Kiel - Haupteinfahrt der Kaiserlichen Werft
Marinewerften sind Schiffbauanstalten mit Werkstätten für Schiffsmaschinen
und Schiffskesselbau, sowohl für Neubau als für Ausbesserung und Instandhaltung
von Kriegsschiffen, Werft- und Dockanlagen. Die deutsche Marine besitzt
Werften in
Wilhelmshaven,
Kiel und
Danzig. Jede deutsche
Marinewerft ist außer dem Hauptamt (Zentralressort) in acht Betriebe (Ressorts)
für Schiffsausrüstung, Artillerie, Schiffbau, Maschinenbau, Hafenbau, Navigation,
Torpedo und Verwaltung geteilt. Ressortdirektoren sind Seeoffiziere oder
Geheime Bauräte, Betriebsdirektoren sind Bauräte, Betriebsdirigenten Baumeister.
Außerdem rechnen zum technischen Personal Bauführer, Konstruktionszeichner,
Obermeister, Werkmeister und Werkführer. Das Betriebspersonal besteht aus
Oberordnungsmeistern, Oberschiffsführern und Schiffsführern, Ober- und Kammerverwaltern,
Instrumenten- und Kartenverwaltern, Takelmeistern, Kranmeistern, Dockmeistern,
Schleusenmeistern, Maschinisten, Spritzenmeistern, Dock-, Brücken- und Schleusenwärtern;
Wachtmeistern und Werftschutzleuten; Vorarbeitern, Arbeitern und Lehrlingen.
Die Werftverwaltung wird vom Marineintendanturpersonal besorgt; außerdem
gibt es Magazindirektoren, Werftbuchführer und Werftschreiber. Die
österreichisch-ungarische Marine hat ihre Hauptwerst
(Seearsenal) in
Pola (
Küstenland).
Die kaiserlich deutschen Werften unterstehen einem Oberwerftdirektor im
militärischen Rang. Ihm wiederum unterstehen Direktoren für Schiff- und Maschinenbau,
Ausrüstung und Verwaltung mit Hilfe von Ingenieuren, Zeugoffizieren etc. die
Spezialressorts verwalten.Nach dem
Deutschen Krieg von 1866 kommt es zur Errichtung des
Norddeutschen Bundes und damit zur Schaffung
der
Norddeutschen Bundesmarine.
Mit Gründung des
Norddeutschen Bundes 1867
wird
Kiel, neben
Wilhelmshaven,
zum
Reichskriegshafen. In
Kiel gründet man auf dem ehemaligen Gelände, der zuvor
umgezogenen Howaldt-Werft, die Königliche Werft Kiel. Nach der Gründung des
Deutschen Reiches,
am 18. Januar 1871, wird die Marine des
Norddeutschen
Bundes zur
Kaiserlichen Marine
und damit auch die Königlichen Werften in Kaiserliche Werften umbenannt. Als
1895 schließlich der
Kaiser-Wilhelm-Kanal
(Nord-Ostsee-Kanal) fertig gestellt wird, zieht 1899 die
Kaiserliche
Werft Kiel nach Kiel-Gaarden um. 1904 wird die stark wachsende Kaiserliche
Werft Kiel um Teile der benachbarten Germaniawerft erweitert. Die Kaiserliche
Werft, die sich von Gaarden im Süden bis zum Nordufer der Schwentine erstreckte,
war der größte Schiffbaubetrieb Kiels. Zwischen 1899 und 1904 dehnte sich der
Betrieb so stark aus, dass die Germaniawerft im Süden einen Teil ihres Geländes
an die Kaiserliche Werft abtreten musste. Auch nach Norden war ein weiterer
Ausbau des Betriebes nötig. 1904 verschwanden die letzten Reste des alten Fischerdorfes
Ellerbek. Die Einwohner wurden nach Wellingdorf umgesiedelt. Bis zur Schwentinemündung
reichend wurde die Nordwerft aufgebaut mit Gebäuden für das Artillerie- und
Ausrüstungsressort. Zur Verbindung beider Werftteile entstand eine große Schwebefähre,
die bald ein Wahrzeichen Kiels war. 1882 beschäftigte die Kaiserliche Werft
3500 Arbeiter, 1914 9200 Arbeiter und während des 1. Weltkrieges dann 18 650
Mitarbeiter.
1865 gründet der Ingenieur Georg Howaldt,
Sohn des Mitbegründers der Firma Schweffel und Howaldt, in Ellerbek eine kleine
Werft. Diese muß jedoch schon bald dem Ausbau der preußischen Marinewerft weichen.
1876 machte sich Georg Howaldt mit einer neuen Werft in Diedrichsdorf an der
Schwentinemündung selbständig. 1883 wurde auch die Maschinenfabrik der Gebrüder
Howaldt, vormals Schweffel und Howaldt, von Kiel nach Dietrichsdorf verlegt.
Beide Unternehmen vereinigten sich 1889 zu den Howaldtswerken und bauten bis
zur Jahrhundertwende 390 Schiffe, darunter 18 Dampfer bis 3000 tdw, 18 Dampfer
bis 6000 tdw und 9 Dampfer bis 11 000 tdw. Auf dieser Werft wurden u.a. das
Polarschiffes "Gaus" (1901), des U-Boot-Hebeschiffes
S.M.S. Vulkan (1908), das erste in Deutschland
entstandene Motorfrachtschiffe die "Monte Penedo" (1911) und der Petroleum-Tankdampfers
"Jupiter" (1913) gebaut. Ab 1909 begannen die Howaldtswerke auch Linienschiffe
für die Kaiserliche Marine zu bauen, so entstanden hier
S.M.S. Helgoland,
S.M.S. Kaiserin und S.M.S. Bayern sowie Kleine
Kreuzer und Torpedoboote. Im Juli 1914 waren auf der Werft 3000 Arbeiter beschäftigt.
(tdw: tons deadweight = Tragfähigkeit eines Schiffs)
1865 entstand in Gaarden bei Kiel eine weitere Werft, die
Norddeutsche Schiffbau A.G., die spätere Germaniawerft. Diese
wurde 1895 von der Firma Krupp übernommen und war weitgehend auf den Bau von
Kriegsschiffen konzentriert. Hier waren 1914 fast 7500 Arbeiter beschäftigt.
Germaniawerft Kiel-Gaarden
Von der Hörn bis nördlich der Schwentine reihten sich
drei große Werften aneinander: die Germaniawerft, die Kaiserliche Werft
und die Howaldtswerke. Sie beschäftigten zusammen 1882 zirka 5800 Arbeiter,
1900 schon über 11 000 und 1913 bereits über 17 500 Arbeiter.
1920
werden die Kaiserlichen Werften aufgelöst die Werft in
Kiel der Deutschen
Werke Aktiengesellschaft in Berlin angegliedert.