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Halle

Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg

     

Halle an der Saale

Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg

Halle 169.000 Einwohner - 1905 = 22. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Halle - Marktplatz mit altem und neuen Rathaus. Händel-Denkmal

Halle - Marktplatz mit altem und neuen Rathaus. Händel-Denkmal

 

 

Neben der Stadt Halle an der Saale existiert im Deutschen Reich (Kaiserreich):

2) Halle in Westfalen, Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Westfalen, Regierungsbezirk Minden, am Teutoburger Wald und an der Staatsbahnlinie Brackwede-Osnabrück, hat eine evangelische Kirche, höhere Knabenschule, Amtsgericht, Elektrizitätswerk, Fabrikation von Tabak und Zigarren, Branntweinbrennerei, Bindfaden- und Fleischwarenfabrikation, Gerberei, Lumpensortiererei, Kalkbrennerei und im Jahr 1900 = 1803 meist evangelische Einwohner. Der Ort, der zur Grafschaft Ravensberg gehörte und 1614 an die Hohenzollern kam, erhielt erst 1719 Stadtrechte.

 

Halle an der Saale ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg, 75 Meter über dem Meer, liegt an der Saale, die hier zahlreiche Arme bildet, und besteht aus der eigentlichen oder alten Stadt am rechten Saaleufer mit fünf Vorstädten und den zwei ehemaligen Nebenstädten Glaucha im Süden und Neumarkt im Norden. Neue Stadtteile, besonders im Süden, Südosten., Osten und Norden sind seit einigen Jahrzehnten entstanden und vom alten Kern der Stadt durch Anlagen und Promenaden geschieden.

Halle - Altes Rathaus und Händel-Denkmal
Halle - Marktplatz
Halle - Altes Rathaus und Händel-Denkmal Halle - Marktplatz


Das Zentrum der eigentlichen Stadt bildet der imposante Marktplatz, den an der Südostseite das altertümliche, 1883 renovierte Rathaus, an der Südseite das neu erbaute Ratskellergebäude, an der Westseite die große Marienkirche mit zwei durch eine Brücke verbundenen Kuppeltürmen und reichen Netzgewölben (1529–54 mit teilweiser Benutzung einer älteren Kirche erbaut) schmücken, während in der Mitte sich der 84 m hohe Rote Turm (davor eine Rolandstatue), der Siegesbrunnen und das 1859 errichtete Erzbild Händels (von Heidel modelliert) befinden. Im Westen vom Markt liegt die Halle oder das Tal, wo sich die Salinen befanden. Weiter südlich steht die gotische St. Moritzkirche (aus dem 12. Jahrhundert), mit vortrefflichen Holzschnitzwerken und Skulpturen. Der Dom, nordwestlich vom Markt, erst im 16. Jahrhundert vom Kardinal Albrecht ausgeführt, befindet sich seit 1689 im Besitz der reformierten Gemeinde. Im ganzen zählt Halle elf Kirchen (darunter zwei katholische) und eine Synagoge.

Halle - Leipziger Straße
Halle - Markt
Halle - Dom
Halle - Leipziger Straße Halle - Markt Halle - Dom


Sonstige sehenswerte Gebäude sind die 1484–1518 erbaute Moritzburg, früher Zitadelle und Residenz der Erzbischöfe von Magdeburg, im Dreißigjährigen Kriege durch Brand zerstört, gegenwärtig teilweise noch zu militärischen Zwecken dienend, im ganzen aber eine großartige Ruine, an der Nordwestecke der Stadt; ferner die Residenz mit verschiedenen Sammlungen, das Universitätsgebäude (von 1834) im Nordosten der Stadt, das Provinzialgefängnis, das Gebäude des Stadtgymnasiums, die Diakonissenanstalt, das Martinsstift, die Gebäude der Oberpostdirektion, des Landgerichts und des Oberbergamts, die Neubauten der Universität, besonders die medizinischen Institute, die einen vollständigen, mit Parkanlagen geschmückten Stadtteil bilden (Anatomie, pathologisches und physiologisches Institut, chirurgische, medizinische, gynäkologische, Augen- und Ohrenklinik etc.), die Universitätsbibliothek, die Lehr- und Verwaltungsgebäude des landwirtschaftlichen Instituts, die Versuchsstation des Landwirtschaftlichen Zentralvereins der Provinz Sachsen, das neue Justizgebäude, der Schlacht- und Viehhof und das Theater. Von Denkmälern sind zu nennen das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. (entworfen von Bruno Schmitz), das Kriegerdenkmal und die Denkmäler des Chirurgen von Volkmann und des Komponisten Robert Franz. Die Zahl der Einwohner beträgt nach Eingemeindung anliegender Orte, besonders von dem mit Halle längst schon zusammenhängenden Giebichenstein  im Jahr 1900 mit der Garnison (2 Bat. Infanterie Nr. 36 und ein Feldartillerieregiment Nr. 75) 156.609 Seelen, davon 147.713 Evangelische, 6816 Katholiken und 1258 Juden.

Halle - Burg Giebichenstein und Cröllwitzer Brücke
Halle - Auf dem Plateau der Ruine Giebichenstein
Halle - Burg Giebichenstein und Cröllwitzer Brücke Halle - Auf dem Plateau der Ruine Giebichenstein

 

Die Industrie der Stadt ist bedeutend; am ältesten sind die Salzgewinnung, Bierbrauerei und Weizenstärkefabrikation. Die Salzwerke Halles, eins im "Tal" oder in der "Halle", das andere außerhalb der Stadt auf einer Saaleinsel, von denen jenes im uralten Besitz der Pfännerschaft von den Halloren bearbeitet wurde, sind jetzt vereinigt und liefern jährlich gegen 8500 Tonnen Siedesalz. Die Sole im Tal ist so stark, dass sie das Gradieren entbehrlich macht. Das damit verbundene Solbad wurde von Reil gegründet. Am reichsten an festen Bestandteilen sind der deutsche und der Gutjahrbrunnen, die, in der sogenannten Halle belegen, durch einen langen Rohrstrang ihre Sole nach dem 1868 durch Vertrag in das Eigentum der Pfännerschaft übergegangenen, bisher königlichen Siedewerk abgeben, während der Betrieb in der Halle selbst gänzlich eingestellt ist. Außer der Sole ist noch eine erdig-salinische Eisenquelle vorhanden. Außerdem hat Halle eine Zuckerraffinerie, zahlreiche Maschinenfabriken, Metallbearbeitungsanstalten, Fabriken für Sprit, Malz, Schokolade, Kakao, Zement, Papier- und Luffawaren, Zichorie, Mineralöl, Wagenschmiere, Maschinenöl, Kutschen, Honigkuchen, Zuckerwaren und Spielkarten; ferner Färberei, Buchdruckerei und Bergbau auf Braunkohlen. Entsprechend der Industrie, ist auch der Handel bedeutend. Unterstützt wird derselbe durch eine Handelskammer, mehrere öffentliche Bankanstalten sowie durch eine Reichsbankstelle (Umsatz 1903: 1767 Millionen Mark).

Halle - An der Gerbersaale
Halle - Moritzburg
Halle - An der Gerbersaale Halle - Moritzburg


Hervorragend ist die Ausfuhr, besonders von Maschinen nach überseeischen Ländern und von Rohzucker, Mineralöl und Paraffin. Einen bedeutenden Handelsartikel bilden auch Baumaterialien, Mühlenfabrikate und Getreide (Saalgerste). Für den Buchhandel sind eine große Zahl von Firmen tätig, darunter viele Verlagsgeschäfte; die von Casteinsche Bibelanstalt ist Zentralrevisionsstelle der Lutherbibel und hat einen jährlichen Umsatz von 50–60.000 Exemplaren. Halle ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Berlin-Weißenfels, Leipzig-Halle, Halle-Blankenheim, Halle-Cottbus, Halle-Wittenberge und Halle-Zellerfeld sowie der Kleinbahn Halle-Hettstedt und der elektrischen Bahn Halle-Merseburg. Den Verkehr in der Stadt vermitteln zwei elektrische Straßenbahnen. Eine neue Verkehrsader ist seit 1884 durch Ausdehnung der Kettenschifffahrt auf der Saale bis Halle eröffnet. Die Zahl der Bildungsanstalten ist groß. Die Universität zählte im Sommersemester 1904: 145 Dozenten und 1780 Studierende (dazu 135 Hörer und 25 Hörerinnen). Die Bibliothek enthält über 178.000 Bände und gegen 800 Handschriften; ebenfalls reich ausgestattet sind das archäologische Institut und andere Institute. Die Franckeschen Stiftungen zählen nicht weniger als acht verschiedene Schulen, darunter eine Lateinschule (Gymnasium), eine Oberrealschule, höhere Töchterschule mit Lehrerinnenseminar etc.

Halle - Das neue Amtsgerichtsgebäude
Halle - Hauptpost
Halle - Das neue Amtsgerichtsgebäude Halle - Hauptpost


Außerdem befinden sich in Halle ein städtisches Gymnasium, eine Oberrealschule, Taubstummenanstalt, Blindenanstalt, Diakonissenanstalt, Provinzialmuseum, eine Sammlung für Kunst und Kunstgewerbe, Vereine für Wissenschaft und künstlerische Zwecke, die historische Kommission für die Provinz Sachsen, ein Zoologischer Garten, Provinzialgefängnis, Irrenanstalt (in dem 2 km von der Stadt gelegenen Nietleben) etc. H. ist Sitz eines Landgerichts, eines Oberberg- und eines Hauptsteueramtes, einer Eisenbahn- und einer Oberpostdirektion, der Landschaft der Provinz Sachsen, einer Landwirtschaftskammer, des Landratsamtes für den Saalkreis sowie des Stabes der 8. Division, der 8. Kavallerie-, der 15. Infanterie- und der 8. Feldartilleriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 17 Magistratsmitglieder und 54 Stadtverordnete. Zum Landgerichtsbezirk Halle gehören die 18 Amtsgerichte zu Alsleben, Bitterfeld, Delitzsch, Eisleben, Ermsleben, Gerbstedt, Gräfenhainichen, Halle, Hettstedt, Könnern, Lauchstädt, Löbejün, Mansfeld, Merseburg, Schkeuditz, Wettin, Wippra und Zörbig. Die Umgegend von Halle  bietet nur im Norden Interesse, wo sich an den Ufern der Saale hohe, steil abfallende Porphyrhügel erheben und z. T. recht schöne Landschaftsbilder zeigen. In einem Seitental, dicht beim Stadtteil Giebichenstein, liegt das Solbad Wittekind, gegenüber, am linken Saaleufer, das jetzt eingemeindete Dorf Kröllwitz mit der vielbesuchten Bergschenke, weiter abwärts das ebenfalls zu Halle gehörige Dorf Trotha. Auch bieten die unmittelbar an Halle sich anschließenden Saalinseln Peißnitz (Nachtigalleninsel) und die Rabeninsel, reizende Spaziergänge. Beliebtes Ziel eines weitern Ausflugs ist der Petersberg.

Halle - Stadttheater
Halle - Kaiser Wilhelm-Denkmal
Halle - Stadttheater Halle - Kaiser Wilhelm-Denkmal



Die Hallischen Salzquellen waren schon in ältester Zeit bekannt, und infolge davon entstand in Halle wohl schon früh ein wichtiger Handelsplatz, der auch eine Burg besaß. Doch wird Halle urkundlich nicht vor 1064 erwähnt, und seine zusammenhängende Geschichte beginnt erst 1116 mit der Gründung des Klosters Neuwerk. Die städtische Aristokratie der Salzjunker oder Pfänner, die sich aus dem Betrieb der Salzwerke bildete, musste aus Rücksicht auf den Territorialherrn, den Erzbischof von Magdeburg, auf dessen Kosten sie ihre Macht erweiterte, der Gemeinde Zugeständnisse machen und den Kompromiss von 1427 schließen. Durch die neue Talordnung von 1475 wurde die Gewalt des alten Pfännertums gebrochen, und 1478 eroberte der Erzbischof von Magdeburg, Ernst von Sachsen, die Stadt und erbaute seit 1484 die Moritzburg, die aber im Dreißigjährigen Kriege wieder zerstört wurde. Unter den Augen Albrechts V., Erzbischofs von Mainz und Magdeburg, der hier residierte, wurde die Reformation in Halle eingeführt und 1541 als erster lutherischer Superintendent Justus Jonas berufen. Der Erzbischof Albrecht verlegte seine Residenz von Halle weg und löste das Domstift auf. Nach der Schlacht bei Mühlberg unterwarf sich hier am 19. Juni 1547 im Residenzschloss des Erzbischofs der Landgraf Philipp von Hessen dem Kaiser. Nach dem Siege der Reformation kam die Stadt unter die Herrschaft der hohenzollernschen Administratoren von Magdeburg, die in Halle ihre Residenz aufschlugen. Während des Dreißigjährigen Krieges fiel Halle 1635 an das Haus Sachsen. Durch den Westfälischen Frieden wurde es dagegen dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg zugeteilt; indes kam es erst 1680 tatsächlich in brandenburgischen Besitz. Am 12. Juli 1694 eröffnete Kurfürst Friedrich III. die Universität. Hier siegten am 17. Oktober 1806 die Franzosen unter Bernadotte über die Preußen unter Prinz Eugen von Württemberg; im Frieden von Tilsit wurde Halle dem Königreich Westfalen einverleibt. Im April 1813 von den Preußen unter Kleist besetzt, musste es trotz des erfolgreichen Gefechts bei Merseburg (29. April) den vordringenden Franzosen überlassen werden. Vor der Schlacht bei Leipzig erhielt Halle eine starke preußische Besatzung und ist seitdem im Besitz Preußens geblieben.

Halle - Poststraße mit Justizgebäude und Kaiser Wilhelm-Denkmal
Halle - Alte Promenade
Halle - Poststraße mit Justizgebäude und Kaiser Wilhelm-Denkmal Halle - Alte Promenade

 

 

Halle (Sachsen-Anhalt)


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