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Deutsch-Witu - Briefmarken mit Malakote - Ausgaben
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Deutsch-Witu-Land
Die Geschichte des Schutzgebietes Deutsch-Witu ist
nur von kurzer Dauer und heute weitgehend unbekannt. Selbst in einschlägiger
Literatur über die deutschen Kolonien wird es kaum erwähnt. Wohl auch weil
es kein glanzvolles Beispiel damaliger "deutscher Tugenden" ist.
Die Deutschen verkauften diese kleine Land im Helgoland-Sansibar-Vertrag
an die Briten, mit katastrophalen Folgen für die Bewohner des Schutzgebietes.
Die deutschen Kolonialpioniere, die Brüder Clemens und Gustav Denhardt,
starben später völlig verarmt in der Heimat:
Wegen ständiger Kriege
mit den Sultanen von Sansibar ziehen sich die Sultane von Nabahamis ins
Landesinnere zurück. Im 19. Jahrhundert wird Witu zum Hauptsitz der Sultane
von Nabahamis. Da entflohene Sklaven dort Asyl finden, sieht sich das Sultanat
Witu ständiger Bedrohungen und Angriffe des Sultans von Sansibar (Said Bargash)
ausgesetzt. 1867 fordert Sultan Achmed von Witu (über den deutschen Afrikaforscher
Brenner) Preußen auf, die Schutzherrschaft
über Wituland zu übernehmen um "endliche
Ruhe vor den Überfällen der Sansibarkrieger zu haben". Am 8.
April 1885 erwerben die Brüder Clemens und Gustav Denhardt vom Sultan Achmed
von Witu etwa 25 Quadratmeilen Land "mit
allen ihm daran zustehenden Hoheits- und Privatrechten" und
veranlassen ihn gleichzeitig, sich auch "hinsichtlich
seines übrigen Gebietes unter deutschen Schutz zu stellen".
England unter seinem Generalkonsul Sir John Kirk unterstützt den Sultan
von Sansibar, um eine weiter deutsche Kolonie in Ostafrika zu verhindern.
Die Engländer verfolgten den Plan einer durchgehenden Kolonie von Kairo
bis Kapstadt. Reichskanzler
Otto von Bismarck entsendet zunächst
S.M.S. Gneisenau zur Tana-Mündung, von dort
marschiert ein Landkommando von 3 Offizieren und 30 Mann 3 Tage durch den
Busch nach Witu und wird dort freudig empfangen. Am 27. Mai 1885 werden
die erworbenen Gebiete unter deutschen Schutz gestellt, aus Dankbarkeit
ernennt Sultan Achmed Clemens Denhardt zum Minister für äußere und innere
Angelegenheit. Nach dem Tod von Sultan Achmed wird Fumo Bakari sein Nachfolger.
Am 1. Juli 1890 schließt Reichskanzler Leo
Graf von Caprivi mit England den
Helgoland-Sansibar-Vertrag ab, in dem beide
Staaten ihre ostafrikanischen Interessensphären abgrenzen. Deutschland zieht
seine Schutzherrschaft über Wituland, gegen den Widerstand des Sultans Simba,
zugunsten Englands zurück und erklärt sich außerdem mit der künftigen Schutzherrschaft
der Briten über Sansibar einverstanden. In Wituland kommt es daraufhin zu
deutschfeindlichen Ausschreitungen bei denen mehrere Deutsche erschlagen
werden, die Gebrüder Denhardt müssen fliehen. Die Engländer führen ein Strafexpedition
gegen Wituland durch, der Sultan wird ins Gefängnis geworfen und dort später
vergiftet.
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Clemens Denhardt * 03.08.1852 in Zeitz (Provinz Sachsen) † 07.06.1929 in Bad Sulza (Freistaat Thüringen) |
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Gustav Denhardt * 13.07.1856 in Zeitz (Provinz Sachsen) † 19.07.1917 in Leipzig (Königreich Sachsen) |
Durch einen Vertrag mit dem
Deutschen Reich trat Clemens Denhardt seine
Rechte ab und Wituland wurde im Austausch gegen die Insel
Helgoland in Jahre 1890 an England abgetreten.
Die Forderung Denhardts an das Reich in Höhe von 150.000,-
Mark (entspricht ca. 1.650.000
Euro) als Entschädigung wurde vor dem I. Weltkrieg abgelehnt. Danach erhielt
er auf Grund seiner ständigen Eingaben ab und zu 500,- bis 800,- Mark Unterstützung.
Er starb als armer Mann in Bad Sulza. Am Grab ereilte ihn der Dank seines
Vaterlandes in Form großer Lorbeerkränze und schöner Grabreden mit Rühmung
seiner Verdienste durch Vertreter des Auswärtigen Amtes. Eine Straße in
Bad Sulza erhielt seinen Namen verliehen.
Gustav Denhardt wurde im
I. Weltkrieg festgesetzt und kam als Gefangenenlager nach Indien. Todkrank
wird er entlassen und stirbt am 19. Juli 1917 in Leipzig.
Nach den Brüdern Denhardt wurde u.a. ein Mineral, das 1905 von Potonie
beschrieben worden ist, "Denhardtit" benannt.
Nachfolgende Darlegungen und Fotos mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Witu-Archivs in Dessau, Herrn Bernd Nowak:
| Deutsches Witu-Archiv Sandberg 33 D-06849 Dessau Mitteilung vom 28.02.2004: Sehr geehrte Damen und Herren, Freunde der Geschichte des Schutzgebietes Deutsch-Wituland! Immer wieder erreichen mich und das Deutsche Witu-Archiv Anfragen und Wünsche um Zusendung der Broschüre über Wituland. Aus gesundheitlichen Gründen bin ich und meine Mitstreiterin, die wir das Witu-Archiv betreiben, zur Zeit nicht in der Lage die Anfragen zu beantworten. Auch ist leider die Schrift über Wituland restlos ausverkauft und eine Neuauflage derzeit doch nicht in Sicht. Ich bitte Sie alle um Ihr Verständnis. Nichtsdestotrotz bemüht sich das Deutsche Witu-Archiv weiterhin seine Sammlung und Dokumentation zu vervollständigen um das Andenken an das ehemalig kleinste deutsche Schutzgebiet aufrecht zu erhalten. Unser Dank geht an die Seiten von deutsche-schutzgebiete.de für die wertvolle Multiplikation der Kenntnisse über das Wituland. Anfragen bitte nur noch per E-Mail an uns, da postalischer Verkehr von uns nicht mehr bewältigt wird. Unsere E-Mail: wituland@hotmail.com. Mit freundlichen Grüßen, Bernd Nowack, Deutsches Witu-Archiv |
Bernd Nowack
Die Kolonie
und ihr Tausch gegen
„1890 erwarb
Deutschland von den Engländern die Insel Helgoland in Tausch gegen Sansibar!"
- dies steht seit einhundert Jahren in etlichen namhaften Nachschlagewerken.
Da nun allerdings Sansibar niemals in deutschen Besitz war, erscheint die
Sache sehr rätselhaft. Wie kam es aber zu diesen weit verbreiteten Irrtum
in der Historienliteratur?
Dass heute auf der Insel Helgoland die deutsche
Fahne weht und nicht der britische Union Jack, nag heute in Zeitalter eines
zusammenschmelzenden Europa marginal sein, in vergangenen Jahrhundert sah
man dies bekanntlich anders - das „Nationale" spielte die entscheidende
Rolle in Europas Geschichte, und das territoriale Streitigkeiten auch noch
heute in der EU auf der Tagesordnung stehen, dies zeigt der Fall Gibraltar.
Ähnlich wichtig wie den Spaniern die Halbinsel Gibraltar, war den
Deutschen Kaiserreich die Insel
Helgoland. Bekanntlich war
Helgoland in britischen Besitz! Zwei Forschern
und Kolonialherren, den Gebrüdern Denhardt und ihrer Kolonie Deutsch-Wituland,
verdankte Deutschland die Rückgabe Helgolands von den Briten.
Immer
mehr verblasst die Erinnerung an das einstige deutsche Kolonialimperium.
Hauptsächlich sind es heute noch die Sammler von
Briefmarken, die sich mit so exotisch
klingenden Namen wie Deutsch-Südwest,
Deutsch-Ostafrika, Kamerun,
Togo, Kiautschou,
Samoa, Karolinen,
Marianen, Palau, Nauru und den einst
nach den deutschen Kaiser Wilhelm benannten
Neuguinea beschäftigen. Aber Deutsch-Wituland?
Dieser Name ist so gut wie vergessen, und dies nicht nur in der Jetztzeit,
sondern schon die letzten einhundert Jahre. Trotzdem liefert die nur fünf
Jahre lang bestehende Herrschaft der Deutschen in Wituland Stoff für einen
wahren Krimi an Abenteuern, Intrigen und diplomatischen Verwicklungen. Wituland
war wohl seinerzeit die von Deutschland unabhängigste Kolonie, fast ein
privates Reich der Gebrüder Denhardt und ihrer wenigen Mitstreiter. Sogar
eigene Briefmarken gaben die Denhardts heraus, ein einmaliger Vorgang in
den deutschen Kolonien.
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Flaggenhissung vor dem Sultanspalast in Witu, mit Soldaten der Wissmann-Truppe (1889)
Foto: © Deutsches Witu-Archiv Dessau
Die Brüder Clemens und Gustav Denhardt, geboren
1852 und 1856 in Zeitz, unternahmen in den 70er
und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, von Sansibar aus, Forschungsreisen
ins weithin unerforschte Innere des heutigen Kenia. Sie interessierten sich
für Geologie, die Landwirtschaft und die Völkerkunde. Besondere Verdienste
erwarben sich die Denhardts bei der kartographischen Erschließung des Gebietes
um das Tana-Mündungsgebiet. Zur damaligen Zeit war es keine Schande, sondern
patriotische Ehrensache, auch die Möglichkeit von Kolonialerwerbungen ins
Auge zu fassen. Deutschland war beim Wettlauf um Kolonien gegenüber den
europäischen Nachbarn schon arg ins Hintertreffen geraten, aber so kurz
nach der Reichsgründung 1871 hatte man andere Probleme, als den Erwerb von
Kolonien zu forcieren.
Ohne Auftrag und ohne staatliche Unterstützung
wurden die Gebrüder Denhardt zu Kolonialpionieren. In Deutschland waren
sie die Initiatoren des Tana-Komitees (später in Witu-Komitee und Deutsche
Witu-Gesellschaft umbenannt), welches sich die Erforschung und spätere Nutzung
des Gebietes um den Tana-Fluss zum Ziel gesetzt hatte. Im Suaheliland lernten
sie den Sultan Achmed von Witu kennen. Achmed war aus dem Geschlecht der
Nabahani und auch unter dem Namen „Simba der Löwe" bekannt. Die Nabahani,
eine arabisch-afrikanische Dynastie, waren von 1744 bis 1860 Regionalherrscher
der Lamu-Insel Patta an der Mündung des Tana-Flusses, bis sie von den Arabern
aus Maskat (heutiger Oman), die Sansibar in ihrem Besitz hatten, von Patta
vertrieben wurden. Im Inneren des heutigen Kenia ließen sich die Besiegten
nieder, unterwarfen in mehreren kriegerischen Aktionen die dortigen Stämme
bis ins Malakotegebiet hinein und gründeten 1863 das Sultanat Witu, auch
Wito oder Suaheliland genannt. Der Sultan von Sansibar ließ nicht ab, seinen
alten Gegner Simba den Löwen auch auf dem Festland immer wieder anzugreifen.
Ein langer schmaler Küstenstreifen in Ostafrika gehörte schon lange zur
Einflusssphäre der Sansibaris, die ihrerseits immer stärker von England
abhängig wurden.
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Clemens und Gustav Denhardt, Dr. Fischer, von Tiedemann, Generalmajor Rochus Schmidt mit Soldaten der Wissmann-Truppe vor dem Haus der Deutschen Witu-Gesellschaft in Kiongue
Foto: © Deutsches Witu-Archiv Dessau
So waren die Zeitzer Brüder als Deutsche bei
dem Sultan von Witu herzlich willkommen, da er nach Bundesgenossen gegen
Sansibar und England Ausschau hielt, zumal er schon einmal in den 60er Jahren
über den deutschen Afrikaforscher Brenner versucht hatte, den preußischen
König für einen Schutzvertrag zu gewinnen - allerdings ohne Erfolg! Die
beiden Brüder errangen schnell das Vertrauen des ansonsten gefürchteten
Sultans. Sultan Achmed hatte eine Körpergröße von zwei Metern und brachte
ein beachtliches Gewicht auf die Waage, seine Füße waren so dick wie Bäume,
da er an der Krankheit Elephantiasis litt. Von 20 Trägern in einer bedachten
Sänfte getragen, wurde er von seinen Feinden, aber auch Untertanen, mehr
gefürchtet als geliebt. Den Denhardts gelang es die Freundschaft dieses
Mannes zu erringen. Anfänglich nur Berater, avancierten sie später sogar
zu Ministern in der Regierung des Sultanats - Clemens Denhardt wurde zum
Minister des Äusseren und Inneren und Gustav Denhardt zum Minister für Zoll-
und Postwesen ernannt. 1885 handelten die Denhardts mit dem Sultan einen
Schutzvertrag Witulands mit dem Deutschen Reich
aus, welcher am 27.5.1885 in Kraft trat. Den Sansibaris, die das verhindern
wollten, trat ein deutscher Flottenverband entgegen, der vor Sansibar seine
Macht demonstrierte. Die Kanonen der deutschen Schiffe auf die Hauptstadt
Sansibars gerichtet, wurde dem Sultan Said Bargasch das Anerkenntnis der
deutschen Schutzherrschaft über Wituland abgezwungen.
Die Gebrüder Denhardt
erwarben im Gegenzug für den Schutzvertrag vom Sultan von Witu einen größeren
Landstrich, welchen sie aber bald wegen finanzieller Nöte an die neugegründete
Deutsche Witu-Gesellschaft (Hauptsitze:
Berlin und Lamu) für 50.000 Reichsmark
und 50 Anteilsscheine a 1000 Reichsmark verkauften. Ein weitaus großzügigeres
Angebot des belgischen Königs, das Land an Belgien zu verkaufen, lehnten
die Denhardts aus patriotischen Gründen ab. Die Deutsche Witu-Gesellschaft
gab Anteilsscheine heraus um die Kolonie finanziell am Leben zu erhalten.
Das Deutsche Reich zeigte relativ wenig
Interesse für die auf einem Silbertablett servierte Kolonie. Nur halbherzig
unterstützte es das neuerworbene Witu und ließ die ins Land kommenden wenigen
deutschen Siedler mit ihren Sorgen allein. Außer einem kleinen Kontingent
der Wissmann-Truppe und Geschenken für den Sultan kam fast nichts von
Berlin nach Witu. Die Beamten
in den Berliner Ministerien verhehlten nicht ihr Ressentiment gegenüber
einer Kolonie, die von Privatleuten erworben und verwaltet wurde, die weitgehend
das machten, was sie privat für nötig hielten, ohne Rücksicht auf Berlins
Pläne.
Da wenig Geld von Berlin
kam, waren es allein die Deutsche Witu-Gesellschaft und die DOAG (Deutsch-Ost-Afrikanische
Gesellschaft), die mit eigenem Geld in die neue Erwerbung investierte. Hier
tat sich besonders der Vorsitzende des Deutschen Kolonialvereins Fürst zu
Hohenlohe-Langenburg mit bedeutenden finanziellen Anteilen hervor. Es entstanden
etliche große Pflanzungen und landwirtschaftliche Betriebe. Hinter dem Rücken
der Kolonisten aber führte die kaiserliche Reichsregierung geheime Gespräche
mit England, mit dem Ziel, Helgoland, dem man große strategische Bedeutung
beimaß, gegen das wenig geliebte Wituland zu tauschen. Liest man alte Akten
aus dieser Zeit, wird einem klar, dass Deutschland die Kolonie Witu nur
übernahm, um ein Faustpfand gegenüber England zu haben. Im sogenannten
Sansibar-Vertrag tauschte
Reichskanzler Caprivi
1890 Wituland gegen Helgoland ein. Gleichzeitig wurden die Interessengebiete
der beiden Mächte England und Deutschland in Ostafrika abgesteckt.
Für
die Denhardts und die deutschen Kolonisten kam dieser Vertrag unerwartet
und wurde als Verrat der Heimat angesehen. Alles Hab und Gut ging in Flammen
auf, denn die vom Deutschen Reich verratenen
und an England verschacherten Suahelis fielen in ihrer verständlichen Empörung
- schließlich war ihnen vom Kaiser ja „Schutz"
gegenüber England und ihrem Erzfeind Sansibar vertraglich zugesagt worden
- über die Deutschen her und veranstalteten wochenlange Verwüstungen. Ca.
100 Tote waren auf beiden Seiten zu beklagen. Dem deutschenfreundlichen
Sultan Fumo Bakari, Nachfolger des verstorbenen Achmed, gelang die Flucht
nicht, er wurde von seinen Untertanen erschlagen. Die Suahelis erwartete
nun die Unterdrückung durch eine englische Strafexpedition. Man schätzt,
dass an die 500 Suahelis getötet wurden. Die Hauptstadt Wito wurde dem Erdboden
gleichgemacht. Der Krieg gegen Wituland dauerte 6 Monate, wobei an der Seite
der Engländer Truppen aus Sansibar kämpften.
Eine angebotene Entschädigung
des Reichstages von 150.000 Reichsmark für ihre Verluste in Witu lehnten
die Denhardts als ungenügend und aus Enttäuschung über das deutsche Vorgehen
ab. Sie starben verarmt, Gustav am 19.7.1917 in Leipzig,
Clemens am 7.6.1929 in Bad Sulza. Im Nachlass von Clemens fand man seltene
Briefmarken von Witu, Sansibar und anderen Ländern, die einen heutigen Wert
von mehr als 1 Million DM hatten.
Dass der Name der deutschen Kolonie
Wituland in Vergessenheit geriet und stattdessen sich Sansibar als angebliches
Tauschobjekt gegen Helgoland in die Geschichtsschreibung einschleichen konnte,
lag auch daran, dass der damalige Vertrag des Tausches Helgolands gegen
Wituland als Sansibar-Vertrag in die Geschichte einging.
Helgoland: einzige deutsche
Hochseeinsel in der Nordsee; 1714 bis 1807 dänisch, dann englisch; seit
1890 deutsch im Tausch gegen Wituland; nach dem II. Weltkrieg britisches
Bombenübungsgebiet
Sansibar: Inselgruppe (mit Pemba) im Indischen Ozean, vor der Küste Ostafrikas; im 10. Jahrhundert Vorstoß der Araber; 1503 Eroberung durch Portugal; 1698 Angriff der Araber, 1730 Abzug der Portugiesen; von 1730 an Herrschaft der Imame von Maskat; 1832 Verlegung der Residenz von Maskat nach Sansibar, bedeutender Einfluß Sansibars auf die gesamte ostafrikanische Küste; bekannt durch den Anbau von Gewürznelken, Sklavenhandel; engl. Schutzgebiet; 1964 Sturz des Sultans, seitdem mit Tanganjika die vereinigte Republik Tansania bildend
Wituland: auch Wito oder Suaheliland, bis 1860 Siedlungsgebiet verschiedener Stämme; dann Einwanderung der von der Lamu-Insel Patta vertriebenen Gefolgsleute der Nabahani; Sultan Achmed unterwirft die meisten Suaheli-Stämme bis ins Malakote-Gebiet hinein; von 1865 bis 1885 Abwehrkämpfe gegen die Sansibarfis; von Mai 1885 bis Juli 1890 deutsches Schutzgebiet durch das Wirken der Brüder Denhardt; 1886 Invasion von Somalia, die zurückgeschlagen wird; 1890 vom Deutschen Reich im Austausch gegen die Insel Helgoland England überlassen; 1890 Aufstand der Bevölkerung Witulands gegen die Europäer als Antwort auf den Kolonialschacher der Großmächte Deutschland und England, Ermordung des letzten Nabahani-Herrschers Sultan Fumo Bakari durch einen Volksaufstand; Niederschlagung des Aufstandes durch eine englische Strafexpedition; die Hauptstadt Wito wurde dem Erdboden gleichgemacht; anschließend Teil von Britisch-Ostafrika; jetzt ein Teil Kenias
Malakote: 1896 versuchten deutsche
Abenteurer im Hinterland von Britisch-Ostafrika zusammen mit einem einheimischen
Regionalherrscher ein von England unabhängiges Sultanat Malakote (Hauptstadt
Massa) unter deutschen Einfluß zu bringen. Die Pläne waren zum Scheitern
verurteilt. Die Denhardts beteiligten sich an diesem Unternehmen nur am
Rande
Briefmarken: Mitte 1889 ließ Gustav Denhardt
als Postminister der Sultansregierung für die Post des Sultans von Witu
Porto- und Dienstmarken und drucken - gültig bis Mitte 1890, echt gelaufene
Werte sind sehr Malakote selten. Bei den Marken von Wituland (alama ya posta
sultaniya sawahiliiya = Marke der Post des Sultans des Suahelilandes) handelt
es sich um Briefmarken, die nicht vom Deutschen Reich verausgabt wurden,
aber im postrechtlichen Sinne echte Briefmarken sind, im Gegensatz zu den
1896 gedruckten aber nie zur offiziellen Ausgabe gelangten Marken des Gebietes
Malakote, da Malakote nie ein völkerrechtlich anerkanntes Postgebiet war.
Die Malakote-Marken gelten bestenfalls als Privatpost.
Denhardts:
Die Familie Denhardt ist seit dem 13. Jahrhundert in Thüringen nachweisbar.
In den Ritterstand erhoben, besaßen die Denhardts eine Burg in Thüringen,
die aber schon vor 1450 geschleift wurde. Das Ritterwappen, welches auch
Clemens und Gustav Denhardt führten, befindet sich noch heute im Besitz
der Familie. Die Familie Denhardt ist jetzt noch in Anhalt, Thüringen und
Bayern vertreten. Die direkten Nachkommen des unehelichen Sohnes von Clemens
Denhardt leben in Südfrankreich und Norddeutschland. Der Sohn von Clemens
Denhardt wurde als uneheliches Kind mit einer Französin vom damaligen deutschen
Kleinbürgertum um sein Erbe gebracht. Ihre Geburtsstadt
Zeitz verließen Clemens und Gustav Denhardt im Alter,
da sie als Außenseiter von der Zeitzer Bevölkerung gemieden wurden. Sie
starben in Leipzig (Gustav) und in Bad Sulza (Clemens).

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