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Königreich Galizien und Lodomerien

nebst dem Großherzogtum Krakau und den Herzogtümern Auschwitz und Zator

Landeshauptstadt Lemberg (Lwiw oder Lviv)

Fahne - Landesfarben Königreich Galizien und Lodomerien

Fahne - Landesfarben Königreich Galizien und Lodomerien


Königreich Galizien und Lodomerien nebst dem Großherzogtum Krakau und den Herzogtümern Auschwitz und Zator

Königreich Galizien und Lodomerien - Lage in der Donaumonarchie Königreich Galizien - Wappen   Lodomerien - Wappen Königreich Galizien und Lodomerien - Karte 1914
Königreich Galizien und Lodomerien - Lage in der Donaumonarchie Wappen Königreich Galizien und Lodomerien Königreich Galizien und Lodomerien - Karte 1914

Lemberg - Landtagsgebäude

Lemberg - Landtagsgebäude

 

 

Königreich Galizien und Lodomerien nebst dem Großherzogtum Krakau und den Herzogtümern Auschwitz und Zator

Galizien ist ein österreichisches Kronland, das als solches den Titel "Königreich Galizien und Lodomerien, nebst dem Großherzogtum Krakau und den Herzogtümern Auschwitz und Zator" führt. Lodomerien ist der latinisierte Name des ehemals selbständigen Fürstentums Wladimir in Wolhynien und bildet seit der Teilung Polens 1772 (vereint mit Galizien) eins der Kronländer Österreichs mit dem Titel "Königreich", den es seit 1206 schon unter Andreas II. von Ungarn geführt hatte. Das Königreich Galizien und Lodomerien liegt zwischen 47°44' bis 50°48' nördlicher Breite und 18°56' bis 26°30' östlicher Länge, wird im Norden von Russland (Polen), im Osten von Russland (Wolhynien und Podolien) und der Bukowina, im Süden von Ungarn, im Westen von Österreichisch-Schlesien und der preußischen Provinz Schlesien begrenzt und umfasst ein Areal von 78.496 km² (1425,6 Quadratmeilen). Der Bodenbeschaffenheit nach ist der südliche Teil des Landes ein raues Hochland und gehört zum Gebirgssystem der Karpaten, deren Verzweigungen sich als Beskiden, Hohe Tatra und Karpatisches Waldgebirge an der Südgrenze gegen Ungarn hinziehen. Bedeutendere Erhebungen sind in den Beskiden die Babia-Gura (1725 m), in der nördlichen Vorlage der Hohen Tatra (der Galizischen Tatra) die Waxmundska (2192 m), im Waldgebirge die Czerna Gora (2026 m). Die Parallelketten im Innern haben stellenweise noch Gipfel von 1000–1700 m Höhe. Wichtige Karpatenübergänge sind im Westen der Pass von Jordanow, in der Tatra der Pass von Zdjar, in den leichter überschreitbaren Ostkarpaten die Pässe von Dukla, Uszok, Bereczke, Körösmezö etc. Weiter nordwärts verflacht sich Galizien zum Hügelland und geht schlussendlich am Dnjestr und an der Weichsel in ebenes Tiefland über, das nur noch jenseits dieser Flüsse im Osten zu dem wellenförmigen Plateau der podolischen Höhe (bis 400 m) und im Nordwesten von Krakau zu dem galizischen Anteil der Tarnowitzer Platte (bis 470 m) ansteigt.  Galizien hat unter allen österreichischen Kronländern das strengste Klima. Ohne Schutz gegen die rauen Nord- und Nordostwinde, hat es späte Frühlinge, kurze Sommer, aber lange und kalte Winter. Die mittlere Jahrestemperatur von Lemberg stellt sich auf 7,5°C, in Krynica auf 5,9°C.

Lemberg - Rathaus
Lemberg - Mickiewicz-Monument
Lemberg - Landtagsgebäude
Lemberg - Rathaus Lemberg - Mickiewicz-Monument Lemberg - Landtagsgebäude



Königreich Galizien und Lodomerien nebst dem Großherzogtum Krakau und den Herzogtümern Auschwitz und Zator

Geschichte

Galizien, dessen Name aus dem slawischen Halicz entstanden ist und im historischen Sinne das Nordkarpatengelände östlich vom Sanfluss, im modernen auch das ehemalige Weiß-Chorwatien, westlich von diesem Fluss, umfasst, bildete ursprünglich mehrere selbständige Gebiete lechitischer Stämme. Das westliche Gebiet, in dem sich Krakau frühzeitig zum Hauptort entwickelte, wurde gegen Ende des 10. Jahrhunderts ein Zankapfel zwischen den Reichen der Premysliden und Piasten, bis es endgültig den letzteren zufiel; das östliche, das Czerwenische Land (auch Rote Land), mit den Städten Przemysl und Czerwien, wurde 981 von dem ruthenischen Fürsten Wladimir dem Großen den Polen abgerungen, wanderte aber im 11. Jahrhundert mehrmals aus ruthenischem in polnischen Besitz und umgekehrt, bis es 1087 für dritthalbhundert Jahre ein besonderes ruthenisches Teilfürstentum unter einer Linie der ruthenischen Dynastie der Rostislawiczen wurde. Das Krakauer Gebiet führte seit seiner Eroberung durch Polen im Gegensatz zum polnischen Stammlande Großpolen den Namen Kleinpolen. Seit der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde aber der Schwerpunkt des polnischen Reiches dahin verschoben, so dass bei dem Zerfall der einheitlichen Monarchie in Teilfürstentümer nach dem Tode Boleslaws III. († 1138) Krakau die Residenz des Großfürsten wurde, der über alle Teilfürsten eine Oberherrschaft haben sollte. Der Besitz Krakaus bildete in der Folgezeit die Ursache vieler Kämpfe der einzelnen Teilfürsten. Von großer Bedeutung für die Entwickelung dieses Gebietes war jene Periode, da der schlesische Zweig der Piasten sich Krakaus und des westlichen Teiles von Großpolen bemächtigte, da damals die deutsche Kolonisation wie früher schon nach Schlesien, so jetzt den Weg nach Polen fand. Eine Zeitlang unter König Wenzel II. und dessen gleichnamigem Sohn gehörte Kleinpolen mit Krakau wieder zu Böhmen. Nach dessen Tode († 1306) eroberte aber Wladislaw Lokietek Kleinpolen zurück und erhob von neuem Krakau zur Hauptstadt des wiedergeborenen polnischen Königtums. Unter Kasimir dem Großen (1330–70) erfolgte dann 1340 die Erwerbung des Fürstentums Galizien und Lemberg, 1349 Lodomeriens.

Lemberg - Ringplatz
Lemberg - St. Elisabeth-Kirche
Lemberg - Sobieski-Denkmal
Lemberg - Ringplatz Lemberg - St. Elisabeth-Kirche Lemberg - Sobieski-Denkmal



Nachdem nämlich 1087 Rurik Rostislawicz das Czerwenische Land erobert und Przemysl zur Hauptstadt erhoben hatte, folgten unter dessen Nachfolgern schwere innere Kämpfe, in denen sich aber die Rostislawiczen mit Hilfe des ungarischen Königs behaupteten. Wladimir I. verlegte dann die Hauptstadt des Reiches von Przemysl weiter nach Osten, nach Halicz am Dnjestr, und schon in einer Urkunde von 1134 heißt dieses Reich zwischen San, Bug und Dnjestr "Der Thron von Halicz" (lat. Haliczia, Galiczia). Allein die inneren Fehden und Thronstreitigkeiten währten fort. Wladimir II. (1187–98) wurde vom Fürsten Roman von Lodomerien vertrieben, floh zu Bela III. von Ungarn, der diese Gelegenheit benutzte, um sich selber den Titel eines "Königs von Galizien" (rex Galaciae) beizulegen und seinen Sohn Andreas als Statthalter einzusetzen. Allein Wladimir vertrieb mit Hilfe König Kasimirs von Polen 1191 Andreas, und als er 1198 kinderlos starb und mit ihm das Haus der Rostislawiczen erlosch, setzte sich Roman von neuem in den Besitz von Halicz, begründete hier die Dynastie der Romanowiczen, die nunmehr die beiden Gebiete Halicz und Wladimir (Galicia und Lodomeria) vereinigte. Nach seinem Tode (1205) begannen die Streitigkeiten der Thronprätendenten von neuem, bis 1214 der Zipser Vertrag geschlossen wurde, wonach Koloman, der zweite Sohn König Andreas von Ungarn, die Tochter Leskos von Polen heiraten und beide Halicz als Königreich erhalten sollten; Lodomerien fiel an Daniel, den Sohn Romans. Der Vertragsbruch von Seiten König Andreas erschütterte jedoch das Friedenswerk, die Wirren tobten jahrelang, bis endlich Daniel auch Halicz gewann. Schließlich wurde er aber samt dem ganzen Lande dem Tatarenchan tributpflichtig (1250), alle Versuche, durch Anschluss an den Westen, durch zeitweisen Anschluss an die römische Kirche sich von dem schimpflichen Joche zu befreien, scheiterten, und er hinterließ bei seinem Tode (1266) sein Land in Knechtschaft. Ihm folgte in Halicz zuerst sein Sohn Schwarno (1266–70), dann der zweite Sohn Lew (bis 1301), von dem die noch unter Daniel gegründete nachmalige Hauptstadt von Galizien, Lemberg (Lwow), ihren Namen hatte. Im Bruderreich Lodomerien regierte gleichzeitig sein Vetter Wladimir. Die Dynastie der Romanowiczen erlosch aber schon 1324, indem Andreas von Ladomerien und Lew II. von Halicz im Kampfe gegen die Tataren fielen. Litauen, Polen, Ungarn und Tataren kämpften nun mehr als ein halbes Jahrhundert um den Besitz dieser Gebiete. Zuerst nahm König Kasimir III. von Polen 1340 das Fürstentum Galizien und Lemberg und 1349 auch Lodomerien in Besitz, und 1352 entsagte König Ludwig der Große von Ungarn seinen Ansprüchen auf Galizien unter der Bedingung, dass nach Kasimirs Tod Galizien an Ungarn zurückfallen sollte. Als Kasimir 1370 ohne Söhne starb, vereinigte Ludwig der Große von Ungarn, jetzt auch König von Polen, Galizien und Lodomerien mit Ungarn und führte in beiden Fürstentümern die römisch-katholische Religion ein. Durch die Vermählung seiner Tochter Hedwig mit dem Großfürsten Wladislaw Jagello von Litauen kam Galizien 1386 wieder an Polen, bei dem es nun bis zu dessen Teilung blieb und mit Kleinpolen immer enger zu einem politischen Gebiet zusammenwuchs.

Krakau - Bastei und Florianer Tor
Krakau - Florianer Tor
Krakau - Hauptring
Krakau - Bastei und Florianer Tor Krakau - Florianer Tor Krakau - Hauptring



Bei der ersten Teilung Polens (1772) kamen die Gebiete, die etwa das jetzige Galizien bilden (zusammen ca. 80.000 km²), unter dem Titel des Königreichs Galizien und Lodomerien an Österreich. 1786 vereinigte Österreich damit die Bukowina, die schon seit 1777 österreichisch war. Bei der letzten Teilung Polens (1795) erhielt Österreich nach die nördlich gelegenen Gebiete mit Bug und Pilica als Grenze unter dem Titel West- oder Neugalizien, während die alten Ost- oder Altgalizien genannt wurden. Doch schon im Wiener Frieden von 1809 musste Österreich ganz Westgalizien nebst Krakau an das Großherzogtum Warschau, die zwei ostgalizischen Kreise Tarnopol und Zaleszczyki an Russland abtreten. Der Wiener Kongress 1815 ließ Westgalizien bei Polen, während der an Russland abgetretene Teil von Ostgalizien an Österreich zurückgegeben, ein Teil des von Ostgalizien an Polen abgetretenen Gebietes aber zu der neuen Republik Krakau geschlagen wurde. Diese war seit 1830 ein Hauptherd der polnischen Verschwörungen, die von hier aus nach Galizien verpflanzt wurden. Als aber im Februar 1846 eine allgemeine Erhebung zur Wiederherstellung Polens versucht wurde, rückten österreichische, preußische und russische Truppen in Krakau ein, während in Galizien selbst das ruthenische Landvolk sich gegen den polnischen Adel erhob und sich für seine Bedrückung grausam an ihm rächte. Infolge dieser Unruhen wurde die Republik Krakau durch Übereinkunft der drei Schutzmächte am 6. November 1846 der österreichischen Monarchie einverleibt und 1849 mit dem Titel eines Großherzogtums zum Kronland Galizien geschlagen, die Bukowina aber als eignes Kronland von letzterem getrennt. Bei dem seit 1848 in Österreich herrschenden Nationalitätenkampf suchten auch die Polen in Galizien eine größere Selbständigkeit zu erringen. Es gelang ihnen dies auch seit Einführung der Februarverfassung, indem sie den Reichsrat zwar beschickten und sich auch äußerlich reichstreu zeigten, aber ihre Zustimmung zu den Vorlagen der Regierung nur gegen immer neue Zugeständnisse an die Autonomie Galiziens erteilten. So erlangten sie nahezu selbständige Verwaltung durch den Landtag, in dem die Polen die überwiegende Mehrheit hatten; sie benutzten sie, um das Deutschtum völlig zu verdrängen und die Ruthenen (Ukrainer) gänzlich zu unterdrücken, alle Ämter fielen Polen zu. Die Landesausstellung von 1894 wies manchen Fortschritt Galiziens in kultureller Beziehung auf; die sozialen, wirtschaftlichen und nationalen Verhältnisse erhalten aber durch die starke Auswanderung der Arbeiter, durch Studentenunruhen an der Lemberger Universität, durch gelegentliche Brandreden der sozialdemokratischen Abgeordneten im österreichischen Abgeordnetenhaus über die Herrschaft des polnischen Adels, durch den Nachhall, den die Vorgänge in Wreschen in Lemberg und in andern galizischen Städten fanden, von Zeit zu Zeit eine grelle, wenig erfreuliche Beleuchtung.

Krakau - Theater
Krakau - Mickiewicz-Monument
Krakau - Rathausturm
Krakau - Theater Krakau - Mickiewicz-Monument Krakau - Rathausturm


Galizien nimmt (mit der Bukowina) unter den Ländern Österreichs aus vielen Gründen eine ausgeprägte Sonderstellung ein. Es weist eine Fülle höchst eigenartiger ethnischer, kultureller und politischer Probleme auf, die im übrigen Österreich fremd sind, denn es ist nicht in Jahrhunderte langen, langsamen, organischen Werden in den österreichischen Staat hineingewachsen. Im Typus des Landschaftsbildes und des Klimas, in den Erscheinungen der Anpassung des Menschen an die von der Natur gegebenen Existenzbedingungen - überall sehen wir diese Eigenarten ausgeprägt. Kein Wunder, wenn dieses, durch einen politischen Akt, nicht durch eine natürliche Entwicklung an Österreich angegliederte Land die Assimilation des österreichischen Staates auf eine schwere Probe gestellt hat, eine Probe, die umso härter war, als vor Zeiten der Leitung des Staates sich nicht allzu viel Mühe gab, die mangelnde natürliche und historische Verwandtschaft durch kulturelle Bande zu ersetzen. Erst die Regierungszeit Kaiser Franz Josef I. suchte auch in dieser Hinsicht und mit Erfolg Wandel zu schaffen.

 

Königreich Galizien und Lodomerien nebst dem Großherzogtum Krakau und den Herzogtümern Auschwitz und Zator

Daten

Größe: 78.497 km²

Einwohner: Die Bevölkerung von Galiziens betrug 1869: 5.444.689, 1880: 5.958.907, 1890: 6.607.816 und Ende 1900: 7.315.939 Einwohner, zeigt demnach eine sehr starke Vermehrung (in der Periode 1890–1900 um 10,72 %). Auf 1000 Bewohner kamen 1900: 8,7 Trauungen, 44 Lebendgeborene und 28 Gestorbene; es ergab sich sonach ein Geburtenüberschuss von 16 auf 1000 Bewohner. Unter 1000 Geborenen waren 118 unehelich und 22 Totgeborene.

1869 1880 1890 1900 1910
5.444.689 5.958.907  6.607.816 7.315.939 ca. 8.000.000

Gewässer: Was die Gewässer betrifft, so gehört im allgemeinen der westliche Teil Galiziens dem Stromgebiet der Weichsel, der östliche zum größeren Teil dem des Dnjestr, zum kleineren Teil dem des Dnjepr (im Nordosten bei Brody durch den Styr, einen Zufluss des Pripet) und dem der Donau (durch den Pruth, der die südöstliche Ecke des Landes durchfließt) an. In die Weichsel münden die Sola, Skawa, Raba, der Dunajec mit dem Poprad und der Biala, die Wisloka, der schiffbare San mit dem Wislok und der Bug; der Dnjestr dagegen empfängt rechts den Stryj, die Swica, die Lomnica und Bystrzyca, links die Gnila Lipa und Zlota Lipa, Strypa, Sereth und den Zbrucz, welcher die Ostgrenze bildet. Unter den Zuflüssen des Pruth ist der Czeremosz, der Grenzfluss gegen die Bukowina, nennenswert. Zahlreich sind die Mineralquellen, von denen der Säuerling zu Szczawnica, die eisenhaltigen Quellen zu Krynica, die Jodquellen von Iwonicz und die Schwefelquellen von Truskawiec die besuchtesten sind.

Przemysl - Am Tor
Przemysl - Nowa wieza katedralna
Przemysl
Przemysl - Am Tor Przemysl - Nowa wieza katedralna Przemysl


Bewohner: Hinsichtlich der Nationalität (Umgangssprache) kommen von der ein heimischen Bevölkerung Ende 1900: 54,75 % auf die Polen, 42,20 % auf die Ruthenen (Ukrainer). Jene überwiegen in Westgalizien, diese in Ostgalizien. Die Polen bilden den galizischen Adel, die Städtebevölkerung und im Westen auch den Bauernstand. Die Bergbewohner in den westlichen Karpaten heißen Goralen; die ruthenischen Gebirgsbewohner heißen Bojken und Huzulen. Außerdem wohnen in Galizien Deutsche (211.752, darunter viele Kolonisten, die seit Joseph II. ins Land kamen); ferner 9014 Tschechen, Mährer und Slowaken.

Volkszählung von 1910 nach Umgangssprache:

  • Polen         58,6 %
  • Ruthenen   40,2 %
  • Deutsche     1,1 %

Die Deutschen stammen aus den verschiedensten Gegenden, zum größten Teil gehören sie dem bayrisch-österreichisch (1/3), schwäbischen (2/7) und fränkischen Stamm (1/5) an, also dem süddeutschen Zweig, neben dem die sudetisch-obersächsische Deutschen und die Niederdeutschen mit je 1/13 eine geringe Rolle spielen. Die katholischen Deutschen vermischten sich zu allen Zeiten jedoch sehr rasch durch Heirat mit Polinnen. Die Deutschen Galiziens (1910) sind fast ausschließlich Ackerbauern, zum Teil einfache Handwerker. Nur auf dem Lande bewahren sie teilweise ihre Tracht (hochschäftige Stiefel, schwarze Hose und Rock, blaue Weste). Ihre Sprache ist ein Gemisch, neben vieler slawischer Beimengungen sind besonders alemannische Elemente hervorstechend.

Bevölkerungsdichte: 102,3 Einwohner/km² (Volkszählung von 1910)

 Die Volksdichtigkeit betrug 1900: 93 Bewohner auf 1 km². Die Bewohner verteilten sich 1900 auf 11.779 Ortsgemein den und Gutsgebiete und 12.421 Ortschaften mit 1.110.863 bewohnten Häusern.

Religion: Der Konfession nach sind 1900 3.350.512 Personen römisch-katholisch (vorwiegend Polen im Westen), 3.104.103 griechisch-katholisch (zumeist Ruthenen im Osten des Landes) und 1532 armenisch-katholisch; 45.331 sind evangelisch und 811.371 Israeliten. Die römisch-katholische Kirche hat einen Erzbischof (zu Lemberg), 3 Bischöfe (zu Krakau, Przemysl und Tarnow); die Griechisch-Katholischen haben einen Erzbischof (zu Lemberg), 2 Bischöfe (zu Przemysl und Stanislau); die Armenisch-Katholischen gleichfalls einen Erzbischof zu Lemberg; die Protestanten zwei Superintendenten, die Israeliten 252 Kultusgemeinden. Katholische Ordenshäuser gab es: 249 mit 4041 Ordensmitgliedern

Konfessionen 1910:

  • römisch Katholisch (Polen)            3.731.569  = 46,5 %
  • Griechisch Katholisch (Ruthenen)  3.379.613 =  42,1 %
  • Juden                                               871.895 =  11,1 %
  • Evangelisch A.B./ H.B.                      37.144 =    0,5 %
  • Griechisch-nichtunierte Kirche             2.770
  • Armenisch Katholisch                         1.392

Die fasst eine Million zählenden, kulturell-ethnisch eine selbstständige Rolle spielenden Juden Galiziens bilden mit den Juden des Königreichs Polen und Südrusslands den größten, jüdischen Komplex auf der Erde.

Stanislau - Mickiewiczplatz
Stanislau - Totalansicht
Stanislau - Mickiewiczplatz Stanislau - Totalansicht


Wirtschaft:

Land- und Forstwirtschaft: Die produktive Bodenfläche beträgt 96,65 % der ganzen Landesfläche; auf Ackerland kommen 48,45 %, auf Wiesen 11,16 %, auf Gärten 1,39 %, auf Weiden 9,62 %, auf Wald 25,76 % und auf Seen, Teiche und Sümpfe 0,27 % der Bodenfläche. Die Getreideernte liefert, obwohl der Ackerbau auf keiner hohen Stufe steht, in guten Jahren einen Überschuss über den Bedarf des Landes. 1901 ergab sie: 4.196.434 metrische Zentner Weizen, 4.475.386 metrische Zentner Roggen, 2.491.796 metrische Zentner Gerste, 4.606.852 metrische Zentner Hafer, 954.116 metrische Zentner Mais, 273.100 hl Hirse und 524.556 hl Buchweizen. Sehr ausgedehnt ist der Anbau von Kartoffeln (36.085.922 metrische Zentner) und Hülsenfrüchten (1.018.672 hl). Wichtige landwirtschaftliche Produkte sind ferner Raps (68.799 metrische Zentner), Flachs (85.000), Hanf (87.175), Tabak (20.541), Hopfen (10.135), Zuckerrüben (1.076.159), Futterrüben (4.704.198), Kraut (906.793), Kleeheu (7.744.440), Grasheu (18.049.159) und Obst (414.065 metrische Zentner). Der jährliche Holzzuwachs beträgt 7.046.468 Festmeter. Große Mengen Nutzholz, auch für den Schiffbau, werden auf den Flüssen und Eisenbahnen ins Ausland verfrachtet. Die Viehzucht Galiziens liefert kleine, aber ausdauernde Pferde; Rinder werden in großen Mengen nach den westlichen Kronländern ausgeführt. Auf den Hochweiden der Karpaten findet eine Art Sennwirtschaft statt. 1900 zählte man 864.427 Pferde, 2.714.622 Rinder, 437.697 Schafe, 17.952 Ziegen, 1.254.334 Schweine, 211.157 Bienenstöcke und 7.754.870 Stück Geflügel. An Raubwild wurden 1896: 5 Bären, 43 Wölfe, 22 Luchse, 6645 Füchse etc. erlegt.

Bergbau: Unter den mineralischen Produkten des Landes nehmen Salz, Petroleum und Steinkohlen die erste Stelle ein. 1901 wurden 366.946 metrische Zentner Steinsalz und 553.730 metrische Zentner Industriesalz in den beiden staatlichen Steinsalzbergwerken zu Wieliczka und Bochnia, dann 524.179 metrische Zentner Sudsalz in neun ostgalizischen Salinen, zusammen im Werte von 17.419.697 Kronen, gewonnen, wobei 2178 Arbeiter beschäftigt waren. Auf Erdöl waren 200 Unternehmungen in der Gegend von Jaslo, Boryslaw und Kolomea im Betrieb, die 4.522.000 metrische Zentner produzierten. Steinkohle wird nordwestlich von Krakau (9.878.544 metrische Zentner, 4056 Arbeiter) gefördert. Andere Montanprodukte sind: 32.948 metrische Zentner Bleierz, 48.356 metrische Zentner Zinkerz, 1.127.840 metrische Zentner Braunkohle, ferner 26.583 metrische Zentner Gußroheisen und 36.837 metrische Zentner Zink.

Jaroslaw - Kraszewskigasse
Jaroslaw - Altes Schloss
Jaroslaw - Kraszewskigasse Jaroslaw - Altes Schloss



Industrie und Handel, Schulen: Die wichtigsten Zweige der im ganzen noch wenig entwickelten Fabrikindustrie sind: die Tuchindustrie von Biala und Umgebung, die Branntweinbrennerei (1900: 687 Brennereien mit einer Erzeugung von 564.975 hl Alkohol), die Spiritusraffinerie, Likör- und Essigfabrikation, die Bierbrauerei (1900: 117 Etablissements mit einer Produktion von 1.152.115 hl Bier), die Petroleumraffinerie (62 Raffinerien, 645.938 metrische Zentner Produktion), der Sägebetrieb, die Müllerei, die ärarische Tabakfabrikation (5 Fabriken mit 4264 Arbeitern und einer Produktion von 46.518 metrische Zentner), die Papierfabrikation, die Zuckerfabrikation (2 Fabriken mit 1248 Arbeitern und 108,284 metrische Zentner Produktion). Außerdem bestehen in Galizien Maschinenfabriken, Kalk- und Zementbrennereien, Gipsbrennereien, Dampfziegeleien, Tonwarenfabriken, Glashütten, Parkett- und Möbelfabriken, Gerbereien, eine Zinkweißfabrik, Zündholzfabriken, Chemikalien-, Ol-, Leuchtgas-, Spodium- und Superphosphatfabriken, Buch- und Steindruckereien. Der Handel, der größtenteils in den Händen der Juden liegt, ist ziemlich lebhaft. Zur Ausfuhr kommen meist Rohprodukte: Getreide, Klee- und Ölsaat, Holz, Vieh (besonders Mastochsen), Salz, Petroleum und Spiritus. Dagegen wird fast der ganze Bedarf an Industrieartikeln aus dem westlichen Österreich eingeführt. Von Bedeutung ist der Transitverkehr zwischen Westösterreich und Deutschland und den Ländern am Schwarzen Meer, der durch die großen Eisenbahnlinien, die Galizien durchziehen, vermittelt wird. Die Gesamtlänge der Bahnen in Galizien betrug Ende 1900: 3584 km. Außerdem sind 13.917 km Landstraßen und 2103 km Wasserstraßen, ferner 927 Postanstalten und 384 Staatstelegraphenstationen vorhanden. Banken und Kreditinstitute (hauptsächlich für den Bodenkredit) bestehen in Galizien fünf mit einem eingezahlten Aktienkapital von 22,3 Millionen Kronen und einem Pfandbriefumlauf von 469,6 Millionen Kronen. Die Sparkassen haben sich noch wenig eingebürgert, es sind deren 44 mit einem Einlagenstand von 187,5 Millionen Kronen vorhanden.

An Bildungsanstalten besitzt Galizien 2 Universitäten, in Lemberg und Krakau, mit 2004, bez. 1331 Hörern, eine Technische Hochschule in Lemberg (700 Studenten), eine Kunstschule in Krakau, 5 theologische Lehranstalten; 30 Gymnasien und Realgymnasien, 6 Realschulen, 10 Bildungsanstalten für Lehrer und 3 für Lehrerinnen; 9 Handelsschulen, 2 Staatsgewerbeschulen, 35 gewerbliche Fach- und 51 Fortbildungsschulen, 15 land- und forstwirtschaftliche Schulen, eine Bergschule, eine Tierarznei- u. Hufbeschlagschule und 4170 Volksschulen mit 796.143 schulbesuchenden Kindern (von 1.121.540 schulpflichtigen, also 71 %). In Krakau hat eine Akademie der Wissenschaften ihren Sitz.

Tarnopol - Ul. Mickiewicza
Tarnopol - Kościół Dominikański
Tarnopol - Ul. 3-go Maja
Tarnopol - Ul. Mickiewicza Tarnopol - Kościół Dominikański Tarnopol - Ul. 3-go Maja

 

Königreich Galizien und Lodomerien nebst dem Großherzogtum Krakau und den Herzogtümern Auschwitz und Zator

Verfassung und Verwaltung. Der Landtag von Galizien besteht aus 161 Mitgliedern und zwar:

  • den 3 Erzbischöfen
  • 5 Bischöfen
  • 4 Hochschulrektoren
  • 44 Abgeordneten des großen Grundbesitzes
  • 28 der Städte und Märkte
  • 3 der Handels- und Gewerbekammern
  • 74 der Landgemeinden.

In den Reichsrat entsendet Galizien 78 Mitglieder. Als politische Behörde besteht die Statthalterei in Lemberg, der die Magistrate und Polizeidirektionen von Lemberg und Krakau und 78 Bezirkshauptmannschaften unterstellt sind. In den Bezirken sind auch autonome Bezirksvertretungen errichtet. Die Rechtspflege wird von 2 Oberlandesgerichten (zu Lemberg für Ostgalizien und die Bukowina und zu Krakau für Westgalizien), 2 Landesgerichten, 14 Kreis- und 168 Bezirksgerichten ausgeübt. Finanzbehörden sind die Finanzlandesdirektion und 17 Finanzbezirksdirektionen. Als oberste Militärbehörden bestehen 3 Korpskommandos (zu Lemberg, Krakau, Przemysl). Das Wappen des Kronlandes ist ein blauer Schild mit schmalem roten Querbalken, über dem eine schreitende schwarze Dohle, unterhalb drei goldene Kronen erscheinen. Hauptstadt ist Lemberg.

Politische Verwaltung und Einteilung:

An der Spitze der von der Zentralregierung abhängigen Verwaltung steht in Galizien als Stellvertreter des Kaisers der Statthalter mit Sitz in Lemberg; als solcher leidet er

  • die Statthalterei, der die Bezirkshauptmannschaften, die Bürgermeister von Krakau und Lemberg und die Polizeidirektionen unterstehen,
  • die Landesfinanzdirektionen, der die Einhebung und Verwaltung der Steuern und Zölle obliegt,
  • den Landesschulrat, dem die Bezirks- und Ortsschulräte untergeordnet sind.

Seit der politischen Neuorganisation des Reiches 1867 teilt man Galizien in Bezirksmannschaften; von denen es 82 und zwei Städte (Lemberg und Krakau) mit eigenem Statut gibt. In Galizien gibt es 6.247 Gemeinden.

Bezirk Areal im km² Bevölkerung 1900
Lemberg (Stadt) 32 159.877
Krakau (Stadt) 8 91.323

 

Lemberg - Theater Lemberg - Central-Bahnhof Lemberg - St. Jura-Kirche Lemberg - Sofie-Platz
Lemberg - Theater Lemberg - Central-Bahnhof Lemberg - St. Jura-Kirche Lemberg - Sofie-Platz
Krakau - Theater Krakau - Tuchhalle (Südseite) Krakau - Königsschloss mit Weichsel Krakau - Stadttor
Krakau - Theater Krakau - Tuchhalle (Südseite) Krakau - Königsschloss mit Weichsel Krakau - Stadttor


Bezirk Areal im km² Bevölkerung 1900
Biala 635 101.492
Bóbrka 890 79.390
Bochnia 877 105.093
Bohorodczany 892 61.665
Borszczów 1025 109.220
Brody 1752 138.170
Brzesko 853 97.345
Brzezany 1162 95.164
Brzozów 684 78.694
Buczacz 1193 123.704


Bezirk Areal im km² Bevölkerung 1900
Chrzanów 721 92.168
Cieszanów 1136 79.568
Czortków 694 71.981
Dabrowa 650 68.730
Dobromil 886 68.987
Dolina 2497 105.262
Drohobycz 1456 134.056
Gorlice 916 83.069
Grodek 887 71.482
Grybów 585 50.919


Bezirk Areal im km² Bevölkerung 1900
Horodenka 904 91.447
Husiatyn 873 93.854
Jaroslau 1347 136.573
Jaslo 820 83.794
Jaworów 1005 78.002
Kalusz 1183 87.161
Kamionka Strumilowa 1521 104.094
Kolbuszówa 868 74.443
Kolomea 800 109.212
Kosów 1920 84.045
Krakau (Umgebung) 498 86.445
Krosno 730 82.480


Bezirk Areal im km² Bevölkerung 1900
Lańcut 865 92.691
Lemberg (Umgebung) 1264 125.931
Limanova 952 75.980
Lisko 1831 95.362
Mielec 895 75.315
Mościska 755 79.184
Myślenice 1046 88.714
Nadwórna 1917 79.116
Neumarkt 1306 78.995
Neu-Sandec 1262 119.773
Nisko 973 65.301


Bezirk Areal im km² Bevölkerung 1900
Peczeniźyn 377 37.136
Pilzno 586 50.250
Podgórze 236 60.066
Podhajce 1060 88.035
Przemysl 1002 144.875
Przemyslany 925 77.238
Przeworsk 394 49.095
Rawa Ruska 1401 105.185
Rohatyn 1147 108.416
Ropczyce 800 78.480
Rudki 703 70.440
Rzeszów 987 134.322


Bezirk Areal im km² Bevölkerung 1900
Sambor 948 96.215
Sanok 1239 103.590
Saybusch 1153 108.629
Skalat 917 91.763
Sniatyn 604 84.360
Sokal 1335 100.155
Stanislau 869 134.100
Stary Sambor 725 56.859
Stryj 1928 116.058
Strzyźów 521 55.993


Bezirk Areal im km² Bevölkerung 1900
Tarnobrzeg 956 74.088
Tarnopol 1164 131.632
Tarnów 772 107.470
Tlumacz 919 105.769
Trembowla 697 77.212
Turka 1458 71.057
Wadowice 834 107.383
Wieliczka 458 61.922
Zaleszczyki 718 77.641
Zbaraż 740 67.383
Zloczów 1814 163.016
Zolkiew 1203 90.227
Zydaczów 936 74.148


Krakau - Rathausturm Przemasl - Micklowicz- und Bahngasse Lemberg - Heiliger Geist-Platz
Krakau - Rathausturm Przemysl - Mickiewicz- und Bahngasse Lemberg - Heiliger Geist-Platz

 

 

Königreich Galizien und Lodomerien nebst dem Großherzogtum Krakau und den Herzogtümern Auschwitz und Zator

Lied der Deutschen in Galizien

Anton August Raff


1. So war es Gottes Rat und Schluß,
so war's des Schicksals Wille;
es zogen aus mit schwerem Fuß
die Väter ernst und stille;
sie zogen in das Ost-Grenz-Land,
nach Polens fernen Marken,
zu baun das Land mit starker Hand,
mit Pflug und Eisenharken.

2. Mit deutscher Kraft und deutschem Fleiß
ward unser Heim errungen;
wir hegen's treu um jeden Preis,
von keiner Not bezwungen.
Wir halten fest mit deutscher Treu
das Erbgut unsrer Ahnen,
in unsren Herzen lebt stets neu
der deutschen Mutter Mahnen.

3. Und deutsche Lehre, deutsches Recht,
den guten deutschen Glauben,
die deutsche Sitte schlicht und echt
soll keine Macht uns rauben!
Aus unsrer Kinder Augenblau,
aus unsrer Mütter Lehren
kommt Trost und Kraft im Wettergrau,
gilt's neuer Not zu wehren.

4. So wollen wir nach Gottes Rat
es treulich weiter halten
und tapfer stets mit deutscher Tat
der Väter Gut verwalten!
Der deutsche Pflug, die deutsche Art,
die sollen nimmer rosten;
wir halten aus, in Treu geschart,
als deutscher Stamm im Osten!

 

Königreich Galizien und Lodomerien nebst dem Großherzogtum Krakau und den Herzogtümern Auschwitz und Zator

Erster Weltkrieg - Einzug der Verbündeten in Przemysl

Erster Weltkrieg - Einzug der Verbündeten in Przemysl

 

 

 

         

 

 

 


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