Hier keine Menüleiste?

 

Vertrag zwischen

Großbritannien und Japan

 über China und Korea 1902



London, den 30. Januar 1902.

Die Regierungen von Großbritannien und Japan, lediglich von dem Wunsche veranlasst, den Status quo und den allgemeinen Frieden im fernen Osten zu erhalten, überdies besonders daran interessiert, die Unabhängigkeit und den Gebietsbesitzstand des Kaiserreichs China und des Kaiserreichs Korea zu erhalten und in diesen Ländern gleiche Gelegenheiten für den Handel und die Industrie aller Nationen sicherzustellen,

folgendes überein:

Artikel 1.

Die Hohen Vertragschließenden, die gegenwärtig die Unabhängigkeit Chinas und Koreas anerkannt haben, erklären, dass sie in keiner Weise durch irgendwelche feindselige Stimmungen in den beiden Ländern beeinflusst sind. In Anbetracht jedoch ihrer besonderen Interessen, wobei Großbritanniens Interessen sich hauptsächlich auf China beziehen, während Japan neben den Interessen, die es in China besitzt, in, einem eigenartigen Maße, politisch wie auch mit Handel und Industrie in Korea interessiert ist, erkennen die Hohen Vertragschließenden an, dass es für sie beide zulässig sein soll, solche Maßnahmen zu treffen, die sich als unvermeidlich erweisen mögen, um diese Interessen zu wahren, wenn sie bedroht werden entweder durch das feindselige Vorgehen irgendeiner anderen Macht oder durch in China oder Korea ausbrechende Unruhen und sich für einen der Hohen Vertragschließenden die Notwendigkeit ergibt, zum Schutze von Leben und Eigentum seiner Staatsangehörigen einzugreifen.

Artikel 2.

Wenn entweder Großbritannien oder Japan, bei der Verteidigung seiner vorstehend beschriebenen Interessen, in einen Krieg mit einer anderen Macht verwickelt werden sollte, wird der andere Hohe Vertragschließende strenge Neutralität bewahren und sich bemühen, zu verhindern, dass andere Mächte sich an Feindseligkeiten gegen seinen Verbündeten beteiligen.

Artikel 3.

Wenn, in dem vorstehenden Falle, irgendeine andere Macht oder irgendwelche anderen Mächte sich Feindseligkeiten gegen diesen Verbündeten anschließen, wird der andere Hohe Vertragschließende ihm zu Hilfe kommen, den Krieg mit ihm gemeinsam führen und in gegenseitigem Einvernehmen mit ihm Frieden schließen.

Artikel 4.

Die Hohen Vertragschließenden kommen überein, dass keiner von beiden, ohne den anderen zu befragen, sich auf Sonderabmachungen mit einer anderen Macht zum Schaden der vorstehend beschriebenen Interessen einlassen wird.

Artikel 5.

Wenn immer, nach Meinung Großbritanniens oder Japans, die vorstehend erwähnten Interessen gefährdet sind, so werden die beiden Regierungen einander in umfassender und rückhaltloser Weise Mitteilung machen.

Artikel 6.

Das gegenwärtige Abkommen soll unmittelbar nach dem Tage seiner Unterzeichnung in Kraft treten und von da ab fünf Jahre lang in Geltung bleiben.
Falls es keiner der Hohen Vertragschließenden zwölf Monate vor Ablauf der genannten fünf Jahre gekündigt hat, soll es bis zum Ablauf eines Jahres nach dem Tage in Geltung bleiben, wo der eine oder der andere der Hohen Vertragschließenden es gekündigt hat. Ist aber einer der Verbündeten in einen Krieg verwickelt, wenn der für sein Erlöschen festgesetzte Zeitpunkt herankommt, so soll das Bündnis ipso facto in Geltung bleiben, bis Friede geschlossen ist.

Zur Urkund dessen haben die Unterzeichneten, von ihren Regierungen gehörig ermächtigt, dieses Abkommen unterzeichnet und ihm ihre Siegel angefügt.

Vollzogen in zwei Ausfertigungen in London, den 30. Januar 1902.

(gez.) Lansdowne.

Sr. Britannischen Majestät Erster Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten.

(gez.) Hayashi.

Außerordentlicher Gesandter und Bevollmächtigter Minister Sr. Majestät des Kaisers von Japan am Hofe von St. James.

 

Quelle: Staatsarchiv (des DR) Bd. 67 Nr. 12666

 

 


 

 


-=[Gästebuch] - [Impressum] - [Projekte] - [Umfrage] - [Suche]=-

Diese Seite ist Teil der Internetprojekte:

 -[ Deutsches Kaiserreich ]- -[ Deutsche Kolonien ]- -[ Kaiserliche Marine ]-

-[ Österreich-Ungarn ]- -[ Liechtenstein ]- -[ Luxemburg ]- -[ Schweiz ]-

-[ Deutsch-Dänischer Krieg ]- -[ Deutscher Krieg ]- -[ Deutsch-Französischer Krieg ]-

-[ Briefmarken 1871-1918 ]- -[ Boxeraufstand 1900/01 ]- -[ Marokkokrise 1905/11 ]-

Copyright © 2000 www.deutsche-schutzgebiete.de

Besucher
 Alfacounter


Alfahosting.de