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Weimar

Landeshauptstadt des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach

Landkarte Sachsen-Weimar-Eisenach
Thüringische Staaten - Detailkarte 1914

Weimar

Landeshauptstadt des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach

Weimar - 31.121 Einwohner (1905), 129. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Weimar ist die Haupt- und Residenzstadt des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Die Stadt liegt an der Ilm, ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Bebra - Weißenfels und Weimar - Gera und der Eisenbahnen Weimar - Kranichfeld und Weimar - Rastenberg. Weimar  liegt 212 Meter über dem Meer. Das bemerkenswerteste Gebäude ist das großherzogliche Residenzschloss, welches ein nach dem Brand von 1774 in den Jahren 1790–1803 ausgeführtes Bauwerk ist. Es enthält unter andern Sehenswürdigkeiten wie das Zimmer des Herzogs Bernhard, die Goethe, Schiller, Herder und Wieland gewidmeten, mit auf deren Dichtungen bezüglichen Freskogemälden von Neher, Preller und Jäger geschmückten vier "Dichterzimmer" etc. Vor dem Schloss zieht sich der reizende Park hin, in dem sich das Römische Haus, das Tempelherrenhaus, das Liszt- und das Shakespearedenkmal und viele durch die Erinnerung an Goethe geweihte Stellen befinden.
Die Stadt ist Sitz der Landesbehörden, der Bezirksdirektion, eines Landgerichts, einer Handwerkskammer etc. Die städtischen Behörden zählen 7 Magistratsmitglieder und 28 Stadtverordnete.

Weimar - Markt mit Rathaus

Weimar - Markt mit Rathaus

Die Burg Weimar (wih = heilig, mari = Wasser) an der Ilm wurde 975 erstmalig urkundlich erwähnt. Nach dem Aussterben der Grafen von Weimar und später der von Orlamünde kam das Gebiet an die Wettiner und 1485 an deren ernestinische Linie. Durch Übertragung der sächsischen Kurwürde von Sachsen-Wittenberg auf den Wettiner Friedrich den Streitbaren von Meißen, nach Erlöschen des askanischen Herrscherhauses 1423, ging der Name "Sachsen" (ursprünglich aus dem heutigen Niedersachsen) allmählich auf alle Besitzungen des Hauses Wettin, die Markgrafschaft Meißen (dem heutigen Sachsen) und Thüringen über. 1741 fiel Sachsen-Eisenach an das Herzogtum Sachsen-Weimar. Unter der Regentschaft von Carl August (1757 - 1828) und seiner Mutter Anna Amalia (1739 - 1807) wurde Weimar zum Zentrum der deutschen Klassik (Goethe, Schiller u.a.m.).

Weimar altes Theater

Weimar neues Theater

Weimar altes Theater (bis 1906)
Weimar neues Theater (seit 1908)


Jenseits der Ilm, in der Nähe des Parks, liegt Goethes Gartenhaus. Andere bemerkenswerte Gebäude sind das 1574 erbaute Rote Schloss, jetzt Sitz von Verwaltungsbehörden; das durch den Gleichenschen Hof mit diesem verbundene Gelbe Schloss, der Sitz des Finanzdepartements; das Grüne Schloss, in dem die großherzogliche Bibliothek mit ca. 180.000 Bänden und 8000 Karten; das Fürstenhaus mit den Büro des Departements des Innern und dem Ständesaal; das Wittumspalais, das einst die Herzogin Anna Amalia bewohnte; das in gotischem Stil erbaute Rathaus, das Museum mit den Odyssee-Fresken Fr. Prellers (1869), der Marstall, das Sophienstift, das Staatsarchiv, das Goethe- und Schiller-Archiv etc. Das Hoftheater, einst unter Goethes und Schillers Leitung, wurde 1825 neu ausgeführt, aber 1907 durch einen Neubau ersetzt und 1908 feierlich eröffnet. Zu erwähnen sind ebenfalls das Lukas Cranach Wohnhaus am Markt, das Goethe- und Schiller-Museum (in Goethes Wohnhaus, seit 1886), Schillers Wohnhaus, das von der Stadt 1847 angekauft wurde, Wielands und Herders Wohnhaus.

Weimar - Goethehaus

Weimar - Schillerhaus

Weimar - Goethehaus
Weimar - Schillerhaus

Unter den Plätzen sind der Fürstenplatz mit dem Denkmal des Großherzogs Karl August (von Donndorf, seit 1875), der Marktplatz, der Karlsplatz mit dem Denkmal des Großherzogs Karl Alexander (modelliert von Brütt) und der Watzdorfplatz, letzterer mit dem Kriegerdenkmal von Robert Härtel, der Karl-Augustplatz mit schönen Anlagen und der Büste des verstorbenen Erbgroßherzogs Karl August sowie der Jubiläumsplatz zu nennen. Von andern Denkmälern sind noch hervorzuheben: das eherne Doppelstandbild Goethes und Schillers von Rietschel (1857 auf dem Theaterplatz aufgestellt); das Wielanddenkmal von Gasser (1857), auf dem Wielandsplatz; Herders ehernes Standbild von Schaller (1850), vor der Stadtkirche; die Büste des Großherzogs Karl August im Garten des Armbrustschützenhauses (1825); das Denkmal des Komponisten Hummel (1895).
Weimar - Goethe- und Schiller-Denkmal

Weimar Karl-August-Denkmal

Weimar - Kriegerdenkmal 1870/71
Weimar - Goethe- und Schiller-Denkmal
Weimar Karl-August-Denkmal
Weimar - Kriegerdenkmal 1870/71

Die Stadt hat 2 evangelische, eine neue katholische und eine englische Kirche und eine griechische Kapelle. In der evangelische Stadtkirche (um 1400 erbaut) sind Grabmäler weimarischer Fürsten (darunter das des Herzogs Bernhard, des Kurfürsten Johann Friedrich des Großmütigen und seiner Gemahlin Sibylle) sowie das berühmte Altargemälde Cranachs, die Kreuzigung Christi darstellend. Auf dem nicht mehr benutzten Friedhof der Jakobskirche befinden sich die Gräber von Cranach dem Ältern, Musäus und Bode. Auf dem neuen Friedhof ist die Fürstengruft. In der Nähe des Sarkophags, der die Überreste Karl Augusts umschließt, stehen die Särge Goethes und Schillers. Mit der Fürstengruft verbunden ist ein[481] über der Ruhestätte der Großherzogin-Großfürstin Maria Paulowna erbautes Mausoleum.
Weimar, Carl Alexander-Denkmal, 24.Juni 1907
Weimar - Carl-Alexander-Denkmal
Weimar, Goethe-Schiller-Denkmal
Weimar, Enthüllungsfeier Carl Alexander-Denkmal, 24.Juni 1907Weimar - Carl-Alexander-DenkmalWeimar, Goethe-Schiller-Denkmal

Die Zahl der Einwohner beträgt (1905) mit der Garnison (ein Bat. Infanterie Nr. 94) 31.117, davon sind 1082 Katholiken und 77 Juden.

An industriellen Anlagen hat die Stadt eine Eisentonnen- und Desinfektionsapparatefabrik, eine Parkettfußbodenfabrik, Ofen-, Nippes-, Waggon-, Metall- und Eisenwaren-, Strohhut-, Handschuh-, Kartonnagen-, Papier- und Pianofortefabrikation (Hersteller von Pianinos und Flügeln ), Bierbrauerei, Ziegelbrennerei und Gärtnerei; auch befindet sich dort ein geographisches Institut mit Globenfabrik, eine lithographische Anstalt, eine chemische Fabrik, Dampfsägemühlen etc.
Weimar - Stadtkirche (Herderkirche) und Bergwerkschule
Weimar, Katholische Kirche
Weimar - Stadtkirche (Herderkirche) und BergwerkschuleWeimar, Katholische Kirche

Der Handel wird unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbanknebenstelle, die Norddeutsche Grundkreditbank und andere Geldinstitute. Weimar ist auch ist Sitz der Landesversicherungsanstalt für die thüringischen Staaten und der Hagelversicherungsgesellschaft Union.

Die Märkte für Vieh (insbesondere Schafe), Wolle, Ölfrüchte und Zwiebeln (Weimarer Zwiebelmarkt seit 1653) sind gut besucht.

Weimar - Markt
Weimar - Karl-Augustplatz und Museum
Weimar - MarktWeimar - Karl-Augustplatz und Museum

 Der Verkehr in der Stadt wird durch die elektrische Straßenbahn geregelt.

An Bildungs- und andern öffentlichen Einrichtungen befinden sich dort ein Gymnasium, ein Realgymnasium, ein Schullehrerseminar, eine Kunstschule (Malerakademie), eine Kunstgewerbeschule, ein Bildhaueratelier, eine Orchesterschule, ein Museum mit Kupferstichkabinett, ein Donndorfmuseum, eine Bibliothek, eine Gewerbe-, eine Baugewerk und eine Zeichenschule, ein Gewerbehaus, eine Blinden- und Taubstummenschule, ein Waisenhaus, verbunden mit der Falkschen Erziehungsanstalt für verwahrloste Kinder, eine Krankenpflegerinnenanstalt, das Feierabendhaus für Schauspielerinnen (Marie Seebach-Stiftung) etc.

Am südöstlichen Ende des Parks liegt das Dorf Oberweimar, an der Ilm, mit ehemaligem Cistercienser-Nonnenkloster, einer Kirche, einer Pappenfabrik, einer lithographischen und Buntdruckanstalt und (1905) 1801 Einwohner. Unweit davon, 2 km von der Stadt auf einem Hügel, wohin eine schöne Allee führt, das Lustschloss Belvedere (1724–32 im italienischen Stil erbaut), mit einem reizenden Park. Nordöstlich von Weimar leigen die Dörfer Tiefurt und Oßmannstedt und nordwestlich das Dorf Ettersburg am Ettersberg. Zum Landgerichtsbezirk Weimar gehören die acht Amtsgerichte zu Allstedt, Apolda, Blankenhain, Buttstädt, Großrudestedt, Jena, Vieselbach und Weimar.

Weimar - Goethes Gartenhaus

Weimar - Goethes Gartenhaus

 

Weimar - 100 Euro 2006

UNESCO Welterbe Klassisches Weimar - 100 Euro 2006

 


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