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Kreisstadt im Großherzogtum Hessen, Provinz Rheinhessen
Kreisstadt im Großherzogtum Hessen, Provinz Rheinhessen
Worms 44.288 Einwohner - 1905 = 94. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.![]()
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Worms - Kaiser-Wilhelm-Straße
Worms, ehemals freie Reichsstadt und Sitz eines gleichnamigen Bistums, jetzt Kreisstadt im Großherzogtum Hessen, Provinz Rheinhessen, liegt links am Rhein, über den hier eine Straßen- und eine Eisenbahnbrücke führen, im sogenannten Wonnegau und 86 - 102 Meter über dem Meer. Sie ist in den älteren Teilen unregelmäßig gebaut und zum Teil noch mit alten Mauern und Türmen umgeben.
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| Worms - Total mit alter Stadtmauer | Worms - Rheinbrücke |
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| Worms - Dom | Worms - Liebfrauenkirche und Liebfraumilch-Weinberge |
Bemerkenswert ist auch die außerhalb der inneren Stadt liegende Liebfrauenkirche, ein Bau aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit schönem Portal. Um die Kirche befinden sich Rebenpflanzungen, welche die bekannte "Liebfraumilch" liefern. Zu nennen sind noch die evangelische Kirche im Stadtteil Hochheim mit altem romanischen Turm und die katholische Kirche, ein Rest des Klosters Himmelskron mit Grabdenkmälern des 13. und 14. Jahrhunderts, die evangelische Dreifaltigkeitskirche im Barockstil (1725). Eine der Synagogen ist eins der ältesten jüdischen Gotteshäuser in Deutschland; der Judenkirchhof ist reich an alten Inschriften.
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| Worms - Dreifaltigkeitskirche und Cornelianum | Worms - Lutherkirche und Eleonorenschule |
Andere bemerkenswerte Bauwerke sind das Stadthaus, das Paulusmuseum (in der ehemaligen Pauluskirche) mit vielen vorgeschichtlichen, römischen und fränkischen Altertümern, das Volkstheater mit Festspielhaus; auf dem Unterbau des ehemaligen Bischofshofes (Sitz des Reichstages von 1521), auf der Nordseite des Doms, steht gegenwärtig das ältere Heylsche Haus, in dessen sehenswertem Garten sich Treibhäuser befinden. Bemerkenswert sind auch die Hafenanlagen. An Denkmälern ist besonders herzuheben das großartige Lutherdenkmal, entworfen von Rietschel, ausgeführt 1868 von Kietz, Donndorf und Schilling. Außerdem hat Worms noch ein Bismarck-, ein Krieger-, ein Hagen- und ein Küchlerdenkmal und einen Monumentalbrunnen. Die Einwohnerzahl beläuft sich im Jahr 1905 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 118) auf 43.841 Seelen, die überwiegende Mehrheit sind Evangelische, 14.048 sind Katholiken und 1307 Juden. Die Industrie besteht in Fabrikation von Leder (5000 Arbeiter), Maschinen (für Brauereien), Kunstwolle, Tuch, Wasserglas, Schmierseife, Kaffeesurrogaten, Knochenpräparaten, Schiefertafeln, Öl, Malz, Mühlenfabrikaten, Buchdruckpressen, Drahtwaren, Konserven, Kunststeinen, Möbeln, Schaumwein, alkoholfreiem Wein etc., auch hat die Stadt ein Elektrizitätswerk, Dampfmühlen, Farbwerke, Bierbrauerei und berühmten Weinbau. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer und eine Nebenstelle der Reichsbank, ist besonders bedeutend in Leder, Wein, Getreide, Holz, Kohlen, Mühlenfabrikaten etc.
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| Worms - Ludwigsdenkmal und Martinskirche | Worms - Lutherdenkmal |
Im dortigen Hafen kamen 1905 an: 3778 Schiffe mit 301.630 Tonnen Ladung; es gingen ab: 3306 Schiffe mit 31.388 Tonnen Ladung. Den Verkehr in der Stadt vermittelt eine elektrische Straßenbahn. Für den Eisenbahnverkehr ist sie Knotenpunkt der preußisch-hessischen Staatsbahnlinien Mainz-Worms, Worms-Bingen, Darmstadt-Worms, Worms-Bensheim, Worms-Gundheim u. a. Worms hat ein Gymnasium, eine Oberrealschule, 2 höhere Mädchenschulen, eine Gewerbeschule für Hochbau, Maschinenbau und Kunstgewerbe, eine Akademie für Bierbrauer, ein Technikum für Müllerei, Mühlen- und Maschinenbau, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Konservatorium für Musik etc., ein Museum, einen Altertumsverein und ein Theater. Von Behörden finden sich dort: ein Kreisamt, ein Amtsgericht, ein Hauptsteueramt und eine Oberförsterei; die städtischen Behörden zählen 11 Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete. Worms ist ein in der deutschen Heldensage vielgenannter Ort und Schauplatz der Nibelungensage; ein Distrikt jenseits des Rheins heißt der "Rosengarten". In den letzten Jahren ist im Norden von Worms, nur 200 Meter westlich vom Rhein, ein großes Gräberfeld aufgedeckt worden, desgleichen an der Südseite zahlreiche Gräber und Wohnstätten aus der Zeit des Übergangs von der Steinzeit zur Bronzezeit, sowie vier Grabfelder aus römischer Zeit (2. u. 4. Jahrhundert n. Chr.) und zwei aus der fränkischen Zeit (4.–7. Jahrhundert).
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| Worms - Lutherbaum | Worms - Marktplatz und Dom | Worms - Lutherpforte |
Worms, das alte Borbetomagus, zu Ariovists Zeiten
Hauptstadt der Vangionen, wurde von Drusus befestigt, im 5. Jahrhundert
Residenz der burgundischen Könige, von den Hunnen zerstört und von den Merowingern
wieder aufgebaut. Früh Bischofssitz und seit dem 8. Jahrhundert Stätte einer
königlichen Pfalz, fiel Worms bei der Teilung von 843 an Ludwig den Deutschen,
war aber um 1000 bereits eine bischöfliche Stadt. Burchard I. zerstörte
die Stammburg des salischen Geschlechts und baute ein Münster. Die Feindschaft
der Städter gegen ihren Stadtherrn offenbarte sich in der Parteinahme für
Heinrich IV. 1073, der sie am 18. Januar 1074 durch einen Freibrief belohnte
und auf einer Synode zu Worms 1076 Papst Gregor VII. absetzen ließ. Heinrich
V. kam durch das Würzburger Abkommen (1121) in den Besitz der Stadt, baute
im Norden davon eine Burg und verlieh Worms Privilegien, die Friedrich I.
bestätigte. Trotz dauernder Versuche der Bischöfe, sich die Stadt wieder
zu unterwerfen, blieb Worms bis 1801 Freie Stadt. Unter den Reichstagen,
die in Worms gehalten worden, sind der von 1495 unter Maximilian I., auf
dem der Ewige Landfriede verkündet und das Reichskammergericht gestiftet
wurde, und der von 1521 unter Karl V., auf dem Luther verhört wurde, die
berühmtesten. Hier fanden 1540 und 1557 Religionsgespräche statt. 1632 eroberten
die Schweden und 1635 die Kaiserlichen Worms; 1644 nahmen es die Franzosen
durch Kapitulation ein; am 31. Mai 1689 legten es die Franzosen unter Mélac
in Asche. Am 13. September 1743 schlossen hier England, Österreich und Sardinien
den Wormser Traktat, ein Offensivbündnis. Zu Anfang Oktober 1792 nahmen
die Franzosen unter Custine die Stadt durch Überfall. 1801 kam Worms an
Frankreich, 1814 wieder an Deutschland und 1815 durch den Wiener Kongress
an Hessen-Darmstadt. Am 29. Mai
1849 wurde die von badischen Freischärlern besetzte Stadt durch Mecklenburger
und Preußen erstürmt.
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| Worms - Bahnhof | Worms - Raschi-Tor |

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