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Deutscher Krieg

Der Deutsche Krieg (1866)

(Preußisch-deutscher Krieg)

Die Ursachen des Krieges

Einleitung Deutscher Bund Kriegsparteien Ursachen des Krieges Schlacht bei Königgrätz Südlicher Kriegsschauplatz Schlacht bei Langensalza Süddeutschland Friedensverträge Norddeutscher Bund

 

Deutscher Krieg

"Einem eben so dunklem als unverbürgten Gerücht zufolge sollen sich zwei Deutsche Gladiatoren gefunden haben, welche vor dem neuen Cesar einen Wettkampf zu dessen alleinigem Vergnügen zu veranstalten beabsichtigen."

Eine zeitgenössische Karikatur kritisiert den bevorstehenden Krieg

(ein Preuße, der französische Kaiser Napoleon III., ein Österreicher)

 

Die Ursachen des Krieges von 1866 lagen in der Rivalität zwischen den deutschen Großmächten Österreich und Preußen, die seit dem Emporkommen Preußens unter Friedrich des Großen bestand und daher jeden Versuch einer Einigung Deutschlands vereitelten. Schon 1848 gab es Bestrebungen diesen hinderlichen Dualismus zu beseitigen. Die preußische Politik strebte durch Ausschluss Österreichs aus dem Deutschen Bund die Vorherrschaft über Deutschland zu gewinnen. Diese politische Richtung wurde mit dem Namen "kleindeutsch" belegt, während die auf Erhaltung des Bundes gezielte Richtung "großdeutsch" genannt wurde. Letztendlich ging es, wie bei fast jedem Krieg, auch um wirtschaftliche Interessen und damit ums Geld. Preußen, als stetig wachsende Wirtschaftskraft, war für den Freihandel im Deutschen Zollverein, ohne den österreichischen Teil selbstverständlich. Den Freihandel konnten die kleineren deutschen Staaten nicht hinnehmen, da sie sonst in Abhängigkeit zu Preußen geraten wären. Der österreichische Sondergesandte Karl Ludwig Freiherr von Bruck versuchte während den Berliner Verhandlungen die gesamte Donaumonarchie im Deutschen Zollverein zu integrieren. Das konnte wiederum Preußen nicht zulassen, denn dann wäre man der wirtschaftlich Unterlegene gewesen und das nicht nur in der Industrieproduktion, sondern insbesondere die ungarischen Agrarprodukte hätte die ostelbische Landwirtschaft ruiniert. Und so wurde der Krieg, ganz im Sinne von Clausewitz, nur noch die Fortsetzung dieser Politik mit anderen Mitteln.

Seit dem Wiener Kongress (1814-15) waren die Verhältnisse der deutschen Länder so geordnet, dass die einzelnen souveränen Staaten, unter denen Osterreich von selbst den Vorrang hatte, im Frankfurter Bundestag vertreten waren und dass dieser Deutsche Bundestag über gemeinsame Interessen zu entscheiden hatte. So war die Theorie. Tatsächlich aber hatte der Bundestag nur eine geringe Autorität, in der Hauptsache taten wenigstens die größeren Staaten, was sie wollten. Gerade ein halbes Jahrhundert lang zog sich dies Elend hin und der Bundestag war schon zum Gespött der Welt geworden.

Deutscher Bund, Karte 1815

Der Deutsche Bund gemäß der deutschen Bundesakte vom 8. Juni 1815

 

Die österreichische Armee besaß von den Kämpfen der Jahre 1848/49 und 1859 her eine weitaus größere Kriegserfahrung als die preußische Armee und die Zeitgenossen maßen dem eine große Bedeutung bei. Im Sommer 1866 zeigte es sich dann aber von Anfang an, dass die zweckmäßigere und gründlichere Ausbildung der preußischen Soldaten und Offiziere viel stärker ins Gewicht fiel als die Kampferfahrung der Osterreicher. Den österreichischen Oberbefehlshaber Benedek kannte man in ganz Europa, und er galt allgemein als ein bedeutender Feldherr. Moltke hingegen war für die Öffentlichkeit ein unbeschriebenes Blatt und selbst ein Teil der preußischen Generale hielt wenig von seinen Fähigkeiten.

Österreichische Politiker und Journalisten wurden nicht müde zu fabulieren, die Armee ihres Landes werde 800.000 - 900.000 Mann ins Feld stellen und die zahlenmäßig viel schwächeren Preußen erdrücken. (Eine sehr interessante zeitgenössische Einschätzung des Philosophen Friedrich Engels findet man hier.) Das wurde allgemein für bare Münze genommen, hatte Österreich doch doppelt so viele Einwohner wie Preußen und deshalb eine weitaus höhere Rekrutierungsquote. Österreich musste aber eine große Armee gegen die Italiener bereitstellen, auch brauchte es für "unruhige" Gebiete wie Ungarn starke Besatzungstruppen, ebenfalls herrschte in seiner Militärbürokratie große Unordnung. Die Folge: Im Juni 1866 erschienen auf dem Hauptkriegsschauplatz Böhmen nicht mehr als 248.000 Mann österreichischer Kampftruppen, dafür aber 278.000 Preußen.

Preußischer Infanterist 1864
Österreichischer Infanterist 1866, Regiment Hoch- und Deutschmeister
Sächsischer Leibgardist 1866
Preußischer Infanterist 1864 Österreichischer Infanterist 1866,
Regiment Hoch- und Deutschmeister
Sächsischer Leibgardist 1866

 

Nur wenige Beobachter waren sich völlig darüber im Klaren, wie ungeheuer groß die Überlegenheit der preußischen Infanteriebewaffnung ist. Die österreichische Infanterie war mit einem Vorderladergewehr ausgerüstet, die preußische Armee dagegen mit einem Hinterlader, dem Zündnadelgewehr. Diese neue Waffe hat zwei enorme Vorteile: Ihre Feuergeschwindigkeit ist dreimal so hoch wie beim Vorderlader. Und sie kann vom Schützen im Liegen geladen werden; während ein Soldat, der mit dem Vorderlader bewaffnet ist, zum Laden aufstehen muss und sich dadurch gegnerischem Feuer aussetzt.
In den letzten Wochen vor Kriegsbeginn herrschte in Europa eine hektische diplomatische Aktivität. Mit ziemlicher Sicherheit ließ sich bereits voraussehen, dass sich sämtliche größeren deutschen Bundesstaaten auf Österreichs Seite stellen würden. Italien hielt am Bündnis mit Preußen fest. Russland nahm eine neutrale Position ein und lässt so Preußen freie Hand.

Unsicherheitsfaktor Nummer 1 war die Haltung Frankreichs. Kaiser Napoleon III. hatte sowohl Preußen als Österreich zum Krieg angestachelt. Sein Motiv, er strebte fieberhaft danach, außenpolitische Erfolge zu erringen, um sein angeschlagenes Regime wieder stabilisieren zu können. Ein Krieg zwischen Preußen und Osterreich, so rechnete er, werde ihm, eine günstige Gelegenheit verschaffen, auf dem linken Ufer des Rheins große deutsche Gebiete an sich zu reißen. Der französische Kaiser ließ geheime Verhandlungen mit den Regierungen der beiden deutschen Großmächte führen und beide traten dabei die nationalen Interessen des deutschen Volkes mit Füßen. Bismarck deutete mehrfach an, dass er unter bestimmten Umständen französische Annexionen billigen werde. Wohlgesonnene Zeitgenossen sahen darin einen diplomatischen Schachzug Bismarcks, der so Frankreichs Neutralität erkaufte. So sagte er am 2. Juni zu dem italienischen General Govone: "Ich bin für meine Person viel weniger Deutscher als Preuße und würde ohne Schwierigkeit der Abtretung des ganzen Gebietes zwischen Rhein und Mosel an Frankreich zustimmen. Pfalz, Oldenburg, ein Teil der preußischen Rheinprovinz." Bismarck hütete sich jedoch wohlweislich sich offiziell festzulegen. Die österreichische Regierung hingegen ging einen Schritt weiter und schloss am 12. Juni ein geheimes Abkommen mit Frankreich ab. Schwerwiegender als der Vertragstext selbst war eine mündliche Erklärung, die während der Verhandlungen von der österreichischen Seite abgegeben wurde. Nach dieser sollte nach einem Sieg der Österreicher über Preußen aus den beiden preußischen Westprovinzen (Rheinprovinz und Westfalen) ein formell unabhängiger Staat gebildet werden; eine diplomatische Umschreibung dafür, dass Wien für die Bildung eines Separatistenstaates von Gnaden des französischen Kaisers grünes Licht gab.

König Wilhelm von Preußen und Bismarck nach verlorener Abstimmung im Bundestag

König Wilhelm von Preußen und Bismarck nach verlorener Abstimmung im Bundestag

(zeitgenössische Karikatur von 1866)

 

In Preußen entbrannte aufs heftigste der Verfassungskonflikt, besonders in den westlichen Provinzen - Demonstrationen für den Frieden und gegen den deutschen Bruderkrieg fanden im ganzen Land statt. Österreich und die mit ihm verbündeten Mittel- und Kleinstaaten (das Königreich Sachsen, Königreich Bayern, Königreich Württemberg, Königreich Hannover, Großherzogtum Hessen, Großherzogtum Baden, Herzogtum Sachsen-Meiningen und das Fürstentum Reuß ältere Linie) waren sich des Sieges gewiss. Die beiderseitigen Rüstungsprogramme hatten schon im März begonnen, im April wurde auch über eine Abrüstung verhandelt, die jedoch an der Weigerung Österreichs, die auch in Italien vorzunehmen, scheiterten. Am 4. und 8. Mai wurde die Mobilmachung der preußischen Armee befohlen und die Landwehr aufgeboten, in den Mittelstaaten verlangten die Regierungen von den Landtagen Militärkredite und erhielten sie meist bewilligt.

Im Verlaufe des Monats Mai wurde der österreichischen Regierung klar, dass sie dem Krieg kaum wird ausweichen können und ging nun selbst in die politische Offensive. Am 1. Juni übertrug sie dem Deutschen Bund die endgültige Klärung der Schleswig-Holstein Frage. Formell gesehen, brach sie damit den Vertrag von Gastein. Bismarck versäumte keine Minute das auszunutzen. Er erreichte, dass General von Manteuffel am 7. Juni mit 12.000 Mann in das Herzogtum Holstein einrückt, wo zu dieser Zeit eine österreichische Brigade (4800 Mann) stationiert ist.
Manteuffel, ein ritterlicher Feldherr, kündigte dem österreichischen Befehlshaber, Feldmarschallleutnant Gablenz, bereits am 6. Juni brieflich seinen bevorstehenden Einmarsch an. Gablenz zog daraufhin rasch mit seinen Truppen ab, ohne Widerstand zu leisten. Bismarck war außer sich vor Wut.

Einige Tage später führten Bismarck und Moltke streng geheime Beratungen mit dem Ungarn György Klapka. Der General galt in Osterreich als einer der ärgsten Hochverräter, weil er 1849 als Korpskommandant und Generalstabschef der ungarischen revolutionären Armee für die nationale Befreiung seiner Heimat gekämpft hatte. Rasch wurde man sich darüber einig, im bevorstehenden Krieg aus Überläufern und Kriegsgefangenen eine ungarische Legion zu bilden. Die Aufgabe dieser Legion: Sie sollte nach Ungarn vorstoßen und dort einen Volksaufstand auslösen. Die letzten Schritte hin zum Kriege folgten rasch aufeinander. Am 10. Juni ließ Bismarck dem Bundestag den Entwurf einer neuen Bundesverfassung vorlegen. Darin ist erstmalig ganz offen die Forderung ausgesprochen, Österreich aus dem Deutschen Bund auszuschließen. Die österreichische Regierung antwortete am folgenden Tage mit dem Antrag, die Streitkräfte des Bundes gegen Preußen aufzubieten. Am 12. Juni brach sie die diplomatischen Beziehungen mit Berlin ab und am 14. Juni 1866 beschloss der Bundestag mit großer Mehrheit die Streitkräfte der Mittel- und Kleinstaaten, das so genannte VII. bis X. Bundeskorps gegen Preußen zu mobilisieren. Nur einige kleinere Staaten, das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz, das Großherzogtum Oldenburg, das Herzogtum Braunschweig, das Herzogtum Anhalt, die Freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck sowie die thüringischen Staaten Herzogtum Sachsen-Altenburg, Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha und das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen stellten sich auf die preußische Seite. Noch am 14. Juni erklärte Preußen seinen Austritt aus dem Deutschen Bund.

Am 17. Juni erließ Kaiser Franz Joseph und am 18. Juni König Wilhelm von Preußen sein Kriegsmanifest. Die geografische Lage zwang Preußen sich vor allem Norddeutschlands zu versichern. Es erließ daher am 15. Juni an das Königreich Hannover, das Königreich Sachsen und Kurhessen eine Aufforderung, worin es die dortigen Regierungen zur Zurückführung der Truppen auf den Stand vom 1. März 1866 aufforderte, den Abschluss eines Sonderbündnisses mit dem Königreich Preußen und die Zustimmung zur Berufung des deutschen Parlaments verlangte. Für den Fall einer Ablehnung drohte Preußen dies als Kriegserklärung zu werten. Sofort nach Ablehnung dieser unannehmbaren Forderung rückten am 16. Juni preußische Truppen von allen Seiten in Hannover, Kurhessen und Sachsen ein. Die Könige von Sachsen und Hannover verließen mit ihren Truppen ihre Hauptstädte, der Kurfürst von Hessen wurde gefangen genommen, seine Truppen entkamen nach Süden.

 

Ludwig von Benedek

Ludwig von Benedek

(1804 - 1881)

Oberkommandierender der österreichischen-sächsischen Armee (Nordarmee)

Helmuth (Karl Bernhard) von Moltke

(1800 - 1891)

Chef des preußischen Generalstabes

Helmuth (Karl Bernhard) von Moltke

 

Während Österreich gegen Italien den Krieg nur defensiv zu führen beschloss und zunächst bloß 85.000 Mann unter Erzherzog Albrecht im Festungsviereck aufstellte, vereinigte es seine Hauptarmee, 247.000 Mann, für den Krieg gegen Preußen; hinzu kamen 140.000 Mann seiner verbündeten deutschen Staaten. Davon wurden 271.000 Mann (Österreicher und Sachsen) unter Benedek in Böhmen und Mähren aufgestellt, 119.000 Mann blieben im Westen und Süden Deutschlands. Preußen verfügte über rund 326.000 Mann. Hiervon wurden 48.000 Mann für den Krieg in Mittel-, West- und Süddeutschland bestimmt, mit 278.000 Mann beschloss man den Krieg gegen Österreich zu führen. Den Oberbefehl übernahm, wie damals üblich, offiziell König Wilhelm I. selbst, der eigentliche Oberbefehlshaber der preußischen Armee war Moltke als Generalstabschef.

 

Deutscher Krieg

Anfängliches Kräfteverhältnis

Kriegsschauplatz Deutsche Bundestruppen Preußen und Verbündete
Böhmen 271.000 Mann 278.000 Mann
Mittel-, West- und Süddeutschland 119.000 Mann 48.000 Mann
Norditalien 143.000 Mann 246.000 Mann

 

 

Bündnissysteme Ursachen des Krieges Schlacht bei Königgrätz

 

 



 


 

 


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