr Eigentum zu belassen. 1916 - In einem Geheimvertrag zwischen England und Frankreich kommt es zur Aufteilung Togos. Entgegen ihren Zusagen schließen und liquidieren die Engländer sämtliche deutschen Firmen, alle Männer werden in franz. Dahomey interniert und später nach Frankreich überführt. Die meisten werden erst 1918 nach Deutschland ausreisen dürfen.
Australien
Japan
Neuguinea August 1914: Die japanische Marine besetzt die Karolinen, Palau, Marianen und Marschall-Inseln. Rabaul auf Neu-Guinea wird von den Australiern besetzt. Japan und Australien teilen sich die Inseln auf.
Neuseeland Samoa Am 29. August gehen 1400 neuseeländische Soldaten in Apia an Land, der deutsche Gouverneur lehnt die Übergabe ab und wird als Kriegsgefangener nach Fiji überstellt. Die Engländer liquidieren alle deutschen Handelsniederlassungen, die deutsche "Samoaische Zeitung" wird verboten. Im Versailler Vertrag tritt das Deutsche Reich seine Rechte entschädigungslos ab. 1920 erhält Neuseeland das ehemalige Deutsch-Samoa als Völkerbundsmandat.
Japan Kiautschou Am 15. August 1914 stellt Japan dem Deutschen Reich ein 24 Stunden Ultimatum zur bedingungslosen Übergabe des Pachtgebietes. Das Ultimatum bleibt unbeantwortet. Den Japanern gelingt es trotz haushoher Überlegenheit (65.000 japanische Soldaten sowie einige englische Verbände gegen 4800 deutsche Soldaten) nicht die Deutschen zu bezwingen. Erst als den Verteidigern am 7. November die Munition ausgeht müssen sie sich ergeben und werde in eine 5-jährige Kriegsgefangenschaft nach Japan überführt. Der Versailler Vertrag bestimmt in seinen Artikeln 156 bis 158, dass  das Deutsche Reich alle seine Rechte am Kiautschou-Gebiet, ebenso Eisenbahn und Bergwerk und die Unterseekabel entschädigungslos an Japan abtreten muss.

 

Vergiss nicht unsere Kolonien

 

"Deutsche vergesst nicht die Ausplünderung Deutschlands" "Oberschlesier! Bayern, Oberländler kommen Euch zu Hilfe"

Versailler Vertrag

Die wichtigsten Bestimmungen:

 

Handelsflotte

Die deutsche Handelsflotte und die deutschen Telegrafenkabel müssen ausgeliefert werden.

Kolonien

Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo, Samoa, Deutsch-Neuguinea, Kiautschou und das deutsche Eigentum im Ausland gehen verloren.

Reparationssumme

Die Höhe der Reparationszahlungen wird im Vertrag nicht festgelegt, sondern einer Reparationskommission überlassen. Die Ablieferung von 5000 Lokomotiven, 150 000 Waggons und 5000 LKWs als erste Reparationslieferung bringt das öffentliche Transportwesen nahezu zum Erliegen. Ab 1921 hat Deutschland 226 Milliarden Goldmark (20 Goldmark [7,16 Gramm Gold] haben aktuell [2010] den Goldwert von rund 220,- Euro) zu zahlen, des weiteren sind jährlich 12 % des Wertes des deutschen Exportes (etwa 1 bis 2 Milliarden Goldmark) abzuführen.

Rheinland

Das linke Rheinufer und die Brückenköpfe werden für 15 Jahre von Frankreich, USA, England und Belgien militärisch besetzt.

Truppenstärke

Das Berufsheer wird auf eine Truppenstärke von 100 000 Mann, die Marine auf 15 000 Mann beschränkt.

Urheberparagraf

Der Artikel 231 stellt fest, dass Deutschland mit seinen Verbündeten "als Urheber" des Krieges für alle Kriegsschäden der Alliierten verantwortlich sei. Artikel 231 des Versailler Vertrages:" Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, dass Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben." Er sollte aber lediglich die Haftbarkeit für die angerichteten Schäden juristisch untermauern.

Waffen

Der Besitz und die Herstellung von Panzer-, Gas-, Luft-, und U-Boot-Waffen werden verboten.

Was wir verlieren sollen!

 

Unter dem Druck eines möglichen Ende des Waffenstillstandes durch die Alliierten stimmt die Reichsregierung dem Friedensvertrag am 23.6.1919 zu. Er tritt am 20.1.1920 in Kraft, der 1. Weltkrieg ist damit formell beendet. Der Versailler Vertrag wird einmütig als "Diktat" oder "Unrechtsfrieden" empfunden. Die USA unterzeichnen den Vertrag nicht und schließen einen eigenen Friedensvertrag ab.

Am 1.9.1939 beginnt mit der Beschießung der polnisch besetzten Westernplatte in Danzig durch das Schulschiff Schleswig-Holstein der Krieg mit Polen. 17 Tage später überfällt die Sowjetunion Polen von Osten aus, besetzt und annektiert Estland, Litauen sowie Lettland und beginnt am 30. November 1939 einen Krieg gegen Finnland. Am 3.9.1939 erklären England, Frankreich, Australien, Neuseeland und Indien dem Deutschen Reich den Krieg; der II. Weltkrieg in Europa hat begonnen.

1940: In dem selben Eisenbahnwaggon bei Versailles in dem Frankreich die Deutschen zur Unterschrift ihrer Kapitulation im ersten Weltkrieg zwang, zwingt Hitler die Franzosen nach Zerschlagung ihrer Armee 1940, ihre Kapitulation zu unterschreiben. Die Revanche der Revanche.

Deutschland leistet seit 1953 wieder Reparationszahlungen aus dem Versailler Vertrages noch bis 2020! Siehe dazu die "Berliner Zeitung" vom 09.10.1999 "Die unendliche Geschichte der Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg in diesem und dem nächsten Jahrhundert
GANG IN DIE GESCHICHTE
Die Lasten des Krieges
Erst im Jahre 2020, gut hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, wird Deutschland alle Folgekosten der 1919 in den Versailler Verträgen festgelegten Reparationen bezahlt haben.

"REPARATIONEN - Elegant verschleiert" und "Der Spiegel" 11/2000 - 13.03.2000 - Zitat: "Die Bundesregierung zahlt ohnehin noch immer an Reparationsschulden von 1919 fast zehn Millionen Mark im Jahr ab ­ bis 2020."

 

70. Jahrestag des Versailler Vertrages - Polen 1989

70. Jahrestag des Versailler Vertrages - Polen 1989

 

Versailler Vertrag

             


 

Versailler Vertrag

externe Links:

Der zweite Dreißigjährige Kriegiegel-Online, Spiegel Spezial
Der Vertrag von Versailles - Die Artikel des Vertrages
Dr. Dietmar Nix: Der erste Weltkrieg wurde verursacht
Dr. Dietmar Nix: Die Reparationslasten des Deutschen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg.

 

Quellen:

"Andree's Handatlas" 1881 und 1914

"Der Weltbrand" Band 1 -3, Verlag J. J. Weber in Leipzig 1919

"Der Völkerkrieg" Band 1 - 28, Verlag Julius Hoffmann, Stuttgart 1916 - 1923

"Das Reichsarchiv" Band 1 - 36, Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i.O. 1924

"Was Deutschland verloren" Deutscher National-Verlag, Berlin und München 1924

"Von Versailles nach Versailles" Maximilian Harden, Avalun- Verlag, Hellerau bei Dresden 1927

"Weltgeschichte nach Leopold von Ranke" Eigenbrödler-Verlag, Berlin W 8 / Zürich 1928

"Dreibund- und Entente-Politik in der Alten und Neuen Welt" Amalthea-Verlag Zürich - Leipzig - Wien 1931

 

 

 


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