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Léon Gambetta

Französischer Politiker

Léon Gambetta

Léon Gambetta

* 03.04.1838 in Cahors

† 31.12.1882 zu Ville d'Avray bei Paris

Léon Gambetta

Lebenslauf

Léon Michel Gambetta war Sohn italienischer Einwanderer, die aus Genua stammten.
1859 wurde er Advokat in Paris. Als Sekretär Lachauds, dann Crémieux' machte er sich als Verteidiger in einigen politischen und Pressprozessen durch seine scharfe und beredte Opposition gegen das französische Kaiserreich sehr bemerklich. Infolgedessen wurde er bei den allgemeinen Wahlen als Kandidat der unversöhnlichen Opposition in den Gesetzgebenden Körper gewählt. Als Hauptwortführer der äußersten Linken hielt er mehrere glänzende Reden. Seine Beredsamkeit war zwar nicht gedankenreich, aber schwungvoll, treffend und wirksam; sein mächtiges, klangvolles Organ kam ihm dabei sehr zustatten.

Er tadelte 15. Juli 1870 die leichtfertige Art der Kriegserklärung (Deutsch-Französischer Krieg), stimmte aber für Bewilligung der verlangten Kredite. Am 4. September proklamierte er die Thronverzicht Napoleons III. und seiner Familie auf ewige Zeiten und übernahm in der Regierung der Nationalverteidigung das Ministerium des Innern. Am 6. Oktober verließ er das belagerte Paris in einem Heißluftballon und begab sich nach Tours, wo sich eine Delegation der Regierung befand.

Verfolgung eines französischen Ballons durch deutsche Reiter, 1870

Léon Gambetta verlässt Paris in einem Heißluftballon

 

Er übernahm dort neben dem Ministerium des Innern auch das Departement des Krieges und das der Finanzen, riss eine unumschränkte Diktatur an sich und verstand es, die Leidenschaften des Volkes zu entzünden, dem Krieg einen unversöhnlichen Charakter zu geben (guerre à outrance) und durch Aufbietung aller waffenfähigen Mannschaft neue Armeen gleichsam aus dem Boden zu stampfen. Beherrscht von der republikanischen Legende der siegreichen Volkserhebung von 1792 und 1793, hatte er den Glauben und wusste ihn auch eine Zeit lang der Nation einzuflößen, dass es möglich sei, durch das Entgegenwerfen großer Massen gegen die Front und durch den kleinen Krieg im Rücken der feindlichen Heere diese aufzureiben. Alle Misserfolge konnten diesen Glauben nicht erschüttern, sondern reizten ihn nur, in die Leitung der militärischen Aktionen selbst einzugreifen, Generale ab- und einzusetzen und die gewagtesten Unternehmungen direkt zu befehlen. Auch nach dem Falle von Paris wollte er von Frieden nichts wissen und suchte durch ein ungesetzliches Dekret vom 31. Januar 1871 friedlich Gesinnte von der Nationalversammlung auszuschließen; als dies Dekret von der Regierung in Paris annulliert wurde, nahm er 6. Februar seine Entlassung. Wenn Gambettas Tätigkeit, trotz der ungeheuren Opfer, die das französische Volk gebracht, auch Frankreich keinen greifbaren Vorteil verschafft hatte, so hatte sie doch durch den langen und zähen Widerstand die nationale Ehre gerettet. Das vergaß ihm das Volk nicht. Von neun Departements in die Nationalversammlung gewählt, stimmte er gegen den Frieden und übernahm die Führung der republikanischen Linken; zugleich gründete er ein neues Blatt: "La République Française".

Léon Gambetta

Léon Gambetta auf einer französischen Briefmarke von 1938

Französischen Briefmarke von 1938

 

Seit 1876 Mitglied der Deputiertenkammer erlangte er als Vorsitzender der Budgetkommission auch auf die Verwaltung maßgebenden Einfluss. Während des Reaktionsversuchs 1877 leitete er den Widerstand des Landes mit großem Geschick und glänzendem Erfolg und steigerte sein Ansehen. Dennoch trat er weder an die Spitze des Ministeriums, noch bewarb er sich 1879 nach Mac Mahons Rücktritt um das Amt des Präsidenten der Republik. Er begnügte sich, Präsident der Deputiertenkammer zu werden, um sich nicht abzunutzen und von den Kulissen aus um so wirksamer die gesamte Politik beeinflussen zu können. Bei den Neuwahlen für die Deputiertenkammer, die Gambetta leitete, erlangten seine Anhänger eine so große Majorität, dass er nun nicht umhin konnte, ein Kabinett zu bilden. Dieses "grand ministère" kam 14. November 1881 zustande. In der Innenpolitik machte Gambetta die Verfassungsrevision nebst Listenwahl zu seinem Programm; in der auswärtigen Politik wollte er die Beziehungen zu Russland enger knüpfen und ein festes Bündnis mit England schließen, um, hierauf gestützt, gegen Deutschland aufzutreten. Aber England lehnte die gemeinschaftliche englisch-französische Aktion in Ägypten, die Gambetta vorschlug, ab, und die Kammer verwarf 26. Januar 1882 die von Gambetta beantragte Listenwahl. Sofort nahm Gambetta seine Entlassung und beschränkte sich auf seine frühere Tätigkeit, den Ministern durch die Stimmen seiner Anhänger in der Kammer seinen Willen aufzuzwingen. Ende 1882 erkrankte er in seinem Landhaus zu Ville d'Avray bei Paris tödlich. Sein glänzendes Begräbnis erfolgte 6. Januar 1883 auf Staatskosten; seine Leiche wurde in Nizza beigesetzt.

In Cahors wurde ihm 1884 ein Standbild errichtet, ein andres, Großartiges in Paris. Gambetta war ein glühender Patriot, ein begeisterter Redner und ein kühner, energischer Politiker, doch schrankenlos ehrgeizig und herrschsüchtig.

Seine "Discours et plaidoyers politiques" (Par. 1880-84, 10 Bde.) und "Dépêches, circulaires, décrets, proclamations, etc." (1886-92, 2 Bde.) gab Reinach heraus.

 

Léon Gambetta in einer Rede in St. Quentin am 16. November 1871:

"Niemals davon sprechen, immer daran denken."

(Revanche gegen Deutschland)

 

 

         

 

 


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