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Deutsche Kolonien

Vorgeschichte

Ich werd ein Deutscher - muss ein Deutscher sein

"Ich werd ein Deutscher - muss ein Deutscher sein"

 

1520 wird von Ferdinand Magellan (* 1480 - † 27. April 1521) die Durchfahrt zwischen Stillen und Atlantischen Ozean entdeckt. Bald darauf gibt Kaiser Karl den Fuggern in Augsburg das Gebiet des heutigen Südchiles und des argentinischen Patagoniens zu Lehen, doch hat das Haus Fugger aus Mangel an den nötigen Kapital dies niemals ausnutzen können.

1528 belehnt Kaiser Karl V. das Haus der Welser in Nürnberg mit einem großen Gebiet des heutigen Venezuelas, dessen erster Generalkapitän Ambros Ehinger ist.

1531 gehen die vom Kaiser den Familien Sauer und Ehinger verliehenen Handelskonzessionen in der Neuen Welt auf die Welser über. Trotz der heldenhaften Kämpfe eines Philipp von Hütten, der 1545 ermordet wird, und des Feldhauptmanns Federmann, des Mitentdeckers von Neugranada (Kolumbien), sowie anderer deutscher Landsknechte im Dienste der Welser können sich diese nicht gegen die Intrigen der spanischen Gouverneure behaupten. Wenn auch noch 1546 Welsers Kriegsschiffe unter Befehl von Ambros Daltinger Caracas und den bei der Maracaibo-See gelegenen Teil Venezuelas erobern können und das eroberte Land dem Kaiserlichen Rat Bartholomäus Welser für ein dem Kaiser gegebenes Darlehen von 12 Tonnen Gold als Familienlehen verliehen wird, so sind bereits zehn Jahre später (1556) alle Konzessions- und Schutzrechte über Venezuela den Welsern wieder entzogen worden. Damit endet die erste durchgeführte deutsche Privatkolonisation. Eine staatliche deutsche Kolonialpolitik konnte es in einem spanischen Weltreich, das von einem spanischen König regiert wurde, der gleichzeitig auch deutscher Kaiser war, nicht geben.

1625-1683 Johann Joachim Becher, Polyhistor, Arzt, Chemiker und Nationalökonom, verlangt die Gründung deutscher Kolonien im holländischen Südamerika. Verhandlungen mit der "Holländisch-Westindischen Kompanie" ebenso wie mit dem Wiener Hof zerschlagen sich indes. Die Verbindung mit dem für diese Ideen begeisterten Grafen von Hanau-Lichtenstein, der dann den ersten von Becher verfassten Aufruf zur Gründung deutscher Überseekolonien im Jahre 1657 erlässt, bringt auch kein Ergebnis, da es an Geld fehlt. Der Aufruf beginnt: "Wohlauf denn, tapfere Teutsche, schaffet, daß man in der Map (Landkarte) neben einem Neuspanien, Neufrankreich und Neuengland ins künftige auch ein Neudeutschland finde."

Deutsch-Ostafrikanische-Ausstellung, Leipzig 1897

Deutsch-Ostafrikanische-Ausstellung, Leipzig 1897

 

1626 In Schweden wird eine Amerikanische Kolonisationsgesellschaft gegründet unter Beteiligung von Lübeck, Stettin, Stralsund, Danzig, Emden und dem Herzog von Pommern. Man will in der Nähe des heutigen New York Land in Besitz nehmen und eine deutsch-schwedische Kolonie gründen. Auch Wallenstein, der an der Ostsee steht, führt Verhandlungen mit Lübeck als Vorort der Hanse zur Schaffung einer Reichsflotte, die die Vorbedingung zu Überseeunternehmungen sein muss. Durch das Restitutionsedikt und den damit verbundenen Fortgang des Dreißigjährigen Krieges werden alle diese Pläne wieder begraben.

1636 Der Deutsche Peter Minnewit aus Wesel hat bereits 1626 als Bevollmächtigter der Niederländisch-Westindischen Kompanie die Halbinsel Manhattan in Nordamerika von Indianern (für Tauschwaren im Werte von etwa 50 Mark) gekauft und die Stadt Neuamsterdam (das spätere New York) gegründet. Zehn Jahre später tritt er aus niederländischen Diensten aus und versucht, den schwedisch-deutschen Plan von 1626 wieder neu erstehen zu lassen. Er gründet zunächst an der Mündung des Delaware das Fort Christina, welches aber bereits 1655 in holländischen Besitz übergeht. In Deutschland hat man keine Zeit und kein Geld mehr, Minnewit zu unterstützen. So geht dieser dritte Plan einer überseeischen staatlichen Koloniegründung klanglos unter.

1642-1650 Herzog Jakob von Kurland kann die Macht des Adels durch innenpolitische Maßnahmen nicht brechen und so glaubt er, sein absolutistisches Landesherrentum auf dem Weltmeer erzwingen zu können. Zunächst sucht er seine aus nur wenigen alten Koggen bestehende Flotte durch Mieten fremder Schiffe zu vergrößern. Die Flagge Kurlands war nicht ursprünglich der schwarze Taschenkrebs auf rotem Grunde, sondern ein rot-weißes Feld mit bewehrtem Arm und dem herzoglichen Wappen. Erst im 18. Jahrhundert taucht daneben auch die Krebsflagge auf. Herzog Jakob will eigene Kolonien erwerben, will ein "zweites Holland" aus Kurland machen. Außer politischen Gründen sind neben der persönlichen Eigenart des Herzogs auch wirtschaftliche Gründe die Triebfeder für die Erwerbung von Überseekolonien gewesen. Es wird der Baron Georg von Fircks im Jahre 1643 hinausgeschickt, um zunächst französische Kolonien zu kaufen oder zu pachten. Auch mit England, Venedig und anderen Ländern soll zwecks gemeinsamer Kolonialgründung verhandelt werden, 1645 findet der erste Vorstoß nach der afrikanischen Guineaküste statt. Es folgen viele Verhandlungen mit Holland und Portugal und schließlich auch mit Brandenburg und der Ostindischen Kompanie. Aus allen diesen Projekten wird aber zunächst nichts.

1651 25. Oktober Pieter Schulte besetzt im Auftrage des Herzogs Jakob von Kurland (mit Schiff "Krokodil") das Land an der Gambiamündung in Westafrika. Damit ist die erste deutsche Kolonie in Übersee gegründet worden, denn der Herzog von Kurland gehörte dem Reichsfürstenstand an.

Kurbrandenburgische Flotte

Kurbrandenburgische Flotte

 

1653 September Der Herzog Jakob von Kurland besetzt die Insel Tobago in Westindien nördlich von Trinidad, welche ein Engländer als Lehen von der Krone Englands erhalten hatte und dem Herzog verkaufen will. Durch die gewaltsame Annexion werden die Verkaufsverhandlungen überflüssig. 1658 verliert Kurland wieder diese Kolonie.

1660 Die kurländische Kolonialpolitik bricht, seitdem die Schweden  Jakob gefangen gesetzt haben, zusammen. Gambia in Westafrika wird zunächst von den Holländern besetzt, später erhält es für kurze Zeit Kurland zurück, um dann endgültig in englische Hände überzugehen. Auch um die kurländische Kolonie Tobago in Westindien wird noch lange Jahre gestritten und gehandelt, bis es 1678 die Franzosen besetzen. Nach dem Tode Jakobs von Kurland versuchen seine Nachfolger bis zum Jahre 1727 noch immer, die Ansprüche auf Tobago aufrechtzuerhalten. Damit endet der Traum dieses Abenteurers, der scheitern musste, da den Herzögen von Kurland jeder Rückhalt eines echten Staatsvolkes fehlte.

1681 16. Mai Im Auftrage des Großen Kurfürsten von Brandenburg, Friedrich Wilhelm, sendet sein Admiral Benjamin Raule den Schiffshauptmann Blonk mit fünf Schiffen nach der Pfeffer- und Goldküste (die er selbst schon 1677 besucht hatte). Dort landet Blonk am Dreispitzenkap und schließt zu Accada mit drei Häuptlingen einen Vertrag, durch den Brandenburg die Schutzherrschaft über dieses Gebiet erhält.

1682 Mai Der Große Kurfürst gründet eine Afrikanische Handelsgesellschaft (Erlass vom 8. 11. 1682 und 18. 4. 1683) mit Sitz in Berlin, ab 1684 in Emden.

1682 12. Juli Ausreise der beiden kurbrandenburgischen Fregatten "Kurprinz" und "Morian" nach Westafrika unter dem Kommando von Kapitän de Voß und Kapitän Blonk. Als diplomatischer Vertreter ist der Kammer Junker Otto Friedrich von der Gröben ihnen beigegeben.

Major von der Gröben bei dem Kap der drei Spitzen die brandenburgische Flagge

Major von der Gröben bei dem Kap der drei Spitzen die brandenburgische Flagge

 

1683 1. Januar Major Friedrich von der Gröben hisst auf dem Kap "Three Points" an der Goldküste die kurbrandenburgische Fahne, nachdem es noch vorher Differenzen mit den Holländern, welche sich dort schon früher festgesetzt hatten, gegeben hat. Es wird die Feste Groß-Friedrichsburg auf dem Berge Groß-Friedrichsberg gegründet und Blonk, der Kapitän der Fregatte "Morian", als Kommandant eingesetzt.

In den folgenden Jahren werden weitere Verträge mit benachbarten Häuptlingen abgeschlossen und auch noch zwei weitere Forts, "Dorothea" und "Taccarary", angelegt.

Concord 1683       Concord 1683

Das erste deutsche Auswandererschiff "Concord" unterwegs nach Nordamerika

 

1683 6. Okt. Das erste deutsche Auswandererschiff "Concord" kommt nach Nordamerika. Es sind die von dem Anwalt D. Pastorius im Auftrage der Neugegründeten "Frankfurter Gesellschaft" geworbenen Auswanderer, die sich in "Pennsylvanien"  (heutiger US-Bundesstaat Pennsylvania) in Nordamerika ein großes Landstück kaufen. Ihre pietistische Loyalität gegenüber der Gemeinde von William Penn verbietet ihnen, sich politisch unabhängig zu machen, obschon dies ihrer Bedeutung und Zahl nach durchaus möglich gewesen wäre. Sie begnügen sich, die Keimzelle des heute noch pietistisch eingestellten Amerikanertums zu sein.

1685-1687 Brandenburg erwirbt von dem König von Arguin an der Westküste Afrikas südlich des Kap Blanco und nördlich des Senegals weiteres Land, wo früher bereits die Holländer ein Fort gebaut dasselbe aber inzwischen wieder aufgegeben haben.

1687 Die Holländer überrumpeln die brandenburgischen Besitzungen in Westafrika Accada und Taccarary und belagern Groß-Friedrichsburg. Obschon Kurfürst Friedrich III. die Rückgabe dieser Besitzungen von Holland erreicht, gibt Brandenburg die ersten beiden Forts, die zerstört waren, im Jahre 1690 auf.

1711 18. Mai Nachdem die vom Großen Kurfürsten gegründete Handelsgesellschaft wiederholt in finanzielle Schwierigkeiten gekommen ist, geht sie in das Eigentum Friedrich I. über, der die kolonialen Pläne seines Vaters fortzusetzen versucht.

1719 23. August An der Koromandelküste in Ostindien, in Cablou oder Sadatpatnam, wird die österreichische Flagge gehisst und mit dem Bau einer Festung begonnen. Goblet de la Merveille, ein ehemaliger Angestellter der Französisch-Ostindischen Kompanie, führt das österreichische Expeditionsschiff "Karl VI". Die Anregung zu diesem Unternehmen ging vom Prinzen Eugen aus. Der Ort wird bald der Mittelpunkt der Baumwollweberei dieser Küste und blüht rasch zu einer Stadt auf. Auch an der Guineaküste und in Kanton sowie in Indien werden Faktoreien errichtet und Land erworben. Es wird ferner die Erwerbung von Madagaskar und des westindischen Tobago geplant. 1722 errichtet man eine eigene indische Gesellschaft, die Ostender Kompanie, die 1724 ihre Schiffe hinausschickt und in den wenigen Jahren ihres Bestehens reiche Gewinne heimbringt. 1727 suspendiert der Kaiser dieses Unternehmen, um keinen politischen Schwierigkeiten mit den älteren Kolonialmächten ausgesetzt zu sein. 1732 wird dann die Kompanie endgültig aufgelöst und der Kaiser entsagt später "für immer allem Handel und Schifffahrt nach Indien".

1720 Nachdem das von dem Großen Kurfürsten erworbene Besetzungs-  und Ansiedlungsrecht auf die dänische Insel St. Thomas in 1 Westindien bereits aufgegeben war und die durch die ewigen Reibereien mit Holland sowie mit den eigenen Kaufleuten in Schwierigkeiten geratenen afrikanischen Besitzungen Preußens (trotz immer wieder erneuter Versuche, sie zu halten) dem König Friedrich Wilhelm I. zu kostspielig wurden, verkauft letzterer die Niederlassungen in Guinea an die Holländisch-Westindische Kompanie für "7200 Dukaten und 12 Mohren, von denen 6 goldene Ketten trugen".

Der von dem letzten Kommandanten eingesetzte "treue Negerhäuptling Jean Cunny" verteidigt allerdings noch fünf Jahre lang das Fort Groß-Friedrichsburg gegen die Holländer, ehe es in den Besitz derselben übergeht. Dieses Ereignis wurde später gerne als ein Beweis dafür ausgegeben, dass die "kolonisatorische Fähigkeit" Deutschlands schon auf eine alte Tradition zurückblicken konnte. Die brandenburgisch-preußische Niederlassung auf St Thomas muss wegen der feindseligen Haltung der Dänen dem preußischen Handel dort selbst gegenüber aufgegeben werden.

 

 

 

 


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